27 Februar

Leonard Nimoy – Er lebte lang und in Frieden

von Robert ForstKategorie: SchattenseitenDiskussion: 2 Kommentare

Leonard NimoyEr war wohl die interessanteste Figur des gesamten Science-Fiction-Genre: Der Vulkanier Spock. Emotionslos betrachtete er menschliche Stärken und Schwächen auf seine ganz eigene Weise. Heute verstarb der wohl berühmteste aller Vulkanier, der Schauspieler Leonard Nimoy, im Alter von 83 Jahren. Für die meisten Menschen auf diesem Planeten ist Nimoy fest mit der Figur des Spock verbunden, 47 Jahre lang schlüpfte er immer wieder in die Rolle des “grünblütigen und spitzohrigen Hundesohns“, wie Pille sagen würde. Ich bin mir sicher, dass mehr Menschen vor den Bildschirmen und Leinwänden beeinflusste als sonst ein Charakter der Enterprise. Ich lernte Spock bei meiner Oma kennen, als Serienheld der ersten Enterprise-Reihe, der mir nach dem Kindergarten immer mit einem Dany+Sahne serviert wurde, während mein Opa auf seinem Sessel ein Nickerchen machte. Jetzt ist macht auch Leonard Nimoy ein Nickerchen. Für immer. Und selbst dem emotionslosesten Vulkanier dürfte dabei Trauer empfinden.

Redlich versuchte Nimoy in den 70ern sein Image ein wenig zu ändern, seine Autobiografie 1977 titelte er bezeichnenderweise und ein wenig selbstironisch “I Am Not Spock” denn längst hatte er sich mit seinem Schicksal abgefunden. Er schrieb: “In Spock, I finally found the best of both worlds: to be widely accepted in public approval and yet be able to continue to play the insulated alien through the Vulcan character.” 1995 gab er schließlich auf und veröffentlichte seine zweite Biografie: “I Am Spock.” Wie recht er hatte.

Zu seinem Markenzeichen, dem vulkanischen Gruß, kam er 1967 in der Folge “Weltraumfieber”. Er ist an den jüdischen Segen “Birkart Kohanim” angelehnt und symbolisiert im hebräischen den Buchstaben Shin, welcher der erste des Wortes Shaddai (allmächtig) ist. Die Übersetzung “Lebe lang und in Frieden” ist indes nicht ganz richtig, denn wörtlich heißt es: “Lebe lang und wachse” oder auch “Lebe lang und sei erfolgreich”. Er wurde seinem eigenen Wunsch gerecht. Nimoy blieb Spock, mauserte sich zum Regisseur und Produzenten und verkörperte so lange wie niemand sonst in der TV- und Filmgeschichte die gleiche Figur. Den ganzen Artikel lesen… »


25 Februar

Darf ich das hören? Musik im Kreuzfeuer der Ideologien

von Robert ForstKategorie: Szene im BlickDiskussion: 13 Kommentare
Sick Man

Funker Vogt: Sick Man – Das Label “Out of Line” hat die CD offenbar aus dem Programm genommen.

Ist es möglich, einen fragwürdigen ideologischen oder politischen Standpunkt eines Musikers zu ignorieren und die Lieder sorgenfrei zu genießen? Der jüngste Fall der Band Funker Vogt zeigt, wie schnell man als Band in einer Ecke landen kann, in die man eigentlich nicht wollte. Zu Recht?

Rein musikalisch habe ich der EBM-Formation “Funker Vogt” bisher nicht viel Gehör geschenkt, doch als im Dezember 2014 bekannt wurde, dass der umstrittene Sänger Sacha Korn der bis dahin geheim gehaltene Frontmann “Sick Man” der Band ist, drängte sich die Frage auf, ob dies eine rein musikalische Entscheidung gewesen ist.

In den Stunden nach Bekanntwerden der neuen Besetzung überschlugen sich die Statements und Kommentare in den sozialen Kanälen. Korn, der durch die Veröffentlichungen seiner Songs auf einer CD der NPD und das Covern der deutschen Nationalhyme mit allen Strophen in die Kritik geraten war, spaltete das Lager der Fans.  Auch das Label der Band “Out of Line” zeigte sich überrascht und macht unmissverständlich klar, dass sie an einer Zusammenarbeit mit Korn nicht interessiert seien. Unter dem Druck der Öffentlichkeit ruderte die Band kurz vor dem Jahreswechsel zurück und trennte sich wieder von Korn.

Dieser aktuelle Fall von Musik zwischen vermeintlichen Ideologien wirft für mich die Frage auf, inwiefern man sich als Hörer einer “umstrittenen” Band positionieren muss und ob es möglich ist, politischen und ideologischen Hintergründen von Musikern und Künstlern keine Bedeutung zuzumessen. Es geht nicht um die Frage, ob eine Band nun “links” oder “rechts” ist, sondern darum, ob man Musik und Band-Hintergrund trennen kann und darf. Muss man aufgrund seiner persönlichen politischen Überzeugung die Tanzfläche verlassen, wenn der DJ Musik von Death in June, Blutharsch oder Fire + Ice auflegt? Den ganzen Artikel lesen… »


20 Februar

Death is their Destiny – King’s Road von 1978 – 1981

von Robert ForstKategorie: Dunkle VergangenheitDiskussion: Keine Kommentare
Punks

London, 1979 – Punks prägen mittlerweile das Stadtbild.
Bild: John Blower @ Flickr cc by-nc-nd

Kings Road, Chelsea from 1978 to 1981 i was there nearly every Saturday to film the Punks and perhaps buy some clothes. I became know as “Captain Zip”, i was named that by Helen Berenger because my clothes wil becoming very “zippy” during that period.

In der Woche arbeitet Phil Munnoch als Texter für eine Werbeagentur im Zentrum Londons. Doch seine wahre Leidenschaft, die er vor seinen Arbeitskollegen verbirgt, gilt dem Punk, der die britische Hauptstadt etwa 1977 erreicht und ihn nachhaltig infiziert. Mit dem Ende jedes Arbeitstages wechselt Munnoch Anzug und Krawatte gegen Bondage-Hosen, Hundehalsband und seine mit Aufnähern und Buttons übersäte Jacke und verwandelt sich zu “Captain Zip”. Fast jeden Abend hängt er auf der King’s Road mit anderen Punks zusammen und genießt das Gefühl von Freiheit, Rebellion und den Geschmack des Abenteuers, während er sich von den Lautsprechern der zahlreichen Läden mit Punk-Musik beschallen lässt. Manning ist deutlich älter als die meisten Kids, die sich hier herumtreiben und er hat einen entscheidenden Vorteil: Er besitzt eine 8mm Film-Kamera und fühlt, dass er Teil von etwas ganz besonderem ist. So macht er sich der junge Filmemacher an einigen Samstagen zwischen 1978 und 1981 auf, Punks auf der King’s Road zu filmen. Den ganzen Artikel lesen… »


13 Februar

Ruhe in Glamour – Sänger Steve Strange gestorben

von Robert ForstKategorie: FundgrubeDiskussion: 6 Kommentare
David Bowie, selbst Stilikone von Steve Strange, holt ihn und die Blitzkids für sein Video zu "Ashes to Ashes" - Der Titel des Songs wurde nun Steves Schicksal

David Bowie, selbst Stilikone von Steve Strange, holt ihn und die Blitzkids für sein Video zu “Ashes to Ashes” – Der Titel des Songs wurde nun Steves Schicksal

Vor seinem Nachtclub, dem Blitz in Covent Garden, wedelte Gründer und Türsteher Steve Strange die Puderquaste in der Hand. Nur wer “weird an wonderful” genug war, erhielt Einlass. Ende der 70er Jahre gründet er zusammen mit seinem Mitbewohner Rusty Egan den legendären Club, der alsbald zum Schmelztiegel der auffälligsten aller Jugendkulturen wurde, den “New Romantics”. Aus dem Mut zur Hässlichkeit, den der Punk vorlebte, wurde die Liebe zur Selbstdarstellung. Boy George, der im Blitz an der Garderobe arbeitete, nahm die Mäntel derer entgegen, die später Musikgeschichte schrieben. Spandau Ballet, Ultravox, Sigue Sigue Sputnik, Dead or Alive, King und Hot Gossip – Gäste und “Blitz Kids” die den Stadtteil in London von 1979-1980 belagerten.

Strange gründete seine eigene Band “Visage” und landete 1981 mit “Fade to Grey” den größten Hit, der bis heute untrennbar mit dieser Zeit verbunden ist. Doch die Band der Extrovertierten löste sich auf, Midge Ure und Billy Currie gingen ihre eigenen Wege. Mitte der 80er, Visage hatte sich mittlerweile aufgelöst, macht Strange “seinen größten Fehler”, wie er später einmal sagte. Er nahm Heroin und wurde abhängig. Er erholte sich nie wieder. Nicht persönlich und auch nicht äußerlich. Ende der 90ern verhaftete man ihn wegen eines Ladendiebstahls, als er seinem Neffen eine Teletubby-Figur stehlen wollte. Den ganzen Artikel lesen… »


10 Februar

Ohne Worte: Ich-Schwach und Bindungsunfähig

von Robert ForstKategorie: FundgrubeDiskussion: Keine Kommentare

Spontis - Ein Textauszug

Der Psychologe Thomas Ziehe glaubt gerade im Sponti einen ‘neuen Sozialisations-Typus” ausmachen zu können, dessen Hauptcharakteristika Ich-Schwäche, Bindungsunfähigkeit und u.a. eine Abneigung gegenüber analytischem Denken seien.” (Danke @Sophia Intolerantia, Text aus: “Lass und mal ‘ne Schnecke angraben. Sprache und Sprüche der Jugendszene” von Claus Peter Müller-Thurau)


2 Februar

Dialekt entschlüsselt, Video gefunden: Goths in den 80ern Reloaded

von Robert ForstKategorie: Dunkle VergangenheitDiskussion: 1 Kommentar

The Height of Goth, 1984Im September letzten Jahres zog ich ein Video über englische junge Goths in den frühen 80ern durch den Kakao. Bitterböse schrieb ich: “Gibt es eine Szene mit äußerlich erkennbarer “Individualität”, gibt es auch Mitläufer. (Poser) Die haben mit der Musik nichts zu tun, sehen lediglich so aus als ob und fühlen sich zwischen den ganzen bösen “Goths” vielleicht ein bisschen besonders. Die meisten von ihnen verschwinden nach ein paar Jahren und wollen auch später tunlichst nicht mehr an ihre “Jugendsünden” erinnert werden. […] Wenn man so möchte, sind die ganzen “Karnevalisten”, “Schauläufer” und “Verkleideten” über die sich die Szene so manches mal ganz trefflich echauffiert, ein Teil der selben. Und das schon seit seiner Geburt.
Etwas vorschnell geschossen, denn gleich in den Kommentaren wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass ich wohl weniger verstanden hatte, als ich hoffte. Ein intensiver englischer Akzent aus der Gegend um Leeds machte meine Überzeugung, Englisch zu verstehen mit einem mal zunichte. Den ganzen Artikel lesen… »


29 Januar

Eine schleichende Bewegung

von Robert ForstKategorie: Dunkle VergangenheitDiskussion: 12 Kommentare

eine schleichende bewegungDüstere Gestalten wecken Assoziationen: Sind es Satanisten? Oder Nazis? Ganz falsch sind die Vorwürfe nicht, ganz richtig jedoch auch nicht.” 2002 beschäftigt sich der rheinische Merkur – eine christlich konservative Zeitung, die seit 2010 nicht mehr herausgegeben wird – mit der Grufti-Szene und untertitelt den Beitrag: “Der Popstrom erfasst irgendwann jeden: Was sich einst als Untergrundkultur fomierte, ist heute kommerzialisiert und zersplittert.” Das machte mich neugierig, titelte die Zeitung doch bereits vor 13 Jahren von dem, was man der Szene seit dem nahezu jährlich vorwirft. Es geht um das Wave-Gotik-Treffen in Leipzig, das 2002 rund 15.000 nach Leipzig lockte. Erstaunlich kritisch, sachlich und reflektiert setzt sich Autor Andreas Bromba mit den Gruftis auseinander und beschreibt die Szene zur Jahrtausendwende. Den ganzen Artikel lesen… »


16 Januar

Ohne Worte: Auf großem Fuß leben – Köln 1988

von Robert ForstKategorie: FundgrubeDiskussion: Keine Kommentare

Punkfoto - Koelner Dom 1988 - Fotograf unbekannt

Die Redensart “auf großem Fuß leben” stammt aus der Zeit der mittelalterlichen Schnabelschuhe, bei denen man anhand der Länge der Schuhspitzen auf den sozialen Stand des Trägers schließen konnte. Je länger, je bedeutender. Und damals, vor dem Kölner Dom, waren die ganz besonders bedeutend. (Bild: (c) Punkfoto.de Fotograf unbekannt, Köln 1988)


13 Januar

Neulich im Kopfhörer: Trash oder Kunst?

von Robert ForstKategorie: Dunkle KlängeDiskussion: 19 Kommentare

Terrorbird - She kissed meMusikzeitschriften sind manchmal ganz schön abgehoben. Verkopfte Redakteure, die wohl lieber mit Poetry Slam berühmt geworden wären ,sitzen nun vor den Bildschirmen und versuchen Bands mit möglichst tiefsinnigen Zeilen zu einer Kunstform zu erheben, die sie möglicherweise nicht sind. Auf der anderen Seite findet man dann in nicht ganz so abgehobenen Zeitschriften (und deren Online-Präsenz) möglichst seichte und unkritische Band-Interviews, von denen man sich sicher ist, sie in ähnlicher Form schon irgendwo gelesen zu haben. Als ich mich für diesen Beitrag über die Bands, deren Videos hier zu sehen sind, informierte, drängte sich dieser Gedanke förmlich auf. Außerdem hatte ich wieder mal Lust meine unqualifizierten Kommentare in die Welt zu blasen.

Trash oder Kunst? Ich weiß nicht, ob ihr das kennt: Beim nachhören, durchhören und anklicken von unbekannter Musik hat man schnell ein Gefühl dafür, ob es einem gefällt oder auch nicht. Es gibt aber auch Stücke, bei denen ist man sich permanent unsicher, ob man es nun gut oder schlecht findet – oder ob man es gut oder schlecht finden darf. Waviges und völlig behämmertes Discogedudel und trotzdem wippt der Fuß? Spontaner Bewegungsdrang zu melancholischen Tanzeinlagen werden vom einsetzenden Gesang oder Text abrupt gedämpft? Ist das Stück nun einfacher musikalischer Müll (nachfolgend “Trash” gennant) oder irgendeine Kunstform die sich mir nicht erschließt? Den ganzen Artikel lesen… »


7 Januar

Buch-Tipp: Das Postpunk Projekt – Some wear leather some wear lace

von Robert ForstKategorie: Bücher und ZeitschriftenDiskussion: 4 Kommentare

Postpunk Project Book-CoverDie Musik-Stile, die nach der Explosion des Punks die Welt überfluteten und für eine nie dagewesene Fülle von Jugendszenen sorgten, sind erforscht. Unzählige Bücher sind seit dem erschienen, die die Entwicklung auf schwarzen Bühnen detailreich beschreiben und analysieren. Doch was geschah vor den Bühnen? Wieso sahen die Fans der einschlägigen Bands aus, wie sie aussahen? Mit Beginn der 80er Jahre erscheinen unzählige Szenen mit eigenem Style auf der Bildfläche und geben den Außenstehenden Rätsel auf. In London, dem subkulturellen Schmelztiegel dieser Zeit nannte man sie “New Romantics”, “Blitzkids”, “Punks”, “New Wavers” oder auch “The Bats”. Der Style der Bühnen wurde offensichtlich kopiert, verändert und weiterentwickelt.

Heute, 35 Jahre später, werden Bilder von damals frenetisch gefeiert – junge Punks, Waver, Grufties oder New Waver, die auf diesen Aufnahmen zu sehen sind, werden zu Stilikonen erhoben. Das Buch “Some wear leather some wear lace” ist eine umfangreiche Sammlung dieser alten Bilder, die für das “Worldwide Compendium of Postpunk and Goth” in Zusammenhang gesetzt und mit Interviews und Texten bereichert werden. Den ganzen Artikel lesen… »