Spontis Wochenschau #11/2014

Gestern war für mich endlich Weihnachtsstimmung. Denn entgegen jüngster Behauptungen hatte ich IHN noch nicht gehört. Ich bin ehrlich, die ganze multimediale Befeuerungen mit den weihnachtlichen Unmöglichkeiten prallt an meinen Synapsen ganz einfach ab, solange DER Schlüsselreiz noch nicht wahrgenommen wurde. Nun könnte man annehmen, ich wäre auf einem Weihnachtsmarkt, beim Einkaufsbummel in der Innenstadt oder im Supermarkt in Höhe der Käsetheke darauf gestoßen, doch diesmal war es anders. Es kam quasi unerwartet und hinterhältig und ereilte mich im Fitness-Tempel. Ihr wisst ja, dass ich Sport mache. Nun muss ich ja 20 Minuten an die Geräte, um anschließend kostenlos schwimmen zu gehen (ist so ein Mitgliedschafts-Ding) – was mache ich nicht alles für den alternden Körper. Doch heute wurde ich nicht von theatralischen Stöhnern penetriert, sondern von einer Weihnachtsfeier zwischen Hantelbänken und Dings-Da-Maschinen. Da hüpften Menschen in Weihnachtsbaumkostüm (!) und Engeloutfit (mit Lametta!) herum und verteilten Fitnessriegel mit Weihnachtsgeschmack (vermutlich, ich lehnte ab). Schnell in die letzte Ecke verkriechen, an die Dings-Da-Maschine wo man die Arme so seitlich hochdrücken muss. Ruhe! Oder auch nicht, denn ich vergaß die flächendeckenden Lautsprecher, die die sportive Masse mit hämmernden Beats zu immer neuen Höchstleistungen animieren soll. Nur gestern nicht, denn da traf ich auf IHN. Ein gehauchtes „Last Christmas“ von George Michael in der 80er Version von Wham. Ein bisschen erleichtert war ich ja schon. Hier die Links für spannenderen Inhalt:

  • Wave-Gotik-Treffen erhält Tourismus-Preis | LVZ
    Genau darauf haben wir alle gewartet: „Leipzig. Das Wave-Gotik-Treffen erhält den Tourismuspreis 2014 der Stadt Leipzig. Die Auszeichnung, welche die Leipziger Tourismus und Marketing GmbH (LTM) seit 2012 vergibt, ist undotiert. Mit der Verleihung soll das langjährige Engagement der WGT-Macher in Leipzig gewürdigt werden. „Das Wave-Gotik-Treffen trägt mit seinen Aktivitäten seit über 20 Jahren zum Wachstum des Leipziger Tourismus bei und stärkt das Image von Leipzig als internationale und offene Kulturstadt“, begründet LTM-Geschäftsführer Volker Bremer die Entscheidung.“ Erscheinen wir also demnächst in noch mehr Reiseführern unter der Titelzeile „Dinge, die sie in Leipzig gesehen haben sollten“ gleich hinter dem Leipziger Zoo. Passt ja.
  • Mittelalter – So schützten sich die Menschen vor den Untoten | Focus
    Umgangssprachlich: Zombies. In der heutigen Kultur nur noch als „Walking Dead“ bekannt, trieben die Untoten im Mittelalter ihr Unwesen, so dass sich die Menschen von damals genötigt sahen, Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen: „Es handelt sich dabei um jene Verstorbenen, die dazu verdammt waren, nach ihrem Ableben noch einige Zeit auf der Erde umher zu wandeln, bis sie ihre heimlichen, nicht gebeichteten Sünden verbüßt hätten. Tatsächlich findet man eine der frühesten Beschreibungen eines Wiedergängers in der Historia Rerum Anglicarum des William von Newburgh (1136 – nach 1198). Dabei handelt es sich um die Geschichte eines Mannes, der aus seinem Grab zurückkehrte, um die Menschen seines Heimatortes Berwick in Schrecken zu versetzen. Was dabei auffällt: Dieser Mann stank so entsetzlich, dass er die Luft verunreinigte und eine furchtbare Seuche ausbrach. Bis sich einige Mutige fanden, die dem Untoten folgten und ihm mit einem Spaten den Kopf abschlugen. Dabei spritzte, so wird berichtet, viel Blut. Zu guter Letzt wurde der dergestalt misshandelte Leichnam verbrannt.“ (vielen Dank an Mone vom Rabenhorst)
  • Band sucht Gothic-Queen für Videoclip | Sonic Seducer
    Die Band Mono INC sucht Gothic-Queens für ein Musikvideo. Wie man dem Statement von Martin Engler entnehmen kann, gibt es „da draußen“, also vor den Bildschirmen, unzählige Gothic-Queens oder Ehefrauen, Freundinnen, Schwestern, Tanten oder Omas die solche Persönlichkeiten sind. Die sollen sich also mit selbstgedrehten Videos bewerben, um einen Platz im nächsten Video zu bekommen. Eine Frage bleibt jedoch ungeklärt: Was sind Gothic-Queens? Eine neue Subkultur? Neo Romantiker mit auslandenden Kleidern und Corsagen? Latex-Mäuschen in knallengen Latex-Uniformen? Batcaverinnen mit meterhohem Iro? Und überhaupt, was ist mit Männern, die sich wie Gothic-Queens fühlen? Ich bin gespannt. Am 16. Januar 2015 soll er rauskommen, der gleichnamige Song.
  • The Castle of Otranto: The creepy tale that launched gothic ficiton | BBC
    Tragic tales of doomed romance and supernatural horror, often set in baroque castles, have thrilled readers for centuries. But many modern-day fans of gothic literature may not be familiar with the 18th Century novel that inspired the genre, writes Peter Ray Allison. Ask anyone about gothic literature and they are likely to reference Bram Stoker’s Dracula or Mary Shelley’s Frankenstein as early examples. In fact, the roots of the genre can be traced back to the publication of Horace Walpole’s 18th Century novel The Castle of Otranto – a work whose aesthetics have shaped modern-day gothic books, films, art and music as well as the goth subculture.“ Wer noch mehr zum schmökern möchte: Lynne Truss’s Top 10 gothic novels.
  • Unter.Ton trifft Andi Harriman und Marloes Bontje | Unter.Ton
    „Some wear leather, some wear lace“ Mit diesem Buchtitel wird man die beiden Damen wohl eher in Verbindung bringen, denn aus dem „Postpunk-Project“ ist eben dieses Werk entstanden. Auch ich habe eine Ausgabe zwischen meinen Fingern, die ich alsbald hier im Blog vorstellen werde. Solange kann man sich die Zeit damit vertreiben, das großartige Interview auf Unter.Ton zu lesen, dass den Beweggründen ein Buch über die Postpunk-Szene zu machen, auf den Grund geht und sich darüber hinaus auch mit dem Inhalt auseinandersetzt. „Aus der amerikanischen Perspektive heraus betrachtet, ist es schwer, diesen Geist noch irgendwo entdecken zu können. Zumindest, was meinepersönlichen Erfahrungen betrifft. Es gibt ja zumindest einen Hauch von Wiederauferstehung, in Gestalt von Bands und artverwandten Seelen da draußen, die Musik lieben und vor allen Dingen auch leben, aber es fehlt einfach der Do-it-yourself-Aspekt von früher. Im letzten Kapitel von „Some Wear Leather, Some Wear Lace“ geht es deshalb auch darum, dass es mittlerweile einfach zu leicht geworden ist, mal eben in den Laden zu gehen und etwas im Grufti-Look zu kaufen. Andererseits kenne ich auch Leute, die in dieser Subkultur vollkommen aufgehen. „Goth“ zu sein, bedeutet auch, sich einer Ideologie zu verschwören und sich daran zu binden; es ist eine Verpflichtung. In Amerika findet man diese Tiefe eher selten.“
  • Chinas Underground Rat-Tribe | Nerdcore
    In Chinas Hauptstadt Bejing (Peking) leben über 20 Millionen Menschen. Die, die sich keinen Wohnraum in der Metropole leisten können, gehen unter die Erde: „Unter Bejing leben tausende Menschen in Kellern und Bunkern bis zu zwei Stockwerke unter dem Erdboden. Die meisten sind Migranten und unterbezahlte Arbeitskräfte, die sich die Wuchermieten in der chinesischen Hauptstadt nicht mehr leisten können und mittlerweile bildet sich dort eine eigene Kultur heraus, die ein bisschen an Kowloon erinnert, nur eben unter der Erde. Die Menschen werden von den Oberweltlern etwas herzlos Rat Tribe genannt…“  Auf 8qm leben die Menschen ihr ganzes Leben, nur um darauf zu warten, dass es vielleicht einmal bessere Zeiten gibt. Sie arbeiten für die, die an der Oberfläche leben, sind Dienstleister oder Handwerker und verschwinden nach ihrem Tageswerk wieder in den Untergrund. Es ist faszinierend, was Millionenstädte an Unglaublichkeiten menschlichen Daseins produzieren.
  • Die Loren rollen nicht mehr… | Gedankensplitter hinter Glas
    Wieder einmal eine schöne Reise mit Marcus Rietzsch: „Mitte der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde hier Kupfererz gefunden. Die Geburtsstunde der Mine, eingegliedert in ein Bergbauunternehmen, das in der Gegend bereits seit über 80 Jahren tätig war. 1763 wurde die Mine stillgelegt. Erst 1891 gedachte man der Vorkommen und startete mit 60 Mann erneut den Abbau von Pyrit und Kupfererzen. Nach vielen Unterbrechungen und wenig Ertrag beschloss man im Frühjahr 1940 diese Mine endgültig aufzugeben. Seither fristet der kümmerliche Rest ein einsames Dasein.

    Verlassene Mine
    Die Loren rollen nicht mehr – Eine verlassene Kupfermine in Norwegen
    (c) Marcus Rietzsch
  • Muslimischer Bestatter | Bestatterweblog
    Wo wir gerade interkultureller Bildung sind, wie werden eigentlich Muslime bestattet? Wusstet ihr, dass ein Muslim in seinem Leben zwei Leichname rituell waschen muss? 2014 leben in Deutschland rund 4.000.000 Menschen mit muslimischem Glauben und die, die einst aus ihrer Heimat kamen und in Deutschland zu arbeiten. In der Schweiz sind es rund 400.000 Muslime, die Umstände sind ähnlich und hier hat sich der SRF mit der Frage beschäftigt, wie Muslime bestattet werden und warum es eigentlich keine muslimischen Friedhöfe gibt: „Als vor acht Jahren Enver Fazlijis Grossmutter starb, suchte die Familie vergeblich nach einem muslimischen Bestatter. Vermutlich hätten andere das gleiche Problem, dachte sich der damals 20jährige. Nach zähen Anfangsjahren wickeln Fazliji Junior und Senior heute mittlerweile rund zehn islamische Beerdigungen pro Monat ab – mehrheitlich für albanische Landsleute. Obwohl mittlerweile diverse Friedhöfe muslimische Grabfelder anbieten, wird das Angebot noch kaum genutzt. Laut Fazliji wollen keine fünf Prozent der in der Schweiz lebenden Muslime hier ihre letzte Ruhe finden. Die meisten Verstorbenen werden in ihre Heimat überführt. Diese letzte Reise kostet bei den Fazlijis 3‘000 Franken. All inclusive – egal, wohin es geht.“  Es gibt doch tatsächlich noch Dinge, die wir uns von anderen Religionen abgucken können, wie zum beispiel einen offeneren Umgang mit dem Tod.
    www.youtube.com/watch?v=1-eJN_Llg3U
  • Terminator Genisys | VICE
    Genauso schreibt man das Wort, sagen jedenfalls die Macher des … fünften Teils – wenn ich mich nicht irre. Ja, ich weiß es ist weder Gothic noch sonst irgendwie gruftig und tangiert höchstens den Cyberpunk. Ich bin jedoch damit aufgewachsen, irgendwie. Mussten wir Teil 1 noch heimlich gucken, damit die Eltern nichts merken, haben wir den zweiten Teil im Kino gefeiert. Weitere Teile folgten (mit sinkender Begeisterung) und nächstes Jahr kommt dann wieder einer. Diesmal auch mit dem Arnold, der sicherlich in jeder möglichen Szene „ersetzt“ wird um ihn irgendwie als glaubhafte menschliche Hülle auf einem Roboter zu skizzieren. Den Rest beschreibt Dave Schilling von Vice viel besser: „Der Gedanke hinter dem fünften Teil dieser zunehmend konfusen Zeitreisen- Filmreihe ist, die Marke auch für diejenigen Zuschauer ansprechend zu machen, die nur eine vage Vorstellung von der ausgeklügelten Kontinuität der vorherigen Teile haben. Fassen wir noch mal zusammen: In Der Terminator, dem ersten Teil der Reihe, wird Arnold Schwarzenegger als Terminator—daher der Filmtitel—in die Vergangenheit geschickt, um Sarah Connor zu töten, die zukünftige Mutter des Anführers des menschlichen Widerstands gegen die Maschinen. Der Terminator wird dann aber von einem menschlichen Soldaten aufgehalten, der ebenfalls in die Vergangenheit geschickt worden war, um Sarah Connor zu beschützen. Die nächsten drei Filme lang reisen dann immer wieder Menschen und Maschinen in die Vergangenheit und ändern fleißig die Geschichte, weil… weil es dem Kinopublikum total egal ist, ob Actionfilme in sich irgendwie logisch sind, deshalb.

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  • Picard – Make it so | Youtube
    Kommt schon Leute, immer noch keine Weihnachtsstimmung? Achso, ja, ihr alten Trekkies schmückt euch auch immer damit, dass es in der Zukunft auch nicht mehr um Weihnachten geht, sondern um entdecken und erforschen, ganz so wie es die Picard mit seiner Enterprise gemacht hat. Ha! Wie ihr euch doch täuscht:

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Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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