2 August

Spontis Wochenschau #23

Kategorie: Vernetzt, Wochenschau — Jahrgang: 201010 Kommentare

Spontis WochenschauEine Woche, die mich immer wie­der in Wut ver­setzt hat. Wut dar­über, was Pro­fit­gier und Kom­merz aus der Love­pa­rade gemacht haben. Wut dar­über das nie­mand im Stande ist seine Feh­ler ein­zu­ge­ste­hen. Eine Trau­er­feier, in der in der ers­ten Reihe Men­schen sit­zen die bekla­gen es würde noch so viele Ant­wor­ten auf so viele Fra­gen geben. Viel­leicht möchte man aber auch die Ant­wor­ten die es schon gibt nicht lesen. Man kün­digt Kon­se­quen­zen an, bleibt abzu­war­ten was davon in eini­gen Mona­ten übrig bleibt.

Aber auch ent­lang der Schlag­zeile die­ser Tage gibt es wie­der viele und inter­es­sante Arti­kel, Inter­net­sei­ten und Videos die Auf­merk­sam­keit ver­dient haben. Allen voran wie­der eine ein­dring­li­che Doku­men­ta­tion die ich in der Media­thek des ARD gefun­den habe über das, was Mager­sucht den betref­fen­den bedeu­tet. Was gibt es noch zu ent­de­cken? Ein Pos­ter aus Blut, Hor­ror­pup­pen, Eva Her­mann über gött­li­che Gewalt und ein Video über das legen­däre Necronomicon.

  • Dünn bis in den Tod — Meine Freun­din die Mager­sucht
    Ein­ge­hend, erschüt­ternd, ein­dring­lich: »In deut­schen psych­ia­tri­schen Kli­ni­ken lie­gen mitt­ler­weile bereits zehn­jäh­rige Mäd­chen, die zwangs­er­nährt wer­den müs­sen. Dia­gnose: Anor­exia ner­vosa — Mager­sucht. Keine andere psy­chi­sche Krank­heit for­dert eine so hohe Zahl an Todes­op­fern und ist so schwer zu behan­deln. In Deutsch­land sol­len 100.000 Mäd­chen und junge Frauen davon betrof­fen sein, das ist drei­mal so viel wie vor zehn Jah­ren. Außer­dem sind die Betrof­fe­nen heute jün­ger, und es trifft zuneh­mend auch Jun­gen. Umso besorg­nis­er­re­gen­der ist neu­er­dings ein Gespenst, das im welt­wei­ten Netz umgeht: Da nen­nen junge Frauen eine gewisse „Ana” ihre beste Freun­din — „Ana” ist die per­so­ni­fi­zierte Mager­sucht. In „Pro Ana”-Foren und auf Web­sites bestär­ken sich vor allem 13– bis 30-Jährige darin, nichts mehr zu essen. Es ist eine Art elek­tro­ni­scher Geheim­bund, der seine weib­li­chen Mit­glie­der auf extreme Ver­hal­tens­re­geln ver­pflich­tet, die in zehn Pro-Ana-Geboten for­mu­liert sind: „Wenn ich nicht dünn bin, kann ich nicht attrak­tiv sein!
  • Kon­zert­pos­ter das mit mensch­li­chem Blut gedruckt wurde
    Bei Nerd­core fand ich in der letz­ten Woche eine ziem­lich ver­stö­rende Über­schrift, die ein biss­chen nach Mys­ti­schem Unsinn klang, doch die Foto­do­ku­men­ta­tion auf den ver­link­ten Sei­ten beweist offen­bar das Gegen­teil, wie auch René schreibt: »Die schwe­di­sche Black Metal-Band Watain hat das Pos­ter zu ihrem Gig in Lon­don mit Blut dru­cken las­sen, ich gehe sehr davon aus, dass es das Blut der Band­mit­glie­der war.« Inter­es­sant ist auch der Desi­gner des gan­zen, das in Frank­reich gegrün­dete Label Metas­ta­zis, das mit sei­nen Bil­der die Gren­zen des guten Geschma­ckes zu strei­fen ver­sucht und dabei bewusst visu­elle Gren­zen der Mainstream-Gesellschaft über­schrei­tet.  Auch ideo­lo­gisch setzt sich das mitt­ler­weile von New York aus agie­rende Unter­neh­men keine Gren­zen, so offen­bart die Refe­renz­liste bei­spiels­weise auch von Thron­stahl und andere Bands die sich immer wie­der an den Rän­dern künst­le­ri­scher Frei­heit bewe­gen. Finde ich jeden­falls. Den­noch ent­behrt das Pos­ter nicht einer gewis­sen Fas­zi­na­tion, der auch ich mich nicht ent­zie­hen kann.
  • Living Dead Dolls
    Karn­stein spielt mit Pup­pen, könnte man mei­nen. Jeden­falls berich­tet er in einem erklä­ren­den Arti­kel über die Living Dead Dolls, bei denen es sich ent­ge­gen mei­ner ursprüng­li­chen Annahme nicht um eine neue Band han­delt son­dern um Horror-Puppen, die sich teil­weise an his­to­ri­sche oder fil­mi­sche Vor­la­gen ori­en­tiert und so durch­aus ein Stück­chen Cree­py­ness in die eige­nen vier Wände brin­gen kön­nen. Mich erin­nert das ganze eher an Chu­cky die Mör­der­puppe, mit der ich 1988 meine ers­ten Erfah­rung in Sachen Pup­pen­mord sam­meln konnte. Einer gewis­sen Affi­ni­tät zu »düs­te­rer Nied­lich­keit« wie Karn­stein sie tref­fend nannte kann ich mich jedoch entziehen.
  • Eva Her­man ver­mu­tet Gott hin­ter Mas­sen­pa­nik
    Wieso wun­dert mich das nicht? Nach zahl­rei­chen ver­ba­len und the­ma­ti­schen Ent­glei­sun­gen ent­deckt EX-Tagesschau Spre­che­rin Eva Her­man die Pro­vo­ka­tion und Pole­mik für sich. In eini­gen Arti­keln hält sie die Love­pa­rade für Sodom & Gomor­rha und hält das Unglück selbst für gött­li­che Fügung. Viel­leicht ein letz­ter Ver­zwei­fel­ter Akt Auf­merk­sam­keit der Medien zu erha­schen, die auf frag­wür­di­gen Mei­nun­gen basiert, nichts mit Recher­che zu tun hat und weder Sach­lich Neu­tral zu lesen ist. Gäbe es eine Zulas­sung für Jour­na­lis­ten, man sollte sie ihr ent­zie­hen, denn neben dem ursprüng­li­chen Bei­trag »Eva Her­man, Jour­na­lis­tin« zu lesen ist für mich eine Belei­di­gung des Berufs­stan­des an sich. Ste­fan Nig­ge­meier fasst zusammen.
  • Das Necro­no­mi­con
    »Das Buch Necro­no­mi­con ist die wohl berühm­teste Schöp­fung des US-amerikanischen Horror-Autors H. P. Love­craft. Die­ses fik­tive Buch ist in die Hor­ror– und Fan­tasyli­te­ra­tur ein­ge­gan­gen wie kaum ein ande­res, und zahl­rei­che andere Auto­ren erwäh­nen es in ihren Wer­ken.« Es ist nicht län­ger fik­tiv, son­dern bit­ter süße Rea­li­tät, viel­leicht. Neu­gie­rige und gekalkte Nasen ver­tie­fen sich in den Untie­fen des Net­zes.
(Bild­quelle: Bundesarchiv@Wikipedia, Nerd­core)

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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10 Kommentare

  1. Zu Eva Her­man: Sel­ten habe ich einen der­art däm­li­chen Kom­men­tar zu einem so trau­ri­gen Ereig­nis gele­sen. Gut, Frau Her­man hat sich ja schon dann und wann mal als debile Per­son qua­li­fi­ziert, aber daß sie in Ihrer Pseudo-Moral gleich mal 2000 Jahre zurück­springt, hat mich letzt­end­lich zu der Frage bewegt, ob bei ihr die Syn­ap­sen noch Kon­takt zu den Nachbar-Synapsen haben.

  2. Die Sache mit dem Blut-Poster erin­nert mich ein biss­chen an And­res Ser­rano, der einige Bil­der mit mensch­li­chen Kör­per­flüs­sig­kei­ten erstellt hat, z.B. »Semen and Blood III« (also sein eige­nes Blut und Sperma), was das Cover eines Metallica-Albums ziert.
    Auch eher schräg…

    Der Necronomicon-Werbespot passt da ja schon fast ins Thema, ist das nicht in Abschrif­ten auch in Blut erhal­ten (also selbst­ver­ständ­lich rein in der fik­ti­ven Editions-Geschichte)?

    Mit Pup­pen spiele ich zwar nicht, aber der Fas­zi­na­tion für diese Vie­cher kann ich mich eben offe­bar deut­lich weni­ger ent­zie­hen als du ^^

  3. Also die­ses Blut­pos­ter fas­zi­niert mich auch … ist doch mal eine Idee! Die Auf­lage wird dafür aller­dings nicht sehr groß sein, sonst ist von den Band­mit­glie­dern bald nix mehr übrig *lach*

    @vonKarnstein: Die Pup­pen meine ich hier im Gothic­shop schon gese­hen zu haben. Nicht mein Ding.

  4. @Vizioon: Ich denke, Syn­ap­sen haben auch ihren Stolz, die sind sicher­lich im Sommerurlaub.

    @Karnstein: Inter­es­san­ter Quer­ver­weis, der war mir noch nicht in die­ser Form bekannt und wirft doch ein paar »Nachmacher«-Aspekte auf. Wobei ich aber fra­gen muss, ob man seine »Kunst« noch als sol­che im klas­si­schen Sinne ver­steht. Ekelthe­ra­pie wäre viel­leicht ein bes­se­rer Begriff in dem Zusammenhang :)

    @shan_dark: Soweit ich weiß, war auch nur nach einem Pos­ter Ende im Gelände und das soll auch noch ver­kauft wer­den. Viel­leicht erobert die Idee bald die Por­trät­zeich­ner, das eigene Gesicht im eige­nen Blut. Wäre auf jeden Fall äußerst authentisch. ;)

  5. Irgend­wie defi­niert das wohl auch die Szene: Sperma-und Blut-Poster sind inter­es­san­ter als der Tod von 21 Menschen.

  6. Was hat denn das mit­ein­an­der zu tun? Dar­über hin­aus: Du fin­dest den Tod von 21 Men­schen inter­es­sant? Ich finde ihn scho­ckie­rend, da kann ich nichts, aber auch gar nichts inter­es­san­tes daran finden.

  7. Ja, finde ich inter­es­sant. Und was das mit­ein­an­der zu tun hat? Ok, ich ver­su­che es Dir zu erklä­ren: Hast Du die oben­ste­hen­den Kom­men­tare gele­sen? Ich ver­mute, daß Du hast es nicht. Denn da geht es nicht um 21 Tote. Das Inter­es­sante ist eben, daß es weder Dich noch die bei­den ande­ren inter­es­siert, denn da geht es um Pup­pen, Blut und Sperma.

  8. Und das hat immer noch nichts mit­ein­an­der zu tun. Nur weil ich nichts zu 21 Toten schreibe oder kom­men­tiere, heißt es nicht ich schere mich nicht um das was pas­siert ist. Im übri­gen geht es auch im Arti­kel nur um Frau Herman’s unpas­sen­den Kom­men­tar zu dem Unglück, nicht um das Unglück selbst oder die 21 Toten, denn das habe ich einem ande­ren Arti­kel bereits und für mich verarbeitet.

  9. @Robert: Ich ver­mute, wir spre­chen anein­an­der vor­bei. Um Deine Reak­tion ging es mir nicht, denn Deine Posi­tion hast Du klar gemacht. Ich bin erschüt­tert, daß es über­haupt zu Ver­letz­ten, und starr vor Angst, daß es zu Toten gekom­men ist. Das ist grau­en­haft und trau­rig. Ich war und bin nur etwas über­rascht, daß die Kom­men­tare dazwi­schen sich nicht damit befasst haben.

  10. Das klingt ein­leuch­ten­der. Man muss sich aber nicht zwangs­läu­fig mit der The­ma­tik aus­ein­an­der­set­zen, gerade da es hier um Frau Herman’s merk­wür­dige Gedan­ken dazu geht.

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