Zurück in die Zukunft – mit dem DeLorean DMC-12, dem Kult-Auto der 80er Jahre

Der DeLorean DMC-12. Nicht nur für mich ein Kultauto und damit das ideale Thema für meinen ersten Gastartikel bei Spontis. Aufhänger sei ein Film der anno 1985 über die Kinoleinwände flimmerte – „Back to the Future“ hieß es da, und der jugendliche Marty McFly wird vom kauzigen Doc Brown mit einem futuristischen Auto, welches eigentlich eine Zeitreisemaschine ist, in die 50er zurück befördert wo er seine Eltern dazu bringen muss sich ineinander zu verlieben damit er selbst in der Gegenwart auch wirklich existiert. Der Streifen zog zwei Sequels nach sich.

Ja, die Story ist einfach, aber das Gesamtwerk ist und bleibt einfach Kult pur. Zur Einstimmung dann mal den Trailer von „Back to the Future“:

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Nun, 1985 war ich nicht im Kino, ich hab den Film erst ein paar Jährchen später gesehen, aber ich mochte ihn sofort, Doc Brown ist unschlagbar, doch schon damals war der wahre Star für mich das Auto (für mich auch der einzige Grund, seinerzeit „Knight Rider“ anzusehen ;) ).  „Zurück in die Zukunft“ – wie der Streifen hierzulande heißt, brachte einem durchaus bemerkenswerten Automobil Kultstatus. Und genauso bemerkenswert ist die Geschichte die sich dahinter verbirgt, denn der berüchtigte „DeLorean“ war keineswegs ein lediglich für diesen Film entworfenes Gefährt. Mit seinem spacigen Design und den Flügeltüren passte er jedoch perfekt in die SciFi Komödie der 80er.

Der DeLorean war allerdings nicht der erste Flügeltürer der je gebaut wurde, als Vorreiter gilt der Mercedes 300SL und in den 70ern wurden auch von anderen Herstellern Modelle mit dieser Türen-Konstruktion gebaut, BMW war mit dem BMW Turbo 1972 ebenfalls dabei – in signalqietschoranger Lackierung. An den erinnere ich mich besonders gut da mir als Kind mein Vater ein kleines Modellauto geschenkt hatte das ich sogar noch immer habe (und gerade auch ausgebuddelt habe :D ) – ich gestehe, ich bin seit Kindesbeinen an BMW Fan, aber ich würde einiges geben mal einen DeLorean probefahren zu dürfen. Der stahlgraue Flitzer fasziniert mich seit ich oben zitierten Film das erste Mal gesehen habe.

Delorean
Der Delorean als Filmauto aus der „Zurück in die Zukunft“ Trilogie | ADC, Delorean5, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Sein Schöpfer, John Zachary De Lorean wurde 1925 in Michigan geboren, als Sohn des rumänischen Auswanderers Zachary De Lorean und der ungarisch-österreichischen Mutter Kathryn Pribak. Sein Vater arbeitete bei der Ford Motor Company,  die Ehe wurde aber 1942 geschieden wegen der aggressiven Alkohol-Exzesse des Vaters.

John tat es beruflich dennoch seinem Vater gleich und studierte Ingenieurwesen, worauf er ab 1956 bei der amerikanischen Firma General Motors beschäftigt war.

Er stiegt dort auf bis zum Vizepräsidenten, doch sein unkonvetionelles Leben und Ideen stießen dort immer mehr auf Unmut. Nicht nur seine sehr modischen Anzüge und langen Haare waren der Geschäftsleitung Dorn im Auge, die ihre Angestellten bevorzugt im mausgrauen  Business-Einheitslook sahen – angepasst und unauffällig – auch seine Ansichten und Ideen stießen bald auf Gegenwehr. De Lorean kritisierte die Geschäftspolitik von GMC, die seiner Auffassung keine Neuerungen zulies, nichts was wirklich aussergewöhnlich war, dabei den Kunden aber das Geld aus der Tasche zog. So wurden De Loreans Bestrebungen um ein neues Limousinen-Modell das er auf eigene Faust entwickelte, als persönliche Bereicherung um ein Privatauto auf Firmenkosten ausgelegt, seine Stellungnamen dazu wurden großzügig überhört. Frustriert und wütend lies er das Projekt dem Erdboden gleich machen.

Am 1. April 1973 unterzeichnete DeLorean seinen Rücktritt und schied bei GMC aus. Daraufhin gründete er 1975 seine eigene Firma unter dem Kürzel „DMC“ – „De Lorean Motor Company“ – welche mit dem ebenfalls sarkastischen Spruch „On A Clear Day You Can See General Motors“ von einem Werbeposter mit chicen Schlaghosen und Blazer bekleidet, bewarb.

De Lorean hatte klare Vorstellungen für sein Produkt – unkonventionell, schnittig, sportlich, aber dabei auch bezahlbar und sicher. Alles was GMC seiner Meinung nach nicht bieten konnte oder wollte. Und so nahm er die Arbeit an seinem Auto-Traum auf.

Die unverwechselbare Karosserie geht auf den italienischen Industriedesigner Giorgetto Giugiaro zurück, den DeLorean schon bei Firmengründung ins Auge gefasst hatte. Allerdings war der Entwurf kein völlig neuartiger, Giugiaro buddelte einen alten aus der für den Porsche 928 gedacht war, aber von der Firma abgelehnt wurde.

Gebaut wurde der DeLorean in einem krisengeschüttelten Gebiet in Nordirland – Dunmurry – für die Ansiedlung der Produktionsstätten erhielt der namensgebende Firmenchef von der Labour-Regierung noch 135 Millionen Pfund Zuschuss, konzipiert war das Auto allerdings rein für den amerikanischen Markt.

Zwischen 1977 und 1978 arbeiteten bis zu 200 Mitarbeiter daran, das Auto zur Serienreife zu bringen,  die Entwicklung stand unter großem Zeitdruck, denn wo normalerweise 6 Jahre für die technische Entwicklung angesetzt wurden, stampfte DeLorean sein Auto in 2 Jahren übereilt aus dem Boden, die geplante Eigenentwicklung des Fahrwerkes konnte in dieser kurzen Zeit nicht durchgeführt werden, so übernahm Lotus diesen Part und wandelte das Fahrwerk des Lotus Esprits für den DeLorean ab, nachdem Porsche aufgrund des engen Zeitrahmens die Zusammenarbeit verweigert hatte.

Die Karossierie bestand aus epoxidharz-versiegelten Edelstahlblechen, welche von einer deutschen Zuliefer-Firma angefertigt wurden, verbaut auf einem Glasfaser-verstärktem Chassis. Der Motor war eine Gemeinschaftsentwicklung von Peugeot, Renault und Volvo (Serienbezeichnung PRV6 (B28E/F) ) – ursprünglich als V8-Motor konzipiert wurde die Maschine wegen der Ölkrise in den 70ern auf 6 Zylinder runtergekocht. Daneben sind alle verbauten Teile, bis auf die Klimaanlage von europäischen Firmen – wer den DeLorean also für eine stereotypische Ami-Karre hält, liegt falsch, denn auch rechtlich gesehen ist das Fahrzeug wegen des Produktionsortes ein irisches Produkt ;)

Der DMC-12 – wie die Seriennummer des DeLoreans lautete, wurde von 1981 bis 1982 produziert. Die „12“ spielt hierbei auf den ursprünglich geplanten Verkaufspreis von 12.000 $ an.

Der tatsächliche Verkaufspreis lag schließlich bei rund 25.000 $ – mehr als das doppelte.  DeLoreans edles Ansinnen scheiterte am Termindruck und den lieben Finanzen. Man gab dem DMC-12 nicht mal Zeit um Konstruktionsfehler auszumerzen, wie es eigentlich üblich wäre.

So wurde nicht nur der Motor der mit 6 Zylindern und 130 PS für einen Sportwagen viel zu schwach auf der Lunge war – und auch recht schwer – kritisiert, die ebenfalls relativ schwere Edelstahlkarosserie drückte mit 1230 kg Gewicht die Leistung noch weiter, und war leider auch rostanfällig, besonders an Stellen die nicht versiegelt wurden oder auch wo diese Kunstharz-Schicht verkratzt wurde. Problemzonen waren auch die Aufhängungen der Flügeltüren, die Pneumatik die die Türen anhob schwächelte nach einiger Zeit wegen Druckabfall, die Rückleuchten fielen aus wegen schlechten Kontakten – und noch mehr. John De Lorean scheiterte mit seiner im Kern großartigen Idee an der Wirtschaft die ihn dazu trieb ein unausgereiftes Produkt auf den Markt zu werfen.

DMC ging 1982 pleite. Rund 9000 Fahrzeuge wurden in Irland seinerzeit gefertigt, trotz der Baufehler sind auch heute noch stolze 6000 DeLoreans fahrtüchtig. Was sicher am Engagement der Fans dieses trotz allem großartigen Fahrzeugs liegen mag.

Viele Liebhaber sind selbst Kinder des 80er Jahre und investieren in ihr Gefährt um es weiterhin am Laufen zu halten. Doch auch heute kann man, lange nach der Insolvenz der De Lorean Motor Company noch neue Fahrzeuge erwerben, denn der Texaner Stephen Wynne kaufte alles auf was von der Firma übrig blieb, so gingen Karosserieteile die noch nicht verbaut wurden nach Texas, genauso wie Werkzeuge, Konstruktionszeichnungen und Maschinen aus Dunmurry.  Dabei behob der gelernte KFZ Mechaniker auch einige Fehlkonstruktionen der 80er Kult-Karre. Allerdings ist der Spaß heute nicht unter 57.000 Dollar zu haben.

John De Lorean versuchte nach der Pleite selbst die Firma neu zu beleben, schaffte es aber nie. 1982 wurde er in fingierte Drogengeschäfte durch das FBI verwickelt, womit ihm Geldquellen für seine insolvente Firma in Aussicht gestellt wurden. Er schaffte es aber, freigesprochen zu werden.

Später plante er eine Neuauflage des Autos unter der Bezeichnung DMC2 – um Geld dafür zu bekommen wollte er Hightech-Uhren aus Edelstahl fertigen und verkaufen, mit der Garantie daß jeder Käufer bei den Vorbestellungen zu den neuen Fahrzeugen bevorzugt behandelt würde. Die Uhren wurden ebenfalls nie gebaut.

De Lorean starb am 19.März 2005 im Alter von 80 Jahren an einem Schlaganfall. Er galt zeitlebens als Lebemann und Rebell, war vier mal verheiratet und hatte Affären mit Schauspielerinnen und Models, beispielsweise Raquel Welch und Ursula Andress, man sagt im enormes Charisma und Medienpräsenz nach.

Ohne das Auftreten des DMC-12 im anfangs zitierten Kinofilm würde der Wagen heute wohl nicht so legendär sein, aber DeLoreans Biographie sowie das Auto selbst haben auch nach „Back to the Future“ viele Menschen inspiriert und so ist die Geschichte hinter dem futuristischen Edelstahlflitzer meiner Meinung nach ebenfalls eine überaus bemerkenswerte.

Teile von De Loreans Autobiographie sind im Übrigen hier zu finden – aus Spiegel-Ausgaben der frühen 80er. Daneben findet sich dank des DeLorean Fanclubs Deutschland auch eine Aufnahme aus der Fabrik in Dunmurry:

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Sowie Aufnahmen der Verschiffung der ersten Autos nach USA:

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Wer jetzt auch gerne einen dieser genialen Geräte haben mag aber das nötige Kleingeld grade nicht in der Portokasse hat, kann sich da seinen Gratisflitzer für den Schreibtisch runterladen ;) – oder ein Modell kaufen. So ist der DeLorean heute das autogewordene Kultobjekt der 80er.

Weiterführende Links:

Aristides Steelehttps://das-zeitreisende-naehkaestchen.de/
Kalkleiste und Reifrockonkel mit viel zu vielen Interessen: geschreiben wird über alles was mich irgendwie fasziniert, interessiert oder nicht aus dem Kopf gehen will. Das geht von Nerdkram über Okkultismus über Technik über Musik über Geschichte über ... und zwischendrin nähe ich auch ganz gerne :D

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tobikult
tobikult (@tobikult)
Vor 10 Jahre

Ich nehme natürlich den mit Flux-Kompensator! Obwohl, den gibt es zur Not auch zum Nachrüsten:

Coole Karre! Blöderweise wurden durch die Filme nicht nur der DeLorean sondern auch die Daunenweste hierzulande berühmt…

tobi
tobi (@guest_15321)
Vor 10 Jahre

Hochinteressant – mit dem Flux-K. würde ich die 57k$ auch für ne gute Investition halten:)

Schatten
Schatten (@guest_15323)
Vor 10 Jahre

So jetzt brauch ich nurnoch 57.000 Dollar und nen Führerschein, Spenden nehme ich gerne entgegen ;)

Robert Forst
Robert Forst (@robert-forst)
Admin
Vor 10 Jahre

Toller Beitrag! Ich glaube, dass es damals genau dieses Auto war, dass den Film zum Kult erhoben hat als er in die Kinos gekommen ist, neben dem überdimensional großen Gitarrenverstärker, dem sie Marty McFly hingibt. Flügeltüren und ein 80er Jahre Design vom feinsten machten ihn zum begehrten Objekt. Ich glaube ich wäre gestorben um mit Michael J. Fox tauschen zu können, damals jedenfalls. Alles wirklich sehr informativ, ich habe den Artikel und die Videos (noch nicht alle) verschlungen und habe soeben eine unstillbare Lust, in die hiesige Videothek zu marschieren ;)

orphi
orphi (@orphi)
Editor
Vor 10 Jahre

Ich bin zwar absolut kein Autofan, aber diesen Beitrag habe ich mit großem Interesse gelesen. Ich dachte, dass das Auto extra und nur für „Zurück in die Zukunft“ entworfen wurde.

Da mir das notwendige Kleingeld fehlt, werde ich wohl unseren Honda Civic mit dem Flux-Kompensator, den Tobikult aufgestöbert hat, ausrüsten und ein paar Reisen „Zurück in die Zukunft“ unternehmen. Was habe ich diesen Film geliebt. Selbst Teil 2 und Teil 3 fand ich gut.

Robert Forst
Robert Forst (@robert-forst)
Admin
Vor 10 Jahre

Vielleicht bietet sich ja ein viktorianisches Fotoshooting an, du als „Mitbringsel“ einer Zeitreise ;)

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