Ich benutze diesen Teil der Wochenschau für ein paar Dinge in eigener Sache zu erwähnen, die sonst nirgendwo Platz finden. Der Veranstaltungskalender bei Spontis wird eingestellt und macht Platz für eine neue, überarbeitete Version der beliebten Seiten „Dunkeltanz“. Leider hat der Kalender wenig Resonanz erfahren und wurde nicht, wie zunächst geplant, von den Besuchern und Mitgliedern der Seite befüllt. Möglicherweise lag es an der technischen und inhaltlichen Umsetzung, aber ich will jetzt nicht noch mehr Arbeit darin investieren, wenn ihn niemand nutzt. Das ist kein Vorwurf und kein Appell, die meisten Leute informieren sich lieber auf eigene Faust und nutzen Facebook und andere sozialen Netzwerke für die Freizeitplanung und das ist auch völlig in Ordnung. Mir selbst fehlt aber die Zeit, auch den Veranstaltungskalender noch mit Inhalt zu füllen, daher stelle ich das Projekt ein.
Der Dunkeltanz bekommt dafür ein Update und in Zukunft die Möglichkeit, Einträge darin direkt zu ändern und vorzuschlagen – jedenfalls für angemeldete Mitglieder. Wenn ich mir die Kommentarspalten der aktuellen Seite anschaue, ist das auch bitter nötig. In diesem Sinne entlasse ich euch nun in die Links, die in den letzten Wochen übrig geblieben sind.
The Cure: „Do The Hansa“ und Robert Smiths deutsche Sprachversuche
Die britische Wave-Legende The Cure sorgt für eine kleine Überraschung im digitalen Archiv. Am 30. Januar erscheint die 1986er-Neuaufnahme des Hits Boys Don’t Cry erstmals auf CD und als Stream. Wie der Rolling Stone berichtet, umfasst die Single auch seltene Mixe von Stücken wie Plastic Passion und Pillbox Tales. Besonders viel Aufmerksamkeit zieht jedoch eine Rarität auf sich, die eine ironische Verbindung zur deutschen Musikindustrie herstellt.
In dem Stück Do The Hansa, einer Abrechnung mit dem ehemaligen Vertriebspartner Hansa Records, experimentiert Frontmann Robert Smith auf ungewohnte Weise. In der Meldung heißt es dazu: „Der Postpunk-Song ‚Do The Hansa‘ zählt zu den bemerkenswertesten Aufnahmen der Cure-Historie. Denn Robert Smith singt ein paar Wörter auf Deutsch. Er zählt an: ‚Eins, zwei, drei, vier‘, außerdem intoniert er ein tiefdeutsches ‚JA‘.“
Damit werden diese speziellen 86er-Aufnahmen, die ursprünglich nur auf Vinyl-Maxis zur Promotion des Best-of-Albums Staring at the Sea erhältlich waren, fast vierzig Jahre nach ihrer Entstehung offiziell digital zugänglich gemacht. Für Fans der Band ist dies ein schöner Einblick in die experimentelle Phase der Achtzigerjahre, in der die Gruppe ihren eigenwilligen Humor auch sprachlich auslebte.
Echte Knochen im Klassenzimmer: Wo endet die Totenruhe?
Über Jahrzehnte hinweg waren sie die stummen, oft namenlosen Begleiter im Biologieunterricht: echte menschliche Skelette, die heute zunehmend aus den Schulen verschwinden. Christoph Jehle beleuchtet in seinem Artikel die düstere Herkunft dieser Lehrmittel, die bis vor rund 60 Jahren oft ohne jegliche Einwilligung der Verstorbenen aus beräumten Grabfeldern ihren Weg direkt in die Vitrinen fanden. Während Schulen heute dazu übergehen, diese Gebeine würdevoll zu bestatten, stellt sich angesichts moderner Plastinate und digitaler Modelle eine fundamentale ethische Frage: „Wo endet die Verfügungsgewalt des ehemaligen Besitzers des Körpers und wo beginnt der Körper, eine Sache zu sein?“ Der Text konfrontiert uns mit der schmalen Grenze zwischen anatomischer Aufklärung und der Wahrung der Totenruhe. Er mahnt, dass die vollständige Verdinglichung menschlicher Überreste selbst im Namen der Wissenschaft eine moralische Kälte offenbart, die wir im Zeitalter digitaler Alternativen und KI-gestützter Anatomie nicht länger unhinterfragt lassen sollten.
Subway in Kiel – Schwarzes Clubwohnzimmer im Norden
Clubs waren in den 80er- und 90er-Jahren zentrale Anlaufstellen für die Gothic-Szene. Es gab ja noch nicht wirklich ein Internet, das als Ersatz-Treffpunkt für düstere Musik und düstere Gestalten fungierte.
Die Discothek „Subway“ in der Kieler Bergstraße war von 1988 bis 1995 einer der wichtigsten Treffpunkte der alternativen Underground‑ und vor allem der schwarzen Szene in Kiel. Schwarzer Teppich, laute Wave‑, Indie‑, Gothic‑ und Punk‑Sounds und das Motto „No Mainstream“ prägten Atmosphäre und Musik. Für viele Punks, Gothics und andere „Unangepasste“ galt das „Subway“ als Wohnzimmer und sicherer Rückzugsort in einer Zeit, in der es auf Kiels Straßen oft Übergriffe von Rechtsradikalen gab. Betreiber Willy Möller und seine Crew schufen einen familiären Club, in dem „jeder jeden kannte“ und man sich angenommen fühlte, wenn man anders aussah oder lebte.
Mit dem Aufkommen von Techno und veränderten Trends in der Clubkultur verlor der Laden Mitte der 90er Jahre an Publikum und schloss schließlich im August 1995, blieb aber als legendärer Indie‑ und Gothic‑Club im kollektiven Gedächtnis der Szene.
Eine Nacht allein in Berlins größtem Lost Place ICC | Nachtschicht Berlin
Das für mich eindrucksvollste und mit Abstand architektonisch imposanteste Gebäude ist gleichzeitig ein Lost-Place, denn seit Jahren wird hier nur noch bewacht und technisch instand gehalten. Das ICC in Berlin. Ich male mir gerade aus, wie es wäre dort eine Star Trek Convention abzuhalten oder auch einen Film der Alien-Reihe zu drehen. Das ganze Konzept des Gebäudes und sein Vielseitigkeit beeindrucken mich heute noch.
Mallorcas schwarzes Erwachen: Die Gothic-Szene feiert ihr Revival
Die mallorquinische Gothic-Szene erlebt derzeit ein bedeutendes Revival, das im Januar 2026 durch die „Gothic Virus Party“ im Club Es Gremi in Palma eingeleitet wurde. Nach der Schließung des legendären Tunnel Rock Clubs markiert dieses Event einen Wendepunkt für die rund 1.000 Anhänger der Insel-Community. Angeführt vom Szene-Urgestein Fernando López knüpft die Bewegung an eine lange Tradition an, die bis in die 90er Jahre und das damalige Mallorca Gothic Festival zurückreicht. Der Name der aktuellen Veranstaltungsreihe ist eine Hommage an den verstorbenen Musiker Virus, dessen Logo noch heute als Identifikationssymbol dient. Musikalisch bietet die Szene eine breite Palette von Dark Rock bis hin zu DJ-Sets und beweist damit, dass die schwarze Subkultur auf der Insel trotz ihrer geografischen Isolation durch engen Zusammenhalt und die Pflege ihrer eigenen Geschichte fortbesteht.



Ich verbinde Mallorca gedanklich jetzt mit allem Möglichen, von Eimersaufen bis Liege mit Handtuch reservieren.
Aber ich hätte dort nie mit einer „schwarzen“ Community gerechnet.
Daraus nehme ich mit, dass doch nichts über ein gepflegtes Vorurteil geht und man doch immer noch dazu lernen kann… 😉
Höchst erfreulich, daß die Kommentare zum verlinkten Gebein-Artikel die Sache (ebenso wie ich) sehr nüchtern sehen – mit dem Tod hat sich das Menschsein nun mal erledigt, Punkt. Aus purer Höflichkeit gegenüber den frisch trauernden Angehörigen kann dann noch eine Weile (!) die Überreste mit Respekt behandeln – aber danach muß IMO mal Sense damit sein. Dann ist Oppa Karls Oberschenkel eben nur ebenso ein Knochen wie der des Brathähnchens auf dem Teller und mein anatomischer Schädel in der Vitrine nur noch ein Schädel. Man kann ihn dann mit einem größeren Respekt behandeln, hat aber keinerlei moralische Verpflichtung dazu. Wer in ein – egal wie gut erhaltenes – altes Skelett mehr hineininterpretiert, verschließt meines Erachtens die Augen vor der Wirklichkeit.
Davon abgesehen bezweifele ich, daß die meisten Ex-Besitzer der anatomischen Skelette sich freiwillig auf einem deutschen Kirch-Friedhof hätten verbuddeln lassen – die wurden ja häufig aus Indien importiert. Vielleicht hätte man das den dergestalt rumjammernden Schulklassen mal sagen sollen… }:-)