17 Mai

New Romantics: Die bizarre Schönheit der Nostalgie

von Kategorie: AnsichtssacheDiskussion: 7 Kommentare

Blitzkids - Ashes to AshesHeute musste ich darüber nachdenken, ob ich bei meinem letzten Tagebucheintrag zu meiner Reise nach London nicht einen falschen Blickwinkel eingeschlagen hatte. Ich stellte darin wehmütig fest, das von dem Glamour, den die Subkulturen der frühen 80er in der britischen Metropole versprühten, nichts mehr übrig geblieben war und das meine Nostalgie an der völlig anderen Realität die in London herrschte, zerschellte. In Soho versuchte ich beispielsweise das Gefühl von damals aufzuschnappen, als ich an der Ecke Dean und Meard Street das alte Bordell vorstellte, in dessen Keller das Billys, der legendäre Vorläufer des Blitz, seine Pforten öffnete. Dabei, so stellte ich fest, war ich gar nicht auf der Suche nach Orten, sondern nach Menschen, die es so nicht mehr gab, weil das Damals einfach nicht mehr existierte. Die Weisheit, die in mir aufkeimte, erscheint mir so trivial, dass ich fast ein wenig ziere, sie aufzuschreiben: Das Lebensgefühl von damals war untrennbar mit den Zeiten verbunden, in denen sie erlebt wurden und mit den Hintergründen derer, die sie durchlebten, verknüpft. Diese Konstellation ist nicht wiederholbar, nicht reproduzierbar und nicht zu ersetzten. 

Zuhause angelangt habe ich mich wieder in den alten Videos verloren, die als subkulturelles Überbleibsel von einer Zeit erzählen, die uns zwar nostalgisch großartig erscheint, im Grunde aber viel schrecklicher war, als wir sie uns vorstellen. Graham Smiths „We can be Heroes“ habe ich dann gleich nochmal gelesen, die alten Berichte in meinem Archiv durchwühlt und mir gedacht, daraus eine kleine Geschichte zu schreiben über die New Romantics, die nur damals so sein konnten, wie sie waren. Den ganzen Artikel lesen… »


11 Mai

Spontis Family Treffen 2017 auf dem 26. WGT in Leipzig

von Kategorie: VeranstaltungenDiskussion: 17 Kommentare

7.Spontis Family TreffenPanik in der WGT-Gruppe im sozialen Netzwerk! Die letzten Bandbestätigungen gab es vor fast einem Monat, es sind erst 145 Bands gemeldet und überhaupt gibt es voll wenig Informationen. Im offiziellen Forum des Wave-Gotik-Treffens ist die Informationspolitik auch ein großer Aufreger. Wie soll man denn da planen? Und vor allem: Eintritt bezahlen, Hotel buchen und Reise vorbereiten ohne zu wissen, welche Bands denn nun spielen? Eine Frechheit! Ich schmunzle altklug und komme mir vor wie ein alter Hase. Sofort reiße ich mich zusammen, weil ich ja gar nicht altklug rüberkommen will und ein alter Hase alt ist. Die ersten Zeilen einer Antwort sind bereits getippt. Ich halte ein. Sind die Bands, die auf dem WGT spielen überhaupt wichtig? 

Nein. So hart das jetzt auch für die Künstler klingen mag, aber die Bands sind meiner Ansicht nach schmückendes Beiwerk. Denn wie der Name des „Treffens“ schon sagt, feiert sich die Szene hier selbst. Bands, Veranstaltungen und sonstige organisatorische Leistungen sind toll, dienen aber lediglich der Atmosphäre. Ich stelle mir vor wie es wäre, wenn das WGT tatsächlich irgendwann einfach nicht stattfindet. Abgesagt. Ich glaube, ich würde zu Pfingsten trotzdem nach Leipzig fahren. Einfach so. Und ich bin mir sicher, dass das viele andere auch machen werden. Dann würden wir uns treffen, die Stadt unsicher machen und ganz sicher würde sich auch eine Band finden, die irgendwo Musik macht. Auch einfach so. Ich würde allein wegen dem Spontis-Treffen nach Leipzig fahren, denn das sind meine 5 aufregendsten Stunden des Jahres. 
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5 Mai

Goth-Typographie und Grufti-Logos analysiert

von Kategorie: HintergründeDiskussion: Keine Kommentare

Goth-Typographie und Grufti-LogosAus der Serie „Alt aber nicht veraltet“, präsentiert Karnstein von den Otranto-Archiven eine weitere Perle seines Blogs, der ja bekanntlich bei Spontis ein neues zu Hause gefunden hat. Diesmal geht es um das Design von Band-Logos einschlägiger Bands, das sich einige Fans sogar in die Haut tätowieren lassen, um eine dauerhafte Identifizierung mit ihrer Lieblings-Band einzugehen.

Eigentlich ist es ja ein klassisches Refugium von Hardrock- und Metal-Bands: Das Verwenden eines durchgestalteten Logos, das in der Regel in erster Linie den Bandnamen in einer mal mehr, mal weniger originellen graphischen Darstellung enthält – manchmal noch erweitert um einzelne Symbole, die ebenso bekannt und repräsentativ werden können.

So wird vermutlich fast jeder von uns die Logos von zum Beispiel AC/DC oder Metallica schneller erkennen als es ihm möglich wäre den Schriftzug bewusst zu lesen – auch wenn man mit dieser Art Musik gar nichts zu tun hat. Weniger einprägsam, weil mehr oder weniger fest definierten Konventionen folgend, verhält es sich da in der Black-Metal-Szene, wo Bandlogos offenbar als absichtlich unkenntlich und nur für den Eingeweihten entzifferbar entworfen werden; und mit dem Metal-Umlaut (auch: Röck Döts) hat sich sogar in kleinem Maße so etwas wie ein eigener orthographischer Faktor entwickelt. Den ganzen Artikel lesen… »


2 Mai

Mit Witchhouse auf toten Pfaden ins Gothic-Sein

von Kategorie: MusikDiskussion: 6 Kommentare

Witchhouse - To be a Goth 2017Machen wir uns nichts vor. Die Zeiten, in denen wir uns auf nostalgischen Definitionen unserer geliebten Szenemusik ausruhen konnten und neue musikalische Genre und Einflüsse vehement ignorierten, sind vorbei. Sollten sie zu mindestens, wenn wir nicht unsere eigene Daseinsberechtigung der Andersartigkeit zu Grabe tragen wollen. Stilikonen von einst wirken mittlerweile wie die bemüht engagierte Genre-Opas aus Zeiten, in denen man noch nicht seine Szenekluft aus dem Internet zusammenklicken konnte. Wer nimmt Andrew Eldritch, den Sänger der nicht nicht tot zu kriegenden Sisters of Mercy, denn heute noch ernst, wenn er mit beinahe 60 Jahren im neongrünen Shirt „Lucretia my Reflection“ ins Mikrophon haucht? Ist der Typ da auf der Bühne ästhetisches Vorbild für den Nachwuchsgrufti? Blicken wir den Tatsachen ins Auge: das was einst verrucht, böse, okkult und undergroundig war, ist heute längst akzeptiert, toleriert und konsumiert. Vampire glänzen im Sonnenlicht, Babys tragen Strampler mit Totenköpfen und die Augen von Siouxsie Sioux zieren heute die Shirts der H&M Girlie-Kollektion. Songs von Bauhaus, The Cure, Depeche Mode, The Mission oder Joy Division untermalen mittlerweile besonders düstere Szenen im Tatort, der an den Sonntag Abenden den Veitstanz der Spießigkeit untermalt.

Vielleicht brauchen wir neue Leitbilder, um uns selbst zu rechtfertigen, der aufkeimenden Lächerlichkeit zu entrinnen und dem Nachwuchs nicht ständig von den „alten Zeiten“ in den Ohren zu liegen. Witchhouse ist musikalisch nichts neues, aber möglicherweise etabliert und stimmig genug, um Gothic – oder die schwarze Szene im weitesten Sinne – zu helfen, in ein neues Zeitalter zu zu schreiten. Reikon DeVore, der einen Artikel über das Thema anregte, ist der Überzeugung, dass Neugier auf das verwirrend Unbekannte der Musikrichtung die Szenegänger wieder vor die Bühnen und auf die Tanzflächen locken könnte. Den ganzen Artikel lesen… »


28 April

Mythos Dracula – Vlad Draculeas gesammelte Scheußlichkeiten

von Kategorie: HintergründeDiskussion: 1 Kommentar

Dracula - Vlad TepesObervampir Dracula geht zurück auf den historischen Vlad III Drăculea, der wegen seines legendären Blutdurstes auch Țepeș (der Pfähler) genannt wurde. Klar, weiß jeder. Doch wie genau haben seine Abscheulichkeiten denn nun eigentlich ausgesehen? Vampirkenner Karnstein, der seit ein paar Wochen zum Autorenteam bei Spontis gehört, hat diesen Artikel bereits vor einer Weile in seinem alten Blog, den Otranto-Archiven, verfasst. Nachdem dieser nun bei Spontis integriert wurde, ist es Zeit, ein paar besondere und zeitlose Perlen seiner Werke aufzupolieren, um sie neu zu veröffentlichen.

Teil I – Dracula ein Mythos zwischen Wahrheit und Fiktion

Nun, sagen wir mal: Zumindest wie seine Mitmenschen ihn wahrnahmen oder darstellten, darüber lässt sich manches sagen. Wie hoch der Wahrheitsgehalt ist, wo man politische Hetzreden dahinter vermuten mag, und wo bereits Grusel-Märchen gesponnen wurden – darüber können wir wohl nur spekulieren. In meinen Händen halte ich jedenfalls gerade eine Photokopie, den Auszug eines Textes, der ungefähr auf das Jahr 1500 zu datieren ist (das erkennt man an Schrift und Sprache), also nur wenige Jahre nach seinem Tod 1476. Die Forschung scheint den Text schlicht „Dracula“ zu nennen, und darin beschrieben findet man allerlei reichlich bizarre (und daher schon wieder lustige) Schweinereien, die allesamt unserem Vlad zugeschrieben werden, und die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Den ganzen Artikel lesen… »


25 April

Video: Goth verdunkelt quietschbunte Osterparty

von Kategorie: VernetztDiskussion: Keine Kommentare

Happy Easter - The Goth next DoorHabt ihr gewusst, dass es Oster-Partys gibt? Ich nicht. Lediglich eine bunte Erinnerungen aus Kindertagen erzählt mir davon, wie ich im Garten meiner Oma bemalte Eier gesucht haben, die ich dann in ein grünes Nest mit künstlichem Stroh gelegt habe. Wir brauchten schließlich Abwechslung vom langweiligen Besuch der Kirche, in der die Erwachsenen den ganzen Morgen damit verbracht haben, die Auferstehung von Jesus zu feiern. Was man dann so feiern nennt. Bedrückt dreinschauen, irgendwelche kruden Formeln murmeln und total schnöde Lieder singen. So kam es mir damals jedenfalls damals vor. Und natürlich weiß ich, das Ostern vorbei ist – aber es gibt Dinge zwischen Weihnachten und Pfingsten, die müssen einfach erzählt werden. Den ganzen Artikel lesen… »


24 April

Von der Entzauberung des Dunkeln – oder: Mimimimimimimi

von Kategorie: AnsichtssacheDiskussion: 8 Kommentare

Mit dem letzten Gothic-Friday wurde sehr viel gemeckert und auch der (mittlerweile nicht mehr ganz so) neuste Artikel zum Clubsterben sprüht nicht gerade vor Optimismus. Gegen den allgemeinen Verdruss hält Spontis eigentlich gerne und tapfer die positiven Beispiele hoch und genau das hatte ich eigentlich auch vorgehabt – mal wieder ein Musiktext oder so – uneigentlich läuft mir aber zur Zeit etwas ganz andere nur so aus den Fingern…

There we go again: meckern oder herzlich willkommen zu meinem ganz persönlichem Mimimi.

Der folgende Moment war sicher nicht der erste, in welchem mich das Gefühl überkam, aber der erste, der sich prägend in mein Bewusstsein eingegraben hat. Ich hatte den Anfang des letzten Jahres im Ausland in einer ziemlich Grufti befreiten Blase verbracht und dem Kurztripp zum WGT entgegengefiebert wie ein kleines Kind dem Weihnachtsfest. Förmlich ausgehungert war ich. Und dann? Dann mischte sich unter die ganze (Wiedersehens-) Freude und die Begeisterung musikalischen Interessen endlich auch wieder außerhalb meinen eigenen vier Wände nachgehen zu können ein ziemlich doofer Beigeschmack. Den ganzen Artikel lesen… »


14 April

Wochenschau #2/2017: Der Karfreitag und die gotische Subkultur.

von Kategorie: WochenschauDiskussion: 5 Kommentare

Spontis WochenschauKarfreitag. Ein besonders wichtiger Feiertag, wenn man der christlichen Lehre folgt, denn hier wird unmissverständlich definiert: „In der katholischen Kirche ist er ein strenger Fast- und Abstinenztag. Unter Einbeziehung des Gründonnerstagabends ist der Karfreitag der erste Tag der österlichen Dreitagefeier, die in ihrer Gesamtheit in allen christlichen Konfessionen das höchste Fest des Kirchenjahres darstellt…“ Doch der Blick aus dem Autofenster offenbart für mich ein anderes Bild. Der Bäcker hat geöffnet und verkauft wartenden Kunden frische Brötchen, die Bauern bestellen eifrig ihre Felder, an den Tankstellen ist der Teufel los, weil man sich für den Ausflug noch mit Sprit und Leckereien eindecken möchte und überall Jogger, Walker, Fahrradfahrer und sonstige Fitnessliebhaber, die übereifrig den freien Tag nutzen. Selbst die Wahlhelfer der AfD, die ja bekanntlich unsere christlichen Werte in Gefahr sehen, hängen Wahlplakate auf. Besonders hoch, versteht sich. Offenbar sehen viel weniger Menschen eine Gefahr für das Abendland, als bisher angenommen.

Wir Gruftis, sagt man, haben ja weder mit Politik noch mit Religion viel am eingeflochtenen Haarteil und geben uns ganz ungeniert dem Genuss all der Dinge hin, die andere tunlichst meiden sollten. Wir finden es deshalb natürlich auch ausgesprochen doof, dass wir heute nicht tanzen dürfen, weil der Karfreitag ja ein „stiller“ Feiertag ist. Mein Goth, wenn ihr schon nicht tanzen dürft und auch nicht wisst, wie ihr euch sonst an diesem Feiertag verhalten sollt, dann gibt es hier wenigstens was zum klicken:

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6 April

Mein schaurig schönes Tagebuch #14: Auf der Suche nach der Szene

von Kategorie: AnsichtssacheDiskussion: 6 Kommentare

London - Auf der Suche nach der SzeneLiebes Tagebuch, nachdem ich Dir ja schon von meinem Wochenende in London erzählt habe, will ich Dir auch die folgenden Tage nicht vorenthalten. Entgegen jedes kosmopolitischen Anspruches an mich selbst, habe ich dann doch die altmodischen Kladde zur Hand genommen, um mir Notizen zu den einzelnen Erlebnissen zu machen. Ob das so eine brillante Idee gewesen ist, wage ich in diesem Augenblick zu bezweifeln. Wenn ich nur eine bessere Handschrift hätte! Ich bin mir sicher, dass eben dieses Kladde, sollte sie einmal verloren gehen und Jahrtausende konserviert verschüttet bleiben, die Grundlage für die Entdeckung einer neuen Sprache sein wird. Ganz so, wie der Rosetta-Stein, den ich im britischen Museum bewundern durfte und der für die Entschlüsselung der ägyptischen Hieroglyphen verantwortlich gewesen ist.

In dem kleinen Cafe in Kentish Town warte ich an einem halbwegs sonnigen Montag Morgen darauf, dass die gehetzten Berufstätigen in der U-Bahn verschwunden sind, denn als Tourist im Urlaub habe ich es einfach nicht nötig, mich in übervolle Waggons zu quetschen. Heute, so mein Plan, besorge ich mir mein London-Szene-Gefühl. Diese Emotion ergreift mich immer ein bisschen, wenn ich in London durch die Straßen der Vergangenheit ziehe. Überall liegt diese vibrierende Spannung in der Luft, denn an jeder Ecke schlummert ein wenig von dem, was heute legendär erscheint. Den ganzen Artikel lesen… »


3 April

Die modische Zukunft unserer Subkultur: Harajuku Street Fashion

von Kategorie: VernetztDiskussion: 17 Kommentare
Bercerk Street Fashion - Screenshot Tokio Fashion

Ist das unsere stilistische Zukunft?
(c) Tokiofashion.com

Tokio ist nicht nur die Hauptstadt Japans, sondern auch einer der interessantesten subkulturellen Schmelztiegel auf diesem Planeten. Rein äußerlich versteht sich. Hier wird alles, was an Mode-Stilen existiert mit japanischen Traditionen und der dortigen Popkultur zur einer Kombination vermischt, die ihres gleichen sucht. Die Stadtteile Harajuku, Shinjuku, Shibuya und Ikebukuro sind bekannt für ihre ausgefallenen Läden und Labels und für die Menschen, die ihre Form der Individualität auf die Straßen tragen. Klassische Stereotypen findet man dort nicht, in Tokio regieren völlig andere und für uns unbekannte Stile das Modebewusstsein der dortigen Jugend.

Gyaru, Lolita, Visual Kei, Dolly Kei, Mori Kei oder auch Fairy Kei vereinen äußerliche Splitter etablierter Subkulturen, die mit typischerweise überzeichnet mit Stilen, die aus Mangas und Animes stammen, vermischt werden. Der Wille zur Individualität scheint grenzenlos zu sein und macht auch vor dem eigenen Körper nicht halt und scheint einem Dogma der ewigen Jugend unterworfen zu sein. Da werden die Zähne für ein kindliches Lächeln angeschliffen, die Augenform operativ verändert und schon als junger Erwachsener Unmengen von Botox unter die Haut gespritzt. Das die meisten Japanerinnen häufig x-beinig stehen, um kindchenhaft zu wirken, ist noch die harmloseste Unart. Tokio, das Zentrum für alle diese Dinge, ist voller Widersprüche, Kuriositäten oder Absurditäten – eine Stadt für deren Beschreibung Worte nicht ausreichen. Jedenfalls nach unserem Empfinden.  Den ganzen Artikel lesen… »