4 Oktober

Feuchtgebiete im neuen Theater Halle

Kategorie: Stuhlgang — Jahrgang 2008

Nicht genug damit, dass Char­lotte Roche mit ihrem Buch Feucht­ge­biete so viel Erfolg gehabt hat, jetzt gibt es das ganze auch noch als Thea­ter­stück. Auf der Bühne des neuen Thea­ters in Halle fei­erte das Stück diese Woche Pre­miere. „Ein Mäd­chen auf dem schrullig-eigenwilligen Weg den eige­nen Kör­per zu ent­de­cken” lau­tet der Kon­senz des Stü­ckes und soll damit die Ange­bots­lü­cke des Thea­ter­plans schließen.

Der Mön­chen­glad­bach Bas­tian Rei­ber ist mit von der Par­tie und über­nimmt gleich meh­rere Rol­len unter ande­rem Helens Bru­der und Jesus (?). Dafür hat er eine 4 jäh­rige Aus­bil­dung an der Hoch­schule für Musik und Thea­ter absol­viert. Das könnte eigent­lich so ste­hen­blei­ben, wun­dert es mich doch, das ein so anspruchs­lo­ses und sinn­freies Werk aus­ge­bil­dete Schau­spie­ler braucht um den Dilet­tan­tis­mus der Story wiederzugeben.

Zwei­fels­ohne wird das Stück ankom­men, den der Zuschauer ist ein­fach neu­gie­rig dar­auf zu sehen, wie Helen ihren Kör­per ent­deckt. Kunst oder Sen­sa­ti­ons­lust? Die Ber­li­ner Regis­seu­rin Chris­tina Fried­rich erteilte den Sen­sa­ti­ons­gei­len, die benutzte Tam­pons und Anal-Fissuren sehen woll­ten eine Absage, es gehe ihr um Tie­fe­res und Höhe­res.

Wo sie das fin­den möchte ist mir unklar, im Buch von Char­lotte Roche jeden­falls nicht. Da ist Inter­pre­ta­tion und Phan­ta­sie gefragt um Tiefe ohne Schau­feln und Höhen ohne Lei­tern zu schaf­fen. Da war es schon ganz pas­send, das ich den Arti­kel beim täg­li­chen Stuhl­gang gele­sen habe. Eigent­lich sollte der Arti­kel ja in den Pres­se­spie­gel, aber ich bin ehr­lich und gebe zu das ich von der Bri­sanz die­ses The­mas pro­fi­tie­ren möchte ;) Wer den­noch neu­gie­rig bleibt, dem seien diverse Rezen­sio­nen ans Herz gelegt unter ande­rem die in der Welt und im Spie­gel.

Quelle: Welt-Online, Neues Thea­ter Halle, Rhei­ni­sche Post

4 Kommentare

  1. Komisch, ich höre über die­ses Buch immer wie­der gro­ßes Lob und abgrund­tie­fes ent­set­zen. Per­sön­lich bin ich der Ansicht, dass Frau Roche auch auch je eine Seite des Buches kom­plett mit Wör­tern wie „Anal, Muschi, Vagina, Schleim, Ficken…” hätte fül­len kön­nen und einen ähnli­chen Sto­ry­tief­gang erreicht hätte — natür­lich hätte sie damit auch ähnli­ches Ent­set­zen verursacht.

    Wie man auf die Idee kom­men kann das Buch als Thea­ter­stück umzu­set­zen? Für mich gibt es da eigent­lich nur 3 Möglichkeiten:

    - Por­no­gra­fie in quasi jeder Fetisch-Abartigkeit gleich­zei­tig
    – so zen­siert, dass es kei­nen Sinn mehr ergibt
    – kom­plett neue Story mit dem pro­mi­nen­ten Namen des Buchs beklebt um die Kas­sen zu füllen

  2. Da es sich ja nicht um Por­no­gra­fie han­deln soll und eine Zen­sur das Stück zu einer Kurz­ge­schichte ver­dammt, bleibt eigent­lich nur Mög­lich­keit 3, die Kas­sen zu fül­len.
    Ich finde den Ansatz des Buches, die Pro­vo­ka­tion, ja prin­zi­pi­ell nicht schlecht, auch wenn ich mir etwas mehr Tief­gang oder min­des­tens eine schlüs­sige Geschichte hätte. Da das aber mei­ner Mei­nung nach nicht vor­han­den ist, kom­men eben nur Punkt 3 in betracht. Leider.

  3. http://www.youtube.com/watch?v=f6vBWI3fJOo <- das ist zum Thema ganz interessant…

  4. Nach dem kur­zen Ein­blick den du mir ver­schafft hast schließt sich der Kreis. Es ist eben nicht alles Kunst & Kul­tur wo es drauf­steht. Das rum­rut­schen in und auf Früch­ten gehört für mich nicht dazu. Das Video ist aber wirk­lich infor­ma­tiv und passt sehr gut zu die­sem Beitrag.

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