22 Dezember
Dum di dodidum da!
Im Rahmen von Konna’s Blogjulklapp 2009 schreibe ich heute nicht wie gewohnt selbst, sondern Bastian vom Blog Das Unwort. Aufgrund meiner persönlicher Inkompetenz habe ich es verschwitzt dem Bastian rechtzeitig einen Zugang einzurichten, 0bwohl ich fest davon ausgegangen war. Das nennt man wohl Autosuggestion. Er war so weise mir den Beitrag per E-Mail zukommen zu lassen, denn ich dann kurzerhand eingefügt habe.
Musik, so sagt man, macht die Menschen froh. Sie erfreut und erhellt die Seele. Sorgt dafür, dass es uns besser geht, wenn wir mal in einem Tief sind. Einige sagen sogar, Musik sei lebenswichtig. Und sie überdauert. Schließlich hören wir immer noch Beatles. Und Phil Collins lebt immer noch. Und Cher auch.
Werfen wir einen Blick auf die aktuellen deutschen Single-Charts: Tabellenführer ist derzeit Aura Dione mit ihrem Knallerhit »I Will Love You Monday«. Das muss ein Lied sein, das die Menschen bewegt! Denn es ist ja auf Platz 1. Schauen wir es uns näher an. Aura Dione singt (zur besseren Verständlichkeit ins Deutsche übersetzt):
Dodidum da
dum dum di di dudidum ah
dum di dodidum da
dum dum di di dudidum ah
Dum di dodidum da
dum dum di di dudidum ah
dum di dodidum da
dum dum di di dudidum
Montag werde ich dich lieben
und Dienstag wirst du mich verletzen.
Donnerstag werde ich dich umbringen,
wenn du mich Mittwoch nicht aufhältst.
Ich werde dir am Freitag vergeben,
am Samstag ist Wiedervereinigung und
Sonntag ist alles wieder vergessen.
365 Tage im Jahr,
laufen herum, laufen herum,
gehen nirgendwohin.
365 Tage und Nächte,
365 Versuche, es richtig zu machen.
Ich finde die erste Strophe, also die mit »Dum di«, besonders vielsagend. Die Ratlosigkeit des lyrischen Ichs wird neologistisch-onomatopoetisch untermauert und uns dadurch um so eindringlicher vor Augen geführt. Oder so. Im Grunde könnte man auch sagen, dass das totaler Unsinn ist und es gar nicht um den Text geht. Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu, aber immer wieder erschreckend. Und es geht so weiter! Denn:
Auf Platz zwei der Charts rangieren die Schwarzäugigen Erbsen mit ihrem Hit »Triff mich auf halber Strecke (klingt vielversprechend); auf Platz fünf naht gewalthaltig Rihanna und »Russisches Roulette«, gefolgt von Das Geschwätz und dem Lied »Schweres Kreuz«. Platz 15 halten David Guetta und Akon mit dem bezeichnenden Titel »Geile Schlampe«. Auf Platz 20 behauptet Rosa: »Ich glaub” dir nicht« und die Königsbeeren von Rang 22 fordern: »Hallo (Mach” das Radio an). Alicia Keys fasst das Geschehen auf Platz 25 der Singlecharts ganz gut zusammen: Das bedeutet nichts.
Mir drängt sich die Frage auf, ob man sich in 30 Jahren, wenn wir alle alt sind, noch an diese ganzen Lieder und, ähh, Stars erinnern wird. Wird eine Band namens Das Geschwätz noch unsere Kinder beschäftigen? Werden auch in 30 Jahren noch Menschen im Musikunterricht »Geile Schlampe« singen? Oder gehen die 90er und 2000er als die musiklosen Jahrzehnte in die Weltgeschichte ein? Vielleicht ist aber auch so: Wenn man überlieferungswürdige aktuelle Musik sucht, ist man in den Charts am falschen Ort.
Was zu beweisen war.
Veröffentlicht von Robert
Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch
auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.
Kategorie: Stöckchen und Paraden
Schlagwort: Unwort


hat bereits 25 Kommentare abgegeben und schrieb am 23. Dezember 2009 um 09:17:
*grien*
Also grundsätzlich hast du durchaus recht.
Ich möchte hier aber auch mal mit einem zwinkernden Auge richtung 90’er Eurodance schielen… da gehörte Sinnfreiheit zum Geschäft :D
Die Achziger waren teilweise auch absolut inhaltslos… sicher musikalisch das Hammerjahrzehnt, aber was Mainstream angeht nicht unbedingt großes Kino…
Schönes beispiel: Laid Back — Bakerman oder auch B52’s — Rock Lobster :D (mir würden jetzt spontan auch noch 10 weitere einfallen…)
Die Siebziger mit ihrem Brutal dämlichen Glamrock waren auch nicht besser… (schau dir mal ne Time Life werbesendung an… es grauselt, wenn man auf die texte achtet)…
Ich finds durchaus mal entspannend, n bisschen Textschwerlastfrei Musik zu hören… Das das im Mainstream leider überwiegend ist, sei mal dahingestellt ;)
Also auf deine Frage zu antworten: Man wird sich erinnern. An manche Dinge vielleicht sogar, WEIL sie dämlich sind.
hat bereits 1 Kommentar abgegeben und schrieb am 23. Dezember 2009 um 14:08:
Ah, dein letzter Satz ist noch wahrer als der Rest deines Kommentars (wenn es diese Steigerung denn gäbe): Ich erinnere mich sogar jetzt noch an den Crazy Frog, der sinnfreier als alles zuvor Dagewesene vor ein paar Jahren die Charts gestürmt hat. Du weißt schon, der grüne Kerl auf dem Motorrad: Möp, möp…
hat bereits 25 Kommentare abgegeben und schrieb am 23. Dezember 2009 um 15:11:
Unter anderem, ja.
Nee ich meinte aber wirklich erfolgreiche, sinnlos Songs.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 24. Dezember 2009 um 16:04:
Schöner Beitrag, dem ich natürlich uneingeschränkt zustimmen kann. Vielleicht auch einer der Gründe warum es den Techno gibt, da verhunzt kein sinnfreier Text die Musik insofern man hier von Musik sprechen kann. Ich unterscheide hier mal Musik in drei Stufen. Erste Stufe: Mir gefällt die Musik, den Text sollte man überhören. Zweite Stufe: Mir gefällt die Musik und der Text passt zum Song. Dritte Stufe: Musik und Text sind perfekt. Die von Basti angeführten Songs erfüllen übrigens keine der fiktiven Stufen :)
hat bereits 25 Kommentare abgegeben und schrieb am 28. Dezember 2009 um 11:40:
Ich denke die aktuelle Entwicklung ist auch ein wenig darauf zu schliessen, das die gesellschaft immer schnellebiger und stumpfer wird.
beispielsweise der trend zum industrial und noise etc… alles wird schneller, krasser und dumpfer. so auch die musik…
vielleicht weniger sinnloses gekloppe als vereinfachung der musik. jetzt hab ich den faden verloren. das kommt davon wenn man manchmal fernsehen hat xD
ich übrigens habe das weniger das ich den text ignorieren kann… aber ich find los ninos del parque trotzdem irgendwie geil xD
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 16. Januar 2010 um 00:15:
@ZeitUngeist: Wobei ich bei dieser stumpfen Musik, ähnlich wie dem Techno nie ganz nachvollziehen konnte, was das dem Hörer gibt. Klar, die Armeschwinger wollen sich Tanzstil mäßig profilieren. Vielleicht sowas wie ein Urinstinkt für rhythmisches Gestampfe (ähnlichen wie bei den Afrikanischen Stämmen)? Wer weiß.
hat bereits 25 Kommentare abgegeben und schrieb am 16. Januar 2010 um 16:55:
tiefe, laute bässe wirken sich auf den herzschlag aus.
was das dem körper gibt, kannst du dir jetzt entweder ausdenken, oder einen arzt befragen ;)
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 20. Januar 2010 um 23:03:
Das führt zu unkontrolliertem Schwingen den Arme und Beine? Au weia, das nächste mal nehme ich mir Gehörschutz mit :)
hat bereits 25 Kommentare abgegeben und schrieb am 21. Januar 2010 um 12:48:
also das mit dem stampfen sehen wir doch beim goa auch zuhauf… ich find das gar nicht schlimm… wenn der eine oder andere körper eben das bedürfnis hat sich so zu bewegen , ist doch okay.
niemand zwingt uns, hinzusehen ^^
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 21. Januar 2010 um 20:57:
Das stimmt. Aber wenn du auf der Tanzfläche von schwingende Extremitäten getroffen wirst, hilft auch weggucken nichts mehr :)
hat bereits 101 Kommentare abgegeben und schrieb am 21. Januar 2010 um 21:08:
Wie sich das wohl bei Drum & Bass auswirkt? Diese Verknicksungen mag ich mir gar nicht vorstellen. ;)
In den 90ern gab es übriges mal „ne Mischform aus Goa Trance und Drum & Bass. Sehr lustig das. Breakbeat-Rhythmen gepaart mit furzenden Goa-Sounds.