14 April

Von der Reichsmark zur Eintrittskarte – WGT 2014

von Robert ForstKategorie: HintergründeDiskussion: 49 Kommentare
Zwanzig Reichsmark 1924

Die historische Designvorlage der WGT Eintrittskarte aus dem Jahr 1924

Am 11. November 1918 schwiegen die Waffen, der erste Weltkrieg wurde beendet. Zurück blieben 17 Millionen Tote und Zerstörung. Das deutsche Kaiserreich endet im Chaos, die Monarchie hatte sich mit der vorauszusehenden Niederlage endgültig erledigt – das Volk ist enttäuscht, verbittert und hoffnungslos. 1919 entlässt die Nationalversammlung in Weimar die Deutschen in eine parlamentarische Demokratie. Bereits zu diesem Zeitpunkt ist die deutsche Mark nur noch die Hälfte wert. Um die Staatsschulden, die der Krieg in Form von Reparationszahlungen hinterlassen hatte in den Griff zu bekommen, erhöhte man die im Umlauf befindlich Geldmenge drastisch. Der Beginn der Hyperinflation, denn mangelnde Versorgung mit Sachgütern verschärften das Problem. Im Oktober 1921 war die Mark nur noch ein Hundertstel, im Oktober 1922 nur noch ein Tausendstel wert.

In Wäschekörben trugen die Bürger ihre wertlosen Geldscheine in die Läden. 105 Milliarden Papiermark kostete ein Brot, ein Ticket für die Straßenbahn für schlappe 150 Milliarden – es war sogar billiger, sich die Wände mit den gedruckten Scheinen zu tapezieren, als die eigentliche Tapete dafür zu kaufen.  1924 dann die erlösende Währungsreform zur Reichsmark, die als “Wunder der Rentenmark” in die Geschichte eingehen sollte.  Den ganzen Artikel lesen… »


9 April

One-Way-Ticket nach Shanghai – Interview mit Janina Gantzert

von Robert ForstKategorie: InterviewsDiskussion: 33 Kommentare

Janina aus ShanghaiNach dem faszinierenden Einblick in die chinesische Subkultur in dem Artikel “Shanghai Gothic” sind zahlreiche Fragen offen geblieben. Wer sind Janina und Nikita eigentlich und was in aller Welt verschlägt zwei Menschen nach China? Schon beim lesen des umfangreichen und unglaublich interessanten Artikels von Janina musste ich einige Vorurteile und Meinungen über das bevölkerungsreichste Land der Erde überprüfen. China ist ein faszinierendes und gleichzeitig polarisierendes Land voller Gegensätze. Vor allem Shanghai, eine der größten Städte dieses Planeten ist mit seiner “westlichen” Orientierung besonders interessant. Sie vereint auf überraschende Weise chinesische Traditionen und Regierungsformen mit westlichen und weltoffenen Ansprüchen. Ein idealer Platz um sich zu verwirklichen?
Ein Interview mit Janina Gantzert über die Beweggründe nach China auszuwandern, über ihre persönliche Einstellung zu Gothic und die vermeintlichen Schwierigkeiten als Ausländer in einem kommunistischen Staat. Zusammen mit ihrem Ehemann Nikita brachte sie die Idee von Gothic-Partys nach Shanghai und gründeten die Internetseite “Gothic-Shanghai“, über die sie regelmäßige Picknicks und Disco-Abende organisieren. Eine deutsch-kasachische Liebesgeschichte die zeigt, wie man die Idee von einem alternativen und “schwarzen” Lebensstil über die ganze Welt verteilt. Den ganzen Artikel lesen… »


4 April

Morgen schon was vor? – 5. Elektronische Nacht in Wiesbaden

von Robert ForstKategorie: VeranstaltungenDiskussion: Keine Kommentare

Elektronische Nacht in Wiesbaden - Flyer 2014Elektronische Nacht Wiesbaden -2014Elektronische Nacht Wiesbaden -2014Und ich war mir doch so sicher! Ich bin doch tatsächlich davon ausgegangen, über die anstehende elektronische Nacht in Wiesbaden bereits berichtet zu haben. Womöglich die Schattenseite der ständigen Präsenz von Facebook in der Nachrichten genau so spurlos verschwinden wie flüchtige Gedanken in meinem Kopf. Morgen, als am Samstag den 05. April 2014 ist es wieder soweit, das Kontext in Wiesbaden steht wieder ganz im Zeichen handverlöteter elektronischer Musik. Nachdem wir bereits meine Teilnahme in besagtem sozialen Netzwerk verkündet haben, möchte ich “kurz vor knapp” noch Unentschlossene dazu bewegen, ins Kontext zu kommen um den feinen Klängen von M. Synthetic und Herrn Bug zu lauschen. Als besonderes Special gibt es in der Zeit von 22-23 Uhr eine Düster-Atmosphärische Stunde mit “schaurig-ruhigen, obskuren und schwermütigen Klängen. Filmmusik, Instrumentals und Neoklassik werden euch in der ersten Stunde in dunkle Sphären führen und den Abend aufs Finsterste entspannt einleiten.

Fast schon Tradition ist das ungeplante “Blogger-Leser-Treffen”, bei dem erfahrungsgemäß auch viele Spontis-Leser zu Gast sein werden. Ein idealer Anlass noch vor dem Wave-Gotik-Treffen in Leipzig einander kennen zulernen und wiederzusehen. Nachdem wir bei der 4. elektronischen Nacht nicht dabei sein konnten, haben wir uns für dieses mal alle Kanäle offen gehalten und jeden noch so wichtigen Termin in den Wind geschlagen. Ich war sogar noch bei der Kosmetikerin! Von einer Haar-Verlängerung wurde mir jedoch abgeraten. “Zu wenig Substanz.” lautete das vernichtende Urteil der Meisterin. Was immer sie damit meint.

Auf der Suche nach einer geeigneten Herberge habe ich den hier ortsansässigen schwarzen Baas kontaktiert, um eine gemeinsame Unterkunft zu beziehen. Vielleicht, so meine Hoffnung, könnte man sich am Sonntag beim Kater-Frühstück treffen und gemeinsam die müden Knochen zu wecken. Kurz vor einer Buchung quakte der liebe Herr von Karnstein und die Frau von Geisterwalde dazwischen und boten uns (Sabrina und mir) eine Übernachtungsmöglichkeit in ihrem Weiher an. Uns! Libbit und Karnstein! Wir waren natürlich völlig aus dem Häuschen endlich mal den Erpel und seine Muse besuchen zu dürfen und freuen uns immer noch riesig über Möglichkeit, die beiden ein bisschen näher kennen zu lernen und vielleicht ein Blick in das malerische Limburg zu werfen. Entschuldige, Baasilein. Wir werden das Angebot, in eurem persönlichen Schloss aufzuschlagen schon bald wahrnehmen, Details morgen in Wiesbaden.

Liebe Shan Dark, lieber M. Synthetic. Ich hoffe ihr verzeiht meine viel zu späte Artikelverwurstung eurer elektronischen Nacht, die inzwischen zum 5. mal fast ein kleines Jubiläum feiert. Ich bin froh, dass wir dieses Jahr wieder dabei sein können um Euch und all die anderen wiederzusehen. Irgendwie sind wir doch zusammengewachsen und auf eine schaurig schöne Weise würde ich uns als Freunde bezeichnen, wenngleich wir hauptsächlich virtuell miteinander zu tun haben. Ich hoffe sehr, dass Shan soweit erholt, um wenigstens ein paar Stunden dabei zu sein. Ansonsten drohe ich an, M. Synthetic mit entsprechenden Umarmungen zum weiterreichen zu versehen. Wir sehen uns morgen!

 


3 April

Maskenball – Eine Dokumentation über das WGT und die Szene

von Robert ForstKategorie: DokumentationenDiskussion: 7 Kommentare

Maskenball - Ruth StolzewskiDie meisten sozialen Kanäle konzentrieren sich auf ein freudiges Ereignis. Das 23. Wave-Gotik-Treffen in Leipzig ist in greifbare Nähe gerückt. In Leipzig gibt es nahezu keine bezahlbaren Unterkünfte mehr, immer mehr bestätigte Band-Zusagen fesseln potentielle Besucher zum Probehören und unzählige Outfits werden vor dem Spiegel dem kritischen eigenen Blick unterworfen. Ich frage mich, wann die Vorfreude, dich auch mich in ihren hypnotischen Sing-Sang gelullt hat, abklingt. Nach wie vielen WGTs hat man den Zenith überschritten? Ist man irgendwann zu alt für den ganze Kram? Hängt einem das hektische Reisen zwischen den Veranstaltungsorten irgendwann zum Halse heraus? Wo wir gerade bei der Vorfreude sind. Sicher könnte man sich jetzt durch einen der unzähligen schlecht gemachten Dokumentationen auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Anschließend jammert man dann unisono über den Unwillen und die Unfähigkeit gute Filme zu machen.

Doch manchmal holt einen auch einfach die Tatsache ein, dass man noch nicht alles kennt und einige der wahren Perlen unter einer lauten Oberfläche schlummern. So landete die Dokumentation “Maskenball” von Ruth Stolzewski  in meinem Nachrichtenstrom. 2009 setzte die junge Regisseurin, Filmemacherin und Autorin ihre Vorstellung von einer Dokumentation über das WGT um und drehte für ihren Abschluss des Studiums “Film- und TV-Design” den 52-minütigen Film, der auf dem WGT 2010 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde. (An dieser Stelle ärgert sich übrigens der Autor dieses Artikel intensiv darüber, genau dieses Ereignis verpasst, verpennt oder verschlafen zu haben. Er hat sogar kurz darüber nachgedacht, von einer Veröffentlichung abzusehen um sich nicht der Blöße des “Nicht-Kennens” hinzugeben. Hat er aber nicht.)  Den ganzen Artikel lesen… »


27 März

Spontis Wochenschau #03/2014

von Robert ForstKategorie: WochenschauDiskussion: 5 Kommentare

Spontis WochenschauDer Fluch und Segen unzähliger Bands auf dem Wave-Gotik-Treffen. Neulich haben wir 2 Abende dafür reserviert, uns die 110 bisher erschienen Band-Ankündigungen zum WGT 2014 probezuhören. Es ist ein Segen die Möglichkeit zu bekommen, so viele großartige Bands an einem Ort zu sehen und zu hören, man fühlt sich stellenweise wie Robingoth Crusoe auf der schwarzen Gothic-Insel. Man entdeckt, ist begeistert, ja sogar euphorisch! Es ist ein Segen neben dem ganzen weichgespülten Mist, den einige “große” Bands so unter die Leute streuen, diese feinen und melancholische Klänge zu hören. Es ist ein Segen, dass alles in einer Stadt an einem Pfingstwochenende und zu einem vergleichsweise geschenkten Preis geboten zu bekommen. Es ist aber auch ein Fluch, wie viel schlechte Musik es gibt. Stampfende, langweilige Beats irgendwelcher Typen, die Gothic höchstens mal in einer Zeitschrift gelesen haben und das meine ich nicht nur musikalisch. Es ist ein Fluch, wie viele Genre man inzwischen bedienen muss um allen Besucher des Wave-Gotik-Treffens gerecht zu werden. Deathmetal? Wann habe ich diese Strömung verpasst? Zuckerbrot und Peitsche. Stundenlang haben wie uns die Ohren gekrault oder die Gehörgänge verbrannt. Je nach Band. Merke: Es ist nicht alles “Wave-Gotik” wo “Wave-Gotik” draufsteht. Ja, ich weiß, das ist jetzt keine welterschütternde Neuigkeit. Trotzdem habe ich die Augenbrauen in guter alter Spock-Manier hochgezogen. Vielleicht aber auch, weil es nur noch 2 Wochenschauen bis zum WGT und dem 4. Spontis-Treffen sind. Faszinierend! Den ganzen Artikel lesen… »


21 März

Die Krupps – der Schlag des Schmiedehammers

von Robert ForstKategorie: InterviewsDiskussion: 10 Kommentare
Juergen Engler

Jürgen Engler – Die Krupps
(c) Marcus Rietzsch - T-Arts

Es gibt Gelegenheiten, die sollte man sich nicht entgehen lassen. So erhielt ich vor ein paar Wochen das Angebot, ein Interview mit Jürgen Engler von der Band “Die Krupps” über das aktuelles Album “The Machinist of Joy” zu führen. Obwohl ich ein ausgesprochen leidenschaftlicher Musik-Hörer bin, mangelt es mir am nötigen Hintergrundwissen und so bat ich meinen guten Freund Marcus Rietzsch, sich mit seiner legendären Sorgfalt und Sachkenntnis den “Krupps” zu widmen.

Eisen und Stahl, Feuer und Rauch, Lärm und Kraft. Inspiriert durch die Stahlhütten des nahen Ruhrpotts und geschichtsbelastete Industriegiganten haben „Die Krupps“ das Donnern des Schmiedehammers in einen musikalischen Kontext gesetzt. 1980 gegründet kreierte man mit der ersten Veröffentlichung „Stahlwerkssinfonie“ einen experimentellen, unkonventionellen Sound. Wut und Kritik begleiten die Industrie-Musik. Doch blieb man nicht stehen, sondern entwickelte sich weiter. Zuerst stark elektronisch geprägt, wurde die Musik in den 1990er Jahren zunehmend von Gitarren beeinflusst. Die Verschmelzung von kühler Elektronik und Elementen des Heavy Metals fand mit der Zeit immer mehr Anklang. Musikalischen Grenzen unterwarf man sich nie. Die „Konventionen“ des Marktes ignorierend ließ man 17 Jahre verstreichen, um erst im letzten Jahr ein neues Album zu veröffentlichen.

Ein Gespräch über die musikalische Vergangenheit, die Propaganda der Medien, Kooperationen mit befreundeten Musikern und die Bedeutung von Jugendkulturen mit Jürgen Engler, dem kreativen Kopf und der einzigen Konstante seit der Bandgründung. Den ganzen Artikel lesen… »


20 März

Ostara – Göttin des aufsteigenden Lichts

von Robert ForstKategorie: HintergründeDiskussion: 1 Kommentar
Die Göttin Ostara fliegt durch den Himmel während sie von Putten und Tieren umgeben ist. Lichtstrahlen säumen ihren Weg. Das Reich der Erde schaut hinauf und feiert ein Fest zu ihren Ehren.

Die Göttin Ostara fliegt durch den Himmel während sie von Putten und Tieren umgeben ist. Lichtstrahlen säumen ihren Weg. Das Reich der Erde schaut hinauf und feiert ein Fest zu ihren Ehren.

Nach so viel tiefschürfenden Diskussionen ist es Zeit für etwas Aufhellung. Man nennt es Frühlingsanfang, doch das dieser Tag etwas besonderes ist, wusste man schon vor sehr langer Zeit. Auch heute noch huldigen neuzeitliche Hexen und Hexer Ostara, der Göttin des aufsteigenden Lichts. Das Ostarafest aus dem Wicca-Jahreskreis wird vom 20. März bis zum 23. März gefeiert und steht für die Tagundnachtgleiche – der Tag, an dem der lichte Tag und die Nacht gleich lange dauern . Die Tage sind nun schon spürbar länger geworden und die meisten Pflanzen erwachen langsam aus ihrem Winterschlaf. Bis Ostern, so die Meterologen, könnte es noch schneien, doch Sonne und steigende Temperaturen künden jetzt schon vom unmittelbar bevorstehenden Frühling. Ostara ist das Fest für den Frühling, ein Fest der Fruchtbarkeit und ein Fest des Wachstums.

Woher der Name Ostara stammt, ist nicht wirklich geklärt, womöglich hat die Sonne im Osten zur Namensgebung beigetragen. Eine weitere Möglichkeit der Deutung ist die germanische Frühlingsgöttin Ostara, die von einem gewissen Jacob Grimm 1835 geprägt wurde. Er verweist in seiner Arbeit “Deutsche Mythologie“ auf den Mönch Beda Venerabilis, der die Herkunft des Wortes “Easter” (Ostern) mit einer früheren germanischen Göttin names “Eostrae” erklärte. Grimm, ein glühender Anhänger der deutschen Romantik, war sehr interessiert an der germanischen Religion und kam in seinem Buch über die deutsche Mythologie von 1835 zu folgenden Schluss: “Ostara, Eástre mag also Gottheit des strahlenden Morgens, des aufsteigenden Lichts gewesen sein, eine freudige, heilbringende Erscheinung, deren Begriff für das Auferstehungsfest des christlichen Gottes verwandt werden konnte“, die Erfindung der Göttin “Ostara” des frommen Mönchen Breda lehnte er als zu unwahrscheinlich ab, offensichtlich wurde die Romantik von schnöden Indizien zerschlagen.

Ganz offenkundig ist jedoch die Verbindung mit dem christlichen Osterfest, das ebenfalls im Ostara herum gefeiert wird und den einst heidnischen Brauch vermutlich im Laufe der Jahrhunderte abgelöst hat. Das heutige Osterfest bedient sich in seiner Symbolik immer noch seiner heidnischen Abstammung, so symbolisieren die Eier Fruchtbarkeit, während die Hasen für Fortpflanzung stehen. Den ganzen Artikel lesen… »


14 März

Izzie Adams – Genderfucked

von Izzie AdamsKategorie: HintergründeDiskussion: 65 Kommentare
Izzie Adams

Ich will es aggressiv, auffallend und provokativ.

Liebe Gemeinde, wir haben uns heute hier versammelt, um einmal ganz unorthodox unser Augenmerk auf das Thema der Geschlechterrollen in der schwarzen Szene zu lenken. Mein Name ist Izzie Adams, 25 Jahre und von Beruf Mediengestalter sowie leidenschaftlicher Künstler – und ich werde heute ein umfassendes Geständnis ablegen.

Den folgenden ersten Eintrag habe ich bestimmt mindestens zehn Mal umformuliert, umstrukturiert und gedanklich definitiv viele weitere Male komplett auf dem Kopf gestellt und umgekrempelt.

Wo fängt man bei einem Thema wie dem, welches ich hier ansprechen möchte, am besten an?
In wie fern greift man erklärend vor, wie viel Hintergrundwissen traut man dem Leser zu?

Fragen, die mir einigen Kopfschmerz bereitet haben – bis ich mir schließlich dachte „Weißte was, Izzie? Scheiß drauf.“ Und dabei verbleibe ich, mit Verlaub, nun. Es würde zu lange dauern, alles durchgehend zu erklären und zu beschreiben. Nicht umsonst gibt es an der Universität ganze Lesungen und Kurse zu „Gender studies“.

Genderfuck!

Robert ließ bei unserer Diskussionsrunde zu diesem Thema kürzlich durchscheinen, dass er persönlich diesen Begriff etwas harsch und unästhetisch findet, ihn als sehr aggressiv und provokant empfindet. Damit hat er durchaus Recht, und doch muss ich ihm in einem Punkt widersprechen: Zu mir passt die seichtere Variante, Genderbend oder Genderfluid, einfach absolut nicht. Den ganzen Artikel lesen… »


13 März

Mein schaurig schönes Tagebuch: Höfliche Homophobie

von Robert ForstKategorie: Bewusst SchwarzDiskussion: 34 Kommentare

das schaurig schoene tagebuchEpisode 3 – Höfliche Homophobie

Liebes Tagebuch, neulich sprach ich mit einem guten virtuellen Freund über mögliche Themen für eine kritische Auseinandersetzung mit dieser unserer Szene. Ich warf das Stichwort “Homophobie” in den Raum und hoffte auf feurige und unterstützende Resonanz. Zugegeben, mein eigener Standpunkt war mir so sonnenklar, dass ich gar nicht auf die Idee gekommen bin, eine andere Meinung zu hören. So schoss meine Euphorie ins Leere: Natürlich, so entgegnete mein Gegenüber, gäbe es bei den Gothics Homophobie, schließlich bildet die Szene “auch nur einen Schnitt durch die Gesellschaft” daher war dieses Thema für ihn gar nicht feurig, wie ich es mir erhofft hatte. Aus Mangel an Gegenargumenten wusste ich nicht, was ich dazu schreiben sollte und begnügte mich zunächst damit, andere Themen vorzuschlagen. In meinem Kopf rumorte es aber fürchterlich: “Schnitt durch die Gesellschaft” Hallte es durch die geistigen Hallen – “Pah!“, sagte das Herz erbost, “der spinnt doch! Wir sind anders, außergewöhnlich und hintergründig!” – “Blödsinn…“, entgegnete der Verstand lapidar, “…er hat völlig recht. Gothic ist allenfalls eine schwarze Feierkultur von den gleichen Homophoben Spinnern die du in jeder Fußgängerzone triffst.” – Das Herz fiel dem überheblich wirkenden Verstand ins Wort: “Goth bewahre! Wir sind ein tiefgründiges Sammelbecken für Andersartigkeit, deshalb fühle ich mich doch so wohl!” Und während sich der Verstand und das Herz so zankten, fühlte sich ein paar Etagen tiefer der Bauch immer unwohler. Erst als er sich zu heftiger Übelkeit hinreißen ließ, schenkten ihm die Streithähne Aufmerksamkeit. “Einigt euch bitte endlich. Das macht mich ganz bekloppt.Den ganzen Artikel lesen… »


11 März

Dienst für die Toten auf dem Friedhof der Namenlosen

von Robert ForstKategorie: FundgrubeDiskussion: 4 Kommentare
Friedhof der Namenlosen

Der Friedhof der Namenlosen in Wien | CC by-nc-sa Robert Körner

Beim Alberner Hafen im 11. Bezirk der Stadt Wien findet sich der Friedhof der Namenlosen. Hier wurden zwischen 1845 und 1940 Leichen begraben, die im Hafenbereich der Donau angeschwemmt wurden. Ein Wasserstrudel bei Stromkilometer 1918,3 sorgte dafür, dass an dieser Stelle immer wieder Ertrunkene an Land gespült wurden. Ein reguläres Begräbnis gab es für die Leichen nicht, da es sich oftmals um Selbstmörder handelte, die nach christlicher Ansicht das Recht auf eine reguläre Beisetzung verwirkt hatten. 1900 gründete man unter freiwilliger Mitwirkung ortsansässiger Handwerker einen zweiten Teil des Friedhofs, weil der erste durch Hochwasser ständig zerstört wurde. Keine Leiche wurde verscharrt, alle wurden in einem schlichten Holzsärgen beerdigt, die eine Tischlerei spendete.

Als 1939 große Neubauten im Alberner Hafen für sich ändernde Strömungsverhältnisse sorgten, wurden keine Leichen mehr angespült.  478 unbekannte Tote liegen auf dem Friedhof der Namenlosen begraben, 1940 wurde der Friedhof offiziell geschlossen, unbekannte Leichen wurden fortan auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben.

Liest man die Berichte über den Friedhof, so wird oft von einer eigentümlichen oder beklemmenden Stimmung berichtet: “Auf der einen Seite liegt beschauliche Ruhe über den meist schmucklosen Gräbern, auf der anderen Seite dröhnt tagsüber der Lärm des Hafenbetriebes. Auf manchen Gräbern liegen Blumen und Kränze. Auf den Täfelchen steht “Unbekannt” oder “Namenlos”. Im Gegensatz zu anderen Friedhöfen ist diese letzte Ruhestätte mehr der Natur überlassen. Statt eines Grabsteins befindet sich auf jedem Grab das gleiche schmiedeeiserne Kreuz.” Es ist erstaunlich, wie gut erhalten der Friedhof ist, der nie von einem öffentlichen Träger finanziert wurde. Den ganzen Artikel lesen… »