25 September

Interview: Young&Cold Festival III – alternative Nische. 100% Handmade.

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Young & Cold PlakatDas Young&Cold Festival in Augsburg hat in diesem Jahr zum dritten mal stattgefunden. Für mich Anlass genug, für ein längeres Pläuschchen mit drei der Veranstalter über das Event, die Bands, das Selbermachen, „die Szene“ und über ihr eigenes Plattenlabel „Young&Cold Records“ zu halten.

Das ist dieses Jahr das dritte Young & Cold – seid ihr zufrieden mit der Entwicklung, die das Festival gemacht hat?

Marcel: Ja, auf jeden Fall.

Manuel: Daniel und Barbara machen schon seit mehreren Jahren Partys und als sie nach Augsburg gezogen sind, haben sie ihr Event hier in Augsburg aufgebaut und die Location, die Ballonfabrik gefunden. Jetzt mit den Jahren ist Marcel dazu gekommen, dann bin ich dazu gekommen und man hat es jetzt wirklich geschafft in Augsburg. Es ist auch wirklich schwierig hier überhaupt was zu machen und es gibt hier auch keine große Kernszene von Leuten, die sich dafür begeistern und jetzt hat man es auch wirklich geschafft über die Jahre die Party hier am Leben zu halten und auch neue Leute zu begeistern, teilweise auch Leute – ganz normales Partyvolk – die in eine normale schwarze Szenedisco gehen. Ja, wir sind schon zufrieden, dass die Partys auch laufen und dass man einmal im Jahr ein größeres Event hat, bei dem man ein paar mehr Bands einlädt.

Marcel: Für uns auch sehr schön, die Erkenntnis aus dem letzten Jahr: dieses familiäre in der Ballonfabrik zu haben. Letztes Jahr war’s uns zu groß. Dieses Jahr mit 150 Leuten, ist einfach sehr familiär und für uns auch absolut sicher.

Daniel: Das ist richtig. Die Stimmung ist angenehmer, als wenn du hast eine Location hast, die für irgendwas anderes auch ausgelegt ist, für größere Bands und du kleinere Bands spielen lässt. Es spielen hier ja keine, ich sag mal Szenegrößen, oder irgendwelche riesigen Bands, wo man sagt, da braucht man jetzt ein Stadium dafür. Sondern das sind alles kleine Bands, die selbst dort wo sie herkommen ihre lokale Szene haben und da ist genau das hier, das Richtige. Da hat man dann gewisse Möglichkeiten, hier in einem kleinen Rahmen, für gewisse Leute die Musik zu präsentieren. Das ist schon ganz cool.

Was ihr gerade angesprochen hattet, mit dem Familiären, war das auch der Grund warum ihr das Festival wieder auf eine Location konzentriert habt?

Manuel, Daniel und Marcel aus der Gruppe der Young & Cold Veranstalter

Manuel, Daniel und Marcel aus der Gruppe der Young & Cold Veranstalter

Marcel: Es war einer der Gründe für uns, aber auch die finanzieller Sicht. Wir haben letztes Jahr zwei Locations bezahlen müssen, natürlich auch viel mehr Personal dafür gebraucht und wir haben nicht so viele Tickets verkauft, wie wir gerne verkaufen wollten. Wir hätten sechshundert verkaufen müssen, haben aber nur vierhundert verkauft und für uns ist es einfach besser zu kalkulieren mit 150, weil wir einfach wissen, die Leute kommen.

Manuel: Das ist natürlich schade für die Leute, die sagen: ‚okay, wir würde gerne komme‘, aber dass die Tickets limitiert sind, liegt dran, dass die Location eine Auflage vom Ordnungsamt hat, dass maximal 150 Leute reindürfen, deswegen können wir auch nicht mehr Tickets anbieten. Das ist immer blöd. Diese Jahr war es auch so, dass viele ihr Ticket am Schluss dann noch verkauft haben, weil sie dann doch beruflich nicht konnten oder sowas, also wenn man sich wirklich interessiert für das Festival, oder die Bands, dann kriegt man auch ein Ticket. Die, die sich wirklich interessieren, die sind auch das Wochenende alle da.

Sechs Tage Vorverkauf, das ging auch echt schnell.

Marcel: Genau, wir hatten ja noch nicht mal das Line-Up gepostet. Es war nur eine Band online und innerhalb von 169 Stunden waren alle Tickets weg, also das war echt ein riesengroßes Kompliment an uns.

Daniel: Ja, letztes Jahr haben wir einfach mal probiert das Festival auf zwei Locations und Floors zu verteilen – den einen Floor eher elektronisch und den anderen mit Gitarrenmusik und älteren Bands – um wirklich ein breites Spektrum an Musik anzubieten. Wir haben Leute wie den Oppenheimer hergebracht haben, der mit seinem neuen Projekt als Oppenheimer MKII gespielt hat. Das war wirklich so ein Versuch, wo man sagt, du kannst hier mit nicht groß rauskommen, das Spektrum von Leuten ist einfach klein und das kann keine Festivaldimension erreichen. Wenn es größer werden würde, würde es lächerlich werden und vollkommen verwässern, aber wir haben letztes Jahr wirklich probiert, dass wir irgendwie so einen Spagat in der Mitte schaffen, das wir mal wirklich ein ganz breites Spektrum abdecken. Und im Endeffekt, wir haben auch daraus gelernt, dass es familiär da in festen Locations, die auch kleiner sind, wir besser dekorieren können, dass es schöner ist, wenn man da sich auch mehr Mühe geben kann für Dekoration, Merchandise und so weiter.

Vor dem Eingang war die Möglichkeit zum gemütlichen Beisammensitzen geboten und auch für das leibliche Wohl wurde gesorgt.

Gemütliches Reden quatschen, essen und trinken vor dem Eingang.

Manuel: Wir haben uns auch schon angefreundet mit der Location hier, wir machen hier regelmäßig unsere Partys. Wir wissen wie man mit den Leuten hier zusammen arbeitet und so was, das klappt eigentlich ganz gut. Und die Location hier ist auch eigentlich die einzige in Augsburg, die viel Punk anbietet und so. Hier ist eigentlich durchgehend Punk, Metal und Independent. In so einen Schickimicki-Club könntest du sowas gar nicht machen, das passt nicht. Hier draussen hast du den großen Hof, wo man rumsitzen kann an der Feuertonne draußen und sowas. Das ist viel schöner als ein Club, wo du nur reingehen kannst und draußen hast du dann irgendwelchen blöden Securities, die dich beobachten, wenn du rausgehst, das passt nicht. Das muss schon so sein.

Marcel: Für uns auch gut, dadurch das wir ein kleines Festival sind, sind wir nicht auf Sponsoren angewiesen und müssen nicht irgendwelche Bands buchen, die überall spielen und die mit Druck von Labels und Sponsoren. Das heißt wir sind wirklich unabhängig und konnten wie dieses Jahr auch teilweise das Publikum im Vorfeld entscheiden lassen wer spielt.

Daniel: Wir hatten extrem viele Bewerbungen und haben uns entschieden, dass wir dieses Jahr, keine Gitarrenband reinnehmen, also kein Post-Punk oder Deathrock oder sowas. Weil es haben sich extrem viele elektronische Bands beworben. Wir wollen dann demnächst ein eigenes kleines Festival nochmal machen für Gitarren und Post-Punk-Bands, um für die Leute, die sowas gerne hören auch was anzubieten. Das ist dann das Tape-Kontroll-Festival von der DekaDenz aus. Da wollen wir dann extra noch mal gucken, dass wir ausschließlich Gitarrenbands holen. Es gibt viele die sagen, das dieses Wave oder Minimal Zeug ein Trend ist, denn du immer wieder auf Festivals hörst und der auf Partys gespielt wird.

War das der Antrieb das Tape-Control ins Leben zu rufen?

Marcel: Genau.

Manuel: Oder auch allgemein. Das wir uns eben reduziert haben, da war auch der Grundgedanke, dass wir dann das Young&Cold in der kleinen Location wirklich für 150 Leue anbieten, da mehr Energie in Merchandise und Atmosphäre stecken und dann auch finanziell andere Möglichkeiten haben. Mit dem Erlös kann man dann ein zweites Festival aufbauen, ein zweites Event für Gitarrenmusik. Oder das man zwischen durch im Jahr auch mal eine bisschen teurere Band einkauft. Das man das Jahr zwischendrin ein bisschen auffüllen kann. Das ist eigentlich schöner, dass man das mehr am Leben erhält, als wenn man ein Mal im Jahr dann in einer riesen Location was macht, die dann auch atmosphärisch total abflacht und sich von dem eigentlichem Gedanken und alles was mit der Szene eigentlich zu tun hat schon nicht mehr vereinbar ist.

Durch den kleinen Rahmen konnte mehr Energie in Merchandise und Atmosphäre investiert werden.

Durch den kleinen Rahmen konnte mehr Energie in Merchandise und Atmosphäre investiert werden.

Marcel: Und im nächstes Jahr im April feiern wir fünf Jahre von unserer Party Dekadenz und da machen wir auch einen Tag komplett Gitarrenpostpunk-Geschichten am Freitag und am Samstag wieder Minimal, also der Sound der auch auf der Dekadenz läuft und höchst wahrscheinlich auch im Sommer das Tape-Control-Festival. Aber da ist noch nicht ganz klar wo wir das machen, in welcher Location. Wird wahrscheinlich eher in München stattfinden.

Wir haben gerade über die Bands gesprochen und dass ihr viele Bewerbungen hattet. Nach welchen Kriterien wählt ihr die Bands aus, wie werdet ihr euch einig, wen ihr einladet?

Daniel: Die meisten Bands, die wir genommen haben sind eigentlich alte Bekannte. Matthias Schuster zum Beispiel, mit dem habe ich schon ganz oft über Facebook und Whatsapp und damals schon auf MySpace geschrieben – weil mich seine Musik begeistert hat und da habe ich ihn motiviert und gesagt, er könnte doch mit Bal Paré mal wieder spielen. Das ist jetzt am Samstag sein erstes Konzert nach zwanzig Jahren. Er hat damals mit jemand anderem Musik gemacht und hat dann angefangen auf YouTube immer wieder Videos zu posten und neue Musik zu veröffentlichen und hat dann diese zwei Alben rausgebracht und das ist jetzt sein erstes Konzert und das finde ich grandios, wenn jetzt jemand sagt: ja okay, er hat jetzt ewig lange nicht gespielt und hat damals in den 80ern Mukke gemacht und hat jetzt wieder Lust bekommen, da live zu spielen. Das finde ich super und die anderen Bands zu Beispiel Charles Lindbergh n.e.V. die habe ich kennengerlernt vor, ich sag auch mal so fünf Jahren oder sechs hab ich die mal in Frankfurt gesehen und habe denen auch versprochen mal in Augsburg zu spielen, wenn sie Lust haben und jetzt hat sich das dann ergeben. Die anderen Bands zum Beispiel Avon Rim, das sind Freunde aus München. Die haben auch schon mal gespielt auf einer Dekadenz mit einem anderen Projekt, mit Masseneffekt.

Manuel: Und die Elvira und das Projekt Elvira and the Bats, kennen wir eben jetzt auch schon länger oder sind persönlich da verbunden, weil man die auf Festivals trifft, da hat man eh nen persönlichen Kontakt und als der Daniel, die dann gesehen hat, hat sich halt wie so ein familiärer Kreis geschlossen. Wo man sagt, da redet man über eine persönliche Ader und nicht über einen Booking-Manager oder so. Es ist wirklich stark familiär und freundschaftlich wie man sich dann die Leute aussucht, also wir suchen dann nicht irgendwie, die Google-Liste ab nach irgendwelchen Wave-Bands.

Daniel: Zum Beispiel die Solitude fx, die heute spielen, die sind auch eigentlich so ganz bekannte Leute, wo man sagt die kennt man. Marc Schaffer ist eben einer der Leute, die kennt man so aus der Szene und da haben wir die dann einfach gefragt, ob die Bock haben zu spielen und die meisten haben sofort zugesagt. Ohne Bedingungen und es hat dann auch meistens terminlich auch gepasst.

Solitude fx (c) Roland Steimann

Solitude fx
(c) Roland Steimann

Marcel: Für uns auch noch ganz wichtig, dass die Bands von unserem Label spielen. Das auch die Augsburger Szene präsentiert wird. Es sind jedes Jahr mindestens ein bis zwei Bands von uns vertreten aus dem Label Young&Cold Records und in den ersten zwei Jahren haben wir immer noch im Team entscheiden wer, welche Band spielen sollen, da haben wir noch demokratisch abgestimmt. Dieses Jahr haben wir es eher ein bisschen offen gelassen, da haben wir dann auch drei Bands von den Leute entscheiden lassen. Sind jetzt natürlich auch fast alle die Bands geworden, die wir auch wollten.

Manuel: Aber ich finde das ganz gut, dass man die Leute selber entscheiden lässt. Wir haben das zur Abstimmung gemacht im Internet und hatten dann ein paar Bands vorgeschlagen, wer spielen kann und dann sieht man auch für was die Leute sich interessieren.

Marcel: Wir hatten im vergangenen Jahr 120 Bewerbungen von Bands, das war dann auch ziemlich heftig für uns erst mal rauszufiltern was einigermaßen passt und für dieses Jahr waren es ungefähr 80 Bands. Klar war viel dabei was nicht passt oder auch zu teuer ist.

Ihr hattet es eben bereits angesprochen mit diesem Familiären, oder wenn man es jetzt diesem „Szenegedanke“ nennen würde. Findet ihr das dieser Do-it-yourself Gedanke heutzutage so ein bisschen fehlt?

Marcel: Jein. Es ist schon wieder zu beobachten, in Deutschland vor allen Dingen, dass die kleinen Szenenfestivals wieder im Kommen sind. Minicave, Gotham Sound Festival oder GPP. Es ist schon viel was wieder geboten wird von vielen Leuten, die wir auch kennen, die wirklich viel machen.

Manuel: Eigentlich kommt es ja daher, du wohnst in irgendeiner Stadt und da läuft halt einfach deine Mukke nicht. Da kamen halt viele auf die Idee eine Party für Freunde zu machen oder so was und wenn sich das dann halt länger entwickelt… Das war bei uns auch so. Ich bin hier nach Augsburg gezogen und hier gab’s halt nichts in der Richtung. Das nächste war München, wo in die Richtung was lief und da hat man einfach was gemacht und das hat sich halt so weiterentwickelt mit den Partys, mit den Festivals und ich glaube das ist Deutschlandweit auch so vertreten. Ich denke, wenn irgendjemand unzufrieden ist mit Mukke, dann macht er irgendwie was selber.

Marcel: Wir haben vor fünf Jahren ja angefangen mit der Dekadenz, da waren glaube ich dreißig Leute da. Mittlerweile machen wir vier bis fünf Partys im Jahr und es kommen 120-150 Leute zu jeder Party und die kommen echt von überall her. Von Berlin, Hamburg, Schweiz, Österreich kommen die Leute zur Party gefahren.

Daniel: Vor allem das hört sich jetzt wenig an 150, da hast du normalerweise in anderen Clubs viel mehr Leute. Aber wir legen auch sehr viel Wert auf die spezielle Musik. Bei uns laufen nicht die ganze Nacht irgendwelche Tanzflächenfüller oder diese typische 80er Playliste mit den ganzen Klassikern durch. Sondern wir bereden uns als DJs was wir spielen können, was die Leute interessiert. Wo man sagt: ‚Okay, ich kann die ganze Nacht tanzen und ich kenn halt auch nicht jedes Lied‘. Wo was Neues entdeckt.

Von überall kamen sie um gemeinsam das Festival zu zelebrieren

Auch die Gäste haben sich bei der „Dekoration ihrer Selbst“ Mühe gegeben

Manuel: Wir sind alle drei privat Musikliebhaber, die alle eine leicht andere Richtung einschlagen. Deswegen haben wir uns darauf geeinigt, dass wir zu dritt auflegen. Daniel zum Beispiel, der sammelt seit Urzeiten die ganz alten Dachboden Kassetten und digitalisiert die teilweise ganz aufwändig, dass man die auch mal abspielen kann auf einer Party. Da ist der Daniel wirklich ziemlich tief eingetaucht und der Marcel auch, der ist mit Punk ziemlich breit. Mit Gitarrenmusik und Punk kennt der sich auch weitaus besser aus als ich und ich interessiere mich für aktuelle Projekte. Da schau ich dann, dass auch das alte Zeug bedient wird, aber auch aktuelle Projekte. Es ist ja genau wie in den 80ern, es gibt heute auch Leute, die aus dem Boden sprießen und schöne Musik machen und da schau ich, dass das dann auch bedient wird und dann machen wir zu dritt immer einen guten Mix draus und sammeln das Zeug. Der Sound der ist nicht aufgesetzt, sondern das ergibt sich aus dem persönlichem Geschmack von jedem einzelnen hier, was dann für Musik läuft. Das ist nicht irgendwie vorgedacht und hier scheibt auch keiner irgendwelche Playlists, damit es irgendwie kracht den ganzen Abend. Das ist immer intuitiv.

Marcel: Da steht immer ein riesen Vermögen auf der Bühne bei den Partys.

Daniel: Ja, wir nehmen immer extrem viel Zeug mit, wir finden das auch schön. Für mich als DJ, und für die anderen beiden auch, ist es natürlich wunderschön, wenn du mit Vinyl auflegen kannst, weil das hat eine ganz andere Ästhetik aufzulegen. Du hast die Platte gekauft, dann ist es was Handfestes und das dann aufzulegen auf so einen Plattenteller und den Leuten zu präsentieren das finde ich wirklich schön. Ich finde es schade, wenn die Leute die Mukke sammeln – ist auch super – aber wenn man als DJ die Platten zu Hause hat, dann finde ich das eigentlich ganz gut, wenn man die auch mitnimmt auf Partys und dann auflegt.

Jetzt ein bisschen eine übergreifende Frage: Was macht die Subkultur eigentlich für euch aus? Was ist das für euch eigentlich?

Marcel: Ich finde in Augsburg ist die Subkultur ein kreativer Künstlerkreis aus, dreißig Leuten vom harten Kern würde ich mal sagen und es sind alle sehr kreativ musiktechnisch, fotographisch, im Kunsthandwerk tätig, neben ihren Berufen vor allen Dingen auch.

Manuel: Da vereint sich wirklich viel. Daniel, Barbara und ich haben ein Tonstudio hier, wo wir auch selbst Musik machen. Auch Freunde, die selbst keine Instrumente spielen können ihre Stimme dazugeben und zusammen komponieren. Andere aus unserem Freundeskreis und aus dem festen Kern sind auch sehr kreativ. Manche nähen ausgefallene Sachen, manche zeichnen oder machen andere Dinge. Das ist so wie ein ganzes kreatives Kollektiv. In den 80er hat man das als wohl als New-Wave bezeichnet, dieses ganze Zusammenfassende beschrieben und ja, das ist so das Besondere oder der Geist von dem Ganzen. Es gibt Leute hier, die machen wirklich nach dem Berufsleben, einen harten Cut und dann startet ein zweites Leben, was dem Leben wirklich Inhalt gibt und dann ist man nach dem Arbeitstag zehn Stunden noch mit irgendetwas anderem beschäftigt und schaut, dass man da wirklich abschalten kann.

"Dead can dance" (c) Roland Steimann

„Dead can dance“
(c) Roland Steimann

Daniel: Hier in Augsburg sind auch nicht so viele Leute, die sich für diese spezielle Musik, für diesen 80er Wave und die ganzen älteren Bands aus den 80er interessieren, die halt so in die Richtung gehen. Das hat sich dann so ergeben, dass man sich so einen kleinen Freundeskreis hier aufgebaut hat und die meisten, die in unserem Freundeskreis sind, die hören wirklich die Musik und die interessieren sich dafür, oder zumindest auch für ähnliche Musikrichtungen, ob das jetzt Elektro, Rockabilly oder sonst irgendwas ist. Die meisten von dem Freundeskreis hier in Augsburg helfen auch bei der Party mit, die machen die Bar, die machen Kasse, helfen Auf- und Abbauen und das ist eigentlich so eine lebendige Szene hier.

Manuel: Anders würde es auch gar nicht funktionieren, würde es die Party auch nicht geben, wenn hier vier Leute, versuchen das aufzubauen, das würde nicht funktionieren. Das funktioniert wirklich nur durch den lebendigen Freundeskreis, wo jeder ungefragt ineinander greift.

Also für euch ist das quasi dieser familiäre Gedanke?

Daniel: Genau und das heißt, dass auch das Publikum Teil daran hat, dass es sieht, das alles selbst gemacht ist, das alles nicht perfekt läuft, dass die Leute das nicht beruflich machen, irgendwie hinter der Bar oder Türsteher sind, sondern das sind einfach Leute aus der Szene und die haben dann das Einfühlungsvermögen und auch die akkurate Haltung dem Publikum gegenüber. Die Szene, oder das was dieser Wave- und Gothic- Gedanke in sich hat, die Leute auch so leben zu lassen, wenn die auf der Party sind. Man sieht auch, dass die Leute sich gerne unterhalten, gerne tanzen und da ist keiner der irgendwie meckert, der irgendwie anders denkt. Deswegen ist das super.

Manuel: Hier sind jetzt auch wieder viele Leute aus München und der Umgebung da, die auch Partys veranstalten in Nürnberg mit dem Bunker Syndikat. Das ist das Gleiche. Genauso wie die bei uns heute als Gäste sind, sind wir nächste Woche zum Beispiel irgendwo in Nürnberg. Ganz normal als Gäste und sagen denen Hallo und kaufe da das Bier und tauschen uns aus, reden mit denen und mich freut das jedes Mal, wenn ich die Leute dann sehe und ich stoße nicht nur mit dem Bier an und sag so jetzt betrinkt man sich, sondern ich rede mit den Leuten wirklich sehr lange und tausche mich aus, weil mir das Zwischenmenschliche wichtig ist.

Daniel: Ja, auf jeden Fall. Dieses Wave Zeug, das hat ganz viel miteinander reden, sich austauschen und so was. Das ist nicht nur auf Party gehen, sich irgendwelche Mukke anhören, die langweilig ist, bisschen tanzen und sich betrinken, sondern es hat etwas ganz familiäres. So wie Wohnzimmer, wo man sich bei Freunden trifft oder so was. Es ist ein Treffen im Endeeffekt. So kann man es beschreiben und da gehört halt Musik dazu, Bands, Merchandise und so Zeug, wo man sagt, man kann dann auch was kaufen von den Bands. Also, das finde ich echt den perfekten Gedanken.

Charles Lindbergh n.e.v. (c) Roland Steimann

Charles Lindbergh n.e.v.
(c) Roland Steimann

Ihr habt jetzt quasi euer eigenes Umfeld beschrieben oder eure Nische, die ihr euch geschaffen habt. Wenn man jetzt an die ganzen groben Festivals denkt, wo eine Kommerzialisierung oder Ausschlachtung der ganzen Thematik stattgefunden hat. Was würdet ihr euch wünschen, was die Zukunft angeht? Oder was vermisst ihr, wenn ihr auf das große Ganze schaut?

Marcel: Also ich finde es gibt sehr, sehr gibt viele große Festivals. Zu viele und die machen sich gegenseitig Konkurrenz. Konkurrenz auch in dem Sinne, weil jedes Jahr die gleichen Bands spielen. Das ist jedes Jahr das gleiche Line-Up, die gleichen „Headliner-Bands“. Finde ich sehr unkreativ und langweilig und auch die extrem überteuerten Ticketpreise. Wenn ich mir die Preise anschaue, das ist einfach nicht normal, weil die Bands tatsächlich eigentlich nicht so viel kosten.

Daniel: Oder weil die Bands gar nicht das bekommen, was dann für den Veranstalter rausspringt. Wie gesagt, man schaut sich die großen Festivals an, die verdienen meistens richtig gut dabei und dann werden teilweise Bands auch nicht entsprechend entlohnt.

Marcel: Oder Bands zahlen dafür, dass sie auch einem großen Festival spielen dürfen.

Manuel: Zusätzlich ist es natürlich auch uninteressant für mich auf Festivals zu gehen, wo ich mir eine Band anschaue und in einer riesigen Halle stehe, die so laut ist, dass ich gar keine Ruhe finde, mich mit irgendjemand zu unterhalten. Das finde ich langweilig und dann so riesige Stages mit Bands, die dann irgendwie spielen und du stehst vierzig Meter davon entfernt. Das finde ich unattraktiv. Ich mag am liebsten Festivals, wo die Band spielt und danach ist die Band auf der Tanzfläche oder am Merchandise Stand und du kannst denen hallo sagen. Du kannst mit denen draussen ein Bierchen trinken oder so was. Dich vor der Türe mit den Leuten unterhalten, das finde ich viel schöner, als wenn du irgendwie eine Bands ankuckst, die danach in den Back-Stage-Bereich verschwindet und in den Flieger einsteigt.

Marcel: Genau, bei uns feiern die Bands immer mit auf dem Festival oder auf den Partys, das ist immer richtig schön. Auch für die Gäste, so nahe am Künstler zu sein.

Gibt es noch etwas, was ihr jetzt unbedingt noch los werden wollt?

Manuel: Abseits von dem Festival und den Parties hat jeder einen festen Beruf und eine feste Berufslaufbahn eingeschlagen, wir versuchen da dran zu bleiben und noch nebenbei was zu machen, da sind wir wirklich stark dran, dass man das beibehält. Die Musik hat einen hohen Stellenwert bei uns. Wir haben ein Tonstudio, das wir versuchen aufzubauen, weil wir auch Leute im Freundeskreis haben, die sehr kreativ sind, aber vielleicht nicht selbst komponieren können. Wir haben hier unter dem Namen Young&Cold Records dieses Tonstudio seit gut zwei Jahren und da sollen Bands aus Augsburg gefördert werden. Das sind mittlerweile sechs oder sieben Kleinprojekte, wo man mit Freunden wirklich vollkommen unterschiedliche Musik-Richtungen macht . Was dunkles melancholisches.

Am Eingang (c) Stephan Thom

Am Eingang
(c) Stephan Thom

Daniel: Ja, ich und der Manu wir bekommen auch oft Anfragen oder Fragen von Freunden, die jetzt auch anfangen Musik machen zu wollen, weil wir beide kennen uns super aus mit diesen Synthesizern aus den 80ern. Wir haben da ganz viel so alte Geräte, auf denen die ganzen Bands früher, die Musik gemacht haben und den Sound den hört man raus. Wir sammeln die Sachen und machen mit denen Musik und wir haben immer wieder auch Fragen von Freunde: ‚Hey ich hab Bock Mukke zu machen und so was‘ und dann sind wir auch meistens dafür: ‚kommt’s vorbei oder so was ins Studio machen wir ein bisschen Mukke zusammen‘ und meistens ergibt sich dann auch was ganz nettes und so was. Irgendwie wie Jam-Sessions oder irgendwelche Solo-Projekte und ich finde das super.

Manuel: In absehbarer Zeit, wollen wir auch, wenn man dann mal dann genug fertiges Material da ist, exklusiv einen ganze Sampler rausbringen. Mit reinen Projekte und kreative Dinge drauf kommen, die in unserem Tonstudio entstanden sind. Das wäre dann mal ein Schritt in die Richtung, dass an so hier was musikalisch, was labelartiges vorantreibt.

Marcel: Einfach mal um die Bands bekannter zu machen und auch dann in ferner Zukunft die Alben zu promoten von den Bands von uns.

Danke das ihr euch Zeit genommen habt und einfach mal frei weg erzählt habt

 

4 Kommentare

  1. Habt ihr Nachtanalyse gesehen? Ich glaube, die waren auch auf dem young and cold festival…

  2. Waren sie letztes Jahr ;)
    Aber wo du auf die Bands ansprichst, ich bin bemüht im nächsten ruhigen Moment meinen persönlichen Festivalbericht zu schreiben ;)

  3. Oh, das habe ich verwchselt! Habt ihr sie letztes Jahr gesehen? Ich finde die recht gut! :)

  4. Die waren auch beim ersten Young & Cold Festival: Rückblick 2013. Nicht weiter verwunderlich, schließlich gehören die meisten Bandmitglieder zum engeren und äußerst kreativen Dunstkreis des Festivals :)

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