Die Leipziger Kneipe „Dr. Faustus“, die vor knapp einem Jahr vom ehemaligen Betreiber des „Dark Flower“ in der Strohsack-Passage eröffnet wurde, muss schon wieder schließen. Es gibt wohl Ärger mit dem Kammertheater, das nun ebenfalls in das Gebäude der Passage eingezogen ist. Marko Meyer, der die Kneipe zusammen mit seiner Frau geführt hat, muss einen neuen Standort suchen, um ein Wohnzimmer für die Leipziger Gothic-Szene zu bieten.
Anfang 2025 – Ein neues Gothic-Wohnzimmer
Als „Dr Faustus“ Mitte Januar 2025 die Türen in der Strohsack-Passage öffnete, wirkte vieles wie ein lange überfälliger Lückenschluss: eine kleine, szenige Kneipe mitten im Zentrum, getragen von Vera und Marko Meyer, die mit ihrem Hintergrund aus dem Darkflower genau wussten, welches Publikum sie ansprechen. Die Ausrichtung war klar – Vanitas-Anklänge im Look, Themenabende, DJ-Programm, ein Ort, an dem man sich sieht, hört und austauscht. Eröffnet wurde am 16. Januar 2025, wie das Stadtportal „Ahoi Leipzig“ berichtete.
Die Voraussetzungen schienen günstig. Eine Whisky-Bar war im Dezember zuvor ausgezogen, der Platz war frei geworden, die Lage kaum zentraler zu haben. Allerdings stand unter dem Kneipenraum ein großes Untergeschoss leer – seit dem Abschied eines Kabaretts Ende 2023 – und suchte nach neuer Nutzung. Im Februar kam dort Bewegung hinein: Das „Kammertheater Leipzig“ besichtigte die Flächen und plante dort seinen Neustart und wollte bereits Anfang Oktober sein erstes Stück aufführen. Von außen betrachtet hätte das eine friedliche Nachbarschaft werden können: Bar und Bühne unter einem Dach, das Publikum teilt sich die Wege, die Toiletten, die Wege durch die Passage – zwei Welten, die sich nicht stören müssen, sondern vielleicht sogar ergänzen.
Tatsächlich begann man mit diesem Gedanken im Hinterkopf: gemeinsame Absprachen, die Idee einer Theater-Gastro unter der Hand der Kneipe, kleine Investitionen in die eigene Infrastruktur, um die Perspektive zu verlängern – neue Leitungen für die Zapfanlage, die Dinge, die man nicht sieht, die aber abends am Tresen den Unterschied machen. Doch mit dem Einzug des Theaters verschoben sich die Rahmenbedingungen, wie es bereits im Vorfeld abzusehen war. War die Miete während des Leerstands sehr günstig, sollte sie jetzt an das neue Niveau angepasst werden. „Anfangs war die Rede von 400 Euro mehr, nach Gesprächen von knapp 200 Euro.“, so zitiert die LVZ Marko Meyer.
Im Sommer war die Stimmung schließlich spürbar getrübt. Im August kündigte das Kammertheater überraschend an, die Barfläche künftig selbst nutzen zu wollen. Am 1. September folgte die Kündigung des Eigentümers – „Dr Faustus“ sollte Ende November raus. Zwar verzögerten Formalien den Termin um wenige Wochen; de facto war damit die Entscheidung gefallen: Die Kneipe bleibt bis Ende Dezember, dann ist Schluss. Zwischen den Zeilen stand da mehr als eine nüchterne Frist – es stand der Bruch eines Miteinanders, das kaum begonnen hatte, schon wieder vor dem Ende: unterschiedliche Erwartungen, unterschiedliche Tonlagen, unterschiedliche Pläne für dieselben Räume.
Zur Wahrheit gehört wohl, dass sich offenbar beide Seiten im Verlauf der Diskussionen weiter voneinander entfernten. Die Theatermacher setzten auf einen heiteren, reibungslosen Start ihrer Bühne im Keller und verabschiedeten die Idee einer durch die Kneipe geführten Theater-Gastro; auf der anderen Seite wuchs der Ärger über veränderte Konditionen, über die Rolle des Theaters als Hauptmieter und über Spuren im laufenden Betrieb. Am Ende standen nicht nur ein Kündigungsschreiben, sondern auch Forderungen und formelle Einwände: Wer vermietet eigentlich wem, wer beeinträchtigt, wessen Besitz, und was ist das in Euro wert, wenn Poster hängen, wenn etwas verunreinigt ist, wenn Schilder auftauchen, die nicht abgesprochen wurden?
So bleibt nach knapp einem Jahr ein nüchternes Fazit: „Dr Faustus“ hat sich schnell getragen, wurde gut angenommen und bereicherte Leipzig um einen szenigen Treffpunkt; gleichzeitig haben veränderte Mietbedingungen, Flächenbedarf und ein schwieriges Verhältnis mit den Vermietern den Standort unhaltbar gemacht. Das Kammertheater startet derweil planmäßig, oben wird’s bald dunkel – und die Szene wird sich, wie so oft, einen neuen Ort in Leipzig suchen müssen, an dem der Tresen stimmt, die Musik passt und die Wege kurz sind.
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.



Als ich Anfang Mai eine Bekannte in Leipzig besuchte, wollten wir da eigentlich mal hin, da es vielversprechend klang. Dann erfuhren wir aber, dass es sich dabei um eine Raucherkneipe handelt – ein no go für uns (mit Asthma und anderen gesundheitlichen Einschränkungen). Schade, sonst wäre das sicher ne Location gewesen, die ich bei Besuchen in Leipzig das eine oder andere Mal aufgesucht hätte. Ich drücke den Betreibern natürlich trotzdem die Daumen, dass sich annehmbare, bezahlbare Ersatzräume finden.
Schade, der Laden sah ziemlich vielversprechend aus! Am WGT wollten wir da mal rein, aber wie zu erwarten war es viel zu voll. Hoffentlich findet er wieder was passendes.
Wie kann das sein, nach kaum einem Jahr die Kündigung? Ich kenne das so, dass im gewerblichen Rahmen Verträge über mehrere Jahre gemacht werden, z.B. 5 Jahre. Vertrag ist dann Vertrag an dem beide sich halten müssen. Da kann man nicht einfach kündigen. Komisch das alles. Schade, dass ein Szene-Laden mal wieder weichen muss.
Ich denke, es liegt daran, dass von vorneherein vereinbart wurde, dass die Miete steigen wird oder kann, wenn die Passage nicht mehr „leersteht“ und möglicherweise greift einer Erhöhung ein Sonderkündigungsrecht. Ich glaube jedenfalls, dass man für eine Location einen „ungünstigen“ Mietvertrag ausgehandelt hat. Ist aber nur eine Vermutung.
In Facebook Gruppe Leipzig steht genaueres.
Es ist mühselig die Gruppe zu finden und innerhalb dann den richtigen Faden. Kannst Du das mal zusammen fassen?
Die kleine Kneipe in Leipzig, mit dem alten Personal von der Absintherie, war ein herrlicher Ort, um zu reden, sich zu treffen oder dass Touristen sich doch mal für einen Umtrunk getraut hatten.
Ja, selbst prominenter Besuch war anwesend. Christian von Aster kam nach seiner Lesung des Vampirbuchs mit seinem Gefolge vorbei und verbrachte gerne Stunden dort.
Montags oder innerhalb der Woche bot die Kneipe einen kleinen Halt, falls man sich in seiner Gruftwohnung zu üerdrüssig fühlte.
Kurz und knapp gesagt: „Dr. Faustus“ hat sich zu einem festen Treffpunkt für die Szene entwickelt, der auch touristisch und kulturell ein fester Bestandteil der Stadt zwischen den ganzen Shisha-Bars und Pubs wurde.
Ganz nebenbei manchmal gab es richtiges Glück das nicht geraucht wurde.