23 August

Spontis Wochenschau #26

Kategorie: Vernetzt, Wochenschau — Jahrgang: 2010Keine Kommentare

Spontis WochenschauHeute bin ich in Ber­lin, unse­rer schö­nen Haupt­stadt und werde wie ein Staub­sau­ger die Ein­drü­cke die mich hier erwar­ten, auf­sau­gen. Ich fürchte nur, ich muss den vol­len Beu­tel dann zu hause auf­schnei­den um noch mal nach zuschauen, was sich alles darin ange­sam­melt hat. Die Wochen­schau habe ich daher von lan­ger Hand vor­be­rei­tet, akri­bisch zusam­men­ge­tra­gen und lie­be­voll umschrie­ben um sie dann letzt­end­lich doch dem Auto­ma­tis­mus des Sys­tems zu unter­wer­fen. Ich bin eben gerne vor­be­rei­tet. Das bedeu­tet natür­lich auch, das die Ein­träge zwar nicht mehr ganz tau­frisch sind, aber den­noch nichts an ihrem Wert ein­ge­büßt haben. Aber was ist im Netz schon tau­frisch? Stun­den sind hier Tage, Tage sind Wochen und Wochen oft Monate. Glück­li­cher­weise ver­gisst das Netz nicht so schnell, sagt man jeden­falls. Aber das Netz über­sieht sehr schnell, rea­giert oft impul­siv und mas­sen­dy­na­misch auf das was publi­ziert und dann mul­ti­pli­ziert wird. »Wenn 20 Leute dar­über blog­gen, wird es schon ein Skan­dal sein!«. So ist es lei­der nicht immer. Ent­wi­ckelt eure Mei­nung lie­ber selbst und steht dazu um andere davon zu über­zeu­gen oder ein­zu­ge­ste­hen, das man sich doch geirrt hat. Ein paar Anre­gun­gen zur Mei­nungs­fin­dun­gen gibt es hier.

  • Rück­grat in einer Geschenk­box für Leute, die keins haben
    Ja, bei Nerd­core fin­det man in der Tat alles. Ich denke, das kön­nen wir jetzt ein­fach mal so ste­hen las­sen: »Das per­fekte Geschenk für Poli­ti­ker: Ein Rück­grat (lei­der kein rich­tig ech­tes) mit der Auf­schrift: For you, since you don’t have one of your own.« Mich erin­nert das auch immer an das Lied Kin­der von Bet­tina Weg­ner in dem es heißt: »Ist so’n klei­nes Rück­grat, sieht man fast noch nicht — darf man nie­mals beu­gen, weil es sonst zer­bricht — gerade klare Men­schen, wär’n ein schö­nes Ziel — Leute ohne Rück­grat, haben wir schon zu viel.«
  • Doku: Kie­ler Stra­ßen­gangs zu Beginn der 90er
    Beim Kraft­fut­ter­mi­sch­werk gab es jüngst wie­der eine span­nende Doku zu sehen, in der Spiegel-TV zu Beginn der 90er in Kiel gas­tiert und dabei die Riva­li­tät der Orts­an­säs­si­gen Stra­ßen­gangs the­ma­ti­siert. »Knei­pen­ter­ro­ris­ten« und »Blue Bro­thers« wie sich die jun­gen Män­ner nen­nen, die eigent­lich dau­er­breit sind und ihren männ­li­chen Gewalt­fan­ta­sien frei Lauf las­sen und mit Frauen sowieso nicht am Hut haben. »Die Knei­pen­ter­ro­ris­ten waren eine Kie­ler Stra­ßen­gang aus den frü­hen Neun­zi­gern, die sich häu­fig mit der ver­fein­de­ten Blue Bro­thers Gang aus Laboe schlug. Diese Spie­gel TV Repor­tage »Youth Wars« von 1991 zeigt das Leben in der Gruppe und ein paar Knei­pen­ter­ro­ris­ten kom­men zu Wort.«
  • Death Metal: Herr Blut­gott aus dem Leh­rer­zim­mer | SPoN
    Tho­mas Gur­rath legt mit sei­ner Death-Metal-Band kunst­blut­trie­fende Auf­tritte und Videos hin. Gleich­zei­tig möchte er Leh­rer sein, in Baden-Württemberg wurde ihm der Aus­stieg nahe­ge­legt. Als er nach Urlaub für eine bevor­ste­hende Tour­nee sei­ner Band fragte, goo­gelte ein Mit­ar­bei­ter sein Namen genauer und stol­perte über die Band­seite, auf der Gur­rath mit einer Ket­ten­säge und Blut­ver­schmiert vor einer halb­nack­ten Frau zu sehen ist:  »Bar­bara Graf, 56, lei­tet die Schule an der Gur­rath Refe­ren­dar war. Sie erfuhr durch das Regie­rungs­prä­si­dium von Gur­raths Neben­job und war scho­ckiert. Ein Musik­vi­deo fand sie beson­ders erschre­ckend, in dem eine Frau von Mons­tern ver­folgt wird, die ihr am Ende die Beine abha­cken. Kill Maim Burn heißt es, »töten, ver­stüm­meln, ver­bren­nen«. Ein bil­lig gemach­ter Strei­fen, ein biss­chen wie eine bru­tale Ver­sion von Michael Jack­sons Thriller-Video, nur viel schlech­ter.«
  • Tjoste — Der nächste Extrem­sport?
    Cynx­pire ver­linkt auf einen urspüng­li­chen Arti­kel in der New York Times in der es mehr oder weni­ger um die Frage geht, ob Tjoste — das mit­tel­al­ter­li­che auf-einander-zu-reiten um den ande­ren mit der Lanze vom Sat­tel zu hauen — die nächste Extrem­sport­art wer­den könnte. Und in der Tat, abwe­gig erscheint der Gedanke nicht, immer wie­der for­mie­ren sich neue mit­tel­al­ter­li­che Grup­pen die diese insze­nier­ten Kämpfe auf Rit­ter­fes­ten und Tur­nie­ren zum Bes­ten geben. Ich bin mir fast sicher, das es nur eine Frage der Zeit sein dürfte, bis man dar­aus einen ent­spre­chen­den Wett­be­werb formt. Ein Extrem­sport­art viel­leicht nicht, aber einer ernst­zu­neh­mende Randsportart.
  • arte Tracks über Cyber­punk
    Ziem­lich groß­ar­tige Zusam­men­fas­sung des­sen, was das Schaf­fen von Wil­liam Gib­son angeht. Und obwohl die Werke von Gib­son sicher­lich nicht zu den aktu­el­len Best­sel­ler­lis­ten gehö­ren, so blei­ben sie doch zeit­lose Werke düs­te­rer Zukunfts­ze­na­rien in der die Maschi­nen die Mensch­heit knech­ten. Mit der Welt von »Star Trek« war er nie ein­ver­stan­den und beschloss, sich seine eigene Zukunft zu kre­ie­ren. Von wegen heile Welt. »Alles ent­wi­ckelt sich so rasant, das es unmög­lich erscheint sich vor­zu­stel­len, wie die Welt von mor­gen aus­se­hen mag.«
  • Dancing Ausch­witz
    Im Inter­net gibt es ein Video (wo auch sonst) in dem der Holo­caust Über­le­bende Adam Kohn zusam­men mit eini­gen Leu­ten zu dem Disco-Klassiker »I will Sur­vive« auf dem ehe­ma­li­gen Gelände des KZ-Auschwitz tan­zen.  Marc von Test­spiel fragt: Darf man in Ausch­witz tan­zen? Er zitiert dabei durch­aus dif­fe­ren­zierte Mei­nun­gen die alle zwi­schen Kunst, Pro­vo­ka­tion und Dumm­heit düm­peln. Auch ich habe meine Mei­nungs­fin­dung noch nicht voll­stän­dig abge­schlos­sen, denke aber vorab, das — auf der einen Seite — ein so rie­si­ger Fried­hof nicht der rich­tige Ort ist sich mit der Ver­gan­gen­heit »komisch« aus­ein­an­der­zu­set­zen. Auf der ande­ren Seite ist da der Tri­umph des Über­le­ben­den der vor der Hin­rich­tungs­ma­schine der Nazis die Fin­ger zum Victory-Zeichen erhebt und damit späte mora­li­sche Rache an der Ideo­lo­gie kran­ker Indi­vi­duen übt.
  • Selbstmord-Gemüse
    Was als Hara­kiri immer schon mit der ritu­el­len japa­ni­schen Selbstö­tung Sep­puku ver­wech­selt wird fin­det in die­sem Manga seine vege­ta­ri­sche Mani­fes­ta­tion. Pixella Panik hat die­ses Video aus­ge­gra­ben, das mich so sehr an Alien 3 erin­nert, als Ripley sich mit dem schlüp­fen Alien in die hei­ßen Flu­ten des flüs­si­gen Metalls stürzt. *seufz*

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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