Spontis-Radio: „Sounds from the Dark“ von Jörg Lippold

Was wäre ein Radio ohne DJs, die Musik kuratieren, um den Geschmack der Hörer zu treffen und wohlmöglich deren Horizont zu erweitern? Das Spontis-Radio hat Jörg Lippold ins virtuelle Boot geholt, der mit seiner Sendung „Sounds from the Dark“ geneigte Ohren mit alten und besonders auch neuen Songs aus dem Bereich Post-Punk, Minimal, EBM und Darkwave verwöhnen und bereichern möchte.

Jörg kommt aus Gevelsberg, das zwischen Hagen und Wuppertal liegt, und bringt mit 58 Jahren schon reichlich 1980er-Jahre Beeinflussung mit. Aktuell ist er monatlich im DejaVu in Remscheid und alle drei Montage bei der „Lost Sounds“ in Bochum hinter den Reglern zu hören. Dieses Jahr hatte Jörg zudem die Ehre, auf dem Wave-Gotik-Treffen in der Moritzbastei die schwarze Meute zum Tanzen zu bringen und wird auch auf dem „Death Disco Open Air Festival“ in Athen auflegen. Wir haben ihn für ein kleines Interview gewonnen, zudem ihr ab sofort auch in seine Sendung schalten könnt.

Zeitplan: Dienstag, Donnerstag, Samstag
12 – 14 Uhr
18 – 20 Uhr

Spontis: Wie kam es, dass Du als DJ unterwegs bist? Erzähl uns doch über Deinen ersten Auftritt.

Jörg: An den kann ich mich sogar noch ziemlich gut erinnern. Das war in Sprockhövel im Sunset und liegt eine gefühlte Ewigkeit zurück. Damals war ich noch ausschließlich mit Vinyl unterwegs. Ich kannte den Inhaber des Clubs und habe einfach gefragt, ob ich demnächst mal auflegen darf. Bereits eine Woche später hatte ich dann meinen „Testlauf“. Das war Mitte/Ende der 80er, denke ich. Ich habe Songs von The Chameleons, The Sound, The Fall, The Smiths, The Cure und Sisters aufgelegt.

Spontis: Welche Genre bedienst Du und hast Du bestimmte Favoriten?

Jörg: Ich bin bis heute ziemlich 80er beeinflusst, das sind eben meine Wurzeln. Aber ich versuche ständig neue spannende Bands und Songs zu entdecken, die ich dann ins Programm aufnehme. Das läuft dann heute wohl alles unter dem Begriff Post Punk, wobei schon seit vielen Jahren elektronische Sachen bei mir dazu gekommen sind, alles was man so unter Synth|Dark Wave, EBM oder Minimal kategorisieren würde.

Spontis: Mit welcher Technik arbeitest Du?

Jörg Lippold: Ich habe einen Numark Mischer, habe mir aber erst vor kurzem einen Traktor zugelegt. Inzwischen lege ich natürlich vorwiegend mit digitalen Medien auf, aber ab und zu wieder Vinyl aufzulegen, fände ich auch toll. Ist gefühlt auch irgendwie cooler…

Spontis: Wo hast Du schon aufgelegt und wo kann man Dich live erleben? Arbeitest Du auch mit anderen DJs zusammen?

Jörg: Im Laufe der Jahre sind es echt viele Stationen gewesen: Sunset Sprockhövel, RPL Gevelsberg, Exit Solingen, Underground Wuppertal, Rockoko Wuppertal, DejaVu Remscheid, Lost Sounds Bochum, Matrix Bochum und einige andere. Zurzeit mache ich das DejaVu in Remscheid einmal monatlich, hier hole ich mir gelegentlich Gast DJs an Bord, damit der Abend abwechslungsreich und spannend bleibt. Alle drei Monate lege ich gemeinsam mit Jörg Bieg die Lost Sounds Party in Bochum auf. Zudem immer wieder Aftershow Parties vom Label Cold Transmission. Daraus resultiert auch, dass ich öfter mit Andreas Herrmann von CT gemeinsam auflege, so wie zuletzt auf dem WGT in der Moritzbastei. Am 21. Juli machen wir die Warm-Up Party des zweitägigen Death Disco Festivals in Athen gemeinsam. Komplett verrückte Sache! Ich habe den Veranstalter Leo Skiadas, mit dem ich schon lange über Social Media befreundet war, in Leipzig getroffen und dort haben wir über sein großes Festival gesprochen. Er sagte, er schaue sich schon lange meine Playlisten an, und das könnte ich genau so in seinem Club in Athen machen. Und genau so kommt es jetzt. Einfach irre.

Spontis: Was war Dein schönstes Erlebnis als DJ?

Jörg: Musik aufzulegen, die sehr weit davon entfernt ist, gängig zu sein, und dabei auf Gäste zu treffen, die das nicht nur auf der Tanzfläche mitmachen, sondern gezielt in den Club kommen, um solche neuen Sachen zu hören. Das trifft zu 100% auf die Lost Sounds Party in Bochum zu. Ich empfinde es bis heute als ein Geschenk, dort auflegen zu dürfen.

Spontis: Was macht für dich eine gelungene Veranstaltung aus?

Jörg: Bude voll, interessante Leute, optisch schöne Location, funktionierende Technik, musikalisch offene Gäste, Tanzfläche voll, gute Stimmung. Aber auch interessante Gespräche am Rande zu führen und neue Leute kennenzulernen, finde ich für mich wichtig und runden einen guten Abend ab.

Spontis: Erzähl uns etwas über Deinen Auftritt beim diesjährigen WGT 2023 und bist Du nächstes Jahr wieder dabei?

Jörg: Das hoffe ich sehr, nächstes Jahr wieder mit dabei zu sein, aber beim WGT läuft ja bekanntlich vieles auf den letzten Drücker, deshalb weiß ich es noch nicht ganz sicher. Bock hätte ich jedenfalls sehr großen. Es hat unglaublich Spaß gemacht. Wir haben echt wenige abgedudelte Songs aufgelegt. Die haben wir uns für die Zeit nach 4 Uhr aufgespart. Begonnen haben wir unser Set bereits um 20 Uhr in der MB und die Nummer endete erst morgens um kurz nach 6. Ich hatte die ganze Nacht das Gefühl, es läuft irgendwie gut. Tanzfläche voll und viele Leute, die sich nach Songs oder der kompletten Playlist erkundigten. Wir haben in der Nacht sogar einige neue Anfragen für DJ-Sets erhalten. Eine für mich neue Erfahrung war auch, dass die meisten Gespräche mit Gästen nicht auf Deutsch stattfanden. Ich habe die Nacht echt genossen und natürlich wünsche ich mir, sowas nochmal machen zu dürfen.

Spontis: Seit wann bist Du schon in der schwarzen Szene? Wie ist Deine Meinung von früher und heute? Besucht du als Gast noch Veranstaltungen?

Jörg: Ich habe mich schon manchmal gefragt, ob ich überhaupt Bestandteil der Szene bin ? Optisch ist das zumindest nicht zwangsläufig erkennbar, außer dass ich in schwarzen Klamotten herumlaufe. Aber die Haare sind eher normal, geschminkt und gestylt bin ich auch nicht. Bei mir war es mein Leben lang die Liebe zur Musik, die mich mit der Szene verbunden hat und natürlich habe ich viele Freunde in der schwarzen Szene. Das ergibt sich einfach mit der Zeit so und ich fühle mich dort sehr wohl und zu Hause. Ich gehe auch als Gast zu vielen Veranstaltungen, insbesondere dorthin, wo ich nicht befürchten muss, mich musikalisch zu langweilen.

Spontis: Gibt es Bands, die Du in deiner Freizeit besonders gern hörst?

Jörg: Oft sind es bei sehr vielen Bands immer nur einzelne Songs, die ich besonders oft und gern höre. Außer vielleicht bei Soft Kill. Von denen kann ich mir fast jeden Song anhören und ich besitze zudem in meiner Sammlung fast alles, was sie jemals auf Vinyl herausgebracht haben. Soft Kill haben zwar auch schon auf dem WGT gespielt, aber ist das eine Gothic-Band? Eher nicht, zumindest nicht optisch und musikalisch vielleicht auch nicht. Aber wenn du ein Album wie „Dead Kids“ herausbringst, in dem es ausschließlich in jedem einzelnen Song um das Thema Verlust geht, dann sind sie vermutlich inhaltlich schwärzer als so manch andere Genre-Band.

Spontis: Was erhoffst Du Dir mit Deiner Mitarbeit als DJ in unserem Radio?

Jörg: Als DJ musst du ja immer zusehen, dass du tanzbare Sachen auflegst und die Fläche halbwegs gefüllt ist. Im Radio muss ich das nicht unbedingt, und ich hoffe, dass ich mit meinen ausgewählten Songs bei den Zuhörern Interesse wecke, sodass sie sagen: geiler Song, noch nie gehört, was ist das? Das wäre schon ein toller Erfolg und würde mich freuen.

Spontis: Vielen Dank für das tolle Interview und besonders für die Zusammenarbeit. Jetzt freuen wir uns riesig auf Deine Sendung.

Jörg: Ich freue mich total über die Möglichkeit, hier mitmachen zu dürfen. Vielen Dank vor allem an Christian (Gruftwurm), dass du mich eingeladen hast. Freuen würde mich natürlich, wenn’s gefällt und auch Feedback jeder Art fände ich gut. Auch wenn’s nicht gefällt, ich verkrafte das!

Jörg Lippold - Schwarzweiss

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Yttrium
Yttrium(@yttrium)
Vor 9 Monate

Schönes Interview. Das erwähnte Death Disco Festival war auch auf meinem Radar, kein Wunder bei dem 1a-Lineup. Hab das nur nicht in den Veranstaltungskalender eingetragen weil Athen dann doch ein bisschen weit weg ist. Aber ist natürlich sehr erfreulich wenn man da auflegen kann.

Spätestens seit Corona hab ich DJ Sets im Internet sowieso schätzen gelernt. Die nehmen einem wirklich viel Arbeit ab was die Vorselektion bei neuer Musik angeht. Es gibt ja überwältigend viele Neuerscheinungen, ich versuch in die meisten wenigstens mal kurz reinzuhören, aber manchmal artet das schon fast in Arbeit aus, und viel zu oft entgehen einem Perlen. Da ist ein DJ mit halbwegs kompatiblem Musikgeschmack schon Gold wert. Ich hör mich ja grade durch die Veröffentlichungen auf Oráculo Records durch, was natürlich eine Menge ist. Wer weiß, vielleicht hätte ich Monomen bei der Masse übersehen wenn mir die nicht hier im Radio aufgefallen wären?

Aber auch wenn man die Sachen bereits kennt ist das durchaus nett. Allein schon was von kékmandarin zu hören, und dann mit Menekülj auch noch mein Lieblingslied von ihnen … hachz. Ich wär ohne Zweifel auf die Tanzfläche gestürmt. „Ich tanz“ von Twin Noir hab ich auch erst vor kurzem irgendwo gehört und mich drüber amüsiert, dass es die Tradition von Tango 2000 eigentlich sehr hübsch fortführt. Also alles in allem sehr fein, bis auf ein paar Songs in der zweiten Hälfte die mich irgendwie nicht mehr so ganz abgeholt haben. Aber ein komplett deckungsgleicher Geschmack existiert ja sowieso niemals.

Tanzbar fand ich aber trotzdem eigentlich alles, irgendwie hatte ich durch die Ankündigung deutlich mehr sperrige, artsy Sachen erwartet. Irgendwas zwischen Harsh Noise und Dark Ambient mit ein paar Field Recordings reingeworfen oder so, haha.

Und dass mit der nur grenz-gruftigen Lieblingsband? Wen kümmert’s. Meine Lieblingsband ist (im weitesten Sinne) Post-Industrial und nicht „Goth“. Ich lass mir doch nicht von sowas willkürlichem wie Genres vorschreiben was ich zu mögen hab und was nicht; wäre ja noch schöner.

Jörg Lippold
Jörg Lippold(@joerglippold)
Antwort an  Yttrium
Vor 9 Monate

Vielen Dank für Dein Feedback. Manchmal schaffe ich es auch nicht durch alles Neue durchzuhören. Ich bin immer auf der Suche und das Stöbern macht ja auch Spaß, aber es gibt Phasen, da funktioniert es einfach nicht. Ich höre dann gerne in Playlisten von Leuten rein, von denen ich weiß, dass sie einen ähnlichen Geschmack haben. Ich hab mir vorgenommen meine Playlist bei Spontis alle paar Tage zu wechseln, d.h. ich tausche die Songs aus. So wird es hoffentlich abwechslungsreich und unterhaltsam.
Liebe Grüße 🖤

Yttrium
Yttrium(@yttrium)
Antwort an  Jörg Lippold
Vor 9 Monate

Oh, es gibt noch mehr Abwechslung? Ich versuch weiter reinzuhören. Klappt natürlich nicht immer, wegen zeitlicher Einschränkung, aber trotzdem – ich bin gespannt. :)

Jörg Lippold
Jörg Lippold(@joerglippold)
Vor 9 Monate

Ab morgen (Samstag) sind komplett neue Songs in der Playlist.

AltePizza
AltePizza (@guest_63229)
Vor 9 Monate

Ich hatte nie den Anspruch auf halbwegs gefüllte Tanzflächen.

Robert
Robert(@robert-forst)
Admin
Antwort an  AltePizza
Vor 9 Monate

Welchen Anspruch hattest du denn?

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