2 August
Spontis Wochenschau #23
Eine Woche, die mich immer wieder in Wut versetzt hat. Wut darüber, was Profitgier und Kommerz aus der Loveparade gemacht haben. Wut darüber das niemand im Stande ist seine Fehler einzugestehen. Eine Trauerfeier, in der in der ersten Reihe Menschen sitzen die beklagen es würde noch so viele Antworten auf so viele Fragen geben. Vielleicht möchte man aber auch die Antworten die es schon gibt nicht lesen. Man kündigt Konsequenzen an, bleibt abzuwarten was davon in einigen Monaten übrig bleibt.
Aber auch entlang der Schlagzeile dieser Tage gibt es wieder viele und interessante Artikel, Internetseiten und Videos die Aufmerksamkeit verdient haben. Allen voran wieder eine eindringliche Dokumentation die ich in der Mediathek des ARD gefunden habe über das, was Magersucht den betreffenden bedeutet. Was gibt es noch zu entdecken? Ein Poster aus Blut, Horrorpuppen, Eva Hermann über göttliche Gewalt und ein Video über das legendäre Necronomicon.
- Dünn bis in den Tod — Meine Freundin die Magersucht
Eingehend, erschütternd, eindringlich: »In deutschen psychiatrischen Kliniken liegen mittlerweile bereits zehnjährige Mädchen, die zwangsernährt werden müssen. Diagnose: Anorexia nervosa — Magersucht. Keine andere psychische Krankheit fordert eine so hohe Zahl an Todesopfern und ist so schwer zu behandeln. In Deutschland sollen 100.000 Mädchen und junge Frauen davon betroffen sein, das ist dreimal so viel wie vor zehn Jahren. Außerdem sind die Betroffenen heute jünger, und es trifft zunehmend auch Jungen. Umso besorgniserregender ist neuerdings ein Gespenst, das im weltweiten Netz umgeht: Da nennen junge Frauen eine gewisse „Ana” ihre beste Freundin — „Ana” ist die personifizierte Magersucht. In „Pro Ana”-Foren und auf Websites bestärken sich vor allem 13– bis 30-Jährige darin, nichts mehr zu essen. Es ist eine Art elektronischer Geheimbund, der seine weiblichen Mitglieder auf extreme Verhaltensregeln verpflichtet, die in zehn Pro-Ana-Geboten formuliert sind: „Wenn ich nicht dünn bin, kann ich nicht attraktiv sein!” - Konzertposter das mit menschlichem Blut gedruckt wurde
Bei Nerdcore fand ich in der letzten Woche eine ziemlich verstörende Überschrift, die ein bisschen nach Mystischem Unsinn klang, doch die Fotodokumentation auf den verlinkten Seiten beweist offenbar das Gegenteil, wie auch René schreibt: »Die schwedische Black Metal-Band Watain hat das Poster zu ihrem Gig in London mit Blut drucken lassen, ich gehe sehr davon aus, dass es das Blut der Bandmitglieder war.« Interessant ist auch der Designer des ganzen, das in Frankreich gegründete Label Metastazis, das mit seinen Bilder die Grenzen des guten Geschmackes zu streifen versucht und dabei bewusst visuelle Grenzen der Mainstream-Gesellschaft überschreitet. Auch ideologisch setzt sich das mittlerweile von New York aus agierende Unternehmen keine Grenzen, so offenbart die Referenzliste beispielsweise auch von Thronstahl und andere Bands die sich immer wieder an den Rändern künstlerischer Freiheit bewegen. Finde ich jedenfalls. Dennoch entbehrt das Poster nicht einer gewissen Faszination, der auch ich mich nicht entziehen kann. - Living Dead Dolls
Karnstein spielt mit Puppen, könnte man meinen. Jedenfalls berichtet er in einem erklärenden Artikel über die Living Dead Dolls, bei denen es sich entgegen meiner ursprünglichen Annahme nicht um eine neue Band handelt sondern um Horror-Puppen, die sich teilweise an historische oder filmische Vorlagen orientiert und so durchaus ein Stückchen Creepyness in die eigenen vier Wände bringen können. Mich erinnert das ganze eher an Chucky die Mörderpuppe, mit der ich 1988 meine ersten Erfahrung in Sachen Puppenmord sammeln konnte. Einer gewissen Affinität zu »düsterer Niedlichkeit« wie Karnstein sie treffend nannte kann ich mich jedoch entziehen. - Eva Herman vermutet Gott hinter Massenpanik
Wieso wundert mich das nicht? Nach zahlreichen verbalen und thematischen Entgleisungen entdeckt EX-Tagesschau Sprecherin Eva Herman die Provokation und Polemik für sich. In einigen Artikeln hält sie die Loveparade für Sodom & Gomorrha und hält das Unglück selbst für göttliche Fügung. Vielleicht ein letzter Verzweifelter Akt Aufmerksamkeit der Medien zu erhaschen, die auf fragwürdigen Meinungen basiert, nichts mit Recherche zu tun hat und weder Sachlich Neutral zu lesen ist. Gäbe es eine Zulassung für Journalisten, man sollte sie ihr entziehen, denn neben dem ursprünglichen Beitrag »Eva Herman, Journalistin« zu lesen ist für mich eine Beleidigung des Berufsstandes an sich. Stefan Niggemeier fasst zusammen. - Das Necronomicon
»Das Buch Necronomicon ist die wohl berühmteste Schöpfung des US-amerikanischen Horror-Autors H. P. Lovecraft. Dieses fiktive Buch ist in die Horror– und Fantasyliteratur eingegangen wie kaum ein anderes, und zahlreiche andere Autoren erwähnen es in ihren Werken.« Es ist nicht länger fiktiv, sondern bitter süße Realität, vielleicht. Neugierige und gekalkte Nasen vertiefen sich in den Untiefen des Netzes.
(Bildquelle: Bundesarchiv@Wikipedia, Nerdcore)
Veröffentlicht von Robert
Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch
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Kategorie: Vernetzt, Wochenschau
Schlagwort: links, Wochenschau


hat bereits 259 Kommentare abgegeben und schrieb am 2. August 2010 um 20:43:
Zu Eva Herman: Selten habe ich einen derart dämlichen Kommentar zu einem so traurigen Ereignis gelesen. Gut, Frau Herman hat sich ja schon dann und wann mal als debile Person qualifiziert, aber daß sie in Ihrer Pseudo-Moral gleich mal 2000 Jahre zurückspringt, hat mich letztendlich zu der Frage bewegt, ob bei ihr die Synapsen noch Kontakt zu den Nachbar-Synapsen haben.
hat bereits 162 Kommentare abgegeben und schrieb am 3. August 2010 um 18:32:
Die Sache mit dem Blut-Poster erinnert mich ein bisschen an Andres Serrano, der einige Bilder mit menschlichen Körperflüssigkeiten erstellt hat, z.B. »Semen and Blood III« (also sein eigenes Blut und Sperma), was das Cover eines Metallica-Albums ziert.
Auch eher schräg…
Der Necronomicon-Werbespot passt da ja schon fast ins Thema, ist das nicht in Abschriften auch in Blut erhalten (also selbstverständlich rein in der fiktiven Editions-Geschichte)?
Mit Puppen spiele ich zwar nicht, aber der Faszination für diese Viecher kann ich mich eben offebar deutlich weniger entziehen als du ^^
hat bereits 323 Kommentare abgegeben und schrieb am 3. August 2010 um 19:24:
Also dieses Blutposter fasziniert mich auch … ist doch mal eine Idee! Die Auflage wird dafür allerdings nicht sehr groß sein, sonst ist von den Bandmitgliedern bald nix mehr übrig *lach*
@vonKarnstein: Die Puppen meine ich hier im Gothicshop schon gesehen zu haben. Nicht mein Ding.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 3. August 2010 um 23:21:
@Vizioon: Ich denke, Synapsen haben auch ihren Stolz, die sind sicherlich im Sommerurlaub.
@Karnstein: Interessanter Querverweis, der war mir noch nicht in dieser Form bekannt und wirft doch ein paar »Nachmacher«-Aspekte auf. Wobei ich aber fragen muss, ob man seine »Kunst« noch als solche im klassischen Sinne versteht. Ekeltherapie wäre vielleicht ein besserer Begriff in dem Zusammenhang :)
@shan_dark: Soweit ich weiß, war auch nur nach einem Poster Ende im Gelände und das soll auch noch verkauft werden. Vielleicht erobert die Idee bald die Porträtzeichner, das eigene Gesicht im eigenen Blut. Wäre auf jeden Fall äußerst authentisch. ;)
hat bereits 259 Kommentare abgegeben und schrieb am 4. August 2010 um 21:20:
Irgendwie definiert das wohl auch die Szene: Sperma-und Blut-Poster sind interessanter als der Tod von 21 Menschen.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 5. August 2010 um 15:03:
Was hat denn das miteinander zu tun? Darüber hinaus: Du findest den Tod von 21 Menschen interessant? Ich finde ihn schockierend, da kann ich nichts, aber auch gar nichts interessantes daran finden.
hat bereits 259 Kommentare abgegeben und schrieb am 5. August 2010 um 19:49:
Ja, finde ich interessant. Und was das miteinander zu tun hat? Ok, ich versuche es Dir zu erklären: Hast Du die obenstehenden Kommentare gelesen? Ich vermute, daß Du hast es nicht. Denn da geht es nicht um 21 Tote. Das Interessante ist eben, daß es weder Dich noch die beiden anderen interessiert, denn da geht es um Puppen, Blut und Sperma.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 5. August 2010 um 20:42:
Und das hat immer noch nichts miteinander zu tun. Nur weil ich nichts zu 21 Toten schreibe oder kommentiere, heißt es nicht ich schere mich nicht um das was passiert ist. Im übrigen geht es auch im Artikel nur um Frau Herman’s unpassenden Kommentar zu dem Unglück, nicht um das Unglück selbst oder die 21 Toten, denn das habe ich einem anderen Artikel bereits und für mich verarbeitet.
hat bereits 259 Kommentare abgegeben und schrieb am 6. August 2010 um 20:17:
@Robert: Ich vermute, wir sprechen aneinander vorbei. Um Deine Reaktion ging es mir nicht, denn Deine Position hast Du klar gemacht. Ich bin erschüttert, daß es überhaupt zu Verletzten, und starr vor Angst, daß es zu Toten gekommen ist. Das ist grauenhaft und traurig. Ich war und bin nur etwas überrascht, daß die Kommentare dazwischen sich nicht damit befasst haben.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 13. September 2010 um 21:21:
Das klingt einleuchtender. Man muss sich aber nicht zwangsläufig mit der Thematik auseinandersetzen, gerade da es hier um Frau Herman’s merkwürdige Gedanken dazu geht.