Spontis Wochenschau #22/2011

Am Bahnhof ist der Teufel los. Ich quetsche mich durch die Menschenmengen hindurch um im Schatten des Kölner Doms frische Luft zu schnappen. Der Nerd und Geek Faktor ist hoch, sehr hoch. Überall typische und untypische Spieler, Freaks und Fans in Kostümen und mit Tüten der großen Spielehersteller und neuesten Top-Titel der Branche. In Köln findet die Gamescom statt und lockt die vermeintliche Randgruppe aus dem gesamten Bundesland in die Stadt am Rhein. Mittendrin verzweifelte Kamera-Teams dubioser Produktionsfirmen. Ein hippe und blondierte Mikrofonhalterin, die im Holzfällerhemd und mit der fensterverglasten Hornbrille Zugehörigkeit suggeriert, sieht sich überfordert. Die einen sind nicht an einem Interview interessiert und ignorieren die Kamera, die anderen haben entgegen dem Skript, an dem sich die Frau mit Mikrofon krampfhaft festhält, Hintergrundwissen und langweilen. Als die Kamera aus ist, zeigt sie sich genervt und sagt: „Scheiße, wo sind denn hier die Freaks?„, zieht weiter und verschwindet wieder im Hauptbahnhof. Ich schmunzle. Hätte ich bloß einen Spiegel dabei gehabt um der Dame ihr Abbild zu zeigen. Freaks, so lehrt mich die Situation, finden andere oftmals im Spiegel und nicht auf der Domplatte. Schaut weniger Fernsehen und klickt euch eure Hintergründe selbst zusammen. Hier könnt ihr anfangen:

  • „Norbert, bleib stark!“ | Der Westen
    Ein Rückblick auf das, was das Zwischenfall zu dem machte was es nun ist und ein Ausblick auf das, was sein könnte: „Am Sonntagmorgen, um halb acht, klingelte es bei Norbert Kurtz. „Eigentlich“, so der Langendreerer Unternehmer, „wollte ich nicht öffnen.“ Vor der Tür stand ein junger Punk, der ihm einen Briefumschlag in die Hand drückte. „Norbert, bleib stark“, sagte der ihm bekannte Zwischenfall-Stammgast, „wir schaffen das zusammen.“ Er überreichte einen Umschlag und ging. „Als ich dann hineinschaute“, erzählt ein immer noch sehr bewegter Kurtz, „habe ich geheult. Da waren 100 Euro drin.“
  • Slut Walk: Für sexuelle Selbstbestimmung und gegen sexuelle Gewalt | popkontext!
    Zur Vergewaltigung eingeladen, oder: Warum Lackklamotten als Szenemerkmal keine Rückschlüsse auf die sexuelle Orientierung erlauben. „Offenbar wurde hier der Nerv einer jungen Frauengeneration getroffen, die sich noch immer dem Diktat männlicher Sexualität unterworfen sieht, das bedeutet, sich in Sack und Asche kleiden zu müssen, um ja keine sexuelle Gewalt zu provozieren. Die Aussage Sanguinettis, dessen Sicht von nicht wenigen geteilt wird, impliziert nichts anderes, als dass Frauen Übergriffe quasi herausfordern, wenn sie sich zu leicht oder freizügig anziehen. Es wäre also fast „normal“, wenn sich ein Mann dann eingeladen fühle, sich die von ihm begehrte Frau im Zweifel auch mit Gewalt zu nehmen.“ Am 13. August fand ein ähnlicher Event auch in Berlin statt.
  • Der Restauration der USS-Nostromo | Clockworker
    Ja, ich gebe zu, dass das äußerst nerdig ist. Aber zur USS Norstromo, DEM Schiff aus Alien habe ich eine ganz besondere Beziehung. Es gab noch Zeiten, das waren Raumschiffe in Filme nicht aus dem Computer, sonder liebevoll gestaltete Modelle, die gekonnt in Szene gesetzt wurden, um sie wie reelle Raumschiff wirken zu lassen. Was dabei herausgekommen ist, kennen wir von Alien oder auch sehr beispielhaft den ersten Star-Wars Filmen und fühlt sich für mich um längen „echter“ an, als die heutigen Kollegen aus dem Computer. „20 Jahre verbrachte das Modell der USS Nostromo aus dem SF-Klassiker Alien unter freien Himmel in den extremen Wetterbedinungen Südkaliforniens, 10 weitere Jahre verbrachte sie unbeachtet in einer Lagerhalle bis die Herren von Prop Store sich der alten Dame annahmen und sie liebevoll restaurierten.
  • Crowdfunded SciFi-Short „Aternauts“ needs your Help | Nerdcore
    Grob gesagt handelt es sich bei „Crowdfunded Projects“ um durch potentielle Zuschauer und Fans finanzierte Produktionen von Film oder Musik, die hauptsächlich und teilweise ausschließlich über das Netz verbreitete werden. Manchen nennen die Idee schon Punk 2.0 andere finden die Idee einfach nur gut. Ein Beispiel dafür ist ein vielversprechender SciFi-Kurzfilm mit dem Namen „Aternauts“. „Im Februar 2011 waren wir eine von zehn Produktionsfirmen, die zum Berlinale Talent Campus eingeladen wurden, um 15 Filmschaffende aus aller Welt und ihre Projekte kennenzulernen, von denen am Ende von einer Jury fünf Projekte zur Finanzierung bestimmt werden. Unter diesen 15 war auch die amerikanische Regisseurin Marta Masferrer mit ihrem Drehbuch zu “ASTERNAUTS”, ausgewählt aus mehr als 170 Einsendungen. Nicht nur wir, sondern viele der anderen Produzenten, waren sich einig, das ist eines der besten Kurzfilmbücher, das wir je gelesen hatten. Stell Dir einfach vor, die frühen Coen Brothers drehen Science-Fiction in Texas.
  • Der übersehene Trend: Videospiele und die Mitte der Gesellschaft | Spiegelfechter
    RTL hat ein unschönes Erkenntnis-Erlebnis. Anlässlich der Gamescom, einer Art Videospielmesse in Köln, erstellte das RTL-Magazin “Explosiv”, das stets mit relevanten Nachrichten und guter Recherche aufzuwarten weiß, einen Beitrag. In der üblichen tendenziösen Machtart gedachte man, ein bisschen auf Minderheiten herumzutrampeln und gemeinsam mit den Zuschauern Hohn und Spott über eine Randgruppe auszuschütten. Man fröhnte also in anderen Worten dem üblichen Geschäftsmodell. Dumm nur, dass man sich fundamental verschätzt hatte: die Gamer, die man mit Bildern der absurdesten Exemplare ins Lächerliche zu ziehen hoffte, sind nämlich keine Randgruppe mehr. “ Wie die, die über mich lachten nun die sind, über die alle lachen.
  • Zeigt her eure Schuh‘ | Otranto-Archive
    Zu einer Blogparade der besonderen Art ruft Karnstein auf. Er möchte euren alten und typisch gruftigen Schuhe sehen. „Schuhe haben oftmals erst so richtig Charme, wenn sie deutliche Gebrauchsspuren haben die zeigen was sie (und mit ihnen ihre Besitzer) schon erlebt und durchgemacht haben. So das Fazit von Robert von Spontis.de in seinem Artikel über die Unsitte von Doc Martens die man jetzt quasi im Used-Look kaufen und so persönliche Erinnerung auf einen Modegag reduzieren. Ich könnte ihm kaum mehr zustimmen. Daher möchte ich mit diesem Artikel einen Aufruf starten: Photographiert eure guten Stücke die euch schon lange begleiten, zeigt sie uns und erzählt uns ihre Geschichte(n). Teilt den Gedanken mit euren Lesern und lasst uns gemeinsam in Nostalgie schwelgen.
  • ASRianerin empfiehlt!
    Die ehemalige Metallerin, die einst zum Gothic konvertierte, mag es verschwörerisch, denn der Blog vom Herrn Fefe gehört zu ihrer liebsten Lektüre, nicht, weil er unbedingt schwarz ist, sondern weil er die Quelle der Quellen mit der nötigen Bissigkeit würzt. Wenn sie dann mal shoppen geht, weil sie zugegebenermaßen etwas eitel ist, dann bevorzugt sie schwarzer-markt.net, auf dem es nicht nur gebrauchtes schwarzer gibt, sondern auch viel um das Thema Do-It-Yourself. Darüber hinaus sucht sich nach Ihresgleichen und treibt sich regelmäßig auf Blogs und schwarzen Communitys herum, von denen sie ganz besonders das German Gothic Board schätzt und auch außerhalb von Pfingsten das Forum des WGT besucht.
  • Aurora Borealis | KFMW
    Wo ich gerade so in anderen Sphäre schwebe: Anschauliches Video der Universität Oslo über die Aurora Borealis, die sogenannten Nordlichter. Wissen in knapp 5 Minuten.
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  • The Tale of Mr. Revus | Nerdcore
    Wunderschöner Animationsfilm im Rahmen eine Abschlussarbeit von Marius Herzog. „Before the beginning of time, night after night, Mr. Revus prepares the dreams of mankind. During his nightly routine, one momentous mistake occures which is the dawn of a big adventure. The story is about friendship, hope and how our dream world can be shattered by accident…
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shan_dark
shan_dark (@guest_16189)
Vor 11 Jahre

Wow, vielen Dank für das Werwolf-Video – echt sehr gut gemacht!!

Auch goldig ist die „Geisterschnecke“ im Revus-Video – auf so eine Idee muss man erstmal kommen.

Slutwalk: Eine gute Idee, auf die Problematik und Vorfälle aufmerksam zu machen. Und die Presse greift sowas ja immer gern auf, schon der Bilder wegen (leider manchmal NUR deswegen). Mal sehen wie das hier in DE läuft – oder ob es da nicht subjektiv wichtigere oder andere Probleme gibt, für die die Leute eher auf die Straße gehen würden, wenn sie es denn überhaupt tun. In Kanada gab es ja auch einen direkten Anlass. „Sexy anziehen=will Sex“ ist zwar sicher auch eine Auffassung, die in manchen Männerköpfen hier in Deutschland so (noch) existiert, aber das Thema ist als volksbewegendes Problem aktuell nicht in den Medien. Von daher denke ich, wird die Teilnahme an den Slut-Walks eher zurückhaltend sein. Na, wir werden sehen…

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