Anja Huwe bringt Neuauflage der Xmal Deutschland Singles und das Solo-Album „Codes“ heraus

Beim Bandnamen „Xmal Deutschland“ beginnen weiß geschminkte Gesichter eingefleischter Gruftis rot zu glühen. Leider trennte sich die legendäre Hamburg Band, die den deutschen Gothic-Sound wie keine andere prägte, Anfang der 90er-Jahre. Seitdem wurde es still um die Band und die Sängerin Anja Huwe, die zwar als Künstlerin präsent war, aber stets alle Anfragen nach einer Neuauflage der alten Alben abgelehnt hat. Am 8. März 2024 hat das Warten ein Ende. Mit dem Album „Xmal Deutschhland – Early Singles“ und ihrem ersten Solo-Album „Codes“ meldet sich Anja Huwe überraschend zurück.

Xmal Deutschland – Ein Dekade Dunkelheit

Die Band prägte Anfang der 80er Jahre nicht nur den deutschen Gothic-Sound, sondern die Bandmitglieder waren auch Stilikonen ihrer Zeit. Toupierte und gefärbte Haare zu dunkel geschminkten Augen, ein Look, der ihre fast schon unterkühlte Musik unterstrich. Sie grenzten sich deutlich von der aufkommenden „Neuen Deutschen Welle“ ab, klangen weder fröhlich noch unbeschwert und schon gar nicht – trotz ihrer Haare – bunt.

Geboren aus dem Punk formten Caro May, Rita Simon, Manuela Rickers, Fiona Sangster und Anja Huwe Anfang der 1980er-Jahre die Band Xmal Deutschland. Ohne musikalische Vorerfahrung, aber mit viel Kreativität und Rebellion. Ihre erste Single „Schwarze Welt“ ist letztendlich auch für die Besetzung der Band verantwortlich, denn eigentlich sollte Rita Simon die Rolle der Leadsängerin übernehmen. Als die aber am Tag der Aufnahme nicht erschien, das Studio aber bereits gebucht war, sprang Anja Huwe – die eigentlich Bass spielen wollte – in die Bresche.

Sie nahm an, wenn auch unter Vorbehalt, wie sie gegenüber post-punk.com einräumt: „Die einzige Bedingung meinerseits war, dass ich nie auf der Bühne stehen werde“, überlegt sie. „Zwei Monate später haben sie mich dazu gebracht, ohne es mir vorher zu sagen. Ich hatte keine Wahl.

Als Vorband der Cocteau Twins wurden sie 1982 in England zur angesagten Band. Das englische Publikum störte sich nicht an den deutschen Texten – im Gegenteil, der Durst nach unkonventionellem Sound hatten DAF bereits den Weg nach Großbritannien geebnet. Nach insgesamt 4 Alben, von denen einige auch beim englischen Label 4AD erschienen, und 10 Jahren in wechselnder Besetzung war Schluss.

Steter Tropfen höhlt den Stein

Die Schatten der Vergangenheit wurde Anja Huwe jedoch nie wirklich los. „Seit der Trennung Anfang der 1990er-Jahre verfolgen mich die ‚Legend of Xmal Deutschland‘ und nicht enden wollende Anfragen aus aller Welt, die ich immer abgelehnt habe“ (post-punk.com) umso überraschender war dann jüngst die fast schon euphorische Ankündigung des Labels „Sacred Bones Records“, eine Neuauflage von Xmal Deutschland „Early Singles“ mit 2 Bonustracks und Anja Huwes erstes Solo-Album „Codes“ herauszubringen. Beide Alben erscheinen am 8. März 2024.

Xmal Deutschland – Early Singles (1981-1982)

In dieser Zusammenstellung liegt die Magie, die Xmal Deutschland aus meiner Wahrnehmung umgibt. „Schwarze Welt“ erscheint als Single auf Alfred Hilsbergs Label ZickZack und ist gleich einer der spannendsten Auftakte überhaupt. Der Song, der mit vielen Konventionen bricht, sprüht wie eine Wunderkerze und lässt trotz – oder wegen – seiner musikalischen Rohheit den Atem gefrieren. Es ist dem gifitigen Gesang von Anja Huwe zu verdanken, dass der kurze und irgendwie pathetische Text nicht lächerlich klingt. Im Gegenteil – er formt daraus erst das, was sich in die schwarzen Knochen gräbt. Das zieht sich durch das Album, das mit zwei Bonustracks angereichert wurde:

„Kälbermarsch“, das ursprünglich auf der Kompilation „Lieber Zuviel als Zuwenig“ erschien und eine seltene Live-Version des Stückes „Allein“, das auf der 1982er Kompilation „Nosferatu Festival“ erschienen ist und mit einem tollen Video, das viele ungezeigte Aufnahmen der Band enthält, online zu sehen ist.

Ich will mich nicht in Lobgesängen verfangen, aber ich darf aber mit Fug und Recht behaupten, dass jeder Grufti diese Band auf dem Schirm haben sollte. Die Neuveröffentlichung bietet Gelegenheit, dem geneigten Jung-Grufti die oft notwendige Ehrfurcht einzuhauchen :) Allein das Cover des Albums treibt mir eine Gänsehaut auf den Leib.

Anja Huwe – Codes

Anja Huwe - CodesNatürlich kommt Anja Huwe nicht mit leeren Händen ihres aktuellen Schaffens zurück auf die Bildfläche, sondern nutzt die Vergangenheit geschickt, um ihr erstes Solo-Album zu präsentieren. Das Solo-Album Codes ist in Zusammenarbeit mit Mona Mur entstanden, die sicherlich nicht unschuldig daran ist, dass sich Huwe überhaupt wieder vor das Mikrofon begeben hat. 18 Monate haben die Beiden, die sich bereits seit den frühen 80ern kennen, im Berliner Studio zusammengearbeitet, um Anja Huwe und ihre Stimme in die Neuzeit zu bringen. Zum unverwechselbaren Sound einiger Songs hat auch Manuela Rickers beigetragen, die dem Album ihren berühmten Gitarrensound verlieh.

Das Stück „Rabenschwarz“ gibt einen Vorgeschmack und vertrieb meine Vorbehalte. Denn tatsächlich bin ich stets skeptisch, wenn sich Legenden der 80er nochmal daran versuchen, den Zaubernebel der Vergangenheit aufzufrischen. Auch wenn das rote Glühen der Wangen noch fehlt – was allerdings auch an meinem fortgeschrittenen Alter liegen könnte – so finde ich durchaus gelungen, was da zu hören ist. Anjas Gesang dominiert immer noch den Sound des Stückes, obwohl man hier eine gewisse Reife spüren kann. Die Musik ist angenehm aggressiv, wenn man das so sagen kann, denn obwohl sie zunächst an „The Prodigy“ erinnert, bekommt sie schnell ihren ganz eigenen Dreh. Sehr gelungen!

Das Album „Early Singles (1981-1982)“ könnt ihr hier vorbestellen. Anja Huwes Album „Codes“ ist hier in den Warenkorb zu legen.

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John Doe
John Doe(@arno-siess)
Vor 1 Monat

Wer hätte damit noch gerechnet!? 😊

Polarlicht… 🎶🎶🎶😍

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von John Doe
Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Vor 1 Monat

Also mir gefällt „Rabenschwarz“ sehr gut!
Erinnert mich musikalisch an die Frühwerke von 1919… oder Play Dead („The Tenant“)

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Tanzfledermaus
Gruftwurm
Gruftwurm(@christian)
Editor
Vor 1 Monat

Vielen Dank für diesen großartigen Bericht. Vor Kurzem habe ich selbst das neue Werk von Anja Huwe gehört und das Video „Allein“ genossen. Es ist wirklich beeindruckend. Ich kann mich den Worten anschließen, dass man als Grufti diese Band definitiv auf dem Schirm haben sollte. Schon zu meinen Anfängen der schwarzen Vorliebe, war Xmal Deutschland immer einer meiner Favoriten.
Ein kleiner Hinweis: Der neue Song Rabenschwarz ist auch auf Spontis-Radio in der Sendung „Frisch & Schwarz“ hörbar.

Graphiel
Graphiel(@michael)
Vor 1 Monat

Auch wenn ich Xmal Deutschland erst später (so wie vieles andere auch) für mich entdeckt habe, so sind sie heute aus meiner musikalischen Favoritenliste nicht mehr weg zu denken.

Da freut es mich doch gleich doppelt so sehr, dass es nicht nur eine Neuauflage der Singles geben wird, sondern Anja Huwe noch einmal selbst zum Mikro gegriffen hat. Damit hatte ich persönlich nämlich überhaupt nicht mehr gerechnet.

In Rabenschwarz habe ich daher natürlich auch sofort reingehört: Gefällt mir gut :-)

Black Alice
Black Alice (@guest_64197)
Vor 1 Monat

Ich habe Xmal Deutschland nie als Goth Band gesehen. Sie war damals für mich schlicht eine Post-Punk Band, ohne Goth Bezug, wie so viele andere auch. Ihre Themen passten für mich auch nicht zur damaligen Goth-Szene. Xmal Deutschland war eine der vielen experimentierfreudigen Post-Punk Bands dieser Zeit. Was mich stört ist, dass solche Bands, wie Post-Punk überhaupt, heute dem Goth zugeschrieben wird, obwohl sie das nicht waren. Bzw die Goth Szene macht das, der Rest weiß gar nicht mehr was Post-Punk ist. Aber die Nachgeborenen formen sich eh ihre eigene Welt. Es gab damals einige Bands, die ihren Weg in die NDW fanden, zu meiner Überraschung, die dort nicht hingehörten, wie z.B. Ina Deter oder Grauzone usw. Damals hat man den ganzen Underground zusammen mit dem Deutschen Post-Punk abgegrast um mit der NDW-Marke Zaster zu machen und es wurden Gestalten zu ihrer eigenen Verwunderung ans Licht gezerrt, die nie damit gerechnet haben jemals die Sonne zu sehen und sind mit ihr auch verbrannt. Man hat die Szene regelrecht ausgepresst um noch den letzten Pfennig (Vorgänger des EuroCent hierzulande) heraus zu kitzeln, bevor die NDW recht schnell Geschichte wurde. Xmal Deutschland ist eine nette Episode meines Lebens, an die ich mich gerne zurück erinnere. Eine wilde Zeit.

Graphiel
Graphiel(@michael)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Hat nicht jeder seine Schubladen selbst beschriftet? Legen Musikzeitschriften fest, was wo reingehört? Und wenn ja, welche? Oder sind es die Bands selbst, die sich einordnen?

Wenn ich mich auch mal kurz in die Diskussion einklinken darf…

Ich finde diesen Punkt sehr wichtig. Wo welche Band hingehört erscheint auch mir höchst subjektiv. Bleiben wir nur mal bei X mal Deutschland, so könnte man sie je nach Bezugspunkt in mindestens zwei Schubladen einsortieren.

Für Schwarzkittel wie dich und mich gehören sie als musikalische Untermalung einfach mit in unser schwarzen Wohnzimmer. Die Musikindustrie hätte sie vermutlich irgendwo bei Punk und/oder Gothic einsortiert, während sich Anja Huwe bei der Ausgabe von Welcome to 80s (Gothic, Industrial, Black metal) eher von Goth distanzierte, als sie meinte sie (die Band) wären zwar ständig ins Batcave eingeladen worden, aber nie hingegangen weil (Zitat) „wir fanden die eigentlich ziemlich doof.“ Für die Band war ihre Musik und Performance also wohl mehr Punk mit düsteren Spielereien, als was anderes.

Generell kann man doch auch sagen, dass die „Gothic-Szene“ sowieso alles annektiert hat, was atmosphärisch in das Lebensgefühl passte – ungeachtet des Etikettes, das man aufklebte.

Sehe ich zu 100% auch so. Würde man (nur mal als Gedankenexperiment) konsequent alles an Musik und sonstige Inhalte aus der gruftigen Ecke werfen, bei dem sich nicht wirklich alle beteiligten Parteien (Künstler, Musikindustrie und Hörerschaft) über die korrekte Etikettierung einig sind, so wäre die Szene plötzlich tierisch leer. Annektierungen für das düstere Lebensgefühl ist doch im Grunde genommen ohnehin eine der wenigen Kernessenzen, die sich wirklich wie ein roter Faden durch die komplette Szenegeschichte ziehen.

TL;DR: Sind/Waren X mal Deutschland nun auf einer rein sachlichen Ebene Goth? Vermutlich nicht. Ist das wichtig? Nö, da sich sowohl Musikindustrie, als auch Szenegänger ohnehin nie darum geschert haben, welches Etikett Künstler XY nun für seine Kunst vorgesehen hatte. Hauptsache die darin wahrgenommene, Stimmung passt.

Black Alice
Black Alice (@guest_64208)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Ja sicher. Post-Punk ist nicht mehr das was es mal war. Beim Post-Punk Revival habe ich mich schon gefragt wo da der Bezug ist. Bei der heutigen dritten Welle, die wesentlich breiter aufgestellt ist als die zweite, kann man eher von einem Post-Punk sprechen. Düster ist da aber nichts mehr, weder bei der zweiten noch der dritten. Somit ist es eh egal geworden. Es unterscheidet auch keiner mehr. Vom Musikalischen her ist es interessant was nun was ist, aber es ist egal was man in einer Szene hört oder nicht hört. Das definiert sich jede Szene selber. Die heutigen Kiddies kommen eh vom alten Szenegedünkel weg, weil die sich alles querbeet anhören, von Hip Hop bis Death Metal. Zu unserer Zeit war man mehr oder weniger in einer Szene drin und hat sich nicht nur, aber überwiegend, szenetypische Bands angehört. Ist vielleicht auch ganz gut so, weil es Abgrenzungen auflöst. Ist aber schlecht für eine Szene wie die Goth Szene, die sich viel extremer abgrenzen als andere Szenen. Geschichte zu erleben und die Änderungen mitzuerleben ist spannend, wobei die letzten 30 Jahre eher zäh waren in Sachen Veränderung.

Fred
Fred (@guest_64306)
Antwort an  Robert
Vor 16 Tagen

Einordnen, reinstecken, etikettieren. Anyway.

graveyardqueen
graveyardqueen(@graveyardqueen)
Antwort an  Black Alice
Vor 1 Monat

Ich klinke mich Mal kurz in die Diskussion mit ein…

X Mal Deutschland und auch Anja Huwe habe ich immer als einen Teil der Goth Bewegung gesehen, auch wenn sie zeitlich noch vor dem liegen mögen. Nicht nur, dass viele der Gothleute die Musik hören, Anja Huwe war, wie auch im Artikel angerissen, stilgebend.

Heute treffen im Goth soviele Musikstile aufeinander bzw. werden von den Leuten gehört, beispielweise (Cold)Wave und Death Rock, dass ich eine Diskussion darüber, ob X Mal Deutschland nun Goth ist, fast schon kleinlich finde.

Schubladendenken ist für mich inzwischen so anstrengend und nervig. Kann man denn Musik nicht einfach Mal genießen, ohne sie streng fein säuberlich in eine Schublade zu packen? Zudem, als kleiner Gedankenanstoß noch, wie viele Bands lassen sich in ihrem Stil noch nicht Mal genau einordnen, weil sie im Klang variieren? Eine grobe Einordnung tut es doch auch oder? 🤷🏼‍♀️

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von graveyardqueen
Phoenix
Phoenix(@phoenix75)
Antwort an  graveyardqueen
Vor 1 Monat

Nunja, so ist das mit den Schubladen…

Generell wird ja niemand abstreiten, dass die Gothszene auch aus dem Punk heraus entstanden ist und genau dort sehe ich auch die Schnittmenge von X Mal Deutschland. Ich persönlich konnte mit der Band nie etwas anfangen oder anders formuliert, es ging an mir vorbei, aber ich bin ja auch kein Goth bzw. sehe ich mich als Konglomerat vieler Subszenen. Von daher würde ich die Grenzen nicht so scharf ziehen wollen.
Den Song von Anja Huwe finde ich aber ziemlich gefällig.

Als Beispiel: Brian Williams aka „Lustmord“ hat immer gesagt, dass er sich nicht der Dark Ambient Szene zugehörig fühlt. Er macht aber lupenreinen Dark Ambient, der oft in vorderster Reihe genannt wird. Gegen so manche Sachen kann und sollte man sich nicht wehren. ;)

das H.Gen
das H.Gen(@hagen)
Antwort an  Black Alice
Vor 1 Monat

Für mich gehörten Xmal Deutschland immer zum Genre „Düster-Punk“ genau wie EA80, Geisterfahrer, X-Beliebig, usw.

Martin N.
Martin N. (@guest_64260)
Antwort an  Black Alice
Vor 27 Tagen

Vorab, für mich gibt’s nur zwei Genre:

gefällt mirgefällt mir nicht(ganz spontan muss ich jetzt an die fabelhaften Fehlfarben denken)

Aus meiner (leider immer mehr verblassenden) Erinnnerung heraus behaupte ich, der Begriff „Gothic“ war zu dieser Zeit (’80 bis >= ’82) in Deutschland (fast) unbekannt. Es gab damals in der (erweiterten) Szene nur „Waver“, „Punker“ oder „Popper“ (Sorry liebe Devoties, genau ihr seit gemeint) und ab so zirka ´85 auch „Gruftis“.

„Post-Punk“ als exemplarische Schubladenkategorie war außerhalb gewisser elitäter akademischer Zirkel in der (damaligen) BRD auch nicht wohl definiert und entstammte ebenso dem anglo-amerikanischen Sprachraum.

Retroperspektivisch betrachtet mag Black Alice mit ihrer ganz eigenen Sicht nicht absolut falsch liegen, jedoch wurden die besagten Kategorien seitdem zumindest verschoben oder haben sich sogar erst (sehr) viel später manifestiert (immer aus binnenländischer Sicht).

(Zitat Black Alice) „um mit der NDW-Marke Zaster zu machen und es wurden Gestalten zu ihrer eigenen Verwunderung ans Licht gezerrt, die nie damit gerechnet haben jemals die Sonne zu sehen und sind mit ihr auch verbrannt.“ – genial formuliert :), z.B. Silvia

Fun-fact: Xmal habe ich 1982 als fast Post-Pubertier :) via BFBS entdeckt, die Band war damals bei den Öffentlich-Rechtlichen absolut kein Thema…

P.S. (lange Rede, kurzer Sinn)
Eine nicht ganz ernstgemeinte „Schubladierung“ könnte sein:

Totengräbertanz (drei Schritt vor, drei zurück) funktioniert -> „Gothic“Pogen (ich schubs dich, du schubst mich) funktioniert -> (Post-)PunkBeides funktioniert -> Scheißegal was es ist, hab Spaß! :)

Letzte Bearbeitung Vor 27 Tagen von Martin N.
Black Alice
Black Alice (@guest_64261)
Antwort an  Martin N.
Vor 26 Tagen

Ja stimmt schon. Wir haben es damals einfach als Underground bezeichnet. Da fiel alles rein was nicht Mainstream war. In der Retrospektive gibt man den Kindern natürlich Namen. Aber damals haben sich schon die Grüppchen gebildet die doch eher düsteres oder eher was anderes gehört haben. Aber vieles war noch sehr verschwommen und genreübergreifend. Xmal Deutschland ist ja so ein Fall, das zwar auch von den, ich sage mal salopp, Grufties konsumiert wurde (rein schwarz war die Szene damals ja noch nicht), aber das ich damals eher nicht in deren Richtung verortet habe, sondern eher zu den anderen, die gefühlt mehr Tageslicht konsumiert haben. :-)

Neben den Wavern, Punks und Popper gab es ja auch noch die Mods und dann noch die, die wir als Pogos bezeichnet haben, die zwar auch unangepasst waren und punkige Attitüden hatten, aber nicht zu den Punks gehörten und sich auch nicht so anzogen aber durchaus auch Punk gehört haben, neben anderen Underground Genres. Offiziell gab es diese Jugendkultur nicht und hatten von Gegend zu Gegend sicherlich andere Bezeichnungen.

Beeindruckt haben mich die Waver. Einer von denen war auch ein Nachbar von mir und da es hier in der Provinz keine gescheiten Modeläden gab, hat der seine Klamotten selbst designed und genäht. Voll kreativ der Kerl und ich denke der ist auch beruflich den kreativen Weg gegangen. Der war schon ein bunter Vogel in der Gegend und erinnerte mich jetzt im Nachhinein etwas an Dark Blossom. Allerdings haben ihn bei uns alle für seine Klamotten bewundert und war auch kein Außenseiter und in der New Wave konsumierenden Szene integriert, die überwiegend eher Popper oder Stinos waren.

Ja, hier bei den Sponties werden so einige tief vergrabene Erinnerungen wieder ans Tageslicht gezerrt…

Fred
Fred (@guest_64305)
Antwort an  Black Alice
Vor 16 Tagen

Ob die Schublade, in die man XmD presst, nun Goth oder Post Punk heißt, ist doch vollkommen egal, und Geld verdienen ist auch nicht verboten. Die Musik war und ist geil.

graveyardqueen
graveyardqueen(@graveyardqueen)
Vor 1 Monat

Ich muss gestehen, dass ich mit der Musik von X mal Deutschland nie viel anfangen konnte. Mich hat’s vom Gesang her nie wirklich packen können und das ist, neben Sound, für meine Ohren immer eins der wichtigen Kriterien, damit mir etwas gefällt. Aber vll. höre ich bei Gelegenheit Mal näher in die Solo-Werke bzw. Überarbeitungen rein. „Rabenschwarz“ konnte mich als Vorgeschmack jetzt leider nicht packen. Bei dem Vergleich mit The Prodigy geh ich sogar mit. Dieses hektische im Sound, was mir bei „Rabenschwarz“ nicht zusagt, konnte man auch bei The Prodigy finden.

Phoenix
Phoenix(@phoenix75)
Antwort an  Robert
Vor 26 Tagen

Ja, das ist leider ein ziemlich mieses Symptom der heutigen Zeit… die kurze Aufmerksamkeitsspanne, die die Menschen haben.
Aber interessant, dass du Prodigy magst. Ich sehe das aber nicht so wie du, dass, wenn man aufwühlende schnelle Musik mag, dann selbst auch hibbelig und hektisch sein muss. Das hat doch eher was mit Stimmung zu tun.
Ich selbst mag Prodigy auch… aber auch ellenlange Dark Ambient Songs, die die 20 min.-Marke durchbrechen.
Und Konzeptalben sind bei mir durchaus beliebt… aber ich lehne eben auch Spotify und Co. ab. ;)

Und ich finde es eben nicht verwunderlich, wenn gerade szeneintern das vor allem die Älteren unter uns auch so sehen und mit dieser hektischen Neuzeit Probleme haben. Schließlich war/ist man ja von Grund auf immer irgendwie anders, als der große Teil der „Normalos“.

Im Punk haben die Songs ohnehin nur eine kurze Spieldauer, weil nach 3, max. 4 min. alles gesagt ist. ;)

graveyardqueen
graveyardqueen(@graveyardqueen)
Antwort an  Phoenix
Vor 26 Tagen

Punk ist jetzt nicht meine Sparte, aber auch im Horror Punk sind kurze Lieder nicht selten.
Mich stört das auch gar nicht Mal, wenn Lieder nur um die 3 Minuten und kürzer sind. Ich messe die Qualität eines Stückes nicht an der Länge. Wobei ich zugeben muss, dass es schon manchmal vorkam, dass ich bei Musikalben dachte „Wie?! Schon wieder zu Ende?!“.

Graphiel
Graphiel(@michael)
Antwort an  Phoenix
Vor 25 Tagen

Ja, das ist leider ein ziemlich mieses Symptom der heutigen Zeit… die kurze Aufmerksamkeitsspanne, die die Menschen haben.

Vieles beeinflusst sich dabei bestimmt auch gegenseitig. Ich kann mir zumindest gut vorstellen, dass die Aufmerksamkeitsspanne durch all die perfekt durchgetakteten und zusammengestauchten Inhalte zusätzlich „verkümmert“. Wie soll sich die Aufmerksamkeit auch trainieren, wenn alles wichtige bereits in den ersten 5 Sekunden zusammen gepresst wurde? Die sinkende Aufmerksamkeit regt ihrerseits wiederum dazu an Werke zu erschaffen, welche genau auf diese geringere Aufmerksamkeitsspanne ausgerichtet sind und schon ist der Teufelskreis perfekt.

Welche Künstler oder Plattenfirmen haben früher denn ihre Musik schon großartig an die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne der Hörerschaft angepasst? Im Grunde war dieser fast schon wissenschaftliche Part in den 80ern, 90ern und meinetwegen sogar bis in die frühen 2000er noch ein relativ unbeschriebenes Blatt. Heutzutage ist hingegen vieles so dermaßen durchprofessionalisiert, dass irgendwie nichts mehr dem Zufall überlassen wird und die eigentlich Kunst dahinter auf der Strecke bleibt. Wie das im Bereich Musik ausschaut sieht man ja: Ein Song darf maximal Länge X haben, minimal Länge Y. Der Refrain sollte nicht später als nach X Sekunden beginnen, oder gleich beim Start gespielt werden, da sonst die Aufmerksamkeit des Zuhörers schon wieder abflacht. Die Tonhöhe darf den Wert X nicht unterschreiten, aber auch nur um soundso viele % überschreiten, da dies ebenfalls einen negativen Einfluss auf Y hat und den Skip begünstigt, usw. usf.

Black Alice
Black Alice (@guest_64280)
Antwort an  Graphiel
Vor 24 Tagen

Da hast Du recht. Für das Radio darf ein Lied nicht länger als 3,5 Minuten sein. Daran richten sich alle die Musik schreiben. Oder sie machen einen Radio Remix. Heute werden eh von erfolgreichen Songs meist drei Versionen gemacht. Das Original auf Platte, der Radio Remix und dann noch der Club Remix. Der Radio Remix ist auf Maximallänge kastriert und der Club Remix ist um Intro und Outro verlängert, um es mit dem nächstren Song mixen zu können. Und seit Streaming Dienste Erfolg haben wurde die Liedlänge auf 2,5 Minuten beschränkt, die maximale Aumerksamkeitspanne auf Streaming Diensten. Irre. Und in Clubs verbreitet sich immer mehr die Unart Songs nur noch 1,5 Minuten laufen zu lassen bis zum Wechsel zum nächsten. Da hat man nicht mal mehr die Zeit zum Dance Floor zu kommen bevor das eigene Lieblingslied wieder vorbei ist. Völlig gaga, aber das Tanzvolk will es wohl so. Mehr Aufmerksamkeit ist nicht mehr drin. Zumindest behaupten das viele. Ich habe letztens Temple of Love aufgelegt, acht Minuten lang und keiner ist vom Dance Floor runter. Die meisten Songs mindestens 3 Minuten und länger. Keine große Fluchtbewegung auf dem Dance Floor. Hälfte des Publikums sehr jung. Es geht also.

Letzte Bearbeitung Vor 24 Tagen von Black Alice
Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Antwort an  Black Alice
Vor 24 Tagen

Dass Songs in Clubs so kurz gespielt werden, um gleich in den nächsten zu wechseln, hab ich noch nie erlebt…

Letzte Bearbeitung Vor 24 Tagen von Tanzfledermaus
Black Alice
Black Alice (@guest_64283)
Antwort an  Tanzfledermaus
Vor 24 Tagen

Dann besuchst Du Clubs mit guten DJs. ;-)

John Doe
John Doe(@arno-siess)
Antwort an  Robert
Vor 24 Tagen

Man frage zehn Personen und erhalte zehn verschiedene Antworten. :-)
De gustibus et coloribus non est disputandum, das wussten schon unsere Vorfahren. Mir gefällt das Stück auf jeden Fall.
„Anbiedern“ halte ich in diesem Zusammenhang übrigens für etwas unfair. ;-)
Klingt es wie „damals“, dann wird dem Künstler gerne der Vorwurf gemacht, daß er oder sie sich nicht weiterentwickelt habe.
Eine Gratwanderung irgendwie…

graveyardqueen
graveyardqueen(@graveyardqueen)
Antwort an  John Doe
Vor 24 Tagen

Ich muss gestehen, ich bin jemand, der „wie damals“ in den meisten Fällen sogar bevorzugt. Weder hatte mir die musikalische Weiterentwicklung von London After Midnight zugesagt, noch die von Rosetta Stone, genauso wenig wie mich Wires & Lights, das Projekt des Passion Play Sängers, überzeugen konnte.
Weiterentwicklung mag generell nicht schlecht sein, aber das alte ist auch nicht immer zu verachten 🤷🏼‍♀️😁.

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Antwort an  graveyardqueen
Vor 24 Tagen

Also zwischen Passion Play und Wires & Lights seh ich ehrlich gesagt musikalisch keinen großen Unterschied… und gesanglich eh nicht ;-) Ich mag beide sehr und bin froh, dass mit dem Ende von Passion Play nicht völlig Schicht im Schacht war… Sonst geh ich aber eher mit Dir d’accord, dass Weiterentwicklung nicht immer zum Besseren geschieht.

Wo mich die „Weiterentwicklung“ sehr enttäusch hat, waren Love Like Blood, Still Patient?, Dronning Maud Land, Fields of the Nephilim und Garden of Delight – schon in der 2. Hälfte der 90er allesamt vom Gothic Rock Richtung Metal abgerutscht und damit für mich passé.
Und, ganz aktuell, La Scaltra. Haben wunderschön dunkel-wavig begonnen und machen jetzt 08-15-Gothmetal. Och nööööööö!

Ein positives Beispiel hingegen war – zumindest für mich – der Wechsel von Klimt 1918 vom Indie-Rock hin zum verträumten Shoegaze/Gitarrenwave. Nur schade, dass seit dem „Sentimentale Jugend“-Album von 2017 nichts mehr von ihnen verlautet wurde.

Letzte Bearbeitung Vor 24 Tagen von Tanzfledermaus
graveyardqueen
graveyardqueen(@graveyardqueen)
Antwort an  Tanzfledermaus
Vor 24 Tagen

Ich kann dir, Tanzfledermaus, nicht genau sagen was es ist, was mir beim Sound von Wires & Lights fehlt, ich dafür aber bei Passion Play raus höre. Im ersten Moment würde ich sagen, sind bei Passion Play die Gitarren intensiver gewesen und die Dynamik im Sound kommt mir anders vor. Während Passion Play mich animiert, mich irgendwie dazu zu bewegen, nehme ich Wires & Lights eher als langweilig wahr. 🤔

Love Like Blood hab ich mich zu wenig mit befasst. Da mag ich aber das „Enslaved + Condemned“ eigentlich recht gern, ansonsten noch vereinzelte Sachen. Das gleiche bei House of Usher, beispielweise.
Aber das ist bei mir auch nicht selten, dass ich von Bands paar Stücke richtig gut finde und danach vergebens nach weiteren Perlen suche.

Fields of the Nephilim habe ich vom Sound her immer schon als etwas eigen wahrgenommen. Aber ich mag diese Mischung aus düster verträumten und teilweise krachenden Gitarren.

Phoenix
Phoenix(@phoenix75)
Antwort an  Tanzfledermaus
Vor 23 Tagen

Wo mich die „Weiterentwicklung“ sehr enttäusch hat, waren Love Like Blood, Still Patient?, Dronning Maud Land, Fields of the Nephilim und Garden of Delight – schon in der 2. Hälfte der 90er allesamt vom Gothic Rock Richtung Metal abgerutscht und damit für mich passé.

Bei den Fields kann ich das nicht ganz nach vollziehen. Der Sound ist sicher etwas intensiver geworden, als noch am Anfang. Aber er gefällt mir dennoch. Was Garden of Delight angeht, so kann ich dir absolut beipflichten. War der Sound am Anfang noch relativ „minimal“ und zurückhaltend, so waren die letzten Veröffentlichungen eigentlich nur noch aggressiv, vom Sound (ja, eher Richtung Metal) und auch vom Gesang (was zum Schluss eher Gebrüll war) her. Das ist nicht meins. Und da sieht man, dass man ein gewisses Konzept nicht plötzlich über den Haufen werfen sollte… denn Garden of Delight hatten ihre Schaffensphase ursprünglich auf 7 Jahre, 7 Alben, mit jeweils 7 Songs (abgesehen von den Singles) ausgerichtet. Warum man daran nicht festgehalten hatte, keine Ahnung. Vielleicht hätten sie unter anderem Namen dann weitermachen sollen. Das wäre dann ein nachvollziehbarer Cut gewesen.
Die anderen Bands kenne ich nur von einigen Sampler-Beiträgen und kann zu denen nichts sagen.

Da, wo man von gewissen Bands behauptet, dass sie mit der Zeit immer seichter werden (vielleicht Altersmilde), gibt es offenbar auch den Gegensatz. ;)

Letzte Bearbeitung Vor 23 Tagen von Phoenix
Fred
Fred (@guest_64307)
Vor 16 Tagen

Was für eine gestörte Diskussion um Schubladen und Zaster.

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Antwort an  Fred
Vor 16 Tagen

Aha, und Du maßt Dir an, das so verallgemeinernd zu bewerten?
Mit Begriffen wie „gestört“ wäre ich an Deiner Stelle vorsichtig,
das ist nämlich beleidigend.
Austausch und Diskussionen sind hier übrigens ausdrücklich erwünscht.

graveyardqueen
graveyardqueen(@graveyardqueen)
Antwort an  Fred
Vor 16 Tagen

Schubladen, die die Szene sich selber geschaffen hat.
Jemand, der an Gedanken anderer und Austausch kein Interesse hat, wird keinen Sinn an entsprechenden Diskussionen sehen, so meine Meinung. Diese Menschen werden aber auch nicht gezwungen, sich daran zu beteiligen.

Selber bin ich auch kein Freund dieser unzähligen Schubladen, würde aber Austausch darüber nie negativ abstempeln. Warum auch?! Mit welchem Sinn?! Meine Meinung ist nicht allgemeingültig 🤷🏼‍♀️.

Wie mir scheint, verlernen die Menschen immer mehr einfach miteinander zu kommunizieren. Von gegenseitigen Respekt und Anstand fange ich erst gar nicht an.

Phoenix
Phoenix(@phoenix75)
Antwort an  Fred
Vor 16 Tagen

Gut gebrüllt, Löwe! Und nun? Du hast deinen Beitrag geleistet ohne irgendwas zu sagen. Danke. Kann weg!

Ich finde Schubladen garnicht so schlecht. Gilt für mich vorrangig als Orientierungspunkt, da ich nun mal nicht alle Schubladen mag. Das ist natürlich nur ein grober Anhaltspunkt, weil viele diese Schubladen völlig durcheinander würfeln. Mal kurz ein Beispiel: Da steht Gothic drauf und Schlager ist drin. Will man das? Ich nicht. ;)

Black Alice
Black Alice (@guest_64315)
Antwort an  Phoenix
Vor 15 Tagen

Wuhaaahhh… Schlager… Der Horror… vor dem sogar friedhofserfahrene Grufties fliehen. :-)

Naja, Schubladen hat jeder Mensch. Selbst die, die von sich behaupten keine Schubladen zu haben. Das ist die Art, wie unser Gehirn arbeitet. Dem kann sich keiner entziehen. Jede Szene ist eine Schublade in der Gesellschaft und jede Szene hat in sich wieder Schubladen. Es gibt keine Szene ohne Schubladen.

Und Zaster? Jo, der gehört zu einer modernen Gesellschaft immer dazu. Ohne Zaster blieben nur Höhlen und Bäume übrig…

Kann es sein, dass Fred ein Außerirdischer ist und uns Menschen nicht kennt? Erstkontakt im Spontis. Das is’n Ding…

Norma Normal
Norma Normal(@normanormal)
Antwort an  Black Alice
Vor 15 Tagen

Vielleicht Fred vom Jupiter?

Martin N.
Martin N. (@guest_64322)
Antwort an  Norma Normal
Vor 15 Tagen

Andreas Dorau?

Martin N.
Martin N. (@guest_64320)
Antwort an  Fred
Vor 15 Tagen

„Der ganze Hassel um die Knete
Macht mich taub und stumm
Für den halben Luxus
Leg ich mich nicht krumm
Nur der Scheich ist wirklich reich“

öööh nööö, fck, andere Band ;)

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