Tunnel Of Terror - Saint Paul (USA)

Unser Ausflug in die Tunnel Of Terror

Im Schutze der Dämmerung machten wir uns auf den Weg zu einem abgelegenen Gebiet in der Nähe des Flusses, um unsere Erkundung für den Abend zu beginnen. Der Schnee knirschte unter unseren Schuhen, als wir uns einen Weg durch hohes, totes Gras bahnten, bis wir einen einsamen Deckel im Boden erreichten. Mein Freund zog den Deckel des Gullis beiseite und gab den Blick auf die darunter liegenden Schattenwelt frei. Langsam kletterten wir hinunter und landeten auf einer massiven Eisplatte, die abschüssig und direkt zum Fluss führend ideal war, um überschüssiges Wasser und unerwünschte Besucher effektiv abzuleiten. Es war ein ziemlich wagemutiges Manöver, den Vorsprung bis zu den Abwasserkanälen zu erreichen und erforderte viel Vorsicht und einen präzisen Tritt. Ich hatte ganz schön Angst davor, durch solche Kanäle zu waten, aber mein Freund versicherte mir, meine latente Klaustrophobie würde sich in Grenzen halten. Tatsächlich boten die weitläufigen Gänge genügend Platz und Sicherheit, um weiter ins Unbekannte zu gehen. Meine Erleichterung war jedoch nur von kurzer Dauer, als wir zu einer kleinen bröckelnden Öffnung am oberen Ende der Tunnelwand kamen, die uns zu unserem Ziel führen würde. Der Gedanke, mich durch einen Bereich von der Größe eines Schlangenbauchs zu zwängen, wobei die Wände mir langsam die Luft abschnürten, bis ich letztendlich ohnmächtig wurde, war meine größte Angst gewesen. Zu meinem Glück war es nur eine kurze Strecke, die wir durchqueren mussten, bis wir in eine riesige Höhle eintraten. Die Luft fühlte sich sofort anders an – warm, abgestanden und etwas schwer zu atmen. Als sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, begann mein Herz vor Aufregung zu rasen, denn ich sah nun, war vor uns lag. Massive, hoch aufragende Steinwände, ein sandiger Boden unter unseren Füßen, krude Graffiti und die wunderbarste Ansammlung von Trümmern. Alte Schaufensterpuppen, kaputte Möbel, Skelette, Falltüren + Guillotinen, amorpher Schimmel, alte Puppen + Körperteile, die Überreste einer Burg und ein ganzes Boot…

Tunnel Of Terror: Die Geschichte der Höhlen

Die Höhlen waren in den 30er und 40er Jahren von der Ford Motor Company ausgegraben und abgebaut worden, deren Fabrik auf den lukrativen Sandsteinfelsen saß. Sie erstreckten sich über mehrere Meilen unterhalb des Werks, wo wertvoller, quarzhaltiger Sand abgebaut wurde, um Glas für Windschutzscheiben und Scheinwerfer herzustellen. Die erstklassige Lage am Mississippi machte sie ideal für die Nutzung von Wasserkraft und den Transport fertiger Fahrzeuge für den Vertrieb. Nachdem Ford den Abbau eingestellt hatte, versuchte die Stadt, die Höhlen für verschiedene andere Dinge zu nutzen, wie zum Beispiel als Lagerraum. Boote aus dem nahegelegenen Yachthafen wurden dort aufbewahrt, was sich aufgrund der starken Schimmelbildung an den Rümpfen als dumme Idee entpuppte. Eine ähnliche Höhle in der Stadt wurde zur Zucht und Ernte von Pilzen für den Verkauf genutzt. Von 1982 an nutzten die Saint Paul Jaycees die Tunnel für die „Tunnel of Terror“ Spendenaktion in Form einer großen Party, bei dem engagierte Helfer die Höhlen in ein Spukhaus verwandelten, bei der Organisation halfen und letztendlich das für wohltätige Zwecke sammelten. 2004 war das letzte Jahr, in dem die Veranstaltung in den Höhlen stattfand, die örtliche Feuerwehr untersagte die Weiterführung des Events, da sie die Veranstaltung mit hunderten junger Leute und nur einem einzigen Zugang für keine gute Idee hielten. Seitdem haben Natur und Menschen, die sich dann doch in die inzwischen zugemauerten Höhlen Zutritt verschafften, zum allmählichen Verfall der verbliebenen Kulissen + Requisiten beigetragen, die darin zurückgelassen wurden. In den letzten Jahren mussten mehrere Gruppen von Jugendlichen von Feuerwehrleuten aus dem Bauch der Höhle gerettet werden immer weitere Zugänge wurden fest verschlossen. Brände setzten einige der zurückgelassenen Bauten in Brand und Teile der Höhle wurden überflutet. Ich stelle mir jetzt vor, dass der außerirdische Schimmelpilz, der sich im Laufer der Jahre an den Wänden und am Boden hochgeschlängelt hat, froh ist, endlich seinen Lebensraum von den lästigen Menschen zurückerobert zu haben.

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Informationen

Die Höhlen liegen in Saint Paul im US-Bundesstaat Minnesota. Nahezu alle Eingänge sind zugemauert und ein Aufenthalt in den Höhlen ist äußerst gefährlich.

Es gibt allerdings noch Teile der Höhlen außerhalb des „Tunnels of Terror“, die man mit einer geführten Tour besichtigen kann. Die Wasbasha Street Caves bieten historische Touren an.

Weiterführende Informationen zu dem Tunnel des Schreckens:


Bilder und Text: Talissa Mehringer