16 Mai

Spontis Wochenschau #14/11

Autor: Diskussion: 5 Kommentare

Spontis WochenschauEurovision Songcontest? Spurlos an mir vorübergegangen. Fußballfieber und  gemeinschaftliches Feiern oder weinen? Eiskalt ignoriert. Ein Mai-Wochenende voller Sonnenstrahlen, guter Laune und kurzen Hosen? Nicht mit mir!

Endlich gab es ein paar Regentropfen, die auf der Haut der sonnenverwöhnten Rheinländer verdampften.  Ganz ins schwarz und mit bedeckten Beinen und Armen, war ich gerüstet gegen jeden Eventualität des Wetters. Meine Weise Voraussicht sollte sich auszahlen, denn während sonnenbebrillte Kurzhosenträger mit Flip-Flops in Pfützen nasse Füße bekamen, stapfte ich in ausgewachsenen Dr. Martens trotzig durch die spontanen Bürgersteigmeere hindurch. Wie Moses teilten sie das Wasser und besprenkelten die unzugänglichen Stellen an der Lackhaut der geparkten Autos. Herrlich. Und Böse!

Wenigstens ein dunkler Lichtblick. Immerhin: Ich habe 2 neue Pfannen gekauft, schwarz (was sonst) mit silbernem Griff (stilecht). Von den letzten beiden löste sich die Teflonschicht, die ich als unangenehme Krümel in der letzten Mahlzeit noch in Erinnerung habe. Pfui Spinne.

  • Das 1. WGT 1992: Eine große Gothic-Klassenfahrt | Der schwarze Planet
    Einen großartigen bis umwerfenden Artikel über das erste WGT 1992, mit zahlreichen Zitaten von Veteranen und beeindruckendem Bildmaterial gibt es bei Frau Dark vom schwarzen Planeten zu lesen. “… die Szene hat sich verändert und damit auch zwangsläufig das Wave-Gotik-Treffen. Doch darum geht es in diesem Beitrag nicht, sondern darum wie alles entstand. Ich will versuchen den „Zauber“ einzufangen, der auch dem Anfang des weltgrößten Goth-Szene-Treffens innegewohnt haben muss.” Sie hat den Zauber gefangen, zu Boden geworfen und in Text und Bild gefesselt, um so ein einzigartigen Augenblick voller Nostalgie aufleben zu lassen.
  • Mein erstes Mal: Lukas, 20, unterwandert eine Nazidemo | SchulSPIEGEL
    Mit seinem Plakat “Schützt deutsche Äpfel” wagt sich Lukas von der Front deutscher Äpfel unter eine Demonstration von Neonazis. Nachdem er eine Weile lang unentdeckt mitläuft, entrollt er sein Plakat: “Mein Nebenmann ist irritiert und fragt nach: ‘Was soll das denn heißen?’ ‘Naja, deutsches Obst zu schützen ist doch wichtig, oder?’, erwidere ich. ‘Solange du nicht von der Apfelfront bist’, meint einer der Ordner lachend. ‘Apfelfront’, dieses Wort scheint sich wie ein Lauffeuer unter den anwesenden Nazis zu verbreiten. Noch bevor ich reagieren kann, wird mir mein Plakat gewaltsam entrissen. Mit einem Griff an den Hals signalisiere ich den Fotografen meine unpässliche Situation, denn von einer Sekunde auf die andere werde ich von allen Seiten bedrängt. Einige der Nazis wollen mich festhalten und packen dabei fest zu. Das Adrenalin schießt durch meinen Körper. Mir ist klar: Ich muss hier weg, das ist ernst.
  • Celebrity Yearbook | How to be a Retronaut
    Jahrbücher haben in den USA ein lange Tradition und viele Menschen sind dort in mehr oder weniger schmeichelhaften Bildern verewigt. Umso erfreulicher, dass der Retronaut jetzt mal in alten Jahrbüchern der Stars gewühlt hat und dabei gnadenlos enthüllt: Die meisten sahen nicht immer cool aus. Alice Cooper beispielsweise, der offenbar keinem Hund etwas zu Leide tun konnte, entwickelte sich später zum Vorzeige-Bösewicht der Musikbranche. Marilyn Manson wusste genau, warum er sich unter Schminke, Kontaktlinsen und gewagten Outfits versteckt. Wer mehr wissen willen, ein Klick auf die Umfangreiche Galerie genügt.
  • Ein-Euro-Vision mit Lena und den anderen Knalltüten, werter Leser! | Postpunk
    Den Eurovision Song Contest ist spurlos an mir vorüber gegangen. Um mir trotzdem einen amüsanten bis zynischen und Wortwitz gespickten Beitrag dazu durchzulesen, bin ich beim Postpunk vorbeigegangen, der sich auf seine Art dem Geschehen widmet: “Ich weiß nicht, wer das immer mit diesen 80er Jahre Nummern bringt, aber in den 80ern wären die von Bronski Beat von der Bühne geprügelt worden.  Im Gegensatz zu diesem Song war nämlich die übelste Italodisco Nummer wirklich noch gute Popmusik. “Tarzan Boy” von Baltimora zum Beispiel, aber da sind Sie noch etwas zu jung dafür, werte Leser. Das Ding, das Jedward uns hier vorsetzen, ist allerdings nur ungeheuer langweilig und kann auch nicht dadurch aufgewertet werden, daß die Jungs grundsätzlich vor Ihrem Auftritt mit defektem Fön in die Badewanne springen. Schlecht, aber da Schlecht das neue Gut ist, werden die Jungs wohl auf Platz 2 kommen.
  • Der Gratis Comic Tag  2011 | Nerdcore, Sabrina Kirnapci, Werturteilsfrei
    Und? Welche Comics konntet ihr ergattern? Nachdem ich bei Sabrina vom Gratis Comic Day gelesen hatte war meine Neugier geweckt, leider hat der letzte verbliebene Comic-Laden hier vor Ort noch nichts davon gehört: “Der Gratis-Comic-Tag ist ein gemeinsamer Aktionstag vieler Comic-Verlage und Comic-Shops in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Verlage haben dazu eigens mehrere Dutzend Comics produziert, die am 14. Mai 2011 in vielen Comic-Shops kostenlos erhältlich sein werden. Die Bandbreite reicht dabei von frankobelgischen Abenteuern über US-Superhelden-Action bis zu deutschen Independent-Comics und mehr. Zusätzlich wird es am Gratis-Comic-Tag in vielen Comic-Shops spezielle Aktionen wie Signierstunden oder Grillfeste geben.” Wenigstens Tobikult konnte welche abstauben.
  • Two Spirits | Rosa Chalybeia
    Two Spirits – dieser Begriff bezeichnet bei den amerikanischen Ureinwohnern besondere Menschen. Wie der Name schon andeutet, leben quasi zwei Seelen im Körper dieser Leute – eine männliche wie eine weibliche. Je nach Stamm kannte man – neben dem Männlich und Weiblich – daher entweder ein drittes Geschlecht, oder auch insgesamt vier Geschlechter, die eben weibliche Männer und männliche Frauen mit einschlossen.” Nachdem ich über IDAHO berichtete, hat Rosa diesen Artikel aus Ihren Entwürfen gezerrt und ins Tageslicht gestellt. Glücklicherweise, denn von alten Kulturen, wie dieser Artikel eindrucksvoll beweist, können wir alle noch viel lernen.
  • David Lynchs “Interview Project Germany” | via KFMW
    Wir sahen Slim, als er an einer Ecke stand, um die Straße zu überqueren. Seine schwarze Kleidung sprang uns ins Auge und wir fragten ihn, ob er bereit sei für ein Interview. Slim stimmte glücklicherweise zu und wir fanden einen passenden Platz um mit ihm zu sprechen. Er erzählte uns von seiner schweren Kindheit, in der andere Kinder ihn misshandelten, und davon, wie er damit fertig wurde. Slim erzählte uns auch von der Liebe seines Lebens, und dass er plant, auf sie zu warten, obwohl sie momentan nicht bereit ist, sich für ihn zu entscheiden. Er trägt sogar immer einen kleinen weißen Stein bei sich, der ihn, wo auch immer er hin geht, an seine Liebe für sie erinnern soll. Nachdem wir fertig mit dem Interview waren, eilten wir zum Mittagessen und hatten ein gutes Sandwich.” Ohne Worte. Definitiv.
  • Von dem Kerl, der seinen Kopf um 180 Grad drehte | misterhonk
    Was soll man dazu noch sagen? Was mir bei der Exorzist unglaubwürdig vorkam, ist hier erschreckende Realität.

5 Kommentare

  1. Uaaah, mir wird schlecht…das mit dem 180°-Dreher ist ja übel. Also heftig. Aber irgendwie auch glaubhaft oder zumindest ein ziemlich glaubhafter Fake.

    Das Postpunk-Eurovision-Preview hab ich auch sehr genossen -- wie lustig! Der sollte sich vllt. mal mit Guldhan zusammentun ;o)

    Mein 1. Mal von der Apfelfront: mutig, mutig!

    Und lieben Dank fürs Aufnehmen meines Artikel.

  2. Ups. Ich war doch noch gar nicht fertig mit meiner Berichterstattung! Jetzt aber. Das Problem ist nur, nun stehst Du auch unter Beobachtung von Scientology. Tschuldigung ;-)

  3. Das »Interview Project Germany« weiß eine grandiose Stimmung aufzubauen. Diese Mischung aus Melancholie und unbefangenem Einblick in ungekünsteltes Leben ist fantastisch.

    Anfangs erinnerte mich dieses ein wenig an die Reihe »100 Sekunden Leben« Doch während dabei das reine Interview im Vordergrund stand, erschafft »Interview Project Germany« eine gelungene Komplettinszenierung. Wirklich großartige Einblicke in die unscheinbare Menschlichkeit.

    Erst sah ich einen Film, dann stichprobenartig. Am Ende hatte ich alle gesehen. Und demnächst gönne ich mir Einblicke in das amerikanische »Original« was ohne Untertitel allerdings nicht so schnell gehen wird.

  4. Huch, hab grad erst zufällig bemerkt daß Du meinen Two Spirit Artikel aufgenommen hast -- wieder einmal lieben Dank dafür :)
    Ich finde es interessant daß garnicht mal wenige ursprüngliche Kulturen ähnliche Phänomene aufweisen. Wie schon angedroht forsche ich da in Lauf der Zeit auch weiter nach für mehr Artikel.

    Daneben ist das Interview mit Slim wirklich interessant und ehrlich menschlich, nachfühlbar. Er erinnert mich an einen entfernten Bekannten, weniger durch seine Geschichte aber durch seinen Charakter -- sofern man das aus den paar Minuten so beurteilen kann …

    Lukas von der Apfelfront gebührt auch eine tiefe Verneigung. Die Aktion ist einerseits großartig, aber auch riskant. Die Reaktionen der rechten Brut sprechen auch ohne weitere Kommentare ja eindeutig für sich …

  5. [...]Die Reaktionen der rechten Brut sprechen auch ohne weitere Kommentare ja eindeutig für sich[...]

    Da kann deren liebste Parteispitze so sehr auf seriös und gesittet machen wie sie will. Diese Ausrichtung wird wohl ewig versuchen müssen, ihren fehlenden Intellekt durch schlagende Argumente wettzumachen.

    Oder anders gesagt, je lauter das Tier brüllt, desto mehr Schwäche gesteht es sich im Moment zu.

    Davon mal abgesehen, wenn ich mir auf dem Foto die Sprüche auf deren Schilder und Banner so ansehe, dann ist »Schützt deutsche Äpfel« mit Abstand das intelligenteste Motto.
    »Spätzle statt Döner« Jeder Fünfjährige könnte so etwas quäken, dafür bräuchte ich keinen Schulabschluss oder wäre stolz genug drauf, um diese Aussage auf ein Plakat zu wagen.

    In diesem Sinne: Vaterland statt Elefant!

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