Internationale Popularität, Orientierung am Erfolg, Extrovertiertheit – all das macht deutlich: Der österreichische Superstar Falco passt eigentlich nicht zur schwarzen Szene, auch musikalisch nicht. Und doch gab es da diesen einen Bruchpunkt. Während die übrige Welt nach Glitzer und Hits suchte, suchte ich nach etwas, das tiefer ging. Falco war für mich kein bloßes Pop-Phänomen, er hat mir ziemlich früh einen entscheidenden Baustein für meine ganz persönliche dunkle DNA geliefert.
Was passiert, wenn die eigene Suche nach dem Verborgenen plötzlich in den Charts stattfindet? Wenn ein einziger Song im Radio zum Riss in der bürgerlichen Fassade wird? Es ist die Geschichte meines jugendlichen Kulturkampfes, eines verstörenden Kopfkinos und der Erkenntnis, dass die wahre Dunkelheit oft dort beginnt, wo die Musik am schönsten klingt.
40 Jahre zurück
Januar 1986. Mein damals 14-Jähriges Ich rebelliert oft gegen den häuslichen Erziehungs- und Ordnungsdienst, gegen eine Mathematiklehrerin, die angesichts des drohenden weltweiten Thermonuklearkrieges tatsächlich glaubt, binomische Formeln seien in dieser Situation das Wichtigste für uns, gegen die Teilnahme am Konfirmandenunterricht, von dem mir meine Mutter als dem wöchentlichen Highlight ihrer Jugend vorschwärmt und gegen Modern Talking.
Musikalisch befinde ich mich in einer Orientierungsphase, zwischen indigenen Trommeln und Hitparade, wobei es da wenig gab, was mich tatsächlich berührte.
Gruseliges Kopfkino beim Radiohören
Da dringen eines Sonntagsabends sanfte, melancholische Klavierklänge aus dem Lautsprecher meines Radios, untermalt von einem Regeneffekt. Wie ich das liebe! Sofort werde ich in die Welt dieses Songs hineingezogen. Eine sanfte, jedoch besorgte Männerstimme beginnt zu sprechen:
Jeanny komm, come on. Steh auf bitte. Du wirst ganz nass!
Für mich steht fest: Der Mann und die junge Frau sind geflohen aus einem provinziellen Wohlfühleintopf gebraut aus den Zutaten Sportverein, kirchliche Jugendgruppe und allem, woran Individualität und Unabhängigkeit sonst noch so zu ersticken droht. Der Wald – ursprünglicher Zufluchtsort des Paares – wirkt bei der aufkommenden Dunkelheit und den schwierigen Witterungsverhältnissen auf einmal düster und bedrohlich, was den Mann in Panik geraten lässt – Panik, vor den lauernden Gefahren an diesem unheimlichen Ort, Panik, dass sie beide das einzige verlieren könnten, was sie haben: ihre Bindung zueinander. Vergeblich um Kontrolle bemüht, kann der Sprecher jedoch nicht mehr verhindern, dass sich die Panik in ihm ihren Weg bahnt: „Wer hat verloren: Du dich? Ich mich? Oder – oder wir uns?“
Diese Angst vor Einsamkeit wird auch im Refrain für mich spürbar: „Such a lonely little girl in a cold, cold world. There‘s someone who needs you.“

Dann kommt es zu einer Wendung in der zweiten Strophe, die meinem melancholischen Romantiktrip ein jähes Ende bereitet. Der besorgte, mitfühlende Ton in der Männerstimme verändert sich, wird lauernd, tückisch:
„Dein Lippenstift ist verwischt. Du hast ihn gekauft, und ich habe es gesehen. Zuviel Rot auf deinen Lippen und du hast gesagt: Mach mich nicht an! ...“ Mein naives Teeniehirn ist verwirrt, und es dämmert mir dennoch: Hier stimmt etwas ganz und gar nicht mehr. Die wahre Bedrohung für die junge Frau verbirgt sich nicht im dunklen Dickicht des Waldes, sondern geht von ihrem vermeintlichen Freund und Beschützer aus. Dieser entpuppt sich zunehmend als unter Realitätsverlust leidender, Besessener, den die Abfuhr, die er vom Objekt seiner Obsessionen erhält, zornig macht. Seine Aggression kulminiert in den Worten:
„Jetzt hör ich sie, sie kommen. Sie kommen dich zu holen, sie werden dich nicht finden, niemand wird dich finden. Du bist bei mir!“
In Gedanken sehe ich ein Messer in seiner Hand aufblitzen. Kommt es zum Mord? Diese Mutmaßung wird auf jeden Fall durch den Nachrichtensprecher, der darauf in den Song eingeblendet wird, bestärkt. Im darauffolgenden Refrain wird Jeannys Name geradezu in die Dunkelheit hinausgeschrien. Ist es der Zorn darüber, dass sie ihn verlassen hat? Ist es Verzweiflung darüber, dass er sie verloren hat? Ist es Reue über die Tat? Mir läuft es eiskalt den Rücken hinunter und ich bin entsetzt über den Ausgang der Geschichte. Gleichzeitig bin ich aber auch fasziniert von der Wandlung, die das lyrische Ich in diesem Song vollzieht und dem Abgrund von Wahnsinn und Morbidität, der sich dabei auftut.
Das Video zu dem Song mit Anspielungen auf Hitchcocks „Psycho“ sollte ich erst wesentlich später zu sehen bekommen. Aber für mein eigenes Kopfkino waren Musik und Text ausreichend.
Die Entrüstung der Heuchler
Dass „Jeanny“ an einem Tabu kratzte, war mir instinktiv sofort bewusst.
Nun, es zogen einige Wochen ins Land zwischen dem Erscheinen des Songs und dem medialen Paukenschlag, der den elterlichen Erziehungs- und Ordnungsdienst auf den Plan rief. Dieser erfolgte dann am 14.01.1986 im heute-journal durch Dieter Kronzucker, der in dem Song die Verherrlichung eines Sexualmordes sah. Eltern und Medien hatten nun Stoff zur gemeinsamen Empörung. Etliche Radiosender erhoben sich plötzlich zur moralischen Instanz und boykottierten den Song, womit sie Falco einen Riesengefallen taten: Die Verkaufszahlen der Single schossen in die Höhe. Zu einer Indizierung von „Jeanny“ kam es nicht. Dies hätte auch jeder Grundlage entbehrt, da Gewalt weder in dem Song beschrieben wird noch in dem Video zu sehen ist.
Ich empfand diesen ganzen Aufruhr als zutiefst heuchlerisch. Mit einer Freundin zusammen verfasste ich ein mehrseitiges Pamphlet gegen die mediale und pädagogische Doppelmoral, denn niemand störte sich an den Morden im Freitagskrimi oder den Berichten über reale Verbrechen in Aktenzeichen XY ungelöst. Niemand hatte Skrupel unsere empfindsamen Teenieseelen mit Gewalt und Verbrechen (auch gegen Frauen) zu konfrontieren, wenn das Ganze beispielsweise von Goethe in süßlich-kitschige klingende Worthülsen verpackt worden war: „Sah ein Knab ein Röslein stehn“.
Dabei kam uns zupass, dass Falco nun selbst mit der Botschaft „Jeanny lebt“ an die Öffentlichkeit trat und eine Fortsetzung der Geschichte ankündigte, die dann später mit „Coming Home“ auch erfolgte. Und natürlich prangte der „Jeanny lebt“-Sticker auch an unseren Zimmertüren. Dass diese Wendung nicht meinem eigenen, ursprünglichen Kopfkino beim Hören des Songs entsprach, ignorierte ich dabei gekonnt, denn es galt die eigene Musik mit allen Mitteln zu verteidigen, gegen verbündete Ordnungsdienste, die ja im Kampf gegen unsere vermeintliche Verkommenheit auch schwere Geschütze auffuhren: Vom Fernsehverbot bis zur Drohung mit dem Fegefeuer! Ich zeichnete sogar ein Comic zu „Jeanny“. Leider sind die Zeugnisse dieses jugendlichen Kulturkampfes verloren gegangen, aber die Erinnerung daran ist wachgeblieben.
Und heute?
Inzwischen kann ich die damalige Erregung von Herrn Kronzucker besser verstehen. Durch die Entführung seiner beiden Töchter hatte der Song „Jeanny“ mit seinen geschickt implizierten Deutungsmöglichkeiten besonderes Trigger Potential. Und ja, die Vorstellung, dass mein Kind nicht nach Hause kommt, ist auch für mich eine der schlimmsten Horrorvorstellungen überhaupt. Dennoch bleibe ich dabei: Die Entrüstung in den Medien war völlig überzogen und zeugte von einer Doppelmoral im Umgang mit Kunst.
Genau das ist der von Kronzucker und anderen als Schlager diffamierte Song für mich tatsächlich: Kunst – obskur, verstörend, abgründig. Und nachdem ich jetzt das Video mehrfach angesehen habe, nimmt Geschichte in meinem Kopf eine erneute Wendung, wird noch finsterer, und ich komme zu dem Schluss: Niemand kann Jeanny töten. Sie ist unsterblich.




Der Song ist auf meiner ersten richtigen Musikcasette drauf, die ich heute noch habe (siehe bitte Anhang). Mir ging es beim hören, es könnte 1984 gewesen sein, ähnlich. Ich verstand den Text falsch, konnte ihn nicht recht deuten usw. Auch kann ich mich an die Aufregung bei der Veröffentlichung erinnern.
War das nicht nach einer Formel Eins Sendung?
Den Song, wie auch viele weitere mehr von Hans Hölzel finde ich heute noch gut und höre sie manchmal noch, obwohl überhaupt nicht mein Musikgenre.
Falco mochte ich, er war anders, er war cool, er war unangepasst und gut gekleidet.
“ Denn wer den Walzer richtig tritt, der is auch für den Abgang fit!“ :-)
Vielen lieben Dank Maren für Deinen Artikel.
Ich habe den Song nie für mich gewinnen können und habe ihn auch nie Szene nah verstanden.
Im Gegensatz dazu gab es „Komm großer schwarzer Vogel“ von Ludwig Hirsch, Anno Domini 1979. Viele Radiostationen haben sich geweigert den Song zu spielen. Der ORF hat festgestellt, dass immer wenn dieser Song ausgestrahlt wurde, die Selbstmordrate hoch ging und hat sich dann auch geweigert diesen zu spielen. Hat ne Weile gedauert bis sich das gelegt hat und es im Radion wieder großflächig zu hören war. Diesen konnte ich damals sogar ganz gut mit der schwarzen Szene verbinden, auch wenn es nicht so mein Geschmack war. Aber Jenny? Irgend wie nicht. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass ich damals den rappenden Falco nicht mochte.
Vielen Dank für den Artikel. Falco hat mich auch eine Zeitlang beschäftigt. So viele Höhe- und Tiefpunkte in einem Leben versammelt.
Eine interessante Persönlichkeit, der es leider nicht vergönnt war, besonders alt zu werden. Meine Musik war es nie, womit ich aber nicht ausdrücken möchte, dass sie „schlecht“ ist. War nur einfach nicht mein Ding. Ich habe zu dieser Zeit mit deutschsprachigem Material generell gefremdelt. Gab zwar schon Ausnahmen wie zum Beispiel Xmal Deutschland, Joachim Witt oder Grauzone. Aber großmaßstäblich hat es bei mir noch einige Zeit gedauert… 😄
Vielen Dank für Euer Interesse und Eure Kommentare!
„Falco mochte ich, er war anders, er war cool, er war unangepasst und gut gekleidet.“
Jeanny (und andere Songs) hatte ich am Anfang nur auf selbst aufgenommenen Kassetten. Das Album, das Du auf Kassette hast, hat dann mein Partner zur gemeinsamen Musiksammlung beigetragen. Da ich viel österreichisches Radio hörte, wo der Song Wochen vor der Aufregung in Deutschland erschienen war, hatte ich erstmal viel Ruhe für meine eigenen Gedanken. Meiner Erinnerung nach ging die Empörung tatsächlich nach besagter Sendung des Heute-Journals los. Konsequenz: Fernsehverbot zur Sendezeit von Formel eins.
Ich finde es interessant wie andere zu Künstlern stehen. Man muss, nur weil man einer bestimmten Szene angehört, nicht verbissen alles außerhalb der eigenen Szene ablehnen. Ich habe heute meinen Frieden mit vielen Genres und Künstlern geschlossen. Damals, als man noch jung war, da war man noch wesentlich dogmatischer als heute, wo nun die Altersmilde ihren Tribut verlangt. Aber damals mochte ich Rapp grundsätzlich nicht. Mit der Zeit habe ich aber durchaus so einige Rapp Sachen zu schätzen gelernt, aber nicht alles und auch nicht grundsätzlich. Deutschen Rapp finde ich heute noch extrem langweilig. Falco gehört für mich heute zur nostalgischen Vergangenheit. Ja auch ich schalte bei Falco nicht ab wenn ich ihn heute höre, im Gegensatz zu damals.
Dein Artikel hier hat mich aber auch dazu angeregt mal darüber nachzudenken, wie sich meine Hörgewohnheit im Laufe der Jahrzehnte so verändert hat. In diesen Jahrzehnten gab es ja extrem viel in der Musikgeschichte. Wobei die letzten 20 Jahre wieder an Fahrt abgenommen haben, aber ich hoffe ja noch an eine neue Musikrevolution die ich noch erleben kann…
Von daher gerne mehr solcher Artikel.
Falco fand ich schon immer cool. Vielleicht gerade weil er so unangepasst war und eine gewisse Wiener Arroganz ausstrahlte. Einige Songs von ihm höre ich schon ganz gern. Es ist mir dabei ziemlich egal, ob das szenekompatibel ist oder nicht. Ist wahrscheinlich bei Prodigy genauso. Mag ich auch ganz gern.
Danke, Maren, für den Bericht.
Danke für Deine Rückmeldung! Mit der Wiener Arroganz, die du ansprichst, hast du meiner Meinung nach auch einen entscheidenden Punkt getroffen. Mir gefällt, wie er sich damit in manchen Interviews gegen als Fragen getarnte Attacken von manchen Leuten behauptet hat.
Endlich hatte ich Zeit für deinen Artikel und er hat mich sogleich zurück versetzt in der Zeit. Auch an unserer Schule gab es Diskussionen und Leute, die das Lied gut fanden, wurden schon mit Fragezeichen betrachtet.
Der ganze Aufruhr war tatsächlich überzogen, da war viel negative Presse am Werk. Wobei Kronzucker wirklich zu verstehen ist. Verschwundene Kinder sind auch mein Horror.
Es ist immer schwierig, den Grat zwischen Geschmacklosigkeit und Kunst zu wahren. Und es kommt ja schon auch auf die „Konsumenten“ und ihre Interpretation an. Eigene Seh-/Hör-/Denkgewohnheiten spielen so eine große Rolle. Gute Kunst bietet viele Denk-/Diskussionsanstöße und lässt einen bestenfalls eigene eingefahrene Denk-und Wahrnehmungsweisen mal hinterfragen. Falco hatte da sicher gekonnt provoziert.
„Every breath you take“ von The Police kommt mir dazu in den Sinn, es ist da ja etwas subtiler im Text, aber der Erzähler ist ein Besessener, ein Stalker. Nachdem mir das irgendwann mal bei besseren Englischkenntnissen klar wurde, ist es mir ein wenig kalt den Rücken runtergelaufen. Trotzdem mag ich das Lied sehr. Ich kann allerdings nicht erinnern, ob es da auch so einen Aufruhr gab.
Falco fand ich damals eher schrecklich.
Heutzutage habe ich eine Familie von textsicheren Falcofans, man kann sich vorstellen, was auf unserem Urlaub in Wien so lief ;-).
Maren, danke für diese kurze Zeitreise!
Danke Dir fürs Mitkommen in die Vergangenheit! Wie ich ja auch gesagt habe: Aus heutiger Sicht kann ich Herrn Kronzucker verstehen und bin froh, dass für ihn und seine Töchter damals alles gut ausgegangen ist. Aber andere sind eben sofort auf den Zug der Entrüstung aufgesprungen. Du greifst da ein Argument auf, dass auch meine Freundin und ich in unserer Verteidigungsschrift angeführt haben: „Die Konsumenten und ihre Interpretation“. Auch wenn nämlich im Song ein Verbrechen impliziert wird, ist die Geschichte keinesfalls eindeutig und wird es auch nicht durch das Video. Ein weiteres Argument unsererseits war, dass wenn der Song von einem Verbrechen handelt, dieses nicht verherrlicht wird sondern der naive Zuhörer die Gelegenheit hat, in einen Abgrund zu schauen und dann etwas weniger naiv durch die reale Welt geht („Jeanny, quit living on dreams…“). Wir hielten diese Bewusstseinsveränderung durchaus für erstrebenswert.
Den Text von „Every breath you take“ habe ich gerade mal angeschaut (The Police spielten bis auf „Message in a bottle“ bei mir mehr im Hintergrund.) Ja, das geht in dieselbe Richtung, setzt nur zu einem früheren Zeitpunkt der Entwicklung der Obsession bei dem lyrischen ich an.
Du hast Recht mit der Gratwanderung zwischen Kunst und Geschmacklosigkeit. Aber Kunst, die nur die hellen Seiten des Lebens zeigt, läuft meiner Meinung nach Gefahr, zu Kitsch zu geraten.
Stimmt absolut! Kunst sollte nie nur das schöne im Leben spiegeln. Sie ist ein sehr geeignetes Medium, um Diskussionen anzustoßen, Augen zu öffnen.
Kitsch, das ist ja wieder so eine Sache. Ich finde, es gibt da solchen und solchen. So richtig guter Kitsch kann ja auch überspitzt Dinge aufzeigen. Es ist halt oft eine schlimme Sachen für die Augen ;-)
Bei Police gab es diese Aufregung definitiv nicht. Ich hatte damals einen Freund, der hat alles von Police rauf und runter gehört.
Aber ich denke, das liegt einfach daran, dass es ein englischer Text war und man nicht so genau darauf achtet was auf englisch gesungen wird. Da gab/gibt es jede Menge Kracher in englischen Titeln, die auf Deutsch auf jeden Fall zu Verstimmung geführt hätte, zumindest damals. Bei Falco war es erst mal der Text auf Deutsch und natürlich seine Prominenz. Bei prominenten Musikern wird immer gleich alles aufgebauscht.
Bei meinem Beispiel von Ludwig Hirsch gab es eigentlich auch keine große Welle der Empörung. Es waren eher die Moralapostel der Radiostationen, die sich verweigert haben. Kann man sich heute kaum vorstellen, wie verklemmt Entscheidungsträger damals noch waren. Von der Presse her habe ich kaum was vernommen. Zumindest kann ich mich nicht mehr daran erinnern, also kann es nicht so dramatisch gewesen sein. Wir fanden es damals sogar ganz witzig wie sich diese scheinheiligen Typen so aufgeführt haben und haben die Platte erst recht gekauft, also meine Generation, nicht ich selber. Im Gegensatz zu Ludwig Hirsch war Falco ein Superstar auf dem sich die Yellow Press nur so gestürzt hat und versucht hat aus allem ein Skandal zu machen was Geld gebracht hat. Falco war ein wirklich tragischer Fall, der im Gegensatz zu anderen Künstlern, damit nicht zurecht kam.
Danke für deine Info zu Police! Und das stimmt total, englische Texte haben definitiv den Vorteil /Nachteil, dass man sie oft nicht versteht. Ich bin da auch schon in den letzten Jahren auf Inhalte gestoßen, die ich manchmal wirklich abstoßend fand und dann das Lied auch nicht mehr hören wollte. Das ging über eine innere Grenze von mir drüber, wenn was sehr explizit versprachlicht wurde, wie Vergewaltigung. Kann man sicher drüber streiten. Ich glaube, jeder hat so eine innere Grenze.
Allerdings finde ich, dass man das dann auch als seine eigene Grenze begreifen muss und nicht für andere sprechen kann.
Das finde ich an all diesen Moralaposteln so fürchterlich!
Da wird dann jemand in der Öffentlichkeit abgekanzelt oder in letzter Zeit gerne „gecancelt“, nur weil einige meinen, für alle sprechen zu können.
Ich bin ja sehr für sachliche Diskussionen.
Mit Fokus auf Darstellung und Auseinanderhalten von Fakten und Meinung.
Es ist ja eigentlich heutzutage wirklich schon alles viel weiter.
Leider versuchen ja einige Leute in der Politik da gerade ein paar Rückschritte.
Aber dass ist nochmal eine andere Diskussion.
https://youtu.be/VtaqSzmGjOY?si=g-cxfCjqme_RA6Za
Das ist eine sehr hörenswerte Folge von Tim Hoffmanns „Nadel verpflichtet“, in der er sich mit den Grenzen von Kunst auseinandersetzt und mit dem Umgang mit umstrittenen Alben und umstrittenen Künstlern. Dabei hält er weder eine rigorose Canceculture noch ein unreflektiertes „Geile Mucke“ für angebracht. Er geht da in eine ähnliche Richtung wie du, Eldlilja: Jeder muss da die eigenen Grenzen festlegen. Das für alle anderen tun zu wollen, halte ich wie du für fürchterlich. Und wie wir damals im Falle von „Jeanny“ zeigen wollten, auch für verlogen.