4 Mai

Top 5 der musikalischen TV-Skandale in den 80ern

Kategorie: Schwarzes Netz, Vernetzt — Jahrgang: 20106 Kommentare

Bild von Billy IdolEin furcht­bar mensch­li­che Eigen­schaft sich immer an die schlech­ten und sel­ten an die Guten Dinge seine Lebens zu erin­nern. Viel­leicht wäre es auch anders nicht mög­lich, aus sei­nen Feh­lern zu ler­nen. Ebenso Mensch­lich ist es, sich an die Ver­feh­lun­gen ande­rer zu erin­nern vor allem dann, wenn es um die musi­ka­li­schen TV-Skandale der 80er geht.  Ich habe Musik­sen­dun­gen wie For­mel 1, ZDF Hit­pa­rade, Rock­pa­last oder auch Bravo TV ver­schlun­gen. Die waren dann auch am nächs­ten Tag noch Thema auf dem Schul­hof, bei dem es nach skan­da­lö­sen Auf­trit­ten nur so bro­delte. Post­punk erin­nerte mich mit sei­nem gran­dio­sen Fund­stück an eben diese Zeit, denn dort gibt es in einer Off-Beat Sen­dung mit Co-Moderator And­rew Eldrith (Sis­ters of Mercy) Aus­schnitte eine geplatz­ten Phil­lip Boa Auf­tritts, den ich selbst bei einem ande­ren Sen­der gese­hen hatte.

In die­sem Zusam­men­hang habe ich dann in mei­nem Kopf und im Netz recher­chiert und die Top 5 der musi­ka­li­schen TV-Skandale zusam­men­ge­tra­gen, die ich noch aus den 80ern in Erin­ne­rung habe. Nutzt die Kom­men­tare um eure Erin­ne­run­gen nie­der­zu­schrei­ben.

#5 Musikalische Stille

Skan­dal! Als Juli­anne Regan und Tim Bri­cheno von All about Eve ihre wun­der­schöne Bal­lade Martha’s Har­bour 1988 bei TOTP vor­tra­gen wol­len macht die Tech­nik einen bedau­er­li­chen Pat­zer. Den Zuschau­ern vor den Fern­seh­ge­rä­ten wird der Song bereits ein­ge­spielt, wäh­rend die bei­den noch gedul­dig dar­auf war­ten dass man das Play­back auch im Stu­dio auf­dreht. End­lose Sekun­den ver­strei­chen und erst als die Zuschauer auch im Stu­dio jubeln geht es los, mit der zwei­ten Stro­phe. Eine Auf­nahme die­ses Songs bei einem ande­ren Auf­tritt habe ich heute noch auf VHS Video­kas­sette. Nur blöd, das ich kei­nen Video­re­kor­der mehr besitze, ich sollte mal wie­der bei E-Bay stöbern.

Das Video ist lei­der nicht mehr verfügbar!

#4 Ich hab' das Playback zu leise

Ich finde Nena hat in den 80ern nicht nur die neue Deut­sche Welle popu­lä­rer gemacht als sie eigent­lich sein sollte, son­dern war auch die ein­zige Frau, die unge­hemmt Ach­sel­be­haa­rung tra­gen durfte. Ich glaube auch ich war ver­knallt, jeden­falls fühlte es sich so an. Im Februar 1984 tritt sie mit ihrem neuen Hit »Fra­ge­zei­chen« in der unver­schämt schlech­ten ZDF-Hitparade auf. Doch irgend­was läuft schief, die Moni­tor­bo­xen, die es der Sän­ge­rin ermög­li­chen Ton und eige­nen Gesang zu hören waren viel zu leise, so das es zunächst so klang, als könnte sie gar nicht sin­gen. Als sie dann trotz­dem von den Fern­seh­zu­schau­ern zur Gewin­ne­rin gekürt wird, quit­tiert das Publi­kum ihren Abschlie­ßen­den Auf­tritt mit Buh-Pfui Rufen. Gerüch­ten zu Folge, die einige Tage spä­ter über den Schul­hof geis­ter­ten, war das ein geplan­tes Spiel vom ZDF um Nena in einem schlech­ten Licht da ste­hen zu las­sen, sie hatte wohl schon zu oft mit schlech­ter erfolg­rei­cher Musik gewon­nen. Hier zunächst der Auf­tritt mit dem ver­sau­ten Ton und dann das Video mit den Reak­tio­nen des Publi­kums (1:20) — Ohne Nena Rück­bli­ckend wirk­lich zu mögen, ver­dient hatte sie das nicht.

Das Video ist lei­der nicht mehr verfügbar!

#3 Billy Idol visualisiert Flesh for Fantasy in Thommy's Pop Show

Was war der Junge doch böse. Er sah nicht nur aus wie der Fleisch gewor­dene Alb­traum jeder Schwie­ger­mut­ter, er benahm sich auch so. 1984 gibt er in Thommy’s Pop Show sei­nen aktu­el­len Hit »Flesh for Fan­tasy«, in dem es pri­mär und ein­fach gespro­chen um die fleisch­li­chen Gelüste geht. So illus­triert er den Song mit­ten im Lied damit, das er sich seine Spu­cke über das Gesicht lau­fen lässt und die Soße dann auch noch genüss­lich im gan­zen Gesicht ver­teilt (2:10). Bei dem anschlie­ßen­den Geschlechts­akt mir der Bühne reicht es den Regis­seu­ren, sie schal­ten in die Totale und keh­ren erst nach Abschluss der Szene wie­der in die Künst­ler­an­sicht zurück. Für Billy’s Bio­gra­fie ein Kin­der­streich, für Gott­schalks Sen­dung ein Skandal.

#2 Schlangen scheuen das Wasser

Februar 1989. Phil­lip Boa ist zu Gast bei der Off-Beat Nacht die regel­mä­ßig vom Sen­der Tele 5 ver­an­stal­tet wird und bei der zahl­rei­che und ange­sagte Indie-Künstler ein Stell Dich ein geben. Bei sei­nem Büh­nen­auf­tritt läuft ein Play­back wovon das anwe­sende Publi­kum über­haupt nicht begeis­tert ist. Schnell behaup­tet er »Ich hab mir das nicht aus­ge­sucht« was der Mode­ra­tor in der fol­gen­den Off Beat Sen­dung demen­tiert (1:05). Boa selbst war es, der aus­drück­lich ein Play­back gewünscht hatte. Als die Musik spielt und Boa sicht­lich unbe­geis­tert mit dem Mikro­fon han­tiert quit­tie­ren die Zuschauer sei­nen Auf­tritt mit der ver­dien­ten Dusche, viel­leicht trägt er des­halb einen Regen­man­tel. Sicht­lich gede­mü­tigt ver­lässt Boa dar­auf­hin die Bühne. »Ein Arsch­loch mit Niveau« so nannte ihn der Musik Express einst.

#1 Uwe Barschel im Kreuzfeuer der Geschwisterliebe

Die Ärzte waren ja immer schon für einen Skan­dal zu haben, gerade in der Zeit vor ihrer Auf­lö­sung. Die Wort­ge­fechte mit der Bun­des­prüf­stelle für Jugend­ge­fähr­dende Schrif­ten sind förm­li­chen legen­där und gip­felte in dem Stück Geschwis­ter­liebe für des­sen Auf­füh­rung sie bereits in den spä­ten 80er mehr­fach ange­zeigt wur­den. In der Sen­dung Live aus dem Ala­bama des Baye­ri­schen Rund­funks, die sich zwar gerne kon­tro­vers gab, aber eigent­lich nie­mals war sollte es dann zum Eklat kom­men. Die Ärzte spiel­ten das Stück instru­men­tal, wäh­rend das Publi­kum laut­hals mit­sang. Der Secu­rity war in die­sem Fall natür­lich die Hände gebun­den und so ging Geschwis­ter­liebe live durch die Sen­dung. Dazu noch ein unbe­dach­ter Kom­men­tar über den im Herbst 1987 ver­stor­be­nen Uwe Bar­schel sorgte für eine Welle der Empörung.

"Wenn ihr dieses Lied singt, macht ihr euch strafbar, und das wollen wir nicht, nein. Ihr habt eure Jugend noch vor euch, ihr seid so jung. Macht eine Bankkaufmannslehre oder werdet drogenabhängig, aber singt nicht dieses Lied. (…) Mit eurem heiligen Versprechen, dass ihr das Lied nicht singt, spielen wir es jetzt. Denkt an Uwe Barschel, er hat es auch versucht und wurde erschossen."

Gün­ther Jauch, der die Sen­dung sei­ner­zeit mode­rierte sah sich in der nächs­ten Aus­gabe zu einer öffent­li­chen Stel­lung­nahme genö­tigt und ent­schul­digte sich bei der Fami­lie von Uwe Bar­schel. Ich habe die Sen­dung immer schon gerne gese­hen, nicht unbe­dingt wegen der Debat­ten, son­dern der anwe­sen­den Bands und Musi­ker wegen. Und als Ärzte-Fan der ers­ten Stunde durfte ich mir das natür­lich nicht ent­ge­hen las­sen. Meine per­sön­li­che Num­mer 1 der musi­ka­li­schen Skan­dale der 80er.

Unge­dul­dige Spu­len vor bis 3:50 und lau­schen der Ansage bis 5:23 um dann bei 8:36 Jauch’s Ent­schul­di­gung zu hören.

Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Schwarzes Netz, Vernetzt
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6 Kommentare

  1. Danke, daß ich mal wie­der an »All about Eve« erin­nert wurde. Wehe, es über­bie­tet mich jemand bei Ebay. Ansons­ten fand ich die­sen Arti­kel wirk­lich äusserst unter­halt­sam! Machense grad wei­ter, Herr Sponti! Und ich bin mir rela­tiv sicher, daß der Boa eigent­lich gar kein Arsch­loch son­dern ledig­lich miss­ge­lei­tet war.

  2. Oder falsch bera­ten. Auf jeden Fall gehört er zu den schil­lern­den Per­sön­lich­kei­ten. Immer schon und immer noch. Und bei E-Bay habe ich Dich auch nicht über­bo­ten, käme mir nie in den Sinn :)

  3. sehr schöne com­pi­la­tion :)
    aber ich glaube, die äuße­rung zu bar­schel war über­haupt nicht unbedacht ;)

  4. @schattenzwerg: Herz­lich will­kom­men im Blog :) Ich weiß es ehr­lich gesagt nicht, ob die Äuße­rung unbe­dacht war oder nicht, mei­ner Mei­nung nach war sie das, denn die Ärzte hat­ten erst kurz vor­her von Bar­schels Tod erfah­ren. Das Auf­se­hen in der Bou­le­vard­presse gab den Ärzten aller­dings recht, die Pro­vo­ka­tion war ange­kom­men und damit legi­tim. Unbe­dacht ja, bereut haben sie es sicher­lich nicht.

  5. Ja, an den Auf­tritt von Billy Idol erin­nere ich mich noch. Ich wusste in dem Moment auch nicht, ob ich das ekel­haft oder geil fin­den sollte. Aber gut, ich war ja auch erst 13. Da hatte das Wort geil eher den Aus­druck von »Rebel­lion« :-) Ich glaube, ich fand es aber eher absto­ßend. Heute würde sich da kein Mensch mehr drü­ber auf­re­gen. Wenn man sich im Nach­hin­ein das Gehabe von Billy Idol anschaut, wirkt es ja schon etwas albern, oder? :-)

  6. Im Nach­hin­ein sicher, doch das war es, was Hier­zu­lande scho­ckierte. Heute würde eine Rebel­lion oder offen­sicht­li­che Pro­vo­ka­tion mit Sicher­heit kras­ser aus­fal­len, oder bes­ser aus­fal­len müs­sen, um über­haupt noch wahr­ge­nom­men zu wer­den. Irgend­wie ein trau­rige bis beängs­ti­gende Ent­wick­lung, bedeu­tet das doch zwangs­läu­fig, das bald jede Ethi­sche oder Mora­li­sche Grenze im Quo­ten­sumpf zu ver­schwin­den droht.

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Trackbacks

  1. bauernhof schreibt:

    Top 5 der musi­ka­li­schen TV-Skandale in den 80er – Spon­tis Web­log: Ein Track­back zu fol­gen­dem Bei­trag ist ange­komme… http://bit.ly/cgOPsf

  2. Michael Schmidt schreibt:

    Top 5 der musi­ka­li­schen TV-Skandale in den 80ern: http://www.spontis.de/vernetzt/top-5-der-musikalischen-tv-skandale-in-den-80er/ *schwärm*