13 Februar

ARTE-Dokumentation 1998: Die Rückkehr der schwarzen Romantiker

ScreenshotDie Ursprünge der Gothic-Szene wurden bereits ausgiebig dokumentiert. In unzähligen Publikationen wird die Entstehungsgeschichte immer wieder demontiert um auf die Wurzeln des Punks zu pochen. Man hofft, eine Erklärung für das Phänomen “Gothic”  zu finden, dass sich seit über 30 Jahren in der subkulturellen Landschaft festgefressen hat. Die Zeit zwischen 1980 und 1990 wird dabei glorifiziert, frei nach dem Motto “Früher war alles besser!”, während man über die aktuellen Entwicklung seit 2010 ausgiebig meckert. Dazwischen liegen gefühlte 20 Jahre Dunkelheit. Dabei gibt es auch in dieser Zeitspanne viele Ereignisse, die maßgeblich zum “Jetzt” beigetragen haben dürften. Große Festivals feierten in dieser Zeit ihren Ursprung, die ersten auflagenstarke “Szene-Magazine” erschienen an der Bildfläche und die ersten Szene-Shops öffnen ihre Pforten. Zur Jahrtausendwende bekommen alte Ängste durch die sogenannten “Satansmorde” neues Futter, die immer bekannter werdende Szene platzt aus allen Nähten und ist schon lange keine Jugendkultur mehr. Die Szene kommt in Erklärungsnot, immer neue Bücher beschäftigen sich mit “Gothic” und verstricken sich in Analysen und Erklärungsversuchen. Kommerzialisierung und eine unglaubliche Toleranz gegenüber Subkulturen der “Andersartigkeit”  machen aus einer Szene der Abgrenzung eine Facette des Lebens, in der jeder ein wenig “Dunkelheit” ausleben kann.

Um die Lücken zu schließen, habe ich meine Archiven gegraben und bin fündig geworden. ARTE-Tracks zeigte 1998 eine Dokumentation, die eigentlich ganz gut den Status Quo vor der Jahrtausendwende zeigt und unweigerlich Parallelen zum aktuellen Zustand aufzeigt. Viel “Vergnügen” und gute Unterhaltung. Den ganzen Artikel lesen… »


9 Februar

The Cure – Die Fans kamen wie zu einer Rock-Messe

The Cure - Rock Messe TeaserIn diesem Jahr fliegt der Prediger Robert Smith mit seiner Band “The Cure” nach 17 Jahren wieder nach Südamerika, um das dort heidnischen Publikum erneut zu missionieren. 2012 waren die unfreiwilligen Urgesteine der Gothic-Bewegung auf dem Hurricane-Festival zu Gast um vor 73.000 gleich hinter den Ärzten als Headliner geführt zu werden. Heute, so sagt man, haben sie mit ihren Wurzeln nicht mehr viel zu tun. Die Fans der Band kommen mittlerweile aus allen Bereichen der Gesellschaft und sind schon lange nicht mehr in einer Subkultur verwurzelt, doch das stört die meisten eingefleischten Anhänger nicht. Ganz so, wie es auch bei Depeche Mode der Fall ist. Der musikalischen Jugendliebe bleibt man länger treu, als dem statistischen Ehepartner, mit dem es bereits nach 5-6 Jahren vorbei ist.

Warum man der ein oder anderen Band ein Leben lang treu ist, lässt sich vielleicht mit der Vergangenheit und der eigenen Jugend beantworten. Ein Artikel aus einer Bravo aus dem Jahre 1986 zeigt junge Cure-Anhänger bei einem Münchener Konzert ihrer Lieblingsbands. Sie verehren nicht nur die Band und ihre Musik, sondern vor allem Robert Smith, der ihnen als Sänger die Antworten auf ihre Fragen liefert. Den ganzen Artikel lesen… »


15 Januar

Ungewöhnlich Typen 1982: Zwei, die aus der Reihe tanzen

New WaverDem Klischee nach zu urteilen, tanzen wir alle aus der Reihe. Im November 1982 titelte die Bravo in einem Artikel “Zwei, die aus der Reihe tanzen – Sie sehen aus wie Stars. Aber sie haben nichts mit Profi-Musik zu tun. Ihre Absicht: als New Waver zu schocken“. Vor ziemlich genau 30 Jahren waren von Gothics überhaupt noch nicht die Rede, allenfalls als Musikstil hatten sich stilprägende Bands zu dieser Zeit einen Namen gemacht. Doch Klischee und verklärte Vergangenheit lassen wir dieses mal außer Acht, denn Christina und Ralph zeigen, wie man die subkulturellen Wurzeln des Punks weiterentwicklte. Rückblickend objektiv gesprochen. Denn 1982 war dieses Sichtweise subjektiv und äußerte sich viel mehr in Ablehnung, Abgrenzung und Individualisierung.

Auf den ersten Blick sehen sie aus wie Edel-Punks: die “New Waver”. Aber wehe man hält sie dafür. Dann werden sie stocksauer. Denn außer knallbunten Haaren wollen Christina und Ralph mit den “Sicherheitsnadel-Freaks” nichts gemeinsam haben…” Da haben wir alle Bezeichnungen, die mit Gothic eine Verwandschaft haben. Edel-Punks, weil man zwar anders aussehen wollte, aber mit dem “Look aus der Mülltonne” keine Identifikationsgrundlage sah. Hier gab es keinen Kampf wie bei den Punks (hier auch Sicherheitsnadel-Freaks genannte), der sich gegen das Establishment oder den Staat richtete, sondern offensichtlich nur den Wunsch, sich vom Rest der Gesellschaft abzugrenzen. Den ganzen Artikel lesen… »


4 Januar

In memoriam: Zwischenfall Bochum – Der Kreis schließt sich

Disco-Tip Zwischenfall 1987 - TeaserBeim Stöbern in alten Ausgaben der ME/Sounds fand ich einen Artikel aus dem August 1987 über die Discothek Zwischenfall in Bochum. “Die Disco-Dichte im Ruhrgebiet ist höher als anderswo im Land. Um verwöhnte Musik- und Mode-Avantgardisten ins Revier zu bewegen, bedarf es schon besonderer Qualitäten.” Vermutlich ist das Heute noch genauso, doch die Kultstätten von damals sind mittlerweile Geschichte, das Zwischenfall brannte 27 Jahre nach Erscheinen des Artikel völlig aus und überhaupt sind kaum noch Tempel der schwarzen Szene im Ruhrgebiet zu finden. Der Pavillion in Wuppertal schloss im September 2012 seine Pforten, das Lalic in Köln konzentriert sich mit seinen neuen Betreiber auf eine breiteres Klientel. Gelegentlich tropft eine der lieb gewonnenen Veranstaltungen als schwarze Lava auf die Tanzflächen Nordrhein-Westfalens. Denn hier hat sich mittlerweile schwarzer Mainstream breit gemacht, in dem häufig keine Perlen zu hören sind, sondern lediglich musikalisches Fast-Food.

Seit 2011 versucht das TIC in Mülheim wieder einen Rückzugsort für Anhänger der Gothic-, Metal- und Mittelalterszene zu betreiben. Das Konzept scheint zu funktionieren, ein Jahr hat man bereits hinter sich gelassen. Und hier schließt sich der Kreis, denn am kommenden Samstag, dem 5. Januar 2013 sind die Z-Files mit DJ Michael Zöller und DJ Diva, die vielen Zwischenfall-Gästen ein Begriff sind, zu Besuch in Mülheim und wollen längst vergessene Musik wieder in Szene setzen.

Grund genug in Erinnerungen zu schwelgen und sich dem Artikel der ME/Sounds zu widmen, in dem Klaus Märkert auch seine persönliche Top-Ten vorstellt, die euch nicht vorenthalten will. Vielleicht bekommen Besucher des TIC davon am Wochenende etwas auf die Ohren. Den ganzen Artikel lesen… »


26 Dezember

Mode-Tipps 1987: Schwarz ist heiß!

Schwarz ist heissSpätestens Mitte der 80er Jahre hatte sich der Bekleidungsstil der sogenannten “Grufties” als festes Zugehörigkeitsmerkmal etabliert. Die Mischung aus Punks und New Wavern, die zu Beginn des Jahrzehnts eher eine lose Mischung aus Anhänger von Gothic-Rock, Wave und Synthie-Pop bildeten, wurde um den typischen “Gothic” erweitert. Menschen mit blass geschminkten Gesichtern und schwarzer Kleidung, die mit okkulten und religiösen Symbolen in Form von Schmuck und Accessoires bestückt waren, unterschieden sich immer deutlicher von ihren Wurzeln. Die übrige Bevölkerung, die die gewollte Provokation der Punks schon fast gewohnt war, schlussfolgerte lapidar eine weitere Provokation, die sich diesmal gegen ihre Religion, die Kirche und ihre Moralvorstellungen wandte.

So wundert es nicht, dass Medienszenarien, wie “Die Wiederkehr des Teufels” oder “Geht die Jugend zum Teufel?” Mitte der 80er Jahre aufkeimten und schnell für ein Klischee sorgten, das der Szene bis heute anhaftet. Es war also keine bewusste Provokation, sondern eine eher beiläufige. “Dass der Stil den Normalbürger trotzdem schockiert, ist eher als Nebeneffekt anzusehen, denn eine Auseinandersetzung mit Außenstehenden wird in der Regel nicht angestrebt. Tendenziell bevorzugt man die Abgeschiedenheit oder besteht sogar darauf, in Ruhe gelassen zu werden. ” Sowieso kam bis Mitte der 80er niemand auf die Idee, die “Gefahr für die Jugend” als Szene zu begreifen, sondern nur als potentielles Risiko für das Wohl der Kinder. In Deutschland begann die Bravo im März 1986 damit, das Phänomen als Bewegung zu begreifen und titelte “Die Gothics lieben Grüfte“. 1987 ging es dann Schlag auf Schlag. Der Foto-Love-Roman “Ratte macht die Fliege” sorgte unter den Jugendlichen für Aufsehen und ein reges Interesse an der noch jungen Szene. Im November 1987 griff  die Bravo dann die Stilelemente der Gothics und New Waver auf und degradierte sie zur Mode für jedermann.

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14 Dezember

Bravo-Report 1992: Martins schwarze Träume

Martins schwarze TräumeAnfang der 90er herrschen paradiesische Zustände für den geneigten Grufti. In den deutschen Ballungszentren gibt es meist Gleichgesinnte und ein lebendiges Angebot der schwarzer Subkultur. Gothic und Wave liegen im Trend, Mailorder-Händler bieten Szene-Klamotten bereits in einschlägigen Zeitschriften an. Der Fall der Mauer sorgt für eine schwarze Wiedervereinigung und belebt die damals schon totgesagte Szene. 1992 erblickt das Wave-Gothic-Treffen das schummrige Licht der Welt, Gothic war in vieler Munde. Mittlerweile war das Phänomen auch in die entlegensten Winkel der Republik gedrungen, doch wie war das denn damals, als Grufti vom Dorf?

Die Bravo klärt auf und entdeckt den 20-jährigen Kindergärtner Martin: “Ein schwäbisches Dorf: Eine kleine Barockkirche, Bauernhöfe, Geranien auf den Balkonen. Ländlicher Friede. Aber das scheint nur so. Martin, “der Schwarze”, geht die Hauptstraße entlang. Kalkweißes Gesicht, Toupierte Haare, schwarze Kleidung, Schmuck – ein Grufti, ein “Gothic”. Einer, der nun wirklich nicht in diese Dorfidylle passt.” Tagsüber ist Martin Kindergärtner und nachts ein waschechter Grufti? Wie passt das zusammen? Oder erfüllt sich damit wieder ein Klischee, dass Gruftis vornehmlich in sozialen Berufen ihr Unwesen treiben? Was vielleicht auch wieder ein schönes Klischee wäre, schließlich ist das dann doch aktive Verbesserung an einer viel zu kalten Welt. Den ganzen Artikel lesen… »


16 August

Berlin 1984: Depeche Mode singen über Sex

Bravo no.32 - 2. August 1984Darauf habe ich schon lange gewartet. Endlich mal das Wort Sex verwenden. Obwohl, ich habe schon öfter versucht das Wort in subtiler Art und Weise hier unterzubringen, natürlich nur in einem informativen Zusammenhang und ohne die Absicht die Aufmerksamkeit zu erhöhen.  Dieses mal nutze ich gleich noch eine prominente Band, die die Neugier des Lesers einfach wecken muss. Also wer bei “Depeche Mode”, “Sex” und “1984″ nicht hellhörig, neugierig und aufmerksam wird kann nur veklemmt, überinformiert oder gelangweilt sein. Schätze ich.

Im August 1984 (also so ziemlich genau vor 28 Jahren) titelte die Bravo nach Beobachtungen der Band im Berliner Plattenstudio “Depeche Mode singen über Sex”, darunter ein Bild, in dem sich die Bandmitglieder in lasziver Art und Weise einer Frucht bemächtigen. Andy Fletcher beißt wie immer höchst erotisch in einen Apfel, obwohl sein halb geöffneter Mund es nicht wirklich möglich macht, herzaft zuzubeißen. Doch kein Sex? Immerhin hat er sein linke Hand im Schoß versenkt, also doch Sex. Alan Wilder zu seiner linken hat die Erdbeere zwischen den Zähnen, blickt dabei noch unschuldig naiv in die Kamera und suggeriert: Ich bin Sex pur! Die Erdbeere war ja immer schon eine der erotischsten Früchte, nicht umsonst heißt es in einem berühmten Song “Erdbeermund”, der auf ein laszives Gedicht von Paul Zech zurückgeht.

Dave Gahan nimmt sich ebenfalls einen Apfel (könnte auch eine Nektarine sein) zwischen die Zähne, in gewohnt präsentierender Manier. Seine Augen demonstrieren die Leidenschaft für diese Frucht und stellen unter Beweis, dass er zu Recht der Frontmann der Band ist. Der Sex liegt hier sicherlich im T-Shirt verborgen, waren es doch die New York Dolls, die Overknee-Stiefel, hautenge Leggings und Netzhemden für die Glam-Rock-Welt attraktiv machten. Ein ganz schlimmer Finger dieser Gahan! Den ganzen Artikel lesen… »


27 Juli

Der Musik-Convoy – Provinzmusik der 80er

Musik Convoy ScreenshotMusikbegeisterte Jugendliche aus der Provinz hatte es Mitte der 80er Jahre nicht leicht, einzig und allein das Radio war die Verbindung in die große weite Welt der Musik. Man verbrachte Stunden damit, sich seine Musik aus dem Äther zu holen und sie auf liebevoll gestalteten Kassetten zu verewigen. Das Taschengeld wurde selbstlos für Schallplatten geopfert, gelegentlich war sogar ein T-Shirt seiner Idole drin. Die Stars einmal aus nächster Nähe zu erleben scheiterte meist an fehlendem Geld und der Entfernung zum nächsten Auftrittsort.

Das Fernsehprogramm war auch eher dürftig bestückt, am 5. April 1983 brachte die Sendung Formel Eins endlich populäre Musikvideos in die öffentlich rechtlichen Kanäle, von MTV hatte man bereits gehört, zu empfangen war es für die meisten leider nicht. Zu behaupten, das deutsche Fernsehen wäre einfallslos gewesen, wäre dennoch kurzsichtig. Den ganzen Artikel lesen… »


14 Juni

Ohne Worte: Die Eskimos – Fans von The Mission

Die Eskimos - Fans von The Mission

Religiöser Geheimbund in England: “Die härteste Mission-Fan-Gemeinde lebt in England, nennt sich Eskimos und macht in jedem Konzert durch ihren lauten Schlachtruf “Eskimo-os” auf sich aufmerksam. Für die Eskimos sind Waynes Aufrufe zu Liebe, Lebenslust und Befreiung von den Ketten der Gesellschaft so was wie eine religiöse Botschaft.” (Bravo, 1986)


14 Mai

Renaissance der Jahrtausendwende – Party der bleichen Gesichter

Berliner Morgenpost vom November 1999Etwa alle 10 Jahre, so behaupte ich, stirbt die Gothic-Szene, um in fließender Weise ihre Wiederauferstehung zu erleben. Dieser Selbstreinigungsprozess ist die unausweichliche Folge der demografischen Entwicklung innerhalb einer Subkultur. Mit der Jugend interessiert man sich für die “Andersartigkeit”, sucht seine Persönlichkeit, probiert sich aus und rebelliert mitunter gegen das Gewohnte. In der Schule findet man schnell Gleichgesinnte oder erfährt die vielleicht gewollte Ablehnung. Wechselt man von der Schule dann in ein Studium, intensiviert sich manchmal die Beziehung zur Szene, an der Universität wird niemand für sein Äußeres reglementiert. Man wird akzeptiert und erfährt von Gleichgesinnte eine neue Tiefe der Szenezugehörigkeit.

Doch im Laufe der Zeit trifft man auf den ersten Gegenwind. Lehrlinge merken schon viel früher, dass ihre “Andersartigkeit” oftmals ein Stein auf dem Weg zur beruflichen Karriere sein kann, man muss sich auch oft äußerlichen Regeln unterwerfen, um den Job zu bekommen, den man sich erhofft. Studenten erreichen diesen Punkt etwas später, doch der Effekt ist der Gleiche. Es werden Abstriche gemacht, die Freizeit wird eingeschränkt und letztlich stehen auch Themen wie Familienplanung auf dem Programm. Wie wichtig ist das, was man Szenezugehörigkeit nennt? Wie wichtig ist die äußerliche Individualität?

Viele verlassen die Szene und sehen das ganze als “Jugendsünde” an. Ein Artikel in der Berliner Morgenpost vom November 1999 beschreibt dieses Phänomen anhand einer anderen Tatsache sehr deutlich. “Es ist offensichtlich: Die Gruft-Szene bekommt derzeit wieder Zulauf. Bloß wieso? Das hatten wir alles schon mal Anfang der Achtziger. Jetzt plötzlich der große Run auf olle Kamellen? “Große Bands wie Rammstein oder Marilyn Manson haben das Gruft-Feeling wieder salonfähig gemacht. Außerdem charteten eune ganze Reihe Underground-Bands wie etwa Wolfsheim, Project Pitchfork oder Oomph! in der letzten Zeit”, so erklärt sich Non-Tox-Veranstalter und DJ Chris den verstärkten Zulauf, den er dieses Jahr zu verzeichnen hatte.Den ganzen Artikel lesen… »