Steampunk - 2011 - tobikult

Steampunk: Mit Volldampf in die eigenständigen Subkultur

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Steampunk - 2011 - tobikult

Von unzähligen Zahnräder, Gelenken, Schaufelrädern und der Dampfmaschine angetrieben, hat das Motorschiff „Steampunk“ Fahrt aufgenommen und fährt flussaufwärts Richtung Subkultur. In den letzten 5 Jahren hat die Steampunk-Szene die interessantesten Entwicklungen aller Splittergruppen, die – freiwillig oder unfreiwillig – unter dem Schirm der schwarzen Szene zusammengefasst werden, vollzogen. Vor allem in Deutschland haben ambitionierte Festivals das Licht der Welt erblickt und pochen darauf, in den kommenden Jahren zu festen Einrichtungen der Steampunk-Welt zu werden. Erst vor ein paar Tagen endete in Meißen das Debüt-Festival „Mit Zahnrad und Zylinder„, das ein weiterer Erfolg im mittlerweile vollen Terminkalender der Steampunker zu werden scheint und im nächsten Jahr wiederholt werden soll, wie die Sächsische Zeitung berichtet: „Dass es auch im nächsten Jahr mit „Zahnrad und Zylinder“ weitergehen soll, steht für die Veranstalter Jens und Jeannette Mahlow schon fest. „Wir haben positive Rückmeldungen bekommen und möchten das Festival fortsetzen.“

Dabei ist der Weg, den die angehende Subkultur genommen hat, scheinbar ungewöhnlich, denn im Gegensatz zu Gothic oder auch dem Punk handelt es sich nicht um eine Szene, in der die Musik im Mittelpunkt steht, sondern spricht eher Menschen an, die sich als Bastler, Designer, Rollenspieler oder Fantasy- und Science-Fiction-Fans verwirklichen wollen.

Dass Steampunk gerade in der Gothic-Szene seit etwa 2008 Fuß gefasst hat, scheint auf der Hand zu liegen. Die Neo-Romantiker, die mit ihrem viktorianisch geprägten Stil und ihrer Leidenschaft für das kreative Gestalten der eigenen Erscheinung die Szene seit den 2000 immer stärker beflügeln, zeigen deutliche Parallelen zu Steampunk. Für viele Neo-Romantiker schien es wichtig zu werden, ihren visuell geprägten Trend mit Inhalten zu verknüpfen und so bot gerade das Steampunk-Thema, das seit Mitte der 90er Jahren mit den Kino-Blockbustern wie „Wild Wild West“ (1999), „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ (2003) oder auch „Die Stadt der verlorenen Kinder“ (1995) steigende Popularität genießt, sinnvolle Anknüpfungspunkte. Seit 2012 auch hier im Blog über Steampunk ausführlich berichtet wurde, hat sich das Genre immer weiterentwickelt und bereits erstaunliche Infrastrukturen aufgebaut, die sich in Festivals, Picknicks und Märkten manifestieren und mittlerweile in ganz Deutschland Fans der Spielart anziehen.

2017 scheint sich da zum bisherigen Höhepunkt zu mausern. Ich habe den Eindruck, das sich die Dichte der Veranstaltungen, die sich thematisch oder direkt dem Steampunk widmen, deutlich verstärkt hat. (Info: Auf Clockworker findet ihr mit dem Steampunk Sommer 2017 eine Übersicht über vergangene und noch ausstehende Veranstaltungen)

Da drängt sich mir die Frage auf, ob Steampunk bereits eine eigenständige Subkultur ist. Fest steht, dass sich Subkulturen auch ohne ein eigenständiges musikalisches Genre entwickeln können. Für mich ist es jedoch sehr spannend, dass man sich gerade bei den Steampunkern und Neo-Romantikern so intensiv um eigene Inhalte bemüht, was sie von stärker visuell beeinflussten Szenen, wie den Gothic-Lolitas oder Visual Kei, unterscheidet. Für mich sind sie längst im Himmel der Subkulturen angelangt und bestechen durch ihre faszinierende Kreativität, die sich nicht nur in Outfits, sondern auch in Videos, Filmen, Büchern, Artikeln und Veranstaltungen äußert. Das ihr der musikalische Bezug zu einem Musikgenre fehlt, macht sie meine Ansicht nach gerade für viele ältere und erfahrenere Leute attraktiv, die mit Wissen und Know-How für unfassbare facettenreiche Kreationen verantwortlich sind und sich weniger für eine einzelne musikalische Spielart interessieren. 

Im Gegensatz zu den Cybern, die ich ja persönlich für nahezu ausgestorben halte, habe ich Steampunks auch im Rahmen des Wave-Gotik-Treffens in Leipzig nie als wirklich störend empfunden.

Wie seht ihr das? Empfindet ihr die Tatsache, das Gothic-Festivals immer noch ein musikalische Hafen für die Steampunks sind, als störend? Würdet ihr überhaupt soweit gehen, dieses Genre als Subkultur zu bezeichnen oder ist das nur eine weiterer Style oder gar eine reine Leistungsshow ambitionierter Hobby-Bastler? 

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Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Mone vom Rabenhorst

„Style oder gar eine reine Leistungsshow ambitionierter Hobby-Bastler“

Genau das trifft’s (meiner Meinung nach) auf den Punkt. Vermutlich laufen die Steampunker in der Woche nicht so rum, sondern nur auf Events. Der Begriff Subkultur passt irgendwie nicht. Sonst wären ja z. B. alle Trekkies auch eine Subkultur… obwohl…… sind Sie’s ? smile

Ich finde, die Steampunkter sollten ihr „eigenes“ Ding machen. Es sind so viele mittlerweile, sie haben sich ihre eigene Szene wirklich verdient! Ich bin da sehr großzügig und kann gönnen. smile

Schatten
Schatten
Ich würde soweit gar nicht mal sagen, das die Steampunk-Subkultur kein eigenes musikalisches Genre hat. Es gibt auf jeden Fall eine recht aktive Steampunk-Musikszene, nur ob man da wirklich von einem eigenen Genre sprechen kann ist halt die Frage. Denn oft ist das ein doch recht bunter Mischmasch verschiedenster Klänge und Richtungen, dem eher Textthemen und Ambientgeräusche gemein sind, als wirklich musikalische Besonderheiten (die zugehörige Ästhetik bei Kleidung und Artworks natürlich auch, aber die hört man ja nicht). Die Musik würde ich also nicht als inherent Steampunk-zugehörig sehen, aber es ist ganz klar die Musik der Steampunks, da sie großteil von Szeneangehörigen oder -sympathisanten gehört wird und auch die musizierenden selbst aus der Szene stammen. Praktisch Musik von der Szene für die Szene, wodurch sie… Mehr lesen »
Daniel
Ich glaube, dass Steampunk sich ähnlich wie Cybergothic verhält. Sprich: Es wird eine trendige Strömung sein, die momentan ihren Peak erlebt und danach wieder abebbt. Vielleicht schaffen sie ein autarkes Nischendasein, aber das bezweifle ich sehr. Ich bin mir fast sicher, dass die meisten Steampunker gar nicht mehr wissen, dass dieser Begriff in erster Linie eine literarische Form beschreibt. Bei vielen Steampunks(unter anderem beim viktorianischen Picknick) scheint es mir manchmal so, als würden ein paar Zahnräder, die sie auf ihre Weste geklebt haben, genug Subversivität ausstrahlen. Tun sie aber nicht. Das ist dann wirklich nur Fasching. Es gibt ein Buch, das ich empfehle: „Steampunk – kurz und geek“ von Alex Jahnke und Marcus Rauchfuß. Beide sind aktive Steampunker, kämpfen aber gleichzeitig mit dem Problem, die… Mehr lesen »
Tanzfledermaus

Ich würde Steampunk ähnlich wie Cosplay einordnen, es hat beides etwas vom in-andere-Rollen-Schlüpfen zu tun, mit dem Ausleben eigener Fantasien und Kreativität. Beide Strömungen sind in ihren Kostümen keineswegs alltagstauglich, reine Freizeitmode und -Beschäftigung, ein Hobby, wohingegen die meisten Gruftis/Gothics schon deutlich mehr ihrer modischen Vorlieben in den Alltag integrieren, eben weil es für viele mehr als Freizeitlook bedeutet.

Wo wiederum Überschneidungen von Steampunk mit Teilen der der Schwarzen Szene bestehen, ist die Tendenz zur Flucht vor der heutigen Zeit in vermeintlich bessere historische Epochen, die glorifiziert werden. Sei es nun das Mittelalter, das Viktorianische Zeitalter, die Romantik.

Tanzfledermaus
Okay, der Cosplay-Vergleich hinkt schon etwas insofern, dass hier ja nichts bereits Bekanntes nachgestellt wird, sondern selbst ein individuelles Outfit und Assessoires zusammengetüftelt werden. Ich schau mir die Steampunk-Kreationen auch sehr gerne an, staune über den Ideenreichtum und die Umsetzung dieser. Allerdings wiederholt sich inzwischen auch vieles, es gibt da schon einige Standards, die nicht mehr wirklich spektakulär wirken, wie z.B. Hüte mit Brillen daran. Da muss ich daran denken, wie damals die ersten (noch eher dunkleren) Cybers auf mich wirkten: als alles neu war, erschien manches ja sehr kreativ (wenn auch nicht unbedingt schön), aber irgendwann war alles schon zigmal ähnlich gesehen und dann langweilte es mich, zumal es ein Massenphänomen wurde, das die Schwarze Szene regelrecht überrollte, obwohl doch nur am Rande sehr… Mehr lesen »
Karnstein

Ich möchte mich da meinen Vorrednern in vielen Aspekten anschließen:
Es ist mit Sicherheit bereits eine eigenständige Szene und es ist interessant, dass sich das ganze mal nicht um ein Musik-Genre entwickelt hat. Aber ob so ein Szene dann auch direkt eine Subkultur ist ist eine andere Frage. Um als solche ernst genommen zu werden fehlen eben die Inhalte, die sich auch im Alltag bemerkbar machen.
Ich finde es weder verwunderlich noch störend, dass man sich in der schwarzen Szene heimisch fühlt, aber ich denke bei “Steampunk“ nach wie vor an die Romane von Jules Verne oder die Videospiele der Thief-Reihe.

Axel
Ich sehe das wir Daniel. Es ist in erster Linie nur ein Modephänomen. Hat derzeit einen hübschen Peak, aber in zwei, drei Jahren wird er auch wieder verschwunden sein. Über „Cyber Gothic“ redet ja gottlob auch niemand mehr. Ich sehe das wie Karnstein. Es fehlen die Inhalte, etwas was bleibt und damit auch verbindet. Das muss nicht Musik sein, das können ja durchaus auch anderen Formen der Kunst sein. Aber mit dem Unterschied, dass es auch in den Alltag transportiert wird. Und genau das sehe ich beim Steampunk genausowenig wie bei anderen Szenen, sei es Cosplayer oder Gamer. Das sind alles nette Freizeitaktivitäten, ja. Aber Subkultur? Synthwave ist dagegen ein schönes Beispiel für eine gewachsene Subkultur neueren Darums. Und die Anhänger dieser Kultur leben das… Mehr lesen »
Julius
Julius

Die Steampunkszene gefällt mir so nicht besonders. Die Grundidee dahinter hat durchaus Potential und als auf arte mal eine Doku lief, in der auf dem Burning Man ein paar abgefahrene Steampunk-Gefährte gezeigt wurden, fand ich das irgendwie schon beeindruckend. Aber die kuriose Technik tritt bei den meisten völlig in den Hintergrund bzw. existiert allein in Form irgendwelcher peinlicher Pappattrappen mit sinnfrei aufgeklebten Zahnrädern. Die Outfits werden sich immer ähnlicher und sehen halt auch einfach nur nach Kostüm aus. Das ist alles näher an Cosplay und LARP als an einer Subkultur.
In meinen Augen werden da Möglichkeiten verschenkt aber die Leute haben ihre Freude daran und die sei ihnen von Herzen gegönnt.

Stella
Als realtiv neu hinzugekommene Steampunkerin, die vorher hauptsächlich in der Mittelalterszene zu Gange war und sich selbst als „Soft-Goth“ bezeichnet hat, kann ich die Argumente meiner Vorschreiber*innen gut nachvollziehen und größtenteils Bestätigen. Es gibt tatsächlich so ein Mainstream-Dings, dass viele Leute sich ein paar Zahnräder irgendwohin pappen und die Damen in mehr oder eher weniger fantasievollen Corsage-Kostümen rumlaufen. Das sieht tatsächlich nach Karneval aus. Aber es gibt auch die Maker-Szene, diejenigen, die mit Leib und Seele aus altem Schrott und kaputten Schaltkreisen irrwitzig-fantastische Gegenstände erschaffen und diese dann auf Messen und Veranstaltungen ausstellen. Diese Dinge sind natürlich wenig alltagstauglich, aber immer wundervoll anzusehen. Wenn sich Subkultur nur dadurch definiert, dass man seine Subkultur auch im Alltag präsentiert, dann ist wohl mittlerweile jede Subkultur tot (mit… Mehr lesen »
Victor von Void
Ich kenne und mag Steampunk als literarisches (und filmisches) Genre schon sehr lange und kann daher die Faszination für die Ästhetik nachvollziehen. Ich würde auch zustimmen, dass Steampunk mittlerweile eine eigene, in sich geschlossene Szene ist. Eine Szene muss sich, wie schon angemerkt, per Definition nicht über einen Musikstil definieren, insofern würde ich musikalische Annäherungen eher als Ergebnis denn als Ursache der Szene sehen. Wo ich allerdings nicht zustimme, sind die scheinbar auf der Hand liegenden Gründe für den Zusammenhang mit der Gothic-Szene. Es mag personelle Überschneidungen zwischen den Szenen geben, und auch die Kreativität der Beteiligten mag ähnlich ausgeprägt sein, aber aus meiner Sicht sind die zu grunde liegenden Motive komplett andere. Steampunk entwickelt eine mehr oder weniger positive Zukunftsvision aus einer vergangenen Epoche… Mehr lesen »
Daniel

@Robert Das wir uns richtig verstehen. Ich sehe die deutschen Auswüchse als reine Nachmache der Steampunk-Bewegungen in Amerika und England, ohne eigene Inhalte. Diese Länder haben tatsächlich eine eigene Szene, die sie sehr pflegen und die auch voller kreativer Köpfe steckt. Hierzulande fehlt mir aber auch ein bisschen der Bezug zur eigenen Geschichte (die natürlich schwer einzubauen ist, wenn man nicht als faschistoid abgestempelt werden möchte).

Orphi Eulenforst

Daniel, klär mich mal auf. Wenn ich an Steampunk denke, dann denke ich an Zeitreisen, Dampfmaschinen, Zeppeline und alte Bücher – wie die von Jules Verne. Was meinst Du mit „faschistoid“? Das erscheint mir so ohne Zusammenhang.

Daniel
Orphi Eulenforst: Um es im einzelnen aufzuzeigen, müsste ich jetzt den großen geschichtlichen Rundumschlag machen. Ich will mich aber kurz fassen: Dort, wo Steampunk heutzutage als „Subkultur“ stattfindet, referiert vieles auch auf den positiven Fortschrittsglauben der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts in verschieden nationaler Ausprägung. Die von Dir angesprochenen Begriffe und Personen sind wiederum allgemeine Bezugspunkte und Inspirationsquellen. Jules Verne schrieb in einer Zeit, als der technische Fortschritt rasant voranging. Vieles, was er damals bereits beschrieben hat, wurde nur wenige Jahrzehnte später möglich (Tauchfahrten mit U-Booten, Eroberung der Lüfte durch Zeppeline und Flugzeuge etc.). Die Groschenromane der 1930er und 1940er, die „Pulp Magazines“, transportierten Vernes Ideen ins 20. Jahrhundert und bilden für mich das Steampunk-Fundament. Heutige Steampunker setzen ihr Steampunkleben also auch mit… Mehr lesen »
T.S.
T.S.
Jetzt wird in diese „Steampunk“-„Bewegung“ aber ganz schön was reininterpretiert. Wenn ich mir das Ganze nämlich als Aussenstehender betrachte, so bin ich zwischen punktuellem Wohlwollen, Bewunderung mancher Einzelerscheinungen und gutmütiger Belustigung hin- und hergerissen. Und beileibe fiele es mir persönlich niemals ein, „Steampunk“ unter dem „Gothic“-„Schutzschirm“ zu vermuten – da lässt (oder möchte?) sich die „schwarze Szene“ wieder einen Schuh anziehen, der nicht so recht passen mag… Ok, ok, was auf irgendwelchen „Viktorianischen Picknicks“ und sonstigen Jahrmärkten der szenischen Eitelkeiten noch bei der Disziplin „Schaulaufen“ durch geht, besteht die Rundum-Anforderungen und -Prüfungen nämlich nicht – u.a. vor allem, da ja ganz offenbar ein (mehr oder weniger) klar umrissener musikalischer Einfluss, bzw. Bezug fehlt. Oftmals kommen mir persönlich die „Steampunk“-Leutchen auch ein wenig so vor, als… Mehr lesen »
Axel

Ich kann Daniels Einwand absolut nachvollziehen. Wenn man Steampunk auf deutsche Verhältnisse ummünzen würde, würde man irgendwann bei einem ähnlichen Stil wie der Raumpatrouille Orion aus den 60ern rauskommen. Oder bei den frühen Perry Rhodan Romanen. Glatt, poliert, militaristisch. Auch Metropolis aus den 20ern zeichnete kein friedvolles Zukunftsbild, im Gegenteil.

Zukunftsphantasien und Fortschrittsglaube sind beides nichts, was man irgendwie mit Deutschland und dessen Kultur verbinden könnte. Daher wirkt die ganze Steampunk Sache in der Tat als bloße Kopie anderer Kulturen, ohne eigenen Inhalt.

Ghost Hunter
Ghost Hunter
Hallo Spontis, ich hatte mich vor ein paar Jahren mal auf der Clockworker-Site umgesehen. Also ein gar so neues Phänomen ist Steampunk nicht, aber auch ich hatte den Eindruck das es sich mehr um eine Freizeit-Cosplay-Kultur handelt. Damals äußerte die Mehrzahl der Foren-Teilnehmer dort deutliche Berührungsprobleme mit der Gothic-Szene und lehnte sie teilweise sogar regelrecht ab. Dies verwunderte nicht, da der viktorianische Zeitgeist dort deutlich glorifiziert wurde. Es wird also versucht eine historische Standesgesellschaft nachzuleben. Auch besteht eine extreme Leidenschaft für das militaristische und deren Uniformen. Für Steampunk’s scheint es Pflicht zu sein, ständig mit einer „Waffe“ herum zu fuchteln. ( Je monströser um so besser ) Was mich völlig abgestoßen hat war, dass es dort eine bekennende Neo-Nazi-Szene gab, die sich teilweise auch als… Mehr lesen »
Daniel

@Ghost Hunter: Ich bin nicht sehr involviert in die Steampunk-Szene, sondern betrachte es auch eher wie unter einer Petrischale und ziehe meine (vielleicht richtigen, vielleicht falschen) Schlüsse daraus. Wenn es aber so ist, dass es tatsächlich eine bekennende Neo-Nazi-Szene innerhalb des Steampunks gibt und diese toleriert wird, wirft das ein schlechtes Licht auf die Bewegung. Selbst wenn es nur ein geringer Prozentsatz an Extremisten ist. Diese Diskussion ist allerdings sowieso ein alter Hut und in fast jeder Strömung und Subkultur ein Problem.

Orphi Eulenforst

Danke für die Erläuterung, Daniel. Ich habe mich nie mit Steampunk beschäftigt und werde mir deshalb hier kein Urteil erlauben. Aber interpretiert Ihr da nicht alle zu viel rein? Gibt es diesen „ernsten“ und „realen“ und „geschichtlichen“ Hintergrund überhaupt? Mir erscheint Steampunk eher als nostalgischer DIY-Tummelplatz und nicht als Anlehnung an echte Ereignisse. Aber ich kann mich irren. Wie gesagt, ich habe allenfalls einen Eindruck, aber keinerlei Hintergrundwissen zu dem Thema.

T.S.
T.S.
Sehr aufschlussreicher Beitrag (#17) von Ghost Hunter, Danke dafür. Ob dem dort Geschilderten tatsächlich bis in letzter Konsequenz so ist, kann ich nicht beurteilen (wohl meinem weitgehenden Desinteresse an „Steampunk“ und manchen anderen Effekthaschern geschuldet…) – und bei allen Dünkel überrascht das trotzdem tatsächlich doch ein wenig! Ohne jetzt vorschnell urteilen zu wollen, muß ich allerdings zugeben, daß ich nun noch ein wenig skeptischer diesem „Steampunk“-Treiben gegenüber stehe. Herrjeh, warum öffnen sich manche Teile der „Gothic“-Szene auch nur allzu blauäugig gewissen Strömungen, Eskapaden und Blendern (gerade wenn diese die Plattform „Gothic“ wohl nur für ihre ureigensten egoistischen Zwecke nutzen und mißbrauchen)? Hat die „Schwarze Szene“ nicht schon genug, äh… „schwarze Schafe“ in den eigenen Reihen unbehelligt gewähren lassen? Tja, Augen auf beim „Schulterschluss“, nicht wahr…?… Mehr lesen »
Axel
+VLFBERH+T: Diese Diskussion ist allerdings sowieso ein alter Hut und in fast jeder Strömung und Subkultur ein Problem. Soweit richtig, jedoch ist auch immer die Frage: Wie geht die Szene selbst damit um? Wie entwickelt sich solch eine Subkultur? Nun gibt es beispielsweise die Neo/Dark-Folk-Szene schon um einiges länger. Aber dort hat sich schon vor über nem Jahrzehnt eine deutliche Bewegung gegen Faschismus und Fremdenhass herauskristallisiert. Nicht eine die irgendwie „kämpft“, sondern eine die allein durch ihre bloße Existenz den fragwürdigen Gesellen den Platz streitig macht. Im Black Metal war es ähnlich, da war Ende der 90er der NSBM ziemlich groß – mittlerweile ist der Black Metal ja ne Spielwiese für öko-orientierte Hipster aus ländlichen Gegenden geworden. Die Frage ist, ob das beim Steampunk ähnlich… Mehr lesen »
Avensis
Avensis
Steampunk war ja in erster Linie ein Literatur-Genre, oder Pardon, ein Genre der Unterhaltungsliteratur, für diejenigen, für die Sci-Fi und Fantasy nicht tiefgründig und gut genug sind. Und dieses Genre reicht zurück bis in die späten 70er/frühen 80er. Hat sich eigentlich nahezu parallel zu Cyberpunk entwickelt und auch von dort den Namen erhalten. Steampunk bildet quasi das Retrofuturistsiche Gegenstück zu dem rein futuristischen (wohl aber nach heutigen Massstaben, da schon altbacken, ebenso „retro“) Cyberpunk. Tatsächlich findet man nahezu die gleichen Themen, Motive und Tropes in beiden Genres und das ist sicher kein Zufall, war doch einer derjenigen, die Steampunk sehr beeinflusst haben William Gibson selbst, Autor der Necromancer-Trilogie, mit seinem Roman „Die Differenzmaschine“. Somit liegen die Ursprrünge des Steampunk auch nicht bei Verne und Co.… Mehr lesen »
Ghost Hunter
Ghost Hunter
Hey Avensis ich stimme dir zu. Während ein Goth sein Lebensgefühl im hier und jetzt kontinuierlich aus lebt, eventuell auch als Bürgerschreck, ist das bei einem ( deutschen ) Steampunk meist anders. Der verkleidet sich in seiner Freizeit gelegentlich als „Baron Soundso“ oder „General-Major Ichweißnichtwas“ und tut so als wenn er fürchterlich etwas zu bestimmen hätte. ( Die scheinen es ungemein nötig zu haben ) Der viktorianische Standesdünkel wird sorgfältig erforscht und so detailgetreu wie möglich nachgespielt. ( Vielleicht sollten die sich noch mit der Sado-Maso-Szene in Verbindung setzen, von wegen Personal zum schikanieren. Ich möchte noch darauf hinweisen, dass man wohl zwischen der amerikanisch/britischen und der deutschen Steampunk-Gemeinde unterscheiden muss. Bei den anderen findet man Leute die wirklich Spaß an Dampfmaschinen haben, die solche… Mehr lesen »
Gabrielle
Gabrielle
Steampunks werden inzwischen als Macher der Szene wahrgenommen und/oder dargestellt, während Waver und Gothics nur am Rand erscheinen. Ein Kollege meinte: „Ihr kommt in der Berichterstattung gar nicht vor.“ Und damit meinte er nicht nur diesen Artikel zum Amphi: So lautete die Überschrift des Kölner Stadtanzeigers: „Steampunks und etwas Ekstase“ Und fröhlich ging es weiter im Text: „Ob im Lack- oder Leder-Outfit, auf Pumps oder Plateausohlen, mit Lodenmantel oder im Netzhemd…“ Erkennt sich wer wieder? „Die Musik: Dunkle Electro-Pop-Hymnen, hämmernde Rock-Rhythmen aber auch energiegeladener Sound mit einem Hauch mittelalterliche Ekstase…“ Was bitte? Um welches Festival handelte es sich doch gleich? Dann wird noch etwas über das Niedrigwasser, dem Schiff und dem Shuttle und über die Kostüme der Steampunks geschrieben und das war’s. In einem weiteren… Mehr lesen »
Ghost Hunter
Ghost Hunter
Gabrielle ich habe auch bei „Von Szenen, Subkulturen und der Wichtigkeit eigener Abgrenzung“ darauf hingewiesen: Die Presse ist konservativ und hat daher ein Interesse daran eine konservative Bewegung wie Steampunk zu protegieren und rebellische Goth zu bekämpfen. Ich musste noch einmal über die Zeilen von Avensis nachdenken, über die Gründungsfrage und die Motive dafür. Ich bin mir nicht sicher ob Steampunk als Szene wirklich im eigentlichen Sinne aus der Literatur heraus gegründet wurde. Ich habe er das Gefühl, das diese Romane ein latentes Bauchgefühl stimuliert haben. Eines das dadurch bewusst und schließlich ausgelebt wurde. Vielleicht heißt das Phänomen Steampunk-Literatur trifft auf Globalisierungsgegner. Das könnte auch erklären, warum diese Bewegung nicht schon früher ( in den 80er Jahren ) auftrat. Offensichtlich ist, das auch hier der… Mehr lesen »
Julius
Julius

Aha, man muss sich jetzt politisch von Steampunks bedroht fühlen?
Jetzt hab ich echt alles gesehen…

Leute, bitte macht euch nicht lächerlich!
Irgendwer behauptet, dass das Nazis sind und obwohl niemand wirklich Kenntnisse darüber hat, wird sich ereifert wie gefährlich die alle sind.
Null Ahnung aber ganz viel Meinung. Bleibt doch mal auf dem Teppich.

Tanzfledermaus
Na ja, dass Historie glorifiziert wird und man sich dann die „Rosinen“ als (modische) Inspiration da herauspickt, ist nichts Neues, das passiert bei der Mittelalterszene ja auch. Kaum jemand interessiert sich dafür, das gemeine Volk in Lumpen darzustellen, die meisten wollen dann doch Ritter, Burgherr/frau, Edelmann/frau, Wahrsager oder Musikanten sein, etwas Edles oder Besonderes. Solange dabei nicht der Bezug zur Realität verschwindet, sehe ich auch nichts Verwerfliches darin. Ein bißchen Träumerei im Alltag… Wir haben ja so wenig Möglichkeiten, uns dem modernen Leben mal zu entziehen, und wenn das dann auf kreative Weise geschieht, finde ich es besser als wenn jemand sich nur vor den Fernseher platziert und eine Serie nach der anderen guckt, um den Alltag zu vergessen. Die wenigsten Steampunks dürften einen politischen… Mehr lesen »
Gabrielle
Gabrielle

Ghost Hunter, nachdem ich vorhin einen Onlineartikel las, indem auch über Gruftis berichtet wurde, habe ich den Eindruck, dass die Nachrichtenerstattung des genannten Blattes auf Papier eher für die ältere Generation bestimmt ist, während die Onlineversion offener daherkommt. Da heißt es nämlich, dass schrille Outfits Pflicht sind. Von wegen Cyber sind ausgestorben.

T.S.
T.S.
Oh, Holla, jetzt mausert sich dieses Thema doch noch zu einer dieser derzeit ach-so-angesagten Verschwörungstheorie-Diskussionen. Kommt jetzt vielleicht auch noch was über Steampunks, die mit irgendwelchen retrofuturistisch-archaischen Subkultur-Maschinen Chemtrails produzieren und damit die Goths paralysieren wollen? Oder droht der Luftkrieg mittels viktorianisch durchgestylter Zeppeline? Aber Vorsicht, bei derlei Verschwörungstheorie-Themen sollte ich lieber wieder den Ironie-Modus ausschalten, den ich in meinen bisherigen Beiträgen so hin und wieder eingestreut habe, weil sowas ist bei solchen bierernst zu nehmenden Themen und den darin involvierten Diskutanten nicht gern gesehen… Von daher mal Tacheles: Eskapismus und schrullige Nostalgieseligkeit findet man mittlerweile in so gut wie jeder „Szene“, dafür sind diese ja wie geschaffen. Und gerade gewisse Teile der Goth-Szene gehen da mit leuchtendem Vorbild voran. Von daher kommt nicht von… Mehr lesen »
T.S.
T.S.
Klar, Robert, selbstverständlich ist in Zeiten, in denen aufgrund vielschichtiger Veränderungen des gesellschaftlichen Lebens, der Freizeitgestaltung, der Rezeption von Kunst und Kultur – und sei dies auch „nur“ einem gewissen technischen „Fortschritt“ geschuldet, etc., auch eine andere Basis möglich, auf der sich primär Subkulturen und anschliessend Szenen entwickeln könn(t)en. Vielfältige „Bezüge“ und verschiedene Interessenlagen kennen wir ja auch schon seit Jahren in der „schwarzen Szene“. Den einen ist Musik ein eminent wichtiger Haupt-Bestandteil ihres „Szenelebens“, und ohne sie die Szene nicht denkbar, die anderen wiederum können sich wohl stundenlang damit beschäftigen, sich aufzurüschen, ohne daß dabei auch nur ein Ton („szenische“) Musik läuft. Soll sogar schon vorgekommen sein, daß Zeitgenossen zum WGT gefahren sind, ohne auch nur eine einzige Band gesehen/gehört zu haben… Und wie… Mehr lesen »
Orphi Eulenforst

Auf eine – wie auch immer geartete – Gesinnung der Steampunk-Liebhaber möchte ich gar nicht eingehen, weil ich persönlich das schlicht und einfach für Unsinn halte. Ich möchte aber auf eine Entwicklung hinweisen, die ich interessant finde. In Köln gibt es jetzt den 1. Steampunk Club. Das erscheint mir doch genau richtig für diese „Bewegung“, die ja eher Hobby als Identifikationsraum ist. Ich finde Steampunk sehr schön anzusehen, aber es ist ja nun kein Kleidungsstil, mit dem man sich täglich von der Gesellschaft abgrenzt und „anders“ ist, sondern ein Freizeitvergnügen. Steampunk-Clubs und Steampunk-Veranstaltungen mit Steampunk Bands sind für dieses kreative Interesse super. Eine Subkultur sehe ich nicht.

Avensis
Avensis
Nur um es kurz klarzustellen: ich unterstelle den Steampunks nicht faschisten, Rechte oder Nazis zu sein. Ich meine aber nur, dass aufgrund der Ästhetik und gewissen Themen, wie eben die Nostalgie und „alles war früher besser“ Mentalität Leute gewisser politischer Ausrichtungen es durchaus einfach(er) haben die Szene und den Look für ihre Zwecke zu nutzen oder zu missbrauchen. Und nichts anderes kennen wir ja schon von anderen Szenen, vor allem dort wo am Ende der Look immer wichtiger wurde als der Inhalt (siehe die pseudo-SS Uniformen am WGT…). Und auf reddit ist es mir auch aufgefallen, dass manche steampunk enthusiasten oft auch in subs wie redpill, incel, dem donal trump sub, etc. unterwegs sind. Das mag jetzt heißen, was es will. Heißt natürlich nicht, dass… Mehr lesen »