21 Juli

Musikperlen – Im rosa Schlafanzug vor’m Videogerät (Tauchgang #36)

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MusikperlentaucherNeulich in einer schummrigen, durch Nebelschwaden erblindeten, feucht-gruftigen Discothek in Leipzig: „Ich bin nicht nur erschrocken, dass es so eine Version dieses Liedes gibt, sondern auch weil Du den Text mitsingen kannst!“ Was mir mein schwarz gekleidetes, im besten Alter des Lebens verweilendes und kurzhaarig-blondes Gegenüber an den Kopf schmeißt, zaubert mir ein Schmunzeln auf die Lippen. Nicht etwa, weil ich ihn für seine Unwissenheit oder Ignoranz belächelnd Abstrafen will, sondern weil er auf sonderbare Weise Recht hat. Woher kenne ich solche Lieder eigentlich? Und was hat diese Form der Musik überhaupt in einer vermeintlich gruftigen Discothek zu suchen?

Musikalisch ganz klar in den 80er Jahren angesiedelt, genießt das Stück schon mal pauschal einen Bonus. Die neue deutsche Welle der unbekannteren Sorte reizt mich darüber hinaus sowieso und die minimalen und wavigen Klänge passen perfekt in mein Lebensgefühl, das zugegebener Maßen etwas nostalgisch anmutet. Klar ist aber auch, dass nicht alles Gold (oder silber bis neon-bunt) ist, was aus dieser Zeit glänzt, denn aufgrund einer idealistischen Ablehnung von übertriebenem Kommerz lehne ich natürlich die totgedudelten Klassiker der NDW, mit denen sich die Musikproduzenten großer Labels eine goldene Nase verdient haben, kategorisch ab. Obwohl. So ganz stimmt das natürlich auch nicht. Das merke ich immer dann, wenn ich mal wieder einen Klassiker auf der Autobahn mitjaule, dabei gefilmt werde und dieses Video dann instant und vollautomatisch bei Facebook gesperrt wird, weil es die Urheberrechte von WEA, Ariola oder Universal angeblich in Gefahr sind.  Verrückte Welt. Den ganzen Artikel lesen… »


23 März

Musikperlen – Masken tanzen Einsamkeit (Tauchgang #35)

von Kategorie: Back to the RootsDiskussion: 4 Kommentare

MusikperlentaucherLicht tanzt auf meinem Gesicht, Schatten an der Wand, mein Stammplatz ist der Notausgang, halt mich fest, ich bin allein. Zukunft gibt’s keine hier, keine Liebe, kein versteh’n. Worte, wo ist der Sinn? Total anonym, total allein.“ Ich habe keine Ahnung wer die Band Tabu ist, von der dieses Liedzeile stammt und doch ist sie der Beweis, dass noch Dinge zwischen Musik, Text, Subjektivität und Objektivität existieren, die einen Song zu dem machen können, was er für einen geworden ist. Tief aus dem Keller der Neuen Deutschen Welle scheint dieses Werk zu stammen, es riecht ein wenig modrig, ist staubig und wirkt in gewisser Weise antik. Es hatte nie einen besonderen Glanz und vermochte nicht, mit dem Funkeln der NDW-Sterne aus jener Zeit mitzuhalten. „Sternenhimmel“, „Fred vom Jupiter“, „Hurra, hurra die Schule brennt“ prägen das Jahr 1982, bestimmen die Ohrwürmer auf den Schulhöfen, sind die Lieblingsplatten der Tanzpaläste und irgendwie auch ständig im Radio oder im Fernsehen seiner Zeit.  Der Song „Allein“ von der Band Tabu verhallt offenbar ungehört im Nirwana der Belanglosigkeit. Möglicherweise lag es daran, dass er melancholisch klingt. Wütend schreit der Sänger seine Einsamkeit ins Mikrofon, während er fast zärtlich von der Zukunftslosigkeit erzählt.

Das Stück polarisiert. Entweder man findet es schlecht oder man liebt es. So kommt es mir vor, als einige der Hörer auf einem Tanzflächenabend in Werk II in Leipzig beim jaulen der letzten Strophen das Gesicht schmerzverzerrt verziehen und fluchtartig den Raum verlassen. Die anderen stehen hingebungsvoll da, bewegen Türme, Iros und Teller wiegend zum Takt der Musik, haben meist die Augen geschlossen und scheinen mit sich selbst und ihrer Welt beschäftigt zu sein. Hätte ich auch so gemacht, doch ein innerer Drang zwang mich dazu, durch die leicht geöffneten Augenschlitze zu spähen. Ich liebe diesen Song. Er bringt alles das in ein 4 Minuten langes Requiem, was die 80er in meiner schöngefärbten Erinnerung gewesen sind. „Alleine“ ist der damit freilich nicht, wie dieser Tauchgang des Musikperlentauchers zu zeigen versucht: Den ganzen Artikel lesen… »


17 September

Musikperlen – Allein im tiefsten Nebelmeer (Tauchgang #34)

von Kategorie: Back to the RootsDiskussion: 2 Kommentare

Musikperlentaucher…den Blick zum Discjockey, so stehst du an dem Tresen, wieder nicht einmal getanzt, so ist’s immer schon gewesen, doch plötzlich hörst du deinen Sound, die Tanzfläche ist leer du gehst bis ganz nach vorn, versinkst im Nebelmeer“ so, wie Ben Bloodygrave in seinem Song „Minimal“ die Situation beschreibt, ging es mir neulich auch. 80er, Wave, Synthie und Minimal stand auf dem Flyer, eine Mischung, die mich rund 100km ins Ruhrgebiet lockte. Gut, ich wurde gewarnt, der Discjockes, der dort auflegte, zweifelte, ob die Musik, die an einem solchen Abend dort gespielt werden würde, nach meinem Geschmack wäre. Ich schlug seine Zweifel in den Wind und fand mich, zwar nicht am Thresen, sondern am Rand der Tanzfläche wieder und beobachtete die Leute, die sich zur Musik bewegten. Schlecht war die Musik jetzt nicht, aber auch nicht wirklich gut – jedenfalls war nichts dabei, was mich aus der Reserve lockte und die Pikes auf Betriebstemperatur brachte.

Es ist dem Schicksal geschuldet, dass ich 3 Stunden vorher auf der Facebook-Seite der Veranstaltungen einen Musik-Wunsch aussprach, der Discojockey hinter dem Plattenteller mich wohl am Rand der Tanzfläche entdeckte und das gewünschte Stück auch noch dabei hatte. Es dauerte keine 2 Worte, bis ich das Stück erkannte und mich auf der Tanzfläche, die sich kurioserweise wie auf Befehl leerte, wiederfand. Okay, Nebelmeer war da nicht, hab ich hald die Brille ausgezogen und die Augen fast geschlossen, ist dann so ähnlich. Den ganzen Artikel lesen… »


19 September

Musikperlentaucher – Tauchgang #33

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Black Spider Clan – Keiner Kommt Hier Lebend Raus

Die schwarze Witwe hat viele Namen: Flying Bodies, Radikale Analog Fraktion, Black Spider Clan, Beta Evers oder einfach Brigitte Enzler. Seit den späten 80ern ist sie in der musikalischen Underground-Szene aktiv, begann mit einer Mädchen-Combo und gründete nahezu im selbem Atemzug ihr erstes Platten-Label. Nach dem auflösen ihrer Projekte und einer kurzen Pause zu Beginn der 90er begann sie wieder damit Parties in Augsburg und Umgebung zu organisieren. 2000 gründet sich das Kollektiv Kommando 6, das ein Jahr später auch zu einem Platten-Label mutiert. Als Beta Evers bringt sie noch im selben Jahr einige Stücke heraus, ohne die Hilfe irgendwelcher Produzenten. In der Folge ist sie auch in unzähligen Nebenprojekten aktiv, unter anderem im Black Spider Clan, der mir mit seinem Stück „Keiner kommt hier lebend raus“ (2005) in Erinnerung geblieben ist.  Den ganzen Artikel lesen… »


7 August

Musikperlentaucher – Tauchgang #32

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Hard Corps – Je suis Passee (Video)

Im Londoner Stadteil Brixton gegründet, formten Hugh Ashton, Robert Doran und Clive Pierce die Band „Hard Corps“. Die drei Synthesizer-Freaks waren talentiert, geschickt und kreativ und hatte lediglich ein Problem. Niemand konnte singen. Auf einer Party trafen sie Regine Fetet, die, so berichtet Robert Doran:die so weit entfernt von dem war, was wir uns unter einer Sängerin vorstellten, dass wir ihr eine Chance gaben„. Sie war das kühle und provokante Aushängeschild das die Band brauchte. Bei Daniel Miller unter Vertrag und als Vorband von The Cure und Depeche Mode kamen sie schnell zu kleinen Erfolgen. Möglicherweise hätten sie auch in den USA einen Fuß fassen können, doch wegen Regines Angewohnheit, sie auf der Bühne zu entblößen, hat Depeche Mode sich dann doch für einen anderen Support entschieden. Spießer!  Ihrem größten Erfolg „Je suis Passee“ tat das keinen Abbruch. Immer noch ein Klassiker. Den ganzen Artikel lesen… »


3 August

1981: Deutsche Welle – Ein Film über verschmähte Perlen der 80ern

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Deutsche WelleWährend man die Wortschöpfung „New Wave“ gemeinhin als Synonym für coole englisch-sprachige Musik aus den späten 70ern und frühen 80ern empfindet, so steht der deutsche Ableger, die „Neue Deutsche Welle (NDW)“ doch eher unter dem Stern der Lächerlichkeit. Auf Bierzelt-Party-Sampler gebrannt, in deutschen Hitlisten zu Tode gedudelt und auf immer die gleichen 50 Stücke reduziert, fristet das Genre seit seinem Höhenpunkt in den frühen 80ern ein Schattendasein und ist allenfalls Grund, so manch abgehalftertem Musiker zu einem fragwürdige Comeback zu verhelfen. Zu Unrecht.

Die Deutsche Welle war ein äußerst ergiebige Zeit musikalische Kreativität. Der Geist des Punk, selber machen um jeden Preis, machte aus den zurückgezogen Nerds mit Synthesizern und zusammengewürfelten Schulbands mit Gitarre, Bass und Schlagzeug in atemberaubender Geschwindigkeit Bands. Einige davon mit beachtlichem Erfolg, denn zu Beginn der 80er lechzte die gebeutelte Musikindustrie nach frischem und leicht verdaulichen Sound. Sie fanden ihm im Überfluss: Wer kennt nicht Nena, Trio, Peter Schilling und Hubert Kah? Verkauft auf Teufel komm raus. Doch unter der Oberfläche der Hitparaden und unter dem Karnevalskostüm des Mainstream tummelten sich unzählige Perlen dieser Zeit. Wer kennt schon Bands wie Palais Schaumburg, Östro 430, Bärchen und die Milchbubies oder Brausepöter? Den ganzen Artikel lesen… »


11 April

Musikperlentaucher – Tauchgang #31

von Kategorie: Back to the RootsDiskussion: 4 Kommentare

Solitairen Effekten – Kleines Astronautenmädchen

Die Band „Solitairen Effekten“, manchen besser bekannt unter ihrem alter Ego „Solitude FX„, ist das Gemeinschaftsprojekt von Marc Schaffer und Orpheo Weidelz-Baur, die sich in ihrer Musik einer Neuinterpretation der „Neuen Deutschen Welle“ verschrieben haben könnten. Sie selbst nennen ihre Musikrichtung „Melancholic minimal analogue electronic pop“ und erschlagen damit so ziemlich jeden Stil, unter den man die Band einordnen könnte. Bei mir löst die Musik eine Form von wohlig warmen Erinnerungsschauern aus, die ich immer dann erlebe, wenn ich Klassiker der NDW Revue passieren lasse und mich dabei an Kinderzimmertage vor Lego-Bergen und C64 erinnere. Der Song ist simpel, eingängig, tanzbar und herzerweichend schön, fehlt nur noch der Tag, an dem ich dazu die Tanzfläche eines Dunkelschuppens rocken kann. Zuhause ist mir das immer ein bisschen unangenehm. Wer möchte, kann sich beim Label Enfant Terrible die Stücke der LP „unsere Liebe ist für andere gänzlich unbekannt“ herunterladen und in seine nächste Playlist einbauen. Den ganzen Artikel lesen… »


13 August

Musikperlentaucher – Tauchgang #30

von Kategorie: Back to the RootsDiskussion: 14 Kommentare

Shock Therapy – Hate is a 4-letter Word

What has changed me into something i dont know?“ 1984 gründete der aus Detroit stammende Gregory John McCormick (Itchy) eine Band, die er nicht umsonst „Shock Therapy“ nannte. Der Sänger, Gitarist und Pianist verbrachte viele Jahre in diversen Psychiatrien, seine dort gesammelten Erfahrung beeinflussten nicht nur den Bandnamen, sondern auch viele seiner depressiven Texte.  Mit der Band fand er die Möglichkeit, seiner Aggressivität ein kreatives Ventil zu verschaffen und so wundert es auch nicht weiter, dass der ein Jahr später geschriebene Song „Hate is a 4-letter-Word“ zu den erfolgreichsten der Band zählt. In den USA fanden seine tiefgründigen Texte jedoch keine Beachtung, das erwünschte Feedback blieb aus, er beschließt, nach Europa zu gehen. Dem INTRO-Magazin verriet 1993: „Das amerikanische Publikum ist völlig leer. Sie stehen da und glotzen dich an. Niemand gibt sich die Mühe, in die Musik einzutauchen. Die Europäer, vornehmlich die Deutschen, sind da ganz anders. Sie konzentrieren sich auf das, was abgeht; sie wollen die Musik nicht nur hören, sondern auch verstehen.“ Doch die Schatten des eigenen Selbst sind stärker. Nach einem 7-jährigen Gefängnisaufenthalt zeigt sich Itchy geläutert und kündigt sogar ein neues Album an. Von der Realität eingeholt stirbt er 2008 im Alter von 44 Jahren vermutlich an einer Alkoholvergiftung. „A classic Film of Yesterday ist just Today; once tomorrow, maybe never, i hate me. Den ganzen Artikel lesen… »


11 Juli

Undead, undead, undead – Glückwunsch, Godfather of Goth!

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Peter MurphyDer war schon so was wie der gruftige Bowie, damals in den späten 70ern.“ denke ich mir, als ich mir seine Videos anschaue. Peter Murphy, Sänger und Frontmann der legendären Band Bauhaus wird heute 57 Jahre alt.  Zwischen 1978 und 1983 prägte er zusammen mit der Band das Genre Gothic, was ihm den Spitznamen „Godfather of Goth“ einbrachte. Das populärste Stück „Bela Lugosi’s Dead“ ist seit nunmehr 35 Jahren einer der musikalischen Inbegriffe einer ganzen Musikrichtung und gilt als erstes Lied des Gothic-Rock. Doch nicht nur die Musik beeinflusste die Jugendkultur, sondern auch das Auftreten der Band.

Murphys markante Gesichtszüge – man achte auf die ausgeprägten Wangenknochen – der Stil sich zu schminken sind nicht nur Vorlage für das Idealbild des Goth sondern inspirierten James O’Barr auch zur Comicfigur Eric Draven in „The Crow“ die wiederrum ein paar Jahre später erneut den Stereotyp des „Gothic“ beeinflusste.

In den letzten 30 Jahren nach der Auflösung von Bauhaus versuchte sich Murphy in einer Band namens „Dali’s Car“, veröffentlichte einige Soloalben und erforschte fernöstliche Mythologie. Er konvertierte in den 80ern zum Islam, heiratete und lebt heute mit seiner Familie in Ankara. 2011 veröffentlichte er das hochgelobte Album „Ninth“, dass eine Brücke zwischen damals und heute bilden soll, bevor er 2013 in Californien unter Drogeneinfluss Fahrerflucht begang und zu 3 Jahren auf Bewährung verurteilt wurde. Zur Zeit befindet er sich auf einer ausgedehnten Tour. Den ganzen Artikel lesen… »


6 Februar

No More – Als der Punk nach Kiel kam

von Kategorie: Back to the RootsDiskussion: 6 Kommentare

nomore1981Als 1978 der Punk nach Kiel kam, ahnte niemand, dass daraus eine der einflussreichsten musikalischen Strömungen werden sollte. Auch Tina Sanudakura und Andy Schwarz wissen noch nicht wo ihre Reise hingeht, als sie sich zu dieser Zeit im einem Proberaum treffen um gemeinsam Musik zu machen. Sie spielten einfach, von „Gothic“ oder „Wave“ redete sowieso noch niemand. Punk war laut, Punk war neu, Punk war unprofessionell. Und genau das machte ihn so attraktiv für die Beiden. Das Schleswig-Holstein Magazin würzt ein kurzes Porträt über den Kieler Punk mit einigen historischen Aufnahmen die eine kleine Zeitreise erlauben.

Im Sommer 1979 gründen Tina und Andy zusammen mit Christian Darc und Thomas Welz die Band „No More„, ihre ersten Aufnahmen entstehen in einer Waschküche mit angrenzendem Proberaum. 1981 wird der Song „Suicide Commando“ veröffentlicht. Es ist der bisher erfolgreichste Song der Band der nach über 30 Jahren immer noch in den Clubs gespielt wird. Der New Musical Express beschreibt den Stil des Stückes damals als „passende deutsche Electro-Mode“ vielleicht in Anspielung auf die gleichzeitig aufstrebenden Jungs aus Basildon mit ihrer Band „Depeche Mode“. Die Band geht auf Tour, veröffentlicht einige Alben und spielt sich vor allem in die schwarzen Herzen der mittlerweile aufstrebenden Gothic-Szene. 1986 wurde „No More“ aufgelöst, Tina und Andy beschritten mit ihrem Projekt „Nijinsky Style“ musikalisch völlig neue Wege. Den ganzen Artikel lesen… »