19 August

Grufti-Roadtrip 1991: Ein denkwürdiges Wochenende

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Grufti-Roadtrip to Berlin - TeaserEs ist noch gar nicht so lange her, da stand ich mit einigen Freunden auf einer Party in Köln und diskutierte ernsthaft darüber, ob es sich noch lohnen würde zu einer Party nach Mülheim zu fahren, denn hier in Köln gefiel es uns nicht so richtig. Nachdem wir tausende von Befindlichkeiten Beiseite geräumt hatten, wagten wir das Abenteuer und kamen uns zu allem Überfluss auch noch 20 Jahre jünger und vor allem ziemlich cool vor. Doch was Malte an einem Wochenende 1991 in seinem silbernen Käfer 1303 erlebte, lässt unseren Stolz im Keim ersticken – ein schwarzer Roadtrip durch Deutschland.

Wir schreiben das Jahr 1991. So richtig sicher bin ich mir nicht, aber wenn ich die Gegenstände auf den verschiedenen Fotos in einen zeitlichen Rahmen stelle, bleibt nur dieser Schluss. Zu der Zeit war ich mit Hannes und Alf, den Weggefährten aus meiner Heimatstadt, praktisch jedes Wochenende unterwegs in Diskotheken, auf Konzerten oder Partys. Mindestens einmal im Monat fuhren wir gemeinsam ins Zwischenfall nach Bochum, trotz der Fahrtdauer von rund zwei Stunden pro Strecke. Auch die Unikum-Partys in Osnabrück waren fester Bestandteil unserer Wochenendplanung.

Unsere Heimatstadt, die genau zwischen Bielefeld und Hannover liegt, erwies sich als klarer Standortvorteil, weil beide Städte gut zu erreichen waren und auch die Markthalle in Hamburg, der Schlachthof in Bremen oder das Dorian Gray in Frankfurt noch in akzeptabler Reichweite lagen. Das Index und die Music Hall in Hannover, das PC69 in Bielefeld, das Fla Fla und auch später das Kick in Herford, waren quasi unsere Stammlokale.

Während der Woche hielten wir Augen und Ohren offen, um von der besten anstehenden Veranstaltung zu erfahren; spätestens Freitag nachmittag schlossen wir uns direkt oder am Telefon kurz, um unsere Ergebnisse zu vergleichen und die Pläne für das Wochenende zu schmieden. Da unser Musikgeschmack damals wie heute weitestgehend deckungsgleich ist, waren wir uns immer einig, wo und wie wir das Wochenende verbringen wollten. Oft bereiteten wir uns auch zusammen vor: Sich gegenseitig die Haare aufzustellen war einfacher, als alleine mit zwei Spiegeln, Fön, Haarlackdose und Toupierkamm zu hantieren. Ich hatte nach den Haaren immer schon die Geduld verloren, mich auch noch zu schminken, was bei Alf und Hannes in der Regel noch dazugehörte. Ich kümmerte mich derweil lieber um die Hintergrundmusik, die meist elektronisch war, aber Gruppen wie Sisters of Mercy und Cure waren natürlich auch dabei.

Gothic Roadtrip #1

„Silver Machine“ mit seiner Stammbesetzung, hier auf dem Parkplatz beim Zwischenfall.

An einem Freitag Abend sollte es wieder einmal losgehen. Auf dem Weg zur Autobahn sammelten wir noch Marion aus Minden ein, mit der Alf damals zusammen war. Endlich komplett, begannen wir, unsere Reise auch musikalisch zu untermalen. „Silver Machine“ von Alien Sex Fiend war als erstes Lied jeder Fahrt schon eine Tradition geworden, nicht zuletzt wegen meines Autos. Unsere „Silver Machine“ war nämlich mein silberner Käfer 1303, mit dem wir immer unterwegs waren – Alien Sex Fiend brachten das gleichnamige Lied heraus (als B-Seite von „Bun Ho!“), kurz nachdem ich den Käfer gekauft hatte. Was für ein Zufall! Die langen Autofahrten überstanden wir überhaupt nur Dank des Kassettenrekorders und der anständigen Lautsprecher. Jeder von uns hatte eine Handvoll Kassetten dabei mit einem bunten Mix aufgenommener Lieder.

Für den Zeitvertreib sangen wir diese auch gerne mit, besonders geeignet dafür waren „All Systems Out“ von Force Dimension, „Motorhead von Cat Rapes Dog oder auch „Torture“ von Beborn Beton. Unschätzbarer Vorteil des Käfers war aber nicht nur die Musikbeschallung, sondern auch sein hochgewölbtes Dach, unter dem wir alle auch trotz unserer hohen Haare aufrecht bequem sitzen konnten. Unterwegs machten wir regelmäßig auf dem Rastplatz Rhynern in der Nähe von Hamm halt. Meistens wurden dort die Frisuren überprüft und ausgebessert, wozu sich auf dem Männerklo der große Spiegel mit nebenliegender Steckdose bestens eignete. Mit der Zeit entwickelte sich mit der Toilettenfrau fast schon so etwas wie eine Freundschaft…

Eine Stunde später sind wir dann in Bochum angekommen. An diesen Freitag Abend im Zwischenfall habe ich nur noch vage Erinnerungen. Ich erinnere mich noch daran, dass wir drei unmittelbar nach unserer Ankunft die Tanzfläche stürmten, als wir die vertrauten Klänge von And Ones „Metalhammer“ hörten. Ich wunderte mich noch darüber, dass wir alleine tanzten – offenbar war das Lied noch unbekannt, oder das andere Publikum mochte keine elektronische Musik. Wenigstens hatten wir so schön viel Platz auf der Tanzfläche!

Gothic Roadtrip #2

Alf, Marion, Hannes und ich vor dem Eingang ins Zwischenfall.
Treppenaufgang: Im Zwischenfall oben neben dem Treppenaufgang.

Gothic Roadtrip #3

Im Zwischenfall oben neben dem Treppenaufgang

Grufti-Roadtrip: Berliner Pizza zum Frühstück

Gothic Roadtrip #4

Nach 5 Stunden Fahrt gab es in Berlin erstmal Pizza zum Frühstück.

Für mich stand bereits fest, dass ich am folgenden Tag nach Berlin zum Schwarzentreff an der Gedächtniskirche wollte. Das wollte ich natürlich nicht allein angehen. Leider stieß die 500km lange Strecke Bochum – Berlin, noch dazu im Käfer mit maximal 120 km/h, nicht unbedingt auf Gegenliebe. Alf und Marion winkten sofort ab. Hannes zeigte sich zwar grundsätzlich interessiert, aber so richtig wollte er auch nicht. Immerhin schaffte ich es auf der Rückfahrt, ihn zum Mitfahren zu überreden. So brachten wir also in der Nacht zum Samstag zunächst Alf und Marion nach Hause, dann machten wir kurz bei Hannes Halt, um einiges an Verpflegung und auch Hörspiele einzupacken.

Gut ausgerüstet schafften wir es bis nach Berlin, wo wir gegen zehn oder elf Uhr vormittags eintrafen. Auf dem Breitscheidplatz war zu unserer Enttäuschung noch gar nichts los – sollte ich mich mit dem Termin vertan haben? Beim Datum war ich mir sicher, aber an eine Uhrzeit für den Beginn des Treffens konnte ich mich nicht erinnern. So frühstückten wir erst einmal in einer Pizzeria auf der anderen Straßenseite.

Anschließend steuerten wir das WOM an, einen zwar sehr teuren Plattenladen, der jedoch auch eine unglaublich große Abteilung für unseren Musikgeschmack hatte. Und wie wir so durch die Straßen am Breitscheidplatz liefen, stießen wir auf eine andere Gruppe Gruftis, aus der heraus uns Gritti ansprach. Sie waren auch viel zu früh vor Ort und so vertrieben wir uns gemeinsam die Zeit. Wir merkten schnell, dass wir – entgegen aller Klischees – eher albern und lustig waren und über viele Dinge gemeinsam lachen konnten. So wie über „LSD“, denn dieses Kürzel hatten die Leute für das Treffen gewählt, was soviel wie „lezdes schwarzes Dreffen“ im sächischen Dialekt gesprochen bedeutet. Kurzum: Wir ergänzten uns prächtig!

Später am Nachmittag lernten wir andere Schwarze aus Gießen kennen. Die guckten alle sehr traurig, lächelten nicht einmal und erfüllten so die gängigen Vorurteile. Mit unseren Witzen kamen wir bei denen nicht weit. Trotzdem ergab sich auch mit ihnen Kontakt, und zwei aus der Gruppe sollten wir eine Woche später in Hannover wiedertreffen. Einer von ihnen spielte sogar als Gitarrist von Templar im Folgejahr auf dem ersten WGT.

Grufti-Roadtrip: Neue Freunde aus Finsterwalde

Gothic Roadtrip #5

Erstes Foto mit den Finsterwaldern in der Spichernstraße.

Den Rest des Tages verbrachten wir mit den Leuten, die wir zuerst trafen. Für diese Gruppe prägten Hannes und ich später den Begriff „Finsterwalder“. Zwar taten wir damit den anwesenden Herz- und Falkenbergern unrecht, aber Finsterwalde als Name für eine Stadt fanden wir einfach klasse. „Winkli“ aus der Gruppe zog kurze Zeit später ebenfalls nach Finsterwalde, wo ich ihn oft besuchte und dessen Wohnung als allgemeiner Treffpunkt für die Schwarzen aus der Umgebung diente. Unvergessen bleibt der riesige Berg von mindestens 20 Paar spitzen Schuhen, den die Besucher beim Betreten der Wohnung auftürmten, und ebenso unvergessen der Spaß, das eigene Paar beim Verlassen der Wohnung wieder herauszufischen!

Das Treffen an der Gedächtniskirche war nur für tagsüber geplant, ohne Anschlussaktionen. Jedenfalls brachten wir nicht in Erfahrung, ob sich eine Disko auf uns Gruftis eingestellt hatte oder ob irgendwo etwas laufen sollte. Als Hannes und ich dann von den Finsterwaldern eingeladen wurden, abends noch auf eine Feier mit zu ihnen zu kommen, sagten wir auch zu – so ein unvergesslicher Tag sollte nicht so sang- und klanglos zu Ende gehen. Wir hatten zwar ein wenig Sorge, nach einer durchgemachten Nacht nicht endlich schlafen zu können, aber uns wurde gesagt, dass die Wohnung, in der gefeiert werden sollte, frei von den gerade urlaubenden Eltern sei und wir dort auch nächtigen könnten.

Nachdem alle Bedenken in den Wind geschlagen wurden, sagten wir zu und freuten uns auf eine weitere Station unseres jetzt schon denkwürdigen Wochenendes. Unsere neuen Freunde, die „Finsterwalder“ fuhren vor und wir im Käfer „Silver Machine“ hinterher.

 

Wir nahmen die Autobahn Richtung Leipzig, fuhren irgendwo ab und steuerten Herzberg an, wenn ich mich noch richtig erinnere. Die Party erwies sich dann, ein wenig zu unserer Enttäuschung, als ein Treffen im Wohnzimmer ohne laute Musik und ohne Tanz. Andererseits ergaben sich so viele interessante Gespräche und wir lernten noch mehr Leute kennen.

Grufti-Roadtrip: Begieriger Osten, gesättigter Westen

Was mich sehr beeindruckt hat, waren die Begeisterungsfähigkeit und auch der Tatendrang der Gruftis aus den Neuen Bundesländern. Der Mauerfall war ja noch nicht lange her, und wir aus dem Westen waren in gewisser Hinsicht gesättigt, was die Möglichkeit von Konzerten und die Versorgung mit schwarzer Musik betrifft. Ganz extrem fiel mir das in West-Berlin auf: wegen der Insellage zu DDR-Zeiten gab so ziemlich jede Band automatisch auch Konzerte in dieser Stadt. Die Berliner waren daher verwöhnt, weil jeder zu ihnen kam. Sie hatten es einfach, was manchmal fast schon – und das war mein Eindruck – in einer gewissen Überheblichkeit gipfelte. Dass Berlin auch mal der zeitweise Wohnsitz von David Bowie oder Depeche Mode war und Gruppen wie Die Ärzte oder die Einstürzenden Neubauten aus eben dieser Stadt kamen, trug sicherlich auch dazu bei. Anders kann ich mir eine leere Tanzfläche im berühmten „Linientreu“ nicht erklären. Trotz bester Musikauswahl blieb offensichtlich ich die einzige sich bewegende Ausnahme. Das wurde mir auch bei einem Konzert von „Shock Therapy“ nochmal deutlich, das vor einem absolut emotionslos-statischen Publikum stattfand. Für mich unerklärlich.

Gothic Roadtrip #17

Kurz vor der Party im Brandenburgischen Herzberg

Ganz anders nun unsere neuen Freunde: mobil, nicht überheblich und mit Spaß bei der Sache. Genau wie bei uns waren ihnen die Musik wichtig, die Lust zum Tanzen, die Vorliebe für bestimmte Kleidung und insbesondere spitze Schuhe und das Modellieren der Haare. Okkultismus oder irgendwelche Mystik waren kein Thema für uns. Das einzige, was sie ein wenig zu beschäftigen schien und auch ein wenig besorgte, war die ungewisse Zukunft hinsichtlich der politischen Übernahme in die BRD. Aber sobald wir uns zusammen mit unserer Musik beschäftigten, genossen wir das gemeinsam und alle Sorgen oder schlechten Gedanken blieben außen vor.

So auch dieser erste gemeinsame Abend. Leider war das Zusammensein auf einmal vorbei: Die Eltern, die eigentlich noch länger im Urlaub sein sollten, kamen eher als geplant nach Hause und standen auf einmal im Zimmer. Blöde Situation! Ärger gab es keinen, wir haben uns schließlich gut benommen, aber die Feier war aus. Für Hannes und mich am schlimmsten war, dass sich damit auch unsere Schlafmöglichkeit erledigt hatte. Also hieß es: Nach einer Nacht im Zwischenfall und auf der A2, einem Tag auf den Beinen in Berlin und einer weiteren, wenn auch viel zu kurzen Feier im Brandenburgischen Herzberg ab nach Hause! Es war gegen zwei Uhr in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Das ich damals aus chronischem Geldmangel keinen Alkohol trank, zahlte sich nun aus, ich konnte noch fahren.

Nach dem Abschied von unseren neuen Freunden erwies sich die Rückfahrt als ein eigenes Abenteuer. Die Autobahn zurück nach Berlin wollten wir nicht nehmen, weil es ein Umweg gewesen wäre und wir mit der Höchstgeschwindigkeit des Käfers sowieso keinen Vorteil gehabt hätten. Wir wollten über Landstraßen nach Magdeburg fahren und ab dort auf der A2 weiterreisen. Um unsere Situation zu verdeutlichen: Man erinnere sich an das Straßennetz der neuen Bundesländer kurz nach dem Mauerfall, das hinsichtlich Infrastruktur mit dem heutigen Zustand nichts gemeinsam hatte. Nicht zu vergessen: alles ohne Navi! Die Beschilderung war sehr spärlich, und mein Autoatlas führte nur die größeren Städte auf. Wir mussten ständig halten, um uns gerade in den Ortschaften neu zu orientieren. Die nächtliche Dunkelheit trug ihren Teil dazu bei, dass wir sicherlich einige Hinweisschilder übersahen.

Gothic Roadtrip #18

Keine Ahnung mehr, was wir auf einem Bahnhof gemacht haben. Fast schon ein historisches Foto wegen des Kürzels „DR“ im Hintergrund!

Das viele Hin- und Herfahren brachte es mit sich, dass irgendwann der Tank leer war. Auch der volle Reservekanister nützte zunächst nichts, weil der Bowdenzug zum Öffnen des Kofferraumdeckels riss. Glücklicherweise war und ist Hannes ein geschickter Handwerker, dem es irgendwie gelang, in den Kofferraum und damit an das Benzin zu kommen. Mit dieser Notreserve erreichten wir schließlich Magdeburg, steuerten die nächste Tankstelle an – die jedoch an diesem frühen Sonntag morgen noch geschlossen war. Wir beschlossen zu warten und schliefen erst einmal ein wenig. Nach dem Tanken fuhren wir weiter und wechselten uns stundenweise am Steuer ab, weil wir beide einfach völlig übermüdet waren. Einer von uns hat immer geschlafen. Bei Hannover schließlich, keine Stunde mehr bis nach Hause, verließen uns beide die Kräfte. Wir schafften es noch auf einen Rastplatz und mussten erst einmal beide schlafen. Gegen Mittag war ich dann wieder in der Lage, die Fahrt fortzusetzen, und am frühen Nachmittag setzte ich Hannes zu Hause ab.

Von den gefahrenen Kilometern her und von den Ereignissen war es sicherlich das beste Wochenende, das ich erleben durfte. Auch die vielen Bekanntschaften zogen noch Vieles nach sich, unter anderem die ersten beiden Wave-Gothic-Treffen in Leipzig. Der Kontakt zu den Finsterwaldern, die mittlerweile in Leipzig und Crinitz wohnen, besteht immer noch.

„Silver Machine“ gibt es leider nicht mehr, Ende 1991 habe ich sie verkauft. Da seit langer Zeit ein halbjähriger Auslandsaufenthalt geplant war, kratzte ich soviel Geld wie möglich zusammen. Zu Marion habe ich keinen Kontakt mehr, obwohl sie nach wie vor in der Nähe wohnt. Einmal trafen wir uns zufällig in einem Punkschuppen in Hannover, das war´s auch schon. Mit Alf und Hannes unternehme ich nach wie vor sehr viel (siehe auch meinen Beitrag für Gothic Friday März). Gerade eben habe ich mich mit Hannes für „Colosseum Crash“ in Hannover am kommenden Samstag verabredet. Alf wird auch dorthin kommen.

Heute habe ich das Gefühl, dass wir unter der Woche nur auf das Wochenende gewartet haben, um endlich unter andere Leute und zu unserer Musik zu kommen. Damals noch frei von jeglichen Verpflichtungen, konnten wir auch spontan entscheiden, was wir unternehmen. In gewisser Weise war es ein einfaches und sorgloses Leben. Heute bedarf es schon größerer Planungen und weit im Voraus, um zusammen etwas auf die Beine zu stellen. Auch unser Aktionsradius hat sich verkleinert und beschränkt sich auf die Linie Bielefeld – Hannover. Egal – Hauptsache, die Musik stimmt und wir können tanzen!

14 Kommentare

  1. Hey, da hab ich doch tatsächlich jemanden entdeckt, den ich (allerdings eher entfernt) kenne, und zwar den Johannes aus Berlin. Der ist auch immer noch gelegentlich auf Szeneveranstaltungen anzutreffen.

    Ich hab damals leider (noch) nicht (wieder) in Berlin gewohnt, daher habe ich die Treffen auf dem „Breiti“, bis auf eines gegen Ende der 90er verpasst. Letzteres war dann auch eine Geburtstagsfeier von besagtem Johannes.
    Mitte der 90er gab es dann nur die Treffen auf dem Kreuzberg.

    Das war ja ein wirklich ereignisreiches Wochenende! Die Berliner sind ja selten über ihre Stadtgrenze hinaus woanders hin gefahren. Meine Clique hat es wenigstens bis nach Brandenburg/Havel (Indie Tours Festival), Cottbus (Gladhouse) und Potsdam (Zillo Festival und Waschhaus) geschafft. Aber was ich von einer Freundin aus Wülfrath im Ruhrgebiet mitbekommen habe, dass die ständig zwischen den Städten gependelt sind und auch mal weiter fuhren, war in Berlin verpönt. Eigentlich schade, denn wie man sieht, gab/gibt es auch in Brandenburg Szene-Hotspots mit interessanten Leuten.

    Ja, das mit dem scheinbar desinteressierten Berliner Publikum stimmt leider. Da gab es so einige Konzerte, wo das bemängelt wurde. Keine Ahnung, woran das lag.

  2. Das sind doch mal Geschichten wie sie nur das Leben selbst schreiben kann. Und richtig tolle Fotos dazu.

    (Kleinigkeit aber bei dem Gruppenbild vor dem Zwischenfall steht die Bildunterschrift zum Treppenaufgangs-Foto irgendwie nochmal)

  3. Hannes und Alf.. Haben die zufällig ne Band?

  4. Eine Band? Bestimmt so ein nerdiges Hobbyprojekt. Aber sicher Lokalgrößen in dem Schaumburgischen Kaff, aus dem sie kommen. Da hinten schwimmen die Leute doch auf einer ganz anderen Welle. Dass sie zum Colosseum Crash erscheinen, wundert mich aber. Ich dachte immer, die Stadt Hannover ließen sie aus.

  5. Au Mann Creature, Dein Humor und Deine scharfe Zunge sind der Hammer. Herrlich! Ich liebe das, wenn jemand so gut mit Spache umgehen kann und dabei viel Witz hat. Gut, dass Du die Ermunterung der Damen angenommen hast! :)
    Die Stadt Hannover aus-zu-lassen, hat mein vollstes Verständnis – ich habe 3x Jobs dort ausgeschlagen. :) Aber ja, woher Du das Zitat nimmst, ist offenbar. Ich konnte nicht anders, als Deinen Kommentar dem Verfasser, jetzt anwesend auf o.g. Party, soeben am Telefon vorzulesen.

  6. Irgendjemand muss Creature-Aufbau-Wochen ausgerufen haben. Schlussverkauf im Motivationsfachhandel.

    Auch Dir sehr herzlichen Dank für das Kompliment (das mir bei aller Freude gar nicht recht verdient erscheinen will). Hätte ich geahnt, dass die zwei Zeilen eine Live-Kontaktaufnahme zum Lindener Berg initiieren, hätte ich Grüße mitgeschickt, tummeln sich doch dort heute einige alte Weggefährten (auch wenn mir der Verfasser bzw. die beiden späteren Brotkastenschrauber bis dato nicht persönlich bekannt sind).

    Als gebürtiger Regionshannoveraner (im Grenzschaumburgischen) verbindet mich übrigens eine innige Hassliebe mit der inkriminierten Stadt. Ich konnte als Jugendlicher ihre Ereignislosigkeit und Betontristesse nicht ausstehen. Dachte ich. Heute stelle ich bei jedem Besuch dort fest, dass auch brüchiger Beton tauglicher Nährboden für Heimatgefühlsunkraut sein kann („Du meine süße Betonwand/Du passt nicht in mein Traumland“). Und weiß doch, dass es für Auswärtige, mit der Option des Zuzugs konfrontiert, nur eine richtige Entscheidung geben kann und die hast Du offenbar gleich dreifach richtig getroffen.

  7. Ich wollte auf Roberts Vorschlag von diesem kilometerreichen und weit zurückliegenden Wochenende erzählen und keinen Raum für persönliche Differenzen mit was auch immer öffnen. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.

  8. Foto oben, beim Pizzaessen –> Die Hose mit dem roten Einschub an der Seite. Den konnte man doch mit einem Reißverschluß zu machen, oder? Die war früher ne Zeitlang richtig „in Mode“ bei den Jungs. Hach, die hab ich ewig nicht mehr gesehen. Genau genommen 25 Jahre…. :-)

  9. Ja, der offene Reißverschluss ist durch die beiden hellen Linien gut zu erkennen. Alternativ gab´s diese Hose auch mit grauem Stoffeinsatz.

  10. @Mone: Wenn irgendwo ein Reißverschluss offen steht, Simone findet ihn ;)
    @Creature: „ dass auch brüchiger Beton tauglicher Nährboden für Heimatgefühlsunkraut sein kann“ DAS sag ich Dir! Egal wo ich hingehe, wenn ich in diese lächerliche Provinz nahe der holländischen Grenze zurückkomme, fühle ich mich zu Hause. Ich glaube, das muss am Alter liegen. Meiner Theorie zur Folge kehrt jeder irgendwann an die Wurzeln seines Daseins zurück. Das ist so eine Art Zwang. Aber das ist nur eine Theorie. https://www.youtube.com/watch?v=DRbkyY0l1Lg
    @Malte: Raum für persönliche Differenzen gibt es hier nicht. Deine Erinnerungen, Deine Geschichte, Deine Sichtweise. :-)

  11. Sehr schöne Erinnerungen und danke, dass Du für uns Deine alten Bilder herausgekramt hast – so toll, totaler Flashback. Deine Einschätzung mit „begieriger Osten, gesättigter Westen“ kann ich bestätigen, zumindest was die Ost-Seite angeht. Aus dem Westen kannte ich damals noch nicht so viele. Wir im Osten waren wirklich „heiß“ auf alles, was uns jahrelang vorenthalten wurde, egal ob es Klamotten, Musik, Konzerte waren. Diese Sättigung ist auch heute wieder zu beobachten, gesellschaftsweit, also auch in der Szene. Besonders merkt man es in Gegenden wie unserer, Rhein-Main-Gebiet, wo aufgrund der hohen „Gothic-Dichte“ von 3-4 großen Städten (FFM, MZ, WI, DA) jahrelang so viel angeboten wurde im schwarzen Bereich, dass man es sich wirklich aussuchen und leisten konnte, auch öfters mal nicht hinzugehen, weil es eben Parties sind, die monatlich stattfinden. Ist ja auch so, ich nehme mich da nicht aus. Aber es ist schon ein Unterschied zum platten Land, wo man froh ist, wenn überhaupt mal was stattfindet. Ein ganz natürlicher „Sättigungsprozess“, sozusagen.

  12. Malte,
    falls ich mich angesprochen fühlen sollte, möchte ich meinen Worten als Sicherheitshinweis nachträglich ein: „Tongue firmly in cheek“, beistellen. Ich wollte lediglich den saloppen Ton von Herrenhandtasches Frage aufgreifen, die ja eigentlich sagen will: „Ha, erkannt!“, aber klingt wie: „Vielleicht kenne ich die beiden. Jedenfalls gab’s da mal so zwei, die haben damals immer in ihrer Garage Lärm gemacht.“ Das fand ich sehr kunstvoll und wollte diese Anspielung noch ein bisschen reiten, ohne den Spaß durch Nennung des Bandnamens zu verderben. Mit leicht despektierlicher Zunge scherzt es sich im allgemeinen leichter, aber tatsächlich habe ich die Schaumburger schon einige Male auf verschiedenen Bühnen dieses Landes gesehen und meistens mit einiger Begeisterung applaudiert. Persönliche Differenzen habe ich mangels persönlicher Bekanntschaft gleich gar nicht. Verzeih‘ das Hijacken Deines Beitrags. Um dann doch noch etwas zum eigentlichen Thema zu sagen: Es ist stets ein Genuss, Berichte aus Zeiten zu lesen, als ich an so etwas wie Szene noch nicht einmal denken konnte, und die Bilder sind zum einen als Zeitdokument hochspannend und zum anderen mit all den hohen Haaren und so weiter ein ästhetischer Genuss. Die Berliner Übersättigung konnte ich übrigens auch noch über 15 Jahre später dort feststellen. Zwar bin ich mittlerweile selber bei Konzerten eher stiller Beobachter geworden, aber die bisweilen geradezu desinteressierte Atmosphäre in Berliner Konzerthallen erscheint auch mir beispiellos.

    Robert,
    oh weh, Deutschrock. Aber inhaltlich sehr zustimmungsfähig. Ich weiß nicht, ob es eine Art Zwang ist, der wirklich jeden befällt. Aber Menschen, die empfänglich sind für Orte und ihre Stimmungen, werden sicher die Gefühle, die ihr Heimatort, so ihre Vergangenheit ihnen einen solchen beschert hat, in sie eingeschrieben hat, nicht wieder los. Meiner ganz persönlichen Theorie zufolge ist genau das sowohl der Grund, warum es einen in jugendlichem Drang in die Ferne zieht, als auch warum man diese Gegend in späteren Jahren immer wieder umkreist, ganz gleich wo es einen sonst hinverschlägt. Aber wer weiß, wie es damit Menschen geht, die in jungen Jahren wenig sesshaft waren? Und solchen, die neben allem Ärger, den wohl jeder mit seinem Aufwachsen verbindet, wirklich überhaupt keine schöne Erinnerung an ihre Jugendzeit besitzen?

  13. @Creature: Hihi, ja allerdings, meine musikalische Bandbreite umfasst auch dieses Genre. Ich stimme Dir übrigens 100% zu, denn auch ich glaube, dass es die Meisten an die Orte, die ihrer Heimat nahekommen, zurückzieht. Früher oder später. Ausgenommen die, die mit ihrer Jugend keine schönen oder sehr wechselhafte Erinnerungen verbinden. Die werden wohl auch mit einem Nomaden-Leben sehr glücklich werden können. Nehme ich jedenfalls an. Oder anders gesagt: Das ist jedenfalls mein Eindruck, wenn ich über Freunde und Bekannte nachdenke, die diese Erfahrungen mit mir geteilt haben. Da gibt es die Großstadtkinder mit schlechten Erfahrungen, Hass, Mobbing oder anderen „dunklen“ Kapiteln ihrer Jugend, die jetzt in völlig anderen Umständen leben und sich damit äußerst wohl fühlen. Und es gibt die, die schon als Kind mehrfach umgezogen sind und die Wechselhaftigkeit in Bezug auf „Heimat“ mit in ihr Leben übernommen haben. Obwohl – so richtig glücklich scheinen mir manche damit nicht zu sein.

    Ich selbst hatte keine perfekte, aber eine behütete und sorglose Zeit, die mich wohl fest mit der „Gegend“ aus der ich komme und den „Umständen“ in denen ich aufgewachsen bin, verbinden. Die Stadt (<200.000 Einwohner) ist für mich besser als eine ländliche Umgebung, in der ich auch ein paar Jahre gewohnt habe, aber nie wirklich wohl gefühlt habe.

  14. haha…also an den Trip in die DDR kann ich mich auch noch prima erinnern! Aber das war glaube ich mit dem roten Golf, da ist uns die Vopo mit BLAULICHT(!!) hinterhergefahren! :D
    Den Verstoß weiß ich gar nicht mehr (wussten wir allerdings auch nicht), aber sie mussten Verstärkung holen weil sie nicht wussten was sie machen sollten… :D
    Und dann endlich angekommen stand glaube ich ein Schild vor der Tür „Veranstaltung wegen Überfüllung geschlossen“ – naja, oder sowas ähnlich seltsames jedenfalls :D
    Na und an den Käfer kann ich mich aber auch noch prima erinnern weil man da nicht halb quer im Auto sitzen musste ;)
    Lustige Zeiten waren das! Malte ist immer gefahren, Hannes mit seinen Blauen Säcken voller Tapes und Alf mit seinen Sprüchen… xD Frage mich nur manchmal was aus Isa geworden ist :-/

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