Wer in der Schwarzen Szene unterwegs ist, weiß: Friedhöfe sind mehr als nur Orte der Ruhe – sie sind steinerne Archive der Vergänglichkeit und Sehnsuchtsorte für Melancholiker. Bereits im letzten Jahr stellten wir Tinas ersten Podcast „Nur über meine Leiche!“ vor, der uns auf den einzigartigen Selbstmörderfriedhof im Grunewald entführte. Doch Berlin hat noch weit mehr düstere Geheimnisse zu bieten, die unter dem Pflaster der Moderne verborgen liegen. Mit ihrem neuen Projekt weiten Tina Knaus und Jenny Bins den Blick und laden uns ein, die gesamte „Nekropole Berlin“ zu erkunden.
Das dynamische Duo erforscht die Twilight Zone
Unter dem Titel „Ran an’ Sarg und mitgeweint“ ist pünktlich zum Jahresbeginn ein Format gestartet, das die Faszination für „Finstere Orte“, Lost Places und historische Kriminalfälle aus Berlin fortführt. Tina Knaus, deren akribische Detektivarbeit in historischen Zeitungsarchiven bereits bekannt ist, bekommt Verstärkung durch Jenny Bins. Die ausgebildete Schauspielerin und Synchronsprecherin gehörte jahrelang zum festen Ensemble des Prime-Time-Theaters und bringt unter anderem durch ihre Erfahrung im Berlin Dungeon das ideale Gespür für atmosphärisches Storytelling mit. Gemeinsam begeben sie sich alle zwei Wochen auf eine Reise durch die „Twilight Zones“ Berlins – zu Orten, an denen die Grenze zwischen Leben und Tod, zwischen Wahn und Wirklichkeit schon immer besonders durchlässig war.
Die ersten vorliegenden Episoden zeigen, dass das Duo keine oberflächlichen Schauergeschichten erzählt, sondern tief in die soziale und okkulte Historie der Hauptstadt eintaucht:
Folge 1: Jenseitskontakte und Geisternachrichten
Berlin war zwischen der Jahrhundertwende und den 20er Jahren ein Hotspot für Spiritisten. Neben Größen wie Aleister Crowley scharten Hellseherinnen wie Madame Sylvia massenhaft Anhänger um sich. Die Recherche deckt Skurriles auf – von Scharlatanen, die die Zukunft tatsächlich aus Eiern lasen, bis hin zu tragischen True-Crime-Fällen wie dem des „Blumenmediums“ Anna Rothe oder Friedrich Weber Robine, dem Präsidenten der okkultistischen Volkshochschule. Für viele dieser Gestalten endete die Suche nach dem Übersinnlichen entweder vor Gericht oder direkt im Sarg.
Folge 2: Mörder-Balladen
Die Berliner Seenlandschaft ist nicht nur Kulisse für Sommerfrische, sondern auch für Melancholie und Tod. In dieser Folge entführen uns Tina und Jenny in die mystische Welt der Wassergeister, Nixen und Undinen, die angeblich alle 50 Berliner Seen besiedeln. Doch die Idylle trügt: Von tödlichem Badespaß über die Schüsse im Strandbad Wannsee bis hin zu namenlosen Wasserleichen wird das düstere Antlitz der Gewässer beleuchtet. Ein besonderes Highlight ist die Geschichte über einen echten „Zaubermord“ am Potsdamer Geistersee und die Verbindung zur literarischen Ophelia, die selbst Nick Cave zu seinen berühmten „Murder Ballads“ inspirierte.
Warum wir weiter genau hinhören sollten
Dieser Podcast ist ein Muss für alle, die das Morbide nicht als bloßen Grusel, sondern als Teil unserer Kulturgeschichte begreifen. Ohne Sensationslust, aber mit spürbarem Mitgefühl geben Tina und Jenny denjenigen eine Stimme, die durch Mord, Unglück oder tiefe Verzweiflung eine oft grausame Berühmtheit erlangten. Es ist atmosphärisches Storytelling, das genau den Nerv derer trifft, die die Schönheit im Vergänglichen suchen.
Info: Der Podcast „Ran an’ Sarg und mitgeweint“ erscheint alle zwei Wochen montags auf allen gängigen Plattformen wie Apple Podcasts, Spotify und Audible.
-
- Spotify: In Spotify öffnen
- Apple Podcasts: In Apple Podcasts hören
- Amazon / Audible: Auf Amazon/Audible streamen




Daaaanke, lieber Robert, Du schreibst einfach wunderbar, so wertschätzend und empathisch. Am 2. März geht dann schon Folge 3 online. Da geht es vom Berliner Toten Meer zum Mörderfriedhof, also reinhören und ran an´ Sarg und mitgeweint.
https://youtu.be/pqTj2t5RLrg
Endlich hatte ich die nötige Muße mir die Folge 2 des Podcasts „Mörderballaden“ anzuhören: Das war ein wirklich schaurig-schöner und auch berührender Ausflug in Berlins Seenlandschaft. Mystische Wasserwesen haben mich von jeher fasziniert. Darunter auch Fouqués Undine. Von der Bekanntschaft und den Treffen der romantischen Dichter untereinander wusste ich noch nicht.
Sehr gelungen fand ich auch, dass auf die Ästhetisierung der Wasserleiche Ophelia -unter anderem in dem stimmungsvollen Vortrag des Rimbaud Gedichtes – der True Crime Fall folgte, der einen erschaudern lassen kann. Erschaudern sowohl vor der Grausamkeit des Verbrechens als auch vor den unergründlichen Wirren im Gehirn mancher Menschen. Danke an Tina Knaus und Jenny Bins für diesen melancholisch morbiden Podcast und danke dir, Robert für den Artikel darüber. Ich werde mir sicher auch noch weitere Folgen anhören.
Liebe Maren, danke, für Deinen wunderschönen Kommentar. Das motiviert uns ungemein. Heute Nacht um 0:00 Uhr laden wir Folge 3 “ Vom Toten Meer zum Mörderfriedhof“ hoch, wieder mit vielen spannenden Geschichten zur dunklen Berliner Geschichte. Wir freuen uns, wenn Du auch wieder einschaltest. bittersüße grüße von Tina & Jenny
Ooooh, ausgezeichnet – Wenn einer wie ich etwas IMMER brauchen kann sind es interessante Podcast-Tipps… :D
Super, wir freuen uns, wenn Du uns schreibst, wie Dir der Podcast gefällt. 🖤
Werde ich zeitnah tun! :)