Pfingstgefluester 2018 Teaser

Pfingstgeflüster 2018 – Bruchstücke einer Szene zu einem wunderbaren Mosaik geformt

7

Bereits zum magischen 13. mal ist das Pfingstgeflüster erschienen, das einzigartige Erinnerungsmagazin des Wave-Gotik-Treffens. Auf 92 Seiten kann man sich etwas von dem bewahren, was die Szene und das Treffen in Leipzig meiner Ansicht nach ausmacht. Nicht nur für Besucher des Treffens eine Pflichtlektüre, sondern für alle die, die sich der Szene, der Musik, den Inhalten und ihren Menschen verbunden fühlen. Unter allen Neugierigen, die hier kommentieren, verlost Spontis wieder 2 ungelesene Exemplare. Verratet uns in den Kommentaren einfach, mit welchem Gefühl ihr Euch an das WGT erinnert, warum ihr nicht kommen konntet oder was Euch an einem solchen Magazin fasziniert.

Damit ihr eine Idee davon bekommt, um welche Themen es sich 2018 dreht, habe ich die meisten enthaltenen Artikel kurz angerissen und meinen Gedanken dazu geschrieben. Zugegeben, mein Blick ist getrübt, weil ich die Idee des Magazins unterstützen will und auch selbst ein paar Zeilen beigesteuert habe, aber ich bin mir sicher, dass sich das Pfingstgeflüster auch unter einer objektiven Betrachtung bewähren wird.

  • Monica Richards hat nach 7 Jahren Abstinenz wieder das WGT besucht und erinnert sich an alte Zeiten und macht sich Gedanken über die aktuellen Zeiten. „Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, was die jüngere Generation über mich weiß. Alles hat sich scheinbar in die schnelllebige Welt der sozialen Medien verlagert, verloren in der Einöde des Kurzzeitgedächtnisses.
  • Die Ausstellung „Absurd Art“ von Franziska Strodl hat sich Guldhan genauer angesehen.  „Das Vergängliche macht ein fröhliches Gesicht“ betitelt er seinen wortgewaltigen und eindrucksvollen Beitrag, der den gezeigten Bildern in nichts nachsteht. Auch sein Beitrag „Das kleine Volk“ über die Bilder von Holger Much, BenSwerk und Luci van Org ergießt sich ähnlich eloquent über die Synapsen des Lesers, auch wenn mich die Bilder nicht so beeindrucken, wie die von Franziska.
  • Wortreich ist auch das Gedicht und der Titel von Thomas Manegold, welches das Heft inhaltlich zu schmücken weiß: „Ideen wachsen wie Unkraut in der Jugend und wie Orchideen im Alter.
  • Auch auf dem Friedhof wächst Unkraut, doch das ist nicht die Art von Ästhetik die Marcus Rietzsch beim Besuch des alten Johannisfriedhofs mit seiner Kamera und seinem Herzen eingefangen hat. Es lohnt sich, im Text des Artikels in der blutigen Vergangenheit des Friedhofs zu stöbern, während das eindrucksvolle Bildmaterial für Atmosphäre sorgt.
  • Für den diesjährigen Beitrag über die Besucher, der zur geliebten Tradition geworden ist, hat Ines Kranert die Interviews ersonnen, geführt und gesammelt und bietet wieder einen intensiven Einblick in den Lebens- und Gedankenwelt der dargestellten Besucher. Ich habe mich zu einer Einleitung und einer Art Fazit hinreißen lassen. Wir hoffen, ihr findet Euch darin wieder.

  • Dr. Wonka hat keine Schokoladenfabrik, sondern sein eigenes Festival in Bayern gegründet, um etwas vom Zauber des WGT, dass er schon so viele Jahre genießt, mit regionalen Bands in der eigenen Heimat zu erleben. „The Wave“ ist also der Versuch, den „Urlaub von sich selbst“ nie enden zu lassen.
  • Christian von Aster ist die personifizierte humorvolle Seite der Szene, die sich häufig genug in liebevoll geschriebenem Sarkasmus und bitterbösem Wortspiel äußert. Seine „Grufti-Glosse“ ist auch dieses Jahr mit der Geschichte von „Lukas – Die launische Liebesbrieftaube“ wieder ein Teil der Geflüsters.
  • Mit Otherness & Dimensions folgt ein visuell inspirierende Reise in die Ästhetik der Szene. Corinna Seifert sorgt für einen Einblick in das mexikanische Kulturverständnis: „Es sind nicht die weitgefächerten musikalischen Strömungen, die den gemeinsamen Konsens der aus Großbritannien stammenden Gothic-Szene bilden. Das Selbstverständnis der Mexikaner geht auf die Kultur ihrer eigenen Heimat und ihrem Umgang mit dem Tod zurück.
  • Jawa Seth von den Merciful Nuns erzählt von ihrer sehr inspirierenden Reise nach Mexiko, wo sie fernab von zivilisierten Dogmen den faszinierenden Hauch alter Religionen in sich aufsaugt, den sie erst durch ihre Musik im Gedächtnis manifestieren kann. Spannender kann man das Album „Xibalba“ nicht umschreiben, das Produkt dieser Reise sein soll.
  • Pia Stöger und Dr. Constance Timm erzählen uns in ihrem Artikel aus einem ihrer Vorträge über Monster und Menschen vom Mythos Frankenstein, den sie durch ihre wissenschaftlich und gleichzeitig leidenschaftliche Art erklären, ohne ihn zu entzaubern.
  • „Musik ist mein Leben“ meint Anatoly Pakhalenko von Nyttland, schade dass sein Beitrag über das WGT nicht mit ähnlicher Qualität überzeugt. Viel besser und viel intensiver liest sich Jae Matthews von Boy Harsher, die eine emotionale Achterbahn in einer Endlosschleife durchfährt, während sie von Paris nach Leipzig reist. „Pain“ bekommt eine ganz neue Bedeutung für mich. Großartig!
  • Von David Gray gibt es etwas „geschmackvolleres“ auf den Tisch, wenn er uns ins seinem Lesungsbeitrag „Herzragout“ von Pariser Mordfällen erzählt, zu dessen Aufklärung sich die ortsansässige Polizei niemand geringeren als den Marquis de Sade wendet, denn „Es brauchte schon ein Ungeheuer, um ein Ungeheuer fassen zu können.
  • Über ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit der schwarzen Szene und dem WGT berichtet auch Lydia Benecke: „Die bewusste Einbeziehung trauriger Aspekte des Lebens in die menschliche Existenz ist eine der Stärken, die ich an der schwarzen Szene enorm schätze. Durch vielfältigen, künstlerischen Ausdruck werden die düsteren Seiten des Lebens erfassbar, was zur psychologischen Verarbeitung beiträgt.
  • Abschließen möchte ich mich Carsten Klatte und einem Auszug aus seiner Gedichtsammlung mit dem Titel Widukind:

    Die Chance auf ein Heimkommen ist groß
    Sobald du dich selbst verlierst
    Durchs Zentrum entsteht ein Sog
    der dich führt, selbst wenn du nichts spürst.

Wieder ist Marcus Rietzsch ein unglaublicher Kraftakt gelungen, dessen Anstrengung ich gar nicht genug hervorheben kann. Auch wenn die gute Seele des Pfingstgeflüsters nicht aktiv bei der Vorbereitung und Erstellung zugegen war, bin ich mir sicher, sie zwischen all den Zeilen und Seiten spüren zu können. Wie ein zufriedener Blick von dem Ort, an dem sie jetzt verweilt.

Das Pfingstgeflüster 2018 ist am 21. Juli 2018 erschienen, umfasst 92 großartige Seiten und ist zum Preis von 8,90 Euro im Shop von Marcus Rietzsch erhältlich. Seltener konnte man sein Mammon sinnvoller und dunkler verteilen, als hier.

7
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
Foto und Bilder Dateien
 
 
 
Audio und Video Dateien
 
 
 
  Abonnieren  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
Victor von Void
Gast

Bei uns war es ein, wie ich finde, schöner Grund, der es uns nicht erlaubte, das WGT zu besuchen: wir steckten mitten in den Vorbereitungen für unsere Hochzeit. Ich war trotzdem etwas wehmütig, da Tiamat angekündigt hatten, ihr Wildhoney-Album zu spielen (eines meiner all time favourites), ich endlich einmal die Chance gehabt hätte, die Merciful Nuns zu sehen, und auch sonst die Liste der uns interessierenden Bands und Künstler in diesem Jahr ziemlich lang war. Zudem war und ist für mich das WGT als Festival nachwievor trotz aller Kritik unübertroffen, denn wo sonst hat man das ganze andere Drumherum neben den Konzerten, das zum Flair beiträgt?

Tanzfledermaus
Autor

Da in dieser Ausgabe mehr als eine Person interviewt wurde, die ich persönlich kenne, wäre das Magazin für mich nicht nur eine schöne Erinnerung an das WGT, sondern auch eine Doku über die Ansichten von Menschen, die ich mag und schätze.

Mamsell Medusa
Gast
Mamsell Medusa

Für mich war das letzte Wgt sehr ruhig.Es ging mir nicht unbedingt Hauptsächlich um die Musik,sondern eher um die Leute die ich dort einmal im Jahr treffe.Ich liebe das Beisammensein,die vielen Gespräche bis mitten in die Nacht hinein und die Auszeit vom Alltags Stress.Wie immer war die GPP das Lohnenswerteste.Auf keiner anderen Party des Jahres,habe ich mehr Spaß gehabt und mehr abgezappelt,als dort.

Marcus
Gast

@Robert: Danke für die anerkennenden und schönen Worte. Im Vergleich zu den anderen bisher erschienenen Ausgaben hat mich das aktuelle Pfingstgeflüster wohl am meisten Kraft und Nerven gekostet. Umso mehr freut mich Dein positiver Blick auf diese Ausgabe.

Flo
Gast
Flo

@Victor: Dann Glückwunsch von meiner Seite – wir haben letztes Jahr am WGT geheiratet. Nach fast zehn Jahren glücklichen Zusammenseins kann man mal…
Insoweit was dieses WGT für mich vor allem mal ein wunderschöner erste Hochzeitstag, in der richtigen Umgebung, mit den ganzen Freunden, die man nur einmal im Jahr sieht… und mit Absinthlikör in der Sixtina :-) (und falls jetzt einer nachzählt: ja, der Anlaß ist uns wichtiger als der exakte Tag)

Victor von Void
Gast

@Flo Vielen Dank! :) Wir haben tatsächlich auch kurz überlegt, ob beim WGT heiraten eine Option für uns wäre. Das war dann aber leider doch alles zu kurzfristig (Ämter können soooo langsam sein, wenn man was von ihnen braucht).