22 Januar

Spontis Wochenschau #2/12

Kategorie: Wochenschau — Jahrgang: 20123 Kommentare

Spontis WochenschauAls ich in der Schule war, began­nen meine Augen damit, ihren eige­nen Weg zu gehen. Ihnen fehlte es plötz­lich an Weit­sicht und nah­men ihre Umwelt sehr kurz­sich­tig wahr. Ein auf­merk­same Leh­re­rin emp­fahl mei­nen Eltern, mit mir zum Opti­ker zu gehen, um eine Brille zu besor­gen. Ich habe wohl immer die Augen geknif­fen, um noch zu erken­nen, was auf der Tafel steht. Die Not­wen­dig­keit eine Brille zu tra­gen, ist so eine Fami­li­en­sa­che. Meine Mut­ter, mein Vater und meine Schwes­ter waren auf die Seh­hilfe ange­wie­sen, ich kenne es gar nicht anders. Meine 8 Jahre ältere Schwes­ter ent­deckte in den spä­ten 80ern die Kon­takt­lin­sen für sich. Ich beob­ach­tete sie immer dabei, wie sie die har­ten Lin­sen ein­setzte und her­aus­nahm, sie akri­bisch rei­nigte und Nachts immer eine Brille auf dem Nacht­tisch gelegt hatte, um am frü­hen Mor­gen nicht vor irgend­eine Tür zu lau­fen. Kon­takt­lin­sen kamen für mich nicht in Frage, das war mir viel zu läs­tig und bei 1 Diop­trie auch nicht wirk­lich nötig. Rund 25 Jahre spä­ter trage ich sel­ber Kon­takt­lin­sen. Neuste Gene­ra­tion. Ich muss sie Nachts nicht her­aus­neh­men, kann damit schla­fen, baden und tan­zen und bekomme jeden Monat ein paar fri­sche. Anfangs habe ich mor­gens noch die Brille auf­ge­setzt und mich gewun­dert, warum ich damit so schlecht sehe, heute liegt auf allen Brille eine dünne Staub­schicht. Bril­len machen den Men­schen nicht intel­li­gen­ter, son­dern zei­gen, wie Gewohn­hei­ten funk­tio­nie­ren. Erst stört es, dann gewöhnt man sich daran und irgend­wann ist es ein Teil des Lebens, in dem der Ver­zicht auf die Brille unge­wohnt erscheint. Man steht vor dem Spie­gel und fin­det sich mit Brille intel­li­gen­ter, als ohne.  Damit ihr die Weit­sicht nicht ver­liert, hier die Wochenschau:

  • Vam­pir gesucht! — Dra­cula Schloss Bran | Der schwarze Pla­net
    Wie­der ein sehens– und lesens­wer­ter Rei­se­be­richt von einem ande­ren Pla­ne­ten — Shan Dark hat Rumä­nien bereist und durch diverse Besu­che einen beacht­li­chen Vor­rat an Ein­drü­cken mit­ge­bracht, die Sie jetzt in einem Arti­kel zusam­men­fasst. »Ich möchte euch gleich zu Beginn die­ses mons­trö­sen Rei­se­be­rich­tes den blut­be­netz­ten Eck­zahn zie­hen: Nur wegen dem Dracula-Schloss Bran soll­tet ihr nicht nach Trans­sil­va­nien rei­sen! Auch wenn Bran eine hüb­sche Burg ist, sie trägt einen Man­tel aus Vampir-Imitat und ist umringt von Kom­merz und Reisebussen. Vampire mal bei­seite: Wenn ihr eine Zeit­reise der ande­ren Art machen wollt mit Aben­teuer, viel unbe­rühr­ter Natur und jeder Menge zugäng­li­chen, alten Gemäu­ern – dann auf nach Rumä­nien! Trans­sil­va­nien und die Kar­pa­ten wer­den euch nicht mehr loslassen. Und übri­gens: wenn ihr schon mal dort seid, soll­tet ihr auch das Dracula-Schloss besu­chen. «
  • From the Archi­ves: Joy Divi­sion in their own Words | The Quie­tus
    Aus den Archi­ven des Quie­tus stammt ein Inter­view mit Joy Divi­sion, das Paul Ram­bali am 11. August 1979 mit der Band führte. Ähnlich wie den gezo­ge­nen Eck­zahn aus Shans Rei­se­be­richt, zieht das viel­leicht dem ein oder ande­ren den Zahn der Illu­sion. »The songs mean some­thing per­so­nal to us, but that’s not the point. It’s like say­ing, what did Max Escher mean when he did that pain­ting?« He points to a giant print of one of Escher’s typi­cal per­spec­tive puz­zles that hangs on the wall of Manchester’s Cen­tral Sound Stu­dio, where we are now loca­ted. »He might just say, „I was pis­sed”. We don’t want to say anything. We don’t want to influ­ence people. We don’t want people to know what we think. (…) We’re not asha­med of anything we’ve done in the past. When we star­ted off none of us could play. But each time we go one step for­ward – and that draws you on. It’s like…I don’t know, it’s just a really good fee­ling. I think that’s why a lot of people get disil­lu­sio­ned, „cos, like, the music dries up.«
  • Zehn Videos zum 65. Geburts­tag von David Bowie | Musik­ex­press
    Herz­li­chen Glück­wunsch, David Robert Hay­wood Jones. Am 8. Januar wur­dest du 65 Jahre alt. Ich beneide Dich, nicht etwa wegen Dei­nes Alters, son­dern wegen dei­nes Lebens, auf das du bestimmt mit einem lachen­den und einem wei­nen­den Auge zurück­blickst. Ich kenne nie­man­den, der die Musik­land­schaft nach­hal­ti­ger geprägt hat und als Sti­li­kone immer 2 Schritte wei­ter war, als alle ande­ren. Doch was kön­nen Worte schon sagen? Ste­phan Rehm stellt 10 Videos des Sän­gers vor, an die man sich gerne erinn­ernt — bis auf eines. »Mein Rock’n’Roll-Erweckungserlebnis war, als ich Davie Bowie im Juli 1972 bei ‚Top Of The Pops’ sah und er mit sei­ner blauen Gitarre ‚Star­man’ spielte. Ich war völ­lig fas­sungs­los. In dem Moment wollte ich David Bowie sein – und ich war sexu­ell erregt. Erstaun­li­cher­weise stellte sich spä­ter her­aus, dass ich hete­ro­se­xu­ell bin. Aber ich kann ehr­lich zuge­ben, dass David Bowie der erste Mann war, der mich ange­macht hat.“ (Alan McGee, ehe­ma­li­ger Chef von Crea­tion Records)«
  • Geis­ter­bil­der: Foto­grüße aus dem Jen­seits | eines­ta­ges
    Ein tol­ler Arti­kel über die Geschichte der Geis­ter­fo­to­gra­fie: »Die Auf­nahme von Sir Arthur Conan Doyle hätte ein hüb­sches Por­trät­foto wer­den kön­nen: Sin­nie­rend blickt der schnauz­bär­tige Schrift­stel­ler in die Ferne, aus dem Revers sei­nes Sonn­tags­an­zu­ges bau­melt, etwa in Bauch­na­bel­höhe, ein impo­san­ter Zwi­cker. Nur ein wesent­li­ches Detail macht den wür­di­gen Anblick zunichte: Über der lin­ken Schul­ter des Sherlock-Holmes-Erfinders schwebt das Kon­ter­fei einer ent­rückt lächeln­den, selt­sa­men Gestalt. Kör­per­los, wie von Nebel­schwa­den umhüllt, unwirk­lich. Sir Arthur Conan Doyle zwei­felte keine Sekunde lang: Bei der Erschei­nung, die auf dem Foto erschie­nen war, konnte es sich nur um sei­nen Sohn Kings­ley han­deln. Aber wie war das mög­lich?«
  • Karn­steins krea­ti­ves Käm­mer­lein: But­tons | Otranto-Archive
    Das modi­sche Relikt aus den Untie­fen der 80er sind But­tons, das sicher­lich schon viel älter ist, erfreut sich immer noch größ­ter Beliebt­heit. Als Aus­sa­ge­kräf­ti­ges und run­des State­ment, als modi­sches Acces­soire, als Aus­hän­ge­schild einer Lebens­ein­stel­lung und als Sta­tus­sym­bole für musi­ka­li­sche Weit­sicht. Karn­stein hat sich hin­ge­ge­ben und einige But­tons gestal­tet, die er für klei­nes Geld Feil­bie­tet: »Und zwar kann man sich in einer gruf­tig ver­spiel­ten Schrift schlicht­weg zum “Goth” titu­lie­ren, und wer es eher mit den frü­he­ren loka­len Bezeich­nun­gen hat steht dazu ein “Frag­gle” zu sein (inklu­sive Wuschelhaarschopf). Und so oder so ist ein über­zeug­tes “gother than thou” ja immer ange­bracht
  • Openculture.com — Kul­tur­gut für alle | Netz­po­li­tik
    Hun­derte Filme, eBooks und Hör­bü­cher kos­ten­los? Open­cul­tur macht es mög­lich und sam­melt Kul­tur­gü­ter, die unter Public Domain ste­hen. Netz­po­li­tik berich­tet: »Gerade die Aus­wahl an Hör­bü­chern begeis­tert: Von Science-Fiction-Klassikern wie “1984” (George Orwell) und dem “Foundation-Zyklus” (Isaac Asi­mov) über die unsterb­li­chen Werke von Wil­liam Shake­speare bis hin zu Charles Bukow­ski, dem Enfant Ter­ri­ble der ame­ri­ka­ni­schen Lite­ra­tur ist vie­les gebo­ten. Wer schon immer Monu­men­tal­werke wie James Joy­ces “Ulys­ses” oder “Krieg und Frie­den” von Tol­stoi lesen wollte, aber wegen dem schie­ren Umfang der Werke nicht traute, hat nun eine Aus­rede weni­ger.«
  • Warum ich Weih­nach­ten trotz­dem knorke finde | Asri­me­ckert
    Ja, Weih­nach­ten ist vor­bei. Ich nutze trotz­dem die Gele­gen­heit um Asria­ne­rins frisch geba­cke­nen Blog vor­zu­stel­len. Okay, frisch geba­cken ist er eigent­lich nicht, es liegt nur an mei­ner Zer­streut­heit, ihn bis jetzt noch nicht vor­ge­stellt zu haben. Des­halb auch der Weih­nachts­ar­ti­kel. Der Son­nen­ber­ger Vorzeige-Gruftie nimmt kein Blatt vor den Mund und erzählt von der Fas­zi­na­tion Weih­nach­ten: »Frohe Weih­nach­ten Bla und Blubb. End­lich ist es wie­der soweit! Der dicke, bär­tige Typ, der von Coca-Cola per­sön­lich ein­ge­klei­det wurde, schwingt sei­nen fet­ten Arsch wie­der durch Kamine um deka­den­ten Kram unter die sinn­los gestor­be­nen und per­fide geschmück­ten Bäu­men zu plat­zie­ren, damit unser­eins einen geplant, pseu­do­fröh­li­chen Tag hat.« Übri­gens:  Einen Hauch gewähl­ter drückt sich Asria­ne­rin in den zahl­rei­chen Arti­keln zum Gothic Fri­day aus. Aber eigent­lich ist mir das egal, ich wollte nur einen geschick­ten Link setzen.
  • Ask a Mor­ti­cian, Teil 4 | Order of the Good Death
    Wie wird man eigent­lich Bestat­ter? Hier kommt end­lich die Ant­wort. Und ich dachte immer, man müsste etwas ler­nen, sich bewer­ben und schmerz­frei sein.
  • David Bowie again | Youtube
    Ich möchte kurz den Herrn Bowie noch­mal auf­grei­fen. Der hat näm­lich im Jahr 2003 einen Wer­be­spot gedreht, der vor Selbst­iro­nie nur so trieft. Macht euch ein Bild:

Diesen Artikel weiterempfehlen:

Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Wochenschau
Schlagwort: , , ,

Verwandte Artikel

3 Kommentare

  1. Wie­der eine sehr schöne Samm­lung an Netzfundstücken!

    Über die Geis­ter­bil­der aus den Anfän­gen des Photo-Zeitalters hatte ich mal eine ganz schöne Doku gese­hen, ein Pho­to­graph hat das Ganze dann mit einer moder­nen digi­ta­len Spie­gel­re­flex nach­ge­stellt, wäre inter­es­sant das auch mal zu tes­ten — am bes­ten bei der nächs­ten Urbex-Tour :D

    Der David Bowie Wer­be­spot ist wirk­lich groß­ar­tig! Musste ziem­lich grin­sen — schön wenn solch eine Star-Größe auch über sich selbst lachen kann — in die­sem Sinne auch von mir ein ver­spä­te­ter Geburts­tags­gruß an die New-Romantic Ikone schlechthin!

    Zum Thema Seh­hilfe: *wink* hier schreibt eben­falls ein Blind­fisch, meine Brille ist so alt, ich hab die locker schon seit den 90ern, ent­spre­chend ist der Zustand: beide Bügel schon aus­ge­tauscht (bei der letz­ten Repa­ra­tur hat mich der Opti­ker gefragt ob ich die tat­säch­lich noch repa­rie­ren las­sen mag als ich ihm das lädierte, ganz nerd-like mit Kle­be­band einst­wei­len geflickte Gestell unter die Nase gehal­ten habe — bei knapp vor zwei­stel­li­ger Diop­tri­en­zahl war es aber durch­aus recht ernst gemeint …), das Ding hängt ziem­lich schief auf mei­ner Nase und die Krat­zer auf den Glä­sern machen der Mond­ober­flä­che lang­sam Kon­kur­renz.
    Eine Neue wär mehr als über­fäl­lig, ande­rer­seits hat es wie­der was von durch­ge­knall­tem Wis­sen­schaft­ler *g* — da ich seit ich 15 bin auch Kon­takt­lin­sen habe muss ich damit aber nicht auf die Straße gehen.
    Bei mir gings auch in der Schule los mit der Blind­fi­schig­keit, eben­falls ver­erbt bekom­men. Ich hab die Brille anfangs gehasst wie die Pest und das Ding nur in der Schule und — als es dann schlim­mer wurde — zum Fern­se­hen auf­ge­setzt. Bis ich so kurz vor den 4 Diop­trien ange­langt bin und das erste mal am hel­lich­ten Tag mit der neuen Brille aus dem Opti­ker­la­den gegan­gen bin.
    Soviel zur Gewohn­heit — daß man *so viel* sehen kann war in dem Augen­blick fast wie das achte Welt­wun­der für mich *g*

    Falls sich jetzt wer frägt warum ich das zusam­men­ge­schrie­ben hab — es ist kurz vor Mit­ter­nacht, ich sitze bis Frei­tag wie­der in Naila fest, mor­gen ist Mon­tag, ich sollte ins Bett bin aber irgend­wie auf­ge­kratzt und ergo nicht allzu müde *hmpf* — sprich, ich ver­su­che mich hier­mit davon abzu­len­ken, viel­leicht klappts ja noch mit dem müde wer­den … *vorsichhinbrammelnddavonschlurch*

  2. Danke, danke für die (dop­pelte) Erwäh­nung — und auch für die ande­ren span­nen­den Arti­kel.
    Habe kürz­lich schon fest­ge­stellt, dass »Eines Tages« immer sehr inter­es­sante Sto­ries hat — hab ich mir daher grad mal in den RSS-Feed gelegt. Klasse Bericht über die Geis­ter­fo­to­gra­fien und Sir Arthur Conan Doyle.

    Die David Bowie-Werbung rockt :) und ich freu mich, dass ASRia­ne­rin jetzt auch Sachen verbloggt.

  3. Oh, und Danke für die Wer­bung für meine But­tons, das ist mir jetzt erst so rich­tig aufgefallen :)

Schreibe einen Kommentar

Hilfe bei der Kommentareingabe?