Skeleton Dance: Disneys dunkle Seite

Dass Disney sozusagen eine dunkle Seite hat weiß jeder. Ein nach außen hin familienfreundlicher Konzern, der unter der Oberfläche ebenso den Fall des Abendlandes heraufbeschwört wie MacDonald’s, MTV und Coca Cola, gegründet von einem nach seinem Tod eingefrorenen Anti-Semiten, der die Anti-Nazi-Propaganda Anfang der 1940er auf eine kriegstreiberisch nationalistische Spitze trieb. Das scheint heute ebenso „selbstverständlich“ wie die Tatsache, dass jeder von uns als Kind dennoch Disney-Cartoons liebte.

Dass Disney aber auch inhaltlich und bildlich eine schlichtweg schwarze und düstere Seite haben konnte, ist nur wenigen bewusst und soll daher hier etwas beleuchtet werden (wenngleich man hier betonen sollte, dass wir eher von Walt Disney selbst sprechen und nicht so sehr von dem Konzern der heute schlechte Teenie-Musicals und die Jonas Brothers verkauft).

Angefangen hat das Ganze 1929, nur ein Jahr nach dem originalen Steamboat-Willy-Cartoon, mit einer „Silly Symphony“ namens Skeleton Dance.

Natürlich ist alles humoristisch und niedlich aufgezogen, aber schon die schräge Szenerie (heute würde man sie vielleicht Burton’esque nennen), die grimmigen Spinnen und Fledermäuse und der mitternächtliche Friedhof stimmen einen auf einen reichlich düsteren Spaß ein wie er einem breiten Publikum wohl erst durch die Munsters oder die Addams Family bekannt wurde. Ob es bei Goethes Totentanz wohl auch so unterhaltsam zuging?

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Als es Mickey Mouse im gleichen Jahr in das Haunted House verschlägt ist die Szenerie sehr ähnlich (die Spinnen und Fledermäuse mögen gar die selben sein), nur wird hier der schlotternde Mickey dazu verdonnert für die tanzenden Skeletthorden auf einer Orgel zu spielen (die natürlich wie ein ganzes Orchester klingt ;) ).

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Pünktlich zu Halloween (immer noch des gleichen Jahres 1929!) wurden dann in einer weiteren „Silly Symphony“ namens Hell’s Bells sämtliche bösen Geister der Hölle beschworen. Die obligatorischen (und wieder auf die gleiche Weise auftretenden) Spinnen und Fledermäuse sehen etwas detaillierter aus, und diesmal sind es kleine Teufel die musizieren und tanzen. Wem das alles noch nicht zu eintönig wird, der wird auf YouTube auch noch etwa tanzende Mumien finden, aber alle anderen werden sich freuen, dass sich Disney einige Jahre später (mittlerweile in Farbe) dann auch mal an etwas anderem versucht hat, und zwar an nichts geringerem als einer Umsetzung von Washington Irving’s kurzer Gothic Novel The Legend of Sleepy Hollow. Lustigerweise ist der gesamte Handlungsverlauf wie auch die Darstellung des Ichabod Crane deutlich näher am Original als die populäre Burton-Verfilmung durch die die meisten (ich eingeschlossen) überhaupt erst mit der Geschichte bekannt gemacht wurden.

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