Der Dämon hat sich für den Herbst etwas vorgenommen, das in seinen Kreisen fast als Verrat gilt: feste Schlafenszeiten. Es wird früh dunkel, im Bett ist es warm, und der Oktober verspricht ohnehin nichts Aufregenderes als Arbeiten, Essen und Schlafen. Es könnte also der ruhigste Monat seiner Existenz werden, wäre da nicht die Sache mit dem Likör. Die Kröte hat ihn verordnet, und der Dämon nimmt Verordnungen ernst. Er besorgt eine Flasche, sicherheitshalber gleich zwei. Allein trinken kommt allerdings nicht in Frage. Wer allein Likör trinkt, hat ein Problem, wer ihn in Gesellschaft trinkt, pflegt eine Tradition.
Also klingelt es. Zuerst steht die Fledermaus vor der Tür, pleite, aber glücklich, und bringt Spinnennetze für seine Wohnzimmerwand mit, um die er nie gebeten hat. Dann kommt der Wiedergänger, der zur Feier des Abends sein Smartphone im Likör ertränkt und anschließend fragt, ob er noch einen haben kann. Der Fangzahn bastelt aus dem Flaschenhals etwas mit Silberdraht, und der Knoblauchzopf will um Mitternacht „noch irgendwohin, wo was los ist“ und sitzt um drei immer noch da. Der Sukkubus hat sich verdunkelt und liest im Flur, und zwar im Flur des Dämons. Um zehn sollte eigentlich das Licht aus sein. Um vier sitzt der Dämon mit glasigen Augen im Sessel und hört zu, wie die Grableuchte auf seinem Sofa schnarcht.
Retten könnte ihn nur der Sarg. Seit September ist er bekanntlich radikal ehrlich, und ein schlichtes „Es ist spät, geht nach Hause“ wäre genau sein Fach. Der Sarg sortiert aber gerade Schubladen, wischt Staub und ist am Monatsende müde wie ein Stein. Immerhin hat er jetzt mehr Platz, und weil er ja die Wohnung ist, klopft der Dämon schließlich bei ihm an, um irgendwo in Ruhe schlafen zu können. „Du darfst rein“, sagt der Sarg, „aber du riechst nach Likör.“ Ausgerechnet der Ghoul, der längst in Puschen und Pyjama steckt, verschläft das alles. Bleibt dem Dämon die Hoffnung auf November: Dann ist der Likör alle, der Knoblauchzopf auf seiner Halloween-Sause verschollen, und um zehn ist endlich Licht aus. Und was vorhergesehen ist, kann ja schließlich nicht schiefgehen.


