nichts - tango 2000

Nichts – Schaut mich an, ich tanz am besten

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NichtsWer glaubt, die Neue Deutsche Welle kurz NDW würde nur aus Nena, Hubert Kah und Markus bestehen der irrt. Als der Punk Anfang 1977 nach Deutschland schwappte und die meisten Band nur imitierten, entwickelte sich schnell ein eigener deutscher Punk, in dem auch deutsch gesungen wurde. Eine neue Form von musikalischem Selbstwertgefühl und Individualismus verbreitete sich sehr rasch, Deutsch zu singen war wieder cool geworden. In den deutschen Hochburgen des Punks Düsseldorf, Hamburg und Berlin formierten sich zwischen 1977 und 1983 unzählige Bands, die mit viel Kreativität etwas neues machten. Eingängie Melodien und simple Texte, die neue deutsche Welle war geboren.

Die aus der Düsseldorfer Punkformation KFC (Kriminalität Förderungs Club) ausscheidenden Meikel (Michael) Clauss und Tobias Brink bildeten im Frühjahr 1981 die Band Nichts mit dem Drang etwas neues zu machen. Ein ehemaliger Schulfreund von Clauss, Christopher Scarbeck stieg als Bassist ein und die Freundin und spätere Ehefrau von Brink, Andrea Mothes nahm das Mikrofon in die Hand. Im Juni 1981 erschien dann nach nur 5 Wochen ihre erste LP Made in Eile auf einem Independent Label.

Schaut mich an, ich tanz am besten. Schaut mich an, ich bin die Schönste.
(Nichts – Tango 2000)

Die Band bezeichnete ihre Stilrichtung selbst als Psychopop und wollte eigentlich mit NDW nicht in Verbindung gebracht werden. Clauss und Brink kommen ja definitiv aus dem Punk und gehörten mit ihrer vorherigen Band KFC zu einem der Headliner in der Düsseldorfer Punk Szene. Die Presse tat wie immer Ihr übriges und verglich Nichts gleich mit Ideal, den Neonbabies und anderen NDW Größen, so blieb der Band nichts anderes über, als sich ihrem Schicksal zu fügen.

Am 8. September 1981 stellten sie die Single Radio bei der WDR Sendung Bananas vor und verkauften im Handumdrehen 7000 Singles. Das sie sich dabei der WEA anschlossen, brachte nicht nur neue Freunde sondern auch viele Feinde, gerade in der Punkszene. Der Erfolg von über 20000 verkauften LP´s gab ihnen aber recht und ließ den ein oder anderen Skeptiker verstummen. Zurück zum Punk? Besten Dank!

Ob Chris Scarbeck, der 1979 Deutscher Meister im Disco-Tanz wurde der Initiator für die Tango-Disco-Hommage Tango 2000 war, bleibt wohl ewig unklar. Klar ist, dass die Band damit Ihr erfolgreichstes Stück aufnahm, das bis heute auf vielen NDW Samplern vertreten ist.

Das gleichnamige Album Tango 2000 das im März 1982 erschien zählt für mich zu den Höhepunkten der Band, obwohl sie die mit der übermächtige WEA aufgenommen haben. Der eingängige Sound beschreibt die Bewegung und den Geist der Neuen Deutschen Welle auf den Punkt. Obwohl andere Bands erfolgreicher waren, würde ich Nichts mit diesem Album als Stilprägend bezeichnen. Die guten Texte, die sich positiv vom übrigen NDW Müll abheben gepaart mit der Stimme von Andrea Mothes tun ihr übriges. Titel wie Tango 2000 oder auch Ein deutsches Lied füllen auch heute noch spielend die Tanzflächen.

Liveauftritt
Liveauftritt

Leider trennten sich Meikel Clauss und Chris Scarbeck im Sommer 1982 von der Band. Andrea Mothes und Tobias Brink entschieden sich, zusammen mit Steven Keusch (Bertha and Friends) und Peter Szimanneck weiterzumachen. Im Februar 1983 erschien dann auch Aus dem Jenseits dessen Wortwahl fast Schicksal war, denn die Band löste sich im März 1983 auf. Die neu zusammengesetzte Band konnte zwar an den Sound und Klang, nicht aber an den Erfolg der ursprünglichen Formation anknüpfen. Mit Clauss und Scarbeck fehlten zwei wichtige kreative Größen.

Andrea Mothes und Tobias Brink zogen sich zurück, Brink studierte und wurde Doktor der Psychiatrie, auf Heilpraktiker hatte er keinen Bock, denn Michael Clauss hat zwar noch mit Belfegore Erfolg, zog sich aber ebenfalls zurück und ist heute in Düsseldorf Heilpraktiker. Christopher Scarbeck zog nach Frankreich und wurde Schauspieler. Keusch und Szimanneck spielte noch für Nena und Extrabreit.

 

Nichts – Radio 1981

Nichts – Tango 2000

(Bildquelle: Tillmeister, Vampyrblut / last.fm)
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Christopher Scarbeck
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Tja, da bin ich wieder und was da ueber mich geschrieben steht, stimmt zum groessten Teil ja. Ich war zwischendurch 8 Jahre in Houston,Texas(siehe video sur YouTube), bin Vater von 4 (inzwischen fast alle erwachsenen)
Kindern, und habe vor, im Jahre 2010 im Sommer eine Musik-tournee zu machen! So, jetzt ist die Katze raus aus dem Sack ! Es war eine tolle Zeit damals mit der Gruppe “Nichts”. Da kann ich ja nur hoffen, noch etwas Besseres hinzubekommen. Auf bald,
Christopher Scarbeck