Musikperlen – Und in ihrem milch-weißen Nacken das Zeichen des Teufels (Tauchgang #20)

Second Decay – I hate Berlin

Als ich 1994 das Album „Taste“ von Second Decay in mein Abspielgerät legte, zog mich das Album fest in seinen Bann. Die Mischung aus waviger Synthesizer Musik im Stile des Cold Wave unterlegt mit poetisch melancholischen Texten in deutscher Sprache übten auf mich einen besonderen Reiz aus. Nie habe ich ganz verstanden, warum die Band, die Christian Purwien und Andreas Sippel 1987 gründeten, keiner hören wollte. Die Leichtigkeit der rein analogen Synthesizer mit der poppigen Attitüde erinnerte mich sofort an jüngere Werke von Depeche Mode, die Texte wahren aber deutlich eindrucksvoller als das ungleich berühmtere Gegenstück. So schlummert „Taste“ ein oftmals tristes Dasein in den Regalen mancher Liebhaber, zu Unrecht, wie der damalige Underground Club Hit „I hate Berlin“ zu beweisen vermag. Ich könnte jetzt noch eine ganze Reihe weiterer Stücke empfehlen, lade euch aber ein, sie selbst zu entdecken.

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Type O Negative – Black No. 1

Da läuft es mir immer kalt den Rücken runter, wenn Peter Steele die Zeilen „She’s in Love with herself, she like’s the Dark. On her milk white Neck, the devils Mark…“ in Mikrofon haucht. Langsam, tief und Hart – so definierten die US-amerikaner selbst den Stil ihrer Musik und nannten ihr erstes Album „Slow, Deep and Hard“, kurz nachdem sie sich etwa 1990 gründeten. Die Band, die durch Texte und Aussagen immer wieder Jugendschützer und Frauenorganisationen auf den Plan riefen, wurde erfolgreich. „October Rust“ erreichte 1996 die Top 10 der Alben Charts in Deutschland und sorgte seit dem für eine treue deutsche Anhängerschaft, die auf ungewohnte Weise Metaller und Gothics verband. War es doch der bewusste Stilmix und die teilweise ungewöhnlich Instrumentierung, die immer wieder für wohl gefallen in beiden Lagern sorgte. Am 14. April 2010 starb Peter Steele an Herzversagen, Type O Negative hat er wohl mit ins Grab genommen.

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Sigue Sigue Sputnik – 21st Century Boy

1983 gründete Tony James eine Band, lud Andrew Eldritch und Annie Lennox als Sänger ein und wartet ab. Blöd, das beide keine Lust hatten den ehemaligen Gitarristen von Billy Idol bei seiner Band-Gründung zu unterstützen. Da entschied er sich für Martin Degville, mit dem er zusammen das 1986 Debüt-Album „Flaunt it“ herausbrachte, auf dem mit Love-Missile F1-11 einen Hit landete, nicht zuletzt, weil er auch im Blockbuster „Ferris macht blau“ zu hören war.  Das Gesamtkonzept der Band war schrill, anders und anstößig – eine Marketingrezept mit Erfolg.  Die Frage nach dem Bandnamen stellten viele Journalisten, die sich dadurch stets schlechte Recherche überführten, denn es handelte sich dabei um eine gleichnamige Streetgang aus Moskau, über die der Herald Tribune Anfang 1980 berichtete. 1989 trennte sich die Band erstmals wieder, Tony James stieg als Bassist bei den Sisters of Mercy ein um es nach einem kurzen aufflammen endgültig sein zu lassen. 2001 verhalf im da Revival-Fieber zu neuen Ehren, im Zuge dessen er mit weiteren Veröffentlichungen von sich reden machte.

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Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.
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schmetterding
schmetterding (@guest_14686)
Vor 10 Jahre

Hach, ich liebe deine Musikperlen. Da finde ich immer Lieder wieder, die ich beim Tanzen hörte, aber dann wieder vergaß.
Blöd nur, dass die CD’s von Second Decay relativ teuer sind, wenn man sie bei ebay oder Amazon findet. Schade, aber irgendwann lege ich mir davon auch noch was zu.

shan_dark
shan_dark (@guest_14688)
Vor 10 Jahre

Super Empfehlungen – sind alles drei’s Lieblingsstücke von mir.

Rosa Chalybeia
Rosa Chalybeia (@rosa-chalybeia)
Vor 10 Jahre

„I hate Berlin“ läuft bei uns im Gruftschuppen doch schon gelegentlich, und wenn nicht – ich kenn den DJ :D – witzig anzusehen wenn bei dem Stück unser Gruft-Urgestein mit ausladendem Nord-Süd-Kurs alles von der Tanzfläche fegt was ihm in die Pikes gerät *lach*
Ich persönlich mag „Anders sein“ noch ein Stück mehr – gerade auch wegen der Textzeile „und wenn das alles ist, dann will ich anders sein!“

Plastisch
Plastisch (@guest_20999)
Vor 9 Jahre

Ach es ist schon ein wenig komisch solche Sachen zu hören.
Ich habe da so einiges aber auch soviel neues.
Und dann steht man da in der Disco und der DJ zaubert mal so ein Schmankerl aus dem Hut.Und schon verbringe ich wieder einige Tage beim suchen ,denn mit einem Lied weden soviele andere freigesetzt und wollen neu entdeckt werden.Slow Pulse boy von And also the trees,Mercy seat von Nick Cave.Eine gewisse gotische Melancholie überkommt mich beim hören.Und hier in Mülheim fröhne ich dem Nord-süd Gang.Ein hoch das ich ein Grufti bin.

Death Disco
Death Disco (@guest_21002)
Vor 9 Jahre

Nicht Depeche Mode, sondern John Foxx stand hier stilistisch Pate. Mein Fav-Album von Second Decay ist „The Hunt“. IMO das reifste. Hab fast all ihre Werke (außer die blöde „Hotels“ und diese „Kaltes Weisses Licht“-Maxi).

Purwien sang übrigens noch in einigen anderen Bands, wie No Comment und Pitch Yarn of Matter. Die Titel sind auch nicht zu verachten.

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