Guldhans Videoanalyse: Der Sargdeckel ist noch lang nicht zu!

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Einige Leser kennen Guldhan bereits als wortgewandten Analysten der sich in seinem Blog Opus Mentis gelegentlich mit seinen Streitschriften von quälenden Grübeleien befreit und über die Notschlachtung von BRAVO-Goths bereits ausführliche Artikel veröffentlicht hat. In einigen Videos, die er einem kleinen Kreis zugänglich gemacht hatte, stellte er seine telegenen Fähigkeiten unter Beweis, die mich nachhaltig beeindruckten. Was lag also näher, als ihm ein paar BRAVO-Artikel zugänglich zu machen und ihn zu bitten, diese in einem Videobeitrag zu “demontieren”. Für alle die, die den liebenswerten Pessimisten und flammenden EBM Anhänger aus Gera noch nicht kennen, bietet die ausführliche Videorezension in fünf Kapiteln ausreichend Gelegenheit dazu.

Der Gegenstand der Analyse ist ein BRAVO-Girl Artikel aus der Mitte der 90er Jahre mit dem vielsagenden Titel “Der Sargdeckel ist noch lang nicht zu!” Die einleitende Beschreibung verheißt nur Gutes: “Und sie leben doch!!! Die Grufti-Szene macht wieder von sich reden. Mit Schlagzeilen (‘Schwarze Messer auf Friedhöfen’), mit einer neuen Grufti-Disco im Allgäu. Aber die Fronten sind hart: ‘Alt-Gruftis’, die schon seit vier, fünf Jahren auf dem rabenschwarzen Trip sind, halten sich für die einzig “echten” und schauen hochnäsig herab auf den Nachwuchs, der erst seit ein oder zwei Jahren dem Totenkult erlegen ist.

Und ja, der Overlord (wie mich Guldhan freundlicherweise nennt) hat sich nicht getraut, das selber zu machen. Außerdem ist das eine brilliante Gelegenheit, solche Artikel auch mal in einem andere Licht betrachten zu lassen. Die Bilder, die auch Guldhan zur Verfügung standen, will euch nicht vorenthalten und fördern das Verständnis des gesprochenen Wortes.

Bravo Girl - Der Sargdeckel ist noch lang nicht zu 1 Bravo Girl - Der Sargdeckel ist noch lang nicht zu 2 Bravo Girl - Der Sargdeckel ist noch lang nicht zu 3 Bravo Girl - Der Sargdeckel ist noch lang nicht zu 4

Bravo-Goten – Das Video

Kapitel 1: Der Prolog
Kapitel 2: Niveau und Nuss und Tralala
Kapitel 3: Aufgemalte Flatterratten in aufgeschlossenen Friedhöfen
Kapitel 4: Clownschminke und rechte Goten
Kapitel 5: Kommerz!

Um die Kapitel zu wechseln, stehen euch unter dem Video die entsprechenden “Skip-Tasten” zur Verfügung.

httpv://www.youtube.com/playlist?list=PL2IXVRaFBI0DxjRAQ4d8pnFsc7B3T1bv8

Ich bin neugierig, was ihr von dem Format haltet. Sollte ich Guldhan animieren weitere Filme zu drehen? Ist es euch zu langatmig oder zu langweilig? Findet ihr es gar großartig und atemberaubend? Ich (und ich unterstelle Guldhan auch) bin auf euer Feedback gespannt.

Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Mone vom Rabenhorst
Autor

Da nicht jeder bei FB ist, daher auch hier.
Also die Artikel müssten auf jeden Fall von VOR 1990 sein. Denn um 1990 rum sah die “Fledermaus” im Gesicht (= Armin) outfittechnisch schon deutlich besser aus.
Zu den Videos selbst. Ganz ehrlich? Langweilig! So sehr ich Guldhan als Spontis-Beitrags-Schreiber schätze… während der Videos habe ich nicht einmal gelacht. Nicht mal ansatzweise. Lediglich die zwei Minuten im letzten Video, wo es um den Kommerz ging, mußte ich grinsen.

Mone vom Rabenhorst
Autor

Der Artikel ist von Juni 1989.

Guldhan
Autor

1989… der Nachteil der Zonenkindheit, ich bringen die BRAVO reflexartig immer nur mit nach 1990 in Verbindung.

Aber um auch einmal Ernst in die Sache zu bringen, so finde ich die Mentalität, die dieser Artikel transportiert, faszinierend. Vergleicht man diese Jugend damals von ´89 mit der von beispielsweise ´99 mit der von ´09, so wird man feststellen können, dass die Umbrüche innerhalb des Denkens einzig dort platziert sind, wo sich die technischen wie gesellschaftlichen Möglichkeit gewandelt haben. Ansonsten sind die Wesenszüge gleich. Jugend bleibt wohl eben Jugend, egal in welcher Subkultur und ganz gleich in welcher Generation.

Abonnent
Marco

ja das teil ist von 89… wir (chemnitzer) fanden es damals dufte. eigentlich war es das erstemal das wir mit dem gothic-style in berührung kamen. vorher war bei uns alles wave- und curig.

Pitje
Gast
Pitje

Sorry, aber die Bravo macht halt auch nur ihren Job. Das ist ja kein Wissenschaftsmagazin und auch keine Musikbibel. Das ist eine Unterhaltungszeitschrift für Teenager.

Da kommt ne sexy Klosterschülerin, die Hexe heißt und ne Frise wie ein aufgeplatztes Sofakissen hat, einfach spannender rüber, als ein EBMer mit Glatze im weißen T-Shirt. Irgendwie muss sich die Bravo ja auch verkaufen …

Ohne die Bravo hätte ich früher gar nicht gewusst, dass es neben Cure auch noch the Mission und Sisters gibt und dass man in London ganz ganz spitze Schuhe bestellen kann. Ich habe Artikel wie die da oben regelrecht aufgesogen und freue mich immer total, wenn hier mal wieder alte Fundstücke veröffentlicht werden.

Mir sind übrigens die Schwarzkittel aus den beiden hier vorgestellten Artikeln allemal lieber, als die Hartz4-Gruftis, SM-Krankenschwestern und Leuchtstäbchen, die heutzutage in den Medien als Vertreter unserer Zunft herumgeistern.

Guldhan
Autor

Ich für mich konnte dem Blatt nie etwas abgewinnen. Selbst dann nicht, als man es offenkundig durch die Pausen gehen lassen konnte, ohne diese Feindpresse(sic) einkassiert zu bekommen, danach dem Schuldirektor Rede und Antwort stehen und anschließend ein unerfreuliches Schreiben mit nach Hause bringen zu dürfen.
Die Mädels gieksten bei den Starschnitten. Die Jungs feixten über Dr. Sommer. Und ich fragte mich, wann immer mir jemand unaufgefordert diverse Seiten unter die Nase hielt: “Was soll der Scheiß?!”. Daher hege ich auch für solche Artikel keinerlei Sentimentalität oder Schwärmerei. Es ist ein Unterhaltungsblatt, das es verdient, ebenso ernst genommen zu werden, wie alle anderen Unterhaltungsblätter auch.

Zudem betrachte ich die Artikel mehr als Prosa. Eine Kurzgeschichte, somit als etwas ins Fiktive gehobene. Die Protagonisten, als reale Personen von Damals, können doch machen was sie wollen. Denn ich bin froh, dass zu meiner Teenie-Zeit kein Bravo-Team im Gebüsch lauerte. Oder jede Phrase drohte, auf Youtube zu landen. Denn das Geplappert hätte genügend Potenzial gehabt, um Jahrzehnte später irgendeinen Glatzkopf dazu zu animieren, blöde Kommentare darüber abzulassen.

Leuchtkäfer und SM-Krankenschwestern sind ja streng genommen auch keine Goths. Egal wer hierbei der Sender irgendwelcher Schubladendenkerei aus Einfachheitsgründen wurde. Einer Art grob fahrlässiger Definition, die in der Medienwelt Gang und Gänge ist. Aber Cyber ist Cyber, SM ist SM und Goth ist Goth. Zumindest wenn ich die letzten Jahre in diesem Blog aufgepasst habe.
Somit ist die Sympathie hinsichtlich der eigenen Art ja auch verständlich. Gäbe es in der BRAVO einen Artikel über Neofolker, so wäre meine Sympathie auch größer, was mich allerdings an nichts hindern würde.
Was »Hartz4-Gruftis« anbelangt, so würde ich doch um eine genauere Definition des Begriffes bitten. Nötigt dieser doch verschiedene Interpretationen auf, die einerseits eine interessante Debatte hervorrufen könnten. Anderseits aber auch von derartiger Niveaulosigkeit zeugen können, das weiteres darauf eingehen nicht lohnen wird.

Post scriptum: Ich gebe zu, nach allem, was ich der BRAVO bis dato antat und wahrscheinlich noch antun werde, ist die Präsentation in einem weißen T-Shirt natürlich die größte Unverfrorenheit gewesen. Und das in diesem Weblog. Beim Tode Bela Lugosis, ich weiß echt nicht, was mich da geritten hat.

Abonnent
Marco

für uns Ostgrufts waren die zahlreichen Cure Berichte/Poster pures Gold. Ich kannte keinen Gruft bei uns, der nicht irgend ein Cure Poster aus der Bravo an der Wand hatte. Berichte über die Gruftiszene waren aber ultrarar und halbe Heiligtümer. Bevor das BravoGirlTeil kam kannte ich nur paar einzelne Blätter von der “Ratte macht die Fliege” Geschichte. Die Outfitts wurden nachgebastelt..die Kinderzimmer zum Schrecken der Eltern dementsprechend umgestaltet.
Die Bravo war DIE Waffe des Westens gegen den FDJ Einheitstrott vermutlich unbewusst aber wirksam ohne Ende stiftete sie doch fast alle Subkulturen in der DDR. Dementsprechend regagierten die roten Lehrer mit Schultaschenrazzias und beschlagnahmten was sie fanden.
Ich hab die Gruftiberichte bis heute noch fein säuberlich in Folien stecken. Nach 1990 haben wir sie aber nicht mehr beachtet ab dann waren andere Medien zugänglich.

Ohne Bravo/Popcorn/PopRocky wäre ein DDR Gruftieszene vermutlich nicht entstanden.. da passt immer der alte Ossispruch “wir hattn ja nischt”.
Die vorhandenen DDR Jugendzeitschriften berichteten so gut wie gar nicht über die ANDEREN Bands. Nur in der Endphase der DDR gabs dann auch mal CurePoster und ein kleines klassengerecht aufgearbeites Berichtlein ala Robert ist nur so traurig weil er im Westen leben muß und wegen der Arbeitslosikeit.
Die DDR Zeitungen waren aber auch nur unterm Ladentisch zu bekommen weil die Auflagen so gering waren das sie gar nicht reichten und hatten daher auch Seltenheitswert.

Death Disco
Gast
Death Disco

Der Umschwung kam Mitte ’85, eine halbe Dekade zu spät, als man damit anfing, das FDJ-Blättchen “Neues Leben” pop-orientierter zu gestalten. Bis dahin war’s eigentlich nur ein ödes Polit-Jugendmagazin der Blauhemden. Das ging dann los mit Infos zu Duran Duran, Eurhythmics, Alphaville, Communards etc. und endete mit ganzseitigen Bildern und Zwei-Seiten-Berichten zu Depeche Mode (inklusive Poster), The Cure, diversen Specials wie das zur britischen Musikszene (The Sisters of Mercy, Smiths oder Jesus & Mary Chain konnte man anno ’88 bewundern).
Sogar die Sugarcubes kannte man (falls jemand Björk mag). Ich schieb’s auf die damalige Popularität von DT64. Aber, wie oben erwähnt, alles mindestens 5 Jahre zu spät, nachdem Trends wie New Romantic längst Geschichte waren.

Die sogenannten “anderen Bands” bekamen übrigens ‘nen vierseitigen Bericht. Darin tauchten z.B. Die Vision auf (wurden bereits damals mit Joy Division verglichen).
Über Heavy Metal wurde seltsamerweise am meisten berichtet (der softe Kram à la Iron Maiden), während bspw. Punk ja immer recht stiefmütterlich behandelt wurde (‘nen ausführlichen Bericht gab’s eigentlich nur einmal in der September-Ausgabe ’82: “Die Kinder aus der Mülltonne”).

Gruftfrosch
Gast
Gruftfrosch

Was für ne langweilige Antwort auf den Seitenhieb mit dem weißen T-Shirt, Guldhan….Ich hielt es für eine subversive Aktion. Also volle Absicht ^^.
Muss der Frau B bezüglich des Videos leider zustimmen – zu langatmig geraten. Das Schreiben liegt dir viel viel mehr.

Wombel
Gast
Wombel

Ich erinnere mich noch an den Zeitungsartikel “Keine Chance für Punks und Popper – Warum BRD-Medien die Auseinadersetzungen dieser Jugendkulturen zum Klasenkampf hochstilisieren wollen” in der `Jungen Welt` vom Dezember 1980.
Eine der frühesten Erwähnungen des Punk in DDR-Medien überhaupt.
Was von seiten der FDJ-treuen DDR-Printmedien als alleiniges “Problem” kapitalistischer Länder hingestellt werden sollte, wurde von uns natürlich begierig aufgesogen, obwohl der Artikel einige prinzipelle Fehler enthielt, z.b. was die Herkunft der Punkbewegung anbelangt.

Mone vom Rabenhorst
Autor

“denn eine Bedeutung — oder gar einen Wert — hatte die gepflasterten Wände selten.”

Einspruch!

Für mich und sicher viele andere auch waren meine/deren tapezierten Cure-Wände sehr wertvoll! Nur sicher nicht im materiellen Sinne gesehen…. ;-)

Ian von Nierenstein
Gast

Sehe ich auch so wie Mone vom Rabenhorst, denn wo ich sehe, dass meine Lieblingband die Wände ziert, da fühl ich mich wohl :)
“Wo man singt, da lass dich nieder, böse Menschen kennen keine Lieder”…

Markus
Gast
Markus

Also mir waren meine Poster, u.a. Christian Death, Fields, natürlich Norbert Schmidt, auch sehr wichtig. Jawohl!

Über ein BRAVO-Poster von Dr. Frank’n Furter aus der lustigen Rocky Horror Picture Show habe ich mich regelrecht gefreut – hoffte ich doch, daß die Abbildung des Herrn in seiner nicht alltäglichen Abendgarderobe an meiner Zimmerwand meine spießigen Eltern ein Stück weiter in den Nervenzusammenbruch treibt.

Also kommt, Leute. Sooooooo schlecht war die BRAVO nun auch nicht. Immerhin eine der wenigen Möglichkeiten, in den 80ern und ohne Internet, e-Mail und Smartphone überhaupt an Infos zu kommen. Oder Bilder von anderen Schwarzen zu sehen. Das Foto von “Susi” aus dem oben abgebildeten BRAVO-Artikel zum Beispiel finde ich einfach nur schön. Auch heute noch. Trad Goth im besten Sinne.

Marc
Gast
Marc

TOL TOLL TOLL!! Ich habe gerade nach Ewigkeiten mal meine alten Platten durchgeguckt, so an damals gedacht und irgendwie auf diesen Artikel aus den “Mädchen” gekommen und dann über Google geguckt habe ob den irgendjemand hochgeladen hat und dann hier… :smile:
Ich habe mich damals schon gefragt was die für Musik gehört haben die sie nicht nennen wollten xD
Man, was war ich in diese Tanja verknallt! :cool:
Frage mich wie die heute alle aussehen :smile:
Schade das das Video mittlerweile gelöscht wurde über das hier am meisten diskutiert wird :???: