22 Juni

Spontis Wochenschau #18

Kategorie: Vernetzt, Wochenschau — Jahrgang: 20106 Kommentare

Spontis WochenschauWie ein Schleier des Schwei­gens hüllt sich die Nacht über das Land. Nicht so in den schwar­zen Welt der Blog­ger, der ich mich in die­ser Aus­gabe der Wochen­schau wid­men möchte. Unglaub­lich inter­es­san­tes hat die letz­ten Wochen mei­nen Google-Reader erreicht. Bin nicht viel zum lesen gekom­men, da die kleine Blog-Gestaltungs-Orgie meine Frei­zeit in Anspruch genom­men hat. Man könnte fast behaup­ten: Gut das der Som­mer noch auf sich war­ten lässt! Stimmt aber nicht ganz, eigent­lich hab ich den Win­ter lie­ber. Aber immer noch bes­ser als die Zeit dazwischen.

Außer­dem habe ich mei­nen Plan, die Links zu auto­ma­ti­sie­ren erst­mal wie­der auf Eis gelegt, bis­her zeigte sich keins der Plugins die Mög­lich­kei­ten zur Inte­gra­tion der Rea­ders in den Blog eröff­nen, mit einer Zusam­men­ar­beit mit mir bereit. Ich fürchte wir haben da ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­blem. Pah! Ich habe Zeit. Eure Zeit werde ich bis dahin mit Lese­stoff vertreiben.

  • BBC-Doku »Gothic«, 1987
    Karn­stein von den Otranto Archi­ven macht sich über ein Radio­re­por­tage der BBC aus dem Jahre 1987 her und hat sich die Arbeit gemacht, den gesam­ten Bericht als Abschrift  anzu­bie­ten und die­sen auch noch zu über­set­zen. Meine Emp­feh­lung: Stream ein­schal­ten und dabei lesen. »Chris Nichol­son erkun­det Musik, Klei­dung und Life­style der Gothics.
    Don­ners­tag Nacht in der Lon­do­ner Innen­stadt, halb eins, und der füh­rende Gothic-Club der Stadt – das Kit Kat – erwacht gerade erst. Im Kit Kat ist es sehr dun­kel und sehr sehr laut. Das mag auf viele Nacht­clubs zutref­fen, doch die Leute im Kit Kat sind nach jedem nur erdenk­li­chen Stan­dard extrem geklei­det. Die domi­nie­rende Farbe ist schwarz – schwar­zes Satin, schwar­zes Gummi, schwar­zes Haar. Män­ner wie Frauen tra­gen Make-up, sie haben weiß-geschminkte Gesich­ter, dunk­len Lid­schat­ten, pur­pur­nen Lip­pen­stift. Der Effekt ist düs­ter und gla­mou­rös. Tod, Sex und Schön­heit ver­ei­nen sich im Gothic-Look.
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  • Gruf­tige Kurz­film­klas­si­ker
    Ricarda vom ganz nor­ma­len Chaos hat sich wie­der ein­mal der fil­mi­schen, düs­te­ren Kunst in For­men von Kurz­fil­men gewid­met, dar­un­ter auch der 1982er Kurz­film »Vin­cent« von Tim Bur­ton. »Vin­cent Mal­loy is seven years old, He’s always polite and does what he’s told, For a boy his age, he’s con­side­rate and nice, But he wants to be just like Vin­cent Price, He doesn’t mind living with his sis­ter, dog and cats, Though he’d rather share a home with spi­ders and bats, There he could reflect on the hor­rors he’s inven­ted, And wan­der dark hall­ways, alone and tor­men­ted…«
  • Gothic-Szene, feh­lende Erzie­hung, Sex-Kinder
    Tim Del­las guckt Fern­se­hen und rech­net auf seine Art mit der Gothic-Szene ab: »Man will “indi­vi­du­ell sein”, “anders sein” als die Nor­ma­los. “Andere Musik” hören und “andere Gewohn­hei­ten” pfle­gen (anders tan­zen, nicht ange­passt sein, schwarz schön fin­den dür­fen…). Zuge­hö­rig­keits­ge­fühl inklu­sive. Tole­ranz wird gefor­dert, aber sel­ten sel­ber geübt. Selbst­be­stimmte Iso­la­tion mit einer Gruppe von Men­schen, die nur der Musik­ge­schmack ver­bin­det. Ver­hal­tens­an­pas­sung an eine Szene, das Gegen­teil von Indi­vi­dua­li­tät. Wer sich dem Dress­code der Szene anpasst, die­selbe Musik hört und auf Fried­hö­fen Pick­nick macht, weil’s in der Szene in ist – viel Spaß, ihr Indi­vi­dua­lis­ten«.
  • Nar­ziss im Rinn­stein
    Ulrike Nimz von kreu­zer online beschäf­tigt sich mit dem 19. WGT in Leip­zig. Unge­wohnt reflek­tiert, außer­ge­wöhn­lich gut infor­miert und erfri­schend pro­vo­ka­tiv: »Kom­mer­zia­li­sie­rung und ver­meint­li­cher Wer­te­ver­fall ent­lo­cken alt­ein­ge­ses­se­nen Sze­ne­gän­gern seit Jah­ren tiefe Seuf­zer der Resi­gna­tion. Hier wie dort man­gele es an tief­grün­di­ger Aus­ein­an­der­set­zung, so der all­ge­meine Tenor. Und tat­säch­lich erschöpft sich die mediale Bericht­er­stat­tung auch dies­mal in Bil­der­ga­le­rien der »kras­ses­ten Out­fits« und Haus­frauen, die von Fern­seh­ka­me­ras zum Umsty­len durch die Leip­zi­ger Innen­stadt gejagt wer­den.« Hut ab.
  • The Suther­land Sis­ters
    Die Kel­lys der Jahr­hun­dert­wende, 7 mal Haare bis zum Boden, 7 Gesangs­ta­lente, 7 Wun­der für die Men­schen der Indus­tria­li­sie­rung: »The Seven Suther­land Sis­ters lived in Cam­bria, just outs­ide of Lock­port, NY. In the late 1800’s they were con­side­red world famous cele­bri­ties with their floor length long hair and beau­ti­ful sin­ging voices. Their hair pro­ducts made them mil­lio­nai­res; their spen­ding made them pau­pers.«
  • Love­craft @ Mas­ter­mind
    Last but not Least: »Aus den unend­li­chen Tie­fen unge­nann­ter Abgründe steigt diese Toch­ter des ural­ten Abd Al’Azrad als Kan­di­da­tin der bri­ti­schen Rate­sen­dung Mas­ter­mind empor und bannt alle Zuse­hen­den mit ihren Ver­schwö­run­gen, in denen sich das Übel der gro­ßen Alten seine Bahn bricht und auf die Mensch­heit her­ab­reg­net, gleich einem tief­schwar­zen, übel­rie­chen­den Odem aus der tiefs­ten Tiefe der Hölle.»
(Bild­quelle: Bundesarchiv@Wikipedia)

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Vernetzt, Wochenschau
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6 Kommentare

  1. Danke — gute Berichte und Sei­ten dabei. Allen voran Otranto/von Karnstein.

    Die gruf­ti­gen Kurz­film­klas­si­ker muss ich mir heut abend anschauen.

    Zu Tim Del­las: naja, »ich hab mich wei­ter­ent­wi­ckelt« ist für mich ein Euphe­mis­mus für »ich lebe das Leben wie alle ande­ren« –> zeigt schon, wie viel Fern­se­hen er schaut *lol*. Es kommt immer dar­auf an, wie stark etwas in einem drin steckt, wie stark es Lebens­ge­fühl ist. Ich schminke mich ja nicht für die Szene, jeden­falls nicht nur, son­dern für mich selbst. Aber er schreibt lus­tig: ob man nicht sein leben damit ver­trö­delt, sich zu schmin­ken. Hihi. Muss ich da mal drü­ber nachdenken?

  2. Bitte — schön wenn etwas dabei ist was Dich neu­gie­rig macht. Ja so ist er wohl der Herr Del­las. Allein sein Fazit »Dum­mes Deutsch­land« ist die berühmte Schub­lade, in der er ja par­tout jeden Ein­woh­ner steckt. Immer­hin ist der Arti­kel auch schon 2 Jahre alt, bleibt zu hof­fen das sich Hr. Del­las nun wirk­lich wei­ter­ent­wi­ckelt hat ;)

  3. Hehe, vie­len Dank auch an die­ser Stelle noch­mal ^^
    Über »Vin­cent« habe ich ja lus­ti­ger­weise auch schon geb­loggt, aber die meis­ten ande­ren kenne ich auch noch nicht — grad mal reinschauen :)

  4. Den Bericht »Nar­ziss im Rinn­stein« finde ich groß­ar­tig. Es gibt sicher auf dem WGT und auf ande­ren gro­ßen Fes­ti­vals sehr viele Besu­cher im „natür­lich schwar­zen“ Out­fit, die sich für die Ver­an­stal­tun­gen, das Ambi­ente und andere Dinge als far­bige Kon­takt­lin­sen inter­es­sie­ren, aber an den Spackos kommt man ja ein­fach nicht vor­bei. Mir ver­saut das immer die Stim­mung, wenn ich die ver­klei­de­ten Schau­läu­fer sehe. Hat ein biß­chen was von Fremd­schä­men. Also meine „Fami­lie“ ist das jeden­falls nicht. Ich hab in über 20 Jah­ren Sze­ne­zu­ge­hö­rig­keit noch kei­nen ernst­zu­neh­men­den „schwar­zen“ Men­schen getrof­fen, der bei 30 Grad im Schat­ten mit Gas­maske durch die Gegend läuft. Da lob ich mir kleine Kon­zerte in klei­nen Clubs mit Leu­ten, die nicht um jeden Preis auf­fal­len son­dern sich ein­fach nur wohl­füh­len wollen.

  5. Echt, ist der Dellas-Bericht schon 2 Jahre alt…hab ich gar nicht gese­hen **ups** da sollt er sich aber mäch­tig wei­ter­ent­wi­ckelt haben in der Zeit.

    @Orphi DAS hast Du genau rich­tig und gut gesagt. Finde auch, dass es lang­sam über­hand nimmt und das WGT für eine gewisse Masse zu einer Art »Kar­ne­val« mutiert. Aber so ist es wohl immer, wenn etwas brei­ten­wirk­sam wird. Ich geh dann auch lie­ber in die klei­nen Clubs, wo man »unter sich« ist.

  6. Wenn man das Glück hat einen sol­chen Platz zu haben an dem man »unter sich« ist. Man kann das WGT zwie­späl­tig sehen, aber zwi­schen all den Kar­ne­va­lis­ten ist es immer noch das größte Tref­fen die­ser Art, an dem auch als »ernst­zu­neh­men­der schwar­zer Mensch« mit ande­ren gleich­ge­sinn­ten Tref­fen kann, das pas­siert frei­lich in klei­ner Nischen als auf dem AGRA Gelände. Ich denke das in Zei­ten von Inter­net, durch das Deutsch­land so klein erscheint umso wich­ti­ger ist, einen zen­tra­len Anlauf­platz zu haben, in dem man wenigs­tens 1-mal im Jahr die Mög­lich­keit hat sein schrei­ben­des Gegen­über zu treffen.

    Aber ich stimme euch zu, ein biss­chen weni­ger Show­ein­la­gen von Leu­ten die um jeden Preis auf­fal­len wol­len, würde ich auch als ange­nehm emp­fin­den. Das gilt nicht nur für das WGT, son­dern für alle gro­ßen Festivals.

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