27 Februar

Clubsterben: Vom Tod der Clubs und der Suche nach ihren Mördern

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ClubsterbenEs vergeht kein Monat ohne Hiobsbotschaft. Irgendwo meldet ein Club Insolvenz an, eine engagierte Party-Reihe wird nicht mehr fortgesetzt und reihenweise Discothekenbetreiber und Konzertveranstalter schmeißen die Flinte ins Korn. Kein Publikum mehr vor der Bühne, keine Leute auf den Tanzflächen und die Vorräte in den Kühlschränken der Theken stehen kurz vor dem Verfallsdatum. Schwarze Tanztempel schließen ihre Pforten, werden nicht wieder aufgebaut oder wechseln ihre musikalische Ausrichtung, um zahlungswilliges und ausgehwilliges Publikum anzulocken. 2015 war erst vom Sterben der Großraumdiscotheken die Rede, jetzt ist der Begriff „Clubsterben“ auch bei mittleren und kleiner Läden angelangt. Allerorts wird über die möglichen Gründe spekuliert. Betreiber, DJs und Besucher schieben sich gegenseitig die Schuld in die Pikes, ein gemeinsames Feindbild scheint es nicht zu geben. Außer die Anderen, die sind ja eigentlich immer schuld. Spontis begibt sich auf Spurensuche nach den Mördern der Clubs, sammelt Fakten, spricht mit Zeugen und fragt sich: Warum war früher alles besser und ist heute wirklich alles zum scheitern verurteilt?

Die Situation ist angespannt

Clubbetreiber sind dünnhäutig geworden. Läuft ein musikalisches Konzept nicht zufriedenstellend, wird es abgesägt, ausgetauscht und ersetzt, mitunter im Wochentakt. Bleiben die Besucher dauerhaft aus und funktionieren selbst radikale Programmwechsel nicht, werden die Läden geschlossen, verkauft oder melden Insolvenz an – in der Hoffnung, dass finanzstarke Investoren den Traum von der eigenen Discothek weiter tragen. Das Durchhaltevermögen alt eingesessener Tanztempel von damals ist Geschichte. Die Voraussetzungen waren natürlich auch andere: die Mieten waren geringer, langfristige Pachtverträge sicherten die Existenz, Bestandsschutz verschonte vor aufwendigen Sanierungskosten durch neue Brandschutzverordnungen. Auch die GEMA griff den Betreibern nicht so tief in die Taschen, wie heute. Das TIC in Duisburg bezahlt beispielsweise mit seiner Fläche von rund 600qm und 2 wöchentlichen Öffnungstagen schätzungsweise 1.200€ im Monat nur für die Musik, die gespielt wird.1 – Zusammen mit gestiegenen Abgaben hinsichtlich Nebenkosten, Lohn- und Versicherungskosten setzt das einen Umsatzstarkes Wochenende voraus. Betreiber „legendärer“ Tempel der 80er entschlossen sich bereits in der Vergangenheit dazu, ihre Geschäfte nicht mehr weiterzuführen:

Gothic Roadtrip #2

Das Zwischenfall ist 2011 einem Großbrand zum Opfer gefallen, es war einer der letzten Kult-Läden im Ruhrgebiet, zu denen das Publikum selbst über große Distanzen pilgerte.

Hein Förster, jahrelang Betreiber des legendäre Clubs LaLic in Köln, sah sich schon 2012 nicht mehr in der Lage, seinen Club wirtschaftlich zu betreiben: „Durch das Nichtraucherschutzgesetz von 2008 verlor ich meinen Kundenstamm der 16- bis 18jährigen Leute. Raucherclub ging erst mit Erwachsenen, nachdem ich die Raucher eine Zeit lang vor das Lokal geschickt habe, was zu Ärgernissen mit der Nachbarschaft führte. Daraus resultierende Ertragseinbrüche konnten nicht entsprechend kompensiert werden. Zu nennen wäre da sicherlich auch ein uneinsichtiger Vermieter. Die Immobilie, in der das LaLic beheimatet war, gehört einem ausländischen Fondsinvestor, der mir zwar eine horrende Miete abverlangte, aber keinerlei Bereitschaft zeigte, Verbesserungen mitzutragen. Sanitäre und lufttechnische Anlagen waren erneuerungsbedürftig und mindestens zweimal im Jahr kam mir das Wasser durch die Decke, weil mal wieder im Haus ein Rohr gebrochen war.“ 

Auch Norbert Kurz entschloss sich, nach dem Brand seiner Discothek Zwischenfall 2011, keinen neuen Laden zu eröffnen, weil das für ihn nicht zu stemmen gewesen wäre: „Während das alte Zwischenfall ja sozusagen ‚Bestandsschutz’ genoss, wäre es heutzutage ja noch mal eine Herausforderung ganz anderer Art, all die neuen Auflagen der Stadt in Sachen Brandschutz, Schallschutz usw. zu erfüllen. War damals ja eine ganz andere Zeit.2

Musikalischer Einheitsbrei und zwanghafter Ausdifferenzierung

Die DJs, Konzert- und Partyveranstalter, die mangels Publikum oder fehlender Programmtreue der Betreiber mittlerweile eine Form von „Location-Hopping“ betreiben müssen, sehen auch die Besucher in der Verantwortung. Die Ausgeh-Mentalität hat im allgemeinen nachgelassen und die Ansprüche des Publikums werden immer diffuser, ist aus ihren Reihen zu hören. Clubkonzerte kleinerer Bands locken nur noch Liebhaber hervor, die meisten sparen sich den Eintritt und warten auf die anschließend stattfindende Disco. Deren tragfähige Konzepte beschränken sich auf den populären Einheitsbrei der DAC (Deutsche Alternative Charts), totgedudelten Songs aus den 80er und tanzflächenfüllendem Gestampfe aus der Retorte. Alternative Konzepte werden zwar lautstark gefordert, oft aber nicht angenommen, so DJ Klaus Rösler: „Die Idee der „Klapse“ ist eine Mischung aus altem und neuem anzubieten, konsequent Unbekanntes einzubauen und auch das Risiko der leeren Tanzfläche in Kauf zunehmen. Das muss man als DJ aushalten können, denke ich. Das habe ich einigermaßen konsequent durchgezogen, was mir auf der einen Seite oft als zu exotisch, zu unangepasst, zu riskant „vorgeworfen“ wurde, auf der anderen Seite von anspruchsvolleren Gästen deutlich wertgeschätzt wurde. Zu meinem Konzept gehört es ebenso, dass ruhigere Sachen nicht erst um halb 5 laufen, wenn kaum noch einer da ist oder der Rest so müde, dass es für flotteres nicht mehr langt. Ist es heute nicht mehr auszuhalten, wenn die musik für 10-15 minuten mal unter 100 bpm fällt? Warum nicht Tempi genauso wechseln, wie die Musikrichtungen: nämlich regelmäßig? Diese rave-mentalität stört mich seit längerem. Es muss in einem durch stampfen, Egal was.

Der Besucher scheint genügsam und schweigend oder fordernd und meckernd. Folgt man einzelnen Veranstaltungen in den sozialen Netzwerken, so fällt auf, dass sich viele potentielle Besucher ihre Lieblingstitel im Vorfeld wünschen, darüber meckern, wenn „ihre“ Musik nicht läuft und teilweise wie selbsternannte Genre-Sherrifs über die Einhaltung der angekündigten Konzepte wachen. Eine massive Ausdifferenzierung duldet offenbar keine Genre-Fremde Musik, jeder Besucher will entsprechend seinen Vorlieben bedient werden. Remo Sorge von der Kreuzmühle sieht noch andere Gründe: „Im allgemeinen geht der Trend zu den Festivals, die wie Pilze aus der Erde schießen. Von vielen wird die Kreuzmühle immer noch gerne besucht, weil man aber ständig die weite Anfahrt oder die Buchung eines Hotels auf sich nehmen möchte, konzentriert sich das Interesse auf bestimmte Veranstaltungen, wie zum Beispiel unser Beltanefest. Vielleicht muss sich vieles einfach gesund schrumpfen. Vielleicht ist man am fehlenden Nachwuchs auch selbst schuld. Wie gerne wurde sich über das Cyberphänomen lustig gemacht oder auch die Emos verbal attackiert. Wir haben unsere Szene sauber gehalten und uns selbst damit weggeputzt.

Für neue Musik braucht man in Zeiten des Internets keinen DJ mehr und auf der anderen Seite ist das Dickicht an schlechter Musik undurchdringlich geworden. Wer ist denn nun schuld an der Misere?

Feinbild Facebook?

Die Besucher bleiben aus, darin scheinen sich Betreiber und DJs einig zu sein. Für viele liegt das an den sozialen Netzwerken, die den Discotheken ihre Daseins-Berechtigung als Treffpunkt massiv streitig machen. Allen voran Facebook, auf dem jeder Freund, jede musikalische Empfehlung und jeder Sozialkontakt nur einen Klick entfernt ist. Bilder sorgen für das Sehen und gesehen werden, eingebettete Musik transportiert die neuesten Entdeckungen seiner Freunde und auch Bands buhlen direkt und ungefiltert um die Gunst ihrer Fans. Wofür überhaupt noch in die 25km entfernte Discothek? Warum noch ein Konzert der Band besuchen, wenn man im Profil schlecht gemachte Live-Mitschnitte anklicken kann? Für den Blog marcolatur ist der Fall klar, wie im Artikel „Das Ende des Nachtlebens“ zu lesen ist:

…ich präsentiere ihnen den größten Feind des sozialen Lebens: Facebook. Klingonisch, ist aber so. das Böse hat damit einen Namen und niemand hatte es am Schirm. Doch es ist da. Du zweifelst? Nun … ich hoffe mal, du gehörst zu der Generation, die noch vor 2006 gelernt hat wegzugehen. Erinnere dich mal daran, warum dich damals nichts in den eigenen vier Wänden halten konnte. Du kennst das Gefühl noch: Günni war bis vorgestern in Australien, was er da wohl erlebt hat. Lisa hat sich von ihrem Freund getrennt, jetzt muss ich mich mal ranhalten. Hat sich Tom jetzt dieses Bike gekauft? Ob die Kleine von letzter Woche wieder da ist? Bla bla bla … Es gab eine große Motivation: sehen und gesehen werden, sich auf den neuesten Stand bringen, Leute kennen lernen, Freunde treffen – kurz und neudeutsch: socialn. Na? An welche Website erinnert dich das? Facebook – und alles was sie aufkaufen – hat uns diese Motivation genommen.

Und tatsächlich: Facebook ist Fluch und Segen des digitalen Zeitalters. Wir brauchen keine Orte mehr, an denen wir uns treffen, um uns auszutauschen. Heutzutage wissen wir mehr über unsere Bekannten und Freunde denen wir in den sozialen Netzwerken folgen, als über die Menschen, mit denen wir uns im Alltag umgeben. Der Bildschirm stillt die Neugier auf unsere Mitmenschen, die bereitwillig ihr Leben teilen und sich für ein paar Selfies für das Profil mehr in Szene setzen, als die, die sich früher am Samstag Nachmittag getroffen haben, um sich gemeinsam für den Discothekenbesuch zu stylen. Sehen und gesehen werden findet tatsächlich kaum noch im echten Leben statt, sondern auf Facebook. Für Betreiber gehört des zum guten Ton auf Facebook präsent zu sein. Die eigene Internetseite des Clubs ist schon lange abgeschaltet, das ist bei Facebook kostenlos und einfach. Ein Party, die nicht bei Facebook als Event eingetragen ist, findet nicht statt.

Doch wehe dem, der einen Fehler macht! Der einfach die Getränkepreise erhöht, die Einlasskontrollen verschärft, unerwünschte Musik spielt, sich nicht an der musikalische Konzept hält oder einfach nur merkwürdige Leute anzieht. Der Shitstorm folgt noch am selben Tag und mit einer vernichtenden Reichweite und Intensität.

Facebook - Die Klapse

Wer nicht auf Facebook um Aufmerksamkeit kämpft, findet nicht statt. Mittlerweile informieren sich ein Großteil der Besucher über das soziale Netzwerk.

Doch ganz so klar ist die Identifikation des Bösen dann doch nicht, denn gleichzeitig entsteht durch Facebook eine vernetzte Gesellschaft, die wie keine andere in der Lage ist, Dinge zu bewegen und zu verändern. Austausch und Diskussion findet im Minutentakt statt, innerhalb von Tagen wird sich mit Projekten und Ideen solidarisiert, die unterstützt, verbreitet und sogar finanziert werden. Konzerte unbekannter Bands, Veranstaltungen mit Nischen-Musik und auch kleiner Festivals werden heutzutage hauptsächlich über eben diese Netzwerke angepriesen und buhlen um die Gunst der Klickenden. Gute Konzerte werden tagelang beschrieben, eine gute Party in den Himmel gelobt und geile Playlisten erhöhen die Verkaufszahlen entsprechender MP3s bei Amazon und sonstwo signifikat.

Remo Sorge: „In einer Welt, in der Menschen nicht mehr dort bleiben, wo das Elternhaus steht und sich Freunde über Deutschland und die Welt verteilen ist Facebook eine Chance den Kontakt aufrecht zu erhalten, gleichzeitig aber auch ein Fluch, weil der Blick auf das Wesentliche und Reale verloren geht. Letzendlich ist es eine Zeitfressmaschine und eine scheinbar kugelsichere Scheibe, hinter der sich die Menschen verstecken. Es ist schwieriger geworden einen Ort wir die Kreuzmühle am Leben zu erhalten, es ist aber lange nicht ausweglos.

Klaus Rösler: „…gerade für kleinere Events empfinde ich Facebook als hilfreich zur Bekanntmachung. Auch die Unterstützung kleinerer Künstler ist einfach klasse. Ich denke nicht, dass FB am Clubsterben direkt schuld hätte. Das nervende Smartphone-Verhalten auf Konzerten und in den Clubs sehe ich aber schon. Es ist Teil eines immer weniger teilhabens an der Welt an sich. Und darüber hinaus ist es ein verbreitetes Missverständnis, dass Unzufriedenheit oder Unglücklichsein an sich, ein Ausdruck besonders tiefer Empfindsamkeit ist. Das ist nicht wahr.

Konzepte für die Zukunft

Die Szene ist gewachsen, keine Frage. Doch auch das Angebot ist größer geworden, was früher die Kneipe war, wurde in den 90ern zum Club aufgeblasen. Zu Jahrtausendwende explodierte das Netzwerk an Clubs und ertrank am eigenen Konkurrenzkampf. Facebook war dann der Todesstoß in das hämmernde Herz der Clubkultur. Die allgemeingültige Formel für die Lösung aller Probleme gibt es nicht. Leider. Facebook ist nur der Name für die Digitalisierung der Gesellschaft, die unweigerlich und unaufhaltsam stattgefunden hat. Es hilft nicht, über die Gefahren und die schlechten Seiten zu lamentieren. Als es noch keine solchen Netzwerke gab, waren eben Discotheken der Tummelplatz für Eitelkeiten, Informationsbörsen des eigenen Freundeskreises und Orte, an denen man sich einen solchen aufgebaut hat. Und was heute ein gepflegter Shitstorm innerhalb von Stunden bewältigt, konnte das gute alte Gerücht von damals genauso gut, nur ein bisschen langsamer. Früher war das besser, weil es einfach weniger Möglichkeiten gab.

Die größte Herausforderung liegt meiner Ansicht nach im Umgang mit dieser Digitalisierung. Sie stellt Betreiber, Veranstalter und auch DJs vor neue Aufgaben. Es reicht einfach nicht mehr am Samstag Abend ein paar gute Stücke aufzulegen oder eine unbekannte Band in die Stadt zu holen. Transparenz und Offenheit sind essentielle Grundlagen für einen längerfristigen Erfolg. Auf die Fragen der Besucher eingehen, Kritik ernst nehmen, sich für Lob dankbar zeigen. Das klingt jetzt furchtbar logisch, wird aber oft vernachlässigt.

LaLic Köln - Die Tanzfläche mit der Spiegelwand

Leere Tanzflächen dürfen nicht die Zukunft sein, sonst tanzen wir demnächst im Live-Stream vor der heimischen Webcam. Hier ein Bild vom ehemaligen LaLic in Köln, kurz vor seiner Schließung.

Party-Veranstalter und Clubbetreiber sollten sich zu einem Netzwerk vereinigen und aus dem Location-Hopping ein lokale Rotation machen. So ist Party XYZ am ersten Samstag im Monat in Oberhausen, dann in Duisburg, dann in Köln und dann in Wuppertal. Gute Partykonzepte könnte so auch auf die lokalen Bedürfnisse angepasst werden, denn so ist die Hörerschaft rund um Köln meiner Erfahrung nach einer andere, als die, die sich in Essen herumtreibt. Was hier am Beispiel des Ruhrgebiets angeführt wurde, klappt natürlich auch sonstwo. Konkurrenz belebt das Geschäft, kann aber auch schaden, durch das Netzwerk könnte man vielleicht sogar erreichen, das nicht zwei populäre Partys in unmittelbarer Nähe zueinander stattfinden. Das potentielle Publikum teilt sich dann auf und beide Läden schauen in die Röhre. Gerade innerhalb der schwarzen Szene ist genug Potential und Raum vorhanden, dass möglicherweise alle davon profitieren. So jedenfalls mein Gefühl.

Und liebe Musikhörer, Kontaktfreudigen und Sinnsuchenden. Ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass Facebook oder das Internet alle diese Dinge befriedigt? Musik, die man von Freunden empfohlen bekommt erstickt doch häufig in Nostalgie und dem eigenen Geschmack, der es wegen dieser Eingeschränktheit verlernt hat über die Tellerrand zu schmecken. Facebook ist nicht Euer Nachrichtenstrom, der Euch in neue Hörwelten entführt, völlig unbekanntes erschließt oder Nostalgie im neuen Licht erstrahlen lässt, sondern nur die Summe aus dem, war ihr sowieso schon kennt. In so einer Discothek bekommt ihr von einer engagierten Party bereits vorgekostetes, ausgesuchtes Material, was Euch sonst vielleicht nie zu Ohren gekommen wäre. Ist es nicht viel spannender zum DJ zu pilgern um zu fragen wie das gespielte Stück heißt, als darum zu betteln das man „seine“ Musik hören kann und dass „seine“ Wünsche erfüllt werden? Ist es nicht viel mutiger und spannender sich von unbekannter Musik auf der Tanzfläche tragen zu lassen, als zu „Hate is just a 4-letter Word“ oder „Assimilate“ die immer gleichen Choreografien abzuspulen?

Es ist sowieso viel spannender Menschen von Angesicht zu Angesicht zu begegnen. Das spart Unmengen an Emojis, Missverständnissen und Erklärungen und führt vielleicht tatsächlich zu einer Art Erfüllung. Und wenn ihr mal nicht tanzt, weil ihr wieder mal auf Eurem Handy herumstreicheln wollt, dann hinterlasst doch gleich eine Bewertung der Party oder des Ladens oder gebt wertvolle Hinweise. Dass das gerade gespielte Lied nichts mit der auf dem Flyer angekündigten Dark Wave zu tun hat, ist nur Eurem Schubladendenken geschuldet.

Macht doch bei Facebook eine öffentliche „Ausgehgruppe“ auf und schart lokale Freund und Bekannte um Euch, mit denen ihr gemeinsam eine Party besucht. Ihr könnt ja per Live-Stream vom Schminken berichten, Bilder von Eurem Turmbau zu Babel machen oder Party-Tips tauschen und Fahrgemeinschaften bilden. Trefft Euch dann im Laden und seht euch auch mal in Echt, macht Bilder von Euch und postet die wieder in der Gruppe. Es gibt viele Möglichkeiten etwas zu tun, das habe ich selbst am eigenen Leib erfahren dürfen. Wer nur darauf wartet, über etwas zu meckern, wird irgendwann nichts mehr zum meckern haben, weil es nichts mehr gibt. Klaus Rösler findet weniger diplomatische Worte:

Wenn nicht hingegangen wird, sterben sie aus. Der Betreiber des Ladens muss verdienen, keine frage. Da hilft es nicht über Eintritts- und Getränkepreise zu lamentieren. Alles ist heute teurer geworden. Wenn ich lese, wieviel Euros für irgendwelche dämlichen Festival-outfits oder Kostüme rausgehauen werden, um weitere hunderte Euros für die ewig gleichen Line-ups zu zu verschleudern, dann stimmt irgendwas nicht.

Wie ist Eure Meinung zum Clubsterben? Wer ist Eurer Ansicht nach der Mörder? Liegt es an uns selber, sind die Preise schuld, liegt es an der Gesetzeslage, die Unübersichtlichkeit der Musiklandschaft oder an der Kommerzialisierung durch den Mainstream? Habt ihr Vorschläge für einen Erhalt der Clublandschaft und Visionen einer besseren Zukunft?

  1. Quelle: Tarifübersicht 2017 für Discotheken und Clubs der GEMA – https://www.gema.de/fileadmin/user_upload/Musiknutzer/Tarife/Tarife_AD/tarifuebersicht_diskotheken.pdf []
  2. Quelle: Zwischenfall – Kein Neustart für den Kult-Club – Artikel im Coolibri vom 22.03.2012 – http://www.coolibri.de/redaktion/party/0412/zwischenfall-ende-legende.html []

52 Kommentare

  1. Zum allgemeinen Clubsterben kann ich nicht so viel sagen, außer dass damals das „K17“ in Berlin mit seinem massenkompatiblen Rezept eine ganze Reihe anderer kleinerer Veranstaltungen ausgestochen hat. Es sind einfach viele da hingegangen, wo „alle“ sind – im „Kasi“ – und andere Parties hatten es schwer. Es gab/gibt in Berlin auch so eine Mentalität, wenn neue Clubs oder Parties öffneten, dass nicht etwa alle neugierig hinström(t)en, sondern erstmal abwar(te)ten, was diejenigen berichten, die die ersten Male dort waren, ob es sich überhaupt lohnt, hinzugehen. Das mag die Dekadenz der Großstadt sein, in der man sich seine Locations aussuchen kann und nicht weit anreisen muss, um endlich mal was zu erleben.

    Ich gehe selbst mittlerweile kaum noch aus, obwohl ich weder bei Facebook noch anderen sozialen Netzwerken angemeldet bin. Okay, der Nachteil ist, dass ich so schon die eine oder andere interessante Veranstaltung verpasst habe. Das ärgert mich dann, dass sich fast alles nur noch über Facebook abspielt, diese Plattform boykottiere ich jedoch aus diversen Gründen weiterhin.
    Zum anderen habe ich keine Lust, auszugehen und dann keine bekannten Leute mehr dort anzutreffen – oder nur Leute, mit denen ich mir nicht mehr viel zu sagen habe. In Berlin kommt man so gut wie nie mit Fremden ins Gespräch, so dass man dann auch eher allein bleibt. Und Punkt drei ist, dass ich durch das in Berlin leider fast überall komplett ignorierte Rauchverbot kaum noch Clubs habe, in denen ich mit meinen geschädigten Atemwegen hingehen kann. Es sind eigentlich nur noch 2 Parties, die ich besuche, und die eine davon (der „Montagsduncker“) geht leider nur im Urlaub oder vor Feiertagen.
    Ich habe auch nicht mehr die Energie, um ewig lange aufzubleiben und den nächsten Tag total gerädert zu sein. Obwohl ich keinen Alkohol trinke, habe bzw. hatte ich allein durch die verqualmte und vernebelte Luft in den Clubs am nächsten Tag fast immer üble Kopfschmerzen und kann den Tag total abschreiben.
    Inzwischen nutze ich auch lieber jeden halbwegs schönen Tag dafür, um mit der Kamera unterwegs zu sein, anstatt die seltenen freien Tage zu verschlafen.

    Eigentlich tanze ich für mein Leben gern, schwelge gerne in mitreißender Musik und habe im Tanzen ein super Ventil für den Alltag und andere Dinge.
    Nach all den Jahren kommt jedoch eine gewisse Langeweile in den Clubs auf, wenn fast immer nur dieselben ollen Kamellen gespielt werden. Die wenigen innovativen Parties in Berlin, die ich gerne besuchen würde, sind fast alle völlig ignorant, was den Nichtraucherschutz betrifft, kann ich also leider nahezu sämtlich knicken. Das frustriert schon sehr. So kann ich die Clubbesuche innerhalb eines Jahres mittlerweile an einer Hand abzählen. Manchmal fehlt es mir schon sehr, aber andererseits erlebe ich auch innerhalb der Szene immer mehr Rücksichtslosigkeit und immer weniger „Gemeinschaft“, so dass ich mich in ihr nicht mehr so zu Hause finde. Die Menschen werden scheinbar generell immer ich-bezogener und bequemer was soziale Kontakte betrifft. Vielen reichen virtuelle Kontakte, um das Gefühl zu haben, in Gesellschaft zu sein…

  2. Mhm…

    Eigentlich ein schwieriges Thema und wie ich finde sind die Ursachen bei allen ein wenig zu suchen.

    Clubs :

    – Kein Sitzfleisch mehr um eine Party entwickeln zu lassen. Wenn beim zweiten Termin die Bude nicht brennt wars das oft.

    Gäste

    – Die unsägliche „Vorglüh- und Spätkomm-Mentalität“. Man geht nicht mehr vor Mitternacht aus dem Haus, kommt knülle im Club an, konsumiert kaum noch was und ist um drei dann so platt dass man heim muss.
    – „Kenn ich nicht, dazu tanz ich nicht“ vs. „Totgenudelt“. Oft wird sich beklagt, dass immer das Selbe läuft. Läuft was anderes „konnte man den ganzen Abend nicht tanzen“.

    DJs

    – Oft die Tendenz auf Nummer sicher zu gehen und bei bekannten oder gehypten Tracks zu bleiben. Man nennt sich dann „Dienstleister“. Oder eben andersrum der Hang dazu, sehr alternativ zu sein und ganz auf Hits zu verzichten.

    Gesamtgesellschaftlich

    – Der Schwenk zum puren Konsum. Kein Interesse mehr an Neuem, ausser es wird einem vorgekaut, dass das jetzt „gut“ ist gerade.
    – Socialising übers Internet und allgemein starkes Nachlassen des Interesses am Gegenüber. Ausser zum Konsum („fuckable“).

    Und wenn man Nachdenkt gibts sicher tausende Gründe mehr…

    Ja. Das ist sehr plakativ. Und ja, es gibt – Gott sei Dank ! – immer wieder rühmliche Ausnahmen in jedem Bereich.

    Ich für mich selbst gehe sehr oft auf Konzerte – hier dann statt 5x Depeche Mode lieber 50x auf kleinere Events mit sehr geilen Bands vor allem auch aus dem Indiebereich. Ich lege wert darauf, zeitig im Club zu sein (und meisstens ist die Musik eh spannender wenn noch kaum Gäste da sind), konsumiere im Club statt Druckbetankung im Auto und unterstütze die Bands auch beim Merchandise wenn ich Spass an ihnen hatte.
    Als DJ bin ich bei eigenen Events auf dem „Hits müssen nicht sein“ Trip, aber weiss eben auch dass ich dafür nicht die Bude voll habe und den ganzen Abend Leute am Tanzen. Auf fremdem Events machts die Mischung, aber immer mit eigener Note.
    Insgesamt gesehen muss ich leider sagen, dass ich – regional verschieden allerdings – oft auf szenefremden Events musikalisch mehr Spass habe, auf mehr Interesse an neuer Musik stosse und sowohl vom Feierfaktor (die Leute die nur tanzen wollen, egal was läuft) als auch vom musikalischen Tiefgang und Interesse (sehr gute Wünsche, oft Fragen was gerade läuft) alles irgendwie runder und offener ist. Wenn man die Wunschlisten in den meissten Szeneclubs sieht dagegen… Naja. Auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel und es gibt immer wieder mal Events wo es rabenschwarz ist, aber alles andere als depressiv, traditionell und schwermütig :D

  3. Weil sich die schwarze Szene mit ihrer Musik und ihren Moden immer weiter ausdifferenziert hat, sind immer mehr Special-Interest-Veranstaltungen entstanden. Das rächt sich jetzt.

    In den 90er Jahren haben Punks, Rockabillys, Gruftis und Heavys noch zusammen gefeiert. In den Nuller-Jahren blieben die Gruftis unter sich. Danach trafen sich die Batcaver auf ihren eigenen Partys, die EBM-Fraktion machte ihr eigenes Ding und die Schwarzromantiker organisierten ihre Bälle. Für so kleine Grüppchen lohnen sich keine kommerziellen Angebote und es bleiben wenige privat und ehrenamtlich organisierte Undergroundpartys, die aber ihren ganz eigenen Charme haben.

    Die verzweifelten Versuche kommerzieller Discotheken – so stellt sich die Situation zumindest in OWL dar – sieht so aus, dass man den kleinsten gemeinsamen musikalischen Nenner sucht. Ein Grufti der sich dann zwischen Möchtegern-Gothics vom Bahnhofsvorplatz wiederfindet, die zu Düster-Schlager, Mittelalterrock und Kirmestechno fies geschminkt ihre schlecht sitzenden Plastikcorsagen ausführen, erträgt das Elend irgendwann einfach nicht mehr und bleibt lieber zuhause.

  4. Lasst sie sterben. Bekanntermaßen wissen die meisten erst dann zu schätzen, was sie hatten, wenn es ihnen mal genommen wurde.
    Nach angemessener Liegezeit wird sich einer finden, der die Leiche exhumiert und der ahnungslosen Smartphone- und Virtual Reality-Jugend als ein bahnbrechend neues Konzept verkloppt. Man verlässt das Haus! Man begegnet sich von Angesicht zu Angesicht! Man bewegt sich zu Musik, die ein DJ auswählt und abspielt! Krass! So richtig in echt und in Farbe!
    Na wenn das nix ist?

  5. Ich sehe alle Parteien als *Schuldige“. Es ist eine Kettenreaktion im Teufelskreis. Ein Kettenglied fängt an sich zu drehen, die Kette zieht an und der Kreis fängt an sich zu drehen.

    Vielleicht liegt es an dieser hektischen schnellen Zeit in der wir leben. Viele Aufgaben in wenig Zeit. Gerade als Schülerin merke ich diesen Druck. Es wird viel erwartet und man muss was leisten um was zu werden,wie es einem immer und immer wieder eingetrichtert bekommt. Da ist die Zeit und vor allem die Energie einfach verschluckt. Man hat zwar oft Lust irgendwo hinzufahren (Flyer werden schließlich eifrig gesammelt, digital sowie analog), aber der Gedanke daran sich fertig zu machen und dann (wie in meinem Fall) über eine Stunde zufahren, um dann größtenteils Technobeats und „Schwarze“ Clubhits um die Ohren geschleudert zubekommen senken die Lust zum größtenteils einfach auf ein Minimum…

    Den DJ gebe ich weniger Schuld. Sie stehen zwischen den Stühlen. Einerseits müssen sie jedem was musikalisches bieten, aber anderseits müssen sie auch die Massen in die Clubs bekommen. Und nun ja diese wollen halt lieber bekanntes höre, als was neues kennen zu lernen…

    Und die Besitzer der Clubs stehen auch nicht besser da, wie Robert ja im Text ja schon ausführlich erwähnt hat. Viele Auflagen die zu bewältigen sind, aber auch die extrem Kosten die so eine Disco oder Club mit sich bringen sind nicht gerade klein. Die wollen gedeckt werden. Aber das ist in der heutigen Gesellschaft auch normal: alles ist zu teuer. Alles ist schlecht…

    Thema Internet und soziale Medien sind wirklich einfach nur Fluch und Segen zugleich. Ein Segen stellt zum Beispiel dieser Blog da, in dem ich mich als Junggrufftine ein Stückchen weiter zum schwarzen Kern vor graben kann oder die Informationen die man mehr erhält über ein Event als was man auf einen Flyer finden könnte.
    Aber der Fluch ist nicht gerade klein. Beliebtes wird einem zuerst gezeigt, tiefer graben Türen nur wenige. Geteilt wird alles erstmal mit der Welt und dann mit den „realen“ Menschen um sich. Das reale Leben verkümmert, das virtuelle lebt auf… Schade drum…

  6. Ich muss aber auch dazu sagen , dass ich hier in Leipzig , schon oft bemerkt habe – das an einem WE gleich 3,4 Partys sind – und an anderen WE’s , ist nix .
    Können sich da nicht die Veranstalter gegenseitig absprechen ?

  7. Die unsägliche „Vorglüh- und Spätkomm-Mentalität“

    Jupp, nervig vor allem, wenn die Party eh schon erst um 23 Uhr anfängt. Viele sind zu cool, um in den ersten beiden Stunden zu erscheinen. Ich leide eh schon an Schlafmangel und habe keine Lust, die ganze Nacht durchzumachen und den nächsten Tag komplett zu verpennen. Und dementsprechend auch keine Lust, ausgerechnet dann nach Hause fahren zu müssen, wenn es sich endlich mal füllt und Stimmung aufkommt.

    Da ich wenig Zeit und Geld habe und samstags arbeiten muss, erledigen sich die meisten potentiell interessanten Parties auch von selbst, da sie oft freitags stattfinden oder zu weit weg sind. Und wie schon erwähnt, innovative Konzepte sind selten, meist ist es musikalisch einfach immer das gleiche, nämlich die Best-Of-Compilation aus an sich toller Musik, die man aber nicht zum tausendsten Mal hören möchte. Parties mit guten Konzepten sterben immer weiter aus oder finden nur noch vereinzelt und unregelmäßig statt, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass man an dem jeweiligen Termin nicht kann oder ihn verpasst.

    Ich denke, der Hauptgrund für das Clubsterben liegt vor allem daran, dass es kaum echte Szene mehr gibt. Nur ein paar verteilte „Einzelstücke“, die sich im besten Fall kennenlernen und auch im realen Leben was zusammen unternehmen. Der Rest, der wohl heute mit „Szene“ bezeichnet wird und gefühlt 90% bildet… Naja, lassen wir das. Ich möchte mir von solchen Gossik-Leuten nicht mehr den Abend ruinieren lassen und kann es verstehen, wenn man nach der Xten Enttäuschung keine Lust mehr hat, Mühe, Zeit und Geld in einen ungelungenen Abend zu investieren. Wofür? Für die angenehme Erfahrung, sich fehl am Platz zu fühlen? Die guten Parties, bei denen ich bisher war, kann ich wohl an einer Hand abzählen. Die guten Erwartungen werden in der Regel von der Realität ruiniert. Man gibt Chancen, man gibt auch mehrere Chancen, aber irgendwann lässt die Motivation und Hoffnung einfach nach. Wenn keine Stimmung aufkommt, weil gar keine oder die falschen Leute da sind oder der Kontext nicht stimmt, muss man einsehen, dass die Szene (je nachdem, wo man wohnt wohlgesagt) einfach aus ihrem letzten Loch pfeift. Da konzentriert man sich lieber auf Nischen, nämlich Konzerte und auch mal die ein oder andere wirklich vielversprechende Party.

    Wie schon erwähnt hat die Ausgeh-Mentalität durch das Internet stark gelitten. Wieso noch rausgehen, Leute kennenlernen, sich zwischen- und miteinander bewegen, wenn man die ganze Welt auf seinem kleinen Bildschirm zuhause hat? Rhetorische Frage natürlich. Für Leute wie mich, die reale Erfahrung der digitalen Scheinwelt vorziehen, macht es keinen Sinn, aber für den Großteil anscheinend schon. Das hat wohl etwas mit der allgemeinen Mentaliät der Menschheit heute zu tun, nicht nur mit der subkulturellen. Gelungene, authentische, in sich schlüssige Szene-Clubs/-Parties sind mittlerweile einfach ein überholtes Konzept, so wie die meisten schönen und alten Dinge. Sie haben eigentlich keine Daseinsberechtigung mehr, höchstens für die Nostalgiker unter uns. Und die können auf Dauer keinen Club füllen. Auch aufgrund der allgemeinen Aufspaltung, denn die nötigen Leute sind nicht an einem Ort konzentriert, sondern wie Nadeln im Heuhaufen verteilt.

    Ein Phänomen, was sich bei schwarzen Parties auch beobachten lässt: Einge tanzen, der Rest sitzt und steht drum herum und guckt zu. Viele sind so schrecklich befangen und gehemmt und das trägt dazu bei, dass man sich dann als Tanzender wie im Zoo beobachtet fühlt und eventuell selbst gehemmt wird, da einem das ständig bewusst ist. Das hat man bei anderen Subkulturen und Stino-Parties kaum. Ich bin selbst eher introvertiert und zurückhaltend, was fremde Menschen angeht, und war auch schon selbst in der Situation, habe mittlerweile aber das Glück, ein gesundes Selbstbewusstsein und Spaß am Tanzen zu haben. Deshalb ist das nicht als Verurteilung gemeint, sondern nur als Beobachtung. Und klar, ein stückweit möchte man ja auch sehen und gesehen werden. Aber dieses extreme Gefälle ist auffallend. Es trägt einfach dazu bei, dass oft keine Stimmung aufkommt. Weil sich dann kein gemeinschaftliches Erlebnis entwickelt, sondern alle so für sich sind. Das ist kein Aufruf zu Herdenmentalität, Satan bewahre. Es interessiert mich nur einfach, so als Symptom für etwas anderes.

  8. @Tanzfledermaus: Im Alter steigen die Ansprüche. Ich kann mich da nur anschließen. Früher war mir, vielleicht auch rückblickend idealisiert, vieles ziemlich egal. Komische Leute, komische Musik, Besoffene, Rauchschwaden oder was auch immer. Das ist heute (leider) anders. Ich spüre oft genug diesen Anflug von innerer Spannung, wenn mir was gegen den Strich geht. Doofe Leute? Ich will gehen. Doofe Musik? Wenn es in 2 Liedern nicht „besser“ wird, will ich gehen. Zu voll? Ein anderes mal komme ich wieder. Ich muss mich „überreden“ zu bleiben, loszuziehen oder die Party nochmal zu besuchen. Ich bin wählerisch geworden, zu penibel und ertrinke in meinen Befindlichkeiten. Warum sollte es Dir anders gehen? :-)

    @Mike: Das mit den Gästen hast du ganz prima auf den Punkt gebracht. Exakt den selben Eindruck habe ich auch. Alle stehen im Kreis rum und beobachten die leere Tanzfläche bis „ihr“ Lied kommt, das mit Sicherheit unter die totgenudelten fällt. Kommt Unbekanntes, beobachte ich den Effekt, dass sich die Tanzfläche schlagartig leert und sich der obligatorische Kreis bildet. Bei den DJs wird es noch schwerer, da sie vom Betreiber meist daran gemessen werden, ob der Laden voll bleibt, ob man tanzt, schwitzt oder konsumiert. Die Betreiber sind da sehr sensibel geworden. Oft genug habe ich es schon beobachtet, dass man aktiv in den „Sendeplan“ eingegriffen hat, um für „Stimmung“ zu sorgen. Deine Verbesserungsvorschläge klingen ganz gut. Könnte Dein Eindruck, dass es „Woanders“ runder und interessanter ist auch daran liegen, dass in unserer Szene mehr vermeintliche „Musikexperten“ ihr Unwesen treiben?

    @Pitje: Nicht nur in OWL ist das so, auch im Pott ein ähnliches Bild. Die Ausdifferenzierung hat stattgefunden. Glücklich kann sich ein Club schätzen, der auf mehreren Floors verschiedene Stile anbieten kann – und es dann auch macht. Ich glaube jedoch, das ist der Zeit geschuldet. Hätte es „früher“ eine größere Szene, eine ähnliche Anzahl alternativer Läden und mehr erkennbare Stile gegeben, hätte es womöglich ganz ähnlich ausgesehen. Bei uns gab es 1988 und 1989 eigentlich nur 2 Clubs mit „szeneähnlicher“ Musik im Umkreis von 50km. Da bist du natürlich hin, weil es sonst nichts gab. Die Musik spielt fast eine Nebenrolle, weil man sich dort getroffen hat, um sich zu sehen und zu quatschen. FB gab es damals noch nicht. Heute haben wir deutlich mehr Läden mit einem alternativen Anspruch, FB ersetzt in vielen Bereichen den Willen „sich zu treffen“ und 100 verschiedene Mottopartys quälen einen in die Wahl.

    @Julius: Herrliche Vorstellung irgendwie. Öffentlich zur Musik tanzen. Wie radikal :)

    @Rabes_Welt: Da stehst du nun als Junggruftine und wünscht Dich in alte Zeiten zurück. Oder? Besser war es aber irgendwie nicht. Du hast Dich stundenlang fertig gemacht, hast 3 Leute eingesammelt um dann 45 Minuten rumzugurken um die Party zu finden. Wie die Musik dort ist, wer auflegt, wer hingeht und was dort was kostet wusste man einfach nicht. Flyer waren Mangelware und man hat auch nicht am Nachmittag im Club angerufen um zu fragen, wer auflegt, wie die Playlist aussieht und was die Cola kostet. Da bist du dann 45 Minuten umsonst gefahren. Oder etwa nicht? Mein Eindruck: Man hat das Beste draus gemacht. Es gab ja sonst nix. Du hast gefeiert, komische Leute ertragen und doofe Musik gehört. Um einfach 40km weiter zu fahren, war uns zu teuer. Und das ist auch mein Tip für die heutige Zeit: Macht das Beste draus, ein paar Tips habe ich ja im Beitrag schon angerissen.

    @Ronny Rabe: Genau so ist es! Weniger Konkurrenzdenken, mehr Zusammenarbeit. Vielleicht auch angepasste Programme (hinsichtlich Location, der Lage und der Möglichkeiten) Leipzig würde ja förmlich glänzen, wenn man dort die Möglichkeiten kombiniert.

    @Mourant: Tatsächlich gibt es jedoch noch Lichtblicke und eine Szene sowieso. Ich kann Dir nicht zustimmen was Deinen Eindruck angeht. Wenn ich beispielsweise Richtung Augsburg blicke, sehe ich ein Interessensgemeinschaft von rund 100 Leuten, die tatsächlich etwas auf die Beine stellen, Festivals und Partys organisieren und mittlerweile sogar ein Plattenlabel betreiben. Ich glaube (Achtung Wortspiel), es müsste mehr Leute geben, die noch glauben wollen. Ich glaube, in all der selbst auferlegten Individualität sollte ein wenig Gemeinschaft und „Unterordnung“ wohnen. Ich hoffe man versteht, was ich zu sagen versuche.

  9. Im Grunde kann ich mich nur allen Vorrednern (Vorschreibern?) anschließen, ein paar Punkte möchte ich trotzdem noch sagen, auch wenn sie teilweise schon erwähnt wurden.

    Die Digitalisierung (sprich Facebook & Co.) ist aus meiner Sicht weniger Fluch als Chance, die nur nicht richtig genutzt wird: meist reicht es gerade mal zum Ankündigen einer Veranstaltung, Interaktion mit dem Publikum ist aber oft schon nicht mehr oder nur in kleinstem Umfang drin. Dabei ist es gerade der Dialog mit den Betreibern, DJs usw. der Leute davon überzeugen kann, zu einer Party zu gehen. Wer sich nur als nicht ernst genommenes, zahlendes Clubfüllmaterial fühlt, wird keine Bindung zu einer Location oder Veranstaltung aubauen.
    Und wie Ronny Rabe schon erwähnt hat, ist es trotz der besten Kommunikationsmöglichkeiten aller Zeiten offenbar nicht möglich, Veranstaltungen untereinander so ab zu sprechen, dass es eben nicht passiert, dass an einem Wochenende 3, 4 attraktive Veranstaltungen laufen (in unserem Fall in 40, 50 Kilometer Umkreis), am nächsten dann gar keine. Hier müssen sich die Veranstalter als Erstes an die eigene Nase fassen, bevor sie das bei den Kunden tun.

    Preise: es gibt auf der einen Seite Veranstaltungen, die geradezu unverschämt billig sind (ich spreche hier z.B. von 16 Euro für ein Konzert einer nicht gerade unbekannten Band, das ich kürzlich besuchte, mit Vorband und anschließender Party auf mehreren Floors), andererseits werden aber auch gern mal 10 Euro und mehr nur für den Eintritt in die Disko fällig, mit Getränkepreisen, die für 0,2 l Wasser bei 3 Euro plus Pfand beginnen. Da fragt man sich schon, warum nicht eine günstigere Location gesucht wird, denn die Getränkeeinkaufspreise und Honorare für DJs und eventuell spielende Künstler dürften eher nicht für den Preisunterschied verantwortlich sein.

    Mit dem nächsten Punkt falle ich vermutlich eher aus dem Klischee, aber ich frage mich tatsächlich, warum eine Veranstaltung erst um 22, 23 Uhr bginnen muss? Vielleicht liegt es an meinem fortgeschrittenen Alter (fast 40, hehe), aber das sind Zeiten, zu denen mir oft das erste Mal „Bettgehen“ in den Sinn kommt und meine Motivation nach einer arbeitsreichen Woche deutlich gedämpft wird, zumal ich genau weiß, dass ich am nächsten Tag dann wegen der Rhythmusverschiebung total matschig bin und den Tag eigentlich gleich abschreiben kann. Selbst unter der Woche geht es meist erst 21, 22 Uhr los. Für mich wäre eine Veranstaltung, die 19, 20 Uhr (oder am Wochenende meinetwegen noch früher) beginnnt, deutlich attraktiver…

    Die Musikdiskussion. Ich erlebe eigentlich immer nur 2 Extreme: entweder werden nur (oft totgespielte) Klassiker gespielt oder fast nur obskures, unbekanntes Zeug, dass wohl höchstens dem DJ so richtig gut gefällt. Die gesunde Mischung existiert kaum. Zudem scheint sich die gitarrenlastigere Seite der Szenemusik auf den Tanzflächen mittlerweile fast ausschließlich in den Genres Mittelalter-Metal (bei dem sich der gestandene Grufti nur angewidert abwendet) oder obskurer Batcave/Noisepunk zu erschöpfen. Dazu scheint es die Erwartung zu geben, dass jeder immer auf alles Tanzen muss, alles andere wird als Niederlage für den DJ empfunden, worauf hin dann doch lieber wieder zum sicheren Aggrotech-Techno-Schei… gegriffen wird. (Neue) Musik, die gut aber nicht 100-Bpm-Stampf-Beat-tanzbar ist, wird komplett ignoriert.
    Ein weiteres Problem in diesem Zusammenhang ist auch oft die Lautstärke. Klar, Unterhaltungen sind eh schwierig, aber wenn es so laut ist, dass mannur mit Ohrenstöpseln einen akuten Hörschaden vermeiden kann, grenzt das an fahrlässige Körperverletzung und macht es nicht gerade angenehmer und leichter, sich zu entspannen, was zu fortgeschrittener Stunde darin resultiert, dass man sich eher überlegt, doch schon mal nach Hause zu gehen, statt auf bessere Musik zu warten….

  10. …ich frage mich tatsächlich, warum eine Veranstaltung erst um 22, 23 Uhr bginnen muss? (…) das sind Zeiten, zu denen mir oft das erste Mal „Bettgehen“ in den Sinn kommt und meine Motivation nach einer arbeitsreichen Woche deutlich gedämpft wird, zumal ich genau weiß, dass ich am nächsten Tag dann wegen der Rhythmusverschiebung total matschig bin und den Tag eigentlich gleich abschreiben kann. Selbst unter der Woche geht es meist erst 21, 22 Uhr los. Für mich wäre eine Veranstaltung, die 19, 20 Uhr (oder am Wochenende meinetwegen noch früher) beginnnt, deutlich attraktiver…

    Damit stehst Du nicht alleine da! In Berlin ist das ein ganz verbreitetes Phänomen, dass die Leute einfach nicht vor Mitternacht irgendwo auftauchen, manchmal erst sogar ein, zwei Stunden später. Das hat sich mit den Jahren immer weiter nach hinten verschoben, so dass die Clubs auch immer später öffneten und sich das wie ein Teufelskreis verselbständigte. Der Dunckerclub hatte mal eine Zeitlang versucht, schon um 20 Uhr (oder war es gar 19 Uhr? ist zu lange her…) zu öffnen, was auch ein paar Leute gut fanden. Aber es reichte leider nicht, der Großteil erschien sehr viel später und so konnte sich das Konzept nicht durchsetzen.
    Okay, früher gab es mal eine Sperrstunde, die für Berlin nicht galt, und daher war es hier gang und gäbe, die Nacht zum Tage zu machen, aber die Sperrstunde gibt es schon Ewigkeiten nicht mehr… trotzdem setzte sich das „Nachtschwärmer-Phänomen“ durch. Und man sitzt ewig lange vorher rum und schlägt die Zeit tot, bis es sich überhaupt lohnt, aufzubrechen. Ich hab da oft auch schon kaum noch Lust geschweige denn Energie mehr. Und wenn ich mich überwinde, halte ich auch meist nicht so lange durch, vielleicht bis zwei, drei Uhr, so dass es sich eigentlich auch kaum lohnt, hinzugehen. Das war aber schon früher so, da ich leider nicht so der Nachtmensch bin. Die Male, die ich in meinen 25 Jahren Disko-Besuchen auf einer Veranstaltung bis in die frühen Morgenstunden durchgehalten habe, kann ich an ein, zwei Händen abzählen…

    Bei Konzerten ist es ja auch häufig so, dass sich der Beginn extrem weit nach hinten verzögert und man sich ewig die Beine in den Bauch steht, bis es endlich losgeht. Kommt dann noch eine Vorgruppe hinzu, die mich weder interessiert noch dann live überzeugen kann, verkommt so ein Konzertabend zu einer ganz schönen Geduldsprobe und lässt die Stimmung erstmal absinken.

  11. @Victor: Hinsichtlich der Anfangszeiten einiger Partys bin ich bei Dir. Möglicherweise ein ungeschriebenes Gesetz? Da ist es doch so ähnlich wie dem hingehen, wenn es anfängt. Bei Konzerten sind alle schon eine Stunde vorher da, um möglichst gut zu stehen, bei Partys möglichst spät, um nicht doof dazustehen. Warum steht man eigentlich doof da, wenn man der erste ist? Ist es wegen dem Jugendschutz, irgendwelchen Gesetzen oder Vorgaben? Ich kann nur spekulieren, logisch erschließt sich mir das Problem auch nicht. Bei der Lautstärke habe ich allerdings einen anderen Eindruck, denn oftmals erscheint es mit auch zu leise, weil Discos in unserem Einzugsgebiet regelmäßig dahingehend geprüft werden. In zwei Tanztempeln der Nacht habe ich sogar schon eine dB-Anzeige gesehen, die anzeigt, ob es zu laut ist. Verrückt. Aber auch hier kann ich bestätigen, dass Veranstaltungen, die früher begannen (wir hatten da mal was um 21:00) partout erst um 23:00 besucht wurden. Es reichte mir, zweimal der erste auf einer leeren Tanzfläche zu sein, danach wurde das Problem vom Betreiber sowieso erledigt und erst wieder um 22:00 geöffnet.

  12. das mit den Anfangszeiten der Partys kotzt mich auch jedesmal an .
    Vor 20 Jahren hat mir das nix ausgemacht , erst 23 / 24 Uhr außer Haus zu gehen . Mittlerweile würde ich es begrüßen dass die Partys eher anfangen … habe auch schon mit diversen Veranstaltern gesprochen – aber nix passiert , bzw. traf ich auf taube Ohren.

  13. @Mourant: Tatsächlich gibt es jedoch noch Lichtblicke und eine Szene sowieso. Ich kann Dir nicht zustimmen was Deinen Eindruck angeht. Wenn ich beispielsweise Richtung Augsburg blicke, sehe ich ein Interessensgemeinschaft von rund 100 Leuten, die tatsächlich etwas auf die Beine stellen, Festivals und Partys organisieren und mittlerweile sogar ein Plattenlabel betreiben. Ich glaube (Achtung Wortspiel), es müsste mehr Leute geben, die noch glauben wollen.

    Ich habe ja extra formuliert, „dass es kaum echte Szene mehr gibt“. Mit der Betonung auf dem „kaum“. Natürlich gibt es hier und dort Lichtblicke! Aber wie ich in einem Nebensatz (anscheinend mehr schlecht als recht) versucht habe zu differenzieren: Es kommt halt drauf an, wo man unterwegs ist. Das Thema ist ja das allgemeine Sterben der Clubs und die Gründe dafür. Ein paar regionale Lichtblicke haben da ja nicht das Gewicht, um diesem großflächigen Sterben etwas entgegenzusetzen. Ich finde es super, dass die Leute dort es schaffen, sowas auf die Beine zu stellen und will das überhaupt nicht madig reden. Und wo wir beim Glauben sind: Ich glaube, wenn gewisse Grundvoraussetzungen vorhanden sind, kann sowas klappen, aber offensichtlich sind sie ja vielerorts nicht vorhanden. Hoffnung ist wichtig, aber man muss auch einsehen, wenn die Realität einem einen Strich durch die Rechnung macht. Jedoch sind solche Voraussetzungen nicht in Stein gemeißelt. Man kann nie wissen, welches Schloss sich eventuell öffnet, wenn verschiedene Faktoren irgendwann die richtige Kombination ergeben… Aber man kann wissen, wie wahrscheinlich es ist.

  14. Bekommen Parties durch die späte Anfangszeit nicht gerade ihren Charakter als etwas außeralltägliches? Trägt der Umstand, dass sie entsprechend spät in der Nacht anfangen nicht genau dazu bei, dass diese zu etwas besonderem werden? In der Nacht als einem besonderen Ort, in Abgrenzung zum Tag und dem alltäglichen? Als ein Ort in dem die Welt eine andere ist? Parties sollen ja eigentlich etwas mit der zelebration von schönheit (Musik) und leben und emotion zu tun haben. Passt doch viel besser in die Nacht. Ja, auch ich bin oft müde und halte auch nicht immer den ganzen abend durch. Aber ich finde die späte Anfangszeit trägt auch zum besonderen Charakter bei. Vorher zurecht machen, auch mit Musik einstimmen, vllt noch Freunde treffen, in der besonderen nächtlichen Atmosphäre unterwegs sein, die Hektik und die geschäftigen Menschenmassen hinter sich lassen, eintrudeln. Dann kann auch um 2 nach hause gehen gut sein. Es geht nicht um die Masse des erlebten sondern um die Qualität. Zunehmend gehe ich nicht nur weil ich müde bin früher, sondern auch weil es oft viel schöner ist, wenn man geht solange es noch gut ist. Aber eben auch das im morgengrauen nach hatte gegen hat was. In der klaren kälte eines wintertages, in den ersten lauen strahlen der sommerlichen morgensonne, wenn für Welt langsam erwacht. Das ist nicht drin, wenn die party schon um 8 anfängt. Zumindest ich halte ganz sicher keine 10h durch. Ja, Architektur neun tag ist dann hin, aber ehrlich, eben Tod muss man sterben.
    Ich kann jeden Kommentar irgendwie verstehen, aber ehrlich mal, die eierlegende wollmilchsau ist nicht. Vllt mal weniger Gründe dagegen, sondern einen dafür finden, gute Freunde schnappen und einen Abend und folgenden Tag im Monat opfern und die Sache genießen – und sei es nur, dass man einen guten abend mit netten Menschen hat, hatte auf musikalisch nicht so tollen Abenden schon echt gute Gespräche und nette Leute kennengelernt ;-)

    Was die musikauswahl angeht muss ich meinen Vorrednern aber leider zustimmen -.-

  15. Die Clubs sind allesamt selbst schuld. Keinerlei Mitleid! Und das hat in der Betrachtung mehrere Gründe:

    – Soziale Medien sind eigentlich nicht wirklich ein Problem. Das Problem liegt eher im Kommunikationsverhalten der jeweiligen Veranstalter (nachfolgend VA). Wie jemand schon schrieb: FB & Co. werden dazu genutzt um ihre Flyer reinzuschmeißen und das war es dann auch. Natürlich kann so nichts entstehen was Menschen einlädt eine Veranstaltung zu besuchen. Man muss Zeit investieren um mit den Menschen wirklich zu kommunizieren, auf Wünsche, Kritik und dergleichen authentisch einzugehen. Das passiert aber nicht! Wurde hier auch schon geschrieben: Wenn man mit den VA reden möchte als Besucher stößt man häufig auf taube Ohren. Das ist in unserer heutigen sehr direkten Gesellschaft natürlich Gift um Vertrauen aufzubauen. Ein Lösungsvorschlag wäre also: Sich als Club offener, sozialer und kommunikativer zu präsentieren. Nein, nicht nur zu präsentieren, sondern es auch zu sein. Man muss anfangen die Menschen in ihren Befindlichkeiten abzuholen.

    – Dazu gehören auch die Zeiten von so einer Party. Warum eine Samstagabendveranstaltung statt 22:00 bis 5:00 nicht mal von 19:00 bis 02:00 laufen lassen? Die ersten Male würde es leer werden. Aber wenn sich das rumgesporchen hat, würde das auf einmal einen ganz anderen Kreis an Menschen ansprechen. Die Kernszene ist nunmal älter geworden. Man hat heute stressige Arbeitswochen und allgemein sehr viel Zeitstress. Man hat einfach nicht mehr die Kraft wie noch vor 20 Jahren die Nächte durchzumachen. Sehe ich ja auch an mir selber: Wenn ich unterwegs bin, bin ich spätestens 2 Uhr knülle und will eigentlich nur noch heim. Und so geht das sehr vielen, wie man ja auch hier liest. Also zweiter Ansatz: Veranstaltungen mehr auf verschiedene Altersstrukturen anpassen und die Zeiten darauf anpassen.

    – Um auf Befindlichkeiten einzugehen wären auch verschiedene Veranstaltungskonzepte nett. Ganz ehrlich: Ich halte in der heutigen Zeit dieses alte Disco-Konzept für überholt. Was hätte ich mir es nicht mal gewünscht bei einer VA mal auf ein Büffet zu stoßen. Oder das die Musik nur auf der eigentlichen Tanzfläche laut ist, aber beispielsweise im Raum davor etwas leiser, sodass man sich auch aktiv unterhalten kann. Der Club als sozialer Treffpunkt würde eben auch heute noch funktionieren, wenn man diese direkt darauf auslegen würde. Das fängt bei der Einrichtung ein, die häufig alles andere als einladend und gemütlich wirkt, geht dann darüber das man sich im kompletten Innenraum eines Clubs nicht unterhalten kann und geht schließlich dahin, dass von Betreibern einzig und allein volle Tanzflächen und verkaufte Trinks als Messwert fü Erfolg gesehen werden. Das halte ich ebenfalls für absurd. Lösungsansatz: Schwarze Veranstaltungen sollten nicht nur aufs Tanzen ausgelegt sein, sondern auch mehr Lounge bieten. In dem Sinne, dass es auch Ecken gibt, wo ein sich Unterhalten und Austauschen möglich ist, ohne das man seine Stimmbänder übermäßig strapazieren muss. Das ging vielleicht noch mit 14, 15 – aber als 33 jähriger Mann fühlt man sich dann doch eher dumm wenn man andere Leute anschreien muss um zu kommunizieren.

    – Musik: Ist eigentlich der einfachste Posten, könnte man meinen. Wenn einige Kommentatoren anmerken, dass allzuhäufig die Mischung fehlt, haben sie recht. Entweder man spielt halt die totgespielten Gassenhauer aus Kriegszeiten ODER man hört irgendwelches obskuren Kram. Entweder man hört ständig das eine Genre ODER das andere Genre in Dauerdurchlauf. Das nervt! Tatsächlich sind das hier die DJs, die sich häufig nicht bewegen können oder wollen. Die Einen spielen etwas, weil sie schon immer das gespielt haben. Und die anderen DJs, die Conaisseure, meinen ihren exclusiven Geschmack als Gradmesser ansehen zu wollen. Als guter DJ sollte man IMO aber für Ausgewogenheit und verschiedenen Stimmungen sorgen. Da sollten Siouxsie neben DAF neben Waldkauz neben Psycho Luna neben Hante neben Nomotion neben Antichrisis und neben I-M-R Platz haben.

    Letztes Jahr habe ich mal bei einer privaten Geburtstagsfeier aufgelegt und mich an folgendes Konzept gehalten:
    – Ein Genre nicht länger als 12-15 Minuten spielen
    – Für harmonische Übergänge zwischen den einzelnen Genres sorgen
    – Unbekanntere Newcomer-Acts neben Klassiker und neben lange nicht Gehörtes stellen – Immer schön rotieren und für Abwechslung sorgen

    Und das kam extrem gut an unter den ca. 60 Leuten, die da waren. Ich bin mir sicher, dass man sowas auch in normaler Clubumgebung gut umsetzen könnte. Leider habe ich von den VA die ich bisher angefragt habe, schlicht und ergreifend immer nur Absagen bekommen – häufig mit dem Hinweis, dass mein Konzept „absolut clubuntauglich“ wäre. Da fehlt da wohl auch die Vorstellungskraft, dass da jemand Eintritt bezahlen würde. Die Leute die mich bisher für Veranstaltungen engagiert haben und die dazugehörigen Gäste, waren dagegen immer sehr zufrieden. Da habe ich dann auch schön gehört, dass diese mehr in Clubs gehen würden, würde es dort solch eine musikalische Vielfalt zu entdecken geben.

    tl;dr: keine Anpassung an unsere heutige Kommunikationsgesellschaft, fehlende Konzepte, uninspirierte Musikzusammenstellungen, fehlendes Anpassung an eine andere Altersstruktur der Kernszene, Unbeweglichkeit der Betreiber – ergo: Das Clubsterben ist hausgemacht.

  16. Aber auch hier kann ich bestätigen, dass Veranstaltungen, die früher begannen (wir hatten da mal was um 21:00) partout erst um 23:00 besucht wurden. Es reichte mir, zweimal der erste auf einer leeren Tanzfläche zu sein, danach wurde das Problem vom Betreiber sowieso erledigt und erst wieder um 22:00 geöffnet.

    Ich glaube, das Phänomen wird es immer geben, egal, ob die Veranstaltung um 22 Uhr oder um 12 Uhr beginnt. Niemand ist gern der erste im Club und auf der Tanzfläche, bei vielen gehört es sogar einfach zum guten Ton, nicht zu früh einzutreffen. Aber selbst dort konzentriert sich der Hauptandrang oft auf eine Zeit zwischen einer und zwei Stunden nach offiziellem Beginn der Veranstaltung, unabhägig von der tatsächlichen Uhrzeit. Ich glaube, das hat sich nur bei den Veranstaltern noch nicht so richtig herumgesprochen.

    Parties sollen ja eigentlich etwas mit der zelebration von schönheit (Musik) und leben und emotion zu tun haben. Passt doch viel besser in die Nacht.

    Mag sein, aber im Winter ist es bereits um 17 Uhr dunkel, und ich kenne kaum jemanden über 20, der tatsächlich außer um die Sommersonnenwende herum, jemals lange genug ausgeht, um das Morgengrauen zu erleben, eben weil auch die Anforderungen des Alltags eine Rolle spielen. Es geht ja nicht nur darum, dass man müde ist, sondern oft schlicht auch darum, dass das Wochenende für Dinge genutzt wird (bzw. werden muss), die unter der Woche nicht erledigt werden können. Wenn man dann aber den kompletten restlichen Samstag oder Sonntag zum Schlafen und zur Regeneration benötigt, weil man erst um 4, 5 Uhr oder noch später ins Bett gekommen ist, ist das einfach nicht möglich. Und wie Tanzfledermaus bereits geschrieben hat, ist es doch oft so, dass man vor der Veranstaltung erst einmal ein paar Stunden herumsitzt. Klar könnte man die auch für den anderen Kram nutzen, aber nur wenn man dafür eben kein Tageslicht benötigt oder sonstwie zeitlich oder motivatorisch gebunden ist.

    Bei der Lautstärke habe ich allerdings einen anderen Eindruck, denn oftmals erscheint es mit auch zu leise, weil Discos in unserem Einzugsgebiet regelmäßig dahingehend geprüft werden.

    Das scheint hier (Rhein/Main) nicht der Fall zu sein und hängt sicher auch immer von der Location ab. Ich denke aber, eine gute Lautstärke ist so, dass ich dem Menschen neben mir was ins Ohr sagen kann und mich dabei noch selbst höre und verstehe…

  17. Es gab/gibt doch bei manchen Clubs, die verschiedene Musikrichtungen an einem Abend spiel(t)en, das Konzept, dass bis um eine bestimmte Uhrzeit die eine Richtung gespielt wird und danach dann gewechselt wird (z.B. bis Mitternacht Dunkles, Alternatives und Indie und später Mainstream-Rock, Metal usw.) . Das hat(te) natürlich zur Folge, dass manche nur früh erscheinen und wieder gehen, wenn ihre Musik nicht mehr gespielt wird und dafür die anderen später erscheinen. Man wusste, in welchem Zeitraum es sich lohnt, auszugehen und auf Gleichgesinnte zu treffen. Und der Club hatte fast einen Garant dafür, dass auch schon frühzeitig Publikum erscheint.
    Im Berliner „Dunckerclub“ war es z.B. so, dass von 22 Uhr bis Mitternacht Neofolk, ruhige dunkle Klänge und Apocalyptic bzw. Industrial lief, und dann später ein Mix aus Klassikern und neueren Titeln und Bands. Und es wurden auch einige Musikwünsche gespielt.
    Wer schon früher kommen und einfach nur Leute treffen wollte, konnte sich solange in den Garten oder in die Cocktailbar setzen, ab Mitternacht setzte dann allgemeine Partystimmung ein. Das Konzept finde ich gut, weiß aber nicht, wie es inzwischen läuft, da das DJ-Urgestein Orlög seit dem Jahreswechsel leider nicht mehr dort auflegt und ich seitdem noch nicht dort war.

    Diskos mit Mehrzweck-Räumen gibt es zwar schon, aber das Konzept finde ich auf jeden Fall gut, ausbaufähig und soweit ich es beurteilen kann, wird sowas auch gut angenommen. Beispiele: Im Zwischenfall gab es damals einen Kicker-Bereich, in der Kultufabrik Berlin (Factory-Party) gibt es vorne die angeschlossene Bar/Lounge, im Duncker Club eine extra Cocktail-Bar und einen Sommergarten, damit man sich auch mal abseits der lauten Tanzfläche aufhalten kann. Durch die inzwischen eingerichteten Raucherräume in manchen Clubs bietet sich auch hier eine Möglichkeit, Auszeit vom Lärm zu nehmen.
    Im Duncker gab es auch mehrmals im Jahr ein liebevoll dekoriertes kleines Buffet, zu diversen (meist heidnischen) Festtagen wie Beltane, Samhain, Sonnenwende, Julfest. Das war im Eintrittspreis dabei, der an diesen Tagen nicht erhöht wurde. Im Nebenraum wurde auch mal eine kleine Ausstellung gezeigt, z.B. über das Label 4AD.
    Die „Factory“ feiert einmal jährlich ihre Geburtstagsfeier mit kleinen Gimmicks als Geschenk für die Gäste, z.B. mal in Form eines Berlin-Samplers, einer Tasse, eines bedruckten T-Shirts oder einer Foto-Session.
    Die Motto-Parties der früheren Trashcave-Truppe aus Berlin hatte ich schonmal erwähnt, das waren auch immer sehr liebevoll und aufwendig dekorierte und vorbereitete Events. Da wurde schon Monate vorher gebastelt, dekoriert und geplant.

    Als es das „Schwarze Berlin“ Forum noch (in alter Form) gab, fand dort regelmäßig Austausch zwischen Veranstaltern/DJs und Interessierten statt. Es gab Infos, es konnten Fragen gestellt werden (die auch beantwortet wurden) und es wurden Playlisten und Fotos veröffentlicht, um zu zeigen, was los war und was einen dort erwartet. Da ließ sich ein gutes Bild von einer Veranstaltung machen. Okay, mit Fotos von Parties ist das ja inzwischen so eine Sache, wegen der Persönlichkeitsrechte. Aber meistens fanden es die Gäste schon okay, abgelichtet zu werden – und wer sein Bild nicht online haben wollte, dem wurde der Bitte nachgegeben, es zu löschen.

    Ungünstig finde ich persönlich die Kombination aus Konzerten und Aftershow-Partys, genauer gesagt den Trend, vor eine reguläre Party noch ein Konzert zu setzen. Wer nur tanzen gehen will, muss dann entweder das Konzert (nebst höherem Eintritt) mitnehmen – auch wenn die Band nicht interessiert, oder sehr viel später als üblich erscheinen. Denn in der Regel dauert es zum einen immer lange, bis das Konzert dann auch stattfindet und zum anderen klafft zwischen Konzert und Party meist eine „Pause“, in der noch keiner wirklich im Party-Modus ist. Die Male, die ich eine solche Kombination erlebt habe, kam die anschließende Party immer ewig nicht in die Gänge. Die Leute standen einfach weiter gelangweilt rum (was sie in Berlin auf Konzerten ja auch ehr meist tun, Berlin ist ja schon berüchtigt für’s Passiv-Konzert-Erleben).

  18. Nun, Tanzfledermaus, das mag vielleicht auf Berlin so zutreffen, aber leider nicht überall.

    Im Berliner „Dunckerclub“ war es z.B. so, dass bis Mitternacht Neofolk, ruhige dunkle Klänge und Apocalyptic bzw. Industrial lief, und dann später ein Mix aus Klassikern und neueren Titeln und Bands. Und es wurden auch einige Musikwünsche gespielt.

    So abgetrennt finde ich das aber eher suboptimal. Ich finde Konzepte spannend, wo wild durchrotiert wird und wo eine Stimmung in die andere greift. Wenn es um das zelebrieren von Musik gehen soll, dann müssen auch verschiedene emotionale Stimmungen erzeugt werden, selbst wenn es der allgemeinen Partylaune vielleicht zuwiderläuft. Vielleicht ticke ich da anders, aber Musik rein als Partyhintergrund zu missbrauchen wird der Musik als Kunstform eben nicht gerecht. Warum nicht mal einen hochemotionalen Song a la „Wenn Sie geht“ von der fantastischen Singer/Songwriterin Nadine Maria Schmidt dazwischenschieben? Vorher vielleicht noch einen Romantic-Folk-Song um die Stimmung langsam darauf vorzubereiten und hinterher mit einem melancholischen aber tanzbareren, wie sie etwa Stillife produzieren, die Stimmung wieder heben?
    Sowas würde ich als Besucher extrem spannend finden, weil man dann mitgenommen wird auf eine Reise durch verschiedene Stimmungen. Das ist doch als Musikliebhaber viel befriedigender als wenn jetzt eine halbe Stunde „der ein und derselbe Song“ (überspitzt formuliert) in verschiedenen Ausführungen gespielt wird und in der nächsten halben Stunde dann wieder eine Reihe von Songs die sich wiederum untereinander nicht unterscheiden. Da stehe ich dann die halbe Stunde da und langweile mich bestenfalls. Das finde ich nicht sonderlich befriedigend, schlicht weil ich mich nicht auf Stimmungen einlassen kann.

    Durch die inzwischen eingerichteten Raucherräume in manchen Clubs bietet sich auch hier eine Möglichkeit, Auszeit vom Lärm zu nehmen.

    Und darf sich dann von militanten Rauchern die eigene Gesundheit zerstören lassen. Yay. Vor den Clubs, wo es keine Raucherräume gibt, sieht es übrigens nicht besser aus. Weil da immer rund 10-20 Leute rumstehen und rauchen. Vielleicht sind da meine Ansprüche mit dem Alter wirklich gestiegen? Früher hätte mir das weniger was ausgemacht, aber mittlerweile achte ich extrem auf solche Dinge.

    Im Duncker gab es auch mehrmals im Jahr ein liebevoll dekoriertes kleines Buffet, zu diversen (meist heidnischen) Festtagen wie Beltane, Samhain, Sonnenwende. Das war im Eintrittspreis dabei, der an dieen Tagen nicht erhöht wurde.
    Die „Factory“ feiert einmal jährlich ihre Geburtstagsfeier mit kleinen Gimmicks als Geschenk für die Gäste, z.B. mal in Form eines Berlin-Samplers, einer Tasse, eines bedruckten T-Shirts oder einer Foto-Session.

    Das sind gute Schritte, aber leider lange nicht überall etabliert.

    @Victor:

    Ich glaube, das Phänomen wird es immer geben, egal, ob die Veranstaltung um 22 Uhr oder um 12 Uhr beginnt. Niemand ist gern der erste im Club und auf der Tanzfläche, bei vielen gehört es sogar einfach zum guten Ton, nicht zu früh einzutreffen. Aber selbst dort konzentriert sich der Hauptandrang oft auf eine Zeit zwischen einer und zwei Stunden nach offiziellem Beginn der Veranstaltung, unabhägig von der tatsächlichen Uhrzeit. Ich glaube, das hat sich nur bei den Veranstaltern noch nicht so richtig herumgesprochen.

    Mein Reden. Es fehlt da wohl, wie so häufig, einfach mal der Mut so ein Konzept über einige Zeit konsequent durchzuziehen. Und das ist tatsächlich immer der Fall, von Konzerten über private Feiern bis hin zu sonstigen Veranstaltungen. Es gibt immer die Leute die perse später kommen. Die das einfach nicht mögen mit als erste da zu sein. Und ich bin da auch der Meinung, dass das unabhängig von der eigentlichen Zeit ist.

  19. @Tanzfledermaus

    Wer nur tanzen gehen will, muss dann entweder das Konzert (nebst höherem Eintritt) mitnehmen – auch wenn die Band nicht interessiert, oder sehr viel später als üblich erscheinen. Denn in der Regel dauert es zum einen immer lange, bis das Konzert dann auch stattfindet und zum anderen klafft zwischen Konzert und Party meist eine „Pause“, in der noch keiner wirklich im Party-Modus ist.

    Ich kenne das von mehreren Gelegenheiten/Locations. In der Regel wurde das aber so gehandhabt: das Konzert geht 20 Uhr los, die Party 22/23 Uhr. Wer das Konzert sieht, kommt kostenlos zur Party, die anderen zahlen nur die Party. Wenn das Konzert noch nicht beendet war, durften die Leute trotzdem rein und haben eben den Rest vom Konzert gesehen (und wer will schon einer Band wie Welle:Erdball vorschreiben, dass sie vor 23 Uhr aufzuhören haben, wenn sie bis 24 Uhr spielen wollen). Aber wie gesagt: das hängt immer vom Veranstalter ab.

  20. Servus! Schön zu lesen das man nicht alleine dasteht, wenn man ab einem gewissen alter Abends… nein Nachts… einfach müde ist nach der Arbeitswoche. Im DK Dance (OS) gingen damals Montags die schwarzen Partys um 20:00 los.Tag „doof“ Uhrzeit prima. Mittlerweile ist zB im X (HF) oder HydePark(OS) um zehn noch fast nix los. Langsames eintrudeln, ruhiges bespielen der Tanzfläche etc. Vor halb elf/ elf ist echt noch tote Hose. Bis ich dann um halb eins/eins nach tanzen und kucken … und tanzen…. nach hause fahre… mit dem kaputt müden Sa oder So folgend, hab ich also 1,5-2 Std Zeit für Spaß als Belohnung für mindestens 40 Min ein Weg. Was mich gleich weiter bringt: Die Dorfdiscos sind tot, und die alternativen Dorfdiscos damit wohl auch. Diese gesunde Mischung zwischen Dorfjugend die sich da „hin traut“…man hört ja so einiges… und damit auch Anschluss an die Szene finden kann wenn sie denn wi!l, reiferen Eigeborenen die sich freuen das man da noch ne Kneipe hat und sitzen kann, und der Mischung aus Gruftis, Punks, Metallern, bla, aus Dörfern drum zu, und den nächstgelegenen Klein-und Mittelstädten. Ich denke da zB konkret an den Pleasure Dome Oppenwehe. Mit diesem sterben hat sich die Szene quasi ein Stück weit mehr urbanisiert und abgekapselt, und dreht sich quasi ein Stück mehr im eigenen Saft. Das meine ich nicht nur negativ. Ist ja auch mal schön in der „großen Stadt“ und unter sich zu sein… wenns um elf/halb zwölf dann langsam mal losgeht. Und wenn man keine bzw weniger „Normalos“ bekucken muss, kann man sich viel besser gegenseitig mehr oder weniger kritisch beäugen. Oder über die Musik meckern. Wer nicht bis in die Stadt will oder kann, oder Nachts müde ist, kann ja auch gruftig im Internetz leben… das erfüllt bestimmt ausreichend, vielleicht auch auf ein/zweimal im Jahr Festival warten… oder das Ganze an den Sargnagel hängen.

  21. Im Grunde genommen wurde hier schon alles gesagt, was die persönliche Ausgehmüdigkeit betrifft.

    Ich bin vor ca. über einem Jahr nach Wesel gezogen – am Pottrande also. Erst habe ich mich mega gefreut, da es hier viel mehr Clubs und Möglichkeiten gibt, als damals im ollen Sonneberg. Aber es war naiv zu glauben, dass Quantität gleich Qualität bedeutet.
    Wir haben einige Clubs abgeklappert, auch welche, die von Bekannten richtig gehypt wurden.
    Wahrscheinlich mache ich mir jetzt viele Feinde, aber bspw. habe ich mir vom Shadow in Leverkusen nach all den Lobpreisungen wesentlich mehr erhofft. Und dann wars doch nur eine winzige Tanzbar mit schlechter Anlage.
    Und so fuhren wir durch den halben Pott und letztlich überzeugte nichts so wirklich.
    Es ist nämlich unterm Strich total egal, nach welchem Etikett man geht. Die Playlisten sind fast immer die Selben. Das ist so unendlich langweilig und frustrierend. Nicht nur, weil man das alles schon kennt, sondern weil auch gar keine Stimmung, kein Feeling aufkommen kann.

    Die beste Party, auf der ich war, war die „Apocalyptic Cocktails“ beim WGT.
    Da stimmte einfach alles. Die Location, die Besucher, die Playlist, die Anlage.
    In der Playlist war von Wald-und-Wiesen-Neofolk bishin zu recht typischen Bands wie Janus“ alles vertreten und es harmonierte dennoch sehr gut und jeder kam auf seine Kosten. Ich habe stundenlang getanzt, auch wenn ich so einiges gar nicht kannte.
    Wenn ich eine Garantie hätte, das andere Parties qualitativ ähnlich sind, würde ich auch noch längere Fahrtwege in Kauf nehmen. Ich würde auch in einem Hotel pennen.
    Diese Garantie bekommt man aber schwer.
    Wir haben jetzt einige Veranstaltungen im Auge, denen wir mal eine solche Chance geben wollen. Das birgt aber die Gefahr, dass man genau dann dort ist, wenn der Abend nicht so läuft.

    Ich verstehe, dass Clubbetreiber und DJs im Zwiespalt sind. Aber vielleicht braucht man in diese Positionen wieder eine Art „Leck-mich-am-Poppes“-Haltung oder einfach auch nur mehr Mut. Mut um einfach mal wieder zu experimentieren. Oder Mut einfach mal Parties zu veranstalten, die eben nicht so laufen, wie die bisherigen, die mehr Planung bedürfen und deshalb seltener stattfinden. Einfach mal sich nicht ausschließlich als Dienstleister verstehen, sondern als jemand, der Neues einbringt oder verbreitet.

    An und für sich gehe ich gerne weg. Ich würde auch echt gerne mal wieder weg gehen. Aber ich fahre so ungern 1 Stunde und länger, um zum 1000. mal Lieder zu hören, die bereits immer liefen, als ich vor 10 Jahren damit begann, überhaupt mal raus zu gehen.

    Von mir aus können wir auch einen Spontis-Arbeitskreis bilden und unsere eigenen Parties machen. Ich kenne mich mit Planung und Finanzen nicht aus, aber ich kann ja häkeln lernen und die Klodeckel der Location damit eingruften, wenn es zu einem besseren Feeling beiträgt.
    Das meine ich im übrigen ernster, als ich es letztlich umschrieben habe.

  22. Von mir aus können wir auch einen Spontis-Arbeitskreis bilden und unsere eigenen Parties machen. Ich kenne mich mit Planung und Finanzen nicht aus, aber ich kann ja häkeln lernen und die Klodeckel der Location damit eingruften, wenn es zu einem besseren Feeling beiträgt.

    Warum macht ihr bei Euch um Pott denn nicht solche Veranstaltungen wie es sie hier in Sachsen oder in Bayern gibt? Stichwort Blaue Stunde oder Nacht der Blauen Blume. Ihr sucht euch ne hübsche Location und veranstaltet halt gemeinsam etwas. Ganz unkommerziell, jeder bringt was mit und bringt sich ein. Der eine ist für die Musik zuständig, der Nächste macht vielleicht Livemusik die Übernächste vielleicht ne kleine Lesung, wiederum andere machen Buffet, etc.

    Ich denke, dass die kommerziellen Anbieter nicht mutig genug sind sowas zu machen, also muss man es eben selbst machen. Einfach anfangen.

  23. Dem muss ik leider zustimmen, eine Sache habt ihr aber vergessen und zwar werden wir och alle älter. Die Leute, wie ik, die in den späten 80igern und 90igen bis frühen 2000dern jedes WE aus feiern waren haben mittlerweile Kinder und nen festen Job. Wir haben haben jetzt zwar mehr Geld als „früher“ wo nach 3 Bier das Portemonnaie alle war, aber wir haben keine Zeit und oft auch keine Energie mehr, oder keinen Babysitter. Wenn es dann doch mal klappt auszugehen und es erst ab 11 losgeht, aber um 6 schon das Baby wach ist und du gerade erst rein bist – das machst halt auch nur einmal…

  24. Mir fällt immer auf wenn ich mich doch mal wieder in die Disco verirre, das immer die gleichen Songs laufen. Selbst wenn es mal Songs von einer meiner Lieblingsband sind sind diese mindesten vier bis fünf Alben her. Um neue Musik zu entdecken gehe ich auf Festivals oder spontan auf Konzerte die mir Freunde empfehlen. Da habe ich definitiv mehr von.

  25. Sorry, ein zentraler Faktor fehlt: welcher 15jährige hat Lust mit seiner Elterngeneration zu feiern? Gerade unter einer Horde 40-50jähriger, die ihrer Jugend oder einem nie erlebten Jahrzehnt hinterhertrauern, sagt man sich schnell: „Boah, da geh ich lieber mit Freunden an den See“. Musikkonsum hat schlichtweg nicht mehr den Stellenwert, den er mal hatte. Und demographisch gesehen verteilt sich die potenzielle Kundengruppe grundlegend anders, da deutlich weniger Jugendliche nachkommen. Das zieht zwingend ein Clubsterben nach sich. Diese Punkte wurden oben übersehen.

    Irgendwann denkt man sich in einem nüchternen Moment auch schon als Mittzwanziger im Club: „I don´t want to be that bandshirt-guy“.

  26. Ein weiterer Faktor ist meiner Meinung nach das Jugendschutzgesetz, dass heute eifach deutlich strenger ist als noch vor 10 Jahren. Theoretisch gesehen braucht man für alles was nach 24 Uhr stattfindet eine Aufsichtsperson und eine schriftliche Einverständniserklärung der Eltern. Für diejenigen, die das nicht haben ist es doof, das eine Veranstaltung erst 23 Uhr anfängt.
    Klar ist das mit der Kontrolle so eine Sache. Ich zumindest kann mir nicht vorstellen, dass Punkt 0 Uhr jemand über die Tanzfläche geht und alle Minderjährigen ohne Begleitung rausschmeißt.

  27. Das Problem ist neben natürlich Raucherschutzgesetz und anderen Gängelungen wie GEMA etc vor allem das Konsumverhalten…….gerade in bestimmten Szenen erlebt man immer wieder das Leute sich gerade den eh schon günstigen Eintritt von oft nur 3 -5 Euro gerade so zusammenkratzen….Alk wird dann vor dem Club aus der versteckten 4,99 Schnapsflasche getankt….und im Club dient der Wasserhahn auf dem Klo als Durstlöscher…..

    Dazu kommt noch das gerade diese Schmarotzer sich dann noch als „Old School“ oder was auch immer bezeichnen und jedweden anderen dann auch noch vergraulen.

    Bei so einem…sorry…Arschlochpublikum…kann man es den Clubs nicht verdenken entweder zuzumachen oder 08/15 Mainstream Programm zu machen….Publikum ist zwar langweilig aber es kauft zumindest Getränke anstatt den Wasserhahn auf dem Klo leerzusaufen…

  28. @Robert : Ich denke das Problem sind weniger die „Musikexperten“ sondern ein breitgefächertes Desinteresse daran, neue Musik zu entdecken und sich darauf einzulassen. Ist regional verschieden natürlich. Ich merke in Frankfurt zum Beispiel öfter mal, dass Hypes hier mit 2 Jahren „Verspätung“ ankommen und die tolle neue Band, die vor zwei Jahren „langweilig“ war und „nicht tanzbar (spiel doch mal Bauhaus…)“ plötzlich auf jeden Wunschzettel steht, permanent erfragt wird (Natürlich nur die Lieder, die woanders vor 2 Jahren liefen… Neues Album ? Ieeeeeeeeeeeh….). Hipster sind da deutlich offener, neugieriger. Ja, vielleicht weniger aus tiefem Interesse und innerem Drang als aus dem Gefühl, „dass man sich damit beweisen muss“. Ich würde mir da wünschen, dass die Gäste zumindest ihre Basics „kennen“ (nicht zwingend mögen !). Es sollten Joy Division, Bauhaus, Cure geläufig sein. Man kann sie langweilig finden, aber sollte wissen wer das ist als Szeneurgesteine. Und vielleicht (vor allem wenn man sie „= die Hits“ doch mag) auch erkennen. Zumindest die Klassiker. Nicht nur den einen Lieblingssong. Und offen sein für neues. Auch wenns nur aus der bevorzugten Sparte ist. Man könnte beim DJ mal fragen wenn man ein Lied nett findet. Man könnte im Youtube auch mal rechts runterscrollen und bei den Empfehlungen neues entdecken. Man könnte beim Konzert der Lieblingsband auch mal den Arsch früher rausbewegen und dem Support eine Chance geben – und hier hören die meissten nicht mal in Youtube rein…

    @Axel : Zur Präsentation auf FB, ich frage nach Veranstaltungen immer nach Feedback und Wünschen. Es kommt so gut wie nie was. Hintenrum hört man dann mal „mimimi zu viel/wenig Nebel“, „zu laut“, was auch immer. Aber direkt ? Fast keine Chance. Der Durchschnittsmensch hat keinen Bock sich mit sowas zu beschäftigen (Ausser man kann stänkern. Was die selbe Energie kostet aber wohl befriedigender ist). Er möchte „geliefert“ bekommen. 100% so wie er sich das vorstellt. Das muss der Veranstalter doch wissen !
    Anfangszeiten : Ich selbst komme auch gerne früh, aber beobachte halt immer, dass „die coolen“ schon mehr als angetrunken spät kommen, sich was in die Birne kippen und ab drei dann nicht mehr fähig sind zu bleiben. Hier muss man manchen der Jungen zugute halten : sie kommen zwar spät und druckbetankt, aber halten dann wenigstens oft auch aus bis Sperrstunde. Was hindert den Altgrufti um zehn da zu sein und um zwei oder drei zu gehen, den Junggrufti um zwölf oder eins zu kommen und um fünf zu gehen ? Man hat zwei, drei Stunden Peaktime mit bumsvoll und davor und danach nett bis okay besucht.
    Musik : Ein DJ, der eine grosse Bandbreite hat kann selten in die Tiefe gehen und spielt dann am Ende doch eher bekanntere Sachen bzw. vorwiegend Classics. Ist zwar für nen gemischten Abend wo alles relativ gleichwertig bedient wird okay, weil man in einem 20min-Block eh keinen Tiefgang reinkriegt ausser mit harten Breaks zwischen den Genres (und dann hat der Abend keinen Flow und wird auch kacke…), aber das wollen viele nicht. Ich nehme mich da auch nicht aus. Wenn ich Samstags abends ausgehe will ich kein Cyber, Metal, Futurepop oder Mittelalter hören. Ich will auch keinen Batcave oder Neofolk hören wenn ich in der Stimmung für EBM oder (richtigen :D) Industrial bin. Von daher mag ich Konzepte mit mehreren Floors die zueinander passenden Sound spielen. Mag ich alles lauf ich rund, mag ich nur eins bleib ich auf dem Floor.

  29. Zum Thema Musik: Was gespielt wird, hängt (leider) immer vom Publikum ab. Die Partys, nach denen hier viele schreien, gibt es schon längst – oder hat es gegeben. Musikalische Mischungen und mutige und engagierte DJs, auch hier im Pott. Wenn diese Partys jedoch 2-3 mal mit jeweils 50 Personen stattfinden, wo sonst 300 hineinpassen, dann macht das kein Betreiber lange mit. Davon gehe ich aus. Besser gesagt: Das musikalische Konzept ist meiner Ansicht nach nicht der Kern allen Übels. Dass ihr in Läden landet, in denen immer die gleichen Lieder laufen, ist daher kein Wunder, denn diese Läden bedienen die breite Masse und sicher damit ihr Überleben. Sie sind Anziehungspunkt und Treffpunkt auch für viele Leute „die früher mal dabei waren“. Die wollen einfach ihre 3-4 Lieblingslieder hören und fertig. Tradition, Gewohnheit, Sturheit, Alter – mir egal worauf man das schiebt.

    Wir sind beim Alter der Szene, genauer gesagt, bei der demografische Entwicklung. Die „alten“, die damals nur durch die Discothek Musik kennengelernt haben, ihre Szene-Kontakte pflegten und dem Alltag entflohen, sind nun in einem Alter, in dem alles mögliche genau das nicht mehr möglich macht. Familie, Beruf oder das Alter selbst. Wenn du mit 50 eine Nacht durchtanzt, bis Du in der Regel eben urlaubsreif.

    Auf der anderen Seite stehen die „jungen“ Leute, die mit dem Internet aufgewachsen sind, die den Weg in die Szene über FB beschreiten und einen Großteil ihrer sozialen Kontakte dort pflegen. Die Flucht in eine andere Welt geschieht nur noch vor dem Bildschirm. Auch die gehen wenig aus, weil sie eben alles, was den Mensch ausmacht, über das Internet bekommen. Jedenfalls glauben sie das.

    Das sind zwei Entwicklungen, die nicht aufzuhalten sind, die unumkehrbar erscheinen und die sich trotz aller Beteuerungen und Versuch immer weiter fortpflanzen.

    Ist das gut oder schlecht?

    Weder noch. Es ist eben so. Es gilt, das beste daraus zu machen. Und das geschieht eben nicht nur durch ein ausgefeiltes DJ-Set, sondern auch über Vernetzung, Community, Ideen und Engagement. Nur ein Beispiel: Sich allein auf FB zu verlassen, um sein Konzept zu verbreiten, ist fatal. Denn ohne das wir es verhindern können, steuert der blaue Riese die Reichweite jeder geteilten Veranstaltung. Außerdem bedeuten große Freundeskreise auch immer einen großen Verbreitungsgrad, was für eine Party natürlich kontra-produktiv ist. Party-Reihe XYZ hat 1700 Follower. Wow! Das klingt großartig! Steckt man den Radius jedoch auf 50km um den Veranstaltungsort, wieviel bleibt dann übrig? 170? Schon ist das gar nicht mehr so großartig. Gerade wenn du einen Laden füllen willst, der 300 Leute fasst. Der User wird unterdessen mit Veranstaltungen zugeballert, die unter Umständen 750km weit weg sind. Worin liegt da der Sinn?

    Betreiber und Veranstalter täten ein gutes daran, genau das zu berücksichtigen, zu nutzen und zu steuern. Jedenfalls so gut wie möglich. Und auch wenn das kompliziert klingt, ist es doch einfach als gedacht. „Wander-Partys“ beispielsweise, die durch die Republik ziehen und so lokal die Möglichkeit bieten, gute Musik zu hören. Eine Vernetzung von Betreibern und Veranstaltern hilft hierbei. Karten könnte man im VVK anbieten, das sichert möglicherweise einen soliden Kundenstamm. Die gebuchte Karte kann man sich dann ausdrucken oder auf das Handy schicken lassen. Aber das sind nur mögliche Ideen.

    ——–

    @A:

    welcher 15jährige hat Lust mit seiner Elterngeneration zu feiern?

    Dieser Erfahrung kann ich in der Gothic-Szene NICHT bestätigen. Vor einiger Zeit habe ich für das Pfingstgeflüster eine Umfrage gestartet, ob die Besucher eine Party genau das stören würde, das Ergebnis fiel eindeutig aus. Niemand störte sich daran. Weder die 15-jährigen noch die Elterngeneration.

    @Laria: Auch das Problem könnte durch eine stabile Community aufgefangen werden. Ich selbst habe schon auf Spontis-Treffen, wie beispielsweise der gemeinsame Besuch eines Mini-Festivals in Frankfurt, solche „Partnerschaften übernommen“.

    @Rhodan: Nun ja, Schmarotzer gibt es wohl überall. Die meisten finden auch Lösungen zu solchen Problemen. Gute Partys dürfen daher auch gerne mal 5 Euro Eintritt und 5 Euro Mindestverzehr nehmen. Leute, die draußen trinken wollen oder die ihren Durst in der Kloschüssel stillen, wirst du immer haben. „Arschlochpublikum“ Wie wäre es denn, wenn man 20 Euro eintritt nimmt und die Getränke selbst mitbringen darf? Zu verwegen? Meine Vorschläge sind sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss, aber möglicherweise ein Impuls für eine Veränderung. AUCH beim Publikum.

    Und ja, ich selbst muss mir da an die eigene Nase fassen, gehöre ich doch zu der Generation, die die Unlust zum Ausgehen auf das Alter oder die beruflichen Umstände schiebt. (3-Schicht Betrieb) Falls mir das jemand vorwerfen möchte ;)

  30. So, Kinder der Nacht. Den Artikel, sowie Eure Kommentare habe ich mir aufmerksam durchgelesen. Als Veranstalter und DJ der Szene seit 1996 kann und möchte ich zu einigen Dingen auch Stellung beziehen.
    Ich finde es zunächst großartig, dass und wie das Problem überhaupt erst thematisiert und zur Sprache gebracht wird. Ausserdem gefällt mir die differenzierte Betrachtungsweise der Kommentatoren und Ihre Sichtweisen dazu, wennglich ich nicht alle teile. Es geht hier gar nicht darum den Schuldigen zu suchen und die Ursache, sondern ihr habt das Zusammenspiel mehrere Faktoren schon gut erkannt.

    Das meiste aus dem Artikel kann ich so stehen lassen und zustimmend nicken.
    Ein paar Sichtweisen möchte ich noch einbringen / ergänzen :

    – Es stimmt, dass man als DJ zu den totgenudelten Sachen greift und diese spielt, anstatt innovativ zu werden und Neues auszuprobieren. Aber warum ? Weil dazu die Tanzfläche immer so schön leer ist ? Weil der DJ sich schon den ganzen Abend darauf freut, endlich zum 70.000sten Mal endlich „Ich will brennen“ spielen zu dürfen ? Wenn man damit schon mal anfängt, kann man an anderen Stellen doch gleich mal weitermachen. Beispiele : Wieviel Likes bekommst Du, wenn Du „Irregular Times“ auf Facebook als Link postest ? Und wie viele, wenn Du mal was anderes dieser Band postest ;-) ? In solchen Momenten darf jeder selbst mal DJ spielen und simulieren. Oder : Warum zieren immer wieder dieselben Bands die Titelblätter der Szenen-Musikzeitschriften ? Bei diesem Punkt kommt noch ein nicht unerheblicher Aspekt ins Spiel : Ja, man hatte auch früher zu den neuen Sachen eine leere Tanzfläche. Die Leute haben sich hingesetzt und eine Raucher- oder Getränkepause eingelegt. Aaaaber : Die haben den neuen Song wenigstens gehört und er bekam somit eine Chance. Heute ist die Frage an mich allgegenwärtig : „Was spielst denn so als nächstes, weil ich will gerne raus eine Rauchen gehen“. Und ich weiss was ich nun sagen muss, damit der Gast bleibt. Und was ich sagen muss, damit er Rauchen geht.Samt den anderen Leuten gleich mit. Heute leert sich leider nicht nur die Tanzfläche bei neuen Songs, sondern gleich der ganze Club. Eben weil jeder endlich darauf wartet und die Gelegenheit nutzt, entweder mal auf die anderen floors zu schauen (da könnte ja was laufen, dass man kennt) oder raus zum Rauchen zu gehen. Die Freundinnen gehen dann natürlich zum Quatschen und aus Solidarität gleich mit – selbst dann wenn sie selbst noch nicht mal rauchen… Möchte ich den CLub wieder füllen, grabe ich schnell „Closer“ von NIN wieder aus (Richtig – weil ich den ganzen Abend schon drauf warte, mich unendlich darauf freue und es ja sonst keine Songs von NIN gibt ;-) ) . Am besten die Anlage weiter aufdrehen, dass es draussen auch jeder mitbekommt. Muss ich Euch erzählen, was dann passiert ? Nicht wirklich…
    Und freilich stand „Closer“ zuvor ja auch schon, Dank eines äußerst innovativen Momentes eines Gastes, auf meinem Wunschzettel. Gerne hätte ich den Gast ja auch davon überzeugt, mal den neuen Song von NIN laufen zu lassen. Es kam aber genau die Reaktion, die ich erwartet habe : „Mh, ne, kannst nicht Closer spielen ?“ Was habe ich erwartet : „Hey, klasse, gute Idee, es gibt nen neuen Song ? Au ja, spiel bitte mal“. – Fernab jeglicher Realität… Was denkt ihr, was Bands wie die Neubauten, Phillip Boa, Killing Joke, The Mission und Co. die letzten Jahre alles auf den Markt gebracht haben ? Und, nein, da war nicht nur schlechtes dabei. Und, ja, ich habe das konsequent ausgetestet. Auf dem Wunschhzettel lese ich leider davon nie etwas. Und ich habe vollstest Verständnis für die Kollegen, die das erst gar nicht mehr mit dem Austesten versuchen. Also bleibt es eben bei „Container Love“, „Love Like Blood“ oder eben „Closer“. Ich habe im Verlauf der letzten 20 Jahre genug Leute gesehen, die das angekotzt hat und eine Alternative auf die Beine stellen wollten. Und ich habe sie wieder gehen sehen… schneller als man „Pizza“ sagen kann. Bei diesem Thema ist mir auch ein Erlebnis in Erinnerung geblieben, welches sich vor ein paar Jahren in der Stuttgarter „Röhre“ abgespielt hat. Ich testete einen neuen und genialen Song „von „Kirlian Camera“ aus. Also nix mit >100 bpm, Kirmestechno oder sonstiges (um der aufkommenden Kritik gleich mal vorzukommen). Erwartungsgemäß leerten sich Tanzfläche und Club. Aber es kommt noch besser : Zwei Gäste beschwerten sich beim Chef, was ich denn da für einen Scheiss spielen würde, da würde ja nicht einmal einer darauf tanzen. Der Chef kam in den Club und fauchte mich an, die Gäste würden sich schon beschweren und ich solle endlich wieder die Tanzfläche füllen (bis dato war die Tanzfläche übrigens immer voll. Und ratet mal warum^^). Also dann : Military Fashion Show eben. Ich muss Euch erneut nicht erzählen wie es weiterging. Alle wieder glücklich ? Na gut.
    Zum Thema Öffnungszeiten : Eine Öffnung des Clubs um 20 oder 21 Uhr ist fernab jeglicher Realität in der Annahme, dass das 2017 funktioniert. In der Rockfabrik Ludwigsburg bleib man der 20-Uhr-Öffnung bis heute treu. Was ich da erlebe, sind 2 Stunden Langeweile mit 0-max. 5 Gästen ! Das ist Fakt. Ab 22 Uhr kommen dann meist die ersten Gäste und ab 23 Uhr ist es dann nach drei endlosen Stunden endlich voll. Das kostet den Betreiber nur unnötig Betriebskosten. Bei diesem Event ist noch interessant, dass noch immer freier Eintritt geboten wird. Die Leute waren da, die Kritiken stets gut, die Leute zufrieden. Nur der Clubbetreiber nicht. Warum ? Weil der Umsatz katastrophal aussieht trotz vollem Club ! Genau auf diesen Umsatz ist dieser aber bei freiem Eintritt angewiesen. Stattdessen aber sind die Getränke draussen im Auto gebunkert und man nutzt die Tanzpausen (wenn mal gerade nicht „Ich will brennen“ und „Irregular Times“ läuft)eben nicht nur zum Rauchen. Ausserdem ist der Supermarkt nur wenige Meter entfernt und diese haben im Jahr 2017 auch immerhin bis Mitternacht geöffnet. Und wenn alle Stricke reissen, kann man sich auch noch immer an der Zapfanlage in der Toilette über lecker Wasser erfreuen. Da freut sich der Gast mit dem 700-Euro-Handy in der Hand, dass er nun wieder 3 Euro gespart hat.
    Robert muss ich leider recht geben wenn er schreibt, dass sich die Zeit nicht mehr zurückdrehen lässt und diese Spirale noch weitergehen wird.
    Als DJ habe ich vor allem in den 20 Jahren die Veränderung erlebt, dass Du als DJ früher den Gast erzogen hast. Heute will der Gast den DJ erziehen. Früher ist der Gast in den Club um neugierig zu erfahren, welche neuen Songs es gibt die er noch kennenlernen kann. Der heutige Durchschnittsgast geht hin weil er genau die songs hören will die er kennt und auch zu Hause hat. Ganz zu verdenken ist das nicht in einer Zeit, in der das Internet eine totale Reizüberflutung an neuen Bands und Songs anbiedert, vor welcher selbst die DJs kapitulieren. Vor allem wenn man vor der unmöglichen Aufgabe steht, hier auch noch die Spreu vom Weizen zu trennen. Und es machte die Aufgabe des DJs überflüssig, den Leuten zu zeigen, was es Neues und Gutes gibt. Als DAC-Tipper bekomme ich neues Material wie nasse Handtücher um die Ohren gehauen, mehr Masse statt Klasse, das meiste durchgenudelt und zugmal schon kopiert. War alles irgendwie schonmal da. Nur besser. Jeden Monat (!) schiessen neue Bands und Tonträger wie Pilze aus dem Boden. Um dann genauso schnell oft wieder zu verschwinden. Dabei ist die Band doch grossartig als die „Neuen Project Pitchfork“ oder die „konsequente Weiterentwicklung der Sisters“ groß in der Promo angehimmelt worden ? Da frage ich mich auch oft, in welcher Welt eigentlich die Bands samt ihrer Promofirmen eigentlich leben… Doch die Bands, die in den letzten 10 Jahren hochkamen und sich in der Szene etablieren konnten, kann man getrost an einer einzigen Hand abzählen ! Und, ich bin mir sicher, keine der Hunderten von Bands die in den letzten 10 Jahren entstanden wird jemals das erreichen, was „Welle : Erdball“, „And One“ oder „Deine Lakaien“ geschafft haben. Selbst wenn man als DJ versucht, die ganz wenigen guten neuen Bands zu fördern und zu puschen und ihnen eine Chance gibt, Gehör zu finden endet es damit…. aber das hatten wir ja schon.
    Beim Amphi-Festival letztes Jahr fiel mir auf, dass nahezu alle Bands auf der Hauptbühne inzwischen 20 Jahre oder mehr auf dem Buckel hatten. Ich glaube, die „neueste“ Band war noch „Mono Inc.“ mit einem „jugendlichen“ Alter von „erst“ 16 Jahren (Gründung im Jahr 2000). Das Publikum bot dasselbe Bild wie das eines Elternabends. Nicht nur vom Alter her, sondern auch vom Aussehen und Style, welches sich nicht wirklich von Leuten unterschied, die auch bei Xavier Naidoo oder PUR sein könnte. Früher sind bei den Festivals die Leute aufgefallen, die „stino“ unterwegs waren. Heute, so fiel mir auf, werden die Leute die früher eben die Szene ausmachten (aufwändige Frisuren, innovative Kleidung…) wie Menschen, Tiere, Sensationen wild fotografiert. Der Rest verliert sich in einen traurigen Einheitsbrei leider, der überall anzutreffen wäre. Campingmesse, Kleindtierzüchterversammlung. Münztauschbörse.
    Ich werde dieses Jahr von Stuttgart nach Berlin ziehen und mich somit auch nach 21 Jahren grösstenteils als DJ zurückziehen. Mit vielen tollen Menschen und Erinnerungen, die ich als solches gerne behalten möchte. In Berlin werde ich erst gar nicht in Versuchung kommen, mich an einen Mischpult zu vergreifen – mit dem „Last Cathedral“ schloß auch dort letzte Woche der noch letzte verbliebene Club. Mit einem Publikumsandrang zur „Closing Party“, mit welchem es eben diese „Closing“ Party wohl nie gegeben hätte….

    Danke für diese tollen und bewegenden Jahre

    DJ Jolly

  31. Äußerst interessantes Statement von dir, Jolly, macht dich symphatischer, als du bisher auf mich gewirkt hast. Ich verfolge das, was du auflegst und natürlich die Veranstaltungssituation im Raum Tübingen sehr genau und freue mich daher, mal was von jemandem aus der Ecke zu hören :)

    Was ich mit dem Einleitungssatz konkret meine, ist, dass du in meiner anfänglichen Betrachtung, als ich die esten Abende auf der DV in Tü verbrachte so ’n 0815-DJ mit schlechtem Musikgeschmack warst. Jedoch habe ich, wie gesagt mal verfolgt, was du so treibst und siehe da, was mir auffiel: Im ersten Block kommen echt gute Sachen, auch Ruhiges von z.B. Endraum… was dem, was dann die nächsten Stunden folgt, quasi diametral gentgegensteht. Erst zum Ende hin, wenn die meisten dann weg sind, kommen wieder verträgliche Sachen (wie vor ein paar Monaten, als du „Gefangen unter Eis“ von ‚Neuzeit Syndrom‘ auflegtest, vielen Dank nochmal dafür!).

    Spätestens ab da war mir klar, dass du kompetenter bist, als es anfangs schien – nur kommt das eben aufgrund des Publikums nie zum tragen. Denn die wollen auf dem Mainfloor NDH,technoiden Elektro( vulgo Aggrotech),Dark Rock und Mittelalter-Rock bzw. -Metal hören. Hauptsache hart und tanzbar. Ja nichts Ruhiges…
    Und ich verstehe dich (und all die anderen DJs in gleicher Lage), wenn man da gezwungen ist, deren Geschmack zu bedienen. Es ist eben ein Teufelskreis, aus welchem man nicht rauskommt, ohne irgendwen vor den Kopf zu stoßen: Dem belanglosen Publikum, oder dem eigentlich ambitionierten DJ. Und dann gibts ja auch noch die Sache mit dem Geld und der Location..
    Wenn Publikum weg, Veranstaltung tot. (Wobei: Wäre das so schlimm? Entsprießt aus der Asche nicht häufig wieder Leben?)

    Was mir allerdings noch durch den Kopf geht: Ist der Druck des Geldes so groß, dass man DJ echt seine eigenen Vorstellungen über Bord- und sich dem Publikum unterwirft. Könnte es nicht sein, dass man bei konsequenter Umsetzung zwar die einen Besucher rausekelt (eben diejenigen, die das ewig gleiche wollen, und ja nix anderes), dafür aber Andere, Neue bekommt, die sich durch die Abwechslung und das Neue angezogen fühlen?

    Ach, ein kleiner Hinweis noch: Die Lautstärke auf dem Mainfloor in Tü war häufig ziemlich hoch, könnte gerne mal etwas verringert werden, wenn dem auch bei anderen Veranstaltungen von dir der Fall war. Außerdem würde dies der Soundquali garantiert zuträglicher sein und für mehr Genuss der entsprechenden Veranstaltung sorgen ;)

  32. Genau der letzte Punkt von Svartur Nott hält mich von den Clubs ab. Der oftmals grottenschlechte Sound. was man in einigen Läden für ne Kakophonie hört da ist selbst Baustelle gespickt mit 20 Presslufthämmern im Betrieb angenehmer fürs Gehör. Wobei da nicht nur der Club alleine verantwortlich ist sondern die ganze Kette mit der gearbeitet wird. Wenn ein DJ meint mit ner 128kbit MP3 nen Saal beschallen zu müssen kommt mir die Galle hoch.

    Klar heute kann man nicht mehr verlangen CDs oder gar noch Vinyl rumzuschleppen, aber die Ansage vom Clubbetreiber:“Lossless only“ nur FLAC oder WAV Dateien mit die 1:1 vom Originalmedium CD stammen bzw bereits digital bei dem Interpreten auf Bandcamp o.ä. eingekauft würde schon viel helfen. Die roten Lampen aufn Mischpult sind nicht dazu da dass die DJ Bude schön ausgeleuchtet wird sondern dass es ÜBERSTEUERT! Schon diese Punkte beachtet und man brauch dan auch keine millionteure Anlage für guten Sound. Denn diese nützt auch nichts wenn Grütze reinkommt kommt bei ner teuren Anlage am Ende auch nur Grütze raus.

    Und in Sachen Warm Up Phase kann man auch viel von der Technoszene lernen. Da eröffnet in der Regel ab 22:00 der Resident DJ das Set. Und das Stammpublikum ist in der Regel auch schon da. Wie jedes Wochenende. Somit kennt wiederum der Resident DJ haargenau die Hör – Tanz – und auch Pausengewohnheiten des Stammpublikums, fängt erstmal ruhig an da die Gäste eh erst die ersten Stunden verbringen um sich über die Erignise der letzten Tage vokal auszutauschen, da stört man nicht und hält sich erstmal von der Musikauswahl im Hintergrund und erst mit Verlauf der Zeit spielt man sich dann immer mehr mit Bekannteren Nummern nach vorne und füllt somit automatisch den Floor um das Publikum auf den Headliner, sprich den Gast DJ(s) oder Liveact tonal als wie auch mental vorzubereiten. Aber es gibt Veranstaltungen die das immerhin schon gut können, das Melting Sounds Festival oder Gotham Sounds Festival oder in Sachen DJs Leute wie Zinsi / Spinne oder ToM Manegold. Im Großen und Ganzen besteht aber viel Nachholbedarf.

  33. @NorthernNephilim: Nur FLAC / WAV Dateien reichen übrigens nicht (320 MP3s gehen übrigens auch, der Unterschied zu WAV ist eh minimal) – einige machen sich ja nicht mal die Mühe die Lautstärke der einzelnen Songs aktiv zumindest auf die Schnelle halbwegs anzugleichen. Dabei sollte man genau das tun. Wofür gibt es sonst die Vorhör-Funktion in jeder DJ-Software?

    Wenn man das macht – sowie auch die Bässe ein wenig runterregelt -, kann man auch eine schlechtere Anlage des Clubs ganz gut handlen. Aber ich erlebe da häufiger, dass da einfach nur dumpf sämtliche Regler nach oben geschoben werden und dann kommt eben die Übersteuerung, wie Du richtig sagst. Und das sorgt dann bei mir für arge Kopfschmerzen und Übelkeit. Auch das Brummen von zu viel Bass ist ganz ganz übel.

    Allein was Sounddesign betrifft machen sich viele überhaupt keinen Kopf. Häufig ist es ja so, dass die Boxen um die Tanzfläche herum stehen – und das dann auch noch relativ nah beieinander. Dabei würde es schon für einen besseren Sound sorgen, wenn man die Boxen weiter weg voneinander stellt und die Musik eher aus den Ecken eines Clubraums kommt. Und dann eben: Gute Dateien, keine Übersteuerung, Angleichung von Lautstärken. Und schon lässt sich auch mit einer schwächeren Hardware arbeiten. Dezidiert ruhigere Phasen im Set können ebenfalls helfen das Wohlbefinden zu ateigern.

    Ach! Und was mich immer wieder nervt: NEBELMASCHINEN! Nur weil man vom Tabakrauch verschont wird, heißt das nicht, dass man mit solchen ekligen Nebelmaschinen für ebenso viel Übelkeit sorgen muss!

  34. Die Nebelmaschinen nerven mich auch immer ganz gewaltig. Das Zeug stinkt, der Mief hängt in Haaren und Klamotten.
    Wenn der Laden und vor allem die Tanzfläche voll ist, wird’s außerdem gefährlich, nämlich dann, wenn man die anderen Besucher
    oder die Tanznachbarn und ihre Bewegungen nicht mehr richtig sehen kann und dann entweder dagegenläuft, zusammenstößt
    oder eigene oder fremde Köpfe, Arme und Beine plötzlich kollidieren. Ein bißchen Nebel geht ja noch, aber oft wird’s übertrieben!
    Man geht ja schließlich weg, um andere zu treffen, zu tanzen und Leute zu beobachten, nicht um alleine im Nebel zu stehen ;-)

  35. @ Svartur Nott
    Jupp, da hast Du vieles richtig erkannt und beobachtet. Als ich in Tübingen anfing, hatte ich auch schon 19 Jahre auf meinem DJ-Buckel. Man weiss mit der Zeit ziemlich genau was man tut und lieber lässt, auch wenn es für einige nicht nachvollziehbar oder einsichtig ist. Sonst kommt man erst gar nicht so weit. Ausserdem hat man nach dieser Zeit aus den meisten Fehlern gelernt und, klar, Lehrgeld musste ich in meinen Anfangsjahren auch genügend bezahlen :-D.
    Aber es freut mich sehr, dass überhaupt noch Leute Endraum oder Neuzeit Syndrom überhaupt noch kennen und darüber hinaus das auch noch zu schätzen wissen ;-)

    Und, hey, mach den Leuten erst Mal klar die immer meckern dass etwas nicht „tanzbar“ sei, dass früher sogar zu Dead can Dance oder Goethes Erben die Tanzfläche voll war… und keiner ein Problem damit hatte.

    Es stimmt schon, der Druck des Geldes ist hoch. Dabei geht es aber nicht mal drum, dass ein DJ oder Clubbesitzer sich bereichern möchte – sondern um die nackte Existenz. Die Kosten für die Betreiber sind in den letzten Jahren derart explodiert (allein schon durch die GEMA, Nebenkosten, immer neue Auflagen wegen Brandschutz u.a.), dass Dir fast schwindelig wird. Gleichzeitig haben wir es mit einer Szene zu tun die mosert, wenn dr Eintritt mal von 6 auf 7 Euro steigt, während Techno-Freaks locker mal 20-30 Euro Eintritt hinblättern ohne mit der Wimper zu zucken. Zudem trinken die oft teure Coctails oder Longdrinks. Die schwarze Szene war nie als trinkfest und dekadent bekannt.
    Nun nimm diese Kombination der hohen Kosten + niedriger Eintritt + kein Umsatz + zu wenig Gäste – klar ist das tödlich, denn ein Clubbetrieb ist ja auch kein Wohlfahrtsverein :-/
    Das CULTeum in Karlsruhe hat alle „schwarzen“ Events inzwischen eingestellt. Du findest nun dort Techno-Partys, Russen-Partys oder schwule Partys. Die Leute zahlen mehr, trinken mehr und füllen den Club.
    Auch das Karlsruher „Nachtwerk“ hat seine schwarzen Events massiv gedrosselt und selbige Alternativen ins Feld geführt.
    Tatsächlich war es früher so : Wenn sich mal ein Türchen schloß, öffnete sich dafür ein anderes. Über mangelnde Arbeit und bookings hab ich mich – bis vor kurzem – nie beschwert. Doch nun ist alles anders, und da kommt zu den genannten Problemen und Faktoren eben noch Facebook, whats app und Co. aus dem obigen Artikel dazu !

    Schau mal, wir sind früher weggegangen weil wir keine Wahl hatten und manchmal ohne dass wir Lust haben oder gar aus Verzweiflung, bevor wir mit unseren Eltern zu Hause „Derrick“ anschauen mussten. Lieber nicht :-D !
    Wir wollten was essen, Freunde treffen, die neueste Mucke hören, neue Flyer sammeln, baggern usw.
    Freunde…. hat man alle bei Facebook versammelt. Essen ? Bringt der Lieferservice und Kaufhäuser haben bis spät in die Nacht geöffnet. Derrick ? Wir haben 30 Kanäle oder mehr zur Auswahl. Neueste Mucke ? Finde ich überall im Netz und zwar die, die ich möchte und nicht der DJ das bestimmt. Baggern ? Geht einfacher im Netz, vor allem für Schüchterne. Aktuelle Flyer ? Alle bei Facebook. Mehr sogar als in den Clubs.
    Nur einige Beispiele, was sich alles geändert hat und warum wir diese Zeiten nie wieder zurück bekommen werden :-(
    In Zeiten dieser Reizüberflutung hat man Angst, zu Hause im TV und am PC etwas zu versäumen. Früher hatten wir Angst was zu versäumen wenn wir zu Hause bleiben.

    Zu Deiner Frage :
    Ich denke, es gibt zwei Arten schlechter DJ’s.
    1. Die, die nur das spielen was sie wollen und ihnen selbst gefällt
    2. Die, die nur das spielen, was das Publikum verlangt.

    Zum einen ist ein DJ auch ein Dienstleister und muss auf die Leute eingehen können, zumindest auf die Schnittmenge oder dem kleinsten gemeinsamen Nenner.
    Zum zweiten ist der DJ aber auch keine Juke-Box, wenn doch ist er erschreckend ersetzbar und austauschbar.

    Tübingen ist hier im Vergleich zu anderen Clubs in denen ich auflege sehr, sehr hardcore, da die Leute hier wirklich nichts anderes zulassen als das abgedroschenste des Abgedroschenen. Ansonsten wird der DJ meist konsequent mit einer leeren Tanzfläche abgestraft (selbst bei songs die in Stuttgart oder Karlsruhe funktionieren und jetzt nicht mal mega neu oder völlig unbekannt sind).

    Zum Thema Sound und Lautstärke : Das ist wirklich von Club zu Club gravierend verschieden. Ferner gilt dass,was für die Mucke auch gilt : Man kann es nie allen recht machen.
    Kommt der erste Gast, dem es zu laut ist und ich einsichtig die Regler etwas zurückfahre kannst Du darauf Gift nehmen, dass keine fünf Minuten der nächste kommt und fragt, ob man denn nicht etwas lauter machen könnte ;-)
    Anderes Beipiel : Ein Gast wies mich drauf hin, dass man die Bässe kaum wahrnehmen kann und ich drehte den Bass etwas höher. Kurz darauf kam mein Chef und drehte mir den Bass runter (noch weiter runter als er ursprünglich war) – er sei viel zu stark.

    Ihr habt sicher Euch schon gedacht dass der Job des DJ’s schwer ist. Aber ihr habt euch getäuscht. Er ist noch schwerer als ihr denkt :-D

    (Dennoch würde ich ihn jederzeit wieder machen)

    Schönes Party-Wochenende

    DJ Jolly

  36. @Jolly:

    Das mögen vielleicht richtige und wichtige Punkte sein. Aber: Nicht jeder ist auf Facebook, nicht jeder nutzt soziale Medien. Ich finde es immer etwas leicht sich dahinter zu verstecken. Denn es gibt auch viele Menschen, die nimmt man naturgemäß nicht wahr, die sowas nicht nutzen, die das konsequent ablehnen. Gerade unter den älteren Leuten. Diese wollen durchaus Menschen noch persönlich sehen und treffen. Warum ist übrigens das WGT Jahr für Jahr so gut besucht? Die meisten gehen da nur sekundär wegen Konzerten und Veranstaltungen hin, primär weil sie dort Menschen treffen können! Das widerlegt also die ganze Facebook-Theorie doch ganz eindeutig, oder nicht?

    Ich finde, hier haben schwarze Clubs es verpasst neue Konzepte auszuprobieren wie man ein attraktiver sozialer Raum sein kann. Dass das 2017 nicht mit Konzepten von 1987 geht ist klar und sollte nicht verwundern. Aber sich immer hin zu stellen und einfach zu sagen: Ist halt so, die Zeiten sind andere geworden, ist schon ein wenig einfach wenn Clubs zur gleichen Zeit nicht mal versuchen andere Konzepte zu etablieren.

    Und mal noch was zur „vollen Tanzdläche“: Was würde denn passieren, wenn Du wirklich mal konsequent 2-3 Stunden in Tübingen Musik spielt wo die Leute anfangs nicht drauf tanzen? Würde die Tanzdläche leer bleiben oder sich nicht doch irgendwann füllen? Und wieso muss die Tanzfläche immer voll sein? Ist es nicht lukrativer wenn die Menschen beisammen sitzen, sich unterhalten und nebenbei trinken?

  37. Hallo, Axel

    Natürlich gibt es die Menschen, die die social networks nicht nutzen und ich will mich auch nicht dahinter „verstecken“. Daher habe ich diese auch als „Mitfaktor“ nebst den anderen genannten Faktoren aufgeführt.
    Ich habe sogar für die Leute, die Facebook und Co. nicht nutzen, eine eigene E-mail Liste, um auch diese noch mit den events und Infos zu versorgen ;-)
    Es ist jedoch eine immer kleiner werdende Minderheit – und gerade von „älteren“ Leuten lebt ein Club nicht zwingend, Im Gegenteil !
    Ich habe hauptberuflich jeden Tag mit Jugendlichen zu tun und da sieht die Situation ganz anders aus !
    Erschreckend finde ich hierbei, dass die Altersgruppe 16-25 offensichtlich nicht nur immer weniger ausgeht, sondern dass oftmals sogar der Bedarf nach realen, zwischenmenschlichen Kontakten immer mehr abhanden kommt.

    Und warum Festivals boomen und funktionieren ist nicht nur in dem Artikel oben sehr schön und schlüssig beschrieben, auch ich habe in meinem ersten posting dazu Stellung bezogen ;-)

    Auch das Thema „neue Konzepte“ ist nun doch eigentlich durch. Sie funktionieren nicht. Von diesen „neuen Konzepten“ habe ich im letzten Jahrzehnt Dutzende erlebt samt ihren innovativen und engagierten DJs. Das Ergebnis war jedesmal dasselbe…

    Ich habe auch schon geschrieben was u.U. passiert wenn man nur einen einzigen song spielt (sehr ausführlich sogar samt den Gründen), auf den die Leute nicht tanzen, da brauche ich nun sicher nicht erklärn was passiert wenn ich das 2-3 Stunden machen würde.
    Und denke nicht, dass dieses Experiment sowohl von mir, als auch schon von unzähligen anderen versucht worden ist.
    Und natürlich sollte die Tanzfläche immer voll sein. Das ist hartes mainfloor-Brot in einer Diskothek und keine Garten Coctail-Party !
    Wobei ich die Frechheit besitze und jeden Abend dreisst neue songs zu einer leeren Tanzfläche konsequent einbaue und eine leere Tanzfläche dazu in Kauf nehme. Samt den Watschen der Gäste („Was spielst Du denn da ? Da tanzt doch keiner ! Mach mal wieder And One rein !“) und des Clubbetreibers („Mach mal wieder die Tanzfläche voll“ – siehe Beispiel oben)

    Dein Idealismus in allen Ehren – aber der geht total an der Realität vorbei und ich bin am Grübeln, ob Du bisher den Artikel vollständig samt den Kommentaren dazu gelesen hast. Offensichtlich leider nicht.

  38. Da finde ich, hat man einfach die Leute in die falsche Richtung erzogen. Wenn es einfach reicht in den Kleinkindmodus zu gehen und zu meckern weil da mal ein Song läuft den man nicht kennt und der DJ auf diesen Modus reagiert, dann ist es ja klar, dass man weiterhin diesen Modus fährt. Aber was wäre, wenn man beispielsweise schon in der Ankündigung einer Veranstaltung das musikalische Konzept erläutert, sodass sich die Leute vorher bewusst sind worauf sie sich einlassen wenn sie Eintritt bezahlen?

    Ich bin mir übrigens garnicht so sicher, dass ein Großteil der Leute nach kürzester Zeit verschwindet, weil sie ja eben Eintritt bezahlt haben. Da ist doch die Hemmschwelle um einiges größer, oder nicht?

    Dass es ja anders geht zeigen DJs wie Robert Ian Jim, Chris Juracid oder Marco Kirste. Wenn die irgendwo auflegen, dann wird extrem viel gespielt was von den üblichen Mustern abweicht. Da wird gezeigt, dass die Leute auch zu Minimal Wave oder allgemein wieder zu wunderbaren Darkwave tanzen. Und die nehmen sich nicht nur die Freiheit mal einen Song zu spielen den vorher niemand kennt, sondern mischen ihre Sets immer wieder aus bekannten Songs und unbekannteren Neuerscheinungen. Genauso ist es bei der Antje aka Anniheaven. Mittlerweile hat die echt einige Aufträge als DJane und das obwohl sie sich auf romantische Musik wie Neoklassik, Darkfolk und dergleichen konzentriert. Auch bei ihr sieht man Leute zu Musik tanzen wo sonst jeder sagen würde „das funktioniert nicht“ – Weil sie halt ebenfalls ein scharfes Profil pflegt. Du weißt was Du bekommst wenn sie irgendwo auflegt. Selbst im Dark Flower ist sie mittlerweile sehr regelmäßig. Also ein Laden, den man über Jahre halt garnicht damit in Verbindung gebracht hätte. Und die Veranstaltungen sind gut besucht.

    Und natürlich sollte die Tanzfläche immer voll sein. Das ist hartes mainfloor-Brot in einer Diskothek und keine Garten Coctail-Party !

    Hier würde mich einfach rein faktisch interessieren, warum dem so ist. Also welche objektiven Faktoren sprechen dafür, dass die Tanzfläche immer voll sein muss? Sollen die Menschen bewusst ausgepowert werden, damit sie mehr zu trinken bestellen? Würde die Menschen nicht auch in geselligen Runden mehr trinken? Was ist mit Menschen, die einfach nur Musik hören wollen und garnicht tanzen wollen? Wie kann ein sozialer Raum entstehen, wenn jeder nur für sich allein tanzen soll?

    Natürlich habe ich alles gelesen. Ich gehe nur danach warum ich kaum mehr weggehe und warum andere Leute nicht weggehen, die u.a. hier in den Kommentaren geschrieben haben, die ich auch sonst immer wieder spreche. Der Tenor lässt sich immer auf zwei folgende Punkte zusammenkürzen:
    – Schlechte Musik, es wird kaum moderner Darkwave gespielt sondern entweder Schlager und Techno oder Durchgenudeltes von vor 35 Jahren.
    – Viele Menschen haben schlicht nicht mehr die Möglichkeit Samstagnachts durchzumachen wegen Familie, Arbeit, etc.

    Und diese Punkte werden halt häufig ungenügend angegangen. Das ist nämlich ebenfalls Realität. Wie gesagt, oben genannte DJs zeigen Dir, dass es kein Schlager a la Mono Inc braucht um die Menschen zum tanzen zu bringen.
    Also müssten auch andere DJs vielleicht wieder mehr Profil zeigen und sich nicht nur als bloßer Dienstleister sehen? Nur so ein Gedanke…

    Übrigens noch was zum Thema mit Älteren lässt sich nichts verdienen. Also die Gothic-Szene besteht doch gefühlt nur noch aus älteren Leuten. Da kommt sehr wenig nach, weil es in der heutigen Jugend, wie Du richtig erkannt hast, keine wirklichen Jugendkulturen mehr gibt. Wenn man also nun eine Szene hat wo der Altersdurchschnitt bei geschätzt und gefühlt 30+ liegt, warum nochmal muss man „auf die Jugend“ gehen? Sind es nicht auch eher ältere Menschen die mehr Geld zum ausgeben haben? Nur so ein Gedanke…

  39. @Axel für gesellige Runden ist die Musik in den meisten Clubs einfach zu laut. Da kann man sich maximal zu zweit brüllend verständigen. Daher tanze ich entweder oder gehe nach Hause. Mehr als drei, vier Lieder schweigend irgendwas trinken und mir eine (evtl leere) Tanzfläche anschauen, ist mir zu langweilig. Wenn ich mit Rauchern unterwegs bin, sieht das etwas anders aus. Da geht man raus und quatscht, lernt neue Leute kennen… Vielleicht wären Seniorenclubs die Lösung: mit ruhigerer Bar mit Blick auf die Tanzfläche, aber akkustisch etwas abgeschottet von dieser.

  40. @Fremde: Da gehe ich vollkommen d’accord! Die Musik ist in den Clubräumen meistens viel zu laut! Man könnte das häufig sicher so lösen, dass der Barbereich etwas leiser ist als die Tanzfläche. Oder man macht bestimmte Veranstaltungen wo die Musik allgemein nicht so extrem laut und das Tanzen eben nicht im Vordergrund steht.

    Wenn Du von „Seniorenclubs“ sprichst fühle ich mich so alt… Aber ja, früher hat es mir nix ausgemacht mich schreiend zu verständigen. Heute fühle ich mich latent blöd dabei.

  41. Jetzt sind wir ja alle schon mal (scheinbar) einen Schritt weitergekommen, jeder hat seine eigene Philosophie, warum es mit dem ach-so-guten, altehrwürdigen „Goth“-, bzw. „Szeneclub“, ach was, der lauschigen und historisch-nostalgischen Gruftidisse so vor die Hunde gegangen ist. Und dabei ist – wie früher auch schon – jeder der ultimative Mittelpunkt bei dieser vielfältig-unterschiedlich eigen-einigen Betrachtung: „MIR ist dort zuviel Nebel“, „MIR ist da zu laut“, „ICH bin um X Uhr schon zu müde“, „ICH bin schon zu alt für…“, „der DJ spielt MIR zuwenig Kultclassix X, aber zuviel Classickults Y“, „da gehe ICH nimmer hin, warum geht da überhaupt noch einer hin (wenn ICH schon nicht mehr hingehe…)“… Wo es doch auch so offensichtliche kollektive Einigkeit gibt, so zwischen Dienstleister und Kunde: immer wird nur dasselbe gespielt und (folglich) gewünscht – da sind sich alle einig, DJs und Publikum gleichermassen… Da dürfte es doch im gotischen Gebälk eigentlich gar nicht knirschen dürfen, oder? Oder ist es so wie mit den vielen Köchen und dem (oftmals Einheits-) Brei?
    War ja auch schon seit etlichen Zeiten so: zieht man bei einer VA – sagen wir mal – 300 Leute, so hat man davon gut 250, die potenziell „Co-DJ“ sind, an der Deko dies und das anders gemacht hätten, und statt Sekt lieber Prosecco verticken würden, ausserdem eher ultrainnovative Nackedeis als bocklangweilige Totenköpfe auf den Flyer gemacht hätten… (ist fast schon wie beim Fußball: verliert die Nationalelf, so werden im Stadion – und nicht nur dort… – alle zu Profi-Bundestrainern, bei denen es ja ganz sicher besser gelaufen wäre… – sorry für den Vergleich, aber genau so hat sich die Dauermotzgruftitruppe schon immer gerne verhalten, und das hat nichts mit „gehobenen Ansprüchen“ zu tun… Liegt wohl im Naturell der Sache).
    „Nobel“ und verwöhnt geht halt die Welt zugrunde – sic transit gloria mundi…

    Genau, und da hilft kein „sind halt andere Zeiten – ist nicht mehr wie früher (als alles besser war…)“-Sinniere oder mit spitzem Finger auf pseudo-Sündenbock „facebook“ deutende und deutelnde Schuldzuweisungen (wer nämlich selber die Medienkompetenz nicht aufbringt, damit vernünftig umgehen zu können, der sollte das Medium nicht verdammen – das gilt, und müssen selbst „facebook“-Verächter einsehen können…). Und die „Jugend“, die ja so desinteressiert ist sollte man auch nicht als Grund vorschieben, die meisten der „Ü40“-Gothparty-Geher (wenn sie mal ihren, äh Korpus hochbekommen und aufrüschen), sind doch eh froh, in ihrem ureigenen musikalischen Vor-Pensionär-Refugium gelandet zu sein. Aber, um sich dann über „Parallelwelten“ zu wundern und (künstlich) zu echauffieren, von denen sie nur noch rudimentär etwas mitbekommen (Hand auf’s Herz, da muß ich mir manchmal an die eigene Nase fassen, obwohl mein heimisches Plattenregal – nach wie vor – auch eine Heimat für diverse aktuelle qualitativ achtbare VÖs ist…).
    Was allerdings in der beliebten Suche (in den Krümeln) und Aufzählung nach Gründen für das „Clubsterben“ noch gefehlt hat, war das Argument der immens gestiegenen Spritpreise (oder ist man damals noch mit der Kutsche angereist – oder immer schön schnorrend mitgenommen worden…? ;-) ). Anyway, aber worauf ich hiermit hinauswollte ist, Nicklichkeiten (im Verhältnis zum Großen und Ganzen gesehen) wie einige Gäste, die mal im Klo am Wasserhahn sich bedienen, oder die lieber Hunderte von EUROs für Mobiltelefone ausgeben, etc. sind m.E. vorgeschobene -quasi- überbewertete „Symptome“ und nicht die Ursache, oder Essenz des „Clubsterbens“. Wer ausgehfreudig ist, bzw. ein Szene(aus)gänger ist, tut das trotzdem, bzw. sollte das tun…
    Klar, stören mich auch einige mit der Zeit aufgekommene (Un-)Sitten und Gebräuche, die das „Clubbing“ mitbegleiten, und für mich persönlich manchmal Fernbleibgründe waren oder sind (die aber rein subjektiv, manchmal skurril kindisch sind – das gebe ich unumwunden zu – und im Gesamten als Gründe vernachlässigt werden können, wie z.B. das zu beobachtende „Wachsen“ mancher „DJs“ mit ihrer „Aufgabe“ – ohne das wirklich deren, nun ja, „Potenzial“ mitgewachsen wäre… Oder das fehlende physikalische „Handwerkszeug“, sprich: wo ist denn die Kiste oder der Koffer mit den Tonträgern, sprich Platten? Oder wofür steht das „D“ in „DJ“? (Tacheles auch: wenn ein VA-Ort mir keine zwei halbwegs vernünftigen Plattenspieler stellen könnte, so dürfte der Laden auf meine Dienste gerne verzichten…). Ok, das ist nur mein Gemäkel, wenn wir schon am Maulen sind, aber wie schon angeführt, ist das lediglich Pipifax, was die hier verhandelte Materie angeht…

    Und so komme ich zum Ende, ziehe ein Fazit. Yep, Schuld am „Clubsterben“, der Läden, so wie wir sie kannten, sind wir selbst, jeder einzelne, oftmals aus Gründen der Übersättigung, dem abhanden gekommenen Verve, der zur Routine gewordenen Ausgehgewohnheiten („ach ja, komme ich heute nicht, komme ich morgen, und wenn dann nicht, dann vielleicht übermorgen…“). Und wenn irgendwann keine VA mehr übriggeblieben ist, dann ist das halt so. Und dann vermisst man die bitter hadernd mit Krokodilstränen begleitend. Und dann wäre man auch mal wieder froh, „Party zu machen“, like it’s 1987. Und dann egal mit wem, wo und wie…

  42. Dass sich ein Clubsterben, gerade unter Hinzuziehung des Artikels über die (Großraum)discotheken, abzeichnet, ist anscheinend stets beobachtbar, nur wäre ich mir nicht sicher, ob es sich dabei um ein junges Phänomen handelt zum einen, und ob die Gesamtzahl der Clubs unter dem Strich wirklich signifikant abnimmt zum anderen. Wo alte Clubs schließen, entstehen an anderer Stelle auch neue. Ich gehe eher davon aus, dass es zu einem Nischen-Veranstaltungs-Sterben kommt – aber auch wieder nur in Bezug auf gewisse Spezifika, die ihre Hochzeiten bereits hinter sich gelassen haben – denn andererorts bilden sich wiederum neue Nischen-Projekte, denen Clubs eine Chance geben. Ich nehme es jedenfalls eher so war, dass überwiegend ein Veranstaltungssterben zu beobachten ist, auch wenn mein Beobachtungs-Radius auf Ruhrgebiet und Rheinland beschränkt ist. Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich ziemlich frustriert war, weil Sonnenfinsternis, Dark Diamonds, La Danse l’Ombre, Nebelwelten und TimeKiller nichts mehr verlauten lassen haben. Damit will ich gar nicht sagen, dass sie das Zeitliche gesegnet haben – aber vom Gegenteil weiß ich auch nichts. Frustriert war ich deshalb, weil diese Veranstaltungen auch mal in meinem einfach erreichbaren Umfeld stattfanden, und ich nicht immer 70 Km oder mehr für einen genussvollen Abend fahren musste (was derzeit ausschließlich der Fall ist). Da ich meistens alleine unterwegs bin, kann sich die Entfernung tatsächlich schon mal als Demotivator ungnädig zeigen. Jemand schrieb hier sinngemäß, dass die Szene insgesamt relativ klein ist, ergo die Club- und Veranstaltungs-Landschaft einem sehr großmaschigen Netz mit hier und da nicht unbeträchtlichen größer klaffenden Löchern gleichkommt. Im Ruhrgebiet mag sich jene Verteilung vielleicht noch einer auffälligeren Konzentration erfreuen, aber in manchen Teilen des Rheinlandes ist es wie leergefegt.

    Nun, ich sagte, ich sei kürzlich noch frustriert gewesen. Das hat sich mittlerweile geändert. Seit ich akzeptiert habe, dass ich nur wählen kann zwischen „Ich nehme einen weit(er)en Weg auf mich für eine tolle Veranstaltung“ oder „Ich besuche heute und demnächst keine tolle Veranstaltung“, bin ich zufriedener mit der Gesamtsituation. Denn: auch, wenn ich eine gewisse Strecke zurücklegen muss, bleibt immer noch die Gewissheit, dass die Veranstaltung gut werden wird. Ich spreche gerade übrigens von der Lost Sounds. Auch die Klangtherapie ist eine solche. Denn was wäre frustrierender, als weit(er) fahren zu müssen, um eine gute Veranstaltung besuchen zu können? Richtig, weit und breit nichts und wieder nichts an Angeboten zu haben, die inhaltlich eine zumindest kleine Heterogenität erkennen lassen. Insofern sollen mir die zwei Stunden Weg von Haustür zu Haustür recht sein. An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal aufgreifen, was jemand bezüglich der Vernetzung unter den Szenemitgliedern schrieb. Ein ausgeprägteres Gefühl von Gemeinschaft könnte allen zweckdienlich sein. Wie gesagt, ich bin in der Regel alleine unterwegs. Das stört mich auch nicht, im Gegenteil. Aber etwas dagegen einzuwenden, dass man sich mal anspricht im Club, habe ich auch keineswegs. Ich koche auch gerne mein eigenes Süppchen, ja, aber es ist schon auffällig, wie mundfaul sich viele in den Clubs doch geben. Die Lautstärke und eine fehlende Trennung zwischen Tanzfläche und zum Beispiel Bar mag ein Hindernis sein für eine unbeschwerte Konversation, aber muss es direkt plakatives Desinteresse sein, das signalisiert wird? Ich könnte mir gut vorstellen, eine Fahrgemeinschaft ins Leben zu rufen, gerade, weil ein immer wiederkehrender Negativaspekt teils weite(re) Anfahrten sind. Es könnten so auch wertvolle Veranstaltungs-Tips ausgetauscht werden, die wiederum dazu führen würden, dass ich mal in andere Städte fahre, die bisher nicht auf meinem Radar erschienen sind. Nur, wenn man nicht miteinander spricht, kann das leider nicht erfolgen. Letztens habe ich, um mal eine Lanze für die sozialen Netzwerke zu brechen, eine Gruppierung entdeckt, die private Veranstaltungen / Treffen konzipiert, welche gerade zum gegenseitigen Kennenlernen und Knüpfen von szenebezogenen Kontakten angedacht sind. Die Idee fand ich großartig, habe es aber noch nicht geschafft, mich dort einzubringen. Wenn die Szene sich wieder mehr als Kollektiv begreifen möchte, dann sollte sie auch etwas dafür tun. Es kann ja nicht sein, dass sie sich einzig und allein über den Besuch auf Tanzveranstaltungen mit Musikdarbietungen definiert. Entsprechend hat mir auch das Konzept gefallen, das weiter oben erwähnt wurde (Blaue Stunde / Nacht der blauen Blume): Jeder einzelne kann etwas zur Veranstaltung in Form von was auch immer (Deko, Fahrgemeinschaft, Mitbringen eigener Getränke, Reparaturen am Lokal) beitragen. Damit hat jeder die Möglichkeit, einen effektiven Beitrag zu leisten, was letztlich potentiell darauf abzielt, ein positives Erlebnis gefördert zu haben – und zwar nicht nur durch die bloße Anwesenheit auf der Tanzfläche oder dem Bezahlen des Eintritts.

    Was die Veränderungen der (musikalischen und tanzbaren) Freizeitinteressen der vorwiegend Jugendlichen und jungen Erwachsenen angeht, kann ich als langjähriger ehrenamtlicher Mitarbeiter eines selbstverwalteten Jugendzentrum mit Abendveranstaltungsbereich für alle Altersklassen nur sagen: Ein Veranstaltungssterben ist erkennbar, ohne jeden Zweifel. Zumindest bei uns. Und ich denke, dass es mitunter daran liegt, dass mittlerweile unter der Woche schon so viel Interessantes passiert und das einst aufs Wochenende ausgerichtete Sozialisieren nun schon so intensiv wochentags praktiziert wird, dass das große Erlebnis am Wochenende, was auch immer solches sein könnte, automatisch relativiert wird. Die spannenden Erlebnisse sind häufiger und vielfältiger geworden, sodass diese eine Veranstaltung am Wochenende und das Wochenende als solches nicht mehr den einzigen Lichtblick am Anfang der Woche darstellen. Das merke ich auch daran, dass das Interesse, unser Angebot aufzugreifen, eigene Veranstaltungen zu organisieren (Eigenes Motto, eigene Musik, eigene Zielgruppe, halt gänzlich ein Konzept nach den eigenen Vorstellungen und Wünschen), kaum noch Anklang findet. Es ist Platz für mindestens 150 Leute, mit Tanzfläche, professioneller PA und akkurater Lichtanlage. Es gibt wahlweise Bestuhlung und sogar Bereiche, in denen sich ruhig unterhalten werden kann. Dennoch, außer an Konzerten wird diesbezüglich kaum Interesse entgegengebracht. Das war in den 90ern noch völlig anders. Da gab es jedes Wochenende eine große Party, die Gäste aller musikalischer Herren Länder kamen von ganz alleine. Punk, Wave, Goth, Pop – alles in einem großen Schmelztiegel. Heute freuen wir uns, wenn einmal im Jahr jemand Interesse bekundet, eine eigene Party(reihe) aufziehen zu wollen.

    An dieser Stelle möchte ich auch ganz unverblümt Werbung in eigener Sache machen für eine Lokalität, die klein, aber fein ist, und die sich für alle erdenklichen Veranstaltungen gut eignet (Cafés, Partys, Filmabende, Private Feiern, Flohmärkte und weiß der Geier was). Wer nach so etwas sucht, und das zufällig in Düsseldorf – das in Sachen Szene stark verarmt bis tot ist –, kann sich gerne über Robert bei mir melden.

  43. @T.S.
    Zu deinem Fazit:
    Ich denke da kann ich dir im Großen und Ganzen Recht geben – ich für meinen Teil versuche noch bei jeder Gelegenheit zu meinem heiß geliebten Melodrom zu kommen oder in´s Nero wenn ich mal wieder eine Weile in München bin – und wenn das dann klappt muss das leider oft wieder für mehrere Monate reichen weshalb ich über jeden Abend froh bin wo ich überhaupt von A nach M (oder N) kommen.
    Trotzdem ist mir aufgefallen das sich die Musik geändert hat, Lieder die gespielt werden und ich nicht kenne aber für gut befinde sind dann meistens wieder aus den Eighties oder 90ern.
    Erst letztens habe ich Shock Therapy „wieder“ für mich entdeckt – bis dato kannte ich natürlich „Hate is a 4 letter word“, war aber zu faul mich weiter mit der Band zu befassen (war auch eher ne Electro, Industrial, Aggrotech, Metal, usw.-Phase) bis ich dann „I cant let go“ gehört habe, hat mir gefallen, habe mich erkundigt – und es war wieder eines der älteren Stücke – nebenbei bemerkt, teilweise sind sie älter als ich ^^

    Mir selbst ist das Clubsterben erst aufgefallen als meine Lieblingsdiscothek – das Melodrom in Kaufbeuren – abgebrannt ist, (ausgerechnet an einem Abend an dem ich mit einer Freundin die extra aus München kam hin gehen wollte) die neue Besitzerin (die Tochter des vorherigen Besitzers) das Melo nicht mehr aufbauen wollte bzw. schon vor dem Brand die schwarzen Abende streichen wollte und es keine/kaum Alternativen in meiner Ecke (Raum Memmingen) gab …

    Zwischenzeitlich habe ich dann als vorübergehende zweite Heimat das Nerodom für mich entdeckt, wenngleich wesentlich kleiner hat es trotzdem ausgereicht den Verlust des Melo´s zu verkraften. Dort erkannte ich nur die wenigsten Titel wieder, nicht sonderlich tragisch – tanzen kann mann/frau ja trotzdem – aber es sind nach wie vor die alten Stücke die mir besser gefallen – selbst wenn ich vorher nicht weis das es Ältere sind.

    Die letzte Frage die aber alles in allem für mich bleibt ist Folgende:
    Kann ich daran was ändern?
    Wenn ja, was?

    In Memmingen gibt es den „Rex-Palast“ ehemals Kino konnte es mit einem Cineplex leider nicht mithalten und steht soweit ich weis nun leer, in unserer Familie gab es daher schon öfter den Gedanken so ein Gebäude zu kaufen und zu einer Discothek umzubauen.
    Mal schauen – vielleicht wird das mal was – im Notfall muss ich/müssen wir halt noch mehr Leute finden die daran Interesse haben und sich mit einbringen.

  44. Mittlerweile habe ich schon keine Lust mehr, diese Diskussionen zu lesen oder daran teilzunehmen, es dreht sich eh alles immer im Kreis. Neue super Partys entstehen, sind beim ersten oder zweiten Termin voll, dann finden sie nicht mehr statt, mangels Teilnehmer oder weil sich das für die Location nicht „lohnt“.

    Ich möchte Euch hier daher nur die LOST SOUNDS empfehlen, die SEIT MÄRZ 2017 nun immer SAMSTAGS (3. Samstag im Monat) stattfindet. Man könnte sagen, es ist die Zwischenfall-Nachfolge-Party.

    Letzten Samstag fand ich die Playlist sehr interessant, da öfter Sachen gespielt wurden, die ich nicht kannte. Altes und Neues gemischt. So muß es sein. Der Laden war gut voll und ich hoffe, die Lost Sounds, die nunmehr 10 Jahre lang immer Freitags statt fand, etabliert sich weiter. Der Termin ist in unserem Kalender nun fest vorgemerkt. Wir fahren auch über ne Stunde dorthin.

    Meistens sind immer wechselnde Gast-DJ’s dabei, die nicht „vorgeschrieben“ bekommen, was aufgelegt wird. So wird es nicht langweilig! Scrollt mal durch die Playlist. Vielleicht kommt Ihr ja beim nächsten Mal. Nächster Termin: 15.04.2017

    http://www.zwischenfall-club.de/partys/

    Und wer ganz sicher ganz viel NEUE Musik hören möchte, sollte am 26.05.2017 auf der Mysteria-X auftauchen, ebenfalls im Bahnhof Langendreer. DAS sind genau die Veranstaltungen, die immer gefordert werden, und dann leider nur mager besucht werden.

    MYSTERIA-X – mit Klaus Märkert und George Godspeed
    Freitag, 26. Mai 23:00 – 5:00
    Bahnhof Langendreer Bochum Kulturzentrum
    Wallbaumweg 108, 44894 Bochum

  45. Klingt wirklich gut, die Playlist, ist bloß leider viel zu weit weg (von Berlin) :-(

  46. @ColdAsLife Eine bessere Vernetzung fänd ich auch sinnvoll. Ob jetzt um gemeinsam zu Partys oder Konzerten zu gehen oder sonstwas. Ich habe von Apps/Websites gehört, bei denen sich sich wildfremde Leute spontan zu Spieleabenden, Wandernachmittagen… treffen. Sowas um sich zum gemeinsamem Ausgehen zu verabreden, Fahrgemeinschaften zu bilden,…, fände ich super.

  47. Seltsam, seltsam, aber auch ohne „Apps/Websites“ war die „Vernetzung“ zu Zeiten, als das Thema „Clubsterben“ noch nicht so „brisant“ war, eigentlich bestens, wenn nicht sogar, ganz offensichtlich daran gemessen, wohl „besser“… (komisch, komisch, zu welchen Wunderdingen so eine Bedienung eines einfachen Festnetz-Telefon doch in der Lage war, oder – Gott bewahre – mündliche Absprachen, über solche unvorstellbaren Zeiträume wie eine Woche vorher, mirakulös funktionierten. Wie die Leute das früher bloß gemacht haben, hmmm…?)
    Fällt mir nur gerade mal so signifikant auf, aber anscheinend muß ja daher heutzutage jeder am Händchen genommen werden, oder am Gängelband des für ihn mitdenkenden Internets hängen, sonst klappt wohl nix mehr…

    Und @MvR: ja doch, ganz nette Playlist (kocht eben jeder irgendwie auch nur mit Wasser…). Aber trotzdem eingebettet in einen Beitrag, der sich eigentlich ganz harmonisch in die sich angeblich „immer im Kreis drehende“ Diskussion einfügt. Weil, ich kann mir irgendwie nicht helfen, aber auch dieser Beitrag hat so etwas latent pessimistisches, bzw. dezent dünkelndes an sich. Und immerhin habe ich ihn trotzdem gelesen…

    Und „vielleicht“… – aber was die Aussage „vielleicht“ bei manchen Leuten bedeutet, kennt man ja auch, oder?

  48. Ich finde nicht, das sich die Diskussion im Kreis dreht. Im Gegenteil, bislang wurde einige Standpunkte gesammelt und Sichtweisen eröffnet, die mir bisher nicht aufgegangen sind. Es ist wohl das lange Ende, warum man eine Diskussion als gescheitert ansieht: Es gibt keine Lösung. Es gibt nicht den Clou, mit dem alle Probleme beseitigt wären oder besser gesagt: DIE ultimative Party, die alle mitreißt. Und vor allem: Es muss endlich mal bei einem Termin, bei einer Location oder bei einem Konzept bleiben, anstatt ständig zu wechseln, zu kollidieren oder das Programm über den Haufen zu werfen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Er wird es auch immer bleiben.

    #Vernetzung:

    Auch wenn ich T.S. recht geben muss. Früher hat das tatsächlich auch ohne den ganzen Schnick-Schnack geklappt. Wir leben aber nun mal nicht im früher und dürfen nicht den Fehler machen, die Venetzung zu ignorieren, totzuschweigen oder sie für sich auszublenden. Das klappt nicht und geht definitiv am Zielpublikum, das nun mit dieser Sache in die Szene hineinwächst, vorbei. Es gibt eine ganze Reihe von Dingen, die man tatsächlich besser machen kann, auch wenn sie Leute erfordern, die sich „kümmern“. Da wäre sicherlich das absprechen von Party-Terminen unter den Betreibern, die Vernetzung lokaler Gruftis, um gemeinsam etwas außerhalb des virtuellen Raums zu unternehmen und auch der Umgang von DJs mit Vernetzung oder auch Betreiber mit den neuen Möglichkeiten könnte etwas dazu beitragen.

    #Unausweichlich:

    Es ist meiner Ansicht nach unausweichlich, dass sich alles etwas „gesundschrumpft“, denn der Markt ist für die Szene, die bereitweillig einige Kilometer zu nächsten Party fährt, ist übersättigt.

    Unausweichlich ist auch, dass man die Menschen wieder motivieren muss, zu den Veranstaltungen zu fahren, um sich möglicherweise etwas von dem zu holen, was hier so oft heraufbeschworen wird. Gemeinschaft. Ein Freundes- und Bekanntenkreis, der auch außerhalb der sozialen Netzwerke funktioniert. Ich will mich da selber überhaupt nicht ausnehmen, auch ich könnte durchaus öfter den inneren Schweinehund bekämpfen und zu einer Party gehen.

    Unausweichlich ist es, Geld für das auszugeben, was die Freizeit bereichern soll. Die Umsonst- und Billig-Mentalität rächt sich schon in Form von leeren Taschen der Betreiber, bei denen die Gäste auf dem Parkplatz das billige Bier aus dem Supermarkt trinken oder die aus inneren Sparzwängen heraus den ganzen Abend ein Getränk festhalten.

    #Möglichkeiten

    Auch wenn sicherlich viele Ideen ausprobiert wurden und einige der Vorschläge ebenso wenig funktionieren, wie bereit etablierte Konzepte, möchte ich doch versuchen, die Leser zu sinnvollen Vorschläge zu bewegen, wie etwas BESSER gemacht werden kann. Das geht über das übliche „Das find ich doof“ Konzept hinaus.

    Ich sehe persönlich viele Möglichkeiten für Locations, die mehrere Räume zum tanzen anbieten können. So ist es vielleicht möglich, die musikalisch so ausdifferenzierte Szene wieder ein Stück zu vereinen. Wenn nur eine Tanzfläche vorhanden ist, würde sich vielleicht ein Blockkonzept bewähren, das nach x Minuten einfach mal das Genre wechselt, anstatt wild alle vorhandenen Genre zu mischen.

    Nicht zu vergessen wäre auch, das ganze dann wiederrum transparent zu machen und Gäste vorab schon darüber zu informieren WIE etwas funktioniert, anstatt es einfach zu machen und die Leute dann zu verwirren. Weiß man davon, kann man beispielsweise die X Minuten dazu nutzen, miteinander zu quatschen oder sonstwas zu machen und nicht gleich den Laden fluchtartig zu verlassen, wenn nach Gothrock plötzlich minimal (oder so) läuft.

    #Diskussionskiller:

    Die bringen keinen weiter und sind meist Befindlichkeiten, die nur für einen persönlich störend sind. Differenziert doch bitte, ob es DIR zuviel Nebel ist, oder DIR zu laut/leise ist oder ob DIR die Musik nicht gefällt. Es hilft, einen Schritt zurückzutreten und das große Ganze zu betrachten. Geht mir manchmal auch so, dass MIR irgendwas nicht passt. Ich versuche auch mich zusammenzureißen und zu prüfen, ob das ein allgemeines oder ein individuelles Problem ist.

    Gerade das Musik-Thema ist da sehr heikel. Wie ich im Gothic Friday feststellen durfte unterscheiden sich die Stücke, die Gruftis für „totgedudelt“ halten oder die „ewige Klassiker“ sind, stark gegensätzlich. Was der eine nicht mehr hören kann, ist für den anderen SEIN Lied, bei dem er seine erste Frau getroffen hat. Ein Party, auf der NUR unbekanntes gespielt wird, funktioniert leider nicht gut, meiner Meinung nach. Wie bereits gesagt, sollte Neu und Alt gemischt werden und wenn dann schonmal ein Stück dabei ist, was einem zu den eigenen Ohren rauskommt, mein Goth, dann ist es eben so. Das muss dann auch nicht instant bei FB gepostet werden, dass „schon wieder“ Stück XYZ gespielt wurde.

  49. # Vernetzung

    Ein kleiner Lösungsansatz wäre vielleicht mal eine Vernetzung der Veranstalter. Funktioniert in manchen Städten sogar…
    Hier in Frankfurt haben wir im April 2 Minimal-Wave-Konzerte parallel. Tolle Wurst. Dann wieder Monatelang nix…
    Und in Berlin ist das wohl sogar üblich und Pimmelvergleichen gehört dazu.

    # DJs

    Wie Jolly schon sagte : es ist ein hartes Brot mit Druck seitens einer zunehmend „08/15“ konsumorientierten Klientel und Clubbetreibern die natürlich wollen dass die Leute permanent tanzen UND trinken. Ich denke hier kommts auch auf die Herangehensweise an. Es gibt ja verschiedene Arten DJ… Den „Musiknerd“, der versucht die Gäste zu erziehen, die „Nutte“ die einfach nur Jukebox ist, den „Berufs-DJ“ der versucht davon zu leben (und damit oft zur Nutte werden muss), den „Kompensierer“ der einfach Anerkennung sucht, den „Zufalls“-DJ der damit anfing weil er halt nen Laptop hat und es sonst keiner machen wollte (auf dem Land meisstens) und und und…
    Ich für meinen Teil sehe mich eher im Musiknerdbereich, mache aber auch mal ein Stück weit den Dienstleister (bei fremden Parties) und Anerkennung mag ja jeder. (Notiz an Gäste : Bei fast allen männlichen DJs ziehen Brüste und Komplimente bei Wünschen. Versuchts mal !)
    Kommt dabei auch imemr drauf an obs ne eigene Veranstaltung ist, welcher Rahmen usw.
    In einem professionellen Club für 300 Leute muss man eben 200-250 ziehen und auch halten (und entsprechend eben mehr „dienstleisten“), in einem Jugendhaus was man selber mietet ist es einfach egal. Feiern mit Freunden !

    # Gäste

    Wenn euch die große Party in der Region stinkt und es kleine Parties mit eurem Sound gibt geht dort auch hin. JA, es ist weniger los. JA, die meissten eurer Freunde gehen zu Party xyz. JA, Es ist kein richtiger Club sonder vielleicht ein alternatives Zentrum.
    Aber eindeutig auch NEIN, wenn ihr meckert aber immer wieder euer Geld dort lasst wird die große etablierte Party nicht besser. Und NEIN, es lohnt sich nicht abzuwareten bis die kleine vielleicht besser läuft wenn ihr ALLE so denkt.

    # Nebel

    Sichtweite über 1m ist eigentlich schon zu wenig Nebel… ;)
    Und wenn man mal beim Tanzen jemand berührt ? Früher nannte man sowas Pogo :D

    # Lost Sounds

    Jörg und BB sind auch beide sehr gute DJs mit tiefem und langjährigem Interesse an der Musik. Und als „Erbe“ der Pagan Lovesongs auch mit nem sehr guten Start im Fall (R.I.P.) damals. Kann man wirklich wärmstens empfehlen. Auch die Specials mit Paradroid und etwas mehr Elektronik dabei.

    # Jolly

    Ich hätte gerne mal im kleinen Rahmen einen „Jolly-Abend“ ohne Tanzflächenvorgabe. Einfach nur Musik, die DU PERSÖNLICH geil findest. Ich glaube da hätte ich ne Menge Spass.

  50. WESTBAM über DJ Kultur (best of Dokus Teil 2)… hier das ganze Video …
    https://youtu.be/Il4pEWopsFI

    Ich fordere ALLE ECHTEN RAVER auf !!! Let’s SaVe theRaVe … nach diesem Motto Gründe ich den BLiD RaVe
    …denn GEMEINSAM so sind wir stärker…!
    YouTube Kanal LIKEN… verfolgen und… Psssst… weitersagen… ! https://www.youtube.com/channel/UCJV37684LmfGAvhx11op7xQ

    Wer vermisst auch so das feiern unter echten Berlinern wie ich?
    Oder das Veranstalter und Djs mit Herz und Seele dabei sind?
    Das es nicht nur ums schnelle Geld geht…
    …denn das ist oft der falsche Weg…
    DAS muss verstanden werden!
    PARTY SOLL EIN ERLEBNIS SEIN…
    Die Menschen befreien und Gemeinschaft ausdrücken … uns mit Einander verbinden… Und uns zwischendurch den Alltag einfach mal vergessen lassen…

    Asooo und EY… ihr Veranstalter seid Kreativ/Leidenschaftlich und schaut mal GENAU hin..!
    … Und last den Dj wieder seine Geschichten erzählen mit seiner Mukke.
    Verfolgt die Entstehung meiner Idee und gebt mir bei Facebook ein LIKE und TEILEN …
    http://Www.facebook.com/savetherave2018

    …und wer RAVEN will kann sich auch ENGAGIEREN
    … Wir dürfen NICHT Kampflos aufgeben…!
    Es kann doch nicht sein das die Touristen.. Neubauten… Und das Kapitalistisch denkende System uns all das immer weiter ZERSTÖRT und WEGNIMMT!!!

    PARTY bzw. RAVES sind doch eig viel mehr als sie heute sind…
    Also los lasst uns zusammen tun und unsere Herzen wieder voll und ganz dem wahren Sinn hinter Raves widmen…
    GEMEINSAM sind wir STARK!

    Mein größter Ansporn war, ist und Bleibt WESTBAM und dazu gibt es das Duko best of … selbst aus gesamten Westbam YouTube Material zusammengestellt (Teil 2 folgt)
    https://m.youtube.com/watch?v=2037GxZdI8o
    Ich finde alle Berliner sollten hier ordentlich für ihn RAVEN…
    https://www.facebook.com/events/1675840612447976/?ti=cl

    In den letzten 2 Jahren habe ich sehr tief hinter die Kulissen Berlins und techno geschaut versucht durch viel weggehen und Recherche viel zu lern und meine Idee zu Ende zu denken. Jetzt mach ich meine Ergebnisse nach und nach öffentlich bekannt und dabei endsteht der Rest und dann kann los geraved werden.

    Ich arbeite seid 7 Jahren in der Club Szene und seid 2 Jahren in der Technoszene erst als Promoter in Discos wie, dem Felix, dem 40s, dem Qdorf (diese Clubs gibt’s heut nicht mehr) und dem Traffic … im Qdorf hatte ich meine erste Veranstaltung die auch schon der Elektronischen Tanzmusik gewidmet war…

    2015 entdeckte ich Techno endgültig für mich, denn die letzten Sommerferien meines Lebens mit 16 hab ich meine ersten Techno Sommer gehabt.. das wa 2008 … aber durch Kinder und dann die Jobs in der Mainstream Club Szene habe ich mich voresrst von techno entfernt … seid Oktober 2014 arbeite ich hinter Bar Angefangen im Matrix mit ca. Einem Jahr
    .. dann kurz Sky das je pleite ist und dann im Weißen Hasen heute bin ich im astra wo ich echt ein Blick in sämtliche Szenen habe…
    Ich lebe und liebe Musik mein Leben und sing schon immer, meine Mama sagt schon bevor ich sprechen konnt. Als Teenager hab ich Hip Hop Tanz Kurse belegt und war 3 deutschrapperin.

    LOVE PEACE AND HARMONY @all

    #techno #technoszene #rave #blidrave #Liebe #frieden #gemeinschaft #berlin #neu #savetherave #hauptstadt #meinung #feiern #party #house #electro #westbam #wandel #raven #house #techhouse #minimal #dj #veranstalter

  51. @Denise: Deine Leidenschaft in allen Ehren, aber hier geht es nicht um Rave, sondern um Wave – Darkwave, Coldwave, Minimalwave – sowas halt ;)

    Nichtsdestotrotz: schön, dass du so für deine Musik brennst – ist nur leider der falsche Blog :)

  52. Oh Mann, was für ein Gespamme… gleich dreimal dieselbe Leier und dann auch noch in grottenschlechtem Deutsch geschrieben.
    Aber Hauptsache, es gibt „Likes“auf Facebook ;-)

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