7 Januar

Gothic Friday – Januar: Wie bist Du in die Szene gekommen?

Verfasst von Diskussion: 65 Kommentare

Gothic Friday 2011Mind the Gap between the Train and the Platform!” Wer in London eine U-Bahn betritt oder verlässt, wird diese Durchsage kennen. Auch der Einstieg in die Gothic-Szene ist nicht ohne Gefahren und obwohl er zu den individuellsten Ereignissen überhaupt gehört, sind die Reaktionen im direkten Umfeld schnell auf einen Nenner zu bringen. Zwischen Unverständnis und Ablehnung tummeln sich auch vereinzelt Zustimmung und Anerkennung, im Freundeskreis trennt sich die Spreu vom Weizen und die Eltern sind verstört bis entsetzt.

Wie bist Du in die Szene gekommen?

Manche entscheiden sich ganz bewusst für diesen Schritt, verändern Outfit, Musikgeschmack und Bekanntenkreis während bei anderen von einem schleichenden Prozess gesprochen werden kann. Zuerst findet man die Musik gut, ist es großartig wie jemand aussieht oder kommt über das Interesse für das Morbide zu einem Sinneswandel. Während früher Zeitschriften und Freundeskreis für die Initialzündung verantwortlich gemacht werden konnten, gibt es heute weit aus mehr Medien die sich damit beschäftigen. Fernsehen, Internet, Zeitungen und Magazine berichten darüber, mehr oder weniger differenziert. Nicht immer bemerkt man die eigenen Veränderung, manchmal bleibt die Szenezugehörigkeit auch unsichtbar.

Zum Start des Projekts “Gothic Friday” gibt es wohl kein passenderes Thema als den Szeneeinstieg. Was war euer individuelles Ereignis, vielleicht ein Lied, ein guter Freund oder eine attraktive Band? War es die Art der Musik, der Inhalt der Texte oder die Wolke aus mystisch-okkultem? Schreibt eure Erfahrungen, Gedanken und Erinnerungen auf, veröffentlicht diese bis zum 21. Januar 2011 auf eurem Blog und setzt einen Link/Trackback zu diesem Artikel. Nicht-Blogger schicken ihren Text zu einem Blog der Unterstützer (sucht euch einen aus), die den Artikel dann für euch veröffentlichen:

65 Kommentare

  1. @Robert: Uhi :) Also besondere, bunte Teile nehme ich gerne – ich weiß aber nicht, ob ich davon wirklich was verkaufen könnte, weil oftmals die Teile doch recht scharfkantig sind. Entstanden ist das übrigens dadurch, dass ich fasziniert von der Steampunk-Bewegung war, aber die Farben einfach nicht meins sind. Und dann bekam ich das Innenleben eines Telefons… Ich werde dem aber noch mal einen eigenen Eintrag widmen :)

  2. Ja, da ist was dran. Aber bei einer Szene, die sich spitze Nieten um Handgelenke und Hälse schnallt, dürfte das wohl nebensächlich sein. Wäre auf jeden Fall ein interessanter Artikel zum Thema, ich bleibe gespannt ;)

  3. 2008 hat mir mein Onkel seine alten Gothic-CDs vorgespielt, unter anderem “Satanische Verse” von Das Ich. Daraufhin habe ich mich bei Wikipedia über Gothic Rock informiert und bin so auf Siouxsie and the Banshees, The Cure, Bauhaus und über Empfehlungen und Tag-Radios bei last.fm auch auf viele weitere Bands gestoßen, wie etwa Soko Friedhof. 2009 habe ich mir dann ein paar Mal Zillo gekauft. Die Musik war mir aber zu extrem und hatte wenig mit der Gesellschaftskritik der ersten Generation zu tun. Als ich neulich mal die Texte von Siouxsie and the Banshees und Bauhaus übersetzt habe, war ich auch etwas verstört. Naja, mit der Ästhetik des Gothic kann ich auch nicht viel anfangen, eher mit der Provokation von Siouxsie und der Verträumtheit von Robert Smith. Ansonsten ist mir Gothic zu negativ. Mir gefällt eher der emotionale Tiefgang und die Auseinandersetzung mit tabuisierten Themen. Themen wie Weltschmerz, Religionskritik, Gewalt, Wahnsinn und Isolation interessieren mich. Das ist für mich der Reiz am Gothic. Das Dunkle, Melancholische gefällt mir aber nicht so, nur in niedergeschlagenen Momenten. Vermutlich gefällt mir eher der Post-Punk. Am liebsten sind mir aber immer noch New Wave und Neue Deutsche Welle. Da sind ähnliche Themen, aber in einer positiveren Art und Weise.

  4. 1989 hat mich mein damaliger Freund mit ins Zwischenfall genommen, da war es um mich geschehen. Damals gab es ja noch lange Samtgewänder, Gehröcke, Rüschenhemden und die tollsten Teller und Türme. Ich fühlte mich wohl und dachte, wow, so will ich auch sein, hier gehöre ich hin. Seit dem war ich dort regelmäßig, habe mir einen Undercut rasiert und irgendwann angefangen, eigene Klamotten zu nähen. Musikalisch hatte ich gleich sehr interessante Sachen kennen gelernt, die ich immer noch liebe, Bauhaus, Christian Death, Current 93, Sol Invictus, Sisters, Cure, Lene Lovich, Fields…
    Im Laufe der Jahre hat sich meine Musikvorliebe und mein Stil doch etwas erweitert. Ein Freund hat Platten gesammelt und viel psychedelische Musik aus den 60ern und 70ern gehört. Davon hat mich einiges tief berührt, auch da gab es schon sehr düstere und melancholische Songs, z.B. Pere Ubu-30 seconds over tokio oder Pink Floyd-Set the controls for the heart of the sun. Ich würde mich heute als dark Hippie bezeichnen, wenn man denn eine Schublade für mich finden will. ;) Ich vermisse die alten Zeiten im Zwischenfall sehr.

  5. Da ich bereits zum 2. Kapitel des Gothic Friday geschrieben habe, nun auch zum Ersten einige Worte:

    Wie bin ich in die Szene reingerutscht?

    Im Prinzip war es ein Schlüsselerlebnis, was mich dazu veranlasst hat, mal in die Schwarze Szene reinzuschauen. Vor einigen Jahren habe ich in einer Ostseestadt studiert. Damals studierte eine gute Bekannte aus Schulzeiten ebenfalls dort, ab und an haben wir mal was unternommen, vornehmlich in metallischeren Gefilden. Eines Abends unterhielten wir uns mal wieder über die Musik, welche sie hörte und sie meinte zu mir, dass es iwie doof sei, alleine auf eine Schwarze Veranstaltung zu gehen und fragte mich, ob ich nicht einfach mal mitkommen wolle.

    So bin ich dann seinerzeit auf die Veranstaltung und war, wie bereits in einem anderen Beitrag beschrieben, ein wenig geflasht. So viel Neues und Unbekanntes auf der einen-, aber doch eben auch für mich schon länger Bekanntes auf der anderen Seite, was da gespielt wurde. Und die Menschen schienen mir auch sehr angenehm, wennauch sehr zurückhaltend. Alles so friedlich, unaufgeregt, mit einer gewissen Atmosphäre, was ich so nie erlebt hatte.

    Tja, so begann ich mich für die ganze Sache zu interessieren, sah Neues, was mich in den Bann zog (Musik – ich erspare dem Leser das Schwärmen -, sowie ästhetische Aspekte), sowie Parallelen mit meinen bereits existenten Interessen und Persönlichkeitsmerkmalen: Ich fand beispielsweise alte, verlassene und vermodernde Gebäude schon immer total anziehend, Die Geschichten dahinter inspirierend (Leider gab es solche Orte nur ganz selten, man musste sie suchen, war dann aber selig, einen gefunden zu haben).
    Andererseits hatte und habe ich eine kritische Grundhaltung zu vielem, was in der Welt geschieht, hinterfrage, was meines Erachtens nach, nur wenige Mitmenschen tun und was mich extrem ankotzt.

    Nun gut, resümierend lässt sich sagen, dass ich primär über die Musik, jedoch auch aufgrund gewisser Motive (wie beispielhaft erwähnt) in die Schwarze Szene gefunden habe. Diese besitzen nach wie vor ihre Anziehungskraft, auch wenn manche anfangs erlebte Eindrücke ihren Reiz verloren haben (bspw. Harter Elektro), so sind andererseit neue hinzugekommen (bspw. Deathrock, düstere Ästhetik) welche die Identifizierung mit der Schwarzen Szene erhalten.

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  1. […] Einer meiner liebsten Frühmorgens-Lektüre-Blogs hat die Aktion „Gothic Friday“ in’s Leben gerufen. Am ersten Freitag gibt es ein Thema, bis zum dritten Freitag darf man schreiben. Genaueres erfährt man hier: Spontis […]