Musikperlentaucher – Tauchgang #26

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Tommi Stumpff – Niemals Mehr

In den späten 70ern hinterließ Stumpff einen bleibenden Eindruck als Kopf der Düsseldorfer Punkband „Der KFC“1, bevor er sich 1982 auf eigenen Pfaden bewegte. Fasziniert von Elektronik und Computern schuf und legte er bis 1993 einige eindrucksvolle EBM-Meilensteine. „Massaker“ ist das bekannteste Stück, dass rund 13 Minuten die Tanzflächen füllte. Zusammen mit Silvia Nemanic probierte sich Stumpff auch in der Neuen Deutschen Welle. Das gleichnamige Album „Silvia“ erreichte in der Wave-Szene einige Berühmtheit, nicht zuletzt weil die Klangkonstruktionen überhaupt nicht in das belanglos klingende Schema eines NDW-Songs passten. (Silvia – Zuerst Ich bildete die Brücke zum NDW, während Silvia – Sauf und Stirb seiner Zeit voraus war und Stumpffs spätere Ausrichtung deutlich macht). Auf seinem späteren Album „Terror II“ erschien auch das düstere Stück „Niemals Mehr“, dass nach rund 25 Jahren auch ein offizielles Video spendiert bekommt. Zusammen mit Peggy Johanson setzt er den eher melancholischen Song um. Großartig. Zeitlos.

www.youtube.com/watch?v=T1ECZlfmJxU

Frustration – Too Many Questions

Vor ziemlich genau 10 Jahren gründete sich „Frustration“, die sich durch Bands wie Joy Division, Killing Joke oder auch Crisis beeinflusst zeigen und eine Mischung aus Postpunk und Coldwave präsentieren, wenn man die Franzosen in der Undurchsichtigkeit der Genre-Grenzen überhaupt einordnen kann.  Man mag es als Retro-Welle bezeichnen, als „Aufwärmen“. Ich stelle mir die Frage, was schlecht daran sein soll.  In einem Interview mit dem OX bericht Drummer Mark über die Idee dahinter: „Zur Abwechslung haben wir uns entschieden, die dunkle, kalte, traurige aber angespannte Seite des Rock’n’Roll zu erforschen. Wir wurden beeinflusst durch Postpunk- und Coldwave-Bands wie CRISIS, WARSAW/JOY DIVISION, KILLING JOKE und THE FALL. Wir fühlen uns mehr wie eine moderne, 80er-Jahre-orientierte Band, als wie eine Revival-Band. Wir versuchen nicht etwas zu reproduzieren, sondern neue Songs zu kreieren.“ Es ist ihnen gelungen:

www.youtube.com/watch?v=SqH50l-axyo

How to destroy Angels – Keep it together

Nomen est Omen. Trent Reznor, Kopf hinter dem Musikprojekt Nine inch Nails widmet sich zur Zeit seinem Ableger „How to Destroy Angels“, dass er 2010 mit seiner Frau und Atticus Ross gründete. Und wo Reznor draufsteht ist auch Reznor drin, der stark elektronisch geprägte Song erinnert auch die neuesten Ableger anderer Helden der schwarzen. So musste ich unweigerlich an VCMG denken, in dem sich Vince Clarke und Martin Gore ebenfalls elektronisch ausprobieren. Ob hier der Name oder die Musik für entsprechende Aufmerksamkeit sorgt, liegt im Auge des Betrachters. „Keep it together“ zeigt jedenfalls im Stile von „Dark-Ambient“ welche Ideen ein Reznor so durch den Kopf gehen. Düstere Soundkonstruktionen, eingehende Beats und ein dahingehauchter Gesang. Die dazugehörige EP „An Omen“ erscheint am 13. November.

vimeo.com/52603601#

Einzelnachweise

  1. Übrigens: KFC ist keine Abkürzung von irgendetwas, der viel zitierte „Kriminalitätsförderungsclub“ ist ein Konstrukt der Presse. Der KFC hieß immer nur Der KFC.[]
Robert
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Ian Luther
Gast

Danke für den Artikel. Besonders letzterer Song hat’s mir angetan.

Irmin
Gast
Irmin

Allesamt ganz gute Lieder, auch wenn mir der Anfang von „Too Many Questions“ nicht wirklich gefällt.

Und Herr Reznor ist mit Elektronik nun ja schon länger vertraut, ich weiß nicht, ob man da noch von Experimentierphase sprechen kann… wink

Death Disco
Gast
Death Disco

Tja, so positiv geh ich nicht ins Wochenende.

Zu „Lobotomie“ oder „Requiem“ hätte ich mir einen Clip gewünscht, natürlich im 80er/Früh-90er Gewand, vielleicht mit Sci-Fi-Einsprengseln. Der Clip zu „Niemals mehr“ scheint einzig der Selbstpräsentation von Frau Johanson zu dienen. Da wird geräkelt und gewälzt, mit aufgesetzter Erotik gespielt… Verzichtbar und deplaziert in meinen Augen.

Reznor hat ausgerockt. Derartige Electronica-/Downtempo-Spielereien und das Gefrickel mit versetzter Rhythmik und Störgeräuschen waren mal vor 15 bis 20 Jahren innovativ, als noch Trip-Hop, Big Beat, Leftfield und solche Sachen im Trend lagen. Die Stimme erinnert glatt an Toni Halliday von Curve. Für mich nur ein weiteres Beispiel dafür, dass sich die Musikwelt seit Jahren im Kreis dreht. Reznor war in meinen Augen immer nur ein Kopist. Damit machte er sich schon früh unbeliebt, u.a. bei den Leuten von Skinny Puppy (Ogre kopierte er optisch fast 1:1), KMFDM und Front Line Assembly.

Bleibt mir also nur (die) Frustration. wink

Peggy Johanson
Gast

Lieber Death Disco, ich habe ausdrücklich auf Wunsch von Herrn Stumpff für diesen Song agiert. Nur zur Information.