10 März

Musikperlentaucher – Tauchgang #02

Verfasst von Diskussion: 4 Kommentare

Silke Bischoff – On the other Side

Am Morgen des 16. August 1988 nahmen Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner im Anschluss an ihren Überfall auf die eine Bank in Gladbeck mehrfach Geiseln und flüchteten mit ihnen zwei Tage lang durch Deutschland und die Niederlande.  Das Drama endete 2 Tage später mit einer katastrophalen Polizeiaktion, beim dem die 18-jährige Silke Bischoff vermutlich durch einen der Geiselnehmer getötet wurde. Als Felix Flaucher und Axel Kretschmann gemeinsam Musik machen wollten, benannten sie ihre Band nach der verstorbenen Silke Bischoff und nahmen in verschiedenen Liedern Bezug zum Geiseldrama, letztlich wurde der Namen nicht zur Provokation gewählt, sondern gegen das Vergessen. 2002 trennten sich die beiden Musiker und der Bandname änderte sich nach einem Rechtsstreit zu 18 Summers1. Mit ihrem Stück On the other Side schufen sie die Hyme der Gothic Bewegung der frühen 90er und gelten als Stilikone des Dark Wave Genre. Wer wissen will, worauf ich während meiner Lehre abgegangen bin, bei welchem Stück ich den Totengräbertanz einstudierte, sei dieses Lied ans Herz gelegt.

www.youtube.com/watch?v=ntoDfhT6IU4

The Prodigy – Out of Space

Das Omen ist in aller Munde, Fans sprechen von einem furiosen Album, Kritiker finden es nicht retro sondern langweilig. An The Prodigy, benannt nach einem Synthesizer der Firma Moog, schieden sich schon immer die Geister. Sie sind wahrlich schwer einzuordnen und bedienen mehrere Genre, die sie auch in ihren Stücken zu einer aufregende Symbiose verbinden, die sicherlich nicht jedem gefällt. Das Extrovertierte Auftreten einiger Bandmitglieder, oder die teils provokanten Videos mögen sicherlich ihren Teil zum Erfolg beigetragen haben, aber kreativ waren sie schon immer und gemacht haben sie immer das Gegenteil von dem, was man von Ihnen erwartet hat. Als ich das Video von Out of Space 1992 zum ersten mal auf MTV gesehen habe war ich jedenfalls begeistert und bin seit dem auch treuer Anhänger der Engländer, das Debütalbum Experience, ist wahrlich eine Erfahrung gewesen. Einige Samples, sowie der Refrain stammen übrigens vom Stück I chase the Devil von Max Romeo & The Upsetters, was zu Vollständigkeit erwähnt werden sollte.

www.youtube.com/watch?v=mI4vipFIzLw

Depeche Mode – Just can´t get enough

Ein neues Album steht in den Startlöchern, ein erster Song wurde mit Wrong bereits vorgestellt und im Sommer dann noch eine Welttournee, irgendwie scheint es, die Jungs aus England werden niemals müde Musik zu machen. Dieses Jahr feiern sie übrigens ihr 30-jähriges Jübiläum, denn 1979 gründeten sie mit Composition of Sound ihre erste Band, Depeche Mode gründeten sie erst 1 Jahr später, demnach kann man für 2010 einiges erwarten. Als der damalige Songschreiber Vince Clarke2 die Band nach dem Debütalbum verließ, wurde der Band ein schnelles Ende vorausgesagt. Glücklicherweise irrte man sich gewaltig. Clarke zeichnet sich auch für den ersten weltweiten Hit Just can’t get enough verantwortlich, der im Herbst 1981 die Charts stürmte. Das früher alles besser war, stimmt nicht, es fühlt sich nur kultiger an. Darunter zählt sicherlich der Live-Auftritt im Londoner Odeon 1982. Dieses Video ist eine grandiose Depeche-Mode-Wayback-Machine.

www.youtube.com/watch?v=EcD0ktuCeTE

  1. Auch hier ist der Bezug zum Gladbecker Geiseldrama, denn Silke Bischoff starb am 18. August im Alter von 18 Jahren []
  2. Einer der besten Songschreiber der Synthiewelle der 80er Jahre, die Liste des musikalischen Wirkens liest sich wie eine Definition von New Wave: 1979 – 81 Depeche Mode, 1981 – 83Yazoo, 1983 The Assembly, 1985 Erasure []

4 Kommentare

  1. zu The Prodigy: Ich wusste doch, dass ich das Lied bzw. Video irgendwo her kennen würde. Bis ich dann im Text gelesen habe, dass es aus den 90ern ist :)

    Sind die anderen Lieder des ersten Albums auch so in der Art, oder wieder komplett anders?

    Marcus

  2. Wenn Dir dieses Stück gefällt, dann gefallen Dir auch sicherlich die restlichen Titel des Albums, denn obwohl jeder Song eine eigene Note hat, ist stilistisch immer The Prodigy herauszuhören. Wenn du eine günstige Möglichkeit siehst, würde ich zuschlagen. Bei Amazon gebraucht für 8 Euro zu haben.

  3. Hach ja…Depeche Mode…Mir persönlich gefällt immer noch „Blasphemous rumours“ am besten. Damals und heute. Daran kann ich mich auch heute nicht satthören.
    Silke Bischoff „On the other side“: Genial!
    Mich hat das damals sehr berührt, dieses Geiseldrama. Silke wäre heute in meinem Alter…

  4. Ich fand das damals auch ganz schrecklich, leider war die damalige Berichterstattung mehr als ekelhaft. Das die Medien solche Momente für sich ausnutzt und die Geiselnehmer in dieser Art und Weise in Szene setzt, würde heute sicherlich auch nicht anders laufen, leider.

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