Akute Müdigkeit zur Europawahl 2009?

Wahlmüdigkeit. Schon wieder so ein Schlagwort, das zurzeit durch die Nachrichten geistert. Wenn man Statistiken Glauben schenken darf, so nimmt man an, das von rund 400 Millionen Bürgern in der EU noch nicht einmal jeder zweite am Sonntag wählen geht. Ich gehe nicht von einer Wahlmüdigkeit aus, sondern von einer Entscheidungsfindungsstörung, woher soll man wissen, wen man wählen soll, irgendwie mach die doch alle nur noch Mist! Da gehe ich lieber gar nicht wählen, wer nichts tut, kann auch nicht falsch machen…

Der Wahlzettel ist 1 Meter lang und beinhaltet 32 Parteien. Wen wählen? Soll ich mir etwa die Wahlprogramme aller 32 Parteien durchlesen und dann entscheiden, welche Partei meine Interessen am besten vertritt? Soll ich der schlecht gemachten Werbung am Straßenrand glauben, Politiker wählen, von denen ich noch nie etwas gehört und gelesen haben? Achso, Silvana Koch-Mehrin, eine Frau, von der ich noch nie gehört habe, tritt gleich durch schmutzige Wäsche bei mir in Erscheinung, das ist auch nicht viel besser und nicht förderlich für die Entscheidungsfindung.

Der Wahl-O-Mat zur Europawahl, der aufgrund von 38 Thesen, die er dem Nutzer präsentiert und dadurch die entsprechende Auswahl erleichtert? Sicherlich ein erster Schritt in Sachen Entscheidungsfindung, berechtigte Kritik an dieser Möglichkeit sorgen aber wieder mal für einen bitteren Nachgeschmack. Das wirft einen Zwiespalt auf. Nerds und Geeks der Generation C64, die sowieso im Netz wohnen, kann man ruhig zumuten sich intensiver mit den Parteien, ihren Programmen und der schmutzigen Wäsche zu befassen, aber welche Möglichkeiten hat der Otto-Normal-EU-Bürger?

Nicht zur Wahl zu gehen ist keine Option. Die Möglichkeit seinen kleinen Teil zu dieser so wichtigen Gemeinschaft beizutragen überwiegt. Hier hat jeder die Möglichkeit den großen Parteien einen Denkzettel zur verpassen und den Auswirkungen von schlechter Politik Zahlen zu verleihen.  Das Internet bietet viele Möglichkeiten Informationen zu sammeln, diese für sich auszuwerten liegt in der Verantwortung jedes einzelnen. Das Internet ist ein Mittel zur Demokratie, die Anzahl der Menschen, die sich Informationen ausschließlich über das Netz besorgen steigt, die Anzahl der Kommunikationsbereiten und informierten Politiker hingegen sinkt.

Möchte man beispielsweise mit den Gesichtern der Politik in Kontakt treten und ihnen auf den Zahn fühlen, verwendet man die Abgeordnetenwatch, die neben vielen Hintergrundinformationen über einzelne Personen (inklusive der Anzeigepflichtigen Nebentätigkeiten) auch die Möglichkeit bietet den Politikern gezielt Fragen zu stellen. Viele werden auch beantwortet, keine Antwort ist auch eine Antwort.

Viele Abstimmungen im Bundestag sind namentliche Abstimmung, das heißt man weiß wer wie abgestimmt hat und wer überhaupt anwesend gewesen ist. Das ZDF hat sich mit seinem Parlameter die Arbeit gemacht das zu visualisieren und Abstimmungen, anwesende Personen und ihre Stimme auf den Schirm zu bringen. Das bietet in der Anwendung viel Potenzial, aber auch viel Arbeit.

Wir haben die Möglichkeit ein Zeichen zu setzen, viele von denen die sonst nur Meckern können endlich mal Partei ergreifen und zumindestens ein Kreuz machen. Die EU in der WIR leben bestimmt mittlerweile eine Vielzahl von Gesetzen und Regelungen und gewinnt immer mehr an Bedeutung. Hier ist die Möglichkeit seine Entscheidung mit in die Waage zu legen. Wahlkampf wie in den USA mit lustigen Filmen, Liedern und Animationen? Fehlanzeige. Große Parteien konzentrieren sich auf den bevorstehenden innerdeutschen Wahlkampf.

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guest
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Tears
Tears (@guest_2753)
Vor 13 Jahre

Dürfte man wählen, der von den Politikern am nächsten Baum aufgehängt wird, dann wäre die Qual der Wahl wohl nicht so groß…

stoffel
stoffel (@guest_2754)
Vor 13 Jahre

Also den Wal-O-Mat finde ich ganz witzig ;) Okay für Mitbürger die keine Ahnung haben wen sie wählen sollten vielleicht nicht so ganz das Richtige aber ich fand es schon erstaunlich welche Parteien meine gewählten Thesen nicht oder voll zustimmten.

Wählen gehe ich auf jeden Fall, auch wenn alle Parteien nicht dazu beigetragen haben den Wähler zum wählen zu animieren … aber Nicht-Wählen ist meiner Ansicht der falsche Weg.

Im Zeitalter von Internet und Co. denke ich haben viele Bürger die Möglichkeit sich zu informieren und die richtige Entscheidung für die Wahl zu treffen … allerdings setzt das ein Interesse an Politik voraus sowie den Willen etwas zu tun … leider sind immer noch zuwenig Menschen bereit dazu.

Tears
Tears (@guest_2756)
Vor 13 Jahre

Wenn sich Leute im „Internet“ informieren, dann können sie fast nur eine Partei wählen. Welche das ist… so kurz vor der Wahl mach ich jetzt keine Werbung mehr…

stoffel
stoffel (@guest_2762)
Vor 13 Jahre

Die Mitbürger haben schon wieder eine gute „Ausrede“ heute nicht zur Wahl zu gehen … es regnet ;)

Klar sollte im Idealfall das Interesse von den Parteien geweckt werden, aber ist es nicht am Bürger etwas zu tun, wenn die Politik das schon nicht zufriedenstellend macht? Ich kann doch nicht meine Hände in den Schoss legen und warten/hoffen das sich etwas verändert ohne Eigeninitiative … oder denke ich da falsch?

Sven
Sven (@guest_2763)
Vor 13 Jahre

Die Wahlmüdigkeit könnte man recht einfach umgehen indem es eine Möglichkeit gibt ganz unten ein Kreuz zu machen „Aus moralischen oder persönlichen Ansichten kann ich keine der genannten Parteien und oder deren Wahlprogramme wählen“.

Wenn diese Wählerstimmen die Mehrheit bekommen ist die Wahl ungültig und die Parteien müssen nachbessern. Ein Weg endlich Demokratie umzusetzen.

Gordo
Gordo (@guest_2764)
Vor 13 Jahre

Da fragt man sich doch wieder, ob und welcher Partei man traut und welche Versprechen einem gefallen…

Naja mich hat es heute schockiert, wie leichtfertig man nicht nach Ausweis oder Ähnlichem gefragt wurde… :(

@Sven: Diese Idee würde mir gefallen, würde aber unsere Regierung für eine Weile richtig blockieren ;)

Tears
Tears (@guest_2765)
Vor 13 Jahre

@ Sven: Tolle Idee, nur wird die nie umgesetzt werden. Denn denkst du, dass unsere Machthaben sich selbst ans Bein pinkeln (zugegeben, bei manchen bin ich mir echt nicht sicher, ob die stubenrein sind).

@ Wahl allgemein: Eigentlich sehr enttäuschend, dass die Oberstinksäcke weiterhin am besten abgeschnitten haben. Zugegeben, der FDP gönne ich ihren Erfolg irgendwie. Dass die Piraten zwischen 1 und 2% schwanken ist auch kein schlechtes Zeichen, wenn es auch ein paar Prozent mehr hätten sein dürften. Nun, meinen Beitrag hab ich immerhin geleistet, hab meinen Arsch zur Wahl geschleppt. Lediglich der Gemeinde- und Kreiswahl hab ich mich enthalten, denn die geht mir sowas von am Arsch vorbei, zumal die Auswahl zwischen CDU, SPD, Grünen und FDP nicht ganz mein Geschmack ist und ich mich sicher nicht mit einzelnen Personen auseinandersetze.

JPanther
JPanther (@guest_2779)
Vor 13 Jahre

Ich war vormittags wählen.
Bei mir war es ähnlich. 3 Wahlhelfer im Wahllokal und ich als einziger Wählender. Naja, was solls…
Der Bogen war aber extrem lang. Dank des Wahl-O-Mat zur Europawahl und einigen sehr interessanten Artikeln in der Blog Community war ich gut informiert.

Ich glaube nicht das es am Nachmittag viel andres war… schade eigentlich.

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