27 November

Darkangel: Sophie Lancaster

Kategorie: Ansichtssache,Schwarze Szene — Jahrgang 2009

Sophie LancasterMehr als zwei Jahre ist es jetzt her, das die 20-jährige Studentin und Goth Sophie Lancaster zu Tode getreten wurde, weil sie und ihr Freund so aussahen, wie sie aussahen. Sophie und ihr 21-jähriger Freund Robert schlenderten durch einen Park, als sie von einer Gruppe von 5 Jugendlichen angepöbelt wurden. Sie rissen Robert zu Boden und peinigten ihn mit Tritten. Die verzweifelte Sophie wusste sich nicht zu helfen und warf sich schützend auf ihren Freund. Diese Entscheidung sollte ihr Leben kosten.

Als die Sanitäter eintrafen, konnten sie das Geschlecht des Mädchens zunächst nicht feststellen, denn Körper und Gesicht waren nur noch blutiger Brei und völlig entstellt. Sophie und Robert fielen ins Koma aus dem Sophie nie wieder erwachte, sie würde sich nie wieder von den Tritten und Sprüngen auf ihren Kopf erholen. Am 24. August 2007 entschied die Familie, die Lebenserhaltenden Maßnahmen abzuschalten. Robert überlebte den Angriff schwer verletzt. Die Täter, Ryan Herbert (15) und sein Komplize Brendan Harris (17) wurden gefasst und zu 16 bzw. 18 Jahren Haft verurteilt1. Bis zuletzt plädierten sie auf Nicht-Schuldig.

Jetzt gibt es einen wunderschönen Animationstribut der Agentur Propaganda, die in Zusammenarbeit mit der britischen Band Portishead den Kurzfilm Dark Angel veröffentlichen, der die Geschichte der Tat nocheinmal ins Gedächtnis ruft. Die Sophie Lancaster Foundation hat es sich zu Aufgabe gemacht aus Spenden Nachhilfe in Sachen Toleranz zu vermitteln. Traurig, das es dazu einer Stiftung bedarf, trotzdem ein tolles Ziel. Die 1.000.000 Hits die das Video erhalten soll, sollten spielend erreicht werden, denn es ist nicht nur wunderschön, sonder auch einfühlsam, direkt und unmissverständlich.

YouTube Preview Image

But this essential education programme can only be delivered with your help. Please, please show your support watch the film and make a donation. Were hoping to reach over 1,000,000 hits, so forward the link and help us spread the message.

(Bildquelle: Black-Cat)
  1. Quellen: Englischer Wikipedia Artikel über Sophie Lancaster, Dailymail Artikel "The Haun­ting last Pic­tuere of Sophie Lan­cas­ter […]” []

21 Kommentare

  1. Muss ich erwäh­nen, dass ich Men­schen grund­sätz­lich für Abschaum halte und 18 Jahre Haft nur mit täg­li­cher Ver­ge­wal­ti­gung und Prü­gel für ange­mes­sen halte? Ich ver­mute mal nicht.
    „Wit­zig” in dem Zusam­men­hang finde ich nur, dass mich meis­tens die Leute blöd angu­cken wenn ich in der Öffent­lich­keit und ins­be­son­dere in Gegen­wart von sol­chem Abschaum wie den bei­den Tätern Flucht­mög­lich­kei­ten und impro­vi­sierte Waf­fen suche, ganz instink­tiv ein­fach die Lage son­diere um nach­her viel­leicht nicht so zu enden. Wenn dann sol­che Schlag­zei­gen kom­men (oder wie der kürz­lich tot­ge­schla­gene Mann in Mün­chen) kommt dann kurz­zei­tig der „Aha-Effekt” um dann nach ein paar Tagen wie­der zu verschwinden.

    Mit „Tole­ranz” (wie ich die­ses Wort hasse) hat das übri­gens mal wie­der nichts zu tun son­dern schlicht mit unnö­ti­ger Gewalt­be­reit­schaft. Ob da jetzt zwei Gruf­tis kom­men oder zwei Nor­ma­los, wenn sol­che Pen­ner Lust dar­auf haben Dampf abzu­las­sen macht das doch sel­ten einen Unter­schied (siehe Mün­chen). Da haben wir aber das glei­che Pri­zip wie beim AAK (Akti­ons­bünd­nis Amok­lauf Win­nen­den): Die Betrof­fe­nen machen es sich meist fast genau so leicht wie die Poli­ti­ker. In Win­nen­den sinds die Kil­ler­spiele und die Sport­schüt­zen, bei Sophie Lan­cas­ter ist es die Intoleranz.

  2. Wie sagt man? „Bil­der sagen mehr als 1.000 Worte”. Genau das hat mei­ner Ansicht nach diese Ani­ma­tion sehr gut rüber gebracht, die Mes­sage, die Trauer und auch die Rat­lo­sig­keit. Was bleibt ist ein Klos im Hals, mein Mit­ge­fühl und die Frage: „Was kann ich tun?”. Ich war selbst in Situa­tio­nen in der Ver­gan­gen­heit in der ich Hilfe brauchte und sie nicht bekam, in der ich Hilfe geben wollte sie aber nicht gewünscht war. Trotz­dem habe ich den „Glau­ben” an das Gute im Men­schen (noch) nicht verloren.

    Ich kann Tho­mas Mei­nung nicht in allen Punk­ten tei­len aber nach­voll­zie­hen. Tole­ranz ist den­noch ein wich­ti­ger Bestand­teil den unsere Gesell­schaft zwar zuwe­nig hat, aber es zum Glück doch noch Men­schen gibt die Tole­ranz zei­gen und leben. Und wenn diese Men­schen (uns ein­ge­schlos­sen) diese Tole­ranz an ihre Kin­der wei­ter­ge­ben habe ich wei­ter­hin Hoffnung.

    Die Hoff­nung stirbt bekannt­lich zuletzt.

  3. @ stof­fel: Wie war das? In jedem Men­schen steckt was Gutes, und wenns ein Mes­ser ist? ;)

    Tole­ranz mag für viele toll sein, immer­hin kommt das kleine Selbst­wert­ge­fühl nicht mit Kri­tik klar. Jeman­den nicht den Schä­del ein­zu­tre­ten weil einem seine Klei­dung nicht passt ist aber nicht tole­rant son­dern schlicht: Nor­mal! Wenn ich sage dass ein Hip­hop­per nicht auf meine Party darf weil er ein Hip­hop­per ist, dann ist das into­le­rant. Wo genau liegt denn das Pro­blem? Meine Mei­nung, meine Party! Tot ist des­halb noch lang niemand.

  4. @Thomas: Viel­leicht ist Tole­ranz auch der fal­sche Begriff, denn die hält poten­ti­elle Mör­der und Gewalt­tä­ter wie die über die wir spre­chen auch nicht davon ab die­ser Nei­gung nach­zu­ge­hen. Aber nor­mal ist das sicher nicht. Ich denke, die bei­den Jungs aus Eng­land hät­ten sich irgend­ei­ner Rand­gruppe bedient, das es gerade zwei schwarze See­len waren, mag Zufall gewe­sen sein. Daher schlum­mert auch in mir der Wunsch nach täg­li­cher Prü­gel, was aber höchst­wahr­schein­lich auch nichts an den bei­den ändern wird. Ich denke, das die Eltern der bei­den, die lachend bei der Poli­zei ihre Aus­sage zu dem Fall machen muss­ten, gleich mit ins Boot genom­men wer­den soll­ten. Ebenso wie der Vater, der sei­nem Sohn erst den Zugang zu einer Waffe ermöglichte.

    @Stoffel: Ich denke, wenn man den Glau­ben an das Gute im Men­schen ver­liert, ist man selbst ver­lo­ren. Klingt jetzt schwer nach Film­szene, ist aber so. Letzt­end­lich sollte man da auf sich selbst hören, denn wenn sich selbst nichts vor­wer­fen kann, ist man ein­fach bes­ser dran. Das beste an seine Kin­der wei­ter­ge­ben ist der ein­zige Quell einer Hoff­nung, die lei­der durch Eltern wie die der bei­den immer wie­der auf die Probe gestellt wird. Aber auch die eigene Tole­ranz wird immer wie­der auf die Probe gestellt, wie Tho­mas schon rich­tig zusammenfasst.

  5. Ich bin rich­tig geschockt und trau­rig dar­über. Mir fällt es gerade rich­tig schwer irgend­wel­che Worte zu fin­den. Sorry dass ich daher nicht Bezug auf eure Kom­men­tare neh­men kann.

    Das Video bzw. die Geschichte hat mich sehr mit­ge­nom­men. Ich werde jetzt erst­mal duschen gehen und dann eben­falls dar­über berich­ten um einen klei­nen Bei­trag zu leisten.

  6. @ Robert: Ich kann dir in dem Zusam­men­hang den Film „Eden Lake” emp­feh­len. Der ist zwar weit weg davon „gut” zu sein, zeigt aber eben genau sol­che Jugend­li­che und im Film trifft es eben keine Rand­gruppe. Es geht die­sen Voll­pfos­ten darum ihre Stärke aus­zu­spie­len, gegen­über von wem ist da Neben­sa­che. Im Film spie­len übri­gens auch die Eltern eine wich­tige Rolle… im End­ef­fekt passt er wie die Faust aufs Auge.

    Ob täg­li­che Prü­gel etwas hel­fen? Nun, ich sags mal so: Quer­schnitts­ge­lähmte schla­gen im Nor­mal­fall keine ande­ren Men­schen zusam­men. Es ist nur eine Frage der Ausdauer.

  7. Ich bin über Mys­pace mit der Sophie Foun­da­tion befreundet.Ich bin mitt­ler­weile 41 Jahrte alt und seit knapp 1984/85 in der Gothic/Wave-Szene ver­haf­tet.
    Überg­riffe auf Men­schen die nicht in das Welt­bild ihrer Pei­ni­ger pas­sen gab und wird es immer geben.Egal ob es sich um Jugend­kul­tur han­delt oder Überg­riffe die poli­tisch und/oder eth­nisch moti­viert sind.
    In den Zei­ten als ich noch kei­nen Füh­rer­schein besaß und mit Freun­den in der S-bahn Rich­tung Zwischenfall(Bochum)fahren mußte,gab es regel­mä­ßig Übergriffe.(meist Verbal)Zur dama­li­gen Zeit eigent­lich nur von betrun­ke­nen Fuß­ball oder Eishockeyfans.Der Nor­mal­bür­ger hatte eher Angst vor uns und unse­rem Aus­se­hen aber auch er ließ sich zu man­chen Ver­ba­l­an­grif­fen hinreißen.Vor allem wenn die Fan­rot­ten in die Züge strömten.Die Worte:Arbeitslager;Gaskammer und unterm Füh­rer hätt es das nicht gegeg­ben waren so TOP-Ten Stan­darts.
    Manch­mal mußte man schon den einen oder ande­ren Schlag aushalten.Knochenlutscher,
    Tunten,Schwuchtel,Leichengräber/schänder und Satans­jün­ger waren die häu­figs­ten Bezeichnungen.Oder man ver­schüt­tete Bier über dich,streute Ziga­ret­ten­a­sche auf dei­nen Kopf(in S-Bahnen war damals das Rau­chen noch erlaubt),Haare anzünden(brannte wegen dem Haar­spray gut) und ausklatschen(huch hab aus ver­se­hen beim Ziga­rette anzün­den dein Haar getroffen)oder anspucken.Es gab viele kleine Scha­müt­zel aber meis­tens hast du den Mund gehalten.Und es hat Dir nie­mand wirk­lich geholfen.Okay bei den Alten die mit den Gas­kam­mer­sprü­chen hast du auch zurück­ge­pö­belt aber bist nie hand­grei­fich geworden.Du warst die Min­der­heit.
    Heute ist die Schwelle zur Gewalt­be­reit­schaft in der Jugend stark gesunken.Dies liegt zum einen im Ver­sa­gen unse­res Rechtssystems,zum ande­ren an einer frus­tra­tion der Leh­rer und Igg­no­ranz sei­tens der Erzie­hungs­be­rech­tig­ten. Zum Rechts­sys­tem:
    01.Härtere Stra­fen und Antiaggressionstherapie(bei Tod ist es Mord und nicht Totschlag.Da gibt es kei­nen Affekt).
    02.Sofortige Abschie­bung bei aus­län­di­schen Wiederholungstätern,Aberkennung der deut­schen Staatsbürgeschaft,Einreiseverbot(Wer nicht dazu­ge­hö­ren will muß gehen.
    Im Aus­land gibt es für uns auch kei­nen Kuschelkurs.Wir müs­sen ler­nen nicht immer mit Asche auf dem Haupt rumzuaufen.Selbst die tole­ran­ten Niederländer,Dänen und Schwe­den erken­nen vor uns das man Prio­ri­tä­ten set­zen muß.)Das ist nicht Ausländerfeindlich(siehe die U und S-Bahn Angriffe der letz­ten Zeit(auch am 24.12.2009))
    Es man­gelt all­seits an Wer­te­ver­mitt­lung und einer Unter­schei­dung von Recht und Unrecht.Z.B: Sachen die man fin­det gibt man ab und behält sie nicht.
    Wei­ter­hin seh ich auch eine Gefahr durch unge­fil­ter­ten Fernsehkonsum.Was sich 6 jäh­rige zum Teil angu­cken hab ich mir mit 18 noch nicht angesehen.Desweiteren der Man­gel an Bildungsfernsehen.Talkshows und die gan­zen seich­ten dumm gemach­ten Bera­tungs­sen­dun­gen und Real­do­ku­men­ta­tio­nen auf den Pri­vat­sen­dern sind ein wei­te­res Zei­chen für unsere Erziehungsohnmacht.Alleine der Satz­bau der Film­sze­nen­be­schrei­bun­gen ist dem eines Pri­ma­ten wür­dig.
    Und wenn man ver­sagt holt man die SuperNanny,quatscht die Kal­was zu oder läßt sein Kind von dem Super­so­zi­al­hel­fer auf­spü­ren.
    (mein coo­les Auf­tre­ten baut immer eine Brü­cke zu den „KIDS”.)
    Oder KITS(Bausätze),Kitz(Jungrehe)??????
    Und es fehlt uns eine eigene Leitkultur.Fremdkultur ist zwar gut für die Völ­ker­ver­stän­di­gung kann aber auch in Abhän­gik­ei­ten führen(siehe HIP/HOP).Denn nir­gendwo ist die Ableh­nung unse­res Wer­te­sys­tems so deut­lich wahr­zu­neh­men wie in die­sem Jugendbereich(Textanalyse).Ich weiß jede Jugend­kul­tur ist immer Rebel­lion ‚aber wird unser Sys­tem so vehe­mend ver­leug­net wie dort.
    Ich denke wenn wir mehr dar­auf ach­ten was unsere Jugend macht und Ihnen das rich­tige Rüst­zeug mit auf dem Weg geben wer­den sie nicht so schnell zu Tätern.

  8. @Hexer: Ich werde deine Seite wei­ter ver­fol­gen, danke für den Kommentar.

    @Thomas: Eden Lake? Hmm.. hab ich den schon mal gese­hen, muss mal unbe­dingt wie­der nach­for­schen, danke für den Tipp.

    @Plastisch: Danke für dei­nen aus­führ­li­chen Kom­men­tar und deine Erfah­run­gen. Ich teile deine Ansicht und habe Ende der 80er ähnli­ches in der S-Bahn erlebt. Deine Aus­füh­rung sind aber sehr plas­tisch und rufen das ganze bei mir noch­mal in Erinnerung.

    Zu Punkt 01: Das mit den här­te­ren Stra­fen kann ich nur unter­stüt­zen. Letz­tes Jahr hat eine jun­ges Paar hier in Mön­chen­glad­bach einen alten Mann und seine Frau ver­prü­gelt (das Gesicht mit zahl­lo­sen Tritt zer­trüm­mert) weil es ihnen nicht schnell genug ging. Urteil 1 Jahr und 3 Monate.
    Zu Punkt 02: Die Fern­seh­kul­tur „von Assis — über Assis — für Assis” beherrscht alle pri­va­ten Fern­seh­an­stal­ten. Das Netz und der unein­ge­schränkte Zugriff dar­auf birgt eben­falls Gefah­ren­po­ten­tial. Solange es aber genung Men­schen gibt, die so einen Scheiß gucken bleibt uns nur die Mög­lich­keit den rich­ti­gen Umgang damit zu ver­mit­teln. „Fil­tern” ist immer etwas schwie­rig, da die Mög­lich­kei­ten nicht immer fil­ter­bar sind.
    Wie du völ­lig rich­tig sagst, fehlt uns die Leit­kul­tur. Aber irgendwo sind wir ja selbst die Schmiede die­ses Bil­des. Viel­leicht kön­nen wir in unse­rem klei­nen Uni­ver­sum etwas dazu bei­tra­gen, den Jugend­li­chen eine Mög­lich­kei­ten zu geben sich zu infor­mie­ren und Fra­gen von Ange­sicht zu Ange­sicht zu beant­wor­ten. Jeder kann bei sei­ner eige­nen Nase anfan­gen, auch im klei­nen. Die Jugend­li­chen habe den Bezug zum Wer­te­sys­tem ver­lo­ren, weil ihnen nie­mand zuhört und die breite Masse sich von der nega­ti­ven Bericht­er­stat­tung blen­den lässt.
    (Bsp. Flat­ratesau­fen — ein Pro­blem das es immer schon gab, auch in den 80er haben sich die Jugend­li­chen zu hun­der­ten Weg­ge­schos­sen. Auf Frei­bier­par­ties bis zum Exzess Alko­hol kon­su­miert. Dies ist kein Phä­no­men der Neu­zeit — Doch solange die Alk-Lobby Geld damit ver­dient, wird die­ses Pro­blem nie wirk­lich ver­schwin­den)
    Wie du schon sagst, das Rüst­zeug, das Werk­zeug, die Infor­ma­tio­nen, die Mög­lich­kei­ten und den Rück­halt, das kön­nen wir dafür tun aus poten­ti­el­len Tätern keine wer­den zu lassen.

  9. Ich frage mich gerade, ob die Dame so viel Auf­merk­sam­keit bekom­men hätte, wenn die Leute wüss­ten, dass sie gar kein Goth war (soweit ich weiß, zielte sie in die Metal-Ecke à la Cradle of Filth oder Mari­lyn Man­son). Ich kann mich an das Her­um­ge­flenne in diver­sen Foren erin­nern, wo die Dame dazu benutzt wurde, die Goth-Kultur (oder das, was die Leute dafür hal­ten) in eine Art Opfer­rolle zu ver­set­zen. Denen ging es gar nicht wirk­lich um die Per­son Sophie Lan­cas­ter, son­dern darum, sich selbst als bedau­erns­werte Gestalt und als Opfer der Gesell­schaft zu pro­fi­lie­ren. Pein­lich. Tra­gisch ist es sicher. Aber sicher­lich keine Sel­ten­heit. Ich behaupte, wenn sie Punk gewe­sen wäre (und dort kommt das wesent­lich häu­fi­ger vor), hätte sich keine Sau darum geschert.

  10. Also hier möchte ich mich Death Disco mal anschlie­ßen.
    Es wer­den täg­lich irgendwo leute zusam­men­ge­latscht, abge­sto­chen und was weiss ich noch alles.

    muss man des­we­gen jetzt ne stif­tung grün­den? also ich bitte euch.

    so. und das es bei tot­schlag kei­nen affekt gibt, ist ein­fach mal geschwa­fel.
    mord setzt einen plan vor­aus, tot­schlag nicht. aber das kann jeder selbst nach­schla­gen denke ich mal.

    also natür­lich sind opfer­rol­len immer was schö­nes. man kann sagen „schaut mal, uns gehts ja so schlecht, die leute mögen uns nicht… die tre­ten uns und so”…

    mal ehr­lich, es gibt hass und abnei­gung gegen alle mög­li­chen leute aller mög­li­cher lebens­stile und ein­stel­lun­gen, reli­gio­nen und was weiss ich. aber die grün­den auch nicht (alle) stif­tun­gen, oder?

  11. @Death Disco: Also ich für mei­nen Teil finde das Schick­sal des jun­gen Paa­res tra­gisch und hätte es ebenso tra­gisch emp­fun­den wenn sie Punk gewe­sen wäre, das hat nichts mit der letzt­end­lich Aus­rich­tung zu tun. Der miß­brauch die Dame für eine all­ge­meine Opfer­rolle in Szene zu set­zen finde ich eben­falls trau­rig. Das es keine Sel­ten­heit mehr ist, macht die Sache an sich noch wich­ti­ger, sol­che Fälle ins Ram­pen­licht zu set­zen damit die der Blick für eben diese unzäh­li­gen wei­te­ren Fälle geschärft bleibt.

    @ZeitUngeist: Sicher, es gibt noch viel mehr Leute die zusam­men­ge­tre­ten, abge­sto­chen und ermor­det wer­den. Von viel zu vie­len hört man nicht, oder sie ent­zie­hen sich dem Sicht­feld. Aber manch­mal braucht die Öffent­lich­keit eine Medi­en­wirk­same Erin­ne­rung, so trau­rig das auch sein mag. Eine Stif­tung zu grün­den finde ich jetzt nicht unbe­dingt nötig, wenn sie aber einem guten Zweck dient, was soll’s?

  12. Als Eng­län­der wün­sche ich mir, ich hätte Sophie ken­nen­ler­nen kön­nen. Sie ist nur einen Monat vor mir gebo­ren und wenn wir im glei­chen Teil von Eng­land gebo­ren wären, wäre das intel­li­gente und wohl­er­zo­gene Mäd­chen wahr­schein­lich in der­sel­ben Schule und dem­sel­ben aka­de­mi­schen Jahr wie ich gewe­sen. Als ich Teen­ager war, war ich ein biss­chen eng­stir­nig, denn ich hatte noch nicht genug gelernt bzw. genug Lebens­er­fah­rung gesam­melt, um auf­ge­schlos­se­ner zu sein. Aber ich weiß, dass ich mit Sophie gere­det hätte, z.T. weil ich seit dem Alter von 15 Fan von har­ter Rock­mu­sik bin, z.T. auch weil Sophie den Mumm hatte, anders zu sein.

    Im Grunde soll jeder das Recht dar­auf haben, sich selbst zu sein (solange man nie­man­den anders vor den Kopf stoßt, natür­lich) und die Klei­dung zu tra­gen und die Musik zu hören und mit dem Akzent zu spre­chen, die sei­nem eige­nen Geschmack ent­spricht. Ich per­sön­lich ertrage schlecht die Tat­sa­che, dass wir in der­sel­ben Welt mit so dum­men, igno­ran­ten und into­le­ran­ten Arsch­lö­chern (in Groß­bri­tan­nien nen­nen wir sie „chavs” und sie sind lei­der über­all zu fin­den) wie Sophies Mör­der leben müs­sen. Ver­giss mal 15 Jahre bis lebens­läng­lich im Gafäng­nis; die Jungs, die Sophie getö­tet haben, sol­len 20 Jahre in Ein­zel­haft gekriegt haben. Im Knast ändert man sich kaum, man wird i.d.R. nur schlim­mer. Doch 20 Jahre kom­plet­ter Ein­sam­keit — das wäre eine ange­mes­se­nere Strafe, mei­ner Mei­nung nach. Sie mag eine scharfe Strafe sein, aber der unpro­vo­zierte Angriff auf Sophie und ihren Freund (der jetzt auch der Hin­ter­blie­bene ist) war viel schlimmer.

    Wir kön­nen nur hof­fen, dass die nächste Gene­ra­tion von bri­ti­schen Poli­ti­kern es gesetz­lich ver­bie­tet, sich andere Men­schen wegen ihres Aus­se­hens, ihrer Hob­bys oder ihrer Sexua­li­tät zur Ziel­gruppe zu neh­men. Viel­leicht soll es gesetz­lich hoch­ver­bie­tet wer­den, „chav” zu sein. Das würde ganz viele junge Leute entlasten.

    Ruhe in Frie­den, Sophie. If hea­ven exists, I hope you’re there.

  13. Schö­ner Kom­men­tar Andy B., vie­len Dank dafür. Ich kann dei­nen Appell an die bri­ti­sche Regie­rung nach­voll­zie­hen, lei­der wird es „chavs” immer geben, denn Dumm­heit stirbt nie­mals aus. Ich hoffe und wün­sche mir, das irgend­wann auch dum­mer Men­schen begrei­fen, das Igno­ranz und Into­le­ranz kein Mit­tel ist über ihre eigene Belang­lo­sig­keit hin­weg­zu­täu­schen. Lei­der ist das ein schlei­chen­der Pro­zess, der für Sophie viel zu spät kommt.

  14. Nor­ma­ler­weise würde ich natür­lich sämt­li­che sub­kul­tu­rel­len Strö­mun­gen ten­den­zi­ell für gut hei­ßen, aber Chavs sind mir suspekt — in der Form haben wir sowas in Deutsch­land irgend­wie nicht, oder?

    Ein in Lon­don leben­der Bekann­ter hat mal ver­sucht, mir das zu erklä­ren: Er ist Goth und hatte so eine Crossdressing-Phase in der er Klei­der und Kor­setts getra­gen gehat. Auf dem Rück­weg von einem Club ist er in den fal­schen Bus ein­ge­stie­gen und musste nachts in irgend­ei­nem Vier­tel aus­stei­gen, in dem es vor Chavs nur so wim­meln würde, was ihn ziem­lich ver­ängs­tigt hat, auf­grund sei­ner Klei­dung. Ich ant­wor­tete dar­auf, dass wir sol­che Leute natür­lich auch in Deutsch­land haben, dass mir dumme Sprü­che und Anfein­dun­gen mit­ler­weile nichts mehr aus­ma­chen (ich dachte so an das For­mat „Vicky Pol­lard” in „Little Bri­tain”).
    Vor Anfein­dun­gen hätte er keine Angst, war die knappe Ant­wort, son­dern eher vor einem Mes­ser zwi­schen den Rippen…

    Ich hielt das erst für über­trie­ben, und dann habe ich von Sophie Lan­cas­ter gehört…

    Beängs­ti­gend sowas… und wenn man mal auf YouTube nach „chavs” schaut wird es nicht bes­ser. So eine aggres­sive und gewalt­be­reite Aus­strah­lung hab ich sel­ten gesehen…

  15. (Ant­wort auf von Karn­steins Kommentar)

    Wir in Groß­bri­tan­nien fin­den die Tat­sa­che, dass es diese Chav-Kultur gibt und dass diese Leute sich manch­mal so unver­schämt und respekt­los beneh­men, genauso schwie­rig wie Sie zu glau­ben bzw. ertra­gen. Die Poli­zei tut auch nicht genug, ihrem ein­schüch­tern­den Beneh­men ein Ende zu machen oder es zumin­dest ein­zu­schrän­ken, und die Stra­fen sind wie schon gesagt zu leicht. Ich behaupte nicht, dass unser Land die Hölle ist, aber wenn das Äqui­va­lent von Chav-Kultur in Deutsch­land nicht exis­tiert, dann könnt ihr euch glück­lich schätzen.

    Ich wün­sche mir, wir könn­ten mehr tun, um im Gefolge von Sophies Mord eine poli­ti­sche Ände­rung hier her­bei­zu­füh­ren. Lei­der wird das nicht so ein­fach pas­sie­ren, zumal wir wohl viele Poli­ti­ker haben, die so gut wie nichts über Goth– und Metal-Kultur wis­sen und die erheb­li­chen Unter­schiede zwi­schen die­sen zwei Kul­tu­ren und der Chav-Kultur daher nicht ver­ste­hen kön­nen. Z.B. die Abge­ord­nete, die mein Bun­des­land (Engl. ‘county’) im House of Com­mons reprä­sen­tiert, ist poli­tisch stark kon­ser­va­tiv und hat in der Ver­gan­gen­heit mehr­mals gegen Refor­men gestimmt, die gesell­schaft­li­chen Min­der­hei­ten hel­fen sol­len. Sie würde einen ein­zi­gen Blick auf ein Foto von Sophie Lan­cas­ter wer­fen und einen Herz­in­farkt bekom­men. Poli­ti­ker und ältere Leute sind auch manch­mal engstirnig.

  16. @Andy B.: Ich denke das Pro­blem gibt es auch hier, viel­leicht haben wir kei­nen ein­ge­hen­den Namen dafür, aber man sieht Überein­stim­mun­gen. Pro­ble­ma­tisch ist die Aus­prä­gung spe­zi­ell in Eng­land, denn hier ist Gewalt und Alko­hol mei­ner Mei­nung nach noch fes­ter ver­wur­zelt (siehe Hooligan-Kultur). Das Tal zwi­schen dem gemei­nen eng­li­schen Pro­le­ta­riat und dem typi­schen Aris­to­kra­ten ist tie­fer, die bei­den Extreme aus Wut und Arro­ganz noch grö­ßer. Viel­leicht sind die Chavs die Ver­kör­pe­rung des­sen, was es über­all gibt. Mal mehr, mal weniger.

  17. Sowas ist doch krank!Wie kann man Men­schen töten und dann noch aus so eiem Grund??Nur weil Leute anders sind,dass ist absurd!!!

  18. @ Narben-Kind: krank ist es bestimmt, wie man so was aus so einem dum­men Grund tun kann. Ich sag dir aber, warum diese Leute es getan haben: denn sie haben keine Gefühle, nichts im Kopf und ver­ste­hen nichts tie­fer als Aus­se­hen und sol­che Ober­fläch­lich­keit. Ich als Brite gebe dem bri­ti­schen Bil­dungs­we­sen die Schuld. Dis­zi­plin spielt in dem Sys­tem eine allzu kleine Rolle und daher glau­ben viele Schü­ler, sie dür­fen das machen was sie wol­len, ohne Strafe dafür zu befürch­ten. Mei­ner Mei­nung nach sol­len wir den Rohr­stock zurück­brin­gen (in Groß­bri­tan­nien wurde er in den 60er Jah­ren unge­setz­lich gemacht, glaube ich). Das klingt ja scharf, aber es ist wohl die ein­zige Weise, diese Arsch­lö­cher zu beherrschen.

    Übri­gens bin ich am Wochen­ende auf ein Kon­zert in Span­dau gegan­gen. Da haben 99% der Leute Gotik-Kleidung getra­gen. Wir waren wie eine schwarze Legion, die aus der U-Bahn her­aus und die Strasse ent­lang gelau­fen sind! Die fünf oder sechs Jungs, die Sophie getö­tet haben, hät­ten keine Chance gegen uns gehabt, wenn sie da gewe­sen wären und ver­sucht hät­ten, eine Prü­ge­lei anzufangen.

  19. @Narben-Kind: Defi­ni­tiv.

    @Andy B.: Viel­leicht ist das Bil­dungs­sys­tem schuld, die Ursprünge lie­gen wahr­schein­lich viel län­ger zurück. Ich denke viele Bri­ten wach­sen in einer klas­si­schen Zwei-Schichten-Welt auf des­sen Pro­ble­ma­tik schon immer von der Regie­rung dort ver­schärft wurde. Unter­schicht meets Ober­schicht. Kon­flikte vor­pro­gram­miert. Kann schon sein, das eine Rohr­stock­me­thode Bes­se­rung bringt — Bil­dung für alle ist ein mög­li­cher Weg. Ich hoffe für Groß­bri­tan­nien, das es sich in die­ser Hin­sicht ent­wi­ckelt und das Deutsch­land sich daran kein Bei­spiel nimmt.

  20. @ Robert: das hoffe ich auch. Die bri­ti­sche Regie­rung muss auf­wa­chen und auf­hö­ren, so ver­dammt poli­tisch kor­rekt zu sein. Poli­ti­sche Kor­rekt­heit hat das bri­ti­sche Rechts­sys­tem rui­niert, und obwohl Sophies Mör­der 16 bzw. 18 Jahre im Knast gekriegt haben, wird das nichts ändern. Und die Zukunfts­aus­sich­ten in Sachen Strafe sehen genauso schlecht aus, wenn man bedenkt, dass die Frei­heits­strafe von Roy Whi­t­ing gerade gekürzt wor­den ist. Der Mann hat ein klei­nes Mäd­chen ent­führt und getö­tet. Es ist mir egal, was für einen Grund die Regie­rung hat, seine Frei­heits­strafe kür­zer zu machen — er soll auf kei­nen Fall dafür begna­digt wer­den, was er getan hat. Aber so ist unser lie­bes bri­ti­sches Rechts­sys­tem — fucking stupid.

  21. @Andy B.: Stimmt. So nüt­zen Stra­fen nichts, wenn die Täter schon im Vor­feld wis­sen, das sie ihre Stra­fen irgend­wann ver­kür­zen kön­nen, sei es durch gut Füh­rung oder was auch immer. Im Fall Whi­t­ing rela­ti­viert sich die Sache, inso­fern er auch für die 40 Jahre die er jetzt noch sit­zen muss auch sit­zen bleibt. Im Laufe der Jahre hat man sich unheim­lich ange­wöhnt Täter schwers­ter Ver­bre­chen durch Haft­er­leich­te­run­gen zu resozialisieren.

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