26 Januar
Spontis Wochenschau #03
Herrlich. Immer noch ist es schön kalt und frostig, dunkel und schattig. Meine Welt. Eigentlich eine sehr schöne Woche, denn Freitag war die Gelegenheit günstig um einen Tag auszuspannen und am Donnerstag Abend schön in meinem Lieblingsladen abzappeln zu gehen. Pikes sind übrigens im Winter lebensgefährlich, aber das nur am Rande. Rein Thematisch dreht sich diesmal alles um den Schwerpunkt Netzwelt, denn seit ELENA am Start ist, wird im großen Stil gesammelt. Informelle Selbstbestimmung adé.
Neulich habe ich mich mit einem Kollegen unterhalten, der schon seit einer Weile plant einen Internetseite zu eröffnen für die vielen kleinen Programme die er so schreibt, doch er hat Angst vor Abmahnungen, Kontrollen, Gesetzen und juristischen Fallstricken. Zu recht, als Betreibender oder Schreibender ist man leichtes Ziel für die Könige der Abmahnindustrie, einmal nicht aufgepasst, einmal das falsche geschrieben. Grund genug informiert zu sein. Denn Fluch und Segen liegen oftmals sehr nah beieinander.
- Gehet hin und bloggt
Wie Spiegel-Online berichtet appelliert Papst Benedikt an seine Brüder das Internet für die Verbreitung des christlichen Glaubens zu nutzen. »Benedikt appellierte an die Priester, und sagte er lade sie erneut ein, mit Weisheit die »außergewöhnlichen Gelegenheiten zu ergreifen, die sich durch die moderne Kommunikation bieten«. Die neuen Kommunikationsmittel, die das Internet bietet, bezeichnete der Papst als „Agora”, die die Geistlichen nutzen sollten. Eine Agora war im antiken Griechenland ein offener Platz oder Markt für politische, kultische aber auch juristische Handlungen und Rituale.« Markplatz der Religionen? Interessanter Gedanke den die Kirche da verfolgt, bislang haben ja nur Islamistische Blogger auf sich aufmerksam gemacht. Vielleicht eine gute Gelegenheit, wieder Boden des Glaubens gut zu machen. Ob sich die Brüder in der recht nihilistischen Welt der Blogger zurechtfinden? - Wissen ist Macht — Die Datenkrake ELENA
Düstere Aussichten. Seit Jahresbeginn gibt es einen Zentralrechner der deutschen Rentenversicherung sammelt alles, Adresse, Einkommen, Arbeitsstunden, Überstunden, Abwesenheit, Fehlzeiten. Und wer hat wieder seine Finger drin? Von der Leyen. Hoffentlich leuchtet den Wählern dieser Dame bald ein Licht auf, oder besser eine Energiesparlampe. »ELENA ist ein Datenmonster. Die zentrale Speicherung von vielen sensiblen Informationen von rund 40 Millionen Arbeitnehmern. Um das Ausfüllen lästiger Formulare zu vereinfachen und zu verhindern, dass Sozialleistungen abgezockt werden. Ordentliche Bürger müssen da nicht misstrauisch sein? Aber warum misstraut dann der Staat den ordentlichen Bürgern so?« - Internet Speed und Kosten
Bei Red Flog gab es diese Woche eine interessante Grafik zur weltweiten Gegenüberstellung von Internetverbindungsgeschwindigkeiten und Kosten die deutlich zeigt das wir ins Sachen Internetzugang noch einiges nachzuholen haben. Die Stadtmenschen (so wie ich) haben gut reden, schließlich sind wir verwöhnt, aber was ist mit den vielen ländlichen Gegenden die von einem VDSL Zugang nur träumen können? Obwohl ich für diesen Schritt nicht nach Finnland ziehen würde finde ich die Gegenüberstellung sehr interessant.
Der Gedanke von einem freien und unzensierten Internet kann schließlich nur fruchten, wenn es wirklich alle nutzen können. Auf den ersten Blick stehen wir ja dicht hinter den USA was sich aber angesichts der deutlichen größeren Flächen wieder relativiert. Japan und Korea sind demnach einzige Rechenzentren und bilden demnächst ein eigenes Intranet, das jeden Bürger untereinander vernetzt. Vielleicht. Irgendwie erscheint der Gedanken aufregend und gruselig zu gleich. - Deutsche Blogs auf dem Stand vor 2006 angekommen?
Seit 2008 blogge ich und bin damit zu den Hochzeiten der deutschen Blogosphäre eingestiegen, wenn man diese Hochzeit nach der Anzahl der Links bewertet. Seitdem nimmt die Anzahl der Verlinkungen wieder deutlich ab und ist nun auf dem Stand von 2006 angelangt. Gründe? Robert Basic meint: »Mit Aufkommen modernerer Social Networks wie Facebook und Twitter haben sich Verlinkungen auf diese Seiten wohl zu einem guten Teil verlagert.« Dem stimme ich soweit zu, obwohl ich den Einfluss auf die Blogs differenzierter sehe. Der Aussage: »Aufgrund der Vielzahl an Eifersüchteleien, schwachsinnigen Diskussionen ob der Rolle der A-Blogs und anderen Eitelkeiten ist es im Neiderland Deutschland sichtlich nicht möglich, kraftvolle, zusammen arbeitende Blognetzwerke […] auf die Beine zu stellen, um eine Gegenöffentlichkeit zur zunehmend kostenorientierten Presselandschaft zu schaffen.« kann ich aber nur in vollem Umfang beipflichten. In Deutschland zählt eben nur das, was als Zeugnis vorliegt oder durch Medienpräsenz suggeriert wird. »Auf einer Augenhöhe« mit unbekannte zu diskutieren und sich zu verlinken gibt es nicht, der deutsche Blogger ist Perfektionist und kommentiert latent klugscheisserisch. Links zu älteren, jüngeren, schlaueren, dümmeren, berühmteren und unbekannteren macht man nicht, schließlich steht der eigene Ruf auf dem Spiel. 2010 wird alles besser, bestimmt! - Gesperrt, gefiltert, abgeklemmt: Das unfreie Netz
Der elektrische Reporter fasst in seiner neuesten Ausgabe nocheinmal das Thema Internetzensur zusammen und zeigt, wie weit wir davon entfernt sind selbst einmal dort zu landen, worüber wir uns in anderen Ländern aufregen. »Derweil tagen die hinter verschlossenen Türen die führenden Wirtschaftsnationen zum Thema “geistiges Eigentum” — auf ihrer Tagesordnung stehen auch Netzsperren bei Urheberrechtsverstößen.« Wieder was neues für die Abmahnindustrie.
(Bilderquelle: Bundesarchiv@Wikipedia)
Veröffentlicht von Robert
Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch
auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.
Kategorie: Vernetzt, Wochenschau
Schlagwort: Blogosphäre, Elena, kirche, Netzwelt, Wochenschau


hat bereits 52 Kommentare abgegeben und schrieb am 27. Januar 2010 um 08:29:
tja, das mit der internetgeschwindigkeit und –verbreitung ist traurig für uns. an frankreich und die niederlande ranzukommen sollte echt mal angegangen werden, es muss ja nicht direkt japan und korea sein!
hat bereits 158 Kommentare abgegeben und schrieb am 30. Januar 2010 um 18:57:
Wir haben kein VDSL, noch nicht ;) D.h. Home Entertainment & Co. hält bei uns noch nicht Einzug …ergo warten wir bis der rosa Riese wieder zuschlägt und ausbaut. Etwas verwundert hat mich die Geschwindigkeit der USA dann doch etwas, ich dachte die sind schneller unterwegs.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 30. Januar 2010 um 23:58:
@tobi: Vor allem in Sachen Verbreitung (siehe Stoffel) ist noch viel zu tun. Was für den Rosa Riesen nicht lukrativ erscheint wird auch nicht durchgeführt und das obwohl das grundlegende Netz einmal vom Steuerzahler bezahlt wurde.
@stoffel: Ich hoffe das wird noch was, denn das zählt für mich zu den besseren Errungenschaften der neuen multimedialen Welt. Nein, wirklich schnell sind die Amerikaner nicht unterwegs, dafür ist der Ausbau und die Verfügbarkeit etwas besser.