Bogeys Underground Fashion - Seite 1

Schwarzer Modeguide der 80er – Zwischen Bogey’s Katalog und der Realität

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Wer in den 80er-Jahren in die Szene der Gothics und Waver einstieg, brauchte entsprechende Klamotten. Als äußeres Erkennungsmerkmal der Szenezugehörigkeit musste es ausgefallen, extravagant und natürlich schwarz sein. Wer nicht in der Lage war selbst kreativ zu werden, musste sich in den europäischen Hauptstädten mit Szene-Kleidung versorgen oder auf einen der Mailorder-Versender zurückgreifen. Ein 18 Seiten starker Katalog von „Bogey’s Underground Fashion from London“, der mich durch eine freundliche Leserin per E-Mail erreichte, inspirierte mich zu einem Beitrag über die schwarze Mode der 80er.

Hatte alles in dem Katalog wirklich mit der Szene zu tun? Wird hier nicht etwas schon in seinen Wurzeln vermischt, was nie zusammengehören wird?

Ich darf vorwegnehmen, dass nicht alle Bilder mit dem Inhalt übereinstimmen, was aber aufgrund der wirklich „bunten“ Mischung des Katalogs von Kleidung aus den unterschiedlichsten Szenen und Randbereichen vieler Subkulturen einfach nicht möglich ist. Es geht also um Mode, nicht unbedingt um Hintergründe und Inhalte.

Der Ursprung von Allem

Punk
Der schwarze Stil wurde in Großbritannien geboren. Mitte der 70er entpuppte sich die Punk-Bewegung als Motor der Andersartigkeit. Der „Müll-Look“ war Ausdruck ihres Lebensgefühls: „Es hat sowieso alles keinen Zweck“ (No Future). Mit ihrer Kleidung symbolisierten sie ihre Haltung zu Überflussgesellschaft und schockierten die Öffentlichkeit. Die Punks machten aus dem Hässlichen eine Bekleidungsstrategie der Aufmerksamkeitserregung.

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Zentrales Element ihrer Bekleidung war die schwarze Lederjacke, die bereits mit erstmaligen Tragen schon Gebrauchsspuren aufweisen musste. Schriftzüge, Aufnäher und eine ganze Armada aus Nieten in allen Formen und Ausführungen waren ein muss. (419)

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Die Jugendlichen begannen damit, den Schockeffekt zu konzentrieren, indem sie sich Sicherheitsnadel in die Ohren, Mundwinkel oder Wangen steckten und diese mit Ketten verbanden. Symbole setzten dem Ganzen die Krone auf. Vorbilder wie Johnny Rotten und Siouxsie Sioux machten aus dem Hakenkreuz Aufreger und modisches Accessoire zugleich und legten den Grundstein für diese Art der symbolischen Provokation. Durch das bewusste Zerstören des Zusammenhangs zwischen dem Symbol und dem Symbolisierten leisteten die Punks eine Art ästhetische Pionierarbeit für viele darauf folgende Szenen, die insbesondere die Gothics noch einmal aufgriffen.

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Mit den Punks erlangten die Haare eine ganz besondere Wichtigkeit. Rot, grün, gelb oder pechschwarz gefärbte, durch Zuckerwasser standfest gemachte Frisuren, die man an den Seiten oder dem Nacken ausrasierte, wurden zum nicht mehr auszuziehenden Merkmal dieser Jugendkultur. (427 & 428) Die Vorläufer des modernen Gothics übernahmen diesen Stil und setzten ihn fort.

Der New Waver

Ende der 70er tauchte diese Spezies vornehmlich in den europäischen Hauptstädten auf. Sie trugen Anzüge der 50er Jahre, die mit breiten Schulterpartien und schmalen Revers unverwechselbar waren. (441) Dazu trugen sie weite Hosen, die zu den Knöcheln eng zuliefen und ihre Vollendung in den spitzen Schuhen, den sogenannten Pikes oder Winklepickern, fanden.

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Als Accessoire verwendete man gerne Brillen, während im Schminkstil harte Konturen und Linien vorherrschten. Mit der ironischen Nachahmung des „Normalen“, mit dem peniblen Einhalten spießbürgerlicher Kleidernormen der 50er hielten die New Waver zum einen der Gesellschaft einen kritischen Spiegel vor die Nase und zum anderen verwirrten sie durch diese vollendete Imitation. (451/454)

Weibliche New Waver bestachen durch figurbetonte Schnitte (443) und unterbrachen stilistische Genauigkeit durch hochtoupierte und ausrasierte Frisuren. Großflächiger Schmuck betonte das Dekolletee und breite Gürtel verhalfen zu einer schmalen Taille. Wahlweise trug man zum engen Rock auch ausladende Oberteile (433) oder hochgeschlossene Blusen mit weiten, puffigen Ärmeln (453).

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Der New Waver ist eine Randerscheinung auf dem Weg zum modernen Gothic und entwickelte sich auch in anderen Lebensbereichen in eine ganz andere Richtung. Der Katalog von Bogey’s zeigt diesen Stil leider auf Augenhöhe mit anderen Jugendkulturen dieser Zeit, ohne Rücksicht auf die tatsächliche Entwicklung der Gothics zu nehmen. Die Vermischung von Jugendkulturen zu einer großen schwarzen Masse beginnt vermutlich mit der Kommerzialisierung der Kleidung.

Die New Romantics

Vielen waren die Punks hässlich und die New Waver zu trist, sie entwickelten sich in eine ganz andere Richtung. Die New Romantics orientierten sich am Kleidungsstil längst vergangener Epochen. Rüschenhemden, weite wallenden Hosen und Röcke, die aus Stoffen mit phantasiereiche Ornamentik gefertigt wurden, bestachen in ihrem Stil (447). Sie trugen reichlich Schmuck und schminkten sich stark mit auffallenden, knalligen Farben.

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Die New Romantics zauberten lebender Bilder des Weichen, sie zeugten von Eleganz und Glanz. Sie gaben sich dem Glamourösen hin und entwickelten sich zu „Edel-Punks“, ihre Frisuren ähneln denen der Punks, ihre spitzen Schuhe den New Wavern. Indem sie das Elegante an die Stelle des Schlampigen und das Edle an die Stelle des Vulgären, das Herausputzen an die Stelle des Verlotterns setzten, wurden sie zu Anti-Punks.

Nachdem auch Punk mittlerweile von Vivienne Westwood und Malcom McLaren erfolgreich vermarktet wurde, griffen auch andere Modeschöpfer den Stil auf und machten aus der Szene-Mode Einflüsse für die breite Masse. Auf der Bühne standen Adam & The Ants, Steve Strange, Boy George und viele andere den Jugendlichen als modisches Vorbild zur Verfügung, denen sie Dank der beginnenden Herstellung von Szeneklamotten auch spielend folgen konnten. Bogey’s profitierte Mitte der 80er vom leeren deutschen Markt und erreichte durch geschickte Werbung in Jugendmagazinen einen hohen Bekanntheitsgrad.

Gothic – Die Geburt einer Mode

Anfang der 80er Jahre erhoben sich die Gothics aus ihren Grüften. Niemand wusste die blass geschminkten und ganz in schwarz gekleideten Gestalten einzusortieren und so ordnete man sie dem musikalischen Umfeld zu, dem sie sich zugehörig schienen. Der führende Szeneclub war das Batcave in der britischen Hauptstadt London, der allein schon durch das Logo seiner Mitgliederkarte (die Kontur eine Fledermaus) Rückschlüsse auf Ausrichtung seines Ambientes zuließ. Die Einrichtung war überwiegend in den Farben Schwarz, Blutrot und Lila gehalten, während bei der Dekoration Samt, Pailletten, Spinnweben und metallische Elemente dominierten. Ein ideales Bühnenbild für jeden Horrorfilm. Ganz so wie die Inneneinrichtung erschienen auch die Besucher, die zu Hochzeiten in meterlangen Schlangen vor dem Club auf Einlass warteten. Die Gesichter bleich und die Augen schwarz geschminkt, während ihre Körper mit schwarzer Gewandung behangen waren.

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Sie unterschieden sich von allen ihnen vorangegangenen Szenen durch wichtige äußerliche Merkmale. Die Punks erschienen als Ästhetisierung des Hässlichen, die New Waver ironisierten das Normale und die New Romantics zeigten sich als Revival-Kultur des Glamourösen vergangener Zeiten. Die Gothics waren anders, sie inszenierten den Horror. „Black clothing (with a hint of purple), often with fetishistic, historical, religious or occult refrences, deathly pale complexions, black and red cosmetics, heavy silver jewellery and black, spiky hait characterise this style.1 Die Gothics bauten in ihrem Bekleidungsstil auf die Ursprünge der schwarzen Mode und übernahmen wichtige Elemente, um sich im Zuge der Individualisierung weiter zu differenzieren.

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Der „Gothic-Gothic“

Der Gothic-Gothic ist der klassische Gothic, der damals ebenso selten war, wie heute. Erst Mitte der 80er Jahre spannte der Begriff „Gothic“ einen modischen Schirm über alle weiteren Bekleidungsstile der Subkultur. Weite wallenden, den Körper verhüllende Kleidung war stilprägend für den klassischen Gothic. Man trug Kutten, Talare, Umhänge und weite Mäntel mit breitem Ärmelabschluss. Man vermutete, der Träger geht damit auf eine distanzierte Haltung zum eigenen Körper2 und hebelt ganz nebenbei auch noch die gesellschaftlichen Merkmale der sexuellen Identität aus.Bogey's Underground Fashion - Seite 10

Der Talar ist ein langärmliges und knöchellanges Amtskleid, das man bereits von Juristen, Akademikern und Geistlichen her kannte. Die Umhänge (Capes) sind mantelartige Kleidungsstücke ohne Ärmel, die ursprünglich mit Kapuze getragen wurden. Die Spanier des 16. Jahrhunderts verwendeten dies übrigens als typisches Bekleidungsstück für den Herren. Den Mönchen klaute man ganz schamlos ihre Kutte, ein meist gerade geschnittenes oder der Tunika ähnelndes Hemdgewand. Der typische lange Ledermantel mit breiten Ärmeln oftmals auch als Kutte bezeichnet.

Umhänge findet man auch heute noch in einschlägigen Szene-Katalogen wieder, wenngleich sie in ihren heutigen Ausführungen deutlich an Qualität gewonnen haben und oftmals aus hochwertigem Samt, dass mit rotem Innenfutter ausgekleidet ist, hergestellt sind. Die Talare, Priesterroben und Mönchskutten hingegen sind nahezu verschwunden, da ihre Einfachheit im Zuge der Individualisierung nicht mehr ausreichte.

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Der Waver

Der in Szenekreisen weit verbreitete Stereotyp trug sehr weite Hosen, Oberteile mit Fledermausärmeln, weite Mäntel und Jacken. Die Pumphosen war ein zentrales Merkmal des Wavers (463), die an den Füßen ihren würdigen Abschluss in Form der spitzen Schuhe der New Waver fand (458).

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Sie ist eine lange, an den Knöcheln enger werdende, weite, sackförmig geschnittene Hose ohne Taschen. Sie geht wohl auf die Heerpauke zurück, die im Spanien des 16. Jahrhunderts getragen wurde und an der Hüfte oftmals mit Rosshaar gefüllt war, um die gewünschte Form zu verschärfen. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte die Frauenrechtlerin Amelia Bloomer eine ähnliche Hose, die „Türkische Hose“ oder „Bloomers“ genannt wurden. Die Pikes vollendeten die schlanker werdenden Enden der Hose mit ihren oftmals beeindruckenden Spitzen.

Die Schnabelschuhe, die von Kreuzfahrern aus dem Orient nach Europa gebracht wurden3, sind ein immer wiederkehrendes Element der 80er. Zu Zeiten des Rokoko und Barock schuf man die Schnallen und Verzierungen für Schuhe4, die an den Pikes ihre Reinkarnation finden. Die Waver übernahmen die Schuhe jedoch aus den frühen Subkulturen der 60er und 70er Jahre, wo die Mods für ein Revival der spitzen Schuhe sorgten und später vom New Waver wieder zur Mode erhoben wurden.

Die Romantiker

Sie überführten die New Romantics in die schwarze Modewelt der Gothics. Die Romantiker zeigten sich meisterlich im Umgang mit historischen Elementen der Bekleidung und sampelten sich durch alle Jahrhunderte um sie zu einem neuen Stil zusammenzuführen. Weibliche Romantiker kennzeichneten sich durch weite Rock- und Kleiderformen, die zusätzliche noch mit Umhängen und Kopfbedeckungen geschmückt wurden. Auch enge und tief ausgeschnittene Oberteile und Mieder waren schon in den 80ern zu finden. Sie spielen mit Elementen der Burgundischen Mode des 15. Jahrhunderts und vor allem mit den Barock- und Rokokoelementen des 17. und 18. Jahrhunderts ohne dabei Rücksicht auf geschichtliche Zusammenhänge zu nehmen.

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Männliche Romantiker bevorzugten weite Hemdformen und enge, körperbetonte Hosen. Das romantisch verspielte Rüschenhemd (479), an Ärmeln und im Brustbereich mit zahlreichen Rüschen versehen, ist in allen Variationen ist zentrales Element des männlichen Stils.

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Häufig verwendete Stoffe sind Samt, Spitzen und Rüschen, die für Luxus und Eleganz stehen und eine romantische Vergangenheit erinnern sollen. Rüschen haben ihre Wurzeln im Rokoko, Spitze gehört zu den Errungenschaften der italienischen Hochrenaissance. Samt hat seiner Ursprünge im Mittelalter, in dem es noch kostbarer und begehrter war als Seide.

Latex, Lack und Leder

In den späten 80ern tauchte das Korsett und Mieder in der Oberbekleidung der Gothics auf (490). Kleidungsstücke aus Lack und Leder werden zunächst in Elementen, später ganz in die Mode übernommen. Zunächst aus stilistischen Merkmalen der Romantiker übernommen, entdeckt man das Mieder mit Überschneidungen aus der SM-Szene als erotisches Stilmittel. Offenbar reizen eine verschnürte und zwanghaft geschmälerte Taille Betrachter und Träger gleichermaßen. Elemente aus Lack schließen an den weiblichen Stil der New Waver an. (494 & 497)

Die Rückkehr auf körperbetonte Merkmale des eigenen Körpers ist ein Phänomen der späten 80er. Während man noch zu Beginn der Mode versuchte, den eigenen Körper zu verhüllen und in Geschlecht und Ausprägung unkenntlich zu machen, so ging man zum Ende der Dekade wieder in eine deutlich Geschlechterorientierte Wege des Kleidungsstils. Pikes und spitze Pumps mit kleinen Absätzen wurden von immer höheren Plateau-Schuhen und klobigen Stiefel verdrängt, bodenlange Gewänder wichen Netzstrümpfen und Mini-Röcken.

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Während Latex, Lack und Leder in der SM-Szene als Materialfetische fungieren, geht es den meisten Gothics bei Verwendung dieser Elemente eher um den äußerlichen Reiz und um das Spiel mit dem Verbotenen und Verruchten. Nur wenige fühlen sich tatsächlich zu einer Sado-Masochistischen Sexualität hingezogen.

Alltagskleidung

Schwarz, schwarz, schwarz sind alle meine Kleider; Schwarz, schwarz, schwarz ist alles , was ich hab. Darum lieb ich alles, was so schwarz ist…

Trotz der äußerlichen Rebellion, gegen die bunten und neongrellen 80er fügten sich viele Gothics ins Leben der Gesellschaft. Auch wenn man der Farbe treu bleibt, versuchte man die optische Rebellion auf ein gesellschaftlich akzeptierteres Maß zu reduzieren. Kleiderformen in Normalweite kennzeichneten viele Szene-Gänger im Alltag. Man griff auf bequeme Jeans- und Lederhosen, T-Shirts und Sweatshirts zurück, die lediglich durch Nietengürtel oder Bandlogos verziert sind.

Die heutige Alltagskleidung der Gothics ist extremer geworden. Erst mit zunehmender gesellschaftlicher Akzeptanz im Laufe der Jahrzehnte wird mehr und mehr vom Stil der Szene in das Alltagsleben getragen. Dadurch werden auch zwangsläufig die für „Szene-Abende“ vorgehaltenen Outfits immer extremer, um sich innerhalb der Szene vom Alltagsleben ausgrenzen zu können. Ich behaupte, Fetisch-Kleidung, Cyber-Mode und immer extremerer Körperschmuck sind Folgen einer breiteren Akzeptanz. Waren in den frühen 80ern schon schwarze Haare, die an den Seiten ausrasiert wurden, ein deutliches Signal der Ausgrenzung, sind es heute High Heels, Lack & Leder, Gasmasken, Hundeleinen und viel Haut nötig, um ein ähnliches Signal zu setzen.

„Die Haare sind das wichtigste!“

Frisuren

Warum spreche ich über Haare, wenn es um Bekleidung geht? Nun, eine Untersuchung unter Jugendliche zeigte, dass 68%5 aller Befragten der Meinung waren, dass die Frisur das wichtigsten am gesamten Outfit war. Unter Gothics dürften diese Werte in den 80ern erheblich höher gelegen haben.

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Die Haare waren ähnlich den Punks hochtoupiert und teilweise aufwendig in Szene gesetzt. In stundenlangen Sitzungen vor dem Spiegel unter der Verwendung von reichlich Haarspray entstanden die aufwendigsten Kreationen. Das Deckhaar zu einem Turm aufzustellen, während die Seiten und der Nacken ausrasiert waren, zählt zu den ursprünglichsten Szenefrisuren. Beim Teller (auch Tellermine oder Tellerschädel genannt) werden die Deckhaare zu einem flachen, tellerförmigen Gebilde aufgestellt, das von den Nacken und den Seiten ausgehend nach oben hin breiter wird.

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Während diese Frisuren eher von Männern getragen wurden, folgten die Frauen anderen Stilen. Die „Hexenhaar“ oder „Wuschelkopf“ genannte Frisur war eine explosionsförmig und möglichst in alle Richtungen abstehende Frisur. Die mit viel Haarspray entstandene weibliche Frisur erinnert an Robert Smith (The Cure), der wohl als Ikone des Wuschelkopfes angesehen werden dürfte.

Im Alltag folgte man der Praxistauglichkeit und brachte die Haargebilde zum Einsturz, um sie als Pferdeschwanz nach hinten zu binden, ausrasierte Nacken und Seiten blieben natürlich erhalten. Schwarz gefärbte Haare wurden Pflicht, immer seltener sah man die blonde Haarpracht der New Waver und Waver.

Make-up, Schmuck & Accessoires

 

Fast schon typisch für das Make-up der Gothics, war das bleich geschminkte Gesicht, dass im 18. Jahrhundert als Statussymbol angesehen wurde. Die Gothics brachten es aber eher in Verbindung mit Tod und Vergänglichkeit oder auch einfach nur als deutlicher Kontrast zum schwarzen Outfit. An den Augen fand sich das Schwarze wieder. Sie wurden mit einem Kajalstift schwarz umrandet und oftmals über die Augenpartie hinaus bis zu den Schläfen gezogen. Eyeliner zauberte fraktal-mystische Gebilde um die Augen, die an die Schminkkunst des alten Ägypten erinnerte.  Roter Lippenstift sorgte für den letztendlichen Schliff und spielt damit auf ältere filmischen Horror-Inszenierungen an. „Die Schminkweise der Gothics nimmt das Schicksal des zukünftigen Todes vorweg und soll die Solidarität zu den Toten ausdrücken2 „Sich tot malen.“ war Szenejargon.

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Mit silbernem Schmuck in allen Variationen vollendete der Gothic sein Outfit, die Pikes waren oft durch weitere Ketten, Ringe und Schnallen verziert. Unzählige schmale Armreife aus Silber und Schmuck mit bevorzugt mystischen Symbolen bildeten den Kontrast zum sonst einheitlich schwarzen Outfit. Dabei griff man gerne zu provokativen Stilmittel, wie sie schon von den Punks etabliert wurden. Im späteren Verlauf der Entwicklung übernahm man auch Nietenhalshänder und reichhaltig bestückte Armbänder, die ebenfalls auf die Punks zurückzuführen sind. Mit dem Schmuck begann auch die Diskussion um die Beweggründe und Absichten der Gothics, schließlich musste das Ganze ja etwas über die Gesinnung des Trägers aussagen. Doch in vielen Fällen folgten die Jugendlichen nur ihren Vorbildern, Madonna etablierte beispielsweise Ketten mit christlichen Kreuzen als Modeschmuck. Gothics berufen sich dabei auf Siouxsie Sioux oder auch Billy Idol. Schwarz lackierte Fingernägel standen im Kontrast zu zahlreichen Ringen, oftmals hatte man den Eindruck, zehn Finger wären nicht genug.

Die Vielfalt an Accessoires war erschlagend und eine Goldgrube für jeden Szene-Händler. Handschuhe, Sonnenbrillen, Gürtel, Strumpfhosen, Taschen, Kopfbedeckungen und Tücher. Alles wurde vereinnahmt und für die Szene relevant. Mit jedem Teil wurde der Einzelne zum Kunstwerk. Symbolgeladener Schmuck und auffällige, vom Mainstream abweichende Accessoires nahmen eine herausragend Rolle ein. Körperschmuck war seit dem Punk auf dem Vormarsch.

Und dann? 

Mit den 80ern endet auch die Überschaubarkeit der Kleidungsstile. Immer neue Einflüsse treffen auf eine expandierende Subkultur. Im Prinzip sind heute auch noch alle Stile der 80er zu finden, seltener in Reinform, häufiger als Element einer Remix-Kultur. Vielleicht verschafft dieser Artikel einen kleinen Einblick in die schwarze Mode der 80ern, auch wenn ich mir nicht anmaßen möchte, die Gesamtheit aller Einzelheiten zu kennen und zu beschreiben.

Fakt ist, dass das persönliche Identifizierungspotential jedes einzelnen mit zunehmender Vielfalt sinkt. Zu verwaschen sind die ursprünglichen Stile, zu absurd die immer weiter einströmenden Entwicklungen.  Dies ist der Versuch eines Überblicks über die Ursprünge, ich freue mich auf eure Ergänzungen und Korrekturen, eure Erinnerungen und Eindrücke.

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Einzelnachweise

  1. De la Haye/McGrath/Dingwall: „Surfers Soulies Skinheads and Skaters – Subcultural Style from the Forties to the Nineties“, Overlook Press 1996 – http://www.overlookpress.com/surfers-soulies-skinheads-and-skaters.html []
  2. Birgit Richard: „Schwarze Netze. Die Gruftie- und Gothic Punk-Szene“, Kursbuch Jugendkultur, Mannheim 1997[][]
  3. Harry Kühnel: Bildwörterbuch der Kleidung und Rüstung. Vom alten Orient bis zum ausgehenden Mittelalter, Stuttgart 1992[]
  4. Erika Thiel: Geschichte des Kostüms. Die europäische Mode von den Anfängen bis zur Gegenwart – 5. Auflage 1980[]
  5. Doris Schmidt/Heinz Janalik: Grufties – Jugendkultur in Schwarz, Schneider Verlag Hohengehren, 2000[]
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Benachrichtige mich zu:
Karnstein
Wow, ich bin noch regelrecht erschlagen von all den Details und Bildern. Ein wirklich wundervoller Artikel! Weißt du denn genauer von wann der Katalog ist? Die romantischeren Outfits (476-480), die ich übrigens ganz grandios finde, sprechen ja deutlich für die späten 80er (ich denke da etwa an Sean Cronin von den Marionettes), aber da noch so viel New Romantic zu finden überrascht mich etwas. Zwar habe ich den Eindruck dass du vielleicht etwas zu viele konkrete Kategorien präsentierst, aber eine Kritik kann das von meiner Seite niemals sein, allein schon weil ich eben nicht aktiv dabei war und mich daher nur auf Berichte wie den vorliegenden stützen kann. Meinen persönlichen Status Quo finde ich übrigens erstaunlich genau in Abbildung 427 wieder, wobei der breite Gürtel… Mehr lesen »
Madame Mel
Madame Mel

Haaaach… mir ergeht es jetzt gerade so ähnlich wie Herrn Karnstein grin

Die Klamotten kommen mir doch sowas von bekannt vor! An dieser Stelle muss ich zugegeben, dass ich deinen Text dazu noch gar nicht durchgelesen habe, denn ich schwebe gerade auf der Nostalgiewolke wink

Es müsste 1988 gewesen sein, als wir aus diesem Katalog eine Art Sammelbestellung aufgegeben haben (ich hatte 520 + 521). Die Sachen sahen wir als Ergänzung zur selbstgemachten Garderobe an.

Leider gibt es von mir überhaupt keine Fotos aus dieser Ära! Da könnte ich mir heute noch in den … beissen.

Waren das alle Seiten? Ich habe das Gefühl, da fehlt noch was – zumindest meine damaligen ersten Pikes sind nicht dabei.

Aristides Steele
Welch großartiges Fundstück! Viel tolles Augenfutter – ich bin begeistert! Nur zwei – oder drei – Richtigstellungen von meiner Seite: weder im Barock noch im Rokoko gab es diese spitz zulaufende Schuhform, alles an erhaltenen Originalen was ich aus der Zeit kenne ist mehr kastenförmig oder mit eher gerundeter Spitze. Der Schnabelschuh, der es aus der Orientalischen Kultur in die europäische Mode geschafft hat, tauchte im späten 15. Jahrhundert – der gotischen und auch burgundischen Mode auf. Von späteren Epochen ist mir eine vergleichbare Schuhform nicht bekannt. In der späten Renaissance wurden Pluderhosen nicht nur in Spanien getragen, typisch für dieses Land war aber eine sehr kurze und stark ausgestopfte Variante, in Deutschland und skandinavischen Ländern war die Form unter-knie- bis wadenlang, lockerer und wesentlich… Mehr lesen »
Schatten

@Rosa
Spitze Schuhe in späteren Epochen? Wie wäre es hiermit:
https://musicalics.com/
Wobei ich glaube, dass das hier etwas überspitzt dargestellt wird grin

Death Disco
Death Disco

Na ja, der Einteilung würde ich auch nicht unbedingt zustimmen. Waver waren sie doch alle, auch die New Romantics. Halb-Waver? Halb-Romantiker? Gothic-Gothic? Ohne Worte. wink

Aristides Steele
Nachdem ich einen langen Tag habe gehe ich erstmal auf einen Teil der Nachharker ein Was die Schnallen an den Schuhen angeht – ja, die gab es erst ab ca 1660, also modegeschichtlich im Barock. Danach ziehen sie sich durch die Rokoko-Mode hindurch, in früheren Epochen wurden Schuhe eher mit Schleifen (oft sehr üppigen) geschlossen. Nur eben die spitz zulaufende Schuhform ist in diesen Epochen nicht vorhanden. Um auf Schatten’s Bilderlink einzugehen: es gab seit der Renaissance (soweit ist das mir bekannt) immer wieder überspitzte, karikative Zeichnungen. Deswegen sind Gemälde als Referenz für „authentische“ Klamotten immer sehr problematisch. Sollte es ein erhaltenes Originalexemplar geben daß Paganinis Schuhwerk gleich kommt, so nehme ich alles zurück – so aber bleibt die Quelle fragwürdig … @Samt und Seide:… Mehr lesen »
Viola Purple
Viola Purple
Hah! Den hab ich auch noch in der Schublade liegen… Schoen beschrieben, aber: wie soll ein Katalog von DAMALS die zukuenftige Entwicklung beachten? Konnten die ja gar nicht wissen Es gab damals wenig „Abgrenzung“ der unterschiedlichen Stile – es hiess einfach „NEW WAVE“ und „PUNK“… Schliesslich sollte man beachten: schon alleine das „schwarz“ war ein Novum und eine Provokation, denn schwarze Kleidung war damals kaeuflich kaum zu erwerben, ausser in der Trauerabteilung fuer Aeltere Damen… Man wurde aus der Strassenbahn geworfen, nur weil man eine zerissene Jeans anhatte… Was heute selbstverstaendlich ist und kaum beachtet wird, war Anfang/Mitte der 80ger absolute Ausnahme! Ach wie schoen ist so eine Zeit im Rueckblick – geblieben ist die Vorliebe fuer schwarz und violett… PS: Der Katalog muesste von… Mehr lesen »
fitzallan
fitzallan
Die Vermutung, dass die bevorzugte wallende Kleidung der Waver auf eine bestehende Distanz zum eigenen Körper hinweist, geisterte immer mal wieder durch Diplomarbeiten o.ä., die sich mit Jugendkultur und „Gruftologie“ befassten. Das hört sich in der Abhandlung schön bedeutungsschwer an, aber in der Rückschau möchte ich behaupten: ganz so dramatisch war es nicht. Jedenfalls nicht im Sinne von Körperfeindlichkeit, schon eher in der Weigerung „die Haut zu Markte zu tragen“. Dass 5 Schichten Klamotten, davon mindestens 3 mit separaten Schulterpolstern ausgestattet, die Körperkonturen einebnen, liegt auf der Hand. Das Tragen dieser Art Kleidung bewirkte, zumindest ich habe es so erlebt, beinahe automatisch eine bestimmte Veränderung in Ausdruck und Haltung. Man bemerkte es bei sich selbst und beobachtete es bei den anderen: die Bewegungen wurden gemessener,… Mehr lesen »
Viola Purple
Viola Purple

Schulterpolster und Walle-Look waren damals schlichtweg IN! Da muss man nur mal alte Modezeitschriften durchblaettern oder Videos von „Normalos“, wie zb. Brian Ferry ansehen…

Die Auswahl war auch nicht so gross… Es gab das was IN war und daran orientierte sich auch die jugendliche Szene – meistens hat man halt das Zeug in rosa oder so gekauft und schwarz eingefaerbt…

Schatten

@Rosa
Das das eine KArikatur ist war mir schon klar wink
Wäre doch irgendwie passend wenn gerade Paganini spitze Schuhe getragen hätte grin

Kathi
Kathi

Wow
*Worte suchen geht*

Erstmal viiiielen Dank Robert, dass du aus meiner Anfrage so einen interessanten Artikel gemacht hast.

Jeden Falls ist es momentan so viel Input, dass du von mir näheres zu hören bekommst wenn ich die Infos verarbeitet habe.

Mr. Niles
Mr. Niles

Jau, dass mit den „Wallenden Gewändern“ ist mir auch aufgefallen: Früher mummelten sich alle in `zig Kleidungsschichten ein – selbst im heftigsten Sommer.
Seit der Körperkult durch die SM- / Fetischszene Einzug gehalten hat, laufen eigentlich nur noch die Altgrufties so rum…

Frank Widmann

Wie lustig, ich habe damals diese Fotos gemacht. Das waren quasi meine ersten Aufnahmemen während des Studiums.
Zeitreise!
Schön das mal wieder zu sehen.

Ian Luther

So wie es aussieht, kenne ich jemanden, der den Martin kennt. Sie fragt nur noch mal nach, aber wenn sich die Vermutung meiner Bekannten bestätigt, dann ist Martin immer noch in der Szene dabei wink

Narziß' Goldmund
Narziß' Goldmund
@Rosa Chalybeia: Ich würde dir gerne einführende Literatur zur Mediävistik und frühen Neuzeit ans Herz legen, denn dir sind da historische Schnitzer unterlaufen: Punkt 1: der spitze Schuh ist etwas, dass wir im Früh- und Hochmittelalter des Abendlandes wiederfinden und ausschließlich dem Adel vorbehalten war. Dabei gibt es eine einfache Faustregel: je spitzer der Schuh, desto höher der Stand (Goetz, H.-W.: Leben im Mittelalter. 2002). Punkt 2: Zeichnungen, insbesondere aus dieser Epoche, waren bei solchen Dingen höchst präzise. Man bedenke, dass die wenigen, die ein solches Bild zu sehen bekamen, sich auch einen Codex leisten konnten. Aus heutiger Sicht entspräche das einem Fuhrpark von einem Dutzend Luxuswagen; immerhin erforderte die Herstellung des Pergament das Opfer vieler Schafherden (Makellosigkeit außer Acht gelassen). Der Punkt ist, das… Mehr lesen »
Aristides Steele
@Narziß: lies nochmal in Ruhe was ich schrieb, ich bezog mich nicht im Schwerpunkt aufs Mittelalter, daß es da den Schnabelschuh gab ist mir sehr wohl bewusst, es ging um Barock und Rokoko, da gab es mehr als definitiv keine spitz zulaufenden Schuhe, und wenn waren die sicher nicht allgemeingebräuchliche Mode. Und bei den unzuverlässigen Darstellungen bezog ich mich auf Karikaturen, die es nachweislich gab – weil Schatten eine solche verlinkt hat und kein naturalistisches Gemälde. Daß Epochenbegriffe fließend sind und mit den Grenzen anderer Genres oftmals nicht konform gehen, ist mir sehr gut bewusst, ich beschäftige mich mit dem Kram auch nicht erst seid gestern. Mittelalter ist zugegeben nicht mein Spezialgebiet, aber so wirklich was Neues hast Du mir jetzt ehrlichgesagt aiuch nicht erzählt… Mehr lesen »
Ian von Nierenstein

Ich denke das Thema „Mittelalter“ muss man nicht unbedingt historisch korrekt annehmen. Die Romantik im 19. Jahrhundert bezog sich ja auch nur auf die Ästhetik genauso wie der Historismus in der Architektur. Diese Stimmung wurde in der New Romantic in den 80ern übernommen und wird heute eben auch in der schwarzen Szene genutzt. Man nehme nur Bands wie Faun. Das ist für mich eher „New Romantic“ und bewusst kein authentisches Mittelalterszenario.

Death Disco
Death Disco

Diese Stimmung wurde in der New Romantic in den 80ern übernommen

Die einzige Stimmung in der New-Romantic-Szene der 80er brachten Duran Duran und Spandau Ballet. ;P

Narziß' Goldmund
Narziß' Goldmund

@Rosa Chalybeia

Der Schnabelschuh, der es aus der Orientalischen Kultur in die europäische Mode geschafft hat, tauchte im späten 15. Jahrhundert — der gotischen und auch burgundischen Mode auf.

Ja, historische Grenzen sind fließend, um Jahre / auch Jahrzehnte, nicht Jahrhunderte. Und im späten 15. Jahrhundert befand sich Europa schon im Barock. Und Karikatur als Kunstform kam erst zweihundert Jahre später auf. Vorher waren es Holzstiche. Was Schatten verlinkt hat, ist etwas, dass weitaus später entstand, solch ein Stil ist vielmehr in das 18. Jhd. einzuordnen; Quellen wären nett.

Sicher, ich mag dir nichts neues vermittelt haben, aber dein Wissen scheint sehr Lückenhaft zu sein, oder du hast dich einfach nicht adäquat ausgedrückt.

Ian von Nierenstein

Death Disco, du weißt doch, wie ich das meinte grin

Death Disco
Death Disco

Death Disco, du weißt doch, wie ich das meinte grin

Genau deshalb. Man sollte retrospektiv nicht Dinge hineininterpretieren, die nicht vorhanden waren. wink

New Romantic war ein SchickiMicki-Mode-Spektakel. Die Kleidung war nicht einmal wirklich historisch begründet, sondern oft rein fiktiv bis futuristisch orientiert.

Teile der heutigen Szene erinnern hingegen eher an LARPer als an Goths. Die versuchen etwas historisch genau und detailgetreu nachzuempfinden, siehe viktorianisches Picknick etc.

Markus
Markus
Danke Robert, für diese neue Zeitreise direkt in die 80er. Ich erinnere mich noch gut an den Bogey’s-Katalog, sparte monatelang, um mir die Pikes Nr. 502 bei Bogey’s zu bestellen, die ich dann nach Riesentheater zuhause wieder zurück schicken und gegen ein paar entschärfte halbspitze Wildleder-Halbschuhe umtauschen mußte, damit die Nachbarn in unserer spießigen Kleinstadt nicht denken, ich wäre schwul – es kann ja nicht sein, was um Himmels Willen nicht sein darf. *grins* Anmerken zu deinem wirklich bemerkenswerten Artikel möchte ich noch, das der im Abschnitt „Gothic“ erwähnte Club „Batcave“ sogar eine Resident-Band hatte, die Alien Sex Fiend hieß und dort regelmäßig spielte. Stammgast war unter anderem Robert Smith von The Cure. Ich war ganz dankbar für den Versandhandel Bogey’s , weil gerade Pikes… Mehr lesen »
Markus
Markus
@ Mr. Niles: Das erinnere ich genau wie du: Die Waver aus meinem damaligen Freundes- und Bekanntenkreis waren in den 80ern irgendwie „angezogener“, selbst im Hochsommer trugen wir lange Hosen und lange Oberteile, Hemden. Ich war selbst noch nie auf einem WGT in Leipzig, schaue aber oft und lange bei YouTube rein und wenn ich dort Videos und Mitschnitte von TV-Reprtagen der aktuellen WGT’s sehe, staune ich immer wieder über die fortgeschrittene Sexualisierung in der Szene und Outfits, die ohne Probleme auch auf jede Erotikmesse passen, diese Entwicklung muß wohl wirklich mit Öffnung in Richtung der S/M-Bondage-Fetish-Szene Einzug gehalten haben. Für mich lag der Hintergrund der „langen, wallenden Gewänder“, wie wir sie in den 80ern trugen eher immer darin, daß diese den Körper eher in… Mehr lesen »
Markus
Markus
Zitat: Teile der heutigen Szene erinnern hingegen eher an LARPer als an Goths. Die versuchen etwas historisch genau und detailgetreu nachzuempfinden, siehe viktorianisches Picknick etc. Zitatende Genau das ist, was ich an dieser Generation der Szene so bedauere – die schwarze Szene ist zu einem Theater geworden, in dem Authentizität des Outfits, gekrönt mit etwas dunkler Schminke und Totenköpfen die Hauptrolle spielen. Ich denke, wir haben global exzessive Probleme, die ganze Welt spielt momentan verrückt und gerade heranwachsende Generationen hätten allen Grund, sich Irokesenschnitte zu verpassen, bestachelte Lederjacken anzuziehen und Steine gegen unsere repressiven, kapitalorientierten Gesellschaftssysteme zu schmeißen oder sich – wie wir damals, in ähnlicher Lage und Zeiten ständiger Kriegsangst zwischen Ost und West und permanenter atomarer Bedrohung – in Trauerklamotten zu stecken und… Mehr lesen »
Mone vom Rabenhorst

Öööhm, Markus, Einspruch. smile
Ich weiß jetzt nicht in welchen Portalen Du Dich so aufhälst, aber es gibt im Internet Millionen von 80-er-Grufti-Bildern :-).

Markus
Markus

Mone vom Rabenhorst:

Ich halte mich – außer ab und zu auf Spontis – gar nicht in (schwarzen) Portalen auf. Einerseits fehlt mir die Zeit, andererseits sind mir im Internet allgemein der Umgangston zu rüde und die Rechtschreibfehlerquote bei Jüngeren zu hoch geworden. Nur heute Nacht nehme ich mir die Zeit hier zu lesen, nebenbei auf Arte das Berliner The Cure-Konzert „Trilogy“ von 2002 zu verfolgen und – ich gestehe – im schwarzen Waver-Outfit hier zwischen PC und TV zu sitzen und die Nacht zu zelebrieren.

Ian von Nierenstein

Markus: Schön geschriebener Kommentar smile

vanessa
vanessa

Lustig aus meiner Heimat ich hab noch die Punks und so gesehen bevor dies aufkam

Mark
Mark

Also ich habe noch so einen Katalog. Den ersten habe ich glaube ich schon 1985. Damals kam das aus Wiesbaden… konnte ich schwer nachvollziehen, ich meine,wer schon mal da war.
Bestellt habe ich da nix, eventuell eine Inspiration gezogen. Wir haben fast alles, bis auf die Schuhe, selbstgemacht. Felljacken angenäht und gekürzt, Lederhosen mit Conchos bestückt, etc.
etc. Schuhe gab es in Düsseldorf und später auch in Wuppertal. Da war ein Großteil schon vermarktet.
Habe ich noch welche von den alten Jacken? Nö, die sind irgendwann “ verschwunden“ sprich, haben einen neuen Liebhaber/in gefunden. So finde ich das okay.

Mark, Jahrgang 1969

Rtta
Rtta

Suche ein Foto von New Wave Haarspray (brauche das Logo)
Kann mir jemand helfen?

Mone vom Rabenhorst

Guten Morgen, Rtta. Was genau brauchst Du?

Einen Tip für gutes Haarspray oder ist „New Wave“ eine Marke (ggfs. von früher)?

(Eine Bekannte von mir hat noch eine Sammlung mit über 25 Jahre alten Haarsprayflaschen. Vielleicht wäre die dann dabei.)

Andi67
Andi67
Naja, wie immer wird auch hier eher wieder heroisiert und Mythen aufgebaut: klar ist das Gothic, New Romantic, Psychobilly, New Wave, Hardcorepunk, Oi, usw, alles vom Punk stammt. Die Gothic Bands, die davor Positive Punk genannt wurden und davor nicht einmal einen Szenenamen besaßen, waren eben auch nur Punks. Bei Punk gab es von anfang an eben auch düstere langsame Sachen zu hören, das war keine erfindung von The Cure oder Gothics. Einige waren völlig normal in der anarchistischen Szene um Crass „integriert“.Klamotten wurden selber gefertigt (konnte man sogar anfang/mitte der 80iger in der Bravo begutachten, alles wurde selbergestaltet). Steve Strange (später gern als Vater der New Romantic gesehen) war ebenso fester bestandteil der Punkszene, bekannt mit seinen Ketten an Munswinkeln und am Ohr. Dann… Mehr lesen »
Maria Agresti
Maria Agresti

Oh, was für ein lustiger Zufall.
Nichts ahnend im Internet mit meiner Mama für ein Schulprojekt über Waver geschnuppert und auf diese Seite gestoßen.
Meine Mama kann es immer noch nicht glauben!
Meine Mama selbst ist auf den Bildern zu sehen (512)!
Sie hat damals die Kataloge für Bogeys designed…

Kramladen
Kramladen
Hier kann man wunderbar sehen, wie unglaublich langweilig und spießig die Goths damals gekleidet waren. Manch Outfit kann man ohne weiteres in einen 80er „Tatort“ copypasten, es würde null auffallen. Daß die Frisur wahnsinnig wichtig war, glaube ich bei den öden Klamotten gern. Heute sind sie oft detailreicher, wirken nicht mehr wie aus dem Kaufhaus, und sind bei den Damen auch hübscher geschnitten. Weg von der urzeitlichen Goth Burka, hin zu mehr Schärfe. Da mag man unterschiedlicher Meinung sein, jedoch wird man auch vom Zeitgeist getrieben. Den Coolness Faktor hat die Szene schon vor etlichen Jahren verloren, aber wenigstens sind die Klamotten noch einigermaßen zeitgemäß, aktuelleren Hollywoodproduktionen (JA, die Szene war schon immer filmaffin), und den damit mitgelieferten Ideen sei Dank. Leider steckt die „aktuelle“… Mehr lesen »
T.S.
T.S.
Ja, so’n Mist aber auch, da waren wir doch damals so bocklangweilig und unoriginell treudoof drauf, daß uns solche Wunderwerke des overthetop-stylens a la „Viktorianisches Picknick“-Dresscode mit allem pipapopo, Pferdekostüm, Mittelalterkult, Wehrmachtsuniformen, Engelsflügelchen, Elfengewese, EMP-Bauerntreter und Lüftlmalerei in der Visage nicht eingefallen ist. Klar, damals war ja Hollywood noch weiter weg als heutzutags und noch unerreichbar schicker (ach, was hätte ich nur dafür gegeben, wie die coolen Kids in „Breakfast Club“ oder „Pretty in Pink“ zu posen – wenn nicht gar wie Marty McFly herumzuturnen…). Ja und die Goth/Wave-Bands damals waren ja auch eher 08/15-Kram und nicht so voll krass provokant wie später dann mal. Pah, Bauhaus, Christian Death, Alien Sex Fiend und Virgin Prunes. Alles nix gegen solche totalen Düsterlinge und true-evil-Gothschocker wie ASP,… Mehr lesen »
Avensis
Avensis
@Kramladen Soll hoffentlich Sarkasmus sein, gell? Ernsthaft… jemand, der sich darüber echauffiert, dass Szene Klamotten „zu langweilig“, „altmodisch“ und „doof“ aussehen und sich im gleichen Atemzug damit abheben zu versucht und zur Szene Koryphäe kürt, weil er/sie jeden letzten kurzlebigen Trend wie ein kleines Schoßhündchen folgt, braucht hier nichts von Alleinstellungserkmal und Überleben der Szene zu reden. Genau die Art von Person ist es, warum die Subkultur überhaupt zum reinen Trend-Contest und Witz verkommen ist, wo es mehr um Oberflächlichkeiten á la „du bist nicht trve wenn du nicht das letzte Scheiß Teil um überteuerte 80€ trägst von marke XY“ geht. Dass alles auf die pöhsen, elitären und total uncoolen Alt-Gruftis zu schieben zeugt von Projektion höchsten Maßes. Persönlich sind mir die altmodischen Alt-Gruftis, Waver… Mehr lesen »
Mandy
Mandy
Leider steckt die „aktuelle“ Mode trotzdem mittlerweile in einer Schleife fest und ist nicht mehr Trendsetter.[….. ] Ich befürchte aber, daß das aufgrund der Überalterung der Szene nicht mehr stattfinden wird, und sie in den nächsten Jahren eh komplett verschwindet. Es gibt einfach nichts mehr, was für potentielle junge Szeneeinsteiger interessant sein könnte. Ich hoffe ganz stark, dass es nie soweit kommt, dass die Mode der Grund dafür ist, sich der Szene anzuschließen. Und allen, denen der modische Hipsteraspekt so verdammt wichtig ist, rate ich doch dringend, sich einem anderen Umfeld zuzuordnen. Seit wann ist Gothic trendweisend? Hab ich was verpasst? Ist es nicht genau das Gegenteil, was die Goths ausmacht? Niemand ist gezwungen, den 80’s Look zu tragen. Es gibt doch genügend Möglichkeiten, sich… Mehr lesen »
T.S.
T.S.
Nein, Robert, Kramladen hat nicht recht. Und den Wind hast Du persönlich ihm/ihr (?) aus den Segeln genommen. Das ist nämlich der springende Punkt: während Du richtigerweise „aus heutiger Sicht“ relativierst, watscht Kramladen undifferenziert die 80er-„Szene“ kategorisch als trübe Tassen ab. Irgendwie ermüdend, diesem mittlerweile erbärmlich gewordenen zwick-zwack-Spielchen der Replik der „nachfolgenden Generation“ auf, bzw. vs. der „früherwarallesbesser“-Fraktion noch weiter zuschauen zu müssen. Das ist ja fast schon wie früher zuhause am elterlichen Abendbrot-Tisch: Borniertheit trifft auf Starrköpfigkeit. Genug davon! Wer’s halt nicht besser weiß, der bleibe von mir aus frei und ungezwungen, äh…, unbedarft – aber posaune bitteschön keinen subjektiven Hirnriß als ultimative Weisheit kaschiert in die Welt hinaus… Es ist nämlich auch wirklich so, ganz wie Mandy in #42 darlegte, daß Trendigkeit für… Mehr lesen »
Jörn Böhm
Jörn Böhm

Vielen Dank für diesem tollen Beitrag der 80 Jahre Szenen. Ich bin in diese Zeit selbst jugendlicher gewesen und als new Waver und new Romantiker unterwegsgewsen danach als Popper. Es war eine wunderbare Zeit, diese brschäfftugt mich heute wieder, Musik, Mode und das Lebensgefühl. Etwas was nie wieder kommt und doch in vielen Bereichen des Lebens heut angekommen , übernommen und sich etabliert hat, fast selbstverständlich. Wenn Sie mir schreiben möchten meine Mail: jeb. Baumeister@freenet. de Danke für dies Aufarbeitung einer Kunstkultur die so nie wieder kommt in und doch alle irgendwo geprägt hat. Viele Grüße J. E. Böhm