3 April

Die modische Zukunft unserer Subkultur: Harajuku Street Fashion

Verfasst von Diskussion: 17 Kommentare
Bercerk Street Fashion - Screenshot Tokio Fashion

Ist das unsere stilistische Zukunft?
(c) Tokiofashion.com

Tokio ist nicht nur die Hauptstadt Japans, sondern auch einer der interessantesten subkulturellen Schmelztiegel auf diesem Planeten. Rein äußerlich versteht sich. Hier wird alles, was an Mode-Stilen existiert mit japanischen Traditionen und der dortigen Popkultur zur einer Kombination vermischt, die ihres gleichen sucht. Die Stadtteile Harajuku, Shinjuku, Shibuya und Ikebukuro sind bekannt für ihre ausgefallenen Läden und Labels und für die Menschen, die ihre Form der Individualität auf die Straßen tragen. Klassische Stereotypen findet man dort nicht, in Tokio regieren völlig andere und für uns unbekannte Stile das Modebewusstsein der dortigen Jugend.

Gyaru, Lolita, Visual Kei, Dolly Kei, Mori Kei oder auch Fairy Kei vereinen äußerliche Splitter etablierter Subkulturen, die mit typischerweise überzeichnet mit Stilen, die aus Mangas und Animes stammen, vermischt werden. Der Wille zur Individualität scheint grenzenlos zu sein und macht auch vor dem eigenen Körper nicht halt und scheint einem Dogma der ewigen Jugend unterworfen zu sein. Da werden die Zähne für ein kindliches Lächeln angeschliffen, die Augenform operativ verändert und schon als junger Erwachsener Unmengen von Botox unter die Haut gespritzt. Das die meisten Japanerinnen häufig x-beinig stehen, um kindchenhaft zu wirken, ist noch die harmloseste Unart. Tokio, das Zentrum für alle diese Dinge, ist voller Widersprüche, Kuriositäten oder Absurditäten – eine Stadt für deren Beschreibung Worte nicht ausreichen. Jedenfalls nach unserem Empfinden. 

Tokio ist aber auch Trendsetter und hat als Mode-Metropole für Pop- und Subkultur längst eine Spitzenposition erreicht. Auch hinsichtlich der nächsten Gothic-Trends darf man die dortige Street Fashion nicht aus den Augen lassen. Ob man das nun gut oder schlecht findet, sei an dieser Stelle mal in den Raum gestellt. Reikon DeVore entdeckte jüngst ein Video der noch jungen Mode-Marke „Bercerk“, die auf den Straßen des Stadtteils Harajuku vorführten, was man 2017 in Tokio unter Gothic zu verstehen scheint:

Ich kann nicht behaupten, dass mir dieser XXL-Style nicht zusagt. Tatsächlich finde ich einige Outfits durchaus sehr gelungen und inspirierend. Man darf natürlich nicht vergessen, das diese Models mit ihren außerirdisch wirkenden Körpern sicher nicht als Vorbild zu verstehen sind. Denn es wirkt tatsächlich sehr stimmig, wenn diese androgynen Körper in übergroßen Schuhen und Klamotten durch die Gegend schlendern, durch das Make-Up diesen Stil konsequent weiter tragen und damit das Bild des eigenen Körpers gekonnt überzeichnen. Hier und da muss man natürlich über die gekünstelten Posen hindurchsehen, die dann stellenweise doch etwas lächerlich wirken. 

Fraglich, wie diese Kleidung an einem mitteleuropäischen Otto-Normal-Gotischen Körper aussehen. Wenn man sie sich denn leisten kann, denn mit jeden „Designer-Label“, dass sich Subkulturen als Stilvorlagen bedienen, werden extraorbitante Preise geboren. Schon Killstar, ein Label das bereits vor ein paar Jahren von sich Reden machte und mittlerweile ein deutliche größeres Publikum anspricht, will ich mal einfach als „höllisch teuer“ bezeichnen. So wundert es nicht, dass die ersten Teile dieser Kollektion, die in einem japanische Online-Shop zu haben sind, zwischen 90 und 120 Euro kosten. Ja, liebe Gruftis, die damals ihre Fashion aus völlig normalen Klamotten zusammengenäht haben, Gothic ist nicht nur Subkultur, sondern auch Style, der längst als rein oberflächliche Kleidung getragen wird, ohne musikalische, literarische oder weltanschauliche Interessen auch nur zu streifen. Auch mir 3 Schritten nach vorne und 3 Schritten zurück kommt ihr nicht mehr weit.

Nichts desto trotz finde ich Japan – und insbesondere Tokio – als faszinierend und interessant und möchte versuchen, wenn ihr Euch dafür interessiert, in einem späteren Artikel die spannendsten „Subkulturen“, die in Tokio die Straßen bevölkern, einmal näher zu bringen. Solltet ihr Euch bereits damit auskennen (ist sowas eigentlich Teil des Studiums der Japanologie?) wäre ich für Eure Hinweise und Angebote zu Mitarbeit sehr dankbar. Wer noch mehr über die Mode und die Models aus dem Video erfahren möchte, ist mit einem Artikel von Tokyofashion.com bestens versorgt.

17 Kommentare

  1. Nach langen Jahren des konsequenten Naserümpfens, in Bezug auf alles was aus dem modern-popkulturellen Bereich Japans zu uns rübergesickert kam, hab ich doch irgendwann mal angefangen, mich ein bisschen dafür zu interessieren, ich sehe das in weiten Teilen aber als eine Sache, die mit der Szene (im urprünglichen, westlichen Sinne, wie wir sie kennen), nicht ganz so viel zu tun hat. Soll jetzt in erster Linie eine reine Feststellung sein, ohne negativen Unterton. Ich denke, es rutscht einem auch gerne die Augenbraue nach oben, weil man solche Mode-Erscheinungen zu sehr vom Standpunkt unserer westlichen (Goth-) Kultur her betrachtet und dann gleich denkt – was soll der Scheiß denn jetzt wieder? Das haut aber so eben nicht hin .

    Die japanische Kultur tickt einfach anders, und auch die alternativen „Szenen“ kommen im Grunde aus anderen Voraussetzungen hervor als bei uns. Es macht Sinn auch mal einen Blick auf die japanische Kultur an sich zu werfen und dann nochmal auf diese Szenen und Stile zu schauen, dann denke ich, versteht man auch, wieso es da eher „Stil um des Stiles Willen“ ist. Richtet sich nun weniger an Robert, sondern an Leute die – wie durchaus auch ich mal – den japanischen Krempel doof finden weil das ja mit „der Szene“ nix zu tun hat. Hat es auch nicht, das macht aber auch nichts, es ist trotzdem garnicht uninteressant …

    Ich habe eine bezaubernde Kundin aus Japan, die auf europäischen Rüschengruftkram ziemlich abfährt … was die im Kleiderschrank hat, erstaunt sogar mich manchmal ziemlich :D – sie postet auch fleißig Fotos, aber nie welche auf denen man ihr Gesicht richtig sieht (logischerweise auch nie unter echtem Namen) – dabei ist kein Bild irgendwie anstößig oder unvorteilhaft, ganz im Gegenteil, womöglich darf diese Stil-Vorliebe in ihrem Arbeitsumfeld einfach tunlichst nicht ans Tageslicht kommen. Wer dort aus dem Schema fällt, hat ein Problem, je nachdem wo man arbeitet, sogar schon mit Haarfarben die nicht japanisch-norm-schwarz sind. Gesellschaftlich gesehen ist Individualität eher verpönt – also verständlich wenn man vor dem Hintergrund in das andere Extrem fällt, wenn man ein Schlupfloch findet dafür. Meistens in der Zeit auf der Uni, oder als Doppelleben, wie bei meiner Kundin.

    Aber zum Video – ich würde mal behaupten, die weit geschnittenen Formen sind in japanischen Mode-Designs recht häufig anzutreffen, sehe ich bei vielen Sachen aus dem Eck, viele Lagen, sehr einfache, gerade Schnitte (man schaue sich traditionelle japanische Kleidung an … ) … in dem Fall eben mit gruftigen Versatzstücken dekoriert – auch nicht ganz neu, aber gefällt mir dennoch auch besser als die „Nudel mich durch – sofort, oder ich hau dich ganz pöhse auf den Popo!“-Optik .
    BTW zum Thema „japanische Stilrichtungen“ – bei mir gammelt noch ein Text zu „Shironuri“ rum, also „Kalkleiste auf japanisch“ …

  2. Ich habe mich auch mal ne ganze Zeit lang mit japanischen Jugendkulturen beschäftigt. Aristedes hat vollkommen recht. Jegliche Form von Individualität ist im öffentlichen Leben Japans verpönt. Das geht soweit, dass die Leute ihre Outfits erst bei den jeweiligen Veranstaltungen anziehen. Also stellt euch vor: Ihr geht in eine Disco und brezelt euch erst dort auf. So läuft das in Japan beinahe immer. Japan hat eine sehr hierarschiches Gesellschaftssystem mit strikten Rollenbildern für die Geschlechter. Insofern verwundert es nicht, dass viele Subkulturen darauf abzielen mit diesen Rollenbildern zu brechen. Während es hier keine Socke mehr interessiert ob du schwul, transgender oder was auch immer bist, ist das dort andrrs.

  3. O.k., schon gut – habe verstanden: die („Subkultur“)-Uhren in Japan ticken halt anders (hätte ich auch nicht anders erwartet…), aber deren Zeitrechnung beginnt ja auch nicht gerade erst seit gerade mal gestern Abend, oder so.
    Von daher müsste man doch davon ausgehen, daß auch dort „Subkultur“ nicht nur mit „Style over content“ beschrieben, bzw. gelebt werden kann (oder muß…). Auch den dortigen kulturellen, hierarchischen Aspekten und der traditionellen Historie Platz lassend – und deren Besonderheiten, so begibt man sich auch dort durchaus auf z.T. recht ausgetretene Pfade eines Stilkodex, bzw. einer aus dem Westen kopierten Popkultur und gewissen „Werten“ (die man ja wohl auch dort nicht so sehr mißdeuten kann – oder wird aus einer halb um die Welt geflogenen Joy Division-Platte dort plötzlich ein „Hello Kitty“-Soundtrack?).

    Nun aber, daß (trotzdem) von daher nicht nur in Japan diese (oder auch andere) „Subkultur(en)“ nicht unbedingt mehr in einem in den 80s stehengebliebenen Anachronismus dahersumpfen will (wollen), ist in einer (fast schon logischen) fortschreitenden Verwässerung und Formverschiebung von ehemals relativ enggesteckten „undergroundigen“ Style-Erscheinungsformen zu beobachten – und nicht nur dort in „exotischen“ fernöstlichen Gefilden.
    Daß man oftmals in gewissen Erscheinungsformen immer wieder den „Goth“-Kern wiederkennen möchte, liegt auf der Hand, denn „Modefarbe“ schwarz mit bestimmten Details, Accessoires und Auftreten gespickt, suggeriert dies halt sofort – wenn vielleicht auch aus einer ganz anderen, sogar entgegengesetzten Intention oder Motivation dargestellt.
    Und das ist bei uns auch nicht viel anders, vielleicht im Schnitt dezenter (aber diese Beschränkungen fallen spätestens, wenn einschlägige Festivals wieder zum Schaulaufen herbeitröten…), von daher zu diesem „Harajuku“-Dingens eher leichtes Schulterzucken von meiner Seite aus. So in etwa hatte ich das auch vor Jahren schon bei dem einen oder anderen hierzulande gesehen. Aber wenn, dann hat’s bestimmt nicht so viel gekostet – und wurde auch nicht als der „heisseste Sch***“ durchs Dorf geprügelt…
    Aber, wie auch immer, dieses ganze „Lolita“, „Visual Kei“ und sonstwas Gedöns, dieses z.T. schon manchmal seltsame Blüten treibende Streben nach (gekrampft wirkender) „Individualität“ (ob made in Japan oder sonstwo), die vielleicht japanische „Spezialität“, lieber wie eine Comic- oder Fantasyfigur (oder irgendwie „niedlich“) auszusehen, darüber kann man sich schon mal so seine Gedanken machen, besonders über die Gesellschaft, die solcherlei hervorbringt… (aber auch: wenn hierzulande so manche Leute ein leichtes „Hierherschwappen“ sofort als neuesten Furz kritiklos meinen kopieren zu müssen…)
    Merke: das Leben ist halt auch kein Tim Burton-Film – nirgendwo…

    Soweit, so gut, die hier vorgestellte „street fashion“ (huah!) gefällt mir persönlich nicht sonderlich, hat m.E. nichts besonders „exotisches“, „raffiniertes“ oder gar besonders aufsehenerregendes an sich (o.k., die Schminke ist natürlich zu dick aufgetragen – und hat mit „street“ m.E. jetzt nun gar nicht viel zu tun). Auch eingedenk (zumindest teilweise!) der auch von meinen Vorrednern und von Robert im Artikel beschriebenen japanischen „Besonderheiten“ und „Rollen“ erinnern mich die „Harajuku“-Models irgendwie eher an verwöhnte konsumgeile HipHop-Kids, die mal eeeevil ausschauen mögen…

    Und was die „modische Zukunft“ von „Subkulturen“ angeht: jeder ist seines Glückes Schneider.
    Oder nicht?

  4. Mir gefällts nicht. Jedenfalls nicht diese Ausführung hier. Wirklich neu ist es nicht, das ist noch kein Kriterium. Für meinen Geschmack ist das aber einfach zu plump. Egal ob in Ost oder West, mich langweilen diese nach Schema F produzierten Szenefummel einfach nur noch. Man bastelt an ein schwarzes Teil ein paar D-Ringe, Nieten oder Totenköppe und schon ist man ach so goth…
    Das können andere besser und inspirierter, ganz ohne der üblichen Zutaten. Aber das ist halt meine persönliche Ansicht dazu.

    Mit den ganzen japanischen Stilbegriffen kenne ich mich nicht aus, darum kann ich jetzt keine Vorschläge machen, unabhängig von persönlichem Gusto betreffs einzelner Klamotten würde ich mich aber über weitere Artikel aus dieser Richtung freuen. Also nur weiter so.

  5. Mein Fall ist es auch nicht. Die Schnitte finde ich weder originell noch interessant. Und diese Mimik dazu finde ich wirklich kindergartenmäßig peinlich.
    Eine Gesellschaft, die das Individuelle dermaßen unterdrückt, ist eine gruselige Vorstellung. Eigentlich müsste ja gerade sowas Subkulturen und Rebellion hervorrufen.
    Andererseits ist es ja auch in konservativen muslimischen Ländern ähnlich, sogar noch extremer, wenn praktisch der gesamte Lebensentwurf vorgezeichnet wird
    – doch ob es da überhaupt Subkulturen gibt? Das würde mich mal interessieren.

  6. Wie kommt man darauf, dass die Individualität in Japan unterdrückt würde? Ist es nicht einfach nur ein Land, das völlig andere Wertvorstellungen hat als wir hier in Deutschland? Was muss an unserer Individualität denn besser sein? Nach der japanischen Lebensart ordnet man sich dem Gemeinwohl unter und das mit einer politischen und gesellschaftlichen Selbstverständlichkeit, die ich beeindruckend finde. Ehrlichkeit, Höflichkeit und gegenseitiges Vertrauen hat dort einen ganz anderen Stellenwert als bei uns. Wie könnte es bei soviel „unterdrückter“ Individualität denn sein, dass Japan zu einem der innovativstes Länder dieses Planeten handelt? Wenn alles vorgezeichnet ist, wie erklärt man dann die anders Denkenden, die immer wieder etablierte Ideen nehmen und auf den Kopf stellen?`

    Ich glaube nicht, dass wir so vorschnell urteilen dürfen und einfach unsere Kultur und Werte als „besser“ oder „individueller“ darstellen als die dortigen.

  7. Okay, sorry, das hatte ich hier irgendwo rausgelesen, bin davon ausgegangen, dass sich da jemand genauer auskennt als ich und habe das so übernommen.
    Mit der japanischen Kultur hab ich mich bislang wenig beschäftigt, wusste nur, dass die Menschen dort sehr viel mehr ins Arbeitsleben eingebunden werden und sich einige als Ausgleich zu dieser Fremdbestimmtheit in eigene Welten flüchten, sprich in Rollen schlüpfen (oder eben auf Reisen gehen). Und Gefühle zeigt man dort wohl nicht so sehr, zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Das ist es was ich bislang gehört hatte.

    Wenn tatsächlich optische Anpassung erwartet wird und das dazu führt, dass das individuelle Outfit nur „heimlich“ getragen wird oder als scheinbar einziges Ausdrucksmittel gesehen wird, zeigt sich allerdings schon, dass da ein Wunsch nach Ausbruch vorhanden ist. Das hat ja nichts damit zu tun, das japanische Werte- und Gesellschaftssystem generell abzuwerten. Da gibt es sicher durchaus positive Aspekte, von denen wir uns hier eine Scheibe abschneiden könnten, oder zumindest so einige Ellenbogen-Egozentrik-Kandidaten, die immer zahlreicher werden. Tatsächlich sind es Asiaten, die in unserer Gesellschaft am wenigsten auffallen und am angenehmsten auf mich wirken – selbst als riesige Touristengruppen ;-)

  8. Robert, ich glaube nicht, daß hier jemand im Verlauf dieser Diskussion behauptet hat, unsere Werte, bzw. unsere „gelebte“ Individualität wäre(n) besser, „authentischer“ oder irgendwie „vorbildlicher“.
    Dabei kommt es ja auch nicht primär darauf an, wo diese Ausprägungen stattfinden, bzw. ihren Charakter darstellen, sondern wie und wann, was bedeutet, mit welchem Zeitgeist diese einhergehen.
    Hier möchte ich allerdings auch gerne noch einwerfen, daß „Individualität“, die sich rein auf Optik und Äusserlichkeiten fokussiert, eine rein oberflächliche Angelegenheit ist, die ihre Substanz erst beweisen muß. Hier und anderswo gleichermassen.
    Was bringt es nämlich, wenn man meint, zur falschen Zeit am falschen Ort nun partout „Individualität“ zur Schau tragen zu müssen, aber inhaltlich patzt. Da sind wir nämlich an dem Punkt angekommen, an dem man auch erkennen muß, daß „Individualität“ nicht unbedingt ein Garant für „Innovation“ sein muß.

    Mittlerweile leben wir nun in einer Ära, in der Individualität in unseren hiesigen Breiten zum täglichen Leben gehört, quasi beinahe Alltagsgeschehen geworden ist. Diese „gelebte“, von mir aus auch „natürliche“ Individualität äussert sich in vielerlei relativ flexibel gewordenen Tages- und Mobilitätsabläufen, etc.
    Da scheint es einem manchmal gerade so, als wäre diese Individualität schon so selbstverständlich geworden, daß einige Zeitgenossen diese nicht mehr richtig wahrnehmen, bzw. zu schätzen wissen – und krampfhaft versuchen, sich eine „erweiterte Individualität“ künstlich zu schaffen, die sich nicht selten in reinen Äusserlichkeiten (und so manchen Spleens) ergeht. Das heisst, der eigentlich eigenen natürlichen Persönlichkeit noch einen draufsetzen. Das (manchmal doch etwas lächerliche) Ergebnis davon kennen wir alle irgendwie, oder? Nun ja, „jedem Narren gefällt seine Kappe“, heisst es landläufig. Und wenn es so sein muß, mit „schrägen“ Designer- bzw. auf „schräg“ gemachten Markenklamotten für teuer Geld „subkulturell“ tuend uniform im Rudel durch die Gegend zu scharwenzeln. Und dabei vergessen zu haben, daß sich dafür vor ein, zwei Generationen vorher Leute (mit doch etwas differenten Motivationen) noch wirklich quer gelegt haben. Und das ist wohl nicht nur in Japan so…

  9. Eigentlich erstaunlich, dass Japan noch Jahrhunderte nach seiner Öffnung zum Westen nichts von seinem Exotikfaktor eingebüßt hat. Manchmal könnte man sogar den Eindruck gewinnen, er hat seitdem sogar noch zugelegt.
    Man kann die japanische Gesellschaft vermutlich nicht verstehen, wenn man sie nach westlichen Maßstäben betrachtet. Die zugrundeliegende Philosophie ist eine völlig andere, Traditionen haben dort auch unter jungen Leuten einen höheren Stellenwert als hier, ohne, dass es dabei zwingend verkrustet zugehen muss. Ich glaube man ist in Japan fähiger als wir im Westen, wenn es darum geht den Balanceakt zwischen Tradition und Fortschritt zu finden. Und auch zwischen Ost und West. Best of both worlds sozusagen.

    Mit „Individualität“ meinen hier viele zwangsläufig eine völlige Abkehr vom Vorangegangenen und zwingende Andersartigkeit, außerdem wird eine gewisse Konsequenz erwartet, sprich: entweder du bist Fulltime-Alternativ oder du bist ein Poser oder Wochenend-Goth. Dass Beruf und Persönlichkeitsentfaltung nicht immer zusammengehen wird deshalb schnell zum Problem. „Individualität“ wird hier gern als kompromissloser Egotrip gelebt.
    Dieses Problem stellt sich nicht, wenn man seine Entfaltung auf die Freizeit beschränkt. Durch gewisse unumstößliche Einschränkungen sind die Japaner früh „gezwungen“ kreativ zu werden.
    Ein Beispiel: ich las einmal, dass japanische Schüler bevorzugt ihre Schuhe bemalen (es gibt dort spezielle Schuhe zur Schuluniform, soweit ich weiß werden diese aber nur innerhalb von Gebäuden getragen) um sich trotz Uniform eine persönliche Note zu geben.

    Ähnlich dürfte es sich mit diesen extremen Harajuku-Moden verhalten, bei denen es zumeist auch keine tieferen Hintergründe gibt, es geht primär darum gesehen zu werden aber sie sind eben von unterschiedlichsten Dingen inspiriert, sei es nun Puppenkleid, japanische Mythologie, westliche Stile, Natur, etc. und das macht die Sache irgendwo so interessant. Im Alltag ist vieles davon nicht zu tragen aber darum geht es ja auch nicht, das wissen die selbst am allerbesten. Aber man nutzt eben jede noch so winzige Freiheit zur vollen Entfaltung, ich denke deshalb blühen dot auch die Extreme so auf, weil die Sache eben Beschränkungen unterlegen ist und wenn man mal im Berufsleben eingebunden ist, erledigt sich das sowieso von selbst. Allerdings sind die Japaner grundsätzlich wohl modebeaffiner als z.B. die Deutschen und egal welchen Alters auch experimentierfreudiger, selbst ohne die Auswüchse à la Harajuku.
    Ich finde das eigentlich sehr spannend aber man sieht natürlich mit der Zeit auch Abnutzungserscheinungen bzw. Wiederholungen, das ist vermutlich normal. Man kann nicht jedesmal das Rad neu erfinden und viel zu gucken gibts dabei ja immer noch.

    Abschließend vielleicht noch eines: es ist nicht zwingend so, dass diese jungen Leute nur hohle Modepüppchen sind. Das Aussehen hat einen hohen Stellenwert inne aber ich sah vor vielen Jahren mal eine Dokumentation, in der das „Visual Kei“-Phänomen zur Sprache kam und da war gerade hide gestorben, ein extrem populärer Musiker der Band X Japan. Die interviewten Jugendlichen hatten durchaus etwas zu sagen. Die haben Sorgen und Nöte wie jeder andere Mensch auch, die Musik, die Texte, waren für die ein Rückzugsort. Darin fanden sie sich wieder und fühlten sich verstanden. Mit dem Tod von hide ging für die eine Ära zuende und ein Ankerpunkt für ihr Gefühl vom Verlorensein, wie man das eben zuweilen so hat in der Adoleszenz und vielleicht auch noch danach.
    Wie überall gibts natürlich solche und solche.

    Falls jemand andere Informationen hat und sich besser auskennt: ich hab alles nach bestem Wissen und Gewissen formuliert und lasse mich gern korrigieren, sollte ich etwas Falsches geschrieben haben.

  10. @T.S.: Du hast recht. Das hat in der Tat niemand konkret behauptet, ich habe vermeintliche Schwingungen in dieser Richtung wahrgenommen :-) Es ist so eine Art Überstrahlungseffekt, weil ich vermute, dass in der Kritisierung einer Kultur auch eine Wertung der fremden und somit der eigenen liegt. Das ist nicht immer richtig, deshalb entschuldige ich mich im Gegenzug für eventuelle Missverständnisse.

    Individualität beziehe ich – angesichts dieses Beitrags – nur auf das Äußere. Einer Betrachtung von „Inhalt“ hält das ganze schon seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr Stand. Ein logische Folge wenn man bedenkt, dass Subkulturen für Vermarktungszwecke selten inhaltlich und eher äußerlich oder musikalisch ausgeschlachtet werden. Was ich sagen will: Gothic ist 2017 Mode. Schau Dir doch mal das WGT an, da werden Outfits lose gewechselt ohne das auf irgendeiner Ebene eine Auseinandersetzung stattfindet.

    Aber jetzt mal Hand aufs schwarze Herz: War das schon jemals anders? War „Gothic“ nicht ebenso schon in den frühen 80er eine Mode, bei dem viele Szene-Mitglieder mit Musik nur am Rande etwas zu tun hatten? Und Inhalte, so wie sie heute gefordert werden, gab es meiner Ansicht nach früher nicht. Als ich 1987 die ersten schwarzen Klamotten überstreifte, fand ich es cool, anders zu sein und zu den anderen „schwarzen“ dazuzugehören. Wie geht es Dir?

    @Julius: In der Tat, auch für mich bleibt die japanische Kultur noch eine der spannendsten. Möglicherweise, weil sie unserer in so vielen Dingen fremd ist und dem europäischen in so vielen Belangen Entgegensteht. Ebenso faszinierend, wie Tradition und kulturelles Verhalten die Mode beeinflusst. Wie ich bereits erwähnte, ist Japan ein Reiseziel geworden und irgendwann schicke ich Bilder aus Tokio ;)

    Ich möchte aber festhalten, dass meine Bewunderung der Andersartigkeit gilt und nicht als Wertung für eine „bessere“ oder „schlechtere“ Gesellschaft zu verstehen ist. So ein Urteil steht mir gar nicht zu. Es gibt mit Sicherheit japanischen Merkwürdigkeiten die ich ablehne, ebenso wie ich deutsche Merkwürdigkeiten ablehne.

  11. Robert, kein Grund sich entschuldigen zu müssen. Denn das Thema hat im Prinzip ja auch einen gewissen Polarisierungsfaktor, der natürlich verschiedensten Meinungen und Sichtweisen Tür und Tor öffnet.

    Und selbstverständlich gehe ich mit Dir schon deswegen d’accord, was Deine Ausführungen bezüglich der Substanz, der Inhalte des „upgedateten“ Szenegeschehens angeht. Mit Erwähnung der flatterhaften eitlen Oberflächlichkeiten, die während VA wie dem WGT zu beobachten sind, rennst Du hier bei mir offene Türen ein…

    Natürlich sollte man mit diesem Wissen um die hiesigen gewachsenen „Unzulänglichkeiten“ in dieser Hinsicht nicht global alles kulturpessimistisch über einen Kamm scheren, aber Skepsis ist dennoch ein stiller Begleiter, sollte jedoch nicht (ab-)wertend fungieren, wenn man im Bezug auf „fremde“ Kulturen nicht 100% im Bilde ist (und auch gar nicht sein kann). Soweit richtig.

    Aber nun zu Deiner Frage. Natürlich habe ich mich (vor langer Zeit) auch mal relativ auffällig und eindeutig „szenemässig“ gestylt. Selbstverständlich hatte man seine optischen Vorbilder in dieser Hinsicht. Jedoch kam mir nie in den Sinn, dieses Outfit primär über die Substanz zu stellen. Oder besser: bei mir war das „Waver“-, bzw. „Gothic“-Outfit eher ein weiteres (halt auch sichtbares) Zeichen einer gewissen Abgrenzung, die nicht nur modeorientiert oder als Ausdruck eines eitlen „Individualitätsdranges“ war, sondern hatte etwas mit dem Lebensgefühl der damaligen Zeit zu tun, worin auch durchaus (Sozio)kulturelle, gesellschaftskritische, vage politische Beweggründe ihr Ventil fanden. Nun ja, was war da nun damals besser geeignet, als die Farbe „Schwarz“? Natürlich gebe ich zu, daß in diesen jugendlichen Zeiten, bzw. zum Zeitpunkt der „Adoleszenz“ auch ein gewisser „coolnessfaktor“ mitschwappen durfte, und man orientierte sich natürlich auch an gewissen „Vorgaben“, die man durchaus abkupferte…
    Ob das nun typisch war, oder jetzt natürlich wieder jemand (vielleicht berechtigt) ankommen kann und behauptet, das „Gothic-Gedöns“ wäre ja doch schon immer eher ein Modeding und die „Szene“ eher „unpolitisch“, etc. gewesen – von mir aus… Vergessen habe ich zumindest nie, daß die ganze Chose ihre (Mit-)Wurzeln mal im Punk hatte (natürlich gab es auch „Modepunks“, keine Frage – Mitläufer gibt es immer), und daß eine meiner Motivationen (wenn ich diese nunmal definieren soll) jedenfalls immer näher an Produkten von Musik- als an Nähmaschinen angeknüpft war…

    Zwischenzeitlich ist für mich aufgrund verschiedener Ursachen und Entwicklungen die „Gothic-Szene“ durchaus etwas „anachronistisch“ geworden, und deshalb distanzierte ich mich von gewissen „Erscheinungsformen“ im Laufe der Zeit. Und wie schon vorher angemerkt: gelebte Individualität muß nicht unbedingt an schiere Optik gekoppelt sein.

    Und: ein guter Kumpel von mir hatte sogar mal die Aussage getätigt, daß man wegen Leuten, die die aktuellen, bzw. oberflächlichen Gothic-„Auswüchse“ gar nicht anders kennen, bzw. zu Schau stellen, sich einst mal „schwarz angezogen“ hatte… (…und natürlich nicht deswegen, um mit ihnen den „Schulterschluss“ zu begehen…)
    Aber richtig: sog. „Pseudos“ (ich weiß, scheusslicher abwertender Begriff) kannten wir auch schon damals…

  12. Das hat jetzt nichts mit den Kommentaren weiter oben zutun,sondern eher was mit deiner Bemerkung zu den Preisen.
    Ich bin 1998,mal mitten in der Nacht aufgestanden um mir ein Kleid von XtraX für 250 DM zu ersteigern ,was im Original 499 DM gekostet hätte und das finde ich beides bis heute teuer.Ich habe mir daraufhin damals zusammen mit einer Freundin die ersten Schnittmuster aus den USA besorgt und dann die Kleider lieber wieder selber genäht. Klar kann nicht jeder,dennoch.Killstar mag teuer sein,aber das kann man noch mit Kleidern für 2000 E und Gehröcken für 1500 E überbieten.Style hin ,Style her

  13. So neu ist der hier gezeigte Stil gar nicht. Furniert zur Zeit unter dem „Nu Goth“ oder „Hipster Goth“ label und existiert zumindest seit ca. 2010. Wirklich populär wurde er wohl so ca. ab 2012. Man findet solche Kleidung zwar immer noch zu hauf, aber der Look ist eingentlich schon längst out. „Pastel Goth“ hat dessen platz längst eingenommen und droht jetzt auch dank der kurzlebigkeit moderner Trends ebenso schnell wieder zu verschwinden.

    Wie ja schon angemerkt wurde hat das ganze nicht so viel mit Goth zu tun. gut, manche der Klamotten kann man verwenden (z.b. die asymetrischen Röcke finde ich sehr nett) und in seine generelle Garderobe einbauen. Aber die ganzen Outfits, wie so im Video getragen werden, sind eben typisch Haute Couture und Hipster Style. Das hat kulturell und mode-historisch viel mehr mit der Hip-Hop Subkultur zu tun, was wiederum zeitlich Sinn macht, denn der Stil trat als Reaktion auf die sogenannte Witchhouse Musikwelle auf. Und jeder, der ein bisschen in dieses „genre“ (auch hier ewige Streiereien obs ein Genre oder nur Trend ist) hineingehört hat kann auch den offensichtlichen Hip-Hop Ursprung erkennen.

    Was ich halt bei solchen Sachen sehr schade finde ist, dass die eigentliche Goth Szene Japans dann immer unter den Tisch gekehrt wird. So sehr ich Sachen wie Visual kei und freakige Harajuku Mode auch liebe, dieser ständige Fokus auf diese Szenen und deren Gleichschaltung mit Goth nervt. Auch wenn es in den 90ern tatsächlich Visual kei Gruppen mit Gothic Einflüssen gab. Es ist eben nicht genau dasselbe. Und leider erwecken solche Sachen dann den Endruck und Leute schreiben dann Japan als subkulturell armseliges Land der reinen Oberflächlichkeiten ab.

    Auch wenn die Goth Szene Japans nie sehr groß war und in den letzten Jahren noch mehrgeschrumpft ist, Bands und Fans sind vorhanden. Ich empfehle immer sehr gerne diese Facebook-Seite zu besuchen: https://de-de.facebook.com/JapaneseGoth/

    Und auch auf YouTube rumzustöbern, denn da findet man unter anderem schöne Sachen wie Madame Edwardas Macbeth. Eine seit den 80ern bestehende Band, dessen Sänger auch Gast des Batcave Clubs in London war. Und die diesen Song unlängst veröffentlicht haben.

    Und dann gibts auch japanische DJs, die in der Szene Tätig sind, wie DJ Zono Pansy, die sogar schon am WGT aufgelegt hat.

    An Goth und Szene mangelt es Japan nicht, es wird einfach nie so wirklich darüber Berichtet und die klassischen Goths sieht man auf den beliebten Foto-Meilen auch nicht so oft herumspazieren. Weil die halt auch relativ nachtaktiv sind :)

  14. Wissen die Trendsetter, Modeerfinder, bzw. -verbrecher und sonstigen ach-so-Kreativlinge (Sammelbegriff: „Hipster“ ?) überhaupt noch, von was sie so reden, wenn sie mit dem Etikett „Goth“ so wahllos und inflationär um sich schmeissen? Oder ist der Begriff „Goth“ mittlerweile solch ein schwammiges Sammelpseudonym für alles Mögliche geworden, so in etwa wie man die Wörter „geil“, „cool“ oder „hip“ vielfach wandelbar abnutzt?
    „Pastel Goth“ also! Ja, ich bin alt, aber so wie vor der Torheit schützt das Alter auch vor Neugier nicht…
    Und was musste ich feststellen, nachdem ich mich über diesen sub-sub-sub-Style eines sub-sub-sub-Trends mal kundig machte? Eh, nun ja, als erstes fiel mir anstatt „Goth“, sowas wie Prinzessin Lilifee meets Trollpüppchen (ihr wisst schon, diese hässlichen Figuren mit den zauseligen Haaren, die wie gefärbte Zuckerwatte ausschauen) ein. Und was hört man so in der „Pastel Goth“-„Szene“? Vintage Bibi-Blocksberg-Cassettenhörspiele? Oder ausgewaschene und verfärbte Bubblegum-Pseudo-Psychedelicpop-Platten aus Omas Rumpelkammer? Genau, sowas wie Doctor & The Medics fällt mir da sofort ein. Voll Vintage, hipstrig und absolut im „Goth“-Trend (die Wahrheit allerdings, dürfte noch viel ernüchternder sein, befürchte ich…). Leute, Leute, es gibt Momente, da bin ich aber auch mal „not amused“…

    Tja, aber, was zieht dann als nächstes am „Goth“-fashion-Firmament heran, bzw. braut sich da zusammen? Wie wär’s mit „Miss Piggy Goth“? Alles schön in Schweinchenrosa mit blonden Dauerwellenlöckchen? Oder aber gar „Black Goth“? Nur schwarze Klamotten, rundherum, sogar die Schuhe, Strümpfe, Strapse und Haare. Komplett schwarz, ganz ohne Ringel, Pünktchen, bunte Schleifchen oder Strähnchen! Nein, wie verwegen und abgefahren! Kaum vorstellbar, nicht wahr?

  15. T.S. wenn Du noch mehr bemühte „Stilblüten“ erleben (und ein weiteres Mal den Kopf schütteln) willst, guck mal unter „Health Goth“ nach… ;-)

  16. Ah, so einen habe ich gerade gestern auch gesehen. Beim Fußball. Die ganze Zeit gejoggt, voll „healthy“ drauf – und ganz in schwarz. Ach, der Schiedsrichter war’s nur… – hmmm, jetzt dachte ich, auch mal Trends zu erkennen… Mist!

    Aber nun mal im Ernst jetzt, bzw. in Satire: das hat sich doch einer vom „Titanic“-Magazin ausgedacht, oder? Oder, aber Hallo, Herr Böhmermann, Sie wieder am Werke? Hmmm? Naja, und wenn nicht, dann waren das so mehr oder weniger von der „Szene“ mitunter angeödete ex-Grufti-Typen wie ich, die schon längst nicht mehr zum „ernstzunehmenden“ WGT-Pulk gehören, und sich absurd-lächerliche gotheslästerliche Hirnakrobatien ausdenken, um sich dann zu beömmeln, wenn einer drauf reinfällt?

    Nicht? Na, dann aber action, neo dark folks: Bauch rein, Brust raus (was sonst?), fresh, fromm?, fröhlich, frei – und den Turngothfather Jahn einen guten Mann sein lassen… (und wehe, ich erwisch‘ euch hinterher mit einem Schwarzbier in den durchtrainierten Pfoten… – ich weiß, Schenkelklopfer mit ellenlangem Rauschebart, aber konnt‘ ich mir gerade nicht verkneifen…)

    Yeah!

  17. @T.S. nunja, wer sich das ausgedacht hat ist immer sehr schwierig. Diese ganzen Hipster-Trends sind ja im Internet entstanden, deswegen nennt man sie manchmal auch „Meme trends“. Angefangen hat das eben mit „Witchhouse“, was zunächst als reiner Witz „begründet“ worden ist und ging dann schnell über in Sachen wie Seapunk und eben Pastel Goth.

    Deine Vermutung bestätigt sich aber darin, dass die Hipster, die solche „trendigen“ und „hippen“ Stile erfinden das so machen, indem sie sich ein Outfit zusammenschustern und dann als Outfit of the Day auf seiten wie tumblr oder instagramm posten und darunter mit ihrern eigens „kreierten“ Labels taggen. So sind letzlich wohl die meisten dieser Trends entstanden: jemand hats vorgemacht, auf Webseiten wie Tumblr gestellt und andere haben es kopiert. Das ist ja auch der Inbegriff der „Meme“. Und Seiten wie Noisy, Vice Magazine und Pitchfork haben letztendlich zur massmedialen Verbreitung dieser Trends gesorgt. Siehe Seapunk z.B.

    Ob pastel goths überhaupt eine spezifische Musik hören weiß ich nicht. Die selbsernannten Nu-Goths mögen ja Witchhouse und „düsteren“ Hip-Hop. Ich glaube Pastel-Goth ist wirklich nur ein reiner Look, der aus der Hipster-Modeverwurstungs-Suppe heraus entstanden ist. Das wird ja auch seitens der Goth Szene seit je her an dem Stil kritisiert, dass er, abseits vom nicht vorhandenen Bezug zur Szene und Musik, keine wirkliche Tiefgründigkeit besitzt und eben nur ein Modetrend ist.

    Zum Thema „Health Goth“ hat die Hipster Seite schlechthin, Vice, einen irrwitzigen Artikel geschrieben: https://www.vice.com/en_us/article/health-goth-mainstream-attention-666
    Die Sorgen, die man haben muss, wenn man Hipster ist. Echt witzig wie sich diese leute, die eh schon „mainstream“ Kleidung tragen darüber aufregen, dass ihr Style zu mainstream ist. Aber das sit eben leider das, zu was „Goth“ verkommen ist.

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