Musikperlen – Der Chauffeur fährt wie eine Wildsau durch die Grossstadtnacht (Tauchgang #41)

Ich war schockiert. Konnte die Suchfunktionen einen Fehler gemacht haben? Eilig prüfte ich sämtliche Einstellungen, untersuchte die künstliche Intelligenz auf Fehler in der Selbstdiagnose und nahm tatsächlich auch einen Stift zur Hand, um daran zu kauen. Doch die Suche hat mich nicht getäuscht. Seit Oktober 2018 gab es keinen neuen Musikperlentaucher mehr! Hastig setzte ich die Kopfhörer auf, zog die schwarze Badehose mit den Bleigewichten an, spülte die Taucherbrille und holte tief Luft. Zeit, neue Musikperlen aus der Dunkelheit zu fischen.

Duran Duran – The Chauffeur

Die Pop-Ikonen der 80er hatten nicht nur geleckte Vorzeige-Hymnen für die pulsierende New Wave Ader in den internationalen Charts, sondern auch Stücke die mehr Tiefe zu bieten hatten, als die, die man bei „Wild Boys“ hinter den fantastischen Video im Mad Max vermuten konnte. Daniel Dressler rezensiert das Stück eindrucksvoll leidenschaftlich: „Weder im Refrain, noch in der Strophe findet sich der Titel wieder. Und doch baut sich über ihn die ganze Spannung dieses Liedes auf: Für sich genommen wirkt der Text wie die Innenschau eines Mannes, der mit (s)einer Frau einen Ausflug zum Strand macht. Doch der Titel „The Chauffeur“ ruft sämtliche standes- und gesellschaftspolitischen Konventionen hervor: Das Verhältnis von Chauffeur und Chauffierten ist auch jenes von Diener und Vorgesetzten, von Gehorsam und Machtausübung.

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Dreizack – Grossstadtnacht

Die Band aus der Landeshauptstadt Düsseldorf entstand 1982 aus der Gruppe Sinclair und dürfte wohl mit Eintagsfliege am ehesten zu beschreiben sein. Der Song „Großstadt-Nacht“, den sie auf Welt-Rekord herausbrachten, blieb ihre erste und einzige Veröffentlichung. Ulrich Luciano, der den wunderbaren Text zu dem Song beisteuerte, schrieb zwar weitere Titel, die wurden jedoch nie produziert. Er entschied sich stattdessen, Songs für Grönemeyer und Jürgen Drews zu schreiben. Schade eigentlich. „Sie ist tot diese Großstadt, ich fühl‘ ihre eiskalte Stirn; Grelle Blitze aus Neon zerschießen brutal mein Gehirn; Ich ertrinke im Dunst einer Nacht,die mein Hoffen erstickt; Illusionen zertreten pervers mein gepflegtes Gesicht; Und die Straße die stinkt nach Benzin,wie kann das anders sein; Und der Penner im Rinnstein verblutet im billigen Wein…

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Maybe – Wildsau

Und dann kommt immer der Song in der Liste, von dem du noch nicht einmal weißt, wo du ihn aufgeschnappt hast und wo das allwissende Internet an seine Grenzen stößt. Maybe, so heißt die Band, ist so ein Fall. Bis auf ein paar Fetzen Informationen, die einige der Musiker als ZDF-Musik-Schreiber identifizieren, ist nichts bekannt. Klassischer NDW Sound mit klassischen und völlig hirnverbranntem Text. „Riesling, Sprießling! Ein Riesling für mein Sprießling!“ Die Engländer würden es lieben.

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The Breath of Life – Nasty Cloud

Ihr habt überlebt. Trotz des Fahrstils des Chauffeurs bei tiefster Dunkelheit seid ihr hier gelandet. Zeit durchzuatmen. Nehmt mit mir „The Breath of Life„. Die belgische Dark-Wave Band veröffentlichte 1994 ihr Album „Taste of Sorrow“ und zeigt mit dem Stück „Nasty Cloud“ die ganze Bandbreite von Sängerin Isabelle Dekeyser, die am Mikrofon durch einen eindrucksvollen Eindruck beeindruckt.

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Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Tanzfledermaus
Tanzfledermaus (@guest_57941)
Vor 2 Jahre

Robert, entspann Dich, Du hast doch mit der „Formel Goth“-Serie die Lücke gut überbrückt bzw. gefüllt ;-)
Köstlich, Deine Darstellung der raschen Nachholung des vermeintlich überfälligen Tauchgangs! :-D

Bis auf die „Wildsau“ kannte ich alle Songs schon und auch sehr lange, was ihrer Bewertung aber keinen Abbruch tut, ich mag sie alle drei nach wie vor sehr gerne! „The Chauffeur“ ist neben „Save a Prayer“ mein Lieblings-Stück von Duran Duran und beides wird in Berlin auf schwarzen bis dunkelbunten Veranstaltungen auch häufig gespielt. Die „Großstadtnacht“ hörte ich in Berlin kurz nach der Jahrtausendwende des öfteren in den Underground Clubs und „Nasty Cloud“ kenn ich noch aus den späten 90ern. Viel von the Breath of Life am Stück kann ich aber nicht hören, die gute Dame strengt dann stimmlich irgendwann doch etwas an ;-)

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus (@guest_57943)
Vor 2 Jahre

Ui, da fühle ich mich geehrt!
Na, die „Shockwave“ bei der kommenden GGP wird ja sicher auch wieder einiges an Inspiration liefern… yeah.
Ah, jetzt ist der Unterschied zwischen den beiden Musik-Themen klar ;-)

Auseklis
Auseklis (@guest_57946)
Vor 2 Jahre

Viel von the Breath of Life am Stück kann ich aber nicht hören, die gute Dame strengt dann stimmlich irgendwann doch etwas an

Das Problem offenbart sich bei vielen Damen aus der Ecke, bei The Breath of Life, die wohl meist mit dem Stück Impromptu assoziiert werden, kommen mir sofort Collection d’Arnell~Andrea in den Sinn. Da gibt es wirklich gute Stücke, etwa auch Aux Glycines Défuntes. Mit dem Titel hatte ich die überhaupt erst kennengelernt.

Erwähnenswert ist in dem Zusammenhang vielleicht noch Lisa Hammer von den verblichenen Mors Syphilitica. Gut arrangierte Songs, keine Frage, man höre z.B. auch Spinning on Ribbon. Aber auf Albumlänge eher strapaziös.

Selbiges gilt natürlich auch für Speaking Silence.

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Daniel
Daniel (@guest_57948)
Vor 2 Jahre

Vielen Dank für die Erwähnung meiner Rezension. In der Tat hat mich „The Chauffeur“ von allen DD-Songs am nachhaltigsten beeindruckt. Auch die Wahl der anderen „Perlen“ ist Dir wieder sehr gelungen.

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