Interview: Mit Isla Ola in den Nebel der Emotionen eintauchen

Einer meiner schönsten musikalischen Entdeckungen dieses Jahr war die Band Isla Ola mit ihrem neuen Song „Wo bist Du hin?“. Auch auf ihrem Album „Nebelmond“ aus dem Jahr 2021 führt jeder Song mit dem verzerrten Gitarrensound und mit der tiefen Stimme der Sängerin in eine emotionale Tiefe der menschlichen Seele. Die Musik und die Texte lassen sich als kalt, melancholisch, düster und sehr emotional beschreiben.

Ich freue mich, dass ich das Elektro-Duo aus dem Ruhrpott für ein kleines Interview gewinnen konnte.

Für den Anfang stellt Euch beide doch bitte kurz vor. Wer seid ihr und wie lange macht ihr mit Isla Ola schon gemeinsam Musik?

Jesmari: Wir sind seit vielen Jahren befreundet und haben ungefähr vor 10 Jahren angefangen zusammen Musik zu machen. Damals haben wir noch sehr viel experimentiert, auch in Richtung Trip Hop. Seit ein paar Jahren haben wir uns dann in der Musik, die wir jetzt machen, gefunden.

Seid ihr mit Musik aufgewachsen und wenn ja, mit welchen Instrumenten?

Stefan: Ich habe als Kind mal Trompete gelernt. Später auch mal ein wenig Bass in einer Band gespielt, aber nie wirklich gelernt.
Jesmari: Ich habe über viele Jahre Klavierunterricht gehabt und im Jugendalter kam dann die Gitarre dazu.

Wenn man Euch auf diversen Kanälen verfolgt, wird man schnell feststellen, dass ihr fleißig auf Tour seid. Anfang Dezember seid ihr als Vorband von Pink Turns Blue in Bielefeld aufgetreten oder im November mit She Past Away in Dortmund. Gab es ein persönlich besonderes Highlight dieses Jahr in Sachen Konzerte?

Stefan: Definitiv in Köln, zusammen mit Incirrina. Aber auch die Shows in Dortmund im FZW und Junkyard waren Highlights. Das stand schon lange auf unserer Liste, mal „zu Hause“ zu spielen.

Jesmari: Das sehe ich auch so! Die Location in Köln war etwas ganz besonderes. Es war ein kleines Konzert in einer Halle mit sehr hohen Decken. Es war sehr intim und wir waren dem Publikum sehr nah, räumlich wie auch emotional. Das war ein total schönes Gefühl.

„Wo bist Du hin?“, ist derzeit Euer aktueller Song, der nicht nur tanzbar ist, sondern auch mit viel Gefühl über Sehnsucht und den Wunsch nach Nähe erzählt. Spiegelt der Song Eure eigenen Erfahrungen wider, die vielleicht jeder mal erlebt?

Jesmari: Die Texte schreibe ich alleine und somit weiß auch nur ich selbst, was sie bedeuten. Das ist das, was ich an der Konstellation von uns beiden so schätze. Stefan und ich sind mit den Jahren gute, stille Freunde geworden. Er hinterfragt die Texte nicht, die ich schreibe. Ich kann alles, was in meinem Kopf passiert, zu Wort bringen und muss mich dafür nicht erklären. Ich denke, dass sich jeder in den Texten verlieren und wiederfinden kann. Und was genau ich mit welcher Zeile meine, welche Geschichte ich erzähle, bleibt ganz bei mir.

In einem Bericht über Euer erstes Album „Nebelmond“, wurdet ihr mit der Band Lebanon Hanover aus früheren Tagen fast gleichgesetzt. Von der Band-Konstellation mag das vielleicht zutreffen, aber vom Sound gibt es definitiv viele Unterschiede. Hatte das Duo trotzdem einen gewissen Einfluss auf Eure Musik?

Stefan: Ich stimme Dir voll zu, dass es musikalisch große Unterschiede gibt. Den Vergleich kann ich immer nicht ganz nachvollziehen. Aber grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jede Musik, die man hört, in irgendeiner Weise Einfluss auf die eigene Musik hat.

Foto: Polar_Noire

Wie bringt ihr beide unterschiedliche Einflüsse und Eure unterschiedlichen Persönlichkeiten in Eure Musik mit ein?

Stefan: Das kann ich nicht genau beantworten – das passiert nicht gezielt.
Jesmari: Wir sind beide komplett unterschiedliche Menschen. Ich würde sagen, ich bringe das Gefühl in den Sound und Stefan das Konstrukt.

Die Konzerte von Isla Ola sind besonders durch den vielen Nebel im blauen Gegenlicht bekannt, was auch das Cover von Nebelmond widerspiegelt. Dadurch ist die Band für die Zuschauer oft weniger zu sehen, aber die Musik steht mehr im Vordergrund. Auch auf vielen Fotos sieht man oft wenig bis fast gar nichts von Euren Gesichtern, wodurch der Eindruck einer gewissen Anonymität entsteht. Wie wichtig ist das für Euch?

Stefan: Das ist super wichtig. Meiner Meinung nach geht es bei Konzerten um Emotionen und Atmosphäre.
Jesmari: Wir wollen, dass sich die Menschen besonders live ganz auf den Klang und die gesungenen Zeilen einlassen, vielleicht darüber nachdenken, sich identifizieren können und in der Menge ganz für sich sein können.

Das Jahr 2023 neigt sich langsam dem Ende entgegen. Wie sind Eure Pläne für 2024? Dürfen wir uns nächstes Jahr auf ein neues Album freuen?

Stefan: Wir freuen uns darauf, Konzerte zu spielen und an neuen Songs zu arbeiten. Wann ein zweites Album kommt, kann ich nicht sagen. Es kommt, wenn es fertig ist.
Jesmari: Wir haben schon viele neue Konzerttermine für das neue Jahr, die alle nach und nach bekannt gegeben werden. Wir hoffen, dass wir noch genug Zeit finden, um am neuen Album zu arbeiten. Das machen wir in jeder freien Minute, wollen es jedoch erst herausbringen, wenn wir komplett zufrieden damit sind. Nur das fühlt sich für uns auch wie der richtige Weg an.

Zum Schluss noch einer meiner Favoriten aus dem Album Nebelmond – lasst es auf Euch wirken.

(Titelbild: Frida_Nordlys)

Ähnliche Artikel

Kommentare

Kommentare abonnieren?
Benachrichtigung
guest
16 Kommentare
älteste
neuste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Durante
Durante(@durante)
Vor 5 Monate

Einer meiner schönsten musikalischen Entdeckungen dieses Jahr war die Band Isla Ola mit ihrem neuen Song „Wo bist Du hin?“

…das trifft exakt so auch auf mich zu. ;)

Tolles Interview mit einer klasse Band – Danke dafür!

Graphiel
Graphiel(@michael)
Vor 5 Monate

Isla Ola als meine „schönste musikalische Neuentdeckung“ des Jahres 2023 zu bezeichnen wäre jetzt etwas übertrieben. Dennoch kann ich bestätigen, dass es sich bei ihnen um eine wirklich großartige Band handelt. Ich habe sie ja nun live in Bielefeld erleben dürfen und mir haben sie dort tatsächlich sehr gut gefallen. Allerdings habe ich ihre Nebelshow als gar nicht so extrem empfunden. Vielleicht lag dies an den Gerätschaften im Movie, vielleicht aber auch einfach daran dass ich inzwischen so einige Bands gesehen habe, die sich in Nebel hüllen und das nicht um sich darin scheinbar zu verstecken, damit man nicht sieht dass der Künstler eigentlich gar keinen Bock auf seinen Auftritt hat. Grüße gehen raus an Herrn Eldritch.^^

Nunja.. jedenfalls ein schönes Interview. Wer die Band noch nicht kennt, dem würde auch ich empfehlen in den ein oder anderen Song reinzuhören. Vielleicht nebst dem bereits erwähnten „Wo bist du hin?“ in den gleichnamigen Song des Albums Nebelmond? Der wäre zumindest mein persönlicher Favorit. ;-)

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Graphiel
Vor 5 Monate

„Eine meiner schönsten“ und „meine schönste“ ist aber wohlgemerkt auch nicht exakt dasselbe… ;-)
(Um das Konzert beneide ich dich allerdings nach wie vor… ;-( *schnief* )

Letzte Bearbeitung Vor 5 Monate von Durante
Graphiel
Graphiel(@michael)
Antwort an  Durante
Vor 5 Monate

Touché. Doch selbst unter dieser Berücksichtigung könnte ich Isla Ola nicht als eine meiner schönsten Neuentdeckungen 2023 nennen, da ihr Song „Auge, Körper, Herz“ auf lokalen Tanzveranstaltungen schon vor wenigen Jahren meine Aufmerksamkeit auf die Band gelenkt hat. ;-)

Mondlichtkobold
Mondlichtkobold(@mondlichtkobold)
Vor 5 Monate

Nach dem Lesen dieses Beitrags habe ich direkt in die Songs von Isla Ola reingehört. Seitdem laufen sie bei mir durchgehend, vor allem das Album Nebelmond. Ich tue mich immer ein Bisschen schwer damit, mich auf neue Musik einzulassen, aber in dem Fall ist es mir extrem leicht gefallen. Vielen Dank also für diese großartige Empfehlung!

Norma Normal
Norma Normal(@normanormal)
Vor 5 Monate

Danke für das schöne Interview.
Ich bin sehr verzückt von Isla Ola. Habe sie im August in Dortmund und im Dezember in Bielefeld gesehen. 
Ich finde das „introvertierte“, nebelverhangene Bühenenkonzept ergänzt ziemlich gut Musik und Texte. Es wirkt sehr stimmig und authentisch und erleichtert, sich von der Musik im Inneren treiben zu lassen, auch wenn man im Außen, wie auf einem Konzert so üblich, umgeben von Menschen ist!

Letzte Bearbeitung Vor 5 Monate von Norma Normal
Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Vor 5 Monate

Durch einen älteren Spontis-Artikel bin ich damals auch auf Isla Ola gestoßen und hatte mir gleich deren Album gekauft:

https://www.spontis.de/musik/frisch-schwarz/musikalischer-briefkasten-14/

Letzte Bearbeitung Vor 5 Monate von Tanzfledermaus
Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Antwort an  Gruftwurm
Vor 5 Monate

Gerne! Der Song gefällt mir gut – weckt bei mir auch ne alte Erinnerung.

Maren
Maren(@maren)
Vor 5 Monate

Vielen Dank für das feinfühlige Interview mit dieser wundervoll melancholischen Band. Beim Reinhören übten sie sofort eine Anziehungskraft auf mich aus: Ich will zu ihnen hin, sie live erleben und ebenfalls in diesen emotionalen Nebel eintauchen! (Zumal mir der vergangene November nicht neblig genug war). Jetzt bin ich gespannt auf ihren Auftritt in Essen und hoffe, dass mir nicht die Bahn oder andere Widrigkeiten einen Strich durch die Rechnung machen.

Robert
Robert(@robert-forst)
Admin
Antwort an  Maren
Vor 5 Monate

Da solltest Du dir aber auf jeden Fall einen Plan B bereithalten, die Bahn im Ruhrgebiet – vor allem rund um Essen – steckt jetzt fest in ein Baustellendilemma. ->>> Sieben Wochen Bahnstreckensperrung zwischen Essen und Dortmund (rp-online.de)

Maren
Maren(@maren)
Antwort an  Robert
Vor 5 Monate

Danke dir! Ich werde das soweit im Vorfeld möglich berücksichtigen.

Diskussion

Eulenforst

Entdecken

Friedhöfe

Umfangreiche Galerien historischer Ruhestätten aus aller Welt

Dunkeltanz

Schwarze Clubs und Gothic-Partys nach Postleitzahlen sortiert

Gothic Friday

Leser schrieben 2011 und 2016 in jedem Monat zu einem anderen Thema