Gothic Friday 2011 - Top 5 Filme

Meine 5 Lieblings-Filme

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Gothic Friday 2011 - Top 5 FilmeÜber Filme zu schreiben, ist gar nicht so leicht. Ich bin jetzt nicht so die große Film-Kennerin, interessiere mich nicht für Regisseure und habe keine(n) Lieblingsschauspieler. Auch gehöre ich zu den Leuten, die äußerst selten vor dem Fernseher sitzen, manchmal bleibt die Kiste wochen- bis monatelang aus. DVDs habe ich inzwischen allerdings einige und es gibt auch Filme, die ich sehr mag. Aber ich erlebe es oft, dass ich mit Filmen, die Freunde gut finden, wenig oder nichts anfangen kann. Mein Geschmack scheint schon etwas spezieller zu sein ;-) Allzu skurril und abgedreht sollte es nicht werden, an Tim Burton-Filmen mag ich beispielsweise so gut wie keine. Mit Horror und Splatter kann ich auch nichts anfangen, aber Gruselfilme mag ich,  wie zum Beispiel ältere Vampirfilme. Außerdem Dramen, Komödien, kitscharme Liebes- und Historienfilme, ein bisschen Fantasy (Science Fiction dagegen weniger), Krimis, gut gemachte Naturdokumentationen und viele alte Kinderfilme, zum Beispiel von Astrid Lindgren. Hier also meine Top 5:

 

Die fabelhafte Welt der Amelie

Mein absoluter Lieblingsfilm. Dabei wollte ich damals erst gar nicht ins Kino! Als ich herauskam, war ich verzaubert und hatte ein erschöpftes Zwerchfell vom Lachen. Was für ein schöner, skurriler und zugleich humorvoller Film.

…der Weg zum eigenen Glück ist skurril und voller Umwege.
(c) Prokino (Vertrieb EuroVideo Medien GmbH)

Eine junge Frau, Einzelgängerin und phantasievoll, findet ein Kästchen mit Erinnerungsschätzen eines Jungen, jetzt eines Mannes. Auf der Suche nach dem Besitzer kommt sie mit diversen Menschen in Kontakt und lernt auch ihre direkten Nachbarn erstmals näher kennen. So erfährt sie von den Sorgen und Nöten ihrer Mitmenschen und beginnt, Glücksfee zu spielen – und in einem Fall sogar auf amüsante Weise den Racheengel. Ein mysteriöser Vorgang rund um einen Foto-Fix-Automaten beschäftigt sie sehr und führt sie zu einem Mann, der sie fasziniert. Aber ihre Scheu steht ihr im Wege. Durch allerhand Verwirrspiel bringt sie den Ärmsten durcheinander und der Weg zum eigenen Glück ist skurril und voller Umwege.

Der Film ist gespickt mit schrägen Einlagen und Charakterbeschreibungen, die Charaktere mehr oder weniger verschroben und dennoch liebenswert. An keiner Stelle wirkt der Film platt oder klamaukig und ich muss jedesmal wieder lachen oder schmunzeln, egal wie oft ich ihn sehe. Anbei gibt es ein paar schöne Aufnahmen aus Paris. Ein bisschen altmodisches Flair ist auch dabei, die Stadt wirkt wie aus der Zeit gefallen, moderne Gebäude sind kaum zu sehen und auch die Wohnungseinrichtungen haben etwas Nostalgie an sich. Ein modernes Märchen, das insgesamt lustig und leicht daherkommt.

 

Chocolat

Chocolat - DVD Cover
(c) Senator Home Entertainment (Vertrieb Universum Film)

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch dieser Film, hier geht es ebenfalls um eine Frau, die mit Phantasie und Humor ihr Umfeld verwandelt – allerdings mit deutlich mehr Selbstbewusstsein als Amelie. Ein kleines französisches Städtchen in der Nachkriegszeit. Traditionen wie Kirchgang und andere religiöse Pflichten werden hochgehalten, wer aus der Reihe tanzt, wird ausgegrenzt. Heimlicher „Boss“ im Dorf ist der Priester, der zugleich wie ein Bürgermeister agiert und seine Schäfchen stets zu Zucht und Ordnung ermahnt. Er selbst erlaubt sich auch keinerlei Fehltritte. Da kommt ihm die lebenslustige Frau mit unehelicher Tochter gar nicht recht, die neu hinzuzieht, ausgerechnet zur Fastenzeit eine Chocolaterie eröffnet und sich außerdem weigert, den Gottesdienst zu besuchen. Es kommt zur „Kriegserklärung“ des Priesters an die Zugezogenen in Form eines Ladenboykotts und Rufschädigung. Dennoch erweckt der kleine Laden die Neugier der Bewohner, einige trauen sich sogar hienein und werden verzaubert von der Herzlichkeit der Besitzerin und ihrer leckeren Spezialitäten. Verbotenes reizt und neben dem Verkauf entwickelt sich der Laden zu einer Art Begegnungs- und Seelsorgestätte, was widerum dem Priester sauer aufstößt. Auch beginnen die Einwohner langsam, einiges zu hinterfragen, ihren Kopf zu benutzen und das Leben wieder zu genießen. Alte Feindschaften werden begraben und ungesunde Beziehungen gekappt. Das Dorf krempelt sich nach und nach um und der Priester kämpft immer verzweifelter dagegen an.

Es ist schön, dabei zuzusehen, wie die Menschen dieses Dorfes nach und nach innere wie äußere Zwänge abzulegen lernen und immer mehr aufblühen. Manchmal bedarf es nur eines Menschen, der auch mal zuhört, nach- und hinterfragt. Ein bißchen Mut zu Genuss und Lebensfreude wachkitzelt, was gut tut. Dann kommt eine Lawine ins Rollen, die schwer zu stoppen ist. Und wer versucht, da gegenzuhalten, muss sich die Frage stellen, ob er im Recht ist oder nicht veralteten Vorstellungen nachhängt.

Der Film ist trotz des durchaus ernsten Themas sehr humorvoll und die Charaktere machen nahezu alle eine innere Wandlung durch. Selbst die Hauptdarstellerin, die zum Großteil mit sich im Einklang zu sein scheint, hat ihre Momente, in denen sie mit sich selbst kämpft. Manches ist bewusst ein wenig überzeichnet und ausgeschmückt, aber nicht unglaubwürdig. Ein Film mit Herz, Humor und ein bisschen Zeigefinger in dem Sinne, sich nicht zu sehr von festgefahrenen Denkmustern und Traditionen einengen zu lassen – und andere/Fremde nicht vorschnell zu verurteilen.

Jenseits der Stille

Jenseits der Stille - DVD Cover Ausschnitt
Was macht Schnee für ein Geräusch?
(c) Touchstone Home Video

Einer der besten deutschen Filme, finde ich. Eine Familie mit zwei Mädchen, die Eltern sind beide taubstumm, die ältere Tochter muss häufig für sie dolmetschen. Bei einem Familienbesuch findet sie über ihre Tante Zugang zur Musik, speziell zum Klarinettenspiel. Der Vater versteht ihre Leidenschaft zur Musik nicht, zumal es ihm missfällt, dass das Mädchen mit seiner ihm verhassten Schwester sympathisiert. Als die Mutter durch einen Unfall ums Leben kommt, stützt der Vater sich vermehrt auf seine Tochter, die diesem Druck und der Schwermut zu Hause nicht mehr standhält und nach Berlin zu ihrer lebenslustigen Tante flüchtet. Dort blüht sie auf, frönt der Musik, lernt neue Leute kennen und ihre erste Liebe. Mit der Zeit stellt sich heraus, dass auch die Tante das Mädchen nach ihren Vorstellungen formen möchte. Das Verhältnis zum Vater wird immer schwieriger, er lehnt ihren Willen nach Freiheit und ihre Liebe zur Musik ab, was ihr das Leben schwer macht. Erst nach langer Zeit und vorsichtiger Annäherung finden Vater und (große) Tochter wieder zusammen.
Es ist ein leiser Film mit vielen kleinen Gesten und Zwischentönen. Es geht ums Abnabeln, Erwachsenwerden und zugleich um das Verständnis füreinander, gegenseitige Akzeptanz. Besonders schön finde ich eine Szene, in Vater und Tochter hinaus in den fallenden Schnee blicken und sie ihm auf die Frage antwortet, was Schnee für ein Geräusch macht.

 

Ronja Räubertochter

Ja, es ist eigentlich ein Kinderfilm. Aber, wie das meiste von Astrid Lindgren, derart schön und zeitlos, dass man sich auch als Erwachsener ohne zu Erröten als Fan bekennen kann. Ich habe den Film als Kind im Kino gesehen und seitdem etliche Male und ich liebe ihn immer noch. Übrigens der einzige Film, den ich kenne, der sich nahezu vollständig an die Buchvorlage hält. Die eigentlich simple Geschichte der Freundschaft zweier Kinder einander verfeindeter Familien wird wunderbar erzählt und ausgeschmückt mit herrlichen Bildern und Kulissen. Eine vom Blitz gespaltene Räuberburg, herrlich verwunschener Wald ringsherum, mit vielen schönen und gruseligen Kreaturen darin. Zwei Kinder, die die Welt entdecken wollen, Freundschaft empfinden und sich nicht darum scheren, was die Erwachsenen davon halten. Die den Erwachsenen beibringen, wie dumm ihre Fehde ist. Die Erwachsenen lernen, die Kinder ernst zu nehmen und sich selbst zu hinterfragen. Die Räuber werden als ein Haufen rauhbeiniger, übermütiger, aber humorvoller Kerle dargestellt und Ronjas Mutter ist ihnen gleichberechtigt. Ronja lernt Selbstbewusstsein, Mut und Vorsicht – aber sie hat auch ihren eigenen Kopf, testet Grenzen und Gefahren aus und bringt sich dadurch auch in solche. Ihren Vater liebt sie sehr, aber es kommt auch zum Bruch zwischen ihnen, als er ihre Freundschaft zu Birk, dem Sohn des verhassten Konkurrenten nicht akzeptiert. Auch Birk erträgt den Hass seiner Leute auf Ronjas Familie nicht mehr und die Kinder ziehen gemeinsam in eine Höhle im Wald. Dort leben sie nur für eine Weile in Eintracht, es kommt zu einem Streit um etwas Verlorenes und sie erleben selbst, wie schnell Konflikte auflodern und entzweien können.
Auch dies ist ein Film vom Erwachsenwerden, dem Finden des eigenen Wegs und eigener Ansichten, dem Hinterfragen vorgelebter Traditionen. Von Freundschaft entgegen der Konventionen, sich-wieder-Vertragen und Verzeihen.

 

Verblendung (Schweden/USA)

Verblendung
Tanzfledermaus kann sich nicht zwischen dem schwedischen Original…. 
(c) Sony Pictures Home Entertainment

Hier kann ich mich schwer entscheiden, welche Verfilmung ich besser finde: die schwedische oder die spätere amerikanische. Normalerweise rege ich mich gern über die Marotte der Amis auf, statt einen fremdsprachigen Film zu synchronisieren, lieber gleich einen neuen Film zu drehen – viel mehr Aufwand und Kosten! Und oft schwingt dabei der schale Beigeschmack mit, dass die Inhalte dann auch „amerikanisiert“ werden, Schauplätze nach Amerika verlegt werden oder gleich noch mehr umgeschrieben wird. Doch diesmal war es anders, die Geschichte spielt weiterhin in Schweden und auch von der Handlung und der Aufmachung sind für mich beide Verfilmungen absolut gleichwertig.

Zunächst einmal nur zur Handlung, ohne näher auf die beiden Versionen einzugehen. Es handelt sich um den ersten Teil einer Trilogie, der jedoch auch für sich allein stehen könnte, denn hier geht es um die kriminalistische Auflösung eines Rätsels bzw. scheinbaren Mordes.

Ein angesehener Wirtschaftsjournalist wird bei der Recherche gegen einen korrupten Wirtschaftsboss gelinkt und verliert seinen Ruf. Dennoch wird er von einem alternden Industriellen aufgrund seiner guten „Spürnase“ beauftragt, das Verschwinden seiner Nichte vor 40 Jahren aufzuklären. Das Mädchen stand ihm sehr nahe und hätte das Potential gehabt, einmal die Firma zu übernehmen. Im Gegensatz zu den übrigen Familienmitgliedern, die fast alle Verrückte oder Taugenichtse sind. Doch auf mysteriösem Wege verschwand sie spurlos, alle Ermittlungen liefen ins Leere. Und dennoch erhält der alte Mann nach wie vor jedes Jahr zum Geburtstag anonym eine gerahmte, gepresste Blume geschickt, wie sie seine Nichte ihm immer geschenkt hatte. Vor seinem Tod möchte er endlich eine Aufklärung. Der Journalist bekommt Hilfe von einer Person, die ursprünglich dazu eingesetzt wurde, seine Seriösität zu überprüfen: die Hackerin Lisbeth.

Verblendung
…und dem amerikanischen Derivat, in der Daniel Craig die männliche Hauptrolle spielt.
(c) Sony Pictures Home Entertainment

Lisbeth ist keine gewöhnliche Frau, sie hat eine schlimme Vergangenheit, wurde entmündigt und entschied sich für ein Leben jenseits der Konventionen. Auch äußerlich rebelliert sie, durch schwarze Kleidung, Punkfrisur, viele Piercings und Tattoos. Sie vertraut niemandem, ist sehr verschlossen und unhöflich und eckt dadurch massiv an. Aber in ihrem Spezialgebiet ist sie genial und sie wird zur unentbehrlichen Hilfe bei der Suche nach der verschwundenen Frau. Sie entdecken Hinweise auf einen irren Serienmörder, der Frauen auf bestialische und skurrile Weise mordet. Bei ihren spannenden und ungewöhnlichen Recherchen geraten die beiden Ermittler zunehmend selbst in Lebensgefahr. Wer von der Industriellenfamilie versucht sie aus dem Weg zu schaffen?

Wie sie den Fall lösen, welche Puzzlestücke sich finden, ist ungemein spannend. Nebenbei wird auch ein Einblick in Lisbeths Leben gegeben. Sie hat seit ihrer Kindheit einen staatlichen Vormund, der nun krankheitsbedingt ausfällt. Sein Nachfolger ist ein Sadist, der die junge Frau erpresst, erniedrigt und missbraucht. Sie rächt sich an ihm. Ihre weitere Geschichte wird in den folgenden beiden Teilen erzählt, wobei ich sagen muss, dass mich die beiden Filme im Gegensatz zu den Büchern enttäuschten. Vor allem der letzte Teil wird dem Buch kaum noch gerecht, da viele wichtige Personen und Geschehnisse verändert oder gestrichen wurden. Daher ist nur der erste Teil unter meinen Top-Filmen. Die US-Version hält sich zum Teil auch etwas dichter am Buch und Lisbeth wird hier etwas weniger verschroben und kaltschnäuzig dargestellt, sondern verletzlicher. Das Ende ist ein bisschen anders. Aber ansonsten ähneln sich die Handlungsstränge sehr, die Schauplätze auch. Die Kameraführung finde ich im US-Film etwas besser. Ansonsten kann ich keinen Favoriten benennen. Selbst die Schauspieler sind in beiden Fällen sehr gut – ich hätte es Daniel Craig nicht zugetraut.

 

Grufti seit 1989. Umkreist in unregelmäßigen Bahnen das Berliner Szeneleben - inzwischen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Tauscht sich gerne über das Gestern und Heute aus. Stromert liebend gern mit ihrer Kamera in und um Berlin herum.

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