Pfingsten: DarkStream Festival, Gothic Pogo Festival und Online Musik Festival (Programmupdate!)

Die Gothic-Welt hängt in den Seilen. Niedergeschlagen durch die Tatsache, dass nahezu alle Festivals, die einen wichtigen Bestandteil des Szenelebens ausmachen, abgesagt wurden oder nicht stattfinden können. Mit dem Wave-Gotik-Treffen musste sich jüngst auch der letzte rebellische Gigant und Jahresmittelpunkt vieler Gruftis, dem Einfluss dieses fiesen kleinen Virus geschlagen geben. So wie sich das WGT aufbäumte und verhielt, musste ich unweigerlich an die Szenen denken, in denen GoTHzilla in schlecht animierten japanischen Filmen zur Strecke gebracht wurde.

Bereits seit den ersten Tagen der Ausgangssperren, Kontaktbeschränkungen, Reisewarnungen und Grenzschließungen gibt es das Bestreben, die Szene über Live-Streams zu verbinden und Künstlern eine Möglichkeit zu geben, ihr Publikum zu erreichen. Jetzt, wo GoTHzilla, also das Wave-Gotik-Treffen, nicht stattfinden kann, gibt es eine große Leere, die viele engagierte Menschen aus der Szene füllen möchten. Zu Pfingsten sind bisher zwei recht groß angelegte Events geplant, mit denen sich sehnsüchtige Fans virtuelle Nikotin-Pflaster auf die Haut kleben können. Wir haben versucht, möglichst viele Informationen zum DarkStream-Festival und zum Gothic Pogo Livestream zusammenzutragen.

Dark Stream Festival 2020

DarkStream Festival LineUp

Bereits Mitte April schloss sich eine Gruppe von Künstlern zusammen, um trotz des Ausfalls wichtiger Festivals eine eigene Bühne zu betreten. “Dieses Online-Event war von Beginn an so konzipiert, dass es sowohl Musik der Gothic/ EBM und Metal-Szene umfassen sollte, wie Literatur und Kunstacts. Schnell war ein passender Name gefunden: DarkStream-Festival.

Rund 60 Bands, Autoren und Künstler sollen das DarkStream Festival zu einem besonderen Event machen. Die Moritzbastei in Leipzig wird Zentrum der Live-Übertragungen werden, aus der 4 Moderatoren im Wechsel versuchen, die Zuschauer durch die vielfältigen Programmpunkte zu führen. Gestreamt werden soll über YouTube, aber auch innerhalb Facebook soll eine Übertragung ermöglicht werden.

Szenegrößen wie Letzte Instanz, Clan of Xymox, Illuminate, Dorsetshire, nTTx und Oberer Totpunkt stellen dem DarkStream-Festival exklusives Videomaterial zur Verfügung. Daneben gibt es, ähnlich wie auf dem Wave-Gotik-Treffen, auch zahlreiche Lesungen und Vorträge, für die man Lydia Benecke, Kai Meyer, Bernhard Hennen oder Luci van Org gewinnen konnte, werden Teil dieses Festivals sein. Wie ich von Klaus Märkert erfahren habe habe, wird auch eine Video der Reihe “Schementhemen” zu sehen sein, die er gemeinsam mit Myk Jung vor einiger Zeit aufgenommen hatte.

Weitere Acts nach heutigem Stand: Sandow, Herbst in Peking, Bird eats Baby, Beyond Obsession, Kelpy, Tommy Krappweis und Christian von Aster. Das Organisationsteam des DarkStream-Festivals wird Euch auf dem Laufenden halten.

Das Organisationsteam, bestehend aus M. Kruppe, Christian Schäfer und David Gray hat im Vorfeld bereits ein Interview zu Verfügung gestellt, in dem man auf die wichtigsten Fragen eingeht.

Interview mit den Machern des DarkStream Festivals

Wie kam es zum DarkStream-Festival?

Bereits Ende März war ja abzusehen, dass in diesem Jahr wegen des Corona-Virus die großen und kleineren Sommerfestivals abgesagt würden. Natürlich waren nicht nur Fans auf der ganzen Welt enttäuscht. Sondern auch all die Bands und Künstler, die ihre Auftritte bei diesen Festivals teilweise seit Wochen und Monaten vorbereitet hatten.

Etwa zwanzig Künstler fanden sich spontan zusammen, um irgendwie im Netz Ersatz für die abgesagten Festivals zu schaffen. All diese Leute verband ihre Nähe zur Gothic, Metal oder Punk und Postpunkszene. Aus diesem Keim entwickelte sich das Konzept des DarkStream-Festival. Das übrigens beinah Cosa-Nostra-Festival gehießen hätte. Aber Dave konnte sich damit nicht durchsetzen. (Christian Schäfer und M.Kruppe gleichzeitig: Zum Glück! )

Was unterscheidet das DarkStream-Festival von anderen Streaming-Events im Netz?

Zunächst einmal ist das DarkStream von Anfang an als Event von Künstlern für Künstler und vor allem deren Fans konzipiert worden. Wobei sich wieder einmal eindrucksvoll die Solidarität der Szene bewies. Denn keiner im Orga-Team oder von den beteiligten Künstlern bekommt Honorar. Unsere einzige Einnahmequelle werden einige Merchandise-Artikel zum DarkStream-Festival sein und Spenden, die die Fans ihren Bands und Lieblingsautoren zukommen lassen können.

Ihr kanntet euch also alle schon?

Nein, während Kruppe und David von Anfang an in die Planung involviert waren, stieß Christian mit seinem “Wir Kellerkinder”-Projekt erst etwas später dazu, weil er witzigerweise eine ähnliche Sache plante und wir gleichzeitig einige Bands anfragten, die dann meinten, da gibt’s doch noch ein Projekt. So nahmen wir untereinander Kontakt auf und beschlossen ziemlich schnell, dass wir “fusionieren” sollten. Christian brachte so einige Größen ins Lineup, die Kruppe und David noch gar nicht angefragt hatten.

Wie soll man sich den Ablauf des DarkStream-Festivals vorstellen?

Inzwischen streamt ja gefühlt absolut jeder Club am Wochenende mindestens eine DJ-Setlist in die Welt hinaus. Das ist auch völlig in Ordnung und cool so. Doch nur von den Künstlern und Bands Videclips einzusammeln, die zusammen zu schneiden und dann kommentarlos zu versenden war uns zu wenig. Unser Vorbild waren schließlich die Offline-Festivals, wie wir sie alle lieben und vermissen.

Deswegen wollten wir ganz klar von einer Bühne aus eine Livemoderation bieten, die die einzelnen Clips ankündigt, die Zuschauer unterhält und halt soweit es möglich ist für das Feeling eines Offline-Festivals sorgen soll. Dass wir dazu die Moritzbastei als Partner gewinnen konnten hat uns ganz besonders gefreut. Die ist für Pfingsten in Leipzig eine absolute Größe und spielt auch international als Club weit vorn mit.

Aber wir haben auch den Fokus von Anfang an weit gehalten. Daher wird es auch Lesungen von in der Schwarzen Szene bekannten Autor*innen, wie Kai Meyer, Bernhard Hennen und Luci van Org geben. Isa Theobald beschwört in ihrer Lesung Satan persönlich und Raquel Erdtmann, die charmante Gerichtsreporterin der FAZ, hat für uns skurrile Fälle aus dem Gerichtsalltag eingelesen.

Und nach ein Uhr nachts gibt’s dann in jeder Festivalnacht Sets von international bekannten DJ. Auch das ist ja bewährte Leipziger Pfingsttradition.

So eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen geht ja nicht über Nacht und das kostet auch Geld. Wie finanziert ihr euch und eure Arbeit fürs DarkStream-Festival?

Gute Frage. Die teilnehmenden Künstler werden unter ihrem Stream einen Spendenbutton haben, über den die Fans ihren Lieblingsacts einen kleinen Obulus zukommen lassen oder Merchandise kaufen können. Man darf nicht unterschätzen, dass es echt Arbeit macht Videomaterial zu rendern, zu schneiden, einzuspielen, das ist teilweise deutlich höherer Aufwand als für ein Livekonzert. Obwohl wir überall große Solidarität erlebt haben, die von der Moritzbastei und deren Technikhelden bis zur Tankcompany reicht, die den Moderatoren die etwas stärkeren Getränke für den fortgeschrittenen Abend zur Verfügung stellt oder dem Flowerpower Club in Leipzig, der uns seine Bandunterkünfte für einen ganz kleinen Taler öffnet, fallen ja trotzdem Kosten an. Die wir mithilfe des Verkaufs von Merchandise zu deckeln versuchen. Es wird also Festival-T-Shirts geben, mit Lineups und dem DarkStream- Logo wie in Wacken oder bei Rock am Ring.

Programmablauf:

Hier geht es zum Facebook-Event des Streams

Gothic Pogo Festival Livestream

Auch das Organisationsteam der Gothic-Pogo Party, das bereits vor einer Weile ein Festival in Leipzig ausgeschlossen haben, möchten zu Pfingsten im Internet präsent sein und vielleicht ein Stückchen des Festival-Gefühls auf die heimischen Bildschirme bringen.

Unterstützt werden sie dabei vom Neon Transmission Kollektiv und den Leuten von Unter Null und Mutant Transmissions, die nicht nur in der Corona-Krise viele Erfahrungen im Live-Streaming sammeln konnten. Bereits vor einigen Tagen haben wir Euch einige Macher des Kollektivs in einem Artikel bei Spontis vorgestellt. Über Facebook konnte ich erfahren:

Wir als Gothic Pogo Crew machen 3 Tage Stream, Freitag bis Sonntag. Beginn ist um 20 Uhr und geplantes Ende um 1 Uhr, vielleicht aber auch noch die ganze Nacht. Wir profitieren da natürlich von der ganzen Zeit, die Polina und die Unter Null Crew bereits Erfahrung sammeln können und sind sehr happy, dass sie uns unter die virtuellen Arme greifen.”

Man ist im Augenblick noch intensiv dabei, ein veritables Programm auf die Beine zu stellen, das neben vielen bekannten DJ*s und Crews auch vorproduzierte Konzertanteile mitbringen soll. “Viele DJ*s und Crews sind aus unserem Netzwerk, es wird vom Festival “altbekannte” und neue Gesichter geben, wir versuchen so viele wie Möglich Beiträge aus der ganzen Welt in die Wohnzimmer bringen.

Streamen möchte man auf möglichst vielen Plattformen, um so auch eine gewissen Interaktivität zu ermöglichen. So soll der Stream nicht nur auf YouTube, Facebook und Twitch zu sehen sein, sondern auch über die Webseiten der beteiligten Crews. Die Gothic Pogo Crew möchte nicht nur Musik durch den Äther schicken , sondern auch versuchen eine Art Treffpunkt zu sein, in dem sich die Leute austauschen können und Teil von etwas werden, was sie alle verbindet. Wir sind gespannt.

Doch der Stream soll nicht nur den Fans ein wenig Unterhaltung bringen, sondern dient auch einem guten Zweck: “Wir werden beim Stream Spenden für Mission Lifline sammeln. Dadurch dass es derzeit so wenig Solikonzerte in alternativen Zentren gibt, bricht eine ganz wichtige Quelle für Spenden weg und wir versuchen, dort vielleicht eine kleine Lücke füllen zu können.

Aktuelles Programm:

Hier geht es zum Facebook-Event des Streams

Online Musik Festival

Etwas andere und alternativere Musik gibt es beim Online Musik Festival, das vom 29. Mai bis zum 01. Juni stattfindet. Delva, Eisfabrik, Eklipse, Fiddler’s Green, Letzte Instanz, Lord of the Lost, Subway to Sally oder auch Versengold versammeln sich für Euch online. Anders als bei den bereits vorgestellten Festival, muss man sich hier ein Ticket besorgen, um in den Genuss des Livestreams zu kommen. Allerdings ist die Höhe des “Eintritts” freiwillig und kommt laut den Veranstaltern, zu 100% den Bands zu Gute.

Roberthttps://www.spontis.de/author/robert-forst/
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Tanzfledermaus
Gast
Tanzfledermaus

Auch wenn ich die Idee, Konzerte und Clips zu streamen, grundsätzlich gut und “löblich” (ein blödes Wort, aber mir fällt nichts besseres ein) finde, so ist es für mich überhaupt kein auch nur halbwegs passabler Ersatz für eine reale Veranstaltung. Die Stimmung vor Ort bei einem Konzert oder ähnlichem lässt sich leider nicht wirklich übermitteln oder ersetzen. Und gerade das WGT lebt für mich nicht nur von den Konzerten, sondern von der Atmosphäre und den anderen Besuchern.
Ich empfinde beim Starren auf den Bildschirm, wo Musik gespielt wird, eher Wehmut, auf das Live-Erlebnis längerfristig verzichten zu müssen. Daher denke ich eher nicht, dass ich mir die Pfingst-Streaming-Angebote anschauen werde. Dann werde ich mir lieber für diese Tage andere Aktivitäten suchen, die reale Unterhaltung oder Begegnung bieten. Ich will die streaming-Alternative niemandem madig machen (es ist ja toll, wenn jemand sich auch daran erfreuen kann), aber nach meinem persönlichen Geschmack springt da bei mir kein echter Funke über…

Graphiel
Gast
Graphiel

Ich bin bei den Streams auch immer etwas hin und hergerissen. Auf der einen Seite bewundere ich die Kreativität der Künstler und Veranstalter, die damit eine “Notlösung” bieten. Auf der anderen Seite erfüllen mich diese Streams auch immer ein wenig mit Wehmut, so wie auch Tanzfledermaus das schon sehr schön beschrieben hat. Ich werde aber wohl trotzdem dabei sein und die Veranstalter mit meiner leider nur virtuellen Anwesenheit unterstützen. Irgendwie fände ich es nämlich auch schade, wenn diese sich so viel Mühe machen uns etwas Trost für die konzert-/festivalfreie Zeit zu spenden und dafür nicht einmal Anerkennung in Form von virtuellem dabei sein erhalten. ;)

Nossi
Gast
Nossi

Diese Idee finde ich im Prinzip wundervoll und diese Idee, hätte man gerne schon vor diesem “Lockdown” haben können. Ich finde es ehrlich gesagt wundervoll, Musiker übertragen aus ihrem Wohnzimmer, Arbeitszimmer, Schlafzimmer, man sieht sie als Person, in ihrer gewohnten Umgebung und manchmal, bin ich richtig gerührt. Dann klinkt sich auf einmal ein gewisser Tony W. ein, schreibt irgendwas freches und du denkst, hmmm wieso sagt mir der Name etwas^^

Ich wünschte manchmal, mehr Künstler und Bands würde sich wagen, es ist sehr schön so etwas miterleben zu können. Wenn man man so ein Livestream Konzert verpasst hat, kann man es sich später ansehen, wenn man es schööööön fand, kann man es nochmal sehen. Eine tolle Idee. Ein Ersatz ist es natürlich nicht. aber es ist eine schöne Erfahrung und tausendmal besser als Abends vor dem TV zu grübeln, wo dies alles noch enden soll

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