Am Morgen des 1. April erwacht der Werwolf mit einem flauen Gefühl im Magen – und das liegt ausnahmsweise nicht am Vollmond. Irgendetwas stimmt nicht. Er grübelt. Hat er die Heizung angelassen? Nein. Hat jemand sein Körbchen mit Konfetti gefüllt? Auch nicht. Dann fällt es ihm siedend heiß ein: Er grübelt ja! Und genau davor hat ihn Alana Abendroth in ihrem aktuellen Gruft-Orakel doch gewarnt. Grübeln sei jetzt das Schädlichste. Also beschließt er, den Rat des Orakels in die Tat umzusetzen und sich konsequent abzulenken. Er zockt bis drei Uhr morgens, bestellt sich eine Familienpizza – für sich allein, wohlgemerkt – und guckt danach sechs Staffeln einer Serie, deren Namen er am nächsten Tag nicht mehr weiß. Dann raucht er so viele Kräuter, dass selbst der Wiedergänger von nebenan fragt, ob es irgendwo brennt. Mission erfüllt: Er weiß tatsächlich nicht mehr, was das Problem war. Er weiß allerdings auch nicht mehr, welcher Wochentag ist, wo seine Hose liegt und warum auf seinem Handy zwölf Bestellbestätigungen eines Online-Shops für Gartenzwerge eingegangen sind. Als ihm der Vampir später erklärt, dass heute der 1. April ist und Alana Abendroth das Orakel in diesem Monat nur als Aprilscherz gemeint hat, lacht niemand. Am wenigsten der Werwolf, der jetzt 36 Gartenzwerge besitzt und eine leere Geldbörse. Immerhin hatte das Orakel auch beim Thema Finanzen recht: Grübeln wäre definitiv billiger gewesen.


