15 Mai

2000: Schwarze trugen Trauer – WGT-Rückblick #3

von Kategorie: Dunkle VergangenheitDiskussion: 4 Kommentare

Schwarze trugen TrauerLeipzig, den 11. Juni 2000 – 13:20: Mit Wirkung des heutigen Tages hat der Veranstalter des 9. Wave-Gotik-Treffens […] seine Zahlungsunfähigkeit erklärt.” Das als Chaos-WGT bekanntgewordene 9. Treffen hätte wohl eine Reihe von Überschriften verdient, je nach Auslegung der Ereignisse, die negativ als auch positiv gewesen sind. Um die Umstände, die zur Pleite und zum Abbruch der Veranstaltung führten, ranken sich auch heute, 15 Jahre später, noch zahlreiche Geschichten, Gerüchte und widersprüchliche Aussagen.

Rund 10.000 Gothics warten am Samstag vor dem Völkerschlachtdenkmal auf den Konzertbeginn von Phillip Boa und And One. Doch die Bühne bleibt leer. Ein Sprecher betritt die Bühne und verkündet, dass die Auftritte nicht stattfinden werden, da die Gagen der Bands nicht bezahlt werden konnte.  Spätestens jetzt wird allen klar, dass etwas nicht stimmt. Bereits den ganzen Samstag kocht es unter der Oberfläche des Treffens. Künstler und Bands, die ihre Gage fordern, werden vertröstet, Geschäftsführerin Christiane Kuz und “künstlerischer Leiter” Michael Brunner scheinen vom Erdboden verschluckt. Im Laufe des Sonntag Morgens verschwindet zunächst das Sicherheitspersonal, später beginnt man auch damit, Bühnen und Equipment abzubauen. Man überlässt 20.000 Gruftis ihrem Schicksal. Keine Organisation, keine Einlasskontrollen, keine Konzerte – düstere Aussichten für die schwarze Gemeinde. Den ganzen Artikel lesen… »


13 Mai

1997: Die Schwarzen erobern Leipzig! – WGT Rückblende #2

von Kategorie: Dunkle VergangenheitDiskussion: 2 Kommentare

Wave-Gotik-Treffen 1997 Die Tage, an denen Leipzig in eine schwarze Grufti-Hochburg verwandelt wird, stehen unmittelbar bevor. Das Eintrittskartendesign ist hübsch, aber nicht mehr so bedeutungsschwanger wie in den letzten Jahren. Auch die kryptischen Botschaften zu den seit Wochen eingehenden E-Mails mit den teilnehmenden Bands ist ausgeblieben. Eine schöne, wenn auch ungewohnte Erholung für den moralischen Zeigefinger. In den Foren und Communitys streitet man sich über angemessene Stylings, unpassende Bands und meckert über neue Veranstaltungsorte. Selbst die Internetpräsenz des Wave-Gotik-Treffens hat einen neuen und zeitgemäße Anstrich erhalten.

Zeit für ein paar zeitgeschichtliche Fetzen, die vielleicht das Warten auf die dunklen Tage ein wenig düsterer machen. 1997 erwartete man rund 5000 (es sollten übrigens 6.000 Besucher werden) Gruftis zum 6. Wave-Gotik-Treffen. Die Dresdner Morgenpost titelte: “Die Schwarzen erobern Leipzig”, was sich in den folgenden Jahren auch nicht mehr ändern sollte, bis auf stetig steigende Besuchserzahlen. Was sich allerdings geändert hatte, war der Name des Festivals, dass seit 1996 dem neuen Namen “Wave-Gotik-Treffen” in Erscheinung tritt. “Der Michel” erklärte dazu im Mai 1997: “Der Wechsel des Treffen-Namens von “Wave-Gothic” (womit die Musik assoziiert wird) hin zu “Wave-Gotik” als (Bezugnahme zu Ambiente und Lebenskultur der Szene) macht den inhaltlichen und nicht nur musikalischen Schwerpunkt deutlich.” Damals hielt Michael Brunner noch die Fäden des Treffens in seiner Hand und residierte mit seinem Unternehmen “Sol et Luna” im Werk II. Wieviele Dinge sich doch geändert haben. Den ganzen Artikel lesen… »


12 Mai

1993: Mehr Masse als Klasse! – WGT-Rückblende #1

von Kategorie: Dunkle VergangenheitDiskussion: 4 Kommentare
Vom damaligen Veranstalter Michael Brunner wurden zu den ersten WGTs solche "Erinnerungsbecher" aus Ton angeboten. Schade, daß diese Tradition nicht überlebt hat.CC by-nc-sa Matthias Gräfe

Vom damaligen Veranstalter Michael Brunner wurden zu den ersten WGTs solche “Erinnerungsbecher” aus Ton angeboten. Schade, daß diese Tradition nicht überlebt hat.
CC by-nc-sa Matthias Gräfe

Die Idee dieses Treffens geisterte schon lange in unseren Köpfen herum. Wir wollten einfach, daß alle – oder zumindestens viele – mal wieder zusammenkommen, natürlich auch die aus dem Westen. Wir mußten also irgendwas organisieren und inzwischen war klar, daß das nur über Bands laufen konnte.  […] Für die meisten Gäste war es sicher vor allem ein Musikfestival. Für uns waren die Bands nur Mittel zum Zweck, wir wollten eigentlich “nur” ein Treffen. Bei diesen Namen haben wir es bewußt auch belassen. Uns war wichtig, daß sich Leute begegnen. Wir wollten einfach alle kennenlernen und umarmen.” Offensichtlich war es bereits 1993 mit dieser Stimmung wieder vorbei, “Mehr Masse als Klasse.” wurde ein grünhaariger aus Bielefeld zitiert und Peggy Prien schrieb (siehe Bild): “Mehr Leute, mehr Platz, mehr Programm – aber weniger Kontakt.” Trotz dieser Umstände ist das WGT auch heute noch der Treffpunkt der mittlerweile internationalen Szene. Sozusagen die wichtigste Gothic-Convention überhaupt.

Ich will die Zeit bis zum WGT dazu nutzen das Verlangen zu schüren und den Fokus zu beeinflussen, denn dem Zitat von “Urvater” Brunner kann ich nur zustimmen. Es ist wichtig, dass die Leute sich begegnen. Gerade in Zeiten von Facebook und der Dauerverfügbarkeit virtueller Profile hat man plötzlich “Freunde”, die man noch nie im echten Leben gesehen hat.  Egal welcher Splittergruppe ihr euch zugehörig fühlt, das WGT ist bunt genug, Gleichgesinnte zu treffen.  Den ganzen Artikel lesen… »


30 April

Beltane – Fest des strahlenden Feuers

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Walpurgisnacht

Feuerfest im schottischen Edinburgh
CC by-nc-nd Richard Milnes

Heute feiert man das keltische Fest Beltane. Nach Imbolc und Ostara ist es das letzte und wichtigste Fest naturreligiöser Glaubensgemeinschaften. Es ist das Fest der Fruchtbarkeit und markiert den Übergang in die warmen Sommermonate. Für den Wechsel vom 30. April zum 1. Mai gibt es viele Namen, die keltische Bezeichnung ist vielleicht die ursprünglichste. Woher der Begriff letztendlich stammt, ist historisch nicht eindeutig nachzuvollziehen. “bel” bedeutet soviel wie  “leuchtend” oder auch “strahlend”, während “tene” ein Begriff für das Feuer ist. Wörtlich übersetzt könnte man Beltane also Fest des strahlenden Feuers nennen. Da für die Kelten an diesem Tag die Zeit des Sommers begann, spielte der Sonnengott Belenus ebenfalls eine wichtige Rolle bei den Feierlichkeiten.

Die Kelten feierten Beltane überschwänglich. Die Menschen waren voller Hoffnung und Vorfreude auf den Sommer. Die Natur blühte bereits in ihrer vollen Pracht, die Tage des kalten Winters waren gezählt. Häuser und Ställe wurden mit frischem Grün geschmückt, überall entzündet man Feuer, um die bösen Wintergeister endgültig zu vertreiben. Für die Kelten war es das Erwachen der Erde nach einem harten Winter und sorgte auch bei den Menschen für eine weit verbreitete Aufbruchstimmung. Als Fruchtbarkeitsfest nicht nur im Zeichen der Fortpflanzung, sondern auch für Kreativität, neue Ideen und neue Beziehungen.

Die Menschen tanzten um die lodernden Feuer, die Druiden zeugten in dieser Nacht mit den Druidinnen den druidischen Nachwuchs und die Dorfjugend verliebte sich im Rausch des Mets ineinander. Die Kelten wussten, wie man Feste feiert. Den ganzen Artikel lesen… »


25 April

Spontis Family Treffen 2015 auf dem 24. WGT in Leipzig

von Kategorie: VeranstaltungenDiskussion: 21 Kommentare

5.Spontis Family TreffenErster April, kein Scherz. Gegen Mittag stehe ich unter der Dusche und trällere Lieder, die sich nur in den 4 Wänden des Badezimmers gut anhören. “Du musst zur Tür kommen, ein Einschreiben!” Ich stürze wie eine ins Wasser gefallene Katze aus der Duschtasse, benutze das Handtuch mehr schlecht als recht und greife zum schwarzen Bademantel am Türhaken. Für einen prüfenden Blick, ob ich wegen sexueller Nötigung angezeigt werden könnte, reicht es noch. Nichts zu sehen. Beim Stichwort “Einschreiben” bekomme ich immer eine Gänsehaut, ist es vielleicht ein Anwaltsschreiben oder eine gerichtliche Vorladung? 12 feuchte Fußspuren später blicke ich in das Gesicht eines sichtlich verdutzten Postboten, der sich in diesem Augenblick wohl gewünscht hätte, dass jemand anderer ihm nur mit Bademantel bekleidet die Tür öffnet. Eine prüfender Blick auf den Absender des Briefes entspannt meine Gesichtszüge augenblicklich und verwandelt mich in eine tropfnasse Grinsekatze die in freudiger Erwartung gluckst. Die WGT-Karten sind da! Den ganzen Artikel lesen… »


20 April

1986: Duisburger Gruftis im Old Daddy als Statisten beim Tatort

von Kategorie: Dunkle VergangenheitDiskussion: 3 Kommentare

Schimanski - Der TauschSchimanski ist ein Institution. Als er im Juni 1981 als Tatort-Kommissar auf der Bildfläche erschien, schockierte er den bis dahin eher konservativen Zuschauer des Fernsehreihe. Ein Ruhrpott-Rambo aus dem Bilderbuch, denn Schimanski ist laut, vulgär, dem Alkohol verfallen und erhebt die Currywurst zum Grundnahrungsmittel der Duisburger Polizei. Während die einen Schimanski zum lebenden Verfall der deutschen Gesellschaft stilisieren, ist er für andere die Verkörperung der Menschlichkeit. In 29 Folgen formt der Kommissar zudem ein außerordentlich prägendes Bild von Duisburg, das zwischen Malocher-Romantik und ständiger Arbeitslosen-Problematik ein Sündenpfuhl menschlichen Daseins zu sein scheint.
Ich liebe die Serien heute noch. Nicht etwa, weil ich mich mit dem Rüpel-Kommissar identifiziere, sondern weil sie ein authentisches Bild der 80er Jahre vermittelt, dass von der knallbunten Spaßgemeinde befreit, ein düsteres und schmutziges und authentisches Szenario dieser Zeit formt, das von Angst und Hoffnungslosigkeit bestimmt wird. Den ganzen Artikel lesen… »


18 April

Doku: Schwedische Depeche Mode Fans im Porträt

von Kategorie: FundgrubeDiskussion: Keine Kommentare

film of faith and devotionLeser, die nicht unsterblich in die Musik von Depeche Mode verknallt sind, habe die freie Auswahl sich rund 1000 Artikel ohne entsprechenden Inhalt anzuschauen. Die anderen bleiben und werden feststellen, dass es Schweden leichter haben. Jedenfalls hinsichtlich der 45-minütigen Dokumentation “A Film of Faith and Devotion”, die von der schwedischen Produktionsfirma Hillbay Media online gestellt wurde, denn die ist im schwedischen Originalton gehalten. Glücklicherweise hat man gleich ein paar Untertitel dazu gestellt, die man durch klicken auf das rechteckige Symbol unter dem Video aktivieren kann. Hier und da gibt es ein paar Lücken, aber den echten Devotee schreckt das nicht ab, schließlich geht es um das Lebensgefühl gleichgesinnter wenn auch nicht mehr ganz jugendlicher Anhänger von Depeche Mode. Gedreht wurde die Dokumentation – so Sven Plaggemeier in seinem Artikel auf depchemode.de – von einem Götheburger Fanclub, wo die Doku bereits im letzten Spätsommer Premiere feierte.  Den ganzen Artikel lesen… »


16 April

Post-Punk Magazine vor dem Ende?

von Kategorie: FundgrubeDiskussion: 1 Kommentar

post-punk magazineEine Seite, die peinlicherweise bisher völlig unter meinem Radar flog, ist Alex Bakers post-punk.com, die nicht nur durch hochwertigen Content trumpfen kann, sondern auch gleich noch exklusive Interviews, Videos und Podcasts bietet. Das Video der März-News zum Beispiel ist dann auch an mir vorbeigerauscht und ließ mich völlig fasziniert zurück. Auf einer kurzen Recherche stolperte ich über die bewegte Vergangenheit. Ursprünglich 2004 von Joshua Pfeiffer gegründet, fasste Alex Baker Ende 2012 den Plan, die Idee und die Seite neu zu beleben. Er startete gleich eine Kickstart-Kampagne über 85.000$ um ein hochwertiges Magazin herauszubringen, dass sich mit Post-Punk, Gothic und Wave beschäftigt und dem “Kern” der Musik eine neue Plattform bietet. Bei rund 7.000$ war allerdings erstmal Schluss, dieser Anlauf scheiterte. Kurze Zeit später dann eine neue Crowdfunding-Kampagne bei Indiegogo, diesmal mit deutlich niedrigerem Ziel von 25.000$. Leider war auch hier bei rund 4.000$ Schluss. Beide Kampagnen liefen aus, die Unterstützer erhielten ihr Geld zurück. Den ganzen Artikel lesen… »


11 April

Musikperlentaucher – Tauchgang #31

von Kategorie: Back to the RootsDiskussion: 4 Kommentare

Solitairen Effekten – Kleines Astronautenmädchen

Die Band “Solitairen Effekten”, manchen besser bekannt unter ihrem alter Ego “Solitude FX“, ist das Gemeinschaftsprojekt von Marc Schaffer und Orpheo Weidelz-Baur, die sich in ihrer Musik einer Neuinterpretation der “Neuen Deutschen Welle” verschrieben haben könnten. Sie selbst nennen ihre Musikrichtung “Melancholic minimal analogue electronic pop” und erschlagen damit so ziemlich jeden Stil, unter den man die Band einordnen könnte. Bei mir löst die Musik eine Form von wohlig warmen Erinnerungsschauern aus, die ich immer dann erlebe, wenn ich Klassiker der NDW Revue passieren lasse und mich dabei an Kinderzimmertage vor Lego-Bergen und C64 erinnere. Der Song ist simpel, eingängig, tanzbar und herzerweichend schön, fehlt nur noch der Tag, an dem ich dazu die Tanzfläche eines Dunkelschuppens rocken kann. Zuhause ist mir das immer ein bisschen unangenehm. Wer möchte, kann sich beim Label Enfant Terrible die Stücke der LP “unsere Liebe ist für andere gänzlich unbekannt” herunterladen und in seine nächste Playlist einbauen. Den ganzen Artikel lesen… »


5 April

1999: Eine Bildertour über den Hauptfriedhof Frankfurt

von Kategorie: Finstere OrteDiskussion: 10 Kommentare

SehnsuchtLeserin Kerstin – alias Hexenstern von Horn – hat eine besondere Leidenschaft für Friedhöfe, schon seit Jahren ist sie unterwegs, um Eindrücke mit ihrer Kamera festzuhalten. Als die Wahl-Hamburgerin vor rund 15 Jahren in Frankfurt lebte, erforschte sie den Hauptfriedhof, einer der eindrucksvollsten und größten Friedhöfe Deutschlands. Beim stöbern in diesen alten Aufnahmen entschloss sie sich, sie Spontis – und damit einer breiten Menge ästhetisch gleichgesinnter Menschen – zur Verfügung zu stellen. Eine schöne Entscheidung, denn mich haben die Bilder gleich gepackt, sei es wegen der Wahl der Motive oder wegen dieser angenehmen Patina, die auf den alten und rauschigen Bilder ruht und diese Art der Wärme versprühen, die man auch beim knistern alter Schallplatten spüren kann. Den ganzen Artikel lesen… »