6 November
Knallbunte Farbkombinationen bei Doctor Who: Der sechste Doktor
Hallo liebe Leser von Spontis! Hier »spricht« ausnahmsweise nicht Robert, sondern ein Wesen von außerhalb. Mein Name ist Julia und ich schreibe normalerweise auf 49 Suns. Im vorletzten Monat war ich in Urlaub und Robert war so freundlich einen Gastbeitrag als Vertretung beizusteuern. Dies hier ist sozusagen das Gegenstück.
Die Bürde des Gastartikels hat Robert ausgezeichnet getragen und ich werde hoffentlich mit diesem Beitrag hier ebenso stark sein. Da während meines Urlaubs mehrere Autoren zu Gast waren, habe ich eine ganze Beitragsserie gestartet, die sich mit der britischen TV-Serie Doctor Who beschäftigt. Bei der BBC lief die Serie von 1963 bis 1989 und seit 2005 wieder und ist auf der Insel absoluter Kult. Hierzulande muss die Bekanntheit erweitert werden und ich möchte hiermit meinen Beitrag dazu leisten. Für das Gesamtbild fängt man am besten beim ersten Beitrag an und folgt den Links zum jeweils nächsten Beitrag. Es sollte aber auch möglich sein, ohne Vorkenntnisse hier durchzusteigen.
Worum geht es überhaupt
Namensgebend für die Serie ist der Doktor, der mit ständig wechselnden Companions in der TARDIS (Time and Relative Dimension(s) in Space) durch Raum und Zeit reist, welche wie eine blaue Polizeizelle aussieht (siehe Bild) und innen größer als außen ist. Diese Zutaten lassen eine Sci-Fi-Serie vermuten und das stimmt zu einem gewissen Teil auch. Ursprünglich für Kinder konzipiert, hat sich die Serie schnell zu einem Kultphänomen entwickelt und konnte trotz knappem Budget dank toller Geschichten überzeugen.
Die extrem lange Laufzeit der Serie war möglich durch einen genialen Trick, der das Austauschen der Hauptfigur erlaubte. Der Doktor ist nämlich ein Time Lord vom Planeten Gallifrey und kann sich bis zu zwölf Mal regenerieren, d.h. einen neuen Körper bekommen. In der sechsten Inkarnation wurde er gespielt von Colin Baker, der dank einem kreischbunten Flickenkostüm und blonden Locken ein wirklich außerirdisches Aussehen hatte. Am Anfang wurde sein Kostüm noch durch Anstecker in Katzenform erweitert.
Charakterlich näherte sich der sechste Doktor wieder dem ersten an, d.h. er war ziemlich grantig, überheblich und intolerant gegenüber Wesen, die er als weniger intelligent ansah. Allerdings schreckte er nicht immer vor Gewalt zurück, was seiner früheren Einstellung widersprach. Eine weitere Besonderheit war die 23. Staffel, die als The Trial of a Time Lord einen folgenübergreifenden Erzählstrang hatte, in der der Doktor vor Gericht stand.

Der sechste Doktor (links: Titelsequenz, rechts: Screenshot aus The Two Doctors)
Hinter den Kulissen kam die Idee nicht so gut an und der Verantwortliche bei der BBC gab nur grünes Licht für eine weitere Staffel, wenn es einen neuen Doktor geben würde. Dementsprechend weigerte sich Colin Baker eine Regenerationsszene zu drehen und sein Nachfolger übernahm dies mit blonder Lockenperücke. Doch das soll hier heute nicht Thema sein, denn Colin Baker ist auf andere Weise trotzdem immer noch der Doktor, nur eben in anderen Formaten und bei Conventions.
Erweiterung des Whoniverse durch Hörspiele und Bücher
Schon in den Sechzigern wurde begonnen, die Originalabenteuer in Buchform zu veröffentlichen, sog. Novelisations. Offiziell wurde es 1973 mit den Target Books, bei denen innerhalb von 20 Jahren fast alle Geschichten novelisiert wurden. Darunter auch einige aus der bereits erwähnten 23. Staffel, die nie verfilmt wurden (Missing Episodes). Diese Bezeichnung ist etwas irreführend, da eine ganze Reihe Geschichten der ersten beiden Doktoren, die nicht mehr auf Video existieren, so genannt werden. Dank der Bücher sind diese Abenteuer jedoch erhalten geblieben und da es früher kaum Wiederholungen und natürlich erst Recht keine DVDs gab, war das schriftliche Format für viele Fans der einzige Kontakt zu den früheren Doktoren. Eine Übersicht mit Inhalt, Druckversionen, Rezension etc. gibt es hier. Für Fans des siebten Doktors gibt es die Virgin New Adventures, die nach dem Ende der ursprünglichen Serie bis kurz nach dem Film veröffentlicht wurden (1991−1997). Doch ich greife vor.
Der nächste Schritt nach Büchern waren Hörspiele, die inoffiziell in den Achzigern von Fans gestartet wurden. Audio Visuals hatte keine Lizenz von der BBC und veröffentlichte vier Staffeln (26 Folgen) auf Kassette. Der alternative Doktor wurde von Nicholas Briggs erfunden und gesprochen. Einige Jahre später wechselte er auf die offizielle Seite, d.h. zu Big Finish Productions, wo er viele Geschichten schrieb und mittlerweile ausführender Produzent ist. Fans der neuen Serie wird er als Stimme der Daleks und Cybermen bekannt sein.
Big Finish veröffentlicht seit 1999 Doctor Who-Geschichten und dank Lizenzierung von der BBC werden die Doktoren und Companions von den ursprünglichen Schauspielern gesprochen. Neben Abenteuern des fünften bis achten Doktors gibt es sog. Companion Chronicles und einige Spin-Off-Serien, z.B. Doctor Who Unbound, in denen alternative Versionen des Whoniverse beleuchtet werden. Auch hier gibt es acht Folgen der 23. Staffel, die ab diesem Monat als Lost Stories auf den Markt kommen.

Doctor Who bei Big Finish
Wer sich auf der Seite umsieht, wird schnell sehen, dass die Preise relativ hoch sind (normalerweise zwischen 12 und 18 Euro), auch wenn es im Paket oder Abo billiger ist. Einige Spin-Offs gibt es für einen Fünfer und momentan auch die zweite Geschichte Phantasmagoria mit dem fünften Doktor. Die CD kostet umgerechnet sieben Euro inkl. Versand und das lohnt sich, denn nach dem Kauf erhält man die hervorragende Geschichte sofort als Download (mp3 160kb/s)1. Autor ist übrigens Mark Gatiss, der ebenfalls bei Audio Visuals begann und auf die offizielle Seite gewechselt ist (Drehbücher für die neue TV-Serie für The Unquiet Dead und The Idiot’s Lantern).
Ich arbeite mich gerade in die Hörspiele ein und kann entsprechend kaum Empfehlungen geben. Dafür verweise ich auf den Doctor Who Ratings Guide, wo jeder Rezensionen einschicken kann und von fast allen Audioproduktionen einige verfügbar sind.
Fans des vierten und zehnten Doktors kommen ebenfalls in den Hörgenuss dank BBC Audio. Daneben gibt es noch die alten Geschichten bei der BBC Radio Collection (Original Staging Fiction und Unabridged Stories), von denen es einige im iTunes-Store zu erwerben gibt.

Doctor Who bei iTunes
Den Überblick zu behalten ist schwierig, aber wer Hörbücher mag, hat genug Material für einige Jahre und diverse Möglichkeiten in das Whoniverse einzutauchen. Eine ganz andere Sicht, nämlich den Blick hinter die Kulissen zu den Produzenten, werfe ich im nächsten Teil bei Oliver.
- Hinweis: Einkauf mit dem IE durchführen, da in Opera oder Firefox Fehler auftreten. [↩]
Veröffentlicht von Robert
Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch
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Kategorie: Stöckchen und Paraden
Schlagwort: Doctor Who, Serie, TV


hat bereits 1743 Kommentare abgegeben und schrieb am 6. November 2009 um 22:01:
Vielen Dank für deinen Beitrag, Gäste wie Dich lädt man gerne ein. Nicht nur wegen diesem äußerst guten Beitrag sondern auch wegen seiner Gestaltung. Nächstes mal stelle ich Dir auch einen Kaffee und ein paar Plätzchen ins Backend ;)
hat bereits 52 Kommentare abgegeben und schrieb am 8. November 2009 um 19:45:
colin baker, der doc, zu dem ich noch nichts richtig sagen kann. und irgendwie reizt ermich auch am wenigsten von allen — mag an seiner schon fast wahnhaft grellen kleidung liegen.
und »trial of a timelord« soll ja auch nicht grad leichte kost sein!