Dass das Interesse abgenommen hat, ist auch eine völlig natürliche Entwicklung. „Print“, wie man so schön sagt, ist ja seit Jahren auf dem absteigenden Ast – letztendlich macht dieser Trend auch vor dem Magazin nicht Halt. Weiterhin hat sich die Diskussionskultur nachhaltig und dauerhaft verändert.
Damit sprichst du meiner unmaßgeblichen Meinung nach einen extrem wichtigen Punkt an. Wenn wir uns das Problem mit der Interaktion zu Artikeln anschauen, dann können wir Spontis nicht isoliert betrachten. Da spielen meiner Meinung nach strukturelle Veränderungen in der Gesellschaft eine zu große Rolle um sie einfach so bei Seite zu schieben.
Schon vor Corona war das Interesse an Printmedien sowie die Diskussionskultur meiner Meinung nach auf einem absteigenden Ast. Die Verkaufszahlen haben dies ja selbst bei durchaus seriösen Blättern belegt. Neben dieser Veränderung im reinen Konsumverhalten zeichnete sich aber auch der von dir angesprochene Abstieg der Debattenkultur und die Art wie miteinander gestritten wurde ab. Eine gesunde Streitkultur gehörte für mich genauso sehr zum Diskurs wie ein respektvoller Umgang. Da wo viele Menschen aufeinander treffen, da unterscheiden sich auf Kurz oder lang nun mal die Standpunkte und Ansichten. Doch spätestens seit Corona hat sich dieser konstruktive Streit mehrheitlich in ein gegenseitiges Niederbrüllen, das Herumwerfen irgendwelcher Buzzwords sowie das absichtliche! falsch verstehen des Gegenübers verwandelt. – Das auszuhalten ohne dabei irre zu werden, sich abzukapseln oder selbst in Zynismus abzudriften ist schwierig geworden, finde ich. Meine eigene Haltung, mich dabei so gut es geht abzugrenzen und meine Laune und Motivation generell nicht mehr so sehr von Kommentaren abhängig zu machen kommt schließlich auch nicht von ungefähr 😉
Ich bin mir unschlüssig, welche „Änderungen am Konzept“ daran etwas ändern könnten?
Da bin ich offen gesagt selbst ein zu großer Pessimist, als dass ich wirklich davon überzeugt bin dass man mit einer Konzeptänderung etwas bewirken könnte. Wie gesagt haben wir es meiner unmaßgeblichen Meinung nach mit einer größeren und strukturellen Veränderung im Konsumverhalten und der Diskussionskultur der Gesellschaft zu tun und die werden wir nicht allein bei Spontis geändert bekommen. Wenn die Leser nicht kommentieren wollen, dann wird kein noch so guter Artikel daran etwas ändern. Zumindest nicht in einem konstruktiv positiven Sinne. Von daher wäre meine Herangehensweise wohl eher: Weitermachen, sich über das freuen was an schönen Reaktionen kommt und sich nicht davon abhängig machen, was (momentan) leider nicht rein kommt.
Auch hier stammt mein Pessimismus nicht allein aus meinem Inneren heraus, denn ich sehe eben was aktuell noch am meisten Reaktionen in den Kommentarbereichen selbst bei den Mainstreamkanälen hervorruft: Möglichst strittige bis kontroverse Themen und Aussagen, bei dem die Leserschaft dem Verfasser oder sich gegenseitig ins Genick springen kann, völlig unabhängig von der Motivation der jeweiligen Seite. Dazu muss ich noch nicht einmal Seuchenkessel wie X (ehemals Twitter) oder so besuchen, da genügt mir oftmals schon ein Blick in die Kommentarspalten von eigentlich seriösen Plattformen. Mein innerer Misanthrop würde hier von typischen Triggerthemen sprechen, an denen sich das Reptiliengehirn so richtig schön reiben kann.
Ich hoffe inständig, dass du nie in die Versuchung kommen wirst nur für den Erhalt des Spontismagazines auf so eine Veränderung zurück zu greifen. Auch wenn ich mir (leider!!!) ziemlich sicher bin dass sich das Interaktionsverhalten schlagartig ändern würde, wenn du (nur mal für Spaß gedacht) einfach mal Krawall mit einem größeren Szenenamen starten würdest.