Doku-Countdown zum WGT: Wave Gotik Treffen 2000

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Der Januar ist doof, ich mag den Januar nicht. Eigentlich kenne ich niemanden der den Januar mag. Der Januar ist der Montag unter den Monaten. Aber wie Montage sind auch Januare ein neuer Anfang. Ein Auftakt. Nein, nicht zum abnehmen, nicht um endlich mehr Sport zu machen, weniger zu rauchen, mehr Zeit mit Familien und Freunden zu verbringen oder was auch immer man sich vornimmt, was man dann eh nicht tut. Deswegen erscheint der Artikel auch erst im Februar. Ich mag den Januar eben nicht.

Aber immerhin beginnt im Januar, zumindest für mich, so ganz langsam der Countdown zum nächsten Wave-Gotik-Treffen. Angefeuert wird die dezente Vorfreude von den ersten Bandbestätigungen. Dieses Jahr ganz besonders, sind doch für mich bereits jetzt einige Highlights dabei. Um die Vorfreude weiter zu steigern habe ich daher in den tiefen von Youtube eine Reihe Videos zu vergangenen WGTs ausgegraben, die ich euch nicht vorenthalten möchte und die euch die Zeit bis in den Juni von Monat zu Monat verkürzen sollen. Wir beginnen mit dem Jahr 2000. Noch 119 Tage.

Das „Chaos-WGT„. Irgendwie scheint es mir auf den ersten Blick, hat sich nicht viel verändert. Der Hauptbahnhof an dem viele der Besucher ankommen, sieht halt aus wie er aussieht, die Schlangen sind lang, das Straßenbild schwärzer als üblich. Aber irgendwie ist es doch anders. Das liegt sicher nicht (nur) daran, dass es dieses besondere WGT war. Im Gegensatz zu heute sieht man in den Aufnahmen mehr Samt, mehr dezentes Schwarz. Netz schien damals noch wesentlich angesagter und auch Glöcken sind heute nicht mehr der letzte Schrei. Die Federflügel, die damals noch beliebt waren, sind heute durch imposanten Kopfschmuck abgelöst worden. Auch große Kreuze kommen erst seit kurzem wieder in Mode scheint mir. Haben sich die Äußerlichkeiten wirklich so sehr verändert, oder nehmen wir es heute nur anders wahr? Mir zumindest erscheint das Auftreten der gezeigten Besucher wesentlich unaufgeregter als heute. Ist das nur die Verklärung einer Zeit, die ich so nicht miterlebt habe? Vielleicht war der ein oder andere ja dabei und kann berichten? Wie empfindet ihr es rückblickend? Wie empfinden es andere, die das WGT zu dieser Zeit auch noch nicht erlebt haben, beim betrachten der Aufnahmen?

Viele Leipziger wirkten damals schon recht offen und neugierig. So finden es einige „sehr interessant die Leute anzuschauen“ und bewundern, dass sie sich Besucher nicht verbiegen lassen. Anderem wiederum scheint die ganze Sache etwas suspekt: „Ist nicht meine Art aber wir finden es halt lustig. Was heißt lustig, das ist die Auffassung von denen und wie gehören halt so nicht dazu, aber wir akzeptieren das und tolerieren das.“ Und teilweise klingt deutliche Skepsis durch. „Was man davon halten soll, ich weiß es nicht“ gibt ein älterer Herr zum besten und seine Begleitung weiter: „Manche sehen ganz süß aus. Aber manche, da könnte man sich kaputt lachen, wie manche rumrennen.“ Wenn ich die Bemerkungen so höre, muss ich daran denken, dass man sich in meinem Umfeld auch einige Jahre später noch unter Teenagern erzählt hat, dass es am Bahnhof eine „Satanistenkneipe“ gäbe. In dieser Hinsicht scheint mir hat sich also schon einiges verändert. Ich empfinde die Reaktionen und Ansichten zumindest als wesentlich entspannter. Als neugieriger. Als offener. Vielleicht, weil die mediale Präsenz größer geworden ist. Vielleicht weil viele erwachsen geworden sind und man auch im beruflichem Umfeld gemerkt hat, das es sich nicht nur um rebellische Teenager in einer provokanten Phase handelt. Oder doch weil sich die Szene einer deutlichen Kommerzialisierung und damit einem breiteren Publikum geöffnet hat?

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Tanzfledermaus
Gast
Tanzfledermaus

Das 2000er WGT… das erste seit 1993, an dem ich nicht mehr hingefahren bin. Warum nicht, weiß ich nicht mehr genau, aber ich glaube, ich musste damals am Pfingstsamstag arbeiten. Meine Schwester fuhr dafür hin und berichtete mir später von den Begebenheiten, wie alles erst den Bach runter ging und dann trotzdem weiterlief und insofern auch besonders wurde. Danach übernahmen andere die WGT-Organisation und ich verlor das Interesse: alles wurde kommerzieller, größer und bunter, was dann in der Cyber-Flut und einer Karnevalsstimmung gipfelte. Ich hatte das WGT echt lange abgeschrieben. So lange, dass ich erst 18 Jahre später, unter anderem durch den Austausch hier bei Spontis ermuntert, mir ein Bild der aktuellen Lage machen wollte. Auch die vielen neuen, hoffnungsvollen Retro-Bands aus dem Gothic Rock, Postpunk und Synthwave-Lager trugen dazu bei, dass ich wieder mehr Lust aufs WGT und die Leute dort bekam, weil sich die Stimmen mehrten, dass wieder mehr „Oldschool“ angesagt wäre und man den Karneval (Agra-/Moritzbastei-Catwalk und Viktorianisches Picknick) bloß zu meiden bräuchte, um durchaus auf seine dunklen Kosten und Stimmungen zu kommen. Nun ja, was soll ich sagen, es ist dieses Jahr nun schon das dritte Mal in Folge, dass ich wieder zum WGT fahre ;-) Und ich hör mir brav alle Bands vorher an, die ich noch nicht kenne, da ich gemerkt habe, dass da in den letzten Jahren so einiges an Perlen dabei war, die sich sowohl auf Tonträgern als auch live sehr gelohnt haben. Hinzu kommt, dass ich mich auch darauf freue, die eine oder andere WGT-/Spontis-Bekanntschaft der letzten Jahre wieder zu treffen. Also, ich freue mich schon auf Pfingsten :-)

Robert
Webmaster

Das WGT bleibt der Schmelztiegel der Szene, egal ob nun mit oder ohne Bändchen. Ich möchte mal sagen, Pfingsten sollte man sich als Grufti in Leipzig aufhalten. Das WGT ist ja mittlerweile nur eine Veranstaltung, die im Rahmen der Pfingsttage in Leipzig stattfindet. Kommerziell sind sie geworden, aber wie sind auch „erwachsen“ genug, diesem Sog zu entgehen und wahrzunehmen, was unter der Oberfläche oder wahlweise zwischen den Zeilen stattfindet.

Die Professionalität und Kommerzialisierung des WGT sichert uns irgendwo ja auch genau dieses Phänomen: ALLES was mit der Szene zu tun hat (sei es nun gut oder schlecht) findet zu Pfingsten in Leipzig statt. Wer weiß, wo wir sein würden, wenn das WGT 2000 aufgehört hätte, zu existieren.

T.S.
Gast
T.S.

Irgendetwas muß bei mir im Zeitraum der Jahre 1999 -> 2000 passiert sein. Oder auch nicht (?): das allerletzte Mal, daß ich am WGT als Besucher teilgenommen habe, war in 1999. Soweit so gut, die allgemeine Optik, an die ich mich im Laufe der damaligen Jahre gewöhnt habe, kommt dem oben gezeigten Video auch in meiner Erinnerung 20 Jahre zurück noch so in etwa hin, aber das Gefühl und die Lust für eine solche relativ „spezielle“ (wie auch immer der geneigte Mitleser dies jetzt auffassen mag…) Veranstaltung ist seit den damaligen Zeiten dahin.
Letztendlich finde ich mich im Beitrag von Tanzfledermaus teilweise wieder, nur mit dem Unterschied, daß ich nach viermaliger „Teilnahme“ in den 1990er Jahren, danach überhaupt kein Verlangen mehr verspürt habe, zum WGT zu fahren. Halt, stimmt so auch nicht ganz, denn Überlegungen waren da, wie es denn wäre, würde ich nach etlicher Zeit mal wieder Pfingsten dort verbringen.
Kontraproduktiv würde das ausfallen: Musik und Konzerte gingen vielleicht ok, der Bohei drumherum, bzw. vor Ort, ging mir bereits ab 1994 schwer auf den… – auf’s Gemüt.
Meinetwegen, ich hatte nette Begleitung und auch den einen oder anderen Spaß während meiner Teilnahmen, manches war erbaulich, entspannt, lustig, lehrreich, aufsehenerregend, erschreckend, kostspielig, aber teilweise auch einfach nur ernüchternd, langweilig, nervtötend, grenzwertig, deppert, schlechte Laune erzeugend, bis hin dazu, gleich am zweiten Tag am liebsten wieder nach Hause zu fahren und daheim sich besser auf’s Fahrrad zu schwingen und in den nächsten Biergarten zu fahren, weil’s dort kommoder und bisweilen interessanter zugeht… (die „Szene“ spiegelt nämlich auch nur die Gesellschaft wider – gerade wenn sie in geballter Ladung anzutreffen ist, wird dies besonders deutlich…)
Ich will jetzt nicht anfangen, Schwänke von damals zum Besten zu geben, aber mein allumfassendes Fazit ist: das WGT und ich, das wollte nie recht zusammenpassen.
Aber was hatte ich falsch gemacht? Rüschte mich zur ach-so-passenden Gelegenheit auf, wie gefühlt 99% der anderen Besucher, ging zu den „richtigen“ (-> mich interessierenden Konzerten), kaufte Platten en gros, wurde fotografiert, gar gefilmt, hatte in einem Jahr gar so eine Art „VIP-Ausweis“ um den Hals, trank Alkohol an Ständen, bemüssigte mich genauso wie gefühlt 99% der anderen Besucher an oberflächlichem smalltalk wenn’s an der Zeit war und wandelte durch die Hallen, wie so manch Tagesbesucher der IAA (zur Erläuterung, wer’s nicht weiß: Internationale Automobil Ausstellung). Kurz: war „gruftig“, wie man eben „gruftig“ sein kann – besonders dort: zum WGT in Leipzig…
Und, mein lieber Robert, so gelange ich an Deinem Beitrag an: leider muß ich Dir widersprechen, ohne jetzt Deinen Enthusiasmus schmälern zu wollen. Keineswegs ist das WGT der Dreh- und Angelpunkt der (wahren) „Szene“ (was auch immer davon noch übrig geblieben ist), zumindest für mich nicht. Um mal bei meinem vorletzten Satz zu bleiben: das WGT mag vielleicht wie die IAA als „Highlight“ funktionieren, aber Auto wird auch über’s Jahr gefahren. Nicht immer mit einer Premium-Protzkarosse, aber eine altersschwache Rostlaube kann den einen oder anderen auch über den Winter bringen. Hinkender Vergleich? Meinetwegen. Aber worauf ich hinaus will: die „Szene“ würde auch ohne das WGT noch stattfinden, vielleicht sogar in manchen Belangen zu bestimmten Begebenheiten „authentischer“. Denn, es ist nicht nur der Schein, das Großereignis, der „fokussierte Punkt“, sondern es kommt darauf an, wie die Einstellung und das Gefühl, etc. dafür ausgelegt ist. Ich kenne massig Leute in meinem Bekanntenkreis, die waren noch nie auf dem WGT und sind mehr „Goth“ als ein aufgedonnerter vielgefilmter/fotografierter Dauergast, der dort Hof hält und davon möglicherweise ein ganzes Jahr lang zehrt (und auf das Schaulaufenpublikum muß ich jetzt wohl nicht gesondert noch eingehen, oder…?).
Letztendlich – ganz nüchtern und ohne jetzt den Angeber raushängen lassen zu wollen – ich selbst bin mehr oder weniger seit Anfang/Mitte der 1980er Jahre sozusagen in die „Szene“ involviert, habe jahrelang aktiv den einschlägigen DJ in meiner Freizeit gegeben, Konzerte mit veranstaltet, bin ebenso in meiner freien Zeit für diverse Szenegazetten (auch namhafte) journalistisch tätig gewesen (in einer alten Ausgabe eines derartigen Blättchens hatte ich auch mal einen Bericht über das WGT geschrieben – mir ist das Jahr entfallen, kann auch nicht nachsehen, da ich sämtliche Magazine schon vor sehr langer Zeit aus Platz- und Umzugsgründen weg gegeben habe). Mir ging es da schon um was – auch ohne WGT! Alles aus Überzeugung und mit wahrem „Herzblut“ (WTF: jetzt bloß nicht pathetisch werden…).
Wie auch immer, ich hatte immer noch mehr ehrlichen „Szenegeist“ weitab solcher Großveranstaltungen erlebt (und tue das bis zum heutigen Tag noch immer), sei es auf Konzerten in winzigen Clubs, in gesellschaftlich kleiner Runde zuhause, bei ausufernden Gesprächen, auf langen Autofahrten zu irgendwelchen jwd-Läden in der Pampa – ja sogar bei Liga-Fußballspielen im Stadion mit „Grufti“-Freunden hatte ich bereits intensivere „Szene“-Momente gehabt, als mir es sowas wie das WGT jemals geben könnte.
Auch – und gerade – da ich optisch mittlerweile (auch altersbedingt – oder „erwachsen“ wie Robert sich ausdrückte) schon längst in den optikfokussierten Augen so manches ach-so-undergroundigen oder -„rebellischen“ Aufdonner-/Mitläufer-/parttime-Goth als reinrassiger „Stino“ (sic!) durchgehen würde…

Anyway, Viel Spaß beim diesjährigen WGT Euch allen, ich weiß, jeder macht sicherlich das Beste daraus – ich z.B. daheim.
Und Flederflausch: Danke für den Beitrag, bin mal gespannt, was Du uns noch für Filmchen vorführen wirst, freue mich wirklich drauf.

Nossi
Gast
Nossi

Tut mir leid, ich kanns nicht lassen und muss meinen nörglerischen Sempf, eine andere Sicht der Dinge, dazu geben – man möge mir verzeihen. Ich selbst kann die Intention des WGT nicht (mehr) verstehen. Wenn man sich ONline erkundigt, versteht man schnell, einstmals ein Treffen für Gruftis und Waver. Davon ist wohl nicht mehr viel übrig geblieben. Ich hab mich selbst nie als Grufti oder Waver gesehen, eher als düsteren romantischen Punk Noir und Gothic-Rock Sympathisant mit einem starken Faible für die Fields und And Also the Trees (Outfit). Die Bands und Leute die man auf neueren Fotos und Videos sieht, mit denen würd ich zu 95% keinen Rotwein schlürfen wollen. So dermaßen viel Arroganz und Wichtigtuerei… wir werden auch dieses Jahr keinen Cent verschwenden um dort herum zu hängen. Ich find auch die musikalische Auswahl höchstens zu 2% interessant -oder schlimmer, überhaupt nicht Wave und Gothic relevant. Was soll ich denn mit Megaherz und cradle of filth etc… Da kann ich die Veranstalter beim besten Willen nicht verstehen. Entweder man macht etwas richtig oder lässt es einfach. Ich finde wirklich, die sollten dieses Fest umbenennen, in MediaMarkt chartmetal Event oder so, so dermaßen angeekelt bin ich davon. Ich kenne übrigens nur einen einzige Person namentlich und persönlich, welche sich diesen Irrsinn antut, alle anderen die ich so kenne, lehnen es ab dort einher zu gehen…. Ich will niemand persönlich angreifen, wenn es für manche passt sich dort zu treffen, fein. Aber ich muss es aus Prinzip boykottieren :)

BlueLotus
Gast
BlueLotus

Um es kurz zu machen: Ich freue mich nach wie vor aufs WGT. Wer seit Jahren nicht mehr dort war und sein Urteil über den Status Quo der Veranstaltung auf Grundlage medialer Berichterstattung bildet, sollte bedenken, daß dies ein sehr verzerrtes/ einseitiges Bild wiedergibt. Gefilmt/ fotografiert/ interviewt werden zumeist erstaunlicherweise gerade die Leute, die nicht für die Szene stehen bzw. ist es auch nicht möglich die stillen/ intimen/ zufälligen/ überraschenden/ kleinen/ persönlichen/ lustigen/ euphorischen Gefühle und Momente wiederzugeben, die man eben nur vor Ort erfahren kann ;)
In einem Punkt stimme ich allerdings zu: Die Bandauswahl hat leider wirklich nicht mehr viel mit Gothic zu tun- sehr schade!

The Drowning Man
Gast
The Drowning Man

Das es nicht mehr ein wirkliches Treffen im eigentlichen Sinne ist, hängt neben anderen Faktoren auch mit dem eigentlich banal erscheinenden aber trotzem erwähnenswerten Umstand zusammen, das es ja das Wave-GOTIK-Treffen ist. Ich meine Waver können sich mit Gothics treffen aber nicht mit Gotik, weil es diese Selbstdefinition ja nicht gab. Somit konnte man dieses Festival zwar leichter in das Leipziger Kulturprogramm integrieren, da die Normalbevölkerung nicht mehr durch ein „abgefahrenes“ Wort wie Gothic (mit englischem th) abgeschreckt wird (so war zumindest immer meine Vermutung)..aber verliert dadurch auch den Bezug zur Realität und wird somit zu einem Dachbegriff für „Leipziger Allerlei“ was irgendwie düster ist. Das leipziger Stadtfest der Dunkelheit..mit viel Grrruuusel.

Stefan Kubon
Autor

2000 war ich lange unentschlossen, ob ich aufs WGT oder aufs Mera Luna gehe.
Ich habe mich dann aber fürs Mera Luna entschieden, denn das Line-Up war für mich einfach perfekt: Mission, Fields, Sisters, Tiamat und Anathema. So viele meiner Lieblingsbands auf einem Festival, das habe ich später kaum nochmal erlebt.

In den folgenden Jahren war ich aber kaum noch auf dem Mera Luna. Ich bin dann fast immer aufs WGT. Letztlich gefällt mir die Gesamtkonzeption des WGTs viel besser als die des Mera-Luna-Festivals. Beim WGT ist alles über die ganze Stadt verteilt. Die verschiedenen Veranstaltungsorte sind interessant, teilweise sogar sehr schön. Beim Mera Luna ist man auf einem Gelände zusammengepfercht, das vielleicht nicht wirklich hässlich ist, aber das man wohl kaum als schön bezeichnen kann. Ich finde, dass das WGT – trotz gewisser Schwachpunkte (ich will die Parkbühne zurück!) – wirklich etwas ganz Besonderes ist.

Tanzfledermaus
Gast
Tanzfledermaus

Ich habe gerade angefangen, die mir noch unbekannten, bisher angekündigten Bands probe zu hören. Schon die erste Band in der aktuellen Liste, „A Slice of Life“ und „creux Lies“ klingen vielversprechend, wavig – und auch Automelodi scheinen sich sehr an den 80ern zu orientieren. Bragolin haben auch was. Innerhalb von wenigen Minuten schonmal vier interessante neue Retro-Bands entdeckt. Das finde ich am WGT gerade gut, dass nicht immer nur die üblichen z.T. fragwürdigen Headliner spielen (die man auch beim Mera Luna, Amphi oder anderen größeren Festivals ständig vorgesetzt bekommt), sondern auch eine Menge undergroundige Bands eine Platform bekommen, die ich sonst vermutlich nicht so bald für mich entdeckt hätte.

Robert
Webmaster

Nossi : Was sind die Alternativen? Zu Hause bleiben und die Gelegenheit verpassen, die Szene in ihrem aktuellen Zustand zu beobachten? Keine wirkliche Alternative für mich. Ich respektiere jedes „fernbleiben“ vom „Karneval“, doch warum platzen dann kleine, unkommerzielle und liebevolle Festivals nicht aus allen Nähten? Warum entscheiden sich so manche WGT-Fernbleiber für das Mera Luna oder das Amphi, das von seiner musikalischen Auswahl noch unterirdischer ist?

Für mich bleibt das WGT Konkurrenzlos. Leipzig, eine Stadt in Schwarz, 20.000+ Besucher, unzählige Veranstaltungen, Ausstellungen, Lesungen und auch alternativen Veranstaltungen zu Pfingsten OHNE Bändchen. Bei rund 200 Bands sind auch sicher Fehlgriffe dabei, doch auch hier spielen häufig Bands, die du zuerst auf dem WGT entdeckst.

Ich kann Deine Kritik daher nicht wirklich teilen. Das WGT ist nach wie vor ein Treffen für Gleichgesinnte, auch abseits des „Trubels“ – Vielleicht tauchen davon aber recht wenig Bilder auf, weil das ja keiner sehen will :)

Tanzfledermaus
Gast
Tanzfledermaus

Soooo… ich hab mir nun von dem bisher Angekündigten mal alles angehört, was ich noch nicht kannte. Von den mittlerweile 90 bestätigten Künstlern sind 23 dabei, die ich gerne sehen würde, hinzu kommen 10, die ich als „Lückenfüller“ mitnehmen würde. Also ist bislang für mich ca. 1/3 von Interesse.

Tolle neue Entdeckungen waren bisher für mich:
A Slice of Life (dunkler Wave), Automelodi (Synthwave), Bragolin (Wave), Creux Lies (Wave), Empathy Test (Synthpop), Geometric Vision (Postpunk), Ground Nero (Gothrock), Kaelan Mikla (Synthwave auf isländisch!), October Burns Black (Gothrock), Pleasure Symbols (Synthwave), Sally Dige (80ies Wavepop), Selofan (Synthwave), Still Corners (Dreampop), Tamaryn (Dreampop/Shoegaze), The Bellwether Syndicate (Gothrock), Void Vision (Synthwave mit EBM-Einschlag).

Also ich für meinen Teil kann sagen, dass sehr viel interessantes aus dem Retro-Bereich dabei ist, vor allem Synthwave scheint wieder schwer angesagt zu sein. Aus Deutschland scheint allerdings viel wirklich grottiger Neue Deutsche Härte- und Hellectro-Kram dabei zu sein, da hat mich einiges ziemlich gegruselt. Okay, lässt sich ja vor Ort zum Glück gut umgehen ;-)

Nossi
Gast
Nossi

Robert Es gibt durchaus Alternativen. Ich kann übrigens auch nicht verstehen, warum diese Alternativen meist doch sehr spärlich besucht sind. Warum in diesem Zusammenhang amphi und luna immer wieder Erwähnung finden, kann auch ich nicht verstehen, diese Veranstaltungen interessieren mich selbstverständlich noch weniger. Wie erwähnt, wenn man Freude daran hat, nur zu, ich wills niemand schlecht machen. Mich wird man dort eben nicht antreffen, weil ich kein Interesse daran habe. Übrigens interessiert es mich nicht im geringsten, ob meine Kritik irgendjemand teilt oder nicht teilt. Ich finde es eben nur wichtig, dass jemand auch mal laut und deutlich die Entwicklung kritisiert. Immer nur zu allem Ja und Amen sagen, liegt nicht in meiner Natur.

Robert
Webmaster

@Nossi: Welche Entwicklung kritisierst du denn ganz konkret? Ist es die Bandauswahl? Oder die Menschen, die kommen? So kam es jedenfalls in Deinem ersten Kommentar rüber. Und wenn du Entwicklung nicht gut findest, gehe ich davon aus, du beziehst Dich auf eine Vergangenheit? Was war denn da „besser“ oder „anders“?

Ich bin etwas verwirrt, glaube ich doch, dass man auch musikalisch auf dem WGT (bei rund 200 Bands) durchaus glücklich werden kann. Wenn ich also sage, dass ich Deine Kritik nicht nachvollziehen kann, heißt das nicht, dass ich sie ablehne. Im Augenblick weiß ich aber leider nicht genau, was du kritisierst. :)

T.S.
Gast
T.S.

Sind wir nicht auch, als wie auch immer geartete „Szeneinvolvierte“, „Insider“, „Interessierte“ oder was auch immer, ob primär Musikinteressiert oder auch nur am Styling und/oder der aktuellen Präsentation dessen, was sich ganz global „Gothic“ bezeichnet, mittlerweile dort angekommen, daß wir nun auch einer Aussage einer älteren Dame folgen können, gar mit unterschreiben könnten, die da lautet „manche sehen ganz ’süß‘ (sic!) aus, aber manche, da könnte man sich kaputt lachen, wie die rumrennen“? Auch wenn dieses Statement schon 20 Jahre alt ist, an diesem Punkt kann ich oftmals diesem Satz nur zustimmen.
Ok, haben wir nach all den Jahren verstanden, daß es nicht mehr dasselbe ist, wenn wir von „Szene“, „Wavern“, „Gothics“, usw. sprechen, wenn es den Zustand dessen, was uns früher mal vertraut und „lieb gewonnen“ war, so nicht mehr gibt. Irgendwelche nostalgisch verbrämten und z.T. auch nicht wirklich authentische „Retro“-Anwandlungen mal aussen vor lassend, die ja von denjenigen, die das zur Schau tragen, aufgrund der späten Geburt nicht selbst erlebt werden konnten. Ich will nun nicht anfangen, den Anachronismus dieses schwammigen „Szene“-Gebildes erneut durchdiskutieren zu wollen, aber jeder für sich persönlich darf darüber gerne sinnieren, bzw. kritisch reflektieren.
Und so kommt man an einem Punkt an, an dem man die Großveranstaltungen „WGT“, „M’era Luna“ und „Amphi“ durchaus als unsympathisch sehen darf. Insoweit kann ich Nossi’s Kritik absolut nachvollziehen.
Natürlich ist das WGT im Laufe der Zeit so groß geworden (um nicht von aufgebläht zu sprechen), daß sich jeder seine Präferenzen bequem aussuchen kann und ein einigermassen „personal WGT“ erleben kann.
Jedoch, und das sehe ich nun im Globalen – natürlich auch rein subjektiv – ist die Erscheinungsform einer solchen VA wie dem WGT ein Weg in die Beliebigkeit, Verwässerung, eine reine Anbiederung an Teile der „Eventkultur“, für einen gewissen Teil des Zielpublikums (wir wissen alle, wen ich meine…) nur noch eine Art saisonaler parttime-lifestyle, was nur noch relativ wenig mit dem vielbeschworenen „Underground“ zu tun haben mag. Ich will mich hierbei allerdings wohlweislich und wohlwissend nicht den Stimmen anschliessen, die pauschal eine Verkommerzialisierung anprangern, denn ohne Kommerz läuft so was bekanntermassen nicht mehr!
Auch die Kritik daran, daß die Auswahl an Künstlern nur einseitig, langweilig oder gar „schrottig“, etc. sei, ist nicht wahrheitsgemäss. Wie heisst es immer so schön: „für jeden Geschmack was dabei“. Und so ist das beinahe auch. Sicherlich würden mich einige Auftretende interessieren, andere vollkommen abschrecken.
Aber mir persönlich (bitte diese Aussage auch so werten, wie ich sie treffe: rein subjektiv!) ist gerade dieses „für jeden was dabei“ einfach zu beliebig. Ich kann einer VA nichts abgewinnen, unter deren gemeinsamen (!) Schirm durchaus aufstrebende und vielversprechende Newcomer präsentiert werden (z.B. Kaelan Mikla, Bragolin, Karies, etc.), musikalisch „wichtige“ Hochkaräter sich mal wieder ein Stelldichein geben (auch wenn diese ihre besten Zeiten schon hinter sich gelassen haben… – z.B. Nitzer Ebb, UK Decay, The Cassandra Complex) und ein gewisses Maß an Substanz geboten wird, neben absolut geschmäcklerischem zielgruppenorientiertem und weitgehend substanzlosem Programm (und das nicht nur künstlerisch/musikalisch). Ich weiß, ich weiß, ich könnte bei dem riesenhaften Package an verschiedenen Veranstaltungen für mich nach meinem Gusto die Spreu vom Weizen trennen, allem was mir zuwider ist, weitläufig aus dem Weg gehen, käme gar nicht in die Versuchung mit mir unangenehmen Besuchern einen Rotwein zusammen trinken zu müssen… ;-) – aber ein doch irgendwie fokussierter Zeitpunkt/Ort -> kurz das WGT, zu dem z.B. das Programm vorsieht, daß dort Fehlfarben ihr „Monarchie und Alltag“-Album (mit das Beste, was jemals auch an Pop-/Rockkonsens-relevantem deutschsprachigen „Wave“/“Postpunk“ veröffentlicht wurde) aufführen werden, neben (für mich) und sehr diplomatisch ausgedrückt: vollkommen redundanten Künstlern wie z.B. Agonoize, Cradle Of Filth, Grausame Töchter, Hämatom, Megahertz, Schandmaul, Schattenmann und (ausgerechnet – das fehlte gerade noch…) Nachtmahr!
Ja, doch, das weiß ich auch, hier mag man mich vielleicht als engstirnig, eigensinnig, möglicherweise gar als „intolerant“ (hehe…) ansehen wollen, aber das sind für mich durchaus Gründe, ein derartiges „Szene“-Event zu meiden (und ich rede hier jetzt nicht von „Boykott“ – das wäre auch wieder albern, nicht wahr?).
Vielmehr ist es mir genehm, die für mich im Laufe der vielen Jahre gewonnene (Szene-)Substanz zu wahren und dieser ganz nach persönlichem Gutdünken nachzugehen. Vielleicht auch eine Art „Bewahrerinstinkt“, auch ohne in den „Früherwarallesbesser“-Trott hinein zu mäandern.
Und, lieber Robert, um die „Szene“ (zumindest gewisse Teile davon…) in ihrem „aktuellen Zustand“ zu „hautnah“ zu erleben, nun, dazu benötige ich das WGT nicht. Ich erlebe lieber die Teile anderweitig (und auch vor Ort…) dort, wo es mir erlebenswert erscheint. Auch eine Art Abgrenzung, von der wir doch immer wieder so gerne sprechen und noch immer zehren, oder…?

Zum Schluß meines Kommentars möchte ich jedoch noch auf einen Aspekt eingehen, der mir auf diesen Seiten bereits öfters begegnet ist: immer mal wieder kommt das „Metal-Thema“ auf. Kurz, die Kritik am bereits vor langer Zeit begangenen Gothic/Darkwave/Metal-„Schulterschluß“, den bei weitem nicht alle Teile der „Szene“ so heiß und innig geliebt haben (auch ich nicht!), aber damals haben wir alle – wie so oft – untätig geschehen lassen, was bis heute noch grossen Teilen der „Szene“ aufstösst. Und mit der Zeit habe ich persönlich beschlossen, nicht mehr bei allem einfach nur passiv zuzusehen. Von dieser Warte aus gesehen: sollte ich ich deshalb vielleicht doch mal wieder zu Pfingsten nach Leipzig, hmmmm…? ;-)

The Drowning Man
Gast
The Drowning Man

Och jo, es gab schon so einigen guten (sogenannten) Gothic-Metal…Tiamat (Wildhoney) oder My Dying Bride (The Angel And The Dark River) z.B.. fand ich jetzt auch schon damals anno 1995 ziemlich gut. Nur gewann man ab einem gewissen Zeitpunkt den Eindruck, die „Szene“ steht nur auf die extrem kitschigen Vertreter dieses Genres.