25 Oktober

Spontis Wochenschau #6/2016 – More Dead than Alive

Verfasst von Diskussion: 7 Kommentare

Spontis WochenschauBevor ich jetzt für jede Meldung ein Fass – oder auch einen Artikel – aufmache, das wichtigste in Kürze. Im Oktober gibt es keinen Gothic Friday. Die Themensuche nahm Zeit in Anspruch und dieses verdammte echte Leben raubte vielen Helfern aus unserem Team die Zeit und jetzt ist einfach zu spät, um noch im Oktober einen Gothic-Friday zu starten. Dafür geht es Anfang November weiter und endet auch erst mit dem Februar 2017. Oder so. Man muss auch einfach mal aus dem kleinbürgerlichen Plänemachen ausbrechen! Nach einer Anregungen aus den Kommentaren habe ich jetzt ein Spontis-Fotoalbum begonnen, in dem ich die Bilder, die teilweisen zu vielen Artikeln erschienen sind, sammle und zum durchstöbern bereit stelle. Hier wird auch nicht aussortiert und zurechtgefummelt. Sozusagen der Directors Cut. Momentan sind Friedhofsbilder und die Bilder von den Spontis-Treffen geplant, auch Galerien von Lesern finden hier ihren Platz. Und dafür, dass es dieses Ausgabe keine Lebensweisheiten von mir gibt, ist die Wochenschau deutlich voller geworden. Das waren die Guten Nachrichten, die schlechte: Pete Burns ist tot. Kein großer Künstler, Musiker oder Sänger, dafür einer der letzten echten Freaks unter den ganzen Angepassten.

  • Wie Primark, Justin Bieber und langweilige Bands die Subkultur zerstörten | Shortlist
    Subkultur ist IN geworden. Bandshirts werden nicht aus Überzeugung, sondern aus Styling-Gründen getragen

    Ich musste den englischen Originaltitel einfach übersetzen, zu schnittig und zu wahr erscheint mir die Überschrift. In dem Artikel geht es dann auch genau um das, was uns alle aufregt. Der Ausverkauf der Subkulturen. Heute kann man sich sein Szene-Outfit mit einem Wimpernschlag zusammenkaufen, die lächerlichsten Stars tragen Band-Shirts von den Ramones, Joy Division oder The Cure. Wer die Bands sind und wofür sie stehen? Unwichtig. Trägt man eben so. Heute gibt es kaum noch einen Styling-Trend, eine Subkultur oder eine Szene, die nicht in Windeseile ausgeschlachtet wird.  „Mods spent three month’s wages on suits, punks stole leather jackets and hand painted them, teddyboys spent hours perfecting their coiffed pompadours. Fast forward to now and you can get an already ripped jacket for a tenner in Primark, everyone’s walking around in joggers even though they’re out in public and there’s short back and sides everywhere. The harsh truth is that no one can be bothered working on anything anymore. Because “style” has become so cheap and accessible we’ve succumbed to  throwaway values where most men’s common style purchase is a new printed t-shirt for going out on a Saturday night, which is often thrown away the next day just because a pint got spilled on it.“ Sucht es Euch aus, auf welchen Gothic-Lebensbereich ihr das übertragen wollt. Pentagramme auf Killstar Klamotten? Siouxsie & The Banshees wegen der tollen Augen? Umgedrehte Kreuze auf H&M Oberteilen

  • Totenkult Santa Muerte: Der Tod ist ihnen heilig | Stern
    Sie ist wichtiger als Jesus und muss für alles herhalten, was sich die Menschen wünschen

    In Mexico ist die Heilige wichtiger als die Kirche, denn die hat dort ihren „guten“ Ruf längst verloren. Der religiöse Glaube allerdings, ist ungbrochen, leidenschaftlich und stark: „Vargas trägt einen schwarzen Umhang und auf den Fingernägeln glitzernde Totenköpfe. Es ist ein kühler Herbsttag, Mitternacht, sie ruft zum Gottesdienst in ihren Tempel „Santa Muerte Internacional“ an einer Industriestraße in Mexiko-Stadt. Acht Jahre ist es nun her, dass sie die Führung des größten Tempels Mexikos von ihrem ermordeten Sohn Jonathan übernommen hat. Am Eingang steht: „Ich bin die Beschützerin der Verbrecher. Aber wenn ihr mich klaut, ist das euer Tod.“ Hunderte Gläubige aus ganz Mexiko treffen in dem Gewerbehof ein. Ein jeder bringt seine eigene „La Santa“-Statue mit. In der einen Hand trägt sie stets eine Sense und in der anderen meist einen Globus. Mal stellen die Pilger ihr Tequila zu Füßen, mal hängen sie ihr ein Kruzifix um. Anders als Jesus sei sie variabel, sagen die Leute, näher am Leben.

  • Irak: Friedhof im Staub | Zeit
    Einer der größten Friedhöfe der Welt liegt im Irak

    Würden sich in diesem kulturell so reichen Land nicht haufenweise verblendeter Kleingeister mit Bomben bewerfen, wäre es sicher eine Reise wert, einer der größten Friedhöfe der Welt zu besuchen. „Er ist mehr als doppelt so groß wie der Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg: In der größten Ruhestätte der Welt, dem Wadi Al-Salam bei Nadschaf, liegen fünf Millionen Menschen begraben. Seit 2004 im Irak im Zuge der US-Invasion ein Bürgerkrieg ausbrach, ist die Zahl der Beerdigungen dort pro Tag stetig angestiegen – heute sollen es bereits 150 bis 200 Bestattungen sein. Der Friedhof wird von der schiitischen Glaubensgemeinschaft im Irak genutzt.“ Auf der Seite der Zeit könnt ihr ein paar eindrucksvolle Bilder dazu bewundern, die nur einen kleinen Eindruck von dem vermitteln, was dort zu finden ist.

 

  • Das Aussterben von Konzerten | Silence Musik Magazin
    Ist bei Euch wirklich nicht los oder geht ihr einfach nur nicht hin?

    Es geht zwar um Metal, doch die Beschreibung trifft spielend auch auf unsere Szene zu. Und ja, der drastische Titel ist durchaus ernst gemeint, denn genauso sehe ich das auch. Irgendwann ist kein Laden mehr bereit, 20 Leuten eine volle Bühne zu bieten und dafür eine ganze Nacht lang den Laden leer zu lassen. Irgendwann ist niemand mehr mit Engagement bereit, Bands aus woher auch immer aufzutreiben, um sie vor leeren Rängen spielen zu lassen. „Es ist Samstag, 21 Uhr. Ich stehe in einem kleinen aber feinen Klub in meiner Stadt. Im Hintergrund läuft „Killers“ von IRON MAIDEN. Um mich herum lungern 10 Nasen an der Bar auf Hockern, oder stehen draußen und verzehren ihr mitgebrachtes Bier. In knapp 30 Minuten spielen 2 Bands aus Brasilien – die für 2 Konzerte in Deutschland extra halt auf ihrer Tour gemacht haben – sowie eine lokale Band. Es wurde ausgiebig Werbung in den digitalen Medien mit Plakaten, sowie Flyern gemacht. Und doch werden es nicht mehr als 20 Leute sein, von denen die Hälfte erst beim Headliner aufkreuzt, um den Eintritt zu bezahlen. Der Rest stand, während der Opener sich redlich bemühte, draußen und ignorierte gekonnt 1 Stunde lang feinsten Metal, anstatt das volle Paket zu nutzen.

  • 31 Days of Halloween | Atlas Obscura
    Unglaublich spannende Geschichten rund um den gruseligen Jahres-Höhepunkt

    Ich glaube ich hatte den Atlas Obscura schon an anderer Stelle in den Himmel gehoben. Denn da gehört die Internetseite einfach hin, auch wenn es die englische Sprache nicht immer leicht macht. Zu Halloween graben die Autoren ein paar ganz besondere Geschichten aus, wie die vom „Spring-Heeled Jack„, der 1837 im Viktorianischen England auftauchte und dort sein Unwesen trieb. „Mainly attacking women, the figure/monster would ring a doorbell, and when someone would answer, it would ravage their clothes with its claws. Other sightings have him simply ambushing people who were out walking. Similar reports continued to trickle in throughout the rest of the year, with strange crimes being attributed to assailants in the guise of a ghost, a bear, and/or a devil. These disparate reports would eventually lead to the theory that this mysterious monster might have been a group of well-to-do men dressing up and scaring people on a bet. Others reported the figure as wearing red shoes, or armor.“ Der Bürgermeister behauptete zwar 1838, dass es sich vielmehr um eine Gruppe Verrückter handelte, die in London ihr Unwesen trieben, aber die Legenden blühten unbeeindruckt weiter.

  • Gruftis gesucht! | SZ-Online
    Ein Friedhof in Dresden sucht Paten für historische Gräber

    Ein Friedhof sucht Gruftis. Also jetzt nicht Tote oder Leute, die sich wie Tote schminken, sondern Gruftis, die Patenschaften für denkmalgeschützte Gräber übernehmen. Was das allerdings mit dem Begriff „Gruftis“ zu tun hat, muss mir die Sächsische Zeitung mal näher erläutern: „Der Friedhof hat bereits rund 120 Patengräber. „Ich hätte aber sofort mindestens 1 000 weitere frei“, so Friedhofschefin Teichmann. Deshalb suchen Friedhöfe sozusagen Gruftis. „Uns fehlen einfach die Einnahmen“, erklärt Teichmann. Das Geld reiche, um den Friedhof zu bewirtschaften, für Sanierungen von Denkmälern aber nicht. Auch sehe sie Trends wie Leichenstaub zu Diamanten zu pressen kritisch, da dadurch immer weniger Tote auf den Friedhöfen landen.“ Was solche Artikel wieder auslösen können! (Danke an Gruftfrosch)

  • Heult doch ruhig mal! | SZ-Online
    In seinem neuen Album „Skeleton Tree“ verarbeitet Nick Cave den frühen Tod seine Sohns

    Im vergangenen Jahr stürzte Nick Caves Sohn im Alter von 15 Jahren in den Tod. Wie man als Künstler solch ein erschütterndes Ereignis verabeiten kann, zeigt Nick Cave, in dem seine Wut und Verzweiflung aus jeder Silbe tropft. Die Sächsische Zeitung bringt es auf den Punkt: „Das tatsächliche Aufarbeiten von Verzweiflung, Trauer oder überschäumendem Entzücken wird seltenst betrieben. Tut es doch mal einer, haut es das Publikum meist sofort aus den Socken. Johnny Cash nahm sein letztes Album „American VI: Ain’t No Grave“ auf, als er seinem Schöpfer förmlich schon die Hand entgegenhielt. Sein Singen vom Tod war so wissend, so wahrhaftig – sehr einfach und sehr ergreifend. David Bowies „Blackstar“ kam im Januar wie die Verheißung eines Neuanfangs daher und wurde schlagartig zum Vermächtnis, dessen gedankliche Tiefe sich nun plötzlich auftat. Jeder Fetzen Musik, den Michael Gira je veröffentlicht hat, ist blanke Katharsis; ein Guss grimmer Klänge, schmerzhaft und – im klassischen Sinn – nicht wirklich schön.Nick Cave schafft jetzt genau diesen Spagat. Sein neues Album „Skeleton Tree“ wird vom Schmerz getragen, verarbeitet eine Höllenqual, für die er als Texter kaum Worte fand.“ (Danke an Gruftfrosch)

  • Shopping Queen: Kandidatin Nana ist ein Grufti | VOX
    Aus der Rubrik: Was zum Fick bin ich sehend?

    Nana ist 26 und kommt aus Leipzig.  Sie bastelt gerne, ist nicht so verrückt, wie sie aussieht und guckt überhaupt nicht gerne Horrorfilme, weil sie ein totaler Schisshase ist. Aber jetzt kommts: „Ich werde Shopping-Queen von Leipzig weil ich beweisen werde, das wir Gruftis nicht nur schwarz tragen und auch Stil haben!“ Ob sie den Beweis antreten kann, könnt ihr Euch unter diesem Link anschauen. (Achtung! Kommerz, Werbung, Privatsender – Nach 45 Minuten fragt ihr Euch: Warum nur?)

  • Unsere dunkle Seite – Leben in der Gothic-Szene | SFC-Upcycling
    Sind wir wirklichkeitsfremde Mittelschicht-Kinder?

    Melanie & Stephan erklären uns Gothic. Es klingt zwar hier und da etwas idealistisch, aber mein Goth, wir wollen ja nicht kleinlich, also Mainstream, sein: „ Gothic gilt als sehr ästhetische, introvertierte und ausgesprochen friedliche Kultur mit meist sensiblen, wenn auch mitunter etwas wirklichkeitsfremden Mitgliedern, die meist der Mittelschicht entstammen. Die Durchschnittsbevölkerung wird vom Goth zum Teil negativ wahrgenommen, etwa als konservativ, konsumorientiert, intolerant, egoistisch und vom Gesetz der sozialen Bewährtheit geleitet. Aus der Ablehnung dieser Werte resultiert eine demonstrative Distanzierung zur Gesellschaft. Aus dem Versuch der Bewältigung der Zwänge, der emotionalen Kälte und der Vereinheitlichung des Individuums in der heutigen Gesellschaft treten wiederum die zelebrierte Melancholie und die Ideale des Individualismus und der Toleranz hervor, das was die Szene größtenteils ausmacht.

  • Meet The London Punks That Grew Up | Londonist
    London holt sich den Punk zurück. Jedenfalls ins Museum

    Handmade mixtape sleeves, DIY fanzines and shabby-chic threads from the King’s Road: not the usual exhibits you’d expect to see on display at the Museum of London, but exactly what you’ll find from this weekend.40 years has whizzed by since punk rocked up in London, rudely shaking up the city for good. As part of the year-long Punk London festival, Museum of London has pulled together the collections of 17 punks.“ Verpasst auch nicht den zweiten Teil der wirklich interessant inszenierten Video-Tour. Die Ausstellung im Museum of London läuft noch bis zum 15. Januar 2017, der Eintritt ist frei. Wer also zu Besuch in London ist, sollte vorbeischauen.

Dead or Alive

Ob ich schwul, bi oder trans bin? Vergesst das alles. Man bräuchte eine ganz andere Terminologie, und ich weiß nicht, ob die schon erfunden ist. Ich bin einfach Pete.

7 Kommentare

  1. Der Bericht über das Aussterben von Konzerten spricht mir aus der Seele. Genau das kann ich auch beobachten. Und zwar bei so vielen Konzerten, unabhängig von der Musikrichtung und auch unabhängig davon, wo ich bin. Selbstverständlich schaue ich mir alle Bands an, die an einem Abend spielen. Damit bin ich zwar nicht allein, aber so manches mal frage ich mich doch, was denn so furchtbar daran sein soll, mal nicht nur das zu hören, was man eh kennt bzw. worauf man sich freut.

    Das Schöne ist natürlich, dass ich meist keine Probleme habe, einen guten Platz zu finden, weil schön mittig und einigermaßen vorne will ja eh keiner stehen. Maximal am Rand, für alles andere ist man wohl zu cool oder irgendwas anderes. Oder besteht die Befürchtung, dass das, was da geboten werden wird, so furchtbar ist, dass man sich den Fluchtweg offen halten muss? Das ist mir ehrlich gesagt ein einziges Mal passiert, und dann bin ich halt gegangen.

    Ich wohne mittlerweile in einem Ort, in dem es eine großartige Einrichtung in Form eines gemeinschaftlich von verschiedenen Organisatoren getragenen Klubs gibt. Keine Frage, da spielt auch viel, was ich mir niemals ansehen würde, und der Fokus dessen, was ich mir dann gebe, liegt schon zu einem Großteil im Metal-Bereich, aber ich habe da auch schon Cult of Youth, :Of the Wand & the Moon:, King Dude oder gar Power Electronics von She Spread Sorrow gesehen. Alles in allem also eine wunderbare Einrichtung, zumal die Eintrittspreise zu Konzerten sehr moderat und das alles doch sehr familiär ist. Und ändert das alles etwas an meinen Beobachtungen? Nein, nicht im Geringsten. Ich meine, gut, die Leute, die lieber draußen stehen, als sich Musik anzuhören, für die sie ja auch irgendwie bezahlt haben, quatschen wenigstens auch draußen. Und nicht in ruhige Passagen der dargebotenen Musik rein.

    Von daher sollte ich vielleicht einfach die positiven Aspekte sehen: Ich habe mehr Platz, sehe und höre gut und so lange die Leute zumindest bezahlen, geht’s ja auch dem Club und den Bands nicht ganz furchtbar. Aber so richtig toll finde ich das nicht, und leider habe ich auch noch nicht ganz verstanden, warum man so ein Verhalten an den Tag legt.

  2. Vielleicht braucht die Welt einfach (momentan) keine dieser Subkulturen mehr. In unserer Gesellschaft ist mittlerweile (*scheinbar) nahezu alles erlaubt, was gefällt, wogegen sollte man sich als Jugendlicher auflehnen außer gegen genau diese Freizügigkeit?

    Die aktuellen Revolutionen kommen von Rechts. Die identitäre Bewegung z.B. ist überwiegend eine Jugendbewegung, wenn auch nicht speziell an eine Musikrichtung gekoppelt, wie es vergleichsweise beim Punk war, ich könnte mir aber vorstellen, dass in Zukunft der Nährboden für Subkulturen in dieser Ecke zu suchen ist, auch wenn ich nicht glaube, dass diese ähnlich groß und langlebig sein werden, weil die Allgemeinheit doch zu sehr von Desinteresse geprägt ist, um sich noch in irgendeiner Form zu organisieren. Ganz wertungsfrei gesprochen.

    Ich glaube, die Reizüberflutung, die allgegenwärtige Verfügbarkeit von nahezu allem, verhindert einfach, dass sich der kreative Funke, der der Gründung der uns bekannten Subkulturen vorausging, am Leben erhalten lässt. Das lässt sich nicht nur dort beobachten, bei Kunst und Design ist es ebenso. Die meisten produzieren nur noch Variationen von bewährten, gefälligen Motiven, momentan gibt es aber niemanden, der etwas wirklich Unerhörtes tut, allein schon, weil man mit so gut wie nichts mehr schockieren kann.
    Kreativität benötigt immer ein gewisses Maß an Entbehrung, einen Grund, der dazu inspiriert etwas zu verändern. Wir sind momentan einfach alle zu gesättigt. Das wäre jedenfalls meine Theorie dazu.

    Davon abgesehen, kann man sicherlich Mode in einem bestimmten Stil kaufen, Stil an sich allerdings nicht. Eventuell könnte man das zum Anlass nehmen und sich mit der eigenen Garderobe noch mehr Mühe geben, wenn man sich als Grufti deutlicher abheben will. Denn trotz der Bandbreite an einstigen Szeneklamotten im alltäglichen Straßenbild, gibt es trotzdem immer auch Personen, die mit gutem Stil punkten und auffallen und dafür noch nichtmal extravagante Fummel benötigen. Denen sieht man einfach ihre Hingabe an, dafür muss man nicht zwingend einer Szene angehören, ist aber natürlich kein Hinderungsgrund.

    * „scheinbar“ deshalb, weil ich persönlich den Eindruck habe, dass trotz der vermeintlich breiteren Akzeptanz anderer Lebensentwürfe und der überall gepredigten Individualität, wirklicher Abweichung von bekannten Mustern sehr viel feindseliger begegnet wird als früher…

    Zu Pete Burns noch ein, zwei Sätze. An anderer Stelle habe ich gelesen, dass er durch seine Operationen finanziell ruiniert war. Ich finde nicht nur finanziell…die Ergebnisse können unmöglich das sein, was er sich vorgestellt hat, sonst hätte er wohl auch kaum so viele OPs gebraucht. Da müssen tiefliegende Probleme im Spiel gewesen sein. Die Tingelei durch Big Brother Shows macht den Eindruck nicht besser. Dass er nun an einem, wie es heißt, massiven Herzinfarkt gestorben ist, lässt vermuten, dass seine Gesundheit ebenfalls darunter gelitten hat, ist aber wie gesagt nur meine Vermutung, ich bin ja kein Arzt. Ich bin mir halt nicht sicher ob man sein „Freakdasein“ so uneingeschränkt bejubeln kann, wenn angezweifelt werden darf, wie viel Absicht darin steckte.

  3. Klamotten gibts überall aber es kommt drauf an was Grufti drauß macht. Es zusammstellen das jedem Modefritzen die Haare vor Schreck ausfallen soweit bekannt ist was die zum Wahnsinn treiebt :P Ich finde es schon gruseöig wenn ich zerschnittene Leggins auf irgendwelchen Plakaten an einer Haltestelle sehe. Die lassen echt nix aus und sowas wie undercut trägt ja inzwischen jede Oma! Das was sie einem nicht nehmen können ist das was man ist, was man fühlt die eigene Lebensweise die einem keiner nimmt. Und die Ausstrahlung finster bis Depri oder einfach die Leute ingnoriern, die unsichtbare Wand zwischen der eigene und der Welt da draußen. Das ist meine Art mit all dem umzugehen :)

    Pete Burns hatte laut Internet um die 300 Ops und hauptsächlich darum weil die erste,eine Nasenkorrektur, schief ging. Er mochte sein Freak sein offensichtlich trotzdem. Gewisse Ähnlichkeiten zu Michael Jackson finde ich. Aber die Musik von Dead or Alive war super und ich höre das noch heute. RIP

    Zu meiner Schande muß ich zugeben Shopping Queen mit Goth gesehen zu haben. Abgesehen von EMP und Wonderland Werbung waren die Hosen und die Kette ganz witzig. Aber das war wieder so eine die sämtliche Klischees ablehnte von wegen nee mit Tod hab ich nix zu tun aber überall Särge in der Bude. Ihre Tattoos so fern die echt waren fand ich ziemlich daneben. Aber war doch klar Leipzig da muß ja unbedingt ein Goth da mitmischen. Es gehört einfach zu Dingen die niemand braucht.

  4. Ich denke, zum Verschwinden der Subkulturen tragen verschiedene Umstände bei.
    Dass es jedoch an „langweiligen Bands“ liegt, würde ich nicht so sehen. Es gibt doch Mengen an frischen, „härteren/nicht-weichgespülten“ Musikformationen, welche mit Herzblut Musik machen und auch Inhalte und Bilder transportieren. Da ist doch wirklich für jeden was dabei. Punk lebt noch, Metal ebenso (wird zudem mMn immer populärer), selbst die Schwarze Szene mit ihren Subszenen existiert noch.

    Nein, da liegt der Hund schon eher beim Individuum begraben, welches heute – vielleicht auch durch Übersättigung, wie von Julius angesprochen – keine Lust hat, sich mit anderem, ausser seinen bereits Bekanntem beschäftigen. Das beobachte ich nicht nur bezogen auf Musik, sondern allgemein. Den aktuellen Trend zu Spießigkeit und Neokonservativismus begünstigt das natürlich…

    Man könnte allerdings auch einwenden, dass die Subkulturen im Vergleich zu früher nicht mehr so sichtbar/optisch abgrenzbar sind (u.a. da die Bekleidungsindustrie deren Merkmale aufgreift und aus dem Kontext gelöst für sich nutzt), was sicher auch schlicht in der geringen Anzahl öffentlich sichtbarer, authentischer Subkulturgänger begründet liegt. Wo sieht man denn heute noch einen eindeutig zuordbaren Punk/Grufti/Metaller auf den Straßen, abgesehen von Uni-Städten?

    In Punkto Abgrenzung gibt es daneben auch das Problem der falschen Etikettierung und damit missverständlichen und verzerrten Außenwahrnehmung der Subkultur. Da werden auf mal Metaller, EBMler, und sonstiges schwarz gekleidetes Volk zu ‚Gothics‘, MöchtegernBubis zu Rockern, Wochenend-Festivalanten zu Metallern uswusf. Welche unbeleckte Außenstehende Person sieht denn da noch durch? Zudem werden zaghaft Interessierte doch gleich durch die Grabenkämpfe innerhalb der Subkulturen abgeschreckt. Das alles lässt den Reiz der Teilhabe an einer Subkultur schwinden…

    Was das Aussterben der Konzerte betrifft, dazu habe ich noch keine abschließende Meinung und behaupte, dass das regional auch sehr unterschiedlich sein kann. Ich persönlich nehme mit, was sich mir anbietet (letzten Dienstag Youth Code) und bin auch nicht traurig, wenn es keine 100 Leute um mich herum sind ^^.

    Zu Pete: Seine Mähne wollte ich ne zeitlang auch haben (so wie in „Spin me round“ oder auf Postern). Hach, der sah vor den OPs verdammt gut aus… Btw. er hatte vor DOA ne Postpunk-Band, Nightmares in Wax: https://www.youtube.com/watch?v=FQY8LOVpZ5I
    Möge er in Frieden ruhen.

  5. @Irmin:

    Maximal am Rand, für alles andere ist man wohl zu cool oder irgendwas anderes. Oder besteht die Befürchtung, dass das, was da geboten werden wird, so furchtbar ist, dass man sich den Fluchtweg offen halten muss? Das ist mir ehrlich gesagt ein einziges Mal passiert, und dann bin ich halt gegangen.

    Ich würde es nicht cool beschreiben, sondern irgendwie feige und mutlos. Es ist doch wie auf der leeren Tanzfläche in der Discothek. Wer will da den Anfang machen? Vor allem zum Beginn des Abends, wenn der Alkohol bei einigen nicht die erhoffte Enthemmung einstellt? Ich will aber nicht pauschalisieren. Ich finde auch Konzerte schön, bei denen ich am Rand stehen kann und mir das Treiben auf und vor der Bühne anschaue, vor allem dann, wenn die Darbietung zu eben so einem Verhalten einlädt. Anne Clark zum Beispiel. Bei DAF hingegen muss man dann schon irgendwie dabei sein. Tanzend. Feiernd. Losgelassen.

    @Julius:

    Vielleicht braucht die Welt einfach (momentan) keine dieser Subkulturen mehr. In unserer Gesellschaft ist mittlerweile (*scheinbar) nahezu alles erlaubt, was gefällt, wogegen sollte man sich als Jugendlicher auflehnen außer gegen genau diese Freizügigkeit?

    Gute Frage! Ich muss in diesem Zusammenhang zugeben, dass ich den Kirchen und Religionen bald wieder einen regeren Zulauf prophezeie. Eben weil die Menschen satt sind, individuell zu sein, freizügig und ungehemmt zu agieren. Ich würde jedoch die Frage, ob wir noch Subkulturen brauchen, deutlich bejahen. Ich denke die Aufgaben sehen nur ein wenig anders aus. Oder die Reibungspunkte. Es gibt immer etwas, was die Gesellschaft gebrauchen kann. Äußerliche Freiheit haben wir ja nahezu erreicht, oder? Es kann nahezu jeder so herumlaufen, wie er möchte – auch geschlechtlich übergreifend – es wird fast immer akzeptiert. Wir engagieren uns für den Umweltschutz, schalten die Atomkraftwerke ab, das Thema Abrüstung ist vom Tisch und überhaupt leben wir alle doch irgendwie bewusster. Oder etwa nicht? Wogegen also rebellieren, sich auflehnen und abgrenzen? — Das sind meine Gedanken dazu, denn MEINE Ängste der Jugend sind irgendwie verflogen. Wir brauchen Subkulturen ganz dringend! Woher sollen wir sonst wissen, was die Jugend möchte? Wir brauchen Heranwachsende die sich auflehnen und protestieren, die anders und verrückt sind und einen völlig neuen Kontrapunkt zu dem setzen, was vermeintlich angesagt ist.

    Zu Pete Burns: Das „Freak sein“ aus meiner Einleitung bezog sich nicht auf versaute Schönheits-OPs. Vielmehr auf das Freidenken hinsichtlich Geschlecht, sexuelle Orientierung und Lebensgestaltung. „Freak sein“ bezog sich nicht auf sein Äußeres, das auch nicht nach meinem Geschmack ist, sondern auf das möglicherweise darunter schlummerte. Möglicherweise war Burns sogar eine tragische Figur und das Paradebeispiel für „versagen“. Aber warum nicht? Der Mensch ist fehlbar, nicht perfekt und unausgereift.

    @Verrückte Wölfin:
    Ich habe Shopping Queen nicht ganz geschafft. Die Machart und das Drumherum waren mir dann doch irgendwann einfach zu fremd. Und dann auch diese komischen anderen Frauen die mit dem Scripted-Reality-Drehbuch bei der Dame im Wohnzimmer hockten. Also neeeee. :)

    @Svartur: Abgrenzung ist schwierig geworden, weil jeder alles tragen kann und ein Abgrenzung zunächst äußerlich stattfindet. Da musst du heutzutage schon tief in den Schminkkoffer greifen, um die von dem Abzugrenzen, was Gesellschaft und Medien spiegeln. Subkulturen entstehen vielleicht nicht mehr, weil nichts mehr im „Verborgenen“ stattfindet. Alles ist immer verfügbar, im Internet findest du jede Randgruppe mit ihrem ganz persönlichen Auftritt.

  6. Zum Aussterben der Konzerte:
    Die Beobachtung ist korrekt, die Schlußfolgerungen des Autors gehen jedoch meiner Meinung nach am eigentlich Problem vorbei. Er hat richtig erkannt, das allein im Metal-Bereich jeden Monat 150 bis 200 neue Alben auf den Markt geworfen werden. Richtig ist auch, dass wir natürlich dadurch und durch die Verfügbarkeit der Musik durch das Internet vermutlich mittlerweile einfach übersättigt sind. Dann schiebt er aber den Schwarzen Peter nur den Leuten vor der Bühne zu, was aus meiner Sicht zumindest teilweise falsch ist. Das Problem sind nicht nur die unglaubliche Vielfalt an neuer Musik und die billigen Möglichkeiten, sie zu hören und zu machen (und damit verbunden die unglaublich vielen neuen Bands und Musiker, die Aufmerksamkeit auf allen Kanälen wie Facebook etc. wollen), sondern auf der anderen Seite auch die Entwicklung des Idealbilds des Menschen hin zum hyperflexiblen, immer-online Arbeitnehmer und Erlebnisjunkie, an dem jeder verdienen will. Ich weiß nicht, wo genau der Autor wohnt, aber hier in unserer Gegend zahlt man selbst für unbekannte Bands gern 15, 20€ Eintritt (plus Getränke, wobei 0,2l Wasser gern bei 2€ oder gar mehr anfangen, plus Anfahrt etc.) und es spielt quasi JEDEN Tag irgendwo eine Band, die theoretisch in Frage kommt, manchmal sogar mehrere parallel. Abgesehen davon, dass man heute oft nicht einfach von 9 bis 17 Uhr für seinen Unterhalt arbeiten muss und dann alles fallen lassen kann, also es zeitlich gar nicht auf die Reihe bekommt, hat man auch schlicht ein finanzielles Problem, wenn man, wie der Autor vorschlägt, öfter zu Konzerten gehen will, auch wenn man die Band gar nicht kennt. Es ist ein Teufelskreis, der aber noch mit aller Macht vorangetrieben wird: mehr Bands, die öfter und für mehr Eintritt spielen, treffen auf immer weniger Leute, die sich das alles leisten können, worauf hin wieder an der Preisschraube gedreht wird, damit es sich überhaupt lohnt. Das Problem ist also nicht so sehr die Unlust der Leute, sondern die Kommerzialisierung des ganzen Party-Betriebs. Wann habt ihr das letzte Mal eine Band irgendwo kostenlos und nur für die Aufmerksamkeit der Leute spielen sehen?
    Dann gibt es da auch noch ein qualitatives Problem, gerade in den Subkulturen: unglaublich viele neue Bands, die teilweise unglaublich schrottig und stromlinienförmig sind, aber trotzdem als das nächste große Ding angepriesen werden, damit man mit ihnen mehr Geld verdienen kann. Abschreckendes Beispiel hierfür war für mich z.B. die erste Vorband der aktuellen Pitchfork-Tour: ein schlechter Aggrotech-Combichrist-Klon, bei dem die Texte hauptsächlich aus „Move your Ass“ und „Fuck that bitch“ bestanden. Wer braucht sowas?

    Da mein Rant nun doch länger wurde, als geplant, nur kurz was zum „Primark“-Artikel: Ja, Modeketten bedienen sich bei Subkulturen wie der Schwarzen Szene. Das war schon immer so. Aber auf der anderen Seite hat die Szene die Kommerzialisierung auch voll angenommen und aufgehört, den eigenen Stil weiter zu entwickeln. Schau ich mir heute Klamotten in schwarzen Läden und Katalogen an, sehe ich überall den selben Mist: hier einen Riemen mehr, dort eine Schnalle oder Niete, dazu noch etwas Spitze, aber ansonsten immer der gleiche Stil, und das seit 20 Jahren. Das alles in 1000facher Ausfertigung mit nur marginalen Unterschieden. Und schaut man sich die Festivals an, laufen mindestens 70% der Leute mit solchen Klamotten von der (schwarzen) Stange herum, statt selber mal kreativ zu werden. Der Mainstream übernimmt diese Elemente, und statt selbst was neues zu machen, schmollt die Szene nur und geht eben bei Primark einkaufen. Prägende Ikonen wie Siouxsie gibt es auch nicht mehr bzw. bedienen auch nur noch aus dem Katalog. Kaum jemand nimmt noch selbst Schere und Nadel zur Hand, stattdessen wird lieber das Misfits-Shirt bei H&M gekauft, nachdem man sich ausgiebig darüber echauffiert hat, dass die ganzen ‚Kids‘ ja eh nicht wissen, wer die Misfits sind. Kein Wunder, dass die Subkultur zumindest in dieser Hinsicht den Bach runter geht….

  7. Im „Primark“ war ich vor Jahren in Oxford mal drin. Nur ein einziges Mal. Ein paar Schuhe gekauft und sofort wieder raus. Völlig überfüllt und irgendwie auch ramschig. Ich muss mich dem letzten Kommentar anschließen: Subkultureller Stil ist das, was Subkurbewohner aus H&M/Primark/Zara-etc-Klamotte macht.

    Noch ein Wort zu Pete Burns: Ich habe schon Fotos von Menschen gesehen, die nach Beauty-Ops entstellt waren, aber DAS toppt wirklich alles: Das muss man erst einmal hinkriegen, sich durch wahrscheinlich sehr teure Operationen so zu verunstalten. Dagegen sind die dunkelgebrutzelte Donnatella Versace und Jocelyn Wildenstein noch echte Schönheiten. Ein Freak im wahrsten Sinne des Wortes.

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