23 August
Spontis Wochenschau #26
Heute bin ich in Berlin, unserer schönen Hauptstadt und werde wie ein Staubsauger die Eindrücke die mich hier erwarten, aufsaugen. Ich fürchte nur, ich muss den vollen Beutel dann zu hause aufschneiden um noch mal nach zuschauen, was sich alles darin angesammelt hat. Die Wochenschau habe ich daher von langer Hand vorbereitet, akribisch zusammengetragen und liebevoll umschrieben um sie dann letztendlich doch dem Automatismus des Systems zu unterwerfen. Ich bin eben gerne vorbereitet. Das bedeutet natürlich auch, das die Einträge zwar nicht mehr ganz taufrisch sind, aber dennoch nichts an ihrem Wert eingebüßt haben. Aber was ist im Netz schon taufrisch? Stunden sind hier Tage, Tage sind Wochen und Wochen oft Monate. Glücklicherweise vergisst das Netz nicht so schnell, sagt man jedenfalls. Aber das Netz übersieht sehr schnell, reagiert oft impulsiv und massendynamisch auf das was publiziert und dann multipliziert wird. »Wenn 20 Leute darüber bloggen, wird es schon ein Skandal sein!«. So ist es leider nicht immer. Entwickelt eure Meinung lieber selbst und steht dazu um andere davon zu überzeugen oder einzugestehen, das man sich doch geirrt hat. Ein paar Anregungen zur Meinungsfindungen gibt es hier.
- Rückgrat in einer Geschenkbox für Leute, die keins haben
Ja, bei Nerdcore findet man in der Tat alles. Ich denke, das können wir jetzt einfach mal so stehen lassen: »Das perfekte Geschenk für Politiker: Ein Rückgrat (leider kein richtig echtes) mit der Aufschrift: For you, since you don’t have one of your own.« Mich erinnert das auch immer an das Lied Kinder von Bettina Wegner in dem es heißt: »Ist so’n kleines Rückgrat, sieht man fast noch nicht — darf man niemals beugen, weil es sonst zerbricht — gerade klare Menschen, wär’n ein schönes Ziel — Leute ohne Rückgrat, haben wir schon zu viel.« - Doku: Kieler Straßengangs zu Beginn der 90er
Beim Kraftfuttermischwerk gab es jüngst wieder eine spannende Doku zu sehen, in der Spiegel-TV zu Beginn der 90er in Kiel gastiert und dabei die Rivalität der Ortsansässigen Straßengangs thematisiert. »Kneipenterroristen« und »Blue Brothers« wie sich die jungen Männer nennen, die eigentlich dauerbreit sind und ihren männlichen Gewaltfantasien frei Lauf lassen und mit Frauen sowieso nicht am Hut haben. »Die Kneipenterroristen waren eine Kieler Straßengang aus den frühen Neunzigern, die sich häufig mit der verfeindeten Blue Brothers Gang aus Laboe schlug. Diese Spiegel TV Reportage »Youth Wars« von 1991 zeigt das Leben in der Gruppe und ein paar Kneipenterroristen kommen zu Wort.« - Death Metal: Herr Blutgott aus dem Lehrerzimmer | SPoN
Thomas Gurrath legt mit seiner Death-Metal-Band kunstbluttriefende Auftritte und Videos hin. Gleichzeitig möchte er Lehrer sein, in Baden-Württemberg wurde ihm der Ausstieg nahegelegt. Als er nach Urlaub für eine bevorstehende Tournee seiner Band fragte, googelte ein Mitarbeiter sein Namen genauer und stolperte über die Bandseite, auf der Gurrath mit einer Kettensäge und Blutverschmiert vor einer halbnackten Frau zu sehen ist: »Barbara Graf, 56, leitet die Schule an der Gurrath Referendar war. Sie erfuhr durch das Regierungspräsidium von Gurraths Nebenjob und war schockiert. Ein Musikvideo fand sie besonders erschreckend, in dem eine Frau von Monstern verfolgt wird, die ihr am Ende die Beine abhacken. Kill Maim Burn heißt es, »töten, verstümmeln, verbrennen«. Ein billig gemachter Streifen, ein bisschen wie eine brutale Version von Michael Jacksons Thriller-Video, nur viel schlechter.« - Tjoste — Der nächste Extremsport?
Cynxpire verlinkt auf einen urspünglichen Artikel in der New York Times in der es mehr oder weniger um die Frage geht, ob Tjoste — das mittelalterliche auf-einander-zu-reiten um den anderen mit der Lanze vom Sattel zu hauen — die nächste Extremsportart werden könnte. Und in der Tat, abwegig erscheint der Gedanke nicht, immer wieder formieren sich neue mittelalterliche Gruppen die diese inszenierten Kämpfe auf Ritterfesten und Turnieren zum Besten geben. Ich bin mir fast sicher, das es nur eine Frage der Zeit sein dürfte, bis man daraus einen entsprechenden Wettbewerb formt. Ein Extremsportart vielleicht nicht, aber einer ernstzunehmende Randsportart. - arte Tracks über Cyberpunk
Ziemlich großartige Zusammenfassung dessen, was das Schaffen von William Gibson angeht. Und obwohl die Werke von Gibson sicherlich nicht zu den aktuellen Bestsellerlisten gehören, so bleiben sie doch zeitlose Werke düsterer Zukunftszenarien in der die Maschinen die Menschheit knechten. Mit der Welt von »Star Trek« war er nie einverstanden und beschloss, sich seine eigene Zukunft zu kreieren. Von wegen heile Welt. »Alles entwickelt sich so rasant, das es unmöglich erscheint sich vorzustellen, wie die Welt von morgen aussehen mag.« - Dancing Auschwitz
Im Internet gibt es ein Video (wo auch sonst) in dem der Holocaust Überlebende Adam Kohn zusammen mit einigen Leuten zu dem Disco-Klassiker »I will Survive« auf dem ehemaligen Gelände des KZ-Auschwitz tanzen. Marc von Testspiel fragt: Darf man in Auschwitz tanzen? Er zitiert dabei durchaus differenzierte Meinungen die alle zwischen Kunst, Provokation und Dummheit dümpeln. Auch ich habe meine Meinungsfindung noch nicht vollständig abgeschlossen, denke aber vorab, das — auf der einen Seite — ein so riesiger Friedhof nicht der richtige Ort ist sich mit der Vergangenheit »komisch« auseinanderzusetzen. Auf der anderen Seite ist da der Triumph des Überlebenden der vor der Hinrichtungsmaschine der Nazis die Finger zum Victory-Zeichen erhebt und damit späte moralische Rache an der Ideologie kranker Individuen übt. - Selbstmord-Gemüse
Was als Harakiri immer schon mit der rituellen japanischen Selbstötung Seppuku verwechselt wird findet in diesem Manga seine vegetarische Manifestation. Pixella Panik hat dieses Video ausgegraben, das mich so sehr an Alien 3 erinnert, als Ripley sich mit dem schlüpfen Alien in die heißen Fluten des flüssigen Metalls stürzt. *seufz*
Veröffentlicht von Robert
Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch
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Kategorie: Vernetzt, Wochenschau
Schlagwort: Auschwitz, Death Metal, Tjosten, Videos, Wochenschau

