Frag ein Klischee: Hatten Gruftis früher keine Freunde?

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Frag ein Klischee - Grufti NancyEin Video von hyperboleTV schmeißt ein paar der unzähligen Klischees gegen Gruftis schamlos auf die betreffende Randgruppe, im Film durch Nancy (32) repräsentiert. Auch klar, dass man das an Halloween veröffentlichen musste. Das war zwar schon 2014, aber Klischees sind ja auch zeitlos. Übrigens machen die auch noch zahlreiche andere Videos mit den lustigsten (und unlustigsten) Gesellen. Da wird ein Lehrer nach Gewaltphantasien gefragt, eine Dragqueen nach ihrer Unterwäsche und ein Türke nach dem 3er BMW. Gepaart mit vernünftigen Antworten wird daraus ein prima Tellerrand, über den man mal hinausgucken kann. Ist schon irgendwie spannend zu erfahren, mit welchen Klischees andere Leute so konfrontiert werden. Zurück zu unserem Vorzeige-Grufti Nancy. Klischee 1: Hatten wir früher keine Freunde? Unter den zahllosen lächerlichen Klischees wie “Schlaft ihr in Särgen” oder “Schändet ihr Nachts Friedhöfe?” und “Seid ihr Satanisten?” hat man sich ein fast glaubwürdiges Klischee herausgepickt. Obwohl ich mich korrigieren muss, einer hat im Sarg geschlafen. Ist mir jetzt irgendwie peinlich. Wie dem auch sein, jedenfalls fragt Hans Meise die Nancy, ihres Zeichens Grufti, ob sie früher keine Freunde gehabt hat und ob das der Grund sei, warum sie jetzt ein Grufti ist. Natürlich, so Nancy, hatte sie Freunde – sie schiebt ihre Szenezugehörigkeit auf die unzähligen Bösewichte, die sie immer toller fand, auf die Dunkelheit, die sie nicht schlimm fand und fügt hinzu, dass sie sich gerne gruselt:

 

FRAG EINEN GRUFTIE: Hattest Du früher keine Freunde? (FRAG EIN KLISCHEE)

Ich hatte übrigens früher auch Freunde. Das Verrückte ist, die sind auch irgendwie schuld daran, dass ich überhaupt Grufti geworden bin. Hätte ich keine Freunde gehabt, wäre ich möglicherweise jetzt Briefmarkensammler. Oder so ähnlich. Klischee 2: Sofia Fpunkt fragt anschließend, ob man nicht total depressiv wird, wenn man sich nur mit Schwarz, Tod und Blut umgibt. Gar nicht schlecht! Nancys Antworten sind aus dem schwarzen Bilderbuch. Lob und Anerkennung! Nur ein Beispiel: Gruftis sind sich darüber bewusst, dass der Mensch und die Dinge vergänglich sind, warum sollte uns das depressiv machen? Und natürlich geht Nancy auch gerne auf den Friedhof, weil das eben ein schöner und ruhiger Ort für uns ist.

FRAG EINEN GRUFTI: Schwarz, Tod und Blut? (FRAG EIN KLISCHEE)

Ich glaube für schwarze Wände bin ich viel zu spießig. Mone vom Rabenhorst hatte mal schwarze Wände in ihrer wilden Jugend. Und die Ratte auch. Ansonsten umgebe ich mich gerne mit der Ästhetik des Todes und habe entsprechend auch keine Leichen im Keller, sondern höchstens Kreuze an den Wänden und Totenköpfe im Regal. Klischee 3: Wieviele Babytiere hast du schon geopfert? War ja klar. Irgend so ein Dennis musste natürlich dann doch in die Scherzartikel-Kiste greifen.  Dabei ist Nancy tierlieb und geht heimlich in den Streichelzoo. Tieren ist nämlich egal wie wir so rumlaufen. Und weil sie gerade dabei ist, räumt sie auch gleich weiter auf und sagt, dass sie natürlich nicht in Särgen schläft. (Das macht nur der Eine)

FRAG EINEN GRUFTIE: Wieviele Tiere hast du schon geopfert? (FRAG EIN KLISCHEE)

Ich habe schon mal ein Kaninchen getötet. Das war krank, lag seit 1 Woche im Sterben und konnte nur mit einer Spritze ernährt werden.  Daran habe ich immer noch zu knabbern. Ich glaube ich bin einfach nicht dafür geeignet irgendwas umzubringen! Außer Mücken. Die zählen nicht. Klischee 4 ist eigentlich kein Klischee, sondern eher eine Frage: Was ist ein Grufti? Will der Marvin wissen. Nancy antwortet wahrheitsgemäß: Subkultur, 80er, aus’m Punk, lieben Dunkelheit, Musikkultur. Also jetzt in Kurzform.

FRAG EINEN GRUFTIE: Was ist ein Gruftie? (FRAG EIN KLISCHEE)

Genau so ist es. Klingt jetzt unspektakulär und vielleicht auch ein wenig langweilig, aber zu fast jeder Musikkultur, die das Zeug zur Subkultur hat, gehört eine Art Dresscode. Identifizierst du Dich mit Hilfe von Musik oder Bands, passt du auch dein Äußeres an und das nicht nur am Wochenende. Der eine mehr, der andere weniger. Bei den Gruftis kommt da noch eine Prise Punk-Haltung dazu, denn für manche heißt Schwarz immer noch: Es ist nicht nur der Spaß, der das Leben ausmacht. Daher hat die Kleidung bei uns auch eine Art Botschaft. Machst du das dann lange genug, wird aus der jugendlichen Rebellion eine Lebensart und letztendlich bleibst du dann ein Grufti. Heutzutage ist sogar der Quereinstieg möglich. Soll heißen, dass du nicht unbedingt damit in der Jugend anfangen musst und so bleibst, sondern dass man sich durchaus als Erwachsener noch für diese Subkultur entscheiden kann. Der eine mehr, der andere weniger.

Aber jetzt bin ich neugierig geworden. Wie würdet ihr auf diese 4 Klischees antworten? Hattest DU früher Freunde?

Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Schmiesemutz
Gast
Schmiesemutz

Die vierte Frage war ja immerhin mal annehmbar, da wurde ja einfach mal gefragt, worum es geht- ich hätte wohl ähnlich geantwortet wie Nancy.

Ansonsten:
*Ich hatte Freunde, aber nicht viele und wenige in meinem Alter, weil ich mit den Meisten nicht viel anfangen konnte.
*Depressiv bin ich, das hat aber nichts mit dem Lebensstil zu tun. Ganz im Gegenteil: Gerade mit der Musik, in einem Club oder eben auf dem WGT fühle ich mich noch am entspanntesten, ruhigsten und wohlsten. Depressiv macht es mich eher, wenn ich “normale” Leute um mich habe, wenn ich sehe, wie wenig sie sich um Wichtiges Gedanken machen, wie sie Wert auf sinnlose Gegenstände legen, die Umwelt, Natur und Menschen schaden und dabei denken, sie machen alles im Leben richtg. (Gut, ich bin halt sowas wie ein Öko-Grufti, ist bei anderen auch wieder anders)
*Das “Tiere-opfern”-Klischee kenne ich, das hat mich aber zuletzt jemand in der achten Klasse gefragt. Ich opfere keine Tiere, ich mag sie. Und wenn man bedenkt, dass Massentierhaltung für die Fleischindustrie eigentlich eine Massenopferung ist, dann opfern “normale” Luete wohl weit mehr Tiere als ich.

Mattenfrisör
Gast

Gothics haben keine Freunde, außer welche, mit denen sie an irgend einem Baumast abhängen können, oder welche, die nur einmal vorbeikommen, um ihre neusten Suizidgedichte vorzutragen:
https://stopmetal.com/blog/Spezial:+Gothic+Metal/

Und wenn sie sich Freunde suchen, dann über peinliche Börsen wie Schwarzes Glück….
https://stopmetal.com/blog/Blackflirt+und+Schwarzes+Glück!/

Sequest(a)r
Gast
Sequest(a)r

Echt jetzt? Schon wieder erklären, wie lieb und nett wir sind? Na fein.
Hier noch mal für alle, die es immer noch nicht wissen…

1. Hattest du Freunde?
Nee. Sozialkompetenz ist out.

2. Schwarz, Tod, Blut?
Merke: Nur ein Trauergrufti ist ein trver Grufti.

3. Opferst du Tiere?
Oh ja, am liebsten so dumme Esel wie dich!

4. Was ist ein Grufti?
Jemand, der jeden Tag wie seine eigene Beerdigung zelebriert.

Aber Nancy schlägt sich auch nicht schlecht. wink Sehr sympathisch, die Dame.

Ina Wölfin
Gast
Ina Wölfin

Ich hatte tatsächlich in der Schule keine wirklichen Freunde,hab mehr Prügel als Bonbons bekommen. Ich war anders aber mir dessen nicht bewußt.Als ich vor 21 Jahren in die Szene fand fühlte ich mich dazu gehörig und war endlich zuhause. Fürn Sarg hatte ich nie Geld sonst hätte ich mir glatt ein ins Zimmer gestellt aber drin schlafen dann doch nicht. Tiere töten nein. Das Thema Depressiv nun das war ich vorher schon und gerade gestern sagte ich jemandem das auch die Psychischen Dinge eine Sache sind die in der Szene als nix schlimmes zählen und man sich eher interessiert darüber austauschen kann. Blut trinken na wenn dann nur mein eigenes wink Was is ein Grufti? Na sowas wie ich ^_^ schönen Gruftigen Abend wünsche ich smile

Sequest(a)r
Gast
Sequest(a)r

@Robert: Drohne wär mir ja zu nerdig irgendwie. Hm, aber 2052 ist das wahrscheinlich schon wieder veraltet, somit Retro/Oldschool und dadurch wieder cool. Hmm.

Ich möchte lieber eine ganz kitschige Beerdigung – mit opulentem Holzsarg, tausend schwer duftenden Blumen, tropfenden blutroten Kerzen und meinen Angehörigen in ihren schönsten schwarzen Kleidern, deren Schluchzen in Mussorgskys “Night On Bald Mountain” untergeht.
Also so ungefähr wie meine Hochzeit…

P.S. Und das mit dem Blut musst du uns aber noch mal genauer erklären. Riecht ja verdächtig nach Selbstversuch.

Saturin
Gast
Saturin

Nancy ist ja mal wirklich ein sympathisches “Klischee”!

Zum Thema: In der neuralgischen “Leidens”-Zeit als Teenie-Gruftie war ich zwar allein, aber nicht ohne Freunde, was ich rückblickend sehr cool finde!
Bin aufgewachsen in den 80ern in einem ca. 16 000-Einwohner-Städtchen im damaligen Zonenrandbezirk-West. Ich war der einzige, der in Pikes umherschlurfte, der Einzige! Man hätte ja sonst in diesem überschaubaren Umkreis von anderen gewusst. Es gab noch kein Web, auch keine Magazine á la Zillo, um über Anzeigen Kontakte schließen zu können. Man war WIRKLICH allein.
Damals gab es noch Pikes bei Salamander (!), die man von den Eltern gekauft bekam. Aber was brachte das schon, wenn man sie als einziger weit und breit trug? Provinz konnte auch die Hölle sein. Ich war bestimmt alles andere als punkig oder das, wass man rückblickend als ‘Glamour-Goth’ bezeichnen könnte, aber ich weiß noch, dass ich beim Erscheinen vom Cure-Album “The Top” – da war ich ca. 14/15 – von Prolls an meiner Schule als “Poppersau, Poppersau” (!!!) beschimpft wurde. Selbst die fremden Beleidigungen klappten noch nicht richtig^^

Prügel gab’s gottseidank keine, aber wir waren ein fester Freundeskreis der ‘Ausgestoßenen’, die sich aufeinander verlassen mussten, ohne unabdingbare Berührungspunkte gehabt zu haben: Neben mir Cure-Gruftie (die Sisters und dann Joy Division kamen erst später…) gab’s einen Priest&Maiden-Metaller, einen Langweil-Erwachsenenpop-Hörer (Genesis, Dire Straits) und einen Italo-Disco-Möger (allerdings nicht die Italo-Disco-Klassiker, die wir heute gerne noch auf Minimal-Parties hören…). Zusammen kamen wir durch die schlimmsten Jahre…

Ein erstes “fremdes” Gruftie-Mädchen lernte ich kennen, nachdem ich per Mofa-Führerschein (!) in die Kreisstadt fahren konnte. Ich war total verknallt und saß jeden Tag neben ihr auf einem Mäuerchen vor dem Schwimmbad und wir rauchten schweigend. Für sie war ich aber zu doof, da sie schon ein Jahr älter war – ein “No Go”, als man es noch nicht so nannte ….

Lange Rede, kurzer Sinn: Man konnte auch in den 80ern in der einsamen Provinz zurecht kommen, obwohl man ein schwarzer Einzelfall war.
Und natürlich wurden keine Tiere gequält – ich kenne niemanden, der das jemals getan hätte.
Dafür war doch wohl jeder mal aufgebrezelt und mit Rotweinglas für nächtliche Fotosessions auf ‘nem Friedhof?
Aber das kam erst später, als man irgendwann Gruftie-Freunde gefunden hatte …

Noire Mari
Gast
Noire Mari

1. Hattest du Freunde?
Nicht viele, aber dafür sehr gute

2. Schwarz, Tod, Blut?
Ein bissle vereinfacht, oder?

3. Opferst du Tiere?
Bestimmt, so Fliegen und Krabbeltierchen in der Wohnung wink

4. Was ist ein Grufti?
Jemand, der nicht nur schwarze Kleidung trägt, sondern Gothic als ganzheitliche Lebensphilosophie verinnerlicht hat und auch trotz Nachteilen im Alltag und Job, sich selbst treu bleibt.

Fledermama
Gast

1. Jein. Auf dem Gymnasium war ich von Anfang an ganz plötzlich die Außenseiterin der Klasse. Damals, mit 11, noch, weil mir Klamotten, Schminke, Jungs und Gerüchte egal waren und ich lieber auf Bäume klettern statt Kaffeekränzchen halten wollte. Das “bürgerte” sich dann so ein, ich blieb die Außenseiterin und wurde auch ordentlich gemobbt. Ab der 7. Klasse fand ich dann aber doch noch Freundinnen (die ebenfalls mit der Kaffeekränzchen – “High Society” nichts anfangen konnten). Wir waren eine kleine Runde, aber dafür waren wir beste Freundinnen.

2. Unterschreibe ich mal mit hier. Und füge noch hinzu: Jedem Gefühl wohnt eine eigene Freunde inne. Auch Traurigkeit oder Schwermut kann man in gewisser Weise “genießen”…

3. Als Kind habe ich Kellerasseln verbrannt und Nacktschnecken aufgespießt. Zählt das? Ansonsten war ich sogar neulich froh, dass wir die riesige, ekelhafte Kakerlake, die auf meinem Kopfkissen gelandet war, lebendig aus dem Fenster schmeißen konnten…

4. Ich unterschreibe die Antwort hier. smile

Svartur Nott
Gast
Svartur Nott

Die Sendung “Frag ein Klischee” finde ich wirklich gut gemacht. Neben den Fragen an die freundliche Gruftine habe ich mir im Folgenden mehrere Fragen an den Pädophilen angesehen und muss sagen, Hut ab vor der Offenheit – sowohl vonseiten des Menschen vor- als auch jener hinter der Kamera. Ein sehr kleines, aber Augen öffnendes Format.

Flederflausch
Editor

@Saturin: Pikes bei Salamander? Sahen die so ähnlich wie die aus, die es von Zeit zu Zeit bei Deichmann gibt?

Oh goth, fix mich doch nicht an. Zwar sind die klassischen Pikes oft nicht ganz mein Geschmack, aber mit etwas kürzen pikeähnlichen Varianten kann ich mich gut anfreunden und von denen gibt es zur Zeit tatsächlich einige, wie ich gerade feststelle – oder tschüss Weihnachtsgeld, war schön mit dir -.-

Ich finde ihre Antworten teilweise ganz vernünftig, siehe die Herleitung der Subkultur, teilweise etwas angepasst und gesellschaftsfähig gemacht, wenn auch nicht wirklich neben der Tatsachen (siehe Tod und Blut und depressiv – da finde ich die Fragen eher etwas ja, stereotyp)

Aber jetzt will ich auch:
Hattest du Freunde / bist du so weil du keine hattest?
Ja, ich hatte Freunde, wenn auch zeitweise sehr wenige, das war aber teilweise auch ein selbstgewähltes übel, weil ic mit vielen Klassenkameraden keine Basis gefunden habe bzw. in der Pubertät sehr mit mir selbst und sozialen Ängsten zu kämpfen hatte und wenig auf andere Menschen zugegangen bin.
Das ist aber sicher nicht der Grund warum ich so bin. Das eine hat für mich mit dem anderen nichts zu tun. Einen Zusammenhang kann ich mir zu dieser Vorstellung eher dazu ziehen, dass viele Szenegänger vllt wenig Freunde unter Otto-Normalbürgern haben bzw. man sie in ihrem Freundeskreis und bei klassischen Veranstaltungen für “Normalos” unter Umständen einfach seltener anntrifft bzw. Tätigkeiten, die auch alleine ausgeführt werden können (lesen, Musik hören, stille Orte aufsuchen) auch ein Teil der Szenekultur sind und dadurch dieses Klischee entsteht. Bzw. an anderer Stelle wurde es ja bereits diskutiert, möglicherweise in der Szene offener it psychischen Problemen umgegangen wird und entsprechende damit in Verbindung stehende Rückzugstendenzen deutlicher werden. Aber auch wie bereits gesagt wurde, es ja auch eine Abgrenzung ist.

Schwarz, Tod, Blut = depressiv?
Klar, hab ein Abo bei der Schlachterei besuche regelmäßig den Bestatter meines Vertrauens und schreibe im Kerzenschein tragische Gedichte über gefallene Engel in der Kälter der Welt um meinem depressiven Weltschmerz, natürlich nur dadurch ausgelöst Ausdruckt zu verleihen -.- Wer kennt nicht claudi666 und das Problem der Hamsterblutvergiftung
Oder nein, warum sollte es? Siehe Bestandteil des Lebes und Musterantwort

Opferst du Tiere?
Klar, ich sagte doch: Abo ich der Schlachterei.
Dieser Diskurs um Tieropferungen wird auch immer sehr einseitig geführt im Rahmen von satanischen und grausamen Ritualen, missachtet wird dabei oft, dass es auch Bestandteil diverser Naturreligionen war bzw. ist und dort oftmals auch eine Lobpreisung darstellte oder eine bitte um Kraft und Stärke. Diese Religionen sind aber auch in einer ganz anderen Zeit geprägt worden.
Satanische Ritaule sind zudem nur seltsen ernsthaft sondern hatten in der frühen Gruftibewegung eher was von Nervenkitzel und in der Regel kam dieser ohne Blutopfer aus…

Szene und so schliesse ich mich ihrer Antwort an wink

Fledermama
Gast

@ Robert: Wobei meinem Eindruck nach diese soziale Isolation bzw die Ablehnung nicht unbedingt aus der eigenen Peergroup kommen muss. Ich kenne gleich eine ganze Reihe von Leuten, die in der Schule, bei Klassenkameraden, in Vereinen etc absolut beliebt waren, viele Freunde hatten, so wie “alle anderen” auch. Die aber dafür an anderer Stelle Ablehnung oder Isolation erfahren haben. Sei es durch Eltern, deren Anspruchsdenken sie nicht erfüllen konnten bzw wollten oder durch die Gesellschaft als Ganzes, deren Leistungsansprüchen sie nicht genügten (und dann durch das Raster des Deutschen Schulsystems fielen, auf der Sonderschule landeten und sich mit diesem ‘Makel’ auf ein Leben in Arbeitslosigkeit freuen können).

Mone vom Rabenhorst
Autor

Das mit dem Einzelgängertum kann ich auch so bestätigen. Allerdings ging das schon immer eher von meiner Seite aus, nicht weil ich ausgeschlossen wurde.

Ich suchte bereits in frühen Jahren lieber die Gegenwart von Fellnasen (und Natur) anstelle von menschlichen Freundinnen. Selten traf man sich mal mit anderen, aber die Interessen waren schon früher nie wirklich auf einer Wellenlänge, normale Mädchendinge waren für mich – bis auf Ponys/Tiere – uninteressant. Eine “beste Freundin” hatte ich nie, ich habe aber damals nie was vermißt, weil ich rund um die Uhr beschäftigt war. (Gilt bis heute.)

Mit Beginn der Grutizeit Mitte 1985 hatte sich daran auch nichts geändert. Eine richtige Clique hatte ich nicht. In meiner “Anfangszeit” wurde ich von den vorhandenen Wavern nur herablassend angesehen, geschweige denn in deren Clique “aufgenommen”. So suchte ich mir alleine meinen Weg und fand dann auch nach und nach ein paar Menschen, die mich eine zeitlang durch mein Leben begleiteten und mit denen ich viel unternahm. Der Personenkreis wechselte aber – je nach meinem Befinden.

Ronny Rabe
Gast
Ronny Rabe

Also ich muss sagen , das ich schon immer sehr geselig war/bin. Auch wenn man schon immer bißl “anders” war. Dies machte aber keinen Unterschied . Vielleicht liegt das auch an Ost und West ?

Meine Eltern waren (!!!) eigentlich diejenigen , die meinen Lebensstil ablehnten … aber ich ging trotzdem meinen Weg und bereue nichts.

Saturin
Gast
Saturin

@Robert: Du könntest mit Salamander tatsächlich recht haben, zumindest hatten wir einen solchen Laden damals in der Stadt. Auch wenn mich meine Erinnerung in beginnender Früh-Demenz etwas im Stich lässt, glaube ich aber, dass die Teile seinerzeit gar nicht soooo verkehrt gewesen waren (Pikes ohne hohen Absatz!) Zur gesellschaftlichen Kleinstadt-Akzeptanz trugen sie natürlich so oder so nicht bei! wink
Warum das allerdings meinen erwähnten drei Kumpels und meinen Eltern eher schnuppe war, kann ich bis heute nicht wirkich verstehen.

Jaja, ich war ein Mofa-Grufti! smile Die Möhre war sogar in uncoolem Metallic-Hellblau – damit konnte man keinen Blumentopf gewinnen. Das schlimmste war natürlich der Haarpracht-zerstörende Helm. Alleine deswegen musste mich das damals angebetete Grufti-Mädchen verachten…
(und nochmal ohne Augenzwinkern: Im Grunde ist es ziemlich fies, wenn man zwar in der provinziellen Ödnis plötzlich jemand potenziell Gleichgesinnten findet, und der (oder die) will trotzdem nichts von einem wissen… Im Nachhinein ist das fast noch schlimmer als die Nichtbeachtung durch die Stinos.)

Fledermama
Gast

@Robert: Ja, ich weiß, ich schweife gerade mit dem gesamten Kommentar ab, aber zu der “Beste/r Freud/in” Sache: Ich war mir auch immer recht sicher, dass das auf’s ganze Leben betrachtet Humbug ist. Jedoch sehe ich bei Nikita und seinem besten Freund ein Beispiel, wo es wirklich zu funktionieren scheint. Die beiden sind seit über 10 Jahren befreundet, 5 davon leben sie auf verschiedenen Kontinenten und sind doch weiter beste Freunde. Ich glaube das ist eher wie bei ‘anderen’ Beziehungen auch – nur ohne Verliebtheit und ohne Sex. Und auch, wenn die meisten Beziehungen (Liebesbeziehungen und Freundschaften gleichermaßen) scheitern würde ich nicht sagen, dass jede Beziehung zum Scheitern verurteilt ist…

Irmin
Gast
Irmin

Na dann will ich doch auch mal…

1. Freunde:

Ob ich gerade deswegen wurde, was ich bin, weiß ich nun nicht, aber in der Tat hatte ich immer wenige Freunde. Wobei, was heißt “hatte”, das ist im Laufe der Zeit nicht anders (ich sage mal bewusst nicht “besser”) geworden. Ein introvertiertes Wesen samt einer gewissen Schüchternheit helfen da nicht wirklich weiter. Nicht, dass ich nicht von Zeit zu Zeit gerne die Welt Welt sein lasse und dann auch gerne allein bin… Aber wenn man sich’s aussuchen kann, ist’s immer besser wink

Immerhin, dafür wurde ich von meiner “direkteren” Umgebung (also Verwandtschaft) immer vollkommen akzeptiert. Mittlerweile hört meine Mutter gerne Dead Can Dance und wenn ich mal wieder bei meinen Eltern vorbeischaue, ist es überhaupt kein Problem, wenn ich die Musik bestimme. Das hat auch was für sich.

2. Schwarz / Tod / Blut:

Wie auch Nancys Wohnung ist meine nicht schwarz, im Großen und Ganzen habe ich sogar an vielen Stellen recht helles Holz darin stehen. Gut, die einzigen Farben außer hellem Holz sind schon Schwarz und Rot und das Bad ist mit Schiefer verkleidet, aber dafür kann ich nichts. Das war schon so, als ich einzog (nicht, dass ich das nicht schick finde…). Meine Wohnung muss auch hell sein, selbst vor total ungruftiger Weihnachtsbeleuchtung(!) schrecke ich als einer der wenigen hier in der Gegend nicht zurück.

Ich beschäftige mich vermutlich schon mehr mit dem Tod als viele in meiner Umgebung, und sei es nur in Form schwarzen Humors. Aber wie Nancy schon sagt: Na und? Es ändert sich ja nichts dadurch, wenn man diesen Bestandteil des Lebens ignoriert. Jeder Mensch stirbt irgendwann, es gibt keinen übergeordneten Sinn des Lebens und dem Universum als solchem sind wir völlig egal. Das alles sollte einen nicht depressiv machen, denn es ist nun mal, wie es ist.

Depressiv, und da entspreche ich wohl doch dem Klischee, machen mich andere Dinge, aber das muss man hier ja nicht ausbreiten wink

3. Tiere opfern:

Ich bin nun nicht *so* tierlieb, dass mich das Töten fiktiver Tiere schwer schockiert (und ja, ich kenne Leute, die sich Zombiefilme nicht ansehen, wenn darin Hunde sterben. Ernsthaft.), aber ich bin auch jemand, der “selbst” Insekten und Spinnen (natürlich!) zu retten und nicht zu töten versucht. Außer Mücken und Wespen. Die braucht niemand.

4. Was ist ein Grufti:

Ich könnte ja sagen “ich nicht”… Nicht, weil ich mich für etwas total Besonderes halte, sondern weil ich mich ungern selbst mit Begriffen schmücke, bei denen ich weiß, dass jeder etwas anderes darunter versteht. Wenn mich jemand als Grufti bezeichnen möchte, dann wehre ich mich nicht dagegen, aber selbst verwende ich den Begriff eigentlich nicht.

Flederflausch
Editor

Offtopic: Was die beste-Freundes-Sache angeht würde ich mich Fledermama anschliessen. Ich denke auch, dass so etwas halten kann. Ich habe auch gute Freunde, mit denen ich wenig gemeinsame Interessen teile oder Freunde der ihren Interesse sich gewandelt haben. Wichtig finde ich eher, dass man eine gemeinsame Kommunikationsbasis und Möglichkeit des Gedankenaustausches findet und, viel wichtiger noch, das Gefühl hat sich dieser Person mit allem anvertrauen zu können und Verständnis entgegen gebracht zu bekommen, auch wenn die Meinung dazu auseinander gehen und sich eine bestimmte Art und Weise zu lieben. Ich denke diese Art der Liebe hält oft besser und länger, da sie mit weniger / anderen Ansprüchen und Erwartungen verknüpft ist und Differenzen besser auszuhalten sind.

Ronny Rabe
Gast
Ronny Rabe

@Robert – Der Osten , als die Wende war, war ich 13 -und noch nicht in der Szene unterwegs .Zwar sah man hier und da ein paar Gruftis in kleinen Gruppen , aber man hatte wie gesagt noch keinen Kontakt dazu. Erst zwei Jahre später – kam ich in die Szene als “Frischling” und wurde zunächst sehr skeptich betrachtet.(was ich auch verstehen kann , da ich damals echt grottig aussah – zb- Rolli unterm Rüschenhemd) …aber egal. So, 1991/92 begann ich mich intesiver mit den Gruftis zu befassen-So traf man sich auf Friedhöfen , lauschte Musik und führte Gespräche. In dieser Zeit kamen die Tapes von verschiedenen Künstlern heraus und man versuchte so viel wie möglich zu erhaschen.
Auch meine ersten Konzerte damals noch in der Einheit in Chemnitz – zu Goethes Erben oder in Leipzig zu Lacrimosa – waren prägend für mich und ich fand immer mehr Menschen in meiner Umgebung zum treffen ,quatschen, Musik hören . In der Woche ging man den gewohnten Arbeits/lehr Alltag nach und am WE traff man sich und genoß die Zeit.
Das WGT – habe ich selber erst 1995 für mich entdeckt und war / bin immer noch faziniert davon .
Den Urgedanken des Treffens , alte Cliquen wieder zusammenzuführen bzw. neue Menschen mit gleichen Interessen kennzulernen – ist und bleibt der zentrale Punkt vom WGT.

Vlad
Gast
Vlad

1. Hattest du Freunde?
Was ist ein Freund? Ist das jemand, dem man sich anvertraut, ohne die Sorge, er könnte all das so erlangte intime Wissen, bei der nächsten Meinungsverschiedenheit für Schläge unter die Gürtellinie einsetzen und das eventuell in Anwesenheit anderer, damit es richtig weh tut? Jemand, dem man bedingungslos und ohne zu fragen hilft, diese Hilfe in anderen Lagen ebenso erfährt, ohne selbst Hilfe mit Hilfe aufzurechnen, wohl wissend, dass der andere ebenso wenig Aufrechnet? Jemand der immer da ist und für den man selbst ebenso uneingeschränkt da ist, wobei man selbst gelegentlich das Gefühl hat, zu wenig zurückgeben zu können, trotz gegenteiligem Feedback?
In meiner Kindheit und während der Pubertät habe ich öfter an solcher Freundschaft geglaubt, als ich sie in Wahrheit hatte. Die Erfahrungen des jeweiligen Showdowns, also im Augenblick in dem ich den jeweiligen Dolch entdeckte und aus dem Rücken zog, führten mich zur relativ frühen Erkenntnis, dass es zuweilen große Unterschiede zwischen den Begriffen “Freund” und “Bekannter” gibt. Das ist heute nicht anders, lediglich die Art wie ich heute über den Mangel an Freunde denke, ist anders als damals.
Ja, ich habe das Glück, einen solchen Freund, mehr noch: einen Seelenverwandten zu haben. Er kam erst im Erwachsenen Alter in meinem Leben, dafür ist er immer noch da und wird es bleiben, “bis dass der Tod uns scheidet”.

2. Ist Schwarz = mit Tod oder Blut?

Das Leben an sich beinhaltet Tod und Blut. Der Unterschied liegt meines Erachtens in der Angehensweise. So gesehen finde ich die These richtig, dass Schwarz = Bewusste Auseinandersetzung mit Tod und Blut ist. Davon abgesehen, dürfte es ziemlich egal sein, wie vertraut einem Tod oder Blut mit der Zeit und in Folge erwähnter, geistiger Auseinandersetzung werden, mehr als nur abstrakt wird der jeweilige Begriff erst angesichts eigener Konfrontation damit, wobei ich das “beim-Brotschneiden-in-den-Finger-geschnitten” – Blut nicht dazu zählen würde…
Auch beim “Ritzen”-Blut würde ich mich in dem Kontext schwer tun, zumal das Ritzen eher in der Gefolgschaft einer Depression zu finden ist, als dass es letztere bedingt.

3. Opferst du Tiere?
Nein. Beim Brüten über dieses Klischee, bzw. über meine Antwort darauf, fiel es mir jedoch wie Tomaten von den Augen: Schwarz muss in meinen Genen liegen, denn mein Vater opferte fast jede Woche Tiere. Hühner, Gänse, Enten, Truthähne, Kaninchen… Wahrscheinlich nur um seine satanistische Neigung vor mir als Kind zu verbergen, tarnte er das ganze als Notwendigkeit und erlaubte, dass die genannten Tiere nach Opferung, als Sonntagsessen bezeichnet und verwendet wurden. Und das Blut haben wir auch genossen: Mit gerösteten Zwiebeln und vorzugsweise mit Rühreiern…
Für alle, denen sich nun vor Ekel der Magen umdrehen sollte, zwei Anmerkungen, ohne das bisherige Augenzwinkern:
a. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, die Tiere hatten ein glücklicheres und erfüllteres Leben als wir, denn ihnen fehlte es Zeitlebens an nichts, gutes und ausreichendes Essen sowie Freiheit inklusive.
b. Es gab in den 60ern und 70ern Flecken auf Erden, wo die damalige westliche Vergangenheit noch Gegenwart war. Ich rede nicht vom DDR-Kommunismus sondern von Kommunismus in einer dunkleren Variante, welche besagte DDR als einen sonnenüberfluteten Landstrich erscheinen ließ.

4. Was ist ein Grufti?
Ich glaube ein Grufti ist man, oder man ist es nicht. Ich glaube, es ist eine Lebenseinstellung, die tiefer geht als nur Klamotten, Styling oder eine gewisse Kunstrichtung. Und ich kann nicht sagen ob ich nun ein Grufti bin, oder nicht. Wenn ja, dann bin ich es schon ein Leben lang und habe erst in meiner zweiten Lebenshälfte erfahren, dass es für meine Lebensweise einen Namen und eine Menge Gleichgesinnte gibt. Nichts desto trotz trage ich, seitdem ich diesbezüglich mitreden kann, dunkle Sachen weil ich sie Elegant finde, ziehe mich liebend gerne zurück, oder höre Musik, die anderen sonderbar vorkommt. Melancholie finde ich, hat nichts mit Depression zu tun und sich nachts auf einer Wiese oder im Wald, auf dem Rücken liegend, dem Nachtgeschehen in der Natur zu öffnen, hat für mich den Wert einer teuren Erinnerung. Nein, auf Friedhöfen war ich nachts nie, aber wenn ich jemanden gekannt hätte der mich auf die Idee gebracht hätte, hätte ich unbedingt mitgemacht.
In früher Kindheit las ich bevorzugt Dickens und Andersen (Hans Christian), einiges aus einer Sammlung von Mythen und Legenden, aber auch Karl May, Dumas oder Shakespeare (“Dies über alles, Dir selber sei treu” habe ich mir gemerkt, bevor andere in meinem Alter Shakespeare überhaupt zur Kenntnis nahmen).
Später, ab der vierten-fünften Klasse lernte ich Kafka kennen – und blöd finden, wohingegen Sir Walter Scott mit seinen Werke in und über Schottland ein Autor wurde, zu dem ich immer wieder zurückkehrte, so wie man nach Streifzügen, zu seinem Heimathafen zurückkehrt.
Ich liebte Rock (Led Zeppelin, Rolling Stones, Deep Purple) und konnte mit den Beatles nicht viel anfangen; Dass es eine neue Art von Musik gibt, New Wave, habe ich zwar mitbekommen, aber dass gleichzeitig eine ganze Bewegung hinter Depeche Mode, Kraftwerk, Duran Duran, Ultravox usw. entstanden war, wusste ich einfach nicht. Deren Musik gefiel mir aber und sie wurde zum wichtigen Teil meines Lebens.
Mag sein, dass dies Zeichen waren, die in anderes Umfeld zu einer völlig anderen Entwicklung in meinem Werdegang geführt hätten. In meinem damaligen Umfeld, gab es aber niemanden, der mich hätte aufklären können. Also war ich wie ich war, ohne einen Namen dafür zu haben. (Denn “Einsiedler” u.ä. waren keine Namen, die ich für mein inneres Leben akzeptierte, sondern lediglich der Ausdruck einer, seit Menschengedenken sich haltenden “Nicht-verstehen-aber-lauthals-beurteilen” – Mentalität).
Vielmehr richtete ich mich damals – wie heute – nach dem, was eine bestimmte Kunstart in mir auslöste. So liebte ich Lacrimosa’s Texte und Depeche Mode wegen dem, was ich als gesamtheitliche Ästhetik ihrer Werke bezeichnen würde. Ich hörte aber auch ABBA oder Pink Floyd, Wagner oder Vivaldi.
Viel später hörte ich Nightwish (mit der ersten Sängerin), Evanesence und Gregorians.

Nun habe ich ab einem gewissen Zeitpunkt aufgehört, mir hinsichtlich meiner Gothikzugehörigkeit – Ja/Nein, Fragen zu stellen. Fakt ist, in dunklen Umgebungen wie diese hier, fühle ich mich wohl, so wie bei einer Rückkehr in ein Zuhause wonach ich mich gesehnt habe, ohne es zu kennen. Da finde ich Antworten über mein ICH, die ich erfolglos versucht habe, selbst zu finden. Ich entdecke Gemeinsamkeiten oder erfahre Bestätigungen, die ich so, nie bekommen habe, außer von meinem Freund wie unter Pkt.1.
Fakt ist ebenfalls, dass ich meine Springer gerne und mittlerweile fast ausschließlich trage und dass ich es liebe, mit Lederhosen in Runden zu erscheinen wo mindestens ein “anständiger Bürger” zu finden ist, der von “so etwas” nichts hält und mir das am liebsten gleich sagen würde. Dumm nur, dass nicht alle “anständige Bürger” die Kenntnisse haben, weswegen sie nach mir gerufen haben. Ich finde, diese kleine Genugtuung steht weder im Widerspruch zu meiner ansonsten ausgeprägten Höflichkeit, noch beeinträchtigt sie mein Motto: Leben und leben lassen.

Und Fakt ist schließlich auch, dass ich, ohne es zu wollen, fast schon meine Memoiren hier niedergeschrieben habe.
Sorry, wenn es zu lang wurde.

P.S. @Robert Eigentlich sollte ich zu meinem hier angegebenen Nick, “Geburtsname: Michael” hinzufügen. Ich habe mich neulich spontan angemeldet, und nicht weiter über einen Nickname gedacht. Damit habe ich nun zwei Nicks, und begrüßt haben wir uns bereits wink

Pest
Gast
Pest

@Vlad, ich kann mich Dir nur anschließen, denn auch ich…

bin […] es schon ein Leben lang und habe erst in meiner zweiten Lebenshälfte erfahren, dass es für meine Lebensweise einen Namen und eine Menge Gleichgesinnte gibt.

Da ich etwas mehr als zwanzig Winter zähle, ist das freilich nicht sehr lang, jedenfalls nicht, wenn man den Standard “Wer in den 80ern nicht dabei war, kennt sich eh nicht aus” anlegt wink

Im Grunde genommen verstehe ich mich eher als gothic und nicht als Goth. Ich höre Goth-Musik (unter der zumindest ich Goth Rock, Dark Wave, NDT und Teile der Industrial – nicht Cyber – Musik verstehe), aber ich bin in dem Sinne kein Grufti. Gothic definiere ich für mich eher adjektivisch in der Bedeutung, die das Wort “gothic” im Englischen als Beschreibung von düster, unheimlich, mystisch hat. Und das beschreibt mein Sein. Das ist nichts, was man werden kann.
Man isset oder man isset nich.

Vlad
Gast
Vlad

@Pest

… jedenfalls nicht, wenn man den Standard “Wer in den 80ern nicht dabei war, kennt sich eh nicht aus” anlegt wink

Ich denke, wer solche Standards anlegt, tut es vielleicht als Schutz vor der Gegenwart, verpasst/verpasste aber womöglich die eine oder andere wertvolle Entwicklung und den offenen und fruchtbaren Austausch mit den zukünftigen Trägern seiner eigenen Vergangenheit.
Außerdem halte ich im allgemeinen wenig von pauschalen Aussagen. Sie sollen im Grunde eine Überlegenheit suggerieren, die nicht immer festzustellen ist und vermitteln mir persönlich eher das
Gefühl, eine wackelige Argumentation könnte der wahre Grund für die Ablehnung eines Dialogs sein.
Übrigens und augenzwinkernd ist das eine beliebte Strategie von überforderten Eltern, verzweifelten Lehrern oder inkompetenten Chefs.

Was das Alter betrifft, so früh und so klar wie Du, hätte ich auch gerne damals meine Befindlichkeiten reflektieren können wink

…als Beschreibung von düster, unheimlich, mystisch… .

Da fallen mir spontan die Gargoyles ein… Jetzt nicht im Sinne eines Trickfilms, sondern eher die Geschichte dahinter. Sorry, wenn ich auf dem Holzweg bin, aber: Bin ich’s? wink

Und das beschreibt mein Sein. Das ist nichts, was man werden kann.

Genauso habe ich es gemeint.

Saturin
Gast
Saturin

@Robert: Leider gibt es keine Beweisfotos! (auch nicht von meinem ersten Auto, das hellgrün-metallic war….)

Warum nicht? Weil ich seinerzeit absolut foto-resistent war! Wurde eine Kamera gezückt, war ich schon weggeduckt. Damals fand ich das cool, heute ärgert es mich sehr: Mindestens anderthalb Jahrzehnte meines Seins sind so nicht dokumentiert. Dass ich dies später mal (also heute) traurig finden würde, war damals nicht abzusehen.

Das ist aber eigentlich ein neues Thema: Wenn ich mich recht entsinne, wollte sich früher selten jemand fotografieren lassen. Heute springt gefühlt jeder vor die Linse, die ihm hingehalten wird. Woher kommt der Unterschied, der Gesinnungswandel???
(ich habe meine Zurückhaltung partiell aufgegeben, weil ich aus persönlichen Dokumentationszwecken die Ablehnung mittlerweile dämlich finde. Aber geht das allen so??)

Robin
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Robin

Also ich halte mich vor Fotos immer noch zurück. Das hat aber mit Aberglauben zu tun. Ich empfehle jedem sich ausführlich mit der Photographie auseinanderzusetzen bevor man sich “abblichten” lässt. Aber sehr komplexes Thema. Und nur weil es heute Kameras ohne Ende gibt benutzt sie jeder (klar, was man hat). Immer die Kehrseite sehen. Alles hinterfragen (warum passiert das gerade?)
Als die ersten Kolonialisten von den indigenen Völkern Fotos schießen wollten hatten viele große Angst und wollten nicht. Sie dachten die Kameras würden ihre Seelen einfangen. “Seelenraub” nannten sie es.
Für einen ausführlichen Diskurs empfehle ich von Roland Barthes “die helle Kammer”.

Pest
Gast
Pest

@Vlad, erneut gehe ich mit Dir d’accord smile

Was das Alter betrifft, so früh und so klar wie Du, hätte ich auch gerne damals meine Befindlichkeiten reflektieren können wink

Ach :3

Da fallen mir spontan die Gargoyles ein… Jetzt nicht im Sinne eines Trickfilms, sondern eher die Geschichte dahinter. Sorry, wenn ich auf dem Holzweg bin, aber: Bin ich’s? wink

Wenn Du mich fragst, passen die Gargoyles sogar ziemlich gut dahin. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil dessen, was ich unter “gothic”/”Gothic” verstehe.

Also ist ein Goth ein Gargoyle? Beide bewegen sich nur nachts, sehen für Ottonormalbürger finster aus, sind oft bei alten Gebäuden und auf Friedhöfen zu finden … passt doch *feix* ;]

Vlad
Gast
Vlad

erneut gehe ich mit Dir d’accord smile

Ach :3 smile

Also ist ein Goth ein Gargoyle?

Kommt auf den Standard an, den wir anwenden möchten *feix* smile

Aber, hast mich neugierig gemacht. Und das hab’ ich gefunden:
https://everything2.com/title/Goth+vs.+Gothic

Ich weiß allerdings nicht, ob alles was drinsteht so mit Deinen Ansichten übereinstimmt und ebenso wenig weiß ich, ob in den USA möglicherweise manches in der Szene anders gesehen wird.
Interessant fand ich den Artikel dennoch. Wenn Du mal nix besseres zu tun hast …:)

Pest
Gast
Pest

@Vlad, jau, das geht in die Richtung. Meine Ansichten dazu kann man in etwa so zusammenfassen: Alles, was Goth ist, ist (oft) Gothic – aber nicht alles, was Gothic ist, ist auch Goth. :]

Vlad
Gast
Vlad

@Pest

Alles, was Goth ist, ist (oft) Gothic — aber nicht alles, was Gothic ist, ist auch Goth. :]

Das stimmt (oft), es sei denn, in Fällen in denen es nicht (oder nur teilweise) zutrifft… :))

Im Ernst: Das bringt auch mich einen Schritt weiter, weil ich einige Unterscheidungen nun klarer erkennen kann. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, wie strikt solche Abgrenzungen sein sollten, es sei den mit Blick auf die von uns schon thematisierten Standards.
Liege ich da (ganz) falsch? …;)