27 November
Darkangel: Sophie Lancaster
Mehr als zwei Jahre ist es jetzt her, das die 20-jährige Studentin und Goth Sophie Lancaster zu Tode getreten wurde, weil sie und ihr Freund so aussahen, wie sie aussahen. Sophie und ihr 21-jähriger Freund Robert schlenderten durch einen Park, als sie von einer Gruppe von 5 Jugendlichen angepöbelt wurden. Sie rissen Robert zu Boden und peinigten ihn mit Tritten. Die verzweifelte Sophie wusste sich nicht zu helfen und warf sich schützend auf ihren Freund. Diese Entscheidung sollte ihr Leben kosten.
Als die Sanitäter eintrafen, konnten sie das Geschlecht des Mädchens zunächst nicht feststellen, denn Körper und Gesicht waren nur noch blutiger Brei und völlig entstellt. Sophie und Robert fielen ins Koma aus dem Sophie nie wieder erwachte, sie würde sich nie wieder von den Tritten und Sprüngen auf ihren Kopf erholen. Am 24. August 2007 entschied die Familie, die Lebenserhaltenden Maßnahmen abzuschalten. Robert überlebte den Angriff schwer verletzt. Die Täter, Ryan Herbert (15) und sein Komplize Brendan Harris (17) wurden gefasst und zu 16 bzw. 18 Jahren Haft verurteilt1. Bis zuletzt plädierten sie auf Nicht-Schuldig.
Jetzt gibt es einen wunderschönen Animationstribut der Agentur Propaganda, die in Zusammenarbeit mit der britischen Band Portishead den Kurzfilm Dark Angel veröffentlichen, der die Geschichte der Tat nocheinmal ins Gedächtnis ruft. Die Sophie Lancaster Foundation hat es sich zu Aufgabe gemacht aus Spenden Nachhilfe in Sachen Toleranz zu vermitteln. Traurig, das es dazu einer Stiftung bedarf, trotzdem ein tolles Ziel. Die 1.000.000 Hits die das Video erhalten soll, sollten spielend erreicht werden, denn es ist nicht nur wunderschön, sonder auch einfühlsam, direkt und unmissverständlich.
But this essential education programme can only be delivered with your help. Please, please show your support watch the film and make a donation. Were hoping to reach over 1,000,000 hits, so forward the link and help us spread the message.
(Bildquelle: Black-Cat)
- Quellen: Englischer Wikipedia Artikel über Sophie Lancaster, Dailymail Artikel "The Haunting last Pictuere of Sophie Lancaster […]” [↩]
hat bereits 42 Kommentare abgegeben und schrieb am 27. November 2009 um 19:36:
Muss ich erwähnen, dass ich Menschen grundsätzlich für Abschaum halte und 18 Jahre Haft nur mit täglicher Vergewaltigung und Prügel für angemessen halte? Ich vermute mal nicht.
„Witzig” in dem Zusammenhang finde ich nur, dass mich meistens die Leute blöd angucken wenn ich in der Öffentlichkeit und insbesondere in Gegenwart von solchem Abschaum wie den beiden Tätern Fluchtmöglichkeiten und improvisierte Waffen suche, ganz instinktiv einfach die Lage sondiere um nachher vielleicht nicht so zu enden. Wenn dann solche Schlagzeigen kommen (oder wie der kürzlich totgeschlagene Mann in München) kommt dann kurzzeitig der „Aha-Effekt” um dann nach ein paar Tagen wieder zu verschwinden.
Mit „Toleranz” (wie ich dieses Wort hasse) hat das übrigens mal wieder nichts zu tun sondern schlicht mit unnötiger Gewaltbereitschaft. Ob da jetzt zwei Gruftis kommen oder zwei Normalos, wenn solche Penner Lust darauf haben Dampf abzulassen macht das doch selten einen Unterschied (siehe München). Da haben wir aber das gleiche Prizip wie beim AAK (Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden): Die Betroffenen machen es sich meist fast genau so leicht wie die Politiker. In Winnenden sinds die Killerspiele und die Sportschützen, bei Sophie Lancaster ist es die Intoleranz.
hat bereits 109 Kommentare abgegeben und schrieb am 28. November 2009 um 19:07:
Wie sagt man? „Bilder sagen mehr als 1.000 Worte”. Genau das hat meiner Ansicht nach diese Animation sehr gut rüber gebracht, die Message, die Trauer und auch die Ratlosigkeit. Was bleibt ist ein Klos im Hals, mein Mitgefühl und die Frage: „Was kann ich tun?”. Ich war selbst in Situationen in der Vergangenheit in der ich Hilfe brauchte und sie nicht bekam, in der ich Hilfe geben wollte sie aber nicht gewünscht war. Trotzdem habe ich den „Glauben” an das Gute im Menschen (noch) nicht verloren.
Ich kann Thomas Meinung nicht in allen Punkten teilen aber nachvollziehen. Toleranz ist dennoch ein wichtiger Bestandteil den unsere Gesellschaft zwar zuwenig hat, aber es zum Glück doch noch Menschen gibt die Toleranz zeigen und leben. Und wenn diese Menschen (uns eingeschlossen) diese Toleranz an ihre Kinder weitergeben habe ich weiterhin Hoffnung.
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
hat bereits 42 Kommentare abgegeben und schrieb am 28. November 2009 um 23:12:
@ stoffel: Wie war das? In jedem Menschen steckt was Gutes, und wenns ein Messer ist? ;)
Toleranz mag für viele toll sein, immerhin kommt das kleine Selbstwertgefühl nicht mit Kritik klar. Jemanden nicht den Schädel einzutreten weil einem seine Kleidung nicht passt ist aber nicht tolerant sondern schlicht: Normal! Wenn ich sage dass ein Hiphopper nicht auf meine Party darf weil er ein Hiphopper ist, dann ist das intolerant. Wo genau liegt denn das Problem? Meine Meinung, meine Party! Tot ist deshalb noch lang niemand.
hat bereits 1054 Kommentare abgegeben und schrieb am 29. November 2009 um 16:43:
@Thomas: Vielleicht ist Toleranz auch der falsche Begriff, denn die hält potentielle Mörder und Gewalttäter wie die über die wir sprechen auch nicht davon ab dieser Neigung nachzugehen. Aber normal ist das sicher nicht. Ich denke, die beiden Jungs aus England hätten sich irgendeiner Randgruppe bedient, das es gerade zwei schwarze Seelen waren, mag Zufall gewesen sein. Daher schlummert auch in mir der Wunsch nach täglicher Prügel, was aber höchstwahrscheinlich auch nichts an den beiden ändern wird. Ich denke, das die Eltern der beiden, die lachend bei der Polizei ihre Aussage zu dem Fall machen mussten, gleich mit ins Boot genommen werden sollten. Ebenso wie der Vater, der seinem Sohn erst den Zugang zu einer Waffe ermöglichte.
@Stoffel: Ich denke, wenn man den Glauben an das Gute im Menschen verliert, ist man selbst verloren. Klingt jetzt schwer nach Filmszene, ist aber so. Letztendlich sollte man da auf sich selbst hören, denn wenn sich selbst nichts vorwerfen kann, ist man einfach besser dran. Das beste an seine Kinder weitergeben ist der einzige Quell einer Hoffnung, die leider durch Eltern wie die der beiden immer wieder auf die Probe gestellt wird. Aber auch die eigene Toleranz wird immer wieder auf die Probe gestellt, wie Thomas schon richtig zusammenfasst.
hat bereits 1 Kommentar abgegeben und schrieb am 30. November 2009 um 18:09:
Ich bin richtig geschockt und traurig darüber. Mir fällt es gerade richtig schwer irgendwelche Worte zu finden. Sorry dass ich daher nicht Bezug auf eure Kommentare nehmen kann.
Das Video bzw. die Geschichte hat mich sehr mitgenommen. Ich werde jetzt erstmal duschen gehen und dann ebenfalls darüber berichten um einen kleinen Beitrag zu leisten.
hat bereits 42 Kommentare abgegeben und schrieb am 1. Dezember 2009 um 12:23:
@ Robert: Ich kann dir in dem Zusammenhang den Film „Eden Lake” empfehlen. Der ist zwar weit weg davon „gut” zu sein, zeigt aber eben genau solche Jugendliche und im Film trifft es eben keine Randgruppe. Es geht diesen Vollpfosten darum ihre Stärke auszuspielen, gegenüber von wem ist da Nebensache. Im Film spielen übrigens auch die Eltern eine wichtige Rolle… im Endeffekt passt er wie die Faust aufs Auge.
Ob tägliche Prügel etwas helfen? Nun, ich sags mal so: Querschnittsgelähmte schlagen im Normalfall keine anderen Menschen zusammen. Es ist nur eine Frage der Ausdauer.
hat bereits 1 Kommentar abgegeben und schrieb am 14. Januar 2010 um 16:24:
Ich bin über Myspace mit der Sophie Foundation befreundet.Ich bin mittlerweile 41 Jahrte alt und seit knapp 1984/85 in der Gothic/Wave-Szene verhaftet.
Übergriffe auf Menschen die nicht in das Weltbild ihrer Peiniger passen gab und wird es immer geben.Egal ob es sich um Jugendkultur handelt oder Übergriffe die politisch und/oder ethnisch motiviert sind.
In den Zeiten als ich noch keinen Führerschein besaß und mit Freunden in der S-bahn Richtung Zwischenfall(Bochum)fahren mußte,gab es regelmäßig Übergriffe.(meist Verbal)Zur damaligen Zeit eigentlich nur von betrunkenen Fußball oder Eishockeyfans.Der Normalbürger hatte eher Angst vor uns und unserem Aussehen aber auch er ließ sich zu manchen Verbalangriffen hinreißen.Vor allem wenn die Fanrotten in die Züge strömten.Die Worte:Arbeitslager;Gaskammer und unterm Führer hätt es das nicht gegegben waren so TOP-Ten Standarts.
Manchmal mußte man schon den einen oder anderen Schlag aushalten.Knochenlutscher,
Tunten,Schwuchtel,Leichengräber/schänder und Satansjünger waren die häufigsten Bezeichnungen.Oder man verschüttete Bier über dich,streute Zigarettenasche auf deinen Kopf(in S-Bahnen war damals das Rauchen noch erlaubt),Haare anzünden(brannte wegen dem Haarspray gut) und ausklatschen(huch hab aus versehen beim Zigarette anzünden dein Haar getroffen)oder anspucken.Es gab viele kleine Schamützel aber meistens hast du den Mund gehalten.Und es hat Dir niemand wirklich geholfen.Okay bei den Alten die mit den Gaskammersprüchen hast du auch zurückgepöbelt aber bist nie handgreifich geworden.Du warst die Minderheit.
Heute ist die Schwelle zur Gewaltbereitschaft in der Jugend stark gesunken.Dies liegt zum einen im Versagen unseres Rechtssystems,zum anderen an einer frustration der Lehrer und Iggnoranz seitens der Erziehungsberechtigten. Zum Rechtssystem:
01.Härtere Strafen und Antiaggressionstherapie(bei Tod ist es Mord und nicht Totschlag.Da gibt es keinen Affekt).
02.Sofortige Abschiebung bei ausländischen Wiederholungstätern,Aberkennung der deutschen Staatsbürgeschaft,Einreiseverbot(Wer nicht dazugehören will muß gehen.
Im Ausland gibt es für uns auch keinen Kuschelkurs.Wir müssen lernen nicht immer mit Asche auf dem Haupt rumzuaufen.Selbst die toleranten Niederländer,Dänen und Schweden erkennen vor uns das man Prioritäten setzen muß.)Das ist nicht Ausländerfeindlich(siehe die U und S-Bahn Angriffe der letzten Zeit(auch am 24.12.2009))
Es mangelt allseits an Wertevermittlung und einer Unterscheidung von Recht und Unrecht.Z.B: Sachen die man findet gibt man ab und behält sie nicht.
Weiterhin seh ich auch eine Gefahr durch ungefilterten Fernsehkonsum.Was sich 6 jährige zum Teil angucken hab ich mir mit 18 noch nicht angesehen.Desweiteren der Mangel an Bildungsfernsehen.Talkshows und die ganzen seichten dumm gemachten Beratungssendungen und Realdokumentationen auf den Privatsendern sind ein weiteres Zeichen für unsere Erziehungsohnmacht.Alleine der Satzbau der Filmszenenbeschreibungen ist dem eines Primaten würdig.
Und wenn man versagt holt man die SuperNanny,quatscht die Kalwas zu oder läßt sein Kind von dem Supersozialhelfer aufspüren.
(mein cooles Auftreten baut immer eine Brücke zu den „KIDS”.)
Oder KITS(Bausätze),Kitz(Jungrehe)??????
Und es fehlt uns eine eigene Leitkultur.Fremdkultur ist zwar gut für die Völkerverständigung kann aber auch in Abhängikeiten führen(siehe HIP/HOP).Denn nirgendwo ist die Ablehnung unseres Wertesystems so deutlich wahrzunehmen wie in diesem Jugendbereich(Textanalyse).Ich weiß jede Jugendkultur ist immer Rebellion ‚aber wird unser System so vehemend verleugnet wie dort.
Ich denke wenn wir mehr darauf achten was unsere Jugend macht und Ihnen das richtige Rüstzeug mit auf dem Weg geben werden sie nicht so schnell zu Tätern.
hat bereits 1054 Kommentare abgegeben und schrieb am 14. Januar 2010 um 23:10:
@Hexer: Ich werde deine Seite weiter verfolgen, danke für den Kommentar.
@Thomas: Eden Lake? Hmm.. hab ich den schon mal gesehen, muss mal unbedingt wieder nachforschen, danke für den Tipp.
@Plastisch: Danke für deinen ausführlichen Kommentar und deine Erfahrungen. Ich teile deine Ansicht und habe Ende der 80er ähnliches in der S-Bahn erlebt. Deine Ausführung sind aber sehr plastisch und rufen das ganze bei mir nochmal in Erinnerung.
Zu Punkt 01: Das mit den härteren Strafen kann ich nur unterstützen. Letztes Jahr hat eine junges Paar hier in Mönchengladbach einen alten Mann und seine Frau verprügelt (das Gesicht mit zahllosen Tritt zertrümmert) weil es ihnen nicht schnell genug ging. Urteil 1 Jahr und 3 Monate.
Zu Punkt 02: Die Fernsehkultur „von Assis — über Assis — für Assis” beherrscht alle privaten Fernsehanstalten. Das Netz und der uneingeschränkte Zugriff darauf birgt ebenfalls Gefahrenpotential. Solange es aber genung Menschen gibt, die so einen Scheiß gucken bleibt uns nur die Möglichkeit den richtigen Umgang damit zu vermitteln. „Filtern” ist immer etwas schwierig, da die Möglichkeiten nicht immer filterbar sind.
Wie du völlig richtig sagst, fehlt uns die Leitkultur. Aber irgendwo sind wir ja selbst die Schmiede dieses Bildes. Vielleicht können wir in unserem kleinen Universum etwas dazu beitragen, den Jugendlichen eine Möglichkeiten zu geben sich zu informieren und Fragen von Angesicht zu Angesicht zu beantworten. Jeder kann bei seiner eigenen Nase anfangen, auch im kleinen. Die Jugendlichen habe den Bezug zum Wertesystem verloren, weil ihnen niemand zuhört und die breite Masse sich von der negativen Berichterstattung blenden lässt.
(Bsp. Flatratesaufen — ein Problem das es immer schon gab, auch in den 80er haben sich die Jugendlichen zu hunderten Weggeschossen. Auf Freibierparties bis zum Exzess Alkohol konsumiert. Dies ist kein Phänomen der Neuzeit — Doch solange die Alk-Lobby Geld damit verdient, wird dieses Problem nie wirklich verschwinden)
Wie du schon sagst, das Rüstzeug, das Werkzeug, die Informationen, die Möglichkeiten und den Rückhalt, das können wir dafür tun aus potentiellen Tätern keine werden zu lassen.
hat bereits 25 Kommentare abgegeben und schrieb am 15. Januar 2010 um 16:28:
Ich frage mich gerade, ob die Dame so viel Aufmerksamkeit bekommen hätte, wenn die Leute wüssten, dass sie gar kein Goth war (soweit ich weiß, zielte sie in die Metal-Ecke à la Cradle of Filth oder Marilyn Manson). Ich kann mich an das Herumgeflenne in diversen Foren erinnern, wo die Dame dazu benutzt wurde, die Goth-Kultur (oder das, was die Leute dafür halten) in eine Art Opferrolle zu versetzen. Denen ging es gar nicht wirklich um die Person Sophie Lancaster, sondern darum, sich selbst als bedauernswerte Gestalt und als Opfer der Gesellschaft zu profilieren. Peinlich. Tragisch ist es sicher. Aber sicherlich keine Seltenheit. Ich behaupte, wenn sie Punk gewesen wäre (und dort kommt das wesentlich häufiger vor), hätte sich keine Sau darum geschert.
hat bereits 26 Kommentare abgegeben und schrieb am 15. Januar 2010 um 17:39:
Also hier möchte ich mich Death Disco mal anschließen.
Es werden täglich irgendwo leute zusammengelatscht, abgestochen und was weiss ich noch alles.
muss man deswegen jetzt ne stiftung gründen? also ich bitte euch.
so. und das es bei totschlag keinen affekt gibt, ist einfach mal geschwafel.
mord setzt einen plan voraus, totschlag nicht. aber das kann jeder selbst nachschlagen denke ich mal.
also natürlich sind opferrollen immer was schönes. man kann sagen „schaut mal, uns gehts ja so schlecht, die leute mögen uns nicht… die treten uns und so”…
mal ehrlich, es gibt hass und abneigung gegen alle möglichen leute aller möglicher lebensstile und einstellungen, religionen und was weiss ich. aber die gründen auch nicht (alle) stiftungen, oder?
hat bereits 1054 Kommentare abgegeben und schrieb am 16. Januar 2010 um 00:55:
@Death Disco: Also ich für meinen Teil finde das Schicksal des jungen Paares tragisch und hätte es ebenso tragisch empfunden wenn sie Punk gewesen wäre, das hat nichts mit der letztendlich Ausrichtung zu tun. Der mißbrauch die Dame für eine allgemeine Opferrolle in Szene zu setzen finde ich ebenfalls traurig. Das es keine Seltenheit mehr ist, macht die Sache an sich noch wichtiger, solche Fälle ins Rampenlicht zu setzen damit die der Blick für eben diese unzähligen weiteren Fälle geschärft bleibt.
@ZeitUngeist: Sicher, es gibt noch viel mehr Leute die zusammengetreten, abgestochen und ermordet werden. Von viel zu vielen hört man nicht, oder sie entziehen sich dem Sichtfeld. Aber manchmal braucht die Öffentlichkeit eine Medienwirksame Erinnerung, so traurig das auch sein mag. Eine Stiftung zu gründen finde ich jetzt nicht unbedingt nötig, wenn sie aber einem guten Zweck dient, was soll’s?
hat bereits 1 Kommentar abgegeben und schrieb am 2. April 2010 um 18:29:
Als Engländer wünsche ich mir, ich hätte Sophie kennenlernen können. Sie ist nur einen Monat vor mir geboren und wenn wir im gleichen Teil von England geboren wären, wäre das intelligente und wohlerzogene Mädchen wahrscheinlich in derselben Schule und demselben akademischen Jahr wie ich gewesen. Als ich Teenager war, war ich ein bisschen engstirnig, denn ich hatte noch nicht genug gelernt bzw. genug Lebenserfahrung gesammelt, um aufgeschlossener zu sein. Aber ich weiß, dass ich mit Sophie geredet hätte, z.T. weil ich seit dem Alter von 15 Fan von harter Rockmusik bin, z.T. auch weil Sophie den Mumm hatte, anders zu sein.
Im Grunde soll jeder das Recht darauf haben, sich selbst zu sein (solange man niemanden anders vor den Kopf stoßt, natürlich) und die Kleidung zu tragen und die Musik zu hören und mit dem Akzent zu sprechen, die seinem eigenen Geschmack entspricht. Ich persönlich ertrage schlecht die Tatsache, dass wir in derselben Welt mit so dummen, ignoranten und intoleranten Arschlöchern (in Großbritannien nennen wir sie „chavs” und sie sind leider überall zu finden) wie Sophies Mörder leben müssen. Vergiss mal 15 Jahre bis lebenslänglich im Gafängnis; die Jungs, die Sophie getötet haben, sollen 20 Jahre in Einzelhaft gekriegt haben. Im Knast ändert man sich kaum, man wird i.d.R. nur schlimmer. Doch 20 Jahre kompletter Einsamkeit — das wäre eine angemessenere Strafe, meiner Meinung nach. Sie mag eine scharfe Strafe sein, aber der unprovozierte Angriff auf Sophie und ihren Freund (der jetzt auch der Hinterbliebene ist) war viel schlimmer.
Wir können nur hoffen, dass die nächste Generation von britischen Politikern es gesetzlich verbietet, sich andere Menschen wegen ihres Aussehens, ihrer Hobbys oder ihrer Sexualität zur Zielgruppe zu nehmen. Vielleicht soll es gesetzlich hochverbietet werden, „chav” zu sein. Das würde ganz viele junge Leute entlasten.
Ruhe in Frieden, Sophie. If heaven exists, I hope you’re there.
hat bereits 1054 Kommentare abgegeben und schrieb am 4. April 2010 um 13:29:
Schöner Kommentar Andy B., vielen Dank dafür. Ich kann deinen Appell an die britische Regierung nachvollziehen, leider wird es „chavs” immer geben, denn Dummheit stirbt niemals aus. Ich hoffe und wünsche mir, das irgendwann auch dummer Menschen begreifen, das Ignoranz und Intoleranz kein Mittel ist über ihre eigene Belanglosigkeit hinwegzutäuschen. Leider ist das ein schleichender Prozess, der für Sophie viel zu spät kommt.
hat bereits 134 Kommentare abgegeben und schrieb am 4. April 2010 um 15:10:
Normalerweise würde ich natürlich sämtliche subkulturellen Strömungen tendenziell für gut heißen, aber Chavs sind mir suspekt — in der Form haben wir sowas in Deutschland irgendwie nicht, oder?
Ein in London lebender Bekannter hat mal versucht, mir das zu erklären: Er ist Goth und hatte so eine Crossdressing-Phase in der er Kleider und Korsetts getragen gehat. Auf dem Rückweg von einem Club ist er in den falschen Bus eingestiegen und musste nachts in irgendeinem Viertel aussteigen, in dem es vor Chavs nur so wimmeln würde, was ihn ziemlich verängstigt hat, aufgrund seiner Kleidung. Ich antwortete darauf, dass wir solche Leute natürlich auch in Deutschland haben, dass mir dumme Sprüche und Anfeindungen mitlerweile nichts mehr ausmachen (ich dachte so an das Format „Vicky Pollard” in „Little Britain”).
Vor Anfeindungen hätte er keine Angst, war die knappe Antwort, sondern eher vor einem Messer zwischen den Rippen…
Ich hielt das erst für übertrieben, und dann habe ich von Sophie Lancaster gehört…
Beängstigend sowas… und wenn man mal auf YouTube nach „chavs” schaut wird es nicht besser. So eine aggressive und gewaltbereite Ausstrahlung hab ich selten gesehen…
hat bereits 3 Kommentare abgegeben und schrieb am 5. April 2010 um 17:03:
(Antwort auf von Karnsteins Kommentar)
Wir in Großbritannien finden die Tatsache, dass es diese Chav-Kultur gibt und dass diese Leute sich manchmal so unverschämt und respektlos benehmen, genauso schwierig wie Sie zu glauben bzw. ertragen. Die Polizei tut auch nicht genug, ihrem einschüchternden Benehmen ein Ende zu machen oder es zumindest einzuschränken, und die Strafen sind wie schon gesagt zu leicht. Ich behaupte nicht, dass unser Land die Hölle ist, aber wenn das Äquivalent von Chav-Kultur in Deutschland nicht existiert, dann könnt ihr euch glücklich schätzen.
Ich wünsche mir, wir könnten mehr tun, um im Gefolge von Sophies Mord eine politische Änderung hier herbeizuführen. Leider wird das nicht so einfach passieren, zumal wir wohl viele Politiker haben, die so gut wie nichts über Goth– und Metal-Kultur wissen und die erheblichen Unterschiede zwischen diesen zwei Kulturen und der Chav-Kultur daher nicht verstehen können. Z.B. die Abgeordnete, die mein Bundesland (Engl. ‘county’) im House of Commons repräsentiert, ist politisch stark konservativ und hat in der Vergangenheit mehrmals gegen Reformen gestimmt, die gesellschaftlichen Minderheiten helfen sollen. Sie würde einen einzigen Blick auf ein Foto von Sophie Lancaster werfen und einen Herzinfarkt bekommen. Politiker und ältere Leute sind auch manchmal engstirnig.
hat bereits 1054 Kommentare abgegeben und schrieb am 6. April 2010 um 09:44:
@Andy B.: Ich denke das Problem gibt es auch hier, vielleicht haben wir keinen eingehenden Namen dafür, aber man sieht Übereinstimmungen. Problematisch ist die Ausprägung speziell in England, denn hier ist Gewalt und Alkohol meiner Meinung nach noch fester verwurzelt (siehe Hooligan-Kultur). Das Tal zwischen dem gemeinen englischen Proletariat und dem typischen Aristokraten ist tiefer, die beiden Extreme aus Wut und Arroganz noch größer. Vielleicht sind die Chavs die Verkörperung dessen, was es überall gibt. Mal mehr, mal weniger.
hat bereits 1 Kommentar abgegeben und schrieb am 8. Juni 2010 um 16:03:
Sowas ist doch krank!Wie kann man Menschen töten und dann noch aus so eiem Grund??Nur weil Leute anders sind,dass ist absurd!!!
hat bereits 3 Kommentare abgegeben und schrieb am 9. Juni 2010 um 11:52:
@ Narben-Kind: krank ist es bestimmt, wie man so was aus so einem dummen Grund tun kann. Ich sag dir aber, warum diese Leute es getan haben: denn sie haben keine Gefühle, nichts im Kopf und verstehen nichts tiefer als Aussehen und solche Oberflächlichkeit. Ich als Brite gebe dem britischen Bildungswesen die Schuld. Disziplin spielt in dem System eine allzu kleine Rolle und daher glauben viele Schüler, sie dürfen das machen was sie wollen, ohne Strafe dafür zu befürchten. Meiner Meinung nach sollen wir den Rohrstock zurückbringen (in Großbritannien wurde er in den 60er Jahren ungesetzlich gemacht, glaube ich). Das klingt ja scharf, aber es ist wohl die einzige Weise, diese Arschlöcher zu beherrschen.
Übrigens bin ich am Wochenende auf ein Konzert in Spandau gegangen. Da haben 99% der Leute Gotik-Kleidung getragen. Wir waren wie eine schwarze Legion, die aus der U-Bahn heraus und die Strasse entlang gelaufen sind! Die fünf oder sechs Jungs, die Sophie getötet haben, hätten keine Chance gegen uns gehabt, wenn sie da gewesen wären und versucht hätten, eine Prügelei anzufangen.
hat bereits 1054 Kommentare abgegeben und schrieb am 9. Juni 2010 um 21:55:
@Narben-Kind: Definitiv.
@Andy B.: Vielleicht ist das Bildungssystem schuld, die Ursprünge liegen wahrscheinlich viel länger zurück. Ich denke viele Briten wachsen in einer klassischen Zwei-Schichten-Welt auf dessen Problematik schon immer von der Regierung dort verschärft wurde. Unterschicht meets Oberschicht. Konflikte vorprogrammiert. Kann schon sein, das eine Rohrstockmethode Besserung bringt — Bildung für alle ist ein möglicher Weg. Ich hoffe für Großbritannien, das es sich in dieser Hinsicht entwickelt und das Deutschland sich daran kein Beispiel nimmt.
hat bereits 3 Kommentare abgegeben und schrieb am 10. Juni 2010 um 10:12:
@ Robert: das hoffe ich auch. Die britische Regierung muss aufwachen und aufhören, so verdammt politisch korrekt zu sein. Politische Korrektheit hat das britische Rechtssystem ruiniert, und obwohl Sophies Mörder 16 bzw. 18 Jahre im Knast gekriegt haben, wird das nichts ändern. Und die Zukunftsaussichten in Sachen Strafe sehen genauso schlecht aus, wenn man bedenkt, dass die Freiheitsstrafe von Roy Whiting gerade gekürzt worden ist. Der Mann hat ein kleines Mädchen entführt und getötet. Es ist mir egal, was für einen Grund die Regierung hat, seine Freiheitsstrafe kürzer zu machen — er soll auf keinen Fall dafür begnadigt werden, was er getan hat. Aber so ist unser liebes britisches Rechtssystem — fucking stupid.
hat bereits 1054 Kommentare abgegeben und schrieb am 12. Juni 2010 um 00:41:
@Andy B.: Stimmt. So nützen Strafen nichts, wenn die Täter schon im Vorfeld wissen, das sie ihre Strafen irgendwann verkürzen können, sei es durch gut Führung oder was auch immer. Im Fall Whiting relativiert sich die Sache, insofern er auch für die 40 Jahre die er jetzt noch sitzen muss auch sitzen bleibt. Im Laufe der Jahre hat man sich unheimlich angewöhnt Täter schwerster Verbrechen durch Hafterleichterungen zu resozialisieren.