Formel Goth: Marc und seine 4 Akzente im modernen Darkwave

In dieser Folge Formel Goth geht es um vier elektronische Projekte, die aktuell in meinem Darkwave-Umfeld für Aufmerksamkeit sorgen. Der Fokus liegt diesmal auf Acts mit weiblichem Gesang und einer eher unterkühlten, melancholischen Grundstimmung.

Die Auswahl ist geografisch breit gefächert und reicht von Berliner Club-Sounds über Musik aus dem belarussischen Exil bis hin zu finnischem Wave. Hier sind die aktuellen Fundstücke für die Playlist:

Dina Summer – Nothing To Hide

Eigentlich schon Anfang 2025 erschienen, wurde das aktuelle Album Girls Gang inklusive aller Bonustracks im Oktober neu aufgelegt. Das Berliner Trio, das bereits mit ihrem Debüt „Rimini“ 2022 für Aufsehen sorgte, bedient sich einer umfangreichen Palette elektronischer Sounds und ihre Musik wird auch über die Grenze der schwarzen Szene hinaus von bekannten DJs wie Charlotte de Witte aufgelegt. Das aktuelle Album enthält viele tolle Titel. Als Anspieltipps sind zum Beispiel Schall und Rauch oder Promise Me zu nennen. Stellvertretend wird Nothing To Hide vorgestellt – ein Stück über unendliche währende Liebe, welche die Grenzen des Todes überwindet. Romantisches Grufti-Herz, was könntest du mehr begehren?

Dlina Volny – Never The Same

Dlina Volny ist belarussisch (früher weißrussisch) und bedeutet so viel wie Wellenlänge – ein nahezu perfekter Name für eine Band im elektronisch geprägten Darkwave-Umfeld. Das Trio stammt aus Minsk und hat das Projekt im Jahr 2016 aus der Taufe gehoben. Aleš Šišlo zeichnet für Keyboards, Elektronik und Percussion verantwortlich und wird auf der instrumentalen Seite durch Vad Mikutski ergänzt – er übernimmt Gitarre und Bass. Die Vocals, über denen eine ordentliche Portion Melancholie schwebt, übernimmt Masha Zinkevich.

Aufgrund der politischen Lage produziert die Band ihre Musik aktuell aus dem Exil heraus. Wie das Internet verrät, legen sie während der Produktion den Schwerpunkt auf Melodie und Stimmung – der Text folgt später. Never The Same befindet sich auf dem neuesten Album der Band. Weitere Anspieltipps sind Follow Me und der Titel, der dem Album seinen Titel gibt: In Between.

Stridulum – ШРАМИ/SHRAMY (feat. Blood Tears After)

Auch der nächste Act ist im Ostblock beheimatet, jedenfalls ursprünglich. Das Projekt Stridulum wurde 2019 von den beiden polnischen Musikern Marita Volodina (Gesang und Text) und Arkadiy Berg (Musik) gegründet. Neben den zwei Alben hat die Band bereits einige Singles veröffentlicht. Mangelnde Arbeitsmoral kann man den beiden daher nicht vorwerfen. Die letzte Single hat im August das Licht der Welt erblicken dürfen und hört auf den kryptischen Namen ШРАМИ/SHRAMY. Das ukrainische Wort für Narben wurde hier ganz bewusst gewählt, da Stridulum für diesen Track mit dem ukrainischen Projekt Blood Tears After (Oleksandr Syrovatko) zusammengearbeitet hat.

Das Wort steht im übertragenen Sinn für eine Vergangenheit, die seelische Verletzungen hinterlassen hat. Gleichzeitig beinhaltet es das Verarbeiten der Erfahrungen – Überleben und weitermachen. Dargeboten wird der im Kontrast schwere Text als poppig angehauchter Darkwave mit weiblichem Gesang – eine aus meiner Sicht nahezu unwiderstehliche Kombination.

Suzi Sabotage – She Demon

Suzi Sabotage ist keine Unbekannte in der Szene. Rund 17.000 Follower bei Instagram sprechen eine deutliche Sprache. Auch wenn ihr musikalischer Output in den letzten Jahren quantitativ recht übersichtlich war, empfand ich jede Veröffentlichung als einen Volltreffer. Neben dem hier vorgestellten She-Demon kann ich noch den Titel Love At First Bite empfehlen – eine super-süße Nummer. Die finnische Künstlerin scheut sich nicht davor, in Interviews ihren politischen Standpunkt klar zu kommunizieren, und versucht gezielt, die Oberflächlichkeit moderner Musikproduktion zu durchbrechen. Ihr Song Nazi Goths Fuck Off ist ein recht bekanntes Beispiel – wobei mir persönlich das Konzept des Nazi-Gruftis inhärent zu widersprechen scheint.

1998 in die Szene eingestiegen. Die folgenden Jahre habe ich intensiv Veranstaltungen und Konzerte besucht. 2017 habe ich eine Familie gegründet - keine Musik, keine Veranstaltungen, keine Konzerte, keine Festivals, keine eigenen Gedanken. Jetzt kehre ich endlich wieder zurück vor die Bühne.

Ähnliche Artikel

Kommentare

Kommentare abonnieren?
Benachrichtigung
guest
15 Kommentare
älteste
neuste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Maren
Maren(@maren)
Vor 1 Monat

Dankeschön für Deine Formel Goth Edition, Marc! Ich finde diese Auswahl insgesamt gut tanzbar und geeignet für die nächste schwarze Party ;). Besonders gefallen hat mir da She-Demon. Geht gleich in die Beine. Bei Stridulum hat die Stimme der Sängerin dem Song die passende düstere Note gegeben. Lädt ebenfalls zum Tanzen ein. Gute Idee den Focus einmal auf Darkwave mit weiblichem Gesang zu legen!

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Maren
graveyardqueen
graveyardqueen(@graveyardqueen)
Antwort an  Maren
Vor 1 Monat

Das klingt bald als wäre bei Robert und mir der weibliche Gesang bisher zu kurz gekommen?! Dlina Volny hatte ich auch schon drin, neben vielen anderen…

Maren
Maren(@maren)
Antwort an  graveyardqueen
Vor 1 Monat

Das habe ich weder gesagt noch gemeint. Für mich steht jeder Beitrag hier einzeln für sich. Das heißt, es geht mir nur um diesen Beitrag und was mir daran gefallen hat, bzw. was mir aufgefallen ist. Das hat natürlich auch mit meiner persönlichen Wahrnehmung zu tun, wofür ich gerade im Moment des Hörens empfänglich bin. Mal ist der Focus eben auf melancholisch verträumt, mal auf Energie geladen, ebenso wie auf unterschiedlichen Künstlern. Wenn ich also hier schreibe, was ich als gute Idee empfinde, hat das gar nichts damit zu tun, was ich in anderen Beiträgen vermisst haben könnte. Die anderen Beiträge wie zum Beispiel deine ebenfalls sehr schönen Formel Goth Beiträge nehme ich gesondert wahr und sage ebenfalls, was mich daran besonders angesprochen hat. Und natürlich fällt mir dabei nie alles auf. Wenn ich wirklich meinen würde, dass zu einem Beitrag etwas unbedingt ergänzt werden müsste, würde ich das direkt darunter in einen Kommentar schreiben. Wenn ich meinen würde, dass generell etwas zu kurz kommen würde, stünde es mir ja frei einen Text dazu zu schreiben.

graveyardqueen
graveyardqueen(@graveyardqueen)
Antwort an  Maren
Vor 1 Monat

Für mich ist Formel Goth gleich Formel Goth. Dass du da differenzierst weiß ich ja nicht. Daher die Frage 🤷🏼‍♀️
Und ja…hätte ja sein können, dass irgendwas als zu viel oder wenig empfunden wurde.

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von graveyardqueen
Robert
Robert(@robert-forst)
Antwort an  graveyardqueen
Vor 1 Monat

Ich habe nie bewusst unterschieden. Schon gar nicht geschlechtlich. Allerdings zeigt eine tiefgreifende Analyse meiner Hörgewohnheiten, dass ich eher weibliche Sänger bevorzuge. Meine ewige Top100 ist jedenfalls zu 72% weiblich. Daher weise ich diese Einschätzung entschieden zurück :-)

graveyardqueen
graveyardqueen(@graveyardqueen)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Wenn du so gut bist und mir jetzt noch verrät’s was ICH falsch eingeschätzt haben soll, wäre ich dir sehr dankbar! 🤷🏼‍♀️

Marquis
Marquis(@marquis)
Vor 1 Monat

Lieben Dank Marc für Deine Formel Goth! Die Songs gefallen mir sehr gut und ich mag gerne Frauenstimmen.

Black Alice
Black Alice(@blackalice)
Vor 1 Monat

Ah… Heute was für das alte Tanzbein. Gefällt.

Timper
Timper (@guest_67813)
Vor 1 Monat

Danke für die interessanten Vorstellungen. Alle sind auf ihre Art interessant.
Was ich besonders gut finde, ist Stridulum.
Hier ein schönes Video:
https://www.youtube.com/watch?v=2NmdKfEmaEA&list=RD2NmdKfEmaEA&start_radio=1

Marquis
Marquis(@marquis)
Antwort an  Marc
Vor 1 Monat

Gefällt sehr!

Durante
Durante(@durante)
Vor 1 Monat

Danke für diese schöne Zusammenstellung – Gefällt mir persönlich dieses mal ausnahmslos alles! :)
Zu meiner eigenen Überraschung finde ich den Song von Suzi hier sogar am schwächsten (im Vergleich wohlgemerkt), wobei ich sie eigentlich generell sehr schätze, aber „She-Demon“ zündet bei mir nicht soooo sehr wie ich es erwartet hätte…

Ihr Song Nazi Goths Fuck Off ist ein recht bekanntes Beispiel – wobei mir persönlich das Konzept des Nazi-Gruftis inhärent zu widersprechen scheint.

Oh ja der Song ist klasse – Und dieses Konzept erscheint nicht nur dir völlig widersprüchlich und absurd, aber leider gilt auch hier: „Es gibt nichts das es nicht gibt“ wie man so sagt. Der reine Konsum von z.B. Musik (oder auch Büchern/Filmen/Serien/…) sagt halt leider noch gar nichts über Verständnis und Reflektionsfähigkeit aus (das wurde mir damals endgültig bewusst als ich allen ernstes einem rassistischen Star Trek-Fan begegnet bin *seufz* , die Kombination ergibt ja ebenfalls nicht den geringsten Sinn…).

PS: Ob männlich oder weiblich, unterkühlter Gesang und tiefe Stimmen sind imho einfach grundsätzlich gut! ^^

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Durante

WGT 2026

Alle Informationen und Artikel über das 33. Wave-Gotik-Treffen 2026

Diskussion

Entdecken

Friedhöfe

Umfangreiche Galerien historischer Ruhestätten aus aller Welt

Dunkeltanz

Schwarze Clubs und Gothic-Partys nach Postleitzahlen sortiert

Gothic Friday

Leser schrieben 2011 und 2016 in jedem Monat zu einem anderen Thema